Über dieses E-Book
Ähnlich wie Amanda
Ähnliche E-Books
Fantasy Sonder-Edition: Stadt der Helden Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWenn das Eis bricht Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSekandert - Falscher Schatten: Band 2 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTHE CAVERN - Das Grauen aus der Tiefe: Horrorthriller Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenPatrick und die blöde Fee Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSophie Starling und die geheime Gesellschaft der magischen Wesen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSidequest: Gefangen zwischen Loyalität, Dämonen, Goblins und Orks Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Geheimnis von Mikosma: Blutsverwandt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenYour Soul in Wonderland: Auftakt einer düsteren Alice-in-Wonderland-Adaption Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLambadu (Band 1): Der Zahnfeenstab der Magie des Herzens Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenTessa: Die Wandlung Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLiam Andersen und das Buch der Schatten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenOur souls in your dream: Die verrückte Fortsetzung der Wonderland-Trilogie Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Erbin des Kalten Feuers: Der zweite Teil einer aufregenden High Fantasy-Saga Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDandelion: Magische Abenteuer Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSyleria: Band 1 der Syleria-Saga Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Chroniken von Avantia (Band 3) - Der Angriff des Pumas: Abenteuer in der bekannten Welt aus Beast Quest Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Aufzeichnung des Schicksals: Das Goldene Horn Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIm Sturmwind der Highlands Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenFeenlied ll: Der verwunschene See Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Chroniken der Seelenwächter - Band 6: Spiel mit dem Feuer: (Urban Fantasy) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Wälder von Nynn I Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIn der Höhle des Bösterhasen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMerchien - Die sehnsüchtig erwartete Fortsetzung von Hänsel und Gretel: Die Rückkehr zum König - Das große Finale Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Drachenkinder und das magische vierblättrige Kleeblatt: Die Drachenkinder von Valdier-Serie, #5 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDark Ship: In den Fängen der Wut Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Erbe der Macht - Band 40: Das Ende des Weges: Das große Finale der Serie Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAura: Gefangen in der Schattenwelt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Nekromant - Totengott Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenValkyrie (Band 3): Hels Armee Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Rezensionen für Amanda
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
Amanda - Daniela Spröh
1. Kapitel – Auf der Reise
Die Worte waren ihr immer noch im Gedächtnis. Seit Tagen schon. Kein Wunder, sie hatten lange genug an einer präzisen und knappen Wortwahl gefeilt.
Hallo Haeveij und Onkel Amatan.
Wir haben es geschafft, wir sind entkommen. Allerdings ist uns Noctuadar bestimmt schon auf den Fersen. Im Moment kämpfen wir uns durch die Wälder im Süden Dahrbens. In wenigen Tagen werden wir die südlichen Felsketten erreichen. Jonah meint, wir könnten Takar zu Fuß in drei Wochen erreichen.
Wir sind beide wohlauf,
Grüße, Amanda und Jonah
Nun war diese Nachricht aber wie ausradiert aus dem kleinen Buch. Jedoch waren auch alle anderen Seiten weiß und leer. Da konnte Amanda noch so oft blättern. Ihre Botschaft blieb also unbeantwortet.
Ein Rascheln! Abrupt schlug sie das Buch zu und legte es beiseite. Sie fuhr herum, nahm ihr Schwert in die Hand. Sie sollte es endlich mal schärfen, denn selbst ein Brotlaib stellte eine Herausforderung für das Ding dar. Ihr Blick fiel auf das wackelnde Gebüsch. Eine Maus huschte darunter hervor. Sie atmete auf, wusste nicht, was sie bei einem richtigen Räuber getan hätte. Angespannt setzte sie sich auf einen Baumstamm und prüfte zum zehnten Mal, dass wirklich noch alle Sachen da waren: ihre Tasche mit Kleidung, Kohlestift, Pergament und natürlich Amatans Zauberbuch. Daneben Jonahs Rucksack mit Messern, Seil, einer Landkarte sowie allerlei anderem Krimskrams, den er unbedingt mitschleppen wollte. Auch das kleine leere Buch packte sie wieder dort hinein. Zu essen hatten sie nichts mehr. Nur noch zwei leere Saftflaschen mit Korkverschluss aus der Schule, die sie nun für frisches Wasser nutzten.
Wie lange war er jetzt schon fort? Seit heute Morgen. Inzwischen war Mittag. Sie hatte Hunger! Seit einem Tag hatten sie nichts mehr gegessen. Sobald ihr Geld verbraucht war, hatte sich Jonah freiwillig zum Essensdienst gemeldet. Das bedeutete, dass er in den nahe liegenden Städten herumstreunte und hier und da ein paar Äpfel und andere Kleinigkeiten einsteckte. Die ersten Male war Amanda dabei gewesen. Er war wirklich geschickt, schien nichts verlernt zu haben seit seiner Zeit als Straßenkind. Später stellten sie fest, dass zwei Personen zu auffällig waren, und Jonah ging allein auf Beutezug. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass sie beim letzten Diebstahl zuerst von zwei eifrigen Metzgerburschen verfolgt worden waren, sich in einem Hühnerstall verstecken mussten, die Hühner auf Jonahs Augen einhackten, weil er die Eier stibitzen wollte, woraufhin sie beide zu guter Letzt Schlamm beschmiert und gefiedert der Bäuerin gegenüberstanden, die sie schimpfend vom Hof jagte.
»Wisst ihr Gauner eigentlich, was so ein Hof für uns Leute bedeutet?«, hatte sie ihnen hinterher geschrien, als Amanda und Jonah davonjagten. »Wir vom Dorf haben nichts zu bewirtschaften abgesehen von diesen kleinen Gehöften, seit der Rat die Ländereien in den Feenwäldern beansprucht. Jetzt schleicht euch gefälligst davon und lasst uns unser Eigen.«
Irgendetwas hatte danach dumpf auf dem Boden aufgeschlagen. Amanda vermutete, dass es ein Pantoffel der zornigen Frau gewesen war.
Nach dieser Begegnung hatten Amanda und Jonah eine lange Debatte geführt, ob es in Ordnung war, weiterhin als Diebe durch die Lande zu ziehen.
»Wir haben keine andere Wahl«, hatte Jonah letztlich argumentiert, »oder willst du verhungern, bevor wir am Ziel ankommen?«
»Aber schau: Diese Leute aus den Dörfern haben kaum Land, wenige Felder und können sich geradeso selbst ernähren. Sie sind auf die Märkte der Städte angewiesen, um dort mit ihren Waren gute Geschäfte zu machen.«
»Wir klauen nur, was wir unbedingt brauchen, Amanda. Das ist nicht viel und bringt die Leute nicht um. Es ist die Sorge um sich selbst, die sie ängstigt.«
»Und«, fügte Amanda dem hinzu, »dass der Rat noch mehr Land beansprucht und diesen Leuten irgendwann gar nichts Eigenes bleibt.«
»Das kann der Rat machen. Aber er wird nicht seine eigene Bevölkerung in den Wahnsinn treiben. Sie würde protestieren, wenn man versuchte, sie einzuschränken.«
»Außer, es geschähe zu ihrem eigenen Wohl. Nach dem Krieg hat der Rat sich selbst zur Regierung ernannt. Er hat Grenzen gezogen, statt Einigung zwischen den Völkern zu schaffen, er kreist.«
Jonah hatte seufzend alle Diskussion aufgegeben und festgelegt: »Aber Essen brauche ich trotzdem. Ich werde allein gehen, vielleicht bring ich dir aus Nächstenliebe was mit.«
Wo blieb er jetzt nur? Sie war immer wahnsinnig nervös, wenn sie allein die Verantwortung für ihre Sachen trug. Auf dem Weg waren sie bisher zum Glück von Räubern und anderen üblen Leuten verschont geblieben, was bestimmt ein Omen dafür war, dass sie bald eine böse Überraschung erleben müssten.
Sie vernahm hastige Schritte auf dem Waldboden, Zweige knackten, keuchender Atem. Jonah tauchte hinter ihr zwischen zwei Eichen auf. »Amanda, beeil dich. Wir müssen schnellstmöglich weg von hier.« Er setzte den Rucksack auf und warf ihr seinen zur Hälfte gefüllten Proviantbeutel zu. Sie stopfte ihn mit Mühe in ihre Umhängetasche. »Was ist los?«, fragte sie. »Bist du erwischt worden?«
»Vielleicht«, murmelte er. »Erklär ich dir später. Komm!«
Sie rannten ohne ersichtliches Ziel. Jedenfalls kam es Amanda so vor. Jonah wusste hoffentlich, was er tat. Den Waldweg hatten sie gestern Abend verlassen, um im Dickicht einen geschützten Schlafplatz zu finden. Zumindest war er sicher vor Räubern. Ein Feuer zum Schutz vor Tieren konnten sie nicht machen, da sie dann von möglichen Verfolgern leichter entdeckt würden. Deshalb musste immer einer Wache halten.
Nun aber liefen sie so schnell sie konnten vor etwas davon, von dem Amanda nicht einmal wusste, ob es sie überhaupt jagte. Das Dorf, in dem Jonah heute auf Beutezug gewesen war, lag etwa eine halbe Stunde hinter ihnen. Das nächste sollte laut Karte etwas weniger als einen Tag zu Fuß vor ihnen liegen. Also zu weit, um dort zwischen Menschen und Wesen Schutz zu suchen.
»Warte einen Moment«, keuchte Jonah. Er ging einige Schritte nach rechts, in die Richtung, in welcher der Waldweg liegen musste. Achtlos stapfte er durchs Gebüsch, brach hier und dort ein paar Zweige ab. Minuten verstrichen, dann kam er zurück. »Das sollte sie auf einen falschen Weg führen, wenn sie uns folgen.«
Geschickt gemacht, gestand sich Amanda. Ohne Jonah wäre sie schon längst aufgeschmissen. Er brachte die Essensvorräte heran und wusste, wie man in den weiten Landen überlebte. Sie kannte lediglich ein paar gute Heilrezepte, die dank Jonahs Kenntnissen und Kampftalent jedoch kaum Anwendung finden würden.
Sie gingen weiter. Jonah suchte den kompliziertesten Pfad heraus. Sie kletterten mit ihrem Gepäck über und unter umgefallene Baumstämme, erklommen Felsen, schlugen sich Wege durch Dornengestrüpp. Spätestens da würde ihren Verfolgern auffallen, dass sich jemand mit Dolch und Messern durchgekämpft hatte.
»So weit werden die Alten sicher nicht kommen«, beharrte Jonah und ließ sich auf ein Mooskissen fallen. »Hier dürften wir erst einmal sicher sein.«
Sie schauten sich um. Um sie herum gab es nur Bäume und Gestrüpp. Einige Schritte neben ihnen wuchs das Dickicht an einem Felshang in die Tiefe. Dort waren die beiden irgendwann heute Nachmittag hinaufgeklettert. Vor ihnen lag ein breiter Pfad, der sich zwischen Dornen und Ranken gen Norden schlängelte.
Amanda setzte sich neben Jonah. »Wie viele von ihnen hast du gesehen?«
»Einen habe ich beim Fischhändler entdeckt, diesen Frosch. Ran, heißt der. Dann haben da noch zwei andere Grauhaarige ein bisschen zu auffällig den Himmel angestarrt, als dass man sie für unschuldige Bürger hätte halten können. Könnte die Libellenfrau gewesen sein, Libelia und dieser Hirsch, Cerv.«
»Also verfügt der Rat auch über Agenten, die nach uns suchen. Wie sollen wir das schaffen? Die Mitglieder des Rates können sich sogar in Tiere verwandeln, die können doch überall sein. Wir haben noch nicht einmal die Hälfte des Weges zurückgelegt, und sie sind uns jetzt schon auf den Fersen.«
Jonah schaute nachdenklich in die Ferne. »Ich würde jetzt normalerweise versuchen, dich aufzumuntern, aber du hast recht.«
Wo sollte das hinführen, wenn sogar Jonah keinen Rat wusste? Seit fast einer Woche waren sie unterwegs, hatten ängstlich jeden Baum umrundet, ob nicht ein Späher dahinter stünde. Jetzt waren sie also entdeckt worden.
»Weißt du überhaupt, ob sie dich gesehen haben?«, fragte Amanda.
Er schüttelte den Kopf. »Nicht sicher. Aber ich gehe davon aus. Ich habe mich in den Massen versteckt und bin durch alle möglichen Gassen gerannt. Ich hoffe, sie damit abgehängt zu haben – wenn sie mir gefolgt sind. Die drei, die ich gesehen habe, sahen nicht so wahnsinnig jung aus. Deshalb, denke ich, werden sie große Probleme haben, uns hierher zu folgen. Trotzdem müssen wir vorsichtig sein. Ich glaube, noch einmal lassen sie sich so eine Gelegenheit nicht entgehen.«
»Das heißt, von nun an Abstand halten von Wegen und ab durch Bäume, Büsche und Gestrüpp.«
Er nickte. »Ich sehe, du verstehst es allmählich.«
»Man gewöhnt sich langsam an die Freiheit als Kriminelle. Es übt einen gewissen Reiz aus.«
»Ja, solange, bis man uns schnappt. Dann war’s das mit dem Reiz der Freiheit. Der Beginn der Gefangenschaft. Bei den meisten nennt sich das Schule.«
Amanda kicherte, obwohl sie wusste, dass Jonahs Miene hart blieb bei der Vorstellung. Er hatte das alles schon einmal erlebt. Diesmal wollte er es besser machen. Er hatte Erfahrungen gesammelt, hatte trainiert und immer wieder geübt. Diesmal wollte er schlauer sein als die anderen. Lange und intensive Arbeit steckte hinter ihrem Plan und im Wesentlichen war es Jonah, der dafür geackert hatte.
»Gib mir mal die Karte«, bat sie ihn, der sogleich zu kramen anfing.
»Hm, auch eine gute Idee«, sagte er und hielt zwei Brötchen hoch. »Bist du hungrig?«
Sie lauschte kurz auf ihren Bauch. Ja! Er hatte seit gestern Abend nichts zu tun bekommen. »Unbedingt«, sagte sie, während sie die Pergamentkarte und eins der Brötchen entgegennahm. Vorsichtig klappte sie das zerfledderte Papier auf und beschwerte die Ecken mit moosbewachsenen Steinen. »Also, wir müssten uns etwa hier befinden.« Sie kreiste mit dem Finger einen Bereich im unteren Teil der Karte, einige Zentimeter oberhalb des Punktes Schule, ein. »Bis nach Takar sind es noch ganze zwei Wochen, wenn alles gut geht.«
»Träum weiter«, lachte Jonah und biss wie ausgehungert in sein Brötchen. »Daf kannft du vergeffen.«
»Das weiß ich doch. Kau hinter, bevor du sprichst. Wir sollten einen Umweg machen. Wahrscheinlich wissen die längst, wo wir hinwollen, und lauern in sämtlichen Städten auf dem Weg. In den Siedlungen und Städten dürfen wir uns auf keinen Fall mehr sehen lassen. Die bekannten Wege sollten wir auch meiden. Noctuadar wird überall, wo er uns vermutet, Posten aufgestellt haben, die Ausschau halten.«
Amanda schwieg und widmete sich zunächst ihrem Brötchen. Vielleicht konnte sie sich dann besser konzentrieren.
»Und wenn wir einfach ganz plötzlich im Wald verschwinden? Wir machen einen Bogen um jedes Dorf. Ich könnte etwas jagen und du kennst dich doch mit Grünzeug aus. Damit dürften wir zwei Wochen überleben.«
»Aber woran sollen wir uns orientieren? Wir könnten ja nicht einmal jemanden fragen.«
»Sonne und Moos«, meinte er ganz einfach, schaute jedoch gebannt auf die Karte. »Bis zu dem Fluss nahe Takar können wir der Felsenkette folgen, auf der wir uns gerade befinden. Sie verläuft abseits von allen Wegen. Wer weiß, vielleicht finden wir geheime Gänge darin. Damit würde das schneller gehen.«
»Ist das dein Ernst?« Amanda rollte die Augen.
Jonah grinste. »Wenn du wüsstest, was es alles gibt …«
»Ich behaupte ja nicht, dass es unmöglich ist. Nur sehr abwegig«, sagte sie zu Jonah, der daraufhin noch breiter grinste. »Na gut, ich hätte auch nie geglaubt, dass es in einem kleinen Bach geheime Gänge geben könnte, in denen Leute leben.«
Er zog die Brauen hoch. »Wie meinst du das?«
Als wäre es das Normalste überhaupt antwortete sie: »Zu Hause in Takar war ich mit einem Wassermädchen befreundet. Die hat mich mal in ihr Heim eingeladen.«
»Das ist ja ein Ding. Du warst in einem Haus im Wasser? Darüber musst du mir bei Gelegenheit mehr erzählen. Aber machen wir weiter im aktuellen Thema. Ich bin zwar eigentlich gegen ein bestimmtes Muster in der Vorgehensweise, doch haben wir wohl keine Wahl. Wir folgen zunächst stur dem Verlauf dieser Felsen. Wenn wir das geschafft haben und an dem Fluss angekommen sind, sehen wir weiter.«
Amanda beschlich noch ein ganz anderes Gefühl. »Was ist, wenn Amatan bereits informiert ist?«, fragte sie Jonah. Schon öfter hatte sie sich mit diesem Gedanken befasst, jedoch war sie ihm nie bis zum Ende gefolgt. »Sicher wird ein Dutzend Agenten vor seinem Haus auf und ab laufen. Oder im Haus. Wer weiß, was die ihm erzählt haben. Oder wenn sie ihn aus dem Weg geräumt haben?«
»Jetzt bleib mal ganz ruhig.« Jonah hob beschwichtigend die Hände. »Erst einmal müssen wir dort sicher ankommen.«
»Das ist nicht gerade ermutigend.«
Er legte ihr entschuldigend einen Arm um die Schultern. »Du machst dir viel zu viele Gedanken«, sagte er lächelnd.
Einsichtig und vielleicht auch ein bisschen erschöpft ließ sie ihren Kopf an seine Schulter sinken. »Zu Recht.«
Einige Stunden, die sich wie wenige Minuten anfühlten, saßen sie so beieinander, beobachteten, wie sich der Himmel über ihnen in ein goldenes Tuch verwandelte, das herabsank und sie sanft einhüllte. Von weitem war ein melodisches Summen zu vernehmen. Klarer und süßer als die Stimme eines Menschen, fast zu schade, um nur einem Vogel zu gehören.
»Hörst du die Sänger der Nacht?«, wisperte Jonah.
Sie blickte ihn begriffsstutzig an. »Du meinst die Vögel?«
»Nein, die Naturgeister in den Bäumen, die nur nachts aufwachen. Es gibt eine Sage von einem Hirsch, einer Ameise und der Geistern der Nacht. Sag bloß, du kennst sie nicht.«
Hingerissen lauschte Amanda. Wie Flöten klangen leise Lieder durch den ins Abendlicht getauchten Wald. Gruselig und schön zugleich. »Erzählst du sie mir?«
Er überlegte kurz. »Gern, aber wehe du lachst.«
Schon bei dieser Bemerkung konnte Amanda ein Grinsen nicht unterdrücken. »Ich versuch’s«, erklärte sie im vollen Bewusstsein ihres nicht vorhandenen schauspielerischen Talentes.
»Eine Ameise stand in der Abenddämmerung vor einem großen Fluss. Seine Strömung war gewaltig. Zu ihr trat ein Hirsch. Er bot an, sie zu hinüber zu tragen. Doch die Ameise lehnte ab, da der Hirsch bekannt war als Begleiter der Toten. Sie meinte, er wolle sie in den Tod führen. Der Hirsch argumentierte, er wolle ihr nur helfen, damit sie vor Einbruch der Dunkelheit am andern Ufer wäre. Die Ameise glaubte ihm nicht. Am Ende ließ sie sich jedoch überreden und setzte sich in das Gehörn des großen Tieres. In der Mitte des Flusses hielt der Hirsch an und tauchte ohne Vorwarnung seinen Kopf ins Wasser, sodass die Ameise hinein fiel und von der Strömung fortgetragen wurde.«
Und?, fragte sich Amanda, als Jonah nicht mehr weitersprach. Mit neugierigen Augen erwartete sie eine positive Wendung der Geschichte.
»Die kleine Ameise ertrank natürlich in den Wellen, und der Hirsch setzte seinen Weg fort. Die Geister der Nacht waren aufgewacht und hatten das alles beobachtet. Tief berührt von der Szene huschten sie durch den Wald und verkündeten das Unglück. Seitdem singen sie jeden Abend zur Dämmerung für die Toten des vergangenen Tages.«
»Warum hat der Hirsch das gemacht?«, fragte Amanda.
»Er ist der Begleiter der Toten. Er weiß, wenn die Zeit reif ist und hilft den Seelen einen leichten Übergang zu finden.«
»Aber es war eine gemeine Lüge, wenn er behauptete, er tue der Ameise nichts.«
»Nein, war es nicht. Er sagte, er wolle ihr helfen. Das hat er getan. Sie hat nur etwas anderes erwartet. Eigene Schuld, würde ich sagen. Aber sie hatte die Aufgaben in ihrem Leben erfüllt. Der Hirsch erledigt die seinen. So ist das Leben.«
Als hätte er Angst, dass auch sie untergehen könnte, zog er sie an sich und streichelte ihr über den Arm. Es war wie ein Moment der Stille vor dem großen Sturm. Nur die Lieder der Geister klangen durch den Wald.
Amanda schauerte. Unheimlich waren sie trotz ihrer harmonischen Melodie.
»Es sind gute Geister«, beruhigte Jonah. »Sie wurden von einer Magierin namens Salamandra erschaffen, um über die Wesen in dunkler Nacht zu wachen. Sie können uns nicht berühren. Man kann sie nicht mal sehen, so schnell verschwinden sie in ihren Bäumen.«
Sie waren also ähnlich motiviert wie die Feen, die Amanda damals gerettet hatten. Die Natur war auf ihrer Seite. Oder auf der des Hirsches? In dieser Geschichte tauchte wieder mal die schwer zu beantwortende Frage nach Gut und Böse auf. Wo lag die Grenze?
»Warum hätte ich lachen sollen?«, fragte sie in die Ruhe hinein.
Er warf ihr einen verwirrten Blick zu. »Wie …«
»Du sagtest doch, ich solle nicht lachen.«
»Ach so. Ich dachte, du hältst mich vielleicht für bescheuert, wenn ich an so etwas glaube.«
»Glaubst du denn daran?« Sie fragte, doch glaubte sie nicht, dass er ihr antworten würde. Jonah sprach nicht gern über Gefühle. In dieser Hinsicht besaßen sie eine Gemeinsamkeit. Amanda würde manche ihrer Gefühle ebenfalls lieber verstecken, wenn sie könnte.
»Man weiß nicht genau, ob das wirklich passiert ist. Nach so vielen Jahren ist das kaum nachzuvollziehen. Manche Leute sagen, es sind Vögel, die da singen und sich tagsüber in Baumhöhlen verstecken. Aber man hat sie bisher wohl ebenso selten gesehen wie die Geister.«
Er blinzelte dem letzten Sonnenstrahl hinterher, der hinter schwarz gewordenen Bäumen verschwand. Die Geister sangen ihre Melodien nun umso intensiver. Er küsste ihr Haar, das jetzt wie Feuer glänzte. »Legst du dich hin? Ich halte Wache.«
»Lass nur, ich bin dran«, sagte sie.
»Schlaf du lieber. Wir müssen jetzt immer hellwach sein.«
Sie stöhnte. Gegen Jonah zu argumentieren, war aussichtslos. »Du aber auch. Ich wecke dich, wenn ich müde bin. Außerdem hast du heute schon genug geleistet.«
»Kommt nicht infrage. Du brauchst deinen Schlaf.«
Sie setzte sich mit verschränkten Armen vor ihn. »Gut, dann bleiben wir beide wach.«
Er rollte die Augen. »Willst du es darauf ankommen lassen?«
Sie schwieg. Wenn nötig, sollte es so sein.
»Na gut«, sagte er. »Aber weck mich rechtzeitig, ja?« Er holte die Decken aus dem Rucksack und machte es sich, so gut es ging, zwischen Steinen und Gras bequem.
»Natürlich. Schlaf gut.« Sie küsste ihn zur guten Nacht auf den Mund. Seine Lippen schmeckten salzig von der Anstrengung des Tages.
»Mach ich, Mami«, murmelte er und mummelte sich in seine Decke.
Amanda lauschte den Geistern der Nacht und versuchte zu verstehen, was sie sangen. Trauerten sie? Oder es war einfach nur eine alte Sage, die sich irgendein alter Gnom ausgedacht hatte, um seine Kinder ruhig zu stellen?
2. Kapitel – Auf Freundschaft!
Die Sonne fiel durch das hoch erhobene Blätterwerk. Die Vögel zwitscherten ihre Begrüßungsmelodien in den Morgen. Auf den Gräsern hing noch der Tau wie tausend kleine Perlen.
»Guten Morgen«, rief Jonah ihr freudestrahlend zu. Vor sich auf dem Boden hatte er das Frühstück ausgebreitet – Brötchen, Nüsse und Beeren.
Amanda rieb sich den Schlaf aus den Augen. Komischerweise fühlte sie sich kein bisschen müde, trotz der Nachtwache. »Guten Morgen.« Ihre Stimmbänder brachten nur ein Flüstern zustande, als sich langsam aus ihrem Deckenlager erhob. Offenbar war sie doch noch nicht so ganz ausgeschlafen. »Das sieht wunderbar aus«, sagte sie zu ihrem Wegegleiter.
Dieser nickte stolz. »Ich war schon fleißig. Habe sogar Freunde gefunden und Hilfe organisiert.«
»Hilfe?«
Erneut nickte er. »Sobald du fertig bist mit dem Frühstück, brechen wir auf.«
»Hilfe?«, fragte sie noch einmal. »Brauchst DU etwa Hilfe?«
Er hielt ihr eine Schale Wasser hin. Jedenfalls dachte sie, dass es Wasser sei. Als sie davon probierte, begann ihr Rachen zu brennen. Erst jetzt fiel ihr auch der beißende Geruch auf. Angewidert gab sie die Schale zurück, während sie hustend nach Luft rang. »Willst du mich umbringen? Wo hast du das her?«
Er lachte laut und nahm gelassen selbst einen Schluck des Gebräus.
Auf Amandas Zunge machte sich ein bitterer Geschmack breit. »Ist das etwa Alkohol?«, fragte sie mit vor Abscheu verzogenem Gesicht. Jonahs breites Grinsen war ihr Antwort genug.
In ihrem Leben hatte sie genau einmal Alkohol getrunken: Als ihre Mutter an einem schönen Nachmittag Gäste eingeladen hatte. Damals war sie neugierig gewesen, was denn in den kleinen Gläsern drin war, die die Frauen und Männer so begierig nachfüllen ließen. Ihr war es völlig unverständlich gewesen, wieso man denn kein großes Glas nehmen konnte, wenn etwas so gut schmecken sollte. Folglich musste sie davon probieren. Vielleicht waren es ja Zaubergläser. Als sie in eines unbemerkt ihren Apfelsaft goss, stellte sie keinen Unterschied fest. Die unangenehme Überraschung äußerste sich dann hustend und brennend, als sie heimlich das Gläschen vom Nachbarn Laurin leer trank.
»Wo hast du den her?«, hakte sie nach.
»Von unseren Freunden«, verkündete er fröhlich. »Nun iss schon. Sie werden grimmig, wenn sie zu lange warten.«
Misstrauisch beäugte sie ihr Mahl. Die Beeren schienen ihr in Ordnung zu sein. Auch der Geruch. Erst vorsichtig, dann gierig stopfte sie sich den Mund voll, um das widerliche Gefühl zu betäuben.
*
Sie standen vor einem Baum. Zugegeben: Er sah wunderschön, groß und prächtig aus, trug saftig grünes Laub und schien schon seit vielen Jahren stolz da zu stehen. Aber es war eben nur … ein Baum, den Jonah so interessiert musterte.
»Darf ich fragen, was du suchst?«
Er vollendete seine fünfte Runde um den Baum. »Einen Eingang«, murmelte er.
Sollte sie jetzt weiter nachhaken oder ließ sie Jonah einfach machen? Normalerweise wusste er, was er tat … Angetrieben von Neugier jedoch schaute auch sie sich nach etwas … Auffälligem um. Sie befanden sich immer noch auf dem Felsenzug, den sie gestern erklommen hatten. Anscheinend gingen noch mehr Leute diesen Pfad entlang, denn hier waren Gesträuch und Ranken achtlos nieder getrampelt worden. Auch zog Moos hier seine grünen Bänder entlang. Links von dem Pfad wuchsen Bäume, Gestrüpp und Sträucher in die Unendlichkeit, als ob sie einen steinernen Hang hinauf kletterten. Rechtsseits befand sich ein kahler kreisrunder Fleck, der von dem Pfad abzweigte. Auf diesem kleinen Platz, kurz vor dem stark überwucherten Abhang, stand der wunderschöne laubreiche Baum, den Jonah umrundete und nun umständlich abklopfte. Prüfend lauschte er, ob sich im Innern etwas regte.
»Suchst du nach Holzwürmern?«, rief Amanda belustigt hinüber.
Er verschränkte skeptisch die Arme vor der Brust, als wüsste er nicht recht, was er von einem störrischen Baum halten sollte. »Vielleicht.«
»Dann frag doch den Vogel über dir. Der hat sicher auch Hunger.«
Jonahs Blick ruckte nach oben. »Sitzt der schon die ganze Zeit da?«
Sie zuckte mit den Schultern und interessierte sich eher für die Vogelart. War es eine Taube?
»Hör zu, Vogel. Wir haben es ein bisschen eilig. Kannst du uns bei Grundromiell anmelden? Er wartet auf uns.«
Amanda schlug die Hand vors Gesicht und schüttelte den Kopf. Sie vertraute Jonah. Sie kannte niemanden, der cleverer und einfallsreicher war, aber das war zu viel. Sollte das jetzt lustig sein oder war ihm damit ernst?
Ehe sie sich’s versah, gurrte die Taube wie zur Bestätigung, drehte eine Runde um den Baum und ward nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich war sie vor lauter Ratlosigkeit in ihr Nest zurückgekehrt.
»Jetzt hast du sie verärgert«, klagte Amanda.
»Sie wird mir bestimmt helfen.«
Sie warf ihm einen ernsten Ich-mach-mir-Sorgen-um-dich-Blick zu. Doch statt ihr eine erklärende Antwort zu geben, schaute er suchend den Boden ab, ob er nicht irgendetwas übersehen hatte.
»Hast du eigentlich mal kontrolliert, ob wir schon eine Antwort von Haeveij haben?«
»Ich schau mal nach.«
Jonah nickte, in seine eigenen Gedanken versunken.
Amanda kramte nach dem Buch. Bevor Haeveij von der Schule gegangen war, hatte er es ihr übermittelt, damit sie weiterhin in Kontakt bleiben konnten. Doch die Seiten, die sie jetzt durchblätterte, waren alle noch immer weiß. Kein Wort.
»Nichts. Er hat noch nichts zurückgeschrieben.«
Plötzlich ertönte ein Knarren aus dem Boden herauf! Dem folgte ein leichtes Zittern des Felsens unter ihren Füßen. Amanda konnte sich gerade noch auf den Beinen halten und packte schnell das Buch wieder ein. Auch Jonah schien überrascht. Was war das? Der Atem stockte ihr, als sie in der Felswand hinter sich ein Loch entdeckte.
Daraus kam eine kleine Gestalt angewatschelt. Sie konnte maximal einen Schritt groß sein, war dafür aber ziemlich stämmig. Kein Zweifel: Es war ein Zwerg. Er trug ein grobes Leinenhemd, eine Hose, die ein prächtig verzierter Gürtel schmückte, schlichte geschnürte Lederstiefel und an einem Lederband um seinen Hals hing ein feuerroter Edelstein. In Bart und Haare waren sorgfältig kleine Zöpfe eingeflochten.
»Hallo, Grundromiell«, begrüßte Jonah den Winzling. »Wie versprochen: Hier sind wir. Das ist Amanda, von der ich erzählt habe. Amanda: Das ist Grundromiell – mein Freund. Er hat sich bereit erklärt, uns zu helfen. Übrigens – das interessiert dich bestimmt – ist er ein begehrter Heiler bei den Zwergen.«
»Hallo«, grüßte auch Amanda ein wenig unsicher. Sie reichte Grundromiell die Hand, was sich hinterher als leichtsinniger Fehler herausstellte. Denn trotz seiner geringen Größe konnte der Zwerg unheimlich kräftig zupacken. Amandas Hand fühlte sich an, als wäre sie von Steinen überrollt worden. Ein leichtes Lächeln huschte über Grundromiells Gesicht. Amanda hatte einmal gehört, dass die Zwerge ein recht gefühlskaltes Volk sein sollten, das nur zwei Arten von Emotionen kannte: ein regloses, neutrales Gesicht bedeutete Freude oder Zustimmung, alles andere drückte ein Zwerg mit wilden Flüchen aus.
»Freut mich«, brummte Grundromiell durch seinen dichten Bart. Er sprach mit einem leichten Akzent, der das »R« rollte. Ähnlich wie Donnergrollen. Dann drehte er sich um und ging zurück. Jonah krallte sich den Rucksack und folgte ihm. Einen Augenblick überlegte Amanda noch, begriff jedoch, dass sie ihm folgen sollten, hängte die Tasche um und huschte den beiden Männern hinterher, wieder einmal ohne zu wissen, warum sie das tat und wohin das führte.
Aus der Höhle eilte ein Vogel ins Tageslicht. Die Taube? Doch als Amanda sich umdrehte, senkte sich ein schwarzer Schleier über den Eingang. Wie durch ein Seidentuch fiel noch mattes Licht in die Höhle. Aber wieso hängte jemand einen Vorhang vor eine Höhle?
»Was ist das?«, fragte sie.
»Ein Unscheinbar-Zauber«, antwortete Grundromiell. »Diese Zauber tarnen alle Zwergenwohnstätten, damit wir geschützt sind vor äußeren Einflüssen.«
»Aber wir sind hier«, entgegnete Jonah.
Der Zwerg grollte etwas vor sich her, das sich wie eine Steinlawine anhörte. Besaßen Zwerge nicht sogar eine eigene Sprache? So hörte sie sich dann also an. »Du bist ja auch ein ganz besonderer Fall. Auf so einen Steinschädel könnte mancher Zwerg stolz sein.«
Während die beiden Männer diskutierten, bestaunte Amanda die Felswände, an denen unzählige, mit Edelsteinen besetzte Reliefs prangten. Sie zeigten zumeist geometrische Symbole. Vierecke und Dreiecke waren in rätselhafte Konstellationen gesetzt. Amanda erkannte Sterne und Menschen dazwischen. Wie lange war wohl an solch einem Werk gearbeitet worden? Sicher gab es hier noch mehr Gänge, vielleicht ein ganzes Tunnelsystem. Wie konnte man so etwas vollbringen? Gerade als sie sich fragte, wieso sie das hier unten überhaupt sehen konnte, erkannte Amanda weiß, rot und gelb leuchtende Punkte über ihnen.
»Leuchtkäfer«, erklärte Grundromiell, als er sich kurz umdrehte und ihren Blick bemerkte. »Sie leben nur untertage und ernähren sich von Fels, genauer gesagt von dem Lumen-Quarz, der darin wächst. Der Quarz sorgt dafür, dass die Tiere leuchten. Der rötliche Stich einiger Exemplare kommt von ihrem dicken Blut, das sich mit dem Leuchten mischt.«
Das Licht der kleinen Insekten wurde vielfach von den geschliffenen Steinen in den Wänden zurückgeworfen und tauchte die Tunnelgänge in halbdunklen Schein.
Amanda musste bei diesem Anblick sofort an das Unterwasserreich denken, in das ihre Freundin sie einmal mitgenommen hatte. Nur waren es statt Käfern dort Fische, die diese verborgene Welt erleuchteten. Ach ja, wie lange war das her? Aber bald würde sie ihre Freundin Thalita wiedersehen. Dann hatte ausnahmsweise Amanda mehr zu erzählen als das Wassermädchen. Vorausgesetzt, dass diese Gänge bald ein Ende nahmen.
Grundromiell bewegte sich zielsicher durch das unterirdische Labyrinth. Der Himmel wusste, wie er das anstellte. Die Wände sahen alle gleich aus. Fast alle, denn gerade betraten sie einen Gang, an dessen Wänden in regelmäßigen Abständen immer wieder Türen auftauchten. Die fantastischen Verzierungen der Wände gingen hier in aufwendige Bordüren über.
Mit schweifendem Blick wäre Amanda beinahe weiter gelaufen, als ihre Gefährten anhielten.
»Willkommen in meinem Heim«, erklärte der Zwerg, während er eine der dunklen Holztüren aufschloss.
Dahinter kam das wohl putzigste Wohnzimmer zum Vorschein, das Amanda je gesehen hatte. Schon beim Eintreten mussten sie und Jonah die Köpfe einziehen. In dem Raum konnten die beiden knapp aufrecht stehen, ohne mit der Decke in Konflikt zu geraten. Aus ersichtlichen Gründen bot ihnen Grundromiell gar nicht erst an, auf einem der kniehohen Stühle Platz zu nehmen. Selbst das kuschelige Sofa in der Ecke sah recht zerbrechlich aus. Im Großen und Ganzen war dies aber eine richtig
