Einführung in ausgesuchte Problembereiche der genealogisch-heraldischen Forschung in Ländern der Res Publica: Litauen, Polen, der Ukraine und Weißrusslands: Schriftenreihe für angewandte Sozialgeschichte StudIaS - Serie landesbezogene Einführungen zu genealogisch-heraldischen Forschungen Nr. 1
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Über dieses E-Book
In der Schriftenreihe StudIaS werden die bis 1989 nicht mehr zur Veröffentlichung gelangten Manuskripte als auch neue Arbeiten der RvS Stiftung jeweils in einer Auflage als e-Buch und in einer als Sachbuch gedruckten Ausgabe realisiert.
Die neue Schriftenreihe ist strukturiert in nachfolgende Serien:
StudIaS- allgemeine Serie mit deutsch- und fremdsprachigen Titeln
StudIaS-GEN - Hilfsmittel zu genealogisch-heraldischen Forschungen
StudIaS-E - Einführungen- Serie landesbezogene Einführungen zu genealogisch-heraldischen Forschungen
StudIaS-I - Indices - Suchhilfen in Werken ohne Indices
StudIaS-R - Werksausgaben kommentierten Reprints vergriffener Titel
StudIaS-Stammfolgen - Serie mit deutschsprachigen monographischen Geschlechterdarstellung
StudIaS-Wappengenossenschaften - Serie mit deutschsprachigen Wappendarstellungen RES PUBLICA
Edward O. von Schlesinger
Edward Ondrej Ritter von Schlesinger, Historiker, Sozialwissenschaftler und Steuerberater. Geboren in Prag 1953, Studium der Geschichte (Spezialisierung in Historischen Grundwissenschaften und osteuropäischer Geschichte), Politologie (Schwerpunkt Konvergenz von Systemen), Soziologie (Schwerpunkt Elitenbildung) und Wirtschaft (Schwerpunkt Steueroptimierung und Organisations-strukturen) in Aachen (Prof. Herwig), Bonn (Proff. Jacobsen, Kaiser, Potrzebowski, Smolinski, Thielen), Bochum, Düsseldorf (Proff. Lemberg, von Vacano), Mainz (Prof. Rhode) und an der Jagiellonischen Universität in Krakau, Lehrerausbildung, Promotion zum Dr. phil., Absolvent des Mainzer Modells in Mainz und Krakau und der Siemens Schule für Kommunikation und Organisation in Bonn, danach Berufsqualifikation zum Steuer-berater und zum leitenden Auditor ISO. Wegen Sprachkompetenz in Deutsch, Englisch, Polnisch, Russisch, Tschechisch, Ukrainisch und Weißrussisch beschäftigt er sich seit 40 Jahren mit historischer und zeitgenössischer Problematik des östlichen Europas. Tätigkeit: 1. am Instituts für angewandte Sozialgeschichte in Bonn, 2. an der Sächsischen Bildungsakademie in Chemnitz, 3. als Steuerberater mit einem ganzheitlichem Beratungsanspruch, 4. als Redaktionsleiter bei dem Forschungsprojekt Eliten der Serenissima Res Publica
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Titel in dieser Serie (1)
Einführung in ausgesuchte Problembereiche der genealogisch-heraldischen Forschung in Ländern der Res Publica: Litauen, Polen, der Ukraine und Weißrusslands: Schriftenreihe für angewandte Sozialgeschichte StudIaS - Serie landesbezogene Einführungen zu genealogisch-heraldischen Forschungen Nr. 1 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
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Einführung in ausgesuchte Problembereiche der genealogisch-heraldischen Forschung in Ländern der Res Publica - Edward O. von Schlesinger
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Wappenidentifikationssystem Herrn Tadeusz Gajl.
Einführung in ausgesuchte Problembereiche der genealogisch-heraldischen Forschung in Ländern der Res Publica:
Litauen, Polen, der Ukraine und Weißrussland
Edward Ondřej von Schlesinger
Die Publikation erfolgt im Rahmen des Forschungsprojektes
Eliten der Serenissima Res Publica Coronae Regni Poloniae Magnique Ducatus Lithuaniae 1385 - 1569 - 1795 und in deren Gebieten bis 1918
Schriftenreihe für angewandte Sozialgeschichte StudIaS
Serie: Einführungen #
E1
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
0.1. Territorialer Umfang der Erfassung des Adelstandes
0.2. Problematik des geringen Grades der Namensfestigung in Res Publica
0.3. Problematik des verdunkelten Adels in der demokratischen Gesellschaft
0.4. Namensproblematik in Anbetracht fehlender Konvertierungstabelle
1. Thematischer Überblick
1.1. Von polnischen Ritterfamilien zu adligen Szlachtageschlechtern
1.2. Besonderheiten der Namensproblematik im östlichen Europa
1.3. Bevölkerungsentwicklung und das Erlöschen von Geschlechtern
1.4. Adelsdichte der Res Publica am Beispiel Galiziens, Litauens, Masowiens
1.5. Besitzformen
1.6. Ist Szlachta polnischer Adel oder Adel der Res Publica?
1.7. Begriff des Klein-Adels
1.8. Herrschaft des Adels - Ausbeutung oder frühzeitlicher Sozialstaat?
1.9. Orwellsche Umschreibung der Geschichte an sozialistischen Beispielen
2. Vertretung des historischen Adels in den Gebieten der Res Publica
2.1. Estland
2.2. Lettland
2.3. Altlitauen als heutiger Sammelbegriff für das Großfürstentum Litauen
2.4. Polen
2.5. Ukraine
2.6. Weißrussland
2.7. Die Nationalstaaten übergreifenden Aktivitäten
2.8. Editierungsgrundlage zum Eintrag im Adelslexikon und Wappenlexikon
2.8.1. Richtlinie für die Fortschreibung des Adelslexikon
2.8.2. Vereinheitlichung der Namensschreibweise
2.8.3. Sprachliche Regelungen
2.8.4. Methodisch bedingte Abgrenzungsfehler
3. Wie starte ich die Suche nach den Familienwurzeln?
3.1. Generations- und Personenanzahlbezeichnung und Kékule-Nummer
3.2. Wie sehen die Schritte der Ahnenforschung aus?
3.3. Verwendete Nomenklatur der Stammfolgen
3.4. Verwendeten Generationsbezeichnungen
4. Kartenmaterial zur Darstellung des geschichtlichen Kontextes
4.1.1. Europa im Jahr 900
4.1.2. Osteuropa im Jahr 900
4.2.1. Europa im Jahr 1000
4.2.2. Osteuropa im Jahr 1000
4.3.1. Europa im Jahr 1100
4.3.2. Osteuropa im Jahr 1100
4.4.1. Europa im Jahr 1200
4.4.2. Osteuropa im Jahr 1200
4.5.1. Europa im Jahr 1300
4.5.2. Osteuropa im Jahr 1300
4.6.1. Europa im Jahr 1400
4.6.2. Osteuropa im Jahr 1400
4.7.1. Europa im Jahr 1500
4.7.2. Osteuropa im Jahr 1500
4.8.1. Europa im Jahr 1600
4.8.2. Osteuropa im Jahr 1600
4.9.1. Europa im Jahr 1700
4.9.2. Osteuropa im Jahr 1700
4.10.1. Europa im Jahr 1800
4.10.2. Osteuropa im Jahr 1800
4.11.1. Europa im Jahr 1900
4.11.2. Osteuropa im Jahr 1900
5. Materialsammlung
6. Publikationsverzeichnis
0. Einleitung
Die StudIaS Reihen richten sich an eine breit gefächerte Grupppe von Lesern. Angefangen bei Personen, die mehr über einen entsprechenden Namen der Szlachta erfahren möchten, über versierte Genealogen und Heraldiker, welche forschungsbedingt in Gebiete vorstoßen, in denen sie nicht bewandert sind bis zu Fachleuten wie Politologen spezialisiert auf Demokratie- und Migrationsforschung, Akkulturations-, Inkulturations- und Assimilierungsprozesse, Historiker, die sich mit Umformungen im östlichen Europa beschäftigen, bis zu langfristigen gesellschaftlichen Wandel analysierenden Soziologen. Dementsprechend beinhaltet es neben hoch spezialisierten Elementen auch Bereiche allgemeiner Einführung in die Thematik der Adelsrepublik, Genealogie und Heraldik.
Die polnisch genannte Rzeczpospolita
[LIT-Respublika oder Žečpospolita, BY-Рэч Паспалітая, UA-Річ Посполита, RU-Речь Посполитая, RUT-Рѣчь Посполита], seit dem XIX. Jhdt. durch polnische Forscher auch "Republik beider Nationen" abgekürzt RON
[Rzeczpospolita Obojga Narodów], ist im öffentlichen Bewusstsein besser bekannt unter der Bezeichnung polnisch-litauische Adelsrepublik
und umfasste die heutigen Territorien der Republik Polen, der Republiken Litauen, Lettland, Weißrussland sowie der Ukraine, Teile des Sondergebietes Kaliningrad und des westlichen Russlands.
Ausdehnung des Stammgebietes der Szlachta der Res Publica:
Bisher fehlt es an deutschen Arbeiten, welche die multikulturellen, multireligiösen, multinationalen und multisprachlichen Familien der Staatsbürger des als Adelsrepublik bezeichneten polnisch-litauischen Doppelreiches, das seit 1385 als Personalunion und seit 1569 als Realunion in der Form einer demokratisch verfassten, föderativen Wahlmonarchie funktioniert hat, in seiner Gesamtheit nach Familien auflistet und die Forschungsergebnisse der Nachwendezeit berücksichtigt ¹. Im Jahre 2013 jährte sich 600 Jahre der Union von Horodlo, die als Entstehung des Entstehung des Adelstandes der Res Publica angesehen werden kann – in den Sprachen des Reiches unterschiedlich bezeichnet als LIT-Didikai Respublika, PL-Szlachta Rzeczypospolitej, RU-Дворянство Речи Посполитой, UA-Шляхта Речі Посполитої und BY-Шляхта Рэчы Паспалітай.
Mit dem Forschungsprojekt Eliten der Serenissima Res Publica Coronae Regni Poloniae Magnique Ducatus Lithuaniae 1385-1569-1795 und in deren Gebieten bis 1918
wird eine bisherige Lücke in der Erforschung des Phänomens des ersten europäischen, demokratisch verfassten Staates in Ostmitteleuropa geschlossen, die bisher an sprachlichen und staatlichen Grenzen Halt machte.
Die fremdsprachigen Arbeiten (in polnischer-, litauischer-, russischer-, ukrainischer- und weißrussischer Sprache) sind vielfach von nationalstaatlichen Hintergründen getragen und infolgedessen als nicht objektiv anzusehen und geben dazu jeweils nur einen Ausschnitt des Sachstandes wieder.
Überdies konnte bisher die Problematik der Transliterierung/Transskribierung noch nicht einmal im Ansatz behoben werden. So besteht nicht einmal eine sachgerechte Empfehlung für Transliterierung lateinisch - kyrillisch - lateinisch Familiennamen, womit grenz- und sprachübergreifende Forschung erschwert wird. Wegen des Umfangs der Forschungsarbeit ist ein Abschluss des Projektes im Jahre 2030 vorgesehen. Das Projekt ist modular aufgebaut, wobei die einzelnen Module zeitversetzt bearbeitet werden können und einzeln abschließbar sind.
Die gewählte Veröffentlichungsform eines WIKI² soll zugleich Teilnehmer und Nachkommen der großen Migrationswellen des XX. Jahrhunderts motivieren und befähigen, das elektronische Medium im Sinne einer lebendigen Geschichte und Pflege der oralen Tradition zu nutzen und dem Verlust an Quellen im XX. Jhdt. entgegen-zuwirken. Zugleich wird eine Einbindung interessierter Laien in das Vorhaben ermöglicht. Daher besitzt das Forschungsvorhaben auch eine hohe gesellschaftliche und integrative Relevanz.
Der Adel des entstandenen Reiches setzte sich zusammen aus einer Vielzahl von Gruppen unterschiedlicher historischer Prägung und Herkunft. Außer der polnischen Ritterschaft fanden auch deutsche Ordensritter, preußische Landadlige, livländische Edelleute sowie adlige Immigranten aus Frankreich, Großbritannien, allen Gebiete des Heiligen Römischen Reiches, Italien und Schweden Eingang. Allen Gruppen gemeinsam waren die mittelalterliche, westeuropäische Kultur, das Bekenntnis zum europäischen Rittertum und Formen der feudalen Herrschaft.
Das Spätmittelalter brachte jedoch neue Gruppen in den Dunstkreis der polnischen Rittergeschlechter. Aus dem Großfürstentum Litauen³ traten nun Krieger, Fürsten und Bojaren, aus Ruthenien und aus Vorderasien armenische, tatarische und karäische Adlige hinzu, denen allen das Konzept des Rittertums bis dahin fremd gewesen war.
In der Union von Horodło 1413 verbanden sich die polnischen Adligen mit den katholisch gewordenen litauischen Bojaren, welche in die polnischen Wappengenossenschaften aufgenommen wurden und die gleichen Privilegien wie ihre polnischen Standesbrüder erhielten. Diese Partnerschaft nahm ihren Anfang im 14. Jahrhundert, als nach 1385 der litauische Großfürst Jogaila in Krakau getauft worden war, die polnische Königin Jadwiga ⁴ ehelichte und schließlich am 4. März mit dem Namen Władysław II. Jagiełło zum König von Polen gekrönt worden war. Die Übernahme der Herrschaft durch die litauischen Dynastie im Königreich Polen in Personalunion ermöglichte den Aufstieg der Res Publica Serenissima zu einer regionalen Großmacht.
In der Lubliner Union von 1569 wurden beide Staaten durch eine Realunion verbunden und der Aufstieg der Adelsrepublik zur europäischen Großmacht⁵ eingeleitet. Bereits im 14. Jahrhundert begann die kulturelle und politische Annäherung der unterschiedlichen Gesellschaften, welche in einer Polonisierung weiter Teile des litauischen und ruthenischen Adels gipfelte. Diese Polonisierung der Eliten barg einen Großteil des Sprengstoffs in sich, der in der Aufteilung dieses Reiches mit Präsidialkönigtum durch dessen absolutistische Nachbarstaaten Österreich, Preußen und Russland gipfelte und deren nationalistische Auswirkungen sich bis heute auswirken⁶.
In Folge der politischen und sozialen Verhältnisse in der Res Publica machte sich innerhalb der adligen Gesellschaft die Tendenz bemerkbar, den Begriff Nation ausschließlich auf die Szlachta zu begrenzen. Man sprach von einer Adelsnation [naród szlachecki]. Dieser Auffassung folgend war nur die herrschende Elite Bestandteil der Nation der Res Publica
.
Das XVII. Jhdt. war durch zahlreiche Konflikte mit äußeren Gegnern geprägt, welche größtenteils auf dem polnisch-litauischen Territorium ausgetragen wurden. Die Weigerung der polonisierten Teile der Elite, eine Staatsreform durch die Umbildung der bipolaren zu einer tripolaren Föderation umzusetzen, sowie Defizite in der Rechtsprechung ⁷ legten den Grundstein zu einer Vielzahl von Aufständen in den 1569 vom Großfürstentum Litauen an das Königreich Polen übertragenen südöstlichen Gebieten. Die gewaltigen Verluste an Bevölkerung und Ressourcen (manche zentralpolnische Gebiete haben bis zu drei Fünftel ihrer Bewohner verloren) in Verbindung mit den Folgen der inneren Kämpfe, Pest und Hungersnöte, Zerstörung der Städte und dem damit verbundenen Rückgang handwerklicher Fertigkeiten, verhinderten eine rasche Erholung.
Die Adelsgesellschaft der Res Publica nahm einen besonderen Platz innerhalb der europäischen Staaten ein. Zum einen ragte sie durch den überdurchschnittlich hohen Anteil des Adels an der Gesamtbevölkerung (nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 3 - 8 %) heraus. Zum anderen hatte es die Szlachta der Res Publica Serenissima geschafft, erfolgreich alle anderen Schichten vollständig aus dem politischen Leben zu verdrängen.
Die Bauern sahen sich ab dem 16. Jahrhundert ganz der adligen Gerichtsbarkeit ausgeliefert und in die Erbuntertänigkeit gepresst. Den Städten wurde durch Gesetze, wie etwa das Grundbesitzverbot für Nichtadlige, zollfreie Ein- und Ausfuhr durch Szlachta-Angehörige sowie Verbot des Exports und Imports für einheimische Kaufleute, die notwendige wirtschaftliche Expansion erschwert und auch politisch jede Möglichkeit der Einflussnahme genommen. Dennoch bildete die sogenannte Adelsrepublik, wie Prof. Davis betont, den ersten europäischen Staat mit einer demokratischen und föderalen Struktur, an deren politischer Ausgestaltung ein wesentlich größerer Bevölkerungsanteil, die Gesamtheit der rechtlich gleichgestellten Szlachta, partizipierte als vergleichweise in England.
Diese Elite der Staatsbürger der Rzeczpospolita
wurde bisher nur aus den jeweiligen nationalen Gesichtspunkten der heute bestehenden Staaten - Litauen, Polen, Ukraine, Weißrussland und Russland mit seinen westlichen Gebieten erforscht und es fehlt bisher an einer neutralen und grenzüberschreitenden Untersuchung. Ebenfalls beschränkte sich die deutsche Forschung überwiegend auf Aspekte der Preußischen Problematik oder Fragen bezüglich der österreichischen Erbländer (Galizien).
In Deutschland gibt es verschiedene geförderte historische Forschungsprojekte mit Bezug auf Ostmittel- und Osteuropa, jedoch keines mit der Zielsetzung der Erforschung des ersten transnationalen demokratischen Staatswesen in Europa. So wird z. B. im Zeitraum von 2014-2019 alleine das Forschungsprogramm des GWZO in insgesamt elf Projektgruppen, die auf vier Forschungscluster verteilt sind, gefördert.
"Das interdisziplinäre und international ausgerichtete Geisteswissenschaftliche Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) an der Universität Leipzig erforscht in vergleichender Perspektive Geschichte und Kultur des Raumes zwischen Ostsee, Schwarzem Meer und Adria vom Frühmittelalter bis zur Gegenwart." ⁸
Wie bei anderen Projekten wurde die Zeitgrenze beim Jahr 1500 gezogen; auch faktisch am Beispiel der Projekte des GWZO enden die Forschungsarbeiten zu Beginn des Spätmittelalters. Als bisherige Forschungsgrenze ist somit die Vereinigung des Königreichs Polen mit dem Großfürstentum Litauen unter der litauischen Dynastie anzusehen. Dabei dient nicht nur die Geschichte der Res Publica auf dem Wege zum Vereinigten Europa, sondern auch wegen der Wirrungen und Irrungen eines europäischen, demokratisch verfassten Staatswesens, als historisches Vorbild. Diese Situation der Behandlung des als „Adelsrepublik" genannten Reiches bedingt einen dringenden Handlungs-bedarf. An diesem Punkt setzt das Projekt der Elitenforschung der Res Publica Serenissima an.
Ein möglicher weiterer Grund für das Zögern einer ganzheitlichen Auseinandersetzung mit der Rzeczpospolita
und deren Eliten sind die Voraussetzungen im Bezug auf die Quellenzugänglichkeit und besondere sprachliche Kompetenz der Forscher. Durch die eingangs aufgeführte nationale, religiöse und multikulturelle Struktur des Reiches mit dessen Sprachenvielfalt entstand eine Situation, welche die separierende Betrachtung nur förderte. So ignorierte die russische, ukrainische und weißrussische Historiographie durchweg die deutsch- und polnischsprachigen Werke des XIX. und XX. Jhdts., und in deutschen Forschungen fanden Ergebnisse der kyrillisch verfassten Berichte kaum Eingang. Die Tiefe dieses Schismas kann man beispielsweise bei den Arbeiten des wohl besten neuzeitlichen Kenners der dynastischen Strukturen Osteuropas ablesen, des ukrainischen Historiker Prof. Leontij Voytovich, der trotz des Fehlens einer ideologischen Brille und seiner fortschriftlichen Publikationsmethoden der Forschungsergebnisse im Internet es nicht vermochte, diese Barriere ganz zu überwinden⁹.
Die Förderung des im Jahre 2011 gestarteten Projektes Eliten der Serenissima Res Publica Coronae Regni Poloniae Magnique Ducatus Lithuaniae 1385-1569-1795 und in deren Gebieten bis 1918
wurde insgesamt in zwei Sitzungen des Kuratoriums der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften verhandelt. Dennoch konnte eine Förderung aus deutschen Fördermitteln nicht erreicht werden, denn das Projekt wurde im Wesentlichen als gesamteuropäisches Forschungsvorhaben angesehen und daher auf die Förderung durch die Europäische Union verwiesen. Auch wenn der übernationale Charakter nicht zu verkennen ist¹⁰, bedeutete diese Entscheidung faktisch einen Verzicht auf eine staatliche Unterstützung. Tatsächlich bietet die getroffene Entscheidung jedoch den Vorteil, dass keine staatliche Beeinflussung der Forschungsergebnisse droht, andererseits mußte der Forschungsansatz den neuen Gegenbenheiten angepasst werden.
Für die Zeiten vor der Einführung der kirchlichen Register über Taufen, Heiraten und Todesfälle, die durch eine, fast lückenlose, Erfassung der biologischen Entwicklung eine genealogische Nachverfolgung ermöglichen, ist eine ganzheitliche Generationserfassung kaum möglich. Über die leichtere Datenzugänglichkeit der kirchlichen Register über Internet und durch die Mormonen-Filme wird leicht vergessen, dass eigentlich nur die Einträge in den Gerichtsbüchern [księgi grodzkie] Auskunft über die gesellschaftliche Stellung und Wappenzugehörigkeit geben ebenso wie die Tatsache, dass das recht häufige freiwillige Eingehen eines Untertanenverhältnisses¹¹ von Freien im XVII. und XVIII. Jhdt. die Ursache für das nicht Personenaufzufinden in Matrikeln darstellt.
Die zögerlich eintretende Namensfestigung im östlichen Europa und die freie Namenswahl der Szlachta – des Souverän der Adelsrepublik – wie auch die nachfolgenden Verdrehungen und Namensänderungen aus nationalistischer Motivation oder mangelnder Kompetenz der Amtsträger vertiefen diese Problematik.
So sind vor der Einführung der Matrikeln weibliche Nachkommen überwiegend nur durch Erwähnung als Ehefrauen sowie durch Einträge bezüglich einer erbrechtlichen Regelung oder Besicherung der Mitgift bekannt.
Sogar bei reichlich begüterten Familien sind nachrangige männliche Nachkommen kaum zu erfassen und deren Linien werden somit zum verdunkelten Adel, so dass vielfach nur die Hauptlinien der Adelsgeschlechter bekannt sind. Dies gilt auch für die über ein Halbes Jahrtausend währende Geschichte der dynastischen Geschlechter. Über das Ausmaß solcher Verdunkelung wurde eine Beispieluntersuchung als Referat auf dem 25. Jubiläumskongress Historischer Grundwissenschaften der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau im Jahre 2013 vorgestellt. ¹² Gerade die nachgeborenen Linien waren es, die besonders von einer Pauperisierung im ausgehenden XVI. und im XVII-XVIII. Jhdt. betroffen waren. Hierdurch erfolgte ein nicht unerheblicher Bestandsschwund der bekannten adligen Geschlechter. Kam es in den betroffenen Linien ebenfalls zu einem Bewußtseinsverlust, so trat eine Verwischung der eigenen Herkunft ein. Diese Entwicklung wurde durch machtpolitische Faktoren beim Verfall der Strukturen der litauisch-polnischen Adelsrepublik, gezielte ständefeindliche Politik der Teilungsmächte nach 1772 wie auch der Umwandlung des regionalen Patriotismus in aggressiven Nationalismus als negative Auswirkung der Französischen Revolution beschleunigt und durch die wirtschaftlichen Umwälzungen forsiert.
Durch den Umstand, dass der historische Adel (und nicht nur die dynastischen Häuser mit eigenen, staatlich sanktionierten Hausgesetzen) eigene Regeln und Rituale auf-weist, die außerhalb der positiven¹³ Rechtsetzung des Staates liegen – allein z. B. aus der heute überwiegenden Sicht das Salische Prinzip¹⁴ - ist es gerechtfertigt, den Adelstand als eine Parallelgesellschaft zu bezeichnen.
Eine Parallelgesellschaft¹⁵ bedeutet eben, dass es eine in der Regel in sich abgeschlossene Personengruppe gibt, die eigene Regeln befolgt, welche sich entweder in einer Übereinstimmung mit dem jeweils aktuellen positiven stattlichen Regelwerk befinden oder auch nicht. Diese kann entweder deutschsprachig sein wie beim Adel oder den jüdischen Gemeinden¹⁶ in Deutschland oder auch fremdprachig wie bei den in Deutschland lebenden Türken¹⁷, Russen¹⁸, Jesiden¹⁹ oder Japanern²⁰.
0.1. Territorialer Umfang der Erfassung des Adelstandes
Schema der Entwicklungen der rechtlich gleichberechtigten Szlachta in der
Serenissima Res Publica Coronae Regni Poloniae Magnique Ducatus Lithuaniae
bis deren Untergang 1795 und dann bis 1918
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copyright Dr. Edward von Schlesinger
Als Familien des historischen Adelstandes in den Grenzen der heutigen Nachfolgestaaten der Res Publica sind anzusehen:
Familien der historischen Szlachta der Serenissima Res Publica Coronae Regni Poloniae Magnique Ducatus Lithuaniae;
Familien, der historischen Szlachta welche im Herzogtum Warschau, III. und IV. Königreich Polen oder im Königreich Galizien und Lodomerien adelslegitimiert worden sind;
Familien des historischen Dworjanstwo des Kaiserreiches Russland, welche landsässig oder ansässig und in den ehemaligen Gebieten der Res Publica adelslegitimiert sind;
Familien, welche in den Genus der systemmässigen Nobilitierung im Kaiserreich Österreich gekommen sind und landsässig oder ansässig in den ehemaligen Gebieten der Res Publica (Beamten- und Funktionsadel) sind oder waren;
Familien, welche in den Genus der systemmässigen Nobilitierung im Kaiserreich Russland gekommen sind und landsässig oder ansässig in den ehemaligen Gebieten der Res Publica (Beamten- und Funktionsadel), sind oder waren, sowie die
außerhalb der ehemaligen Gebieten der Res Publica stammenden Adelsgeschlechter, welche zumindest in einer Generation in deren Gebieten landsässig- oder ansässig waren (z. B. Nobilitierungen des Heiligen Stuhls oder im Kaiserreich Frankreich unter Napoleon).
0.2. Problematik des geringen Grades der Namensfestigung in der Res Publica
Es kommt in Arbeiten über den Adel der Res Publica vielfach vor, dass identische Familien unter anderer Schreibweise mehrfach aufgeführt werden. Als unmittelbare Folge erfolgt eine rechnerische Aufblähung der Gesamtzahl des Adelstandes der Res Publica, deren Ausmass nur schwerlich einzuschätzen ist.
Diese Problematik wird verschärft durch die Folge
