Vom glücklichen Leben: Vollständige deutsche Ausgabe
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Lucius Annaeus Seneca
Lucius Annaeus Seneca, genannt Seneca der Jüngere wurde geboren etwa im Jahre 1 in Corduba und verstarb etwa im Jahr 65 n. Chr. in der Nähe Roms. Er war ein römischer Philosoph und Politiker. Als Stoiker war einer der meistgelesenen Schriftsteller seiner Zeit.
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Buchvorschau
Vom glücklichen Leben - Lucius Annaeus Seneca
Vom glücklichen Leben
Titelseite
Einleitung des Übersetzers
Inhaltsübersicht
Vom glücklichen Leben
Impressum
Lucius Annaeus Seneca
Vom glücklichen Leben
Vollständige deutsche Ausgabe
Einleitung des Übersetzers
Die Schrift ist gerichtet an seinen älteren Bruder Marcus Annaeus Novatus, der seit seiner Adoption durch Gallio, den Freund des Vaters, den Namen Gallio führte. Es ist derselbe, dem er bereits früher die drei Bücher über den Zorn gewidmet hatte.
Auf die Denkweise dieses von ihm sehr geschätzten Bruders, der es als Staatsmann bis zum Konsul gebracht hatte, scheint die Lehre Epikurs einen gewissen Eindruck gemacht zu haben. Daher die längeren Ausführungen über den Gegensatz der stoischen und Epikureischen Ansichten über das wahre Lebensglück. Der milde, halbwegs anerkennende Ton, in dem er von Epikur spricht, tritt hier, eben wohl mit Rücksicht auf seines Bruders Verhältnis zu Epikur, noch etwas stärker hervor als in anderen Dialogen. Allein die Anerkennung ist doch auch hier nur eine relative, insofern als sich die Lustlehre Epikurs, welche die Tugend zur unentbehrlichen Begleiterin der Lust macht, vorteilhaft unterscheidet von der unbedingten Lustlehre anderer. Er selbst, Seneca, ist und bleibt Stoiker, der in der Tugend allein die Gewähr eines glücklichen Lebens findet. Sie allein ist es, die uns gegen alle Tücke des Schicksals sichert.
Wenn man ihm entgegenhält, er selbst zeige in seiner Lebensführung doch nicht durchweg das Bild des vollendeten Weisen, so sei, meint er, damit der stoische Standpunkt durchaus nicht erschüttert; denn er selbst sei sich seiner Unvollkommenheit recht wohl bewusst und fühle sich durchaus nur als Strebender, nicht etwa als am Ziele bereits Angelangter. So wird die Abhandlung Hill er entschiedener zu einer Rechtfertigung der eigenen Lebensgestaltung in ihrem Verhältnis zu den Anforderungen des Stoizismus. Man kann Stoiker sein und bleiben, auch ohne dass man auf Reichtum und äußere Glücksgüter verzichtet; ja, man ist dann gerade in der besonders günstigen Lage, Geld und Gut nach vernünftigen Grundsätzen zugunsten der Mitwelt nach den verschiedensten Richtungen hin zu verwenden, statt es im Dienste der Lust zu vergeuden. Diese ebenso geschickt wie taktvoll durchgeführte apologetische Tendenz gibt dem zweiten Teile der Abhandlung einen besonderen Reiz.
Inhaltsübersicht
Glückseligkeit ist das Ziel, nach dem jedermann strebt; allein die Vorstellungen, die man sich von diesem Ziele macht, sind ebenso irrig wie die Wege, die man zu seiner Erlangung einschlägt. Man läuft blindlings der großen Menge nach, die sich durch reine Äußerlichkeiten bestimmen lässt, während das wahre Glück ganz nur von der Beschaffenheit unseres Inneren abhängt, Ziffer 1, 2.
Für das wahre Lebensglück kommt es auf eine Seelenstimmung an, die den äußeren Lebensverhältnissen, wie sie uns das Schicksal, sei es gewährt sei es auferlegt, keinen entscheidenden Einfluss einräumt. Eben darin besteht das Geheimnis wahrer Lebenskunst, dass man sich von des Schicksals Launen unabhängig zu machen weiß. In diesem Sinne wird von Seneca eine ganze Reihe von Definitionen der Glückseligkeit vorgeführt, die darin übereinstimmen, dass Sinnengenuss kein wahres Glück gewähre, dass vielmehr nur die gesunde Vernunft zur Grundlage dieses Glückes tauge. Ihr allein gebührt die Herrschaft, wenn sich auch ein großes Maß von Lust ihr zugesellen kann, ohne etwa unentbehrlich zu sein. Verträgt sich doch die Lust auch mit dem schändlichsten Leben. Ein solches Leben ist aber nichts weniger als naturgemäß. Nur das n a t u r g e m ä ß e Leben ist ein wahrhaft glückliches Leben; die Voraussetzung desselben ist aber die erlangte Seelenruhe, Ziffer 3-8.
Lust ist von der Tugend nicht ausgeschlossen, ist aber keine unentbehrliche Beigabe derselben. Die Tugend trägt ihren Lohn in sich selbst, wenn sie auch das Vergnügen nicht grundsätzlich ausschließt. Nie aber wird der wahre Weise die Lust zum Bestimmungsgrund seiner Handlungen machen, Ziffer 9—11.
Epikur gehört nicht zu den unbedingten Lobrednern der Lust in dem Sinne, als sei Tugend und Lust dasselbe. Er fordert für die Lust Naturgemäßheit, wie es die Stoiker für die Tugend tun. Aber der Lust jagt doch jeder nach seinem besonderen Geschmack nach;
