Soldbuch statt Schulbuch: Kriegserinnerungen eines Antihelden
()
Über dieses E-Book
Konrad Probsthain
Jahrgang 1926, Dr.-Ing. Physiko-Chemiker, seit 1992 im Unruhestand. Neben anderen Themen Beschäftigung mit Familienforschung (Probsthain aus Sachsen, Lauth aus Laubach in Hessen, Muhs aus der Prignitz). Besonderes Interesse an zwei sächsischen Offizieren und zwei Freischärlern aus der Namensfamilie Probsthain/Probsthayn/Probsthan im Kampf für und gegen Napoleon.
Ähnlich wie Soldbuch statt Schulbuch
Ähnliche E-Books
Glückauf zum Untergang: Die Kriegstagebücher des Feldwebels Kurt Pfau 1939-1945 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer kleine Kommandant: Die Geschichte eines Zeitzeugen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenVon Schlesien nach Bayern - durch zwei Weltkriege: Biographie eines Zeitzeugen - von 1898 bis 1972 - nach den Aufzeichnungen von Berthold Aust Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Abenteuer des Musketiers Albert Krentel: Ein deutsches Schicksal im Weltkrieg 1914-1918 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenErinnerungen an das Panzer-Artillerie-Regiment 91 der 25. Panzer-Division Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenQuerbeet: Ein deutscher Soldat erlebt den zweiten Weltkrieg Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Pommernhans: Erinnerungen des gebürtigen Rabuhners Hans-Jürgen Kobsch (*1928) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenKriegserlebnisse an der Ostfront: Das Tagebuch von Wilhelm Schweizer (01.06.1941 - 05.02.1942) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDrei Musketiere - Eine verlorene Jugend im Krieg, Band 8 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEngerser Geschichte(n) Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDer Mensch – Ein Spiegelbild seiner Zeit: oder: Wohin uns der Zeitgeist treibt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLandsknecht oder idealistischer Trottel?: Als Gebirgsjäger im Gebirgsjäger-Regiment 100 - Teil II Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAus meinem Leben: Im Nationalsozialismus, im Krieg und als Hochschullehrer im "roten" Marburg der 68er Jahre Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMeine Lieben!: Die Briefe meines Großonkels an meinen Opa und seine Familie während seiner Dienstzeit vom September 1939 bis Dezember 1942 in der Wehrmacht. Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDas Boot U 188: Zeitzeugenbericht aus dem Zweiten Weltkrieg Bewertung: 3 von 5 Sternen3/5Alptraum: Kriegserinnerungen - Aufzeichnungen eines einfachen Soldaten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenZwischen Stuhl und Bank: Nicht zur Ausrottung bestimmt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIn russischer Kriegsgefangenschaft: Todeslager Karaganda 1941-1949 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNach Stalingrad: Walther von Seydlitz' Feldpostbriefe und Kriegsgefangenenpost 1939-1955 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWie ich wurde, wer ich bin Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMein Name ist Adolf Hitler: Mein Leben, von mir selbst erzählt. Vierter Band: Götterdämmerung - von der Normandie bis zu meinem selbst bestimmten Ende Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGetragen über den Abgrund: Tagebücher 1939-1949 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMelde mich zurück... Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLudwig Förster: Erlebnisse und Erinnerungen: Zweiter Weltkrieg, Vor- und Nachkriegszeit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWofür es lohnte, das Leben zu wagen: Briefe, Fotos und Dokumente eines Truppenarztes von der Ostfront 1941/42 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenGefangen im russischen Winter: Unternehmen Barbarossa in Dokumenten und Zeitzeugenberichten 1941/42 Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenSieg der Zufälle: Ein Krieg - zwei Geschichten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin Offizierssohn wird (k)ein Bandit!: Gejagt vom Krieg bis ans Ende der Welt - und der Jugend Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenPeter Bendig - Vom armen Stoppelhopser zum reichen Schwein: Zeitzeugenbericht Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Persönliche Memoiren für Sie
Die unendliche Geschichte des Christian Wink Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenBriefe an einen jungen Dichter Bewertung: 5 von 5 Sternen5/5Sternstunden der Menschheit: Historische Miniaturen. Klassiker der Weltliteratur Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Scivias - Wisse die Wege: Die Visionen der Hildegard von Bingen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen(Un)Glückstadt - Hölle Heim: Das Schicksal von Gerd Meyer Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWenn Gott einen Mann ohne Arme und Beine gebrauchen kann, dann kann er jeden gebrauchen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenHeavenly Man: Die atemberaubende Geschichte von Bruder Yun - Aufgeschrieben von Paul Hattaway Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Stefan Zweig: Die Welt von Gestern Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenMein Kriegstagebuch: 1949-1945 Mit den Gebirgsjägern bis in den hohen Norden Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenWir waren keine Menschen mehr: Erinnerungen eines Wehrmachtssoldaten an die Ostfront Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Apropos Gestern: Meine Geschichten hinter der Geschichte Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie wichtigsten Psychologen im Porträt Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenM. K. Ghandi: Eine Autobiographie oder Die Geschichte meiner Experimente mit der Wahrheit Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie Welt von Gestern Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Abenteuer eines Westlichen Mystikers - Band 2: Im Dienst der Meister Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenLeben zeichnen: StricheLinienKonturen – Das graphische Werk Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEin strahlendes Licht: Schriften, Reden und Gespräche Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenEvas Geschichte: Anne Franks Stiefschwester und Überlebende von Auschwitz erzählt Bewertung: 2 von 5 Sternen2/5Mein Leben ohne Limits: "Wenn kein Wunder passiert, sei selbst eins!" Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Ich, Birgit, Autistin und Psychotherapeutin Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenÜberrascht von Freude: Eine Autobiografie Bewertung: 4 von 5 Sternen4/5Die Geheimnisse der Liebesmagie: 10 x 13 lichtvolle Rituale Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenIm Cockpit!: Erinnerungen Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
Rezensionen für Soldbuch statt Schulbuch
0 Bewertungen0 Rezensionen
Buchvorschau
Soldbuch statt Schulbuch - Konrad Probsthain
Abb. 1 Soldbuch des Kanoniers Konrad Probsthain
Wir Pimpfe sangen damals:
Unser Kaiser steigt zu Pferde,
zieht mit uns ins Feld.
Siegreich woll’n wir Frankreich schlagen,
sterben als ein tapfrer Held.
Wieso eigentlich?
Ich kannte doch Frankreich gar nicht!
Sterben wollte ich auch nicht.
nicht mal als tapfrer Held.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Erste Kriegserfahrungen
Einsatz als Luftwaffenhelfer
Gatow
Düppel
Stahnsdorf
Wehrertüchtigungslager
Reichsarbeitsdienst
Das Notabitur und Meldung als Kriegsfreiwilliger
(Flak) Begleit-Regiment Hermann Göring und Fsch.-Flakrgt. H.G.
Rekrut in Berlin-Reinickendorf und Goldap
Göring schickt sein Begleitregiment ins Feld
Funkerausbildung in Goldap
Einsatz im Memelland, Begleitregiment wird Fallschirm-Flakregiment
Einsatz im Raum Gumbinnen
In der Flakgrenadierkompanie, Scheinwerfer m Erdeinsatz
Sowjetische Winteroffensive und Verwundung
Im Lazarett in Schmalkalden, amerikanische Kriegsgefangenschaft
Bad Salzschlirf und Heimkehr
Nachwort
Ortsnamenverzeichnis
Bildnachweis
Quellen
Vorwort
Erinnerungen nach mehr als siebzig Jahren zu Papier zu bringen, ist ein gewagtes Unterfangen. Zwar gibt es ein belastbares Gerüst aus Daten und Ereignissen, doch die Sicht darauf hat sich durch die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte zwangsläufig verändert. Der völlige Zusammenbruch der bisherigen ‚Ordnung‘ musste verkraftet werden, dann das Besatzungsregime unter den vier Siegermächten, die reeducation und schließlich das Kennenlernen und Akzeptieren einer freiheitlichen, demokratischen Grundordnung. Das ist eine gründliche Gehirnwäsche, die sich unbewusst auf die Erinnerungen auswirkt,
Die folgende Anekdote habe ich schon so oft zum Besten gegeben, dass ich selbst davon überzeugt bin, es habe sich so zugetragen. Ich muss damals etwa zehn Jahre alt gewesen sein. Lokomotivführer und Busfahrer waren jedenfalls bereits nicht mehr meine Helden, und von Chemie hatte ich noch keine Ahnung. Da kam von einem Besucher meines Vaters die bei Erwachsenen so beliebte Frage an mich: „Na, mein Junge, was willst Du denn mal werden?. Darauf meine Antwort:
Was ich mal werden will, weiß ich noch nicht. Doch ich weiß, was ich nicht werden will, nämlich weder Henker noch Richter und auch kein Offizier.". Damals wusste ich noch nichts von Tucholsky und seinem ‚Soldaten sind Mörder`-Zitat, aber staatlich legitimiertes Töten war mir offenbar bereits zuwider.
Mit mir hatte die Deutsche Wehrmacht einen ‚guten Fang‘ gemacht, wie mich mein Ausbilder über den ganzen Kasernenhof schreien ließ. Obwohl ich über drei Jahre meines jungen Lebens in militärischem und paramilitärichem Dienst verbringen musste, wäre der zweite Weltkrieg ohne meine Mitwirkung sicherlich auch nicht viel anders verlaufen. Andererseits war ich, wie so viele, ein Rädchen in der Kriegsmaschinerie, zwar austauschbar und oft im Leerlauf, aber insgesamt wohl unverzichtbar.
Erste Kriegserfahrungen
Bei Kriegsausbruch am 01. September 1939 verfielen auch wir Pimpfe vom ‚Deutschen Jungvolk‘, der Kinderorganisation der ‚Hitlerjugend‘, in Aktionismus. Jeder musste doch helfen, den Krieg erfolgreich zu führen. Ich wurde als Melder ins Gemeindebüro geschickt. Da wartete ich ungeduldig auf kriegswichtige Aufträge. Schließlich wurde mir ein Brief in die Hand gedrückt, den ich per Fahrrad in die Nachbargemeinde Sputendorf bringen sollte. Damit war man mich erst einmal los. Ich sollte mich auch erst wieder auf ausdrückliche Anforderung melden.
So kehrte der Alltag zurück. Doch bald gab es Veränderungen, wenn auch in kleinen Schritten. Zum Schuljahresanfang 1939 war endlich das neue Schulgebäude am Weinberg in Kleinmachnow bezugsfertig. Aber wir konnten uns nicht lange des großzügigen Platzangebotes erfreuen, denn schon bald zog das Militär mit einer Versorgungseinheit in die Schule ein, und wir mussten behelfsmäßig im Rest des Gebäudes untergebracht werden. Einige Lehrer wurden zum Wehrdienst eingezogen und mussten durch Pensionäre und Berufsfremde, z. B. Kunstmaler oder Boxtrainer, ersetzt werden.
Echten Bohnenkaffee gab es nicht mehr, nur noch ‚Horst-Wessel-Kaffee‘ (Bohnen „marschier’n im Geist … mit"). Auch das Pausenbrot für uns Schüler wurde allmählich magerer, z. B. Quark statt Wurst oder Käse. Eine Gruppe französischer Gefangener zog unter ‚Bewachung‘ eines alten Wehrmachts-Obergefreiten in Güterfelde ein. Am Tage arbeiteten die Gefangenen beim Großbauern Kuhlmey und legten dessen Wiese trocken. Sie beneideten mich um die paar Schrippen, die ich damals noch auf Marken vom Bäcker holen konnte. Doch die waren abgezählt und die Familie wartete. Für die Franzosen war es schwer, ohne ihre geliebte Baguette auszukommen.
Später wurden die Franzosen im ganzen Dorf als Arbeitskräfte eingesetzt. Einige von ihnen waren schließlich voll integriert. Henri, alias Heini, sang sogar im Männergesangverein mit. Es blieb nicht bei den paar Franzosen. Bald kamen auch Zwangsarbeiter aus dem Osten. Die mussten ein ‚P‘ oder ‚Ost‘ an ihrer Kleidung tragen. Verbrüderung mit ihnen oder gar Liebesbeziehungen waren verboten.
Dann fielen die ersten Bomben. Das weckte vorerst bei uns Dorfjungen lediglich Neugierde. Der Bombentrichter irgendwo im Wald wurde besichtigt, und Granatsplitter von der Flak-Tätigkeit wurden auf dem zugefrorenen See als Souvenirs gesammelt. Auch makabre Scherze mit einem angeblich gefundenen Fliegerfinger wurden gemacht. Ein Mädchen aus dem Ruhrgebiet verbrachte den Sommer bei Verwandten in Güterfelde, weil es da noch sicherer war als in Westdeutschland. Doch bald gab es auch in Berlin und Umgebung konkrete Schäden. Brandbomben waren besonders gefürchtet. Deshalb wurde in der Schule eine ständige Nachtwache eingerichtet. Jeweils ein Lehrer und zwei Schüler der obersten Klasse, das war damals an der im Aufbau befindlichen Schule die 5. Klasse, mussten die Nacht in der Schule verbringen. Schlafplätze waren eine lederbezogene Bank im Turnlehrerraum und eine Couch im Vorzimmer des Direktors. Ich habe mich mehrmals freiwillig zur Nachtwache gemeldet. Einerseits kam ich mir sehr wichtig vor, andererseits konnte man auch endlich warm duschen und sich in den Klassenbüchern über die Leistungen der Mitschülerinnen informieren. Das sollte bei Annäherungsversuchen Orientierungshilfe geben.
Vormilitärische Ausbildung gehörte zum Alltag jedes deutschen Jungen. Das ‚Deutsche Jungvolk‘ war wie die meisten NS-Organisationen nach militärischem Vorbild strukturiert. Es gab eine Befehlskette vom Reichsjugendführer bis zum letzten Pimpf. Mittwochs und sonnabends war Jungvolkdienst und alle Monat einmal am Sonntagvormittag großer Aufmarsch. Geländespiele, die stets mit großer Rauferei endeten, sollten uns zeigen, dass Probleme am besten mit List und roher Gewalt gelöst werden.
Auch im Schulunterricht wurde der künftige Wehrdienst thematisiert. So lautete ein Aufsatztitel: „Für welche Waffengattung habe ich mich entschieden?". Für gar keine, konnte ich schlecht schreiben. Also musste mein technisches Interesse in den Vordergrund gerückt werden, was sich nach meiner Meinung am besten in der Nachrichtentruppe einbringen ließ. Vielleicht spielte auch der Gedanke mit, dass ein Funker nicht immer in der ersten Reihe kämpfen muss. Das stand natürlich nicht in meinem Aufsatz, der sogar eine gute Note einbrachte.
Einsatz als Luftwaffenhelfer
Gatow
Schon im Februar 1943, unmittelbar nach der Ausrufung des totalen Krieges, musste ich, gerade 16 Jahre alt, als Luftwaffenhelfer einrücken. Zuvor gab
