Bibi & Tina - Die ungarischen Reiter: Roman
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Über dieses E-Book
Nach einem Streit mit Janosch ist er mit einer Gruppe von Csikós, ungarischen Reitern und Pferdehirten, durchgebrannt. Für Bibi und Tina steht fest: Sie müssen ihn finden! Als die beiden Freundinnen Mikosch in der weiten Puszta endlich aufspüren, hat er große Sorgen: Zwei der Csikós sind wegen Verdachts auf Wilderei verhaftet worden. Wie lässt sich nur ihre Unschuld beweisen? Die drei Freunde begeben sich auf eine abenteuerliche Spurensuche …
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Rezensionen für Bibi & Tina - Die ungarischen Reiter
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Buchvorschau
Bibi & Tina - Die ungarischen Reiter - Vincent Andreas
Gedämpftes Rattern erfüllte das Zugabteil. Draußen vor dem Fenster flog die Landschaft vorüber: sanfte Hügel, Getreidefelder, Flüsse, Seen und Wälder, und über allem schien an einem wolkenlosen Himmel eine goldene Sommersonne.
Bibi Blocksberg, die kleine Hexe aus Neustadt, sah dösend hinaus. In der Ferne tauchten die ersten Ausläufer eines Gebirges auf.
„Irgendwo weit, weit dahinter, dachte sie, „da liegt Ungarn.
Vom Hinausschauen wurde sie schläfrig. Die Augen fielen ihr zu.
Plötzlich fühlte sie, wie jemand sie rüttelte.
„He, Bibi! Nicht schlafen!"
Bibi rieb sich die Augen. Vor ihr stand ihre Freundin Tina und erinnerte sie daran, dass sie in den Speisewagen gehen wollten.
Speisewagen? Ach ja, das Abendessen! Jetzt erst fiel Bibi auf, was für einen Hunger sie hatte!
„Ich bin schon unterwegs!", rief sie, sprang auf und angelte den Rucksack mit ihrem Portemonnaie aus der Gepäckablage. Tina öffnete die Abteiltür, und Bibi folgte ihrer Freundin hinaus auf den Gang.
Bibi war in Hochstimmung. Ferien in Ungarn waren einfach das Größte! Begeistert hatten sie und Tina deshalb auch eine Einladung des Grafen Falko von Falkenstein angenommen. Sie sollten das Wildpferd Ákos zum Gestüt Szendrö begleiten. Der Hengst gehörte einem Freund des Grafen und wurde auf dem Gestüt für die Zucht gebraucht.
So lang die Reise nach Ungarn auch war, sie gehörte für Bibi einfach zu den Ferien dazu. Vorfreude war schließlich die schönste Freude, und wie immer genoss sie jede Minute der Bahnfahrt.
Tina war dieses Mal allerdings sehr bedrückt. Ihre Reise hatte nämlich einen Schönheitsfehler: Tinas Freund Alexander von Falkenstein durfte nicht mit dabei sein. Wegen seiner schlechten Schulnoten hatte sein Vater darauf bestanden, dass er in den Ferien mit einem Privatlehrer büffelte. Erst hatte Alex heftig protestiert, doch der Graf war unerbittlich geblieben und hatte am Ende sogar damit gedroht, seinen Sohn auf ein Internat zu schicken.
So fuhren die beiden Freundinnen nun ohne Alex nach Ungarn, ein Umstand, der Tina die ganze Ferienstimmung zu trüben schien. Bibi hatte sich fest vorgenommen, ihre Freundin aufzumuntern. Sicherlich vermisste Tina ihren Freund, aber auf dem Gestüt Szendrö gab es genug, was sie ablenken würde – nicht zuletzt das Wildpferd Mascha, das Tina von ihrem letzten Aufenthalt in Szendrö bereits kannte.
„Komm, Tina, sagte Bibi und hakte sich bei ihrer Freundin unter, „gleich gibt es unser ungarisches Lieblingsgericht!
„Mmmh, ja, jetzt ein schönes scharfes Gulasch!", schwärmte Tina.
Bibi grinste. Endlich war es ihr geglückt: Seit ihrer Abfahrt aus Falkenstein hatte Tina zum ersten Mal gelächelt!
Im Speisewagen war noch ein Zweiertisch am Ende des Abteils frei.
„Jó estét kivánok!", begrüßte sie ein freundlicher Kellner. „Ich wünsche einen guten Abend, die Damen. Darf ich Sie zu Ihrem Platz geleiten?"
Bibi und Tina schmunzelten über die förmliche Anrede und genossen es, zu den freien Plätzen geführt zu werden. Der Kellner rückte ihnen sogar die Stühle zurecht. Die Freundinnen setzten sich, und da sie bereits wussten, was sie essen wollten, gaben sie gleich ihre Bestellung auf.
Durch das Fenster sah Bibi, dass sie schon mitten in den Bergen waren, die eben noch in weiter Ferne gelegen hatten. Gerade in diesem Moment wand sich der Zug leicht schlingernd in einem steilen Bogen eine Steigung hinauf. Kurz darauf servierte ihnen der Kellner zwei Teller mit dampfendem Gulasch. Mit einem „Jó étvágyat" wünschte er ihnen einen guten Appetit, verbeugte sich und ging dann zu vier Gästen am Nachbartisch, die bezahlen wollten.
Plötzlich wurde das leise Stimmengemurmel von einem lauten Ruf übertönt.
„Mann, Steve, was is ’n das? Hier ist ja alles voll!"
Bibi drehte sich um. Drei Männer hatten den Speisewagen betreten.
„Mach dir mal nicht ins Hemd, Kalle, sagte der eine von ihnen, der mit „Steve
angesprochen worden war. „Ich regel das schon."
Er war ein breitschultriger Kerl mit Stiernacken und wie die beiden anderen etwa Mitte zwanzig. An seinem feisten Hals blinkte eine Goldkette. Die dünnen blonden Haare auf seinem runden Kopf begannen sich bereits zu lichten.
Seine beiden Kumpane wirkten neben ihm eher schmächtig. Der eine, den Steve mit Kalle angeredet hatte, war lang und dünn. Sein grell gemustertes Hemd hatte er weit aufgeknöpft. Der andere, ein kleiner drahtiger Kerl mit eng stehenden, stechenden Augen, trug einen ausgebeulten Jogginganzug.
„Du weißt doch, raunte der dritte Kalle lachend zu, „Steve regelt immer alles.
„Hast recht, Johnny", rief Kalle, und die drei gingen zum Nachbartisch von Bibi und Tina.
Dort hatten die vier Gäste gerade bezahlt, was Steve gesehen hatte.
„Nu machen Sie mal ’n bisschen schneller, schnauzte er sie an. „Quatschen können Sie auch woanders.
Tina verdrehte die Augen. „Das sind ja drei ganz sympathische Typen", flüsterte sie Bibi zu.
Die vier Gäste waren bereits aufgestanden. Sie warfen Steve, Kalle und Johnny empörte Blicke zu, sagten aber nichts weiter und verließen den Speisewagen. Die drei Männer fläzten sich auf die freien Stühle, und Steve schnipste ungeduldig nach dem Kellner.
„Am besten beachten wir sie gar nicht", meinte Bibi.
Doch das war gar nicht so leicht. Nachdem der Kellner mit sichtlich pikierter Miene die Bestellung aufgenommen hatte, unterhielten sich die drei Männer weiter in einer solchen Lautstärke, dass Bibi und Tina sie nicht überhören konnten. Sie sprachen über ihre letzte Reise nach Kanada.
„Den Braunbären haben wir’s ordentlich gegeben, was?", lachte Kalle.
„Klar, Mann, erinnert ihr euch noch an den kleinen Grizzly, wie dumm der aus der Wäsche geguckt hat, als er in der Falle saß?", tönte Johnny.
Bibi blieb ihr letzter Bissen im Hals stecken. Die drei hatten wild lebende Bären gejagt! Und bezeichneten dies als „Abenteuerreise"! Wenn Bibi das richtig verstanden hatte, heizten sie dabei in einem Jeep durch die Gegend, stellten Fallen auf und jagten unschuldige Tiere!
„Aber die Wildpferde sind ein anderes Kaliber, mahnte Steve. „Die sollen verdammt schnell sein! Da musst du sehen, wie du hinterherkommst.
„Pah!, schnaubte Johnny. „Ich kann’s kaum erwarten, dass mir einer von den Gäulen vors Lasso kommt!
Bibi konnte kaum fassen, was sie da eben gehört hatte. Der Appetit war ihr gründlich vergangen. Im Augenwinkel sah sie, dass es Tina genauso ging. Wütend starrte Bibis Freundin zum Nachbartisch hinüber – und das hatte nun auch Steve bemerkt.
„Gibt’s ’n Problem, Rotschöpfchen?", fuhr er Tina an.
„Allerdings!, konterte Tina. Bibi konnte ihr anhören, wie wütend sie war. „Jagd auf Wildpferde machen – das ist ja wohl das Allerletzte!
Die drei Männer lachten nur höhnisch.
Bibi spürte, wie in ihr die Wut aufstieg. Am liebsten würde sie die drei Männer in dicke, fette Kröten verwandeln. Leider hatte sie Graf Falko von Falkenstein ihr großes Ehrenwort geben müssen, auf der Fahrt nicht zu hexen. Doch je mehr die drei am Nebentisch lachten, umso schwerer konnte sie sich beherrschen.
„He, Blondi!, rief Steve jetzt auch noch herüber. „Was guckst ’n du so blöd?
Heimlich streckte Bibi ihre Finger unter der Tischplatte aus. Dann flüsterte sie: „Eene meene Tier in Nöten, die drei Männer sind jetzt ..."
Tina unterbrach sie hastig: „Bibi! Nicht! Denk daran, was du versprochen hast."
Gerade noch rechtzeitig brach Bibi die Hexerei ab, und Tina winkte schnell den Kellner heran. Die beiden Freundinnen bezahlten. Als sie den Speisewagen verließen, konnte Bibi es nicht lassen und drehte sich noch einmal mit finsterer Miene zu den drei Männern um.
„Schönen Abend noch, Blondi!", rief Steve ihr mit feistem Grinsen hinterher.
Mit einem lauten Rums schob Bibi die Abteiltür hinter sich zu.
Die beiden Freundinnen hatten sich noch immer nicht beruhigt, als der Zug eine
