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Ein Fuchs mit acht Beinen: Das Fest des Lebens feiern
Ein Fuchs mit acht Beinen: Das Fest des Lebens feiern
Ein Fuchs mit acht Beinen: Das Fest des Lebens feiern
eBook300 Seiten1 Stunde

Ein Fuchs mit acht Beinen: Das Fest des Lebens feiern

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Über dieses E-Book

In seiner Autobiografie „Ein Fuchs mit acht Beinen“ erzählt der Maler, Zeichner und Schriftsteller Peter Halfar, Jahrgang 1935: „Die Nächte meiner Kindheit erfüllte ich mit Geschrei. Meine geplagte Mutter brachte Bleistift und Papier; da schwieg ich und zeichnete einen Fuchs mit acht Beinen. Das gefiel mir. Es war der Anfang meiner künstlerischen Laufbahn. Mein Fest des Lebens hatte begonnen!“ Wie er es in mehr als sechzig Jahrzehnten künstlerischer Arbeit feierte, schildert er in 41 Kurzgeschichten, ergänzt um 60 Bilder und sachlich informierende Zwischentexte. „Ich wollte nichts haben, ich wollte etwas machen“, schreibt Halfar, „die Sinnentleertheit des Daseins zu füllen, ist der Impuls, der mich zu überdimensionalen kreativen Phasen motiviert.“ Der Erfolg: Drei deutsche Kurzgeschichtenbände, ein vierter englischer, erschienen in USA, private Sammlungen seiner Bilder in Europa und USA, öffentliche in fünf europäischen Ländern. – Arwed Vogel, Dozent des freien Literaturprojekts München, über Halfars Kunst: „Gleich, ob man seine Geschichten liest, seine Bilder betrachtet, die Zeichnungen, oder man mit ihm zusammensitzt – immer öffnen sich Türen in Räume – und es ist, als ginge man mit ihm durch ein Stück Welt, das man ohne ihn nicht kennen lernen könnte, das man in einer Weise sehen lernt, die unvermutet und plötzlich sich zeigt.“
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum3. Nov. 2014
ISBN9783738662887
Ein Fuchs mit acht Beinen: Das Fest des Lebens feiern
Autor

Peter Halfar

Der Zeichner, Maler und Schriftsteller Peter Halfar, geboren am 4.9.1935 in Troppau (Sudetenland), studierte 1956-58 an den Kölner Werkschulen Dekorative Malerei. Seiner ersten Einzelausstellung in München folgten zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Die wichtigsten Sammlungen seiner Arbeiten in öffentlichem Besitz – insgesamt rund 170 – befinden sich in Deutschland, Österreich, Frankreich, Polen, Griechenland und Bulgarien. 1984 wurde ihm der erste Preis der Kieler Kunstwochen verliehen. Anfang der 70er Jahre begann Halfar für literarische Magazine Kurzgeschichten zu schreiben, die – in der Übersetzung von John Bennett – auch in USA publiziert wurden. 1997 erhielt er einen Literaturpreis des amerikanischen Magazins PANGOLIN PAPERS. Seit 2005 sind vier von ihm illustrierte Kurzgeschichtenbände in Deutschland erschienen (Die Nacht; in der Marilyn Monroe starb; Anopheles; Geh über die Brücke; Mit vollen Segeln in ein glückliches Alter), ein fünfter in USA (Life’s Crowning Moment), vier davon auch als E-Book. Halfars Leben und Arbeiten ist geprägt von traumatischen Kriegserlebnissen in früher Kindheit, dem Verlust seines Glaubens an einen Gott, der Auschwitz zuließ, und dem unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen. Das Leben erscheint Halfar wie ein laufender Film, aus dem er einzelne Szenen herausgreift – seltsame und alltägliche, schockierende und skurrile. Alle können seine Kunst verstehen; denn er schöpft aus der Realität. Die Trivialität des Alltags veranlasst ihn, dieses sonderbare Leben wie ein Mosaik so zusammenzusetzen, dass so etwas wie eine Sinngebung mit sozialkritischen und antifaschistischen Botschaften erkennbar wird. Halfars Autobiografie „Ein Fuchs mit acht Beinen. Das Fest des Lebens feiern“ bietet außer biografischen Informationen mit Bildern und Geschichten Einblick in sein gesamtes künstlerisches Schaffen, das der Literaturdozent Arwed Vogel in einem eigenen Beitrag würdigt.

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    Buchvorschau

    Ein Fuchs mit acht Beinen - Peter Halfar

    ZU DEN WURZELN

    Der Name Halfar stammt aus dem Schwedischen

    IN GRAUER VORZEIT

    Im 17. Jahrhundert zog ein Schwede namens Halfar nach Mähren/Schlesien ins Hultschiner Ländchen. In dem nordböhmischen Maxdorf betrieb vor Jahrhunderten ein Schmied namens Schöler Zauberei. Im 20. Jahrhundert erblickte ich, Peter Halfar – Nachfahre dieser Beiden – in Troppau das Licht der Welt – das Licht? Eher das Dunkel: Es war der Vorabend einer Weltkatastrophe.

    Ein Zeitalter

    In meinem Geburtsjahr gehörte Troppau zur Tschechoslowakei; der tschechische Name von Troppau ist Opava, der von Prag Praha.

    5 GENERATIONEN

    Urururgroßvater Johann Lange

    Urgroßmutter Marie Schöler geb. Lange

    meine Mutter mit ihren Brüdern Walther u. Ernst

    Familie Schöler von links nach rechts: Großmutter Marie, auf ihrem Arm Esther, deren Eltern Ernst und Ellen, meine Mutter und Großvater Julius

    mein Vater Josef Halfar, geboren 1906 in Jägerndorf,

    meine Mutter Maria Halfar geb. Schöler, geboren 1907 in Gablonz an der Neiße

    Künstler Peter, noch in Kinderschuhen

    Mein Vater stammte aus einer Arbeiterfamilie. Anna Halfar, die Mutter meines Vaters, hatte elf Kinder zur Welt gebracht, von denen einige früh gestorben waren. Sie musste ihre Familie allein durchbringen, da ihr Ehemann verschollen war. Sie wusch die Wäsche anderer Leute in der Oppa. Im Winter hackte sie schon bei Morgengrauen ein Loch in den zugefrorenen Fluss. Wenn es wahr ist, hatte mein Vater schon mit sechs Jahren Zeitungen ausgetragen. 1937 war Großmutter Anna vor der Geburt meiner Schwester bei uns zu Besuch gewesen, aber daran kann ich mich nicht erinnern – ich war ja noch nicht einmal 1½ Jahre alt.

    Mein Vater war künstlerisch begabt. Unser Badezimmer malte er mit Fischen, das Schlafzimmer mit Paradiesvögeln aus. Von Beruf war er Anstreicher. Da Massenarbeitslosigkeit herrschte, verlor er jedoch immer wieder seine Arbeitsstelle.

    Meine Mutter kam aus dem bürgerlichen Milieu, aus der böhmischen Kleinstadt Gablonz an der Neiße, die durch die Fabrikation von Bijouterie weltbekannt war. Urgroßvater und Großvater stellten Modeschmuck her.

    Meine Mutter hatte Modistin gelernt. Sie war kreativ, handwerklich geschickt und sehr fleißig. Trotz aller Einschränkungen gelang es ihr, uns stets ein geschmackvoll eingerichtetes und behagliches Zuhause zu bereiten.

    GEBURTSWEHEN

    Meine Eltern waren zu Fuß zum Spital gegangen – über die Oppa-Brücke in Troppau –, als meine Mutter in die Wehen gekommen war. Sie hatten nicht das Geld für die Straßenbahn gehabt. So arm waren sie damals.

    Es dauerte 36 Stunden, bis ich geboren wurde; ich brachte meine Mutter fast um. Ich wollte nicht heraus, ich wollte nicht auf diese Welt!

    Ich bin ein Kind der Liebe. Ich wurde

    drei Monate nach der Hochzeit der

    Eltern geboren.

    Das Erste, was ich im Landeskrakenhaus Troppau vermutlich sah, war die Hebamme Marie Kvasny, die sich ihre Haare mit Lockenwicklern aus Zeitungspapier aufdrehte – schlechte Zeiten!

    Die Nächte meiner Kindheit erfüllte ich mit Geschrei – meine geplagte Mutter brachte Bleistift und Papier; da schwieg ich und zeichnete

    Das gefiel mir – es war der Anfang meiner künstlerischen Laufbahn!

    Mein Fest des Lebens hatte begonnen!

    AN DER HAND MEINES VATERS

    Vor Weihnachten 1938 – damals wohnten wir in Vrane bei Prag – bekam ich Scharlach, meine erste ernsthafte Krankheit, der im Laufe meines Lebens viele Krankheiten folgten. Aber darüber in meinem nächsten Buch. Meine Mutter zog mir meinen besten Mantel an – den mit dem breiten Gürtel – und brachte mich in ein Prager Krankenhaus.

    Nachdem ich mich dort vor dem Nikolaus gefürchtet hatte und wieder gesund geworden war, setzten mich zwei freundliche Frauen in eine Badewanne, wuschen mir den Bauch und fütterten mich mit Rührei. Dann zog man mich an und brachte mich in einen dämmerigen Saal. Dort wartete ich ganz allein darauf, dass mein Vater mich abholte. Als er endlich kam, beugte er sich freudestrahlend zu mir herunter.

    In dem Zugabteil, in dem wir später nebeneinander auf einer Holzbank saßen, brannte Licht. Wir waren ganz allein, denn die meisten Leute waren schon zu Hause, um mit der Familie das bevorstehende Weihnachtsfest zu feiern.

    Meine Mutter erwartete mich mit meiner winzigen Schwester unter dem Weihnachtsbaum. Ich bekam ein in Silberpapier eingewickeltes Stück Zucker – oder war es ein Schokoladen-Nikolaus? – Ich konnte kein Wort Deutsch mehr, nur noch Tschechisch.

    Ich liebte meinen Vater sehr. Er unterstützte meine Freude am Malen ebenso wie meine Tierliebe. Einmal brachte er mir aus dem Prager Kaufhaus STEFANO einen kleinen Zoo mit Tieren aus Kunststoff mit: Elefanten, Giraffen, Wölfe und ein Nilpferd.

    An den Sommerabenden gingen wir Hand in Hand durch die Akazienallee an der Moldau entlang, hinein in die brütende Finsternis, und mein Herz pochte vor Glückseligkeit.

    Es war in einem Winter, als ich mit dem Vater in einem verschneiten lichten Hochwald Hand in Hand einen Pfad entlang ging. Ich war wegen der Kälte dick eingemummt in einer Wolljacke, mit einer wollenen Zipfelmütze auf dem Kopf, und meine kleinen Hände steckten in Fäustlingen. Plötzlich sah ich von rechts einen Hirsch den Abhang herab laufen. Als er uns erblickte, blieb er auf dem Pfad stehen und starrte uns unverwandt an. Der Hirsch war ganz weiß und trug ein prächtig ausladendes Geweih. Ich betrachtete ihn atemlos vor Bewunderung.

    2005 erschien meine Kassette mit Winterbildern. Die Skizzen dazu waren in den neunziger Jahren entstanden, als mich mein Schwager über württembergische Dörfer fuhr.

    Der Schnee bedeckt das dunkle Reich, in dem vor lauter Wärme gleich die Wurzeln und die Keime treiben – die nächste Saat, die neuen Reime, Lieder, Bilder. – Die Dörfer weit verstreut in Tal und sanften Höhen, die Häuser tief verschneit. – Die Wachtel duckt sich in die Wehe, am Strauche wartet stumm die Schlehe.

    Wenn ick viele Jahre später im Fernsehen Sendungen anschaute, in denen Winterliches zu sehen war, bemerkte ich, dass meine Augen nicht lange den Vorgängen auf dem Bildschirm folgten, sondern auf den Hintergrund fixiert waren – auf einen verschneiten Wald zum Beispiel. Bilder aus meiner frühen Kindheit tauchten dann auf, frühere noch als jene von der Wanderung mit dem Vater durch den Winterwald. Das brachte mich auf die Idee: Was ich bereits als Kind von drei Monaten – im ersten Winter meines Lebens – am intensivsten optisch wahrgenommen hatte, war Schnee. Im Fest meines Lebens spielte er immer eine große Rolle.

    UMZUG NACH ZBRASLAV

    Als im März 1939 deutsche Truppen in die vorwiegend von Tschechen bewohnten Gebiete Böhmens und Mährens einmarschiert waren und Hitler die Errichtung des „Reichsprotektorats Böhmen und Mähren" verkündet hatte, gab es dort für die deutschen Bewohner Möglichkeiten sozialen Aufstiegs. Mein Vater trat in die Partei ein und schließlich in die SS.

    Noch im selben Frühjahr bezogen wir ein Haus in Zbraslav, einem Vorort von Prag.

    Meine Eltern wären– wie viele – zu diesem Zeitpunkt überfordert gewesen, zu durchschauen, dass sie sich in ein Verbrecherisches System verstickten. Als mein Vater dies später erkennen musste, suchte er nach einem Ausweg, von der SS loszukommen. Obwohl er vom Militärdienst freigestellt war, meldete er sich freiwillig zur Wehrmacht. Im Kampf an der Ostfront ist er dann gefallen. So hat er seinen Irrtum mit dem Leben bezahlt.

    IM TRAUMHAUS MIT ‚LITTLE SISTER’

    Es war noch kalt, als wir Kinder am Fuße der Freitreppe auf dem Beet vor der steinernen Amphora standen. Die Treppe führte von der Straße hinunter zum Haus mit dem großen Garten. Links und rechts der Treppe befanden sich zwei Wäldchen, gesäumt von Steingärten, in denen Schneeglöckchen, Himmelschlüssel, Vergissmeinnicht, Anemonen und grün-weiß gestreifte Gräser blühten.

    Hier verlebten wir unsere paradiesische Kindheit, im Garten mit all den Flieder- und Jasmin-Büschen, Kaninchenställen und Hühnern inmitten der überschäumenden Pracht blühender Obstbäume. Ich erinnere mich an die ausgelassenen Spiele mit den Nachbarskindern und meiner kleinen Schwester Suse. Ich hatte immer ein wachsames Auge auf sie, damit ihr kein Leid geschah. Meine Schwester wiederum beobachtete mich halb ängstlich, halb stolz, wenn ich aufs Dach stieg oder ein anderes riskantes Abenteuer wagte.

    Wir hielten zusammen wie Pech und Schwefel; zu einem ernsthaften Streit kam es nie, selbst dann nicht, wenn ich Unmögliches von ihr verlangte: Wie sollte eine Vierjährige sich meine Belehrungen über die verschiedenen Vogelarten und ihre Eier merken, auf einer Bildtafel erkennen, welches Ei zu welchem Vogel gehört?

    Zwei Lieblingsplätze suchte ich allerdings ganz allein auf: Die Gartenmauer, auf der ich las, und die beiden Wandschränke im sogenannten Chinesischen Zimmer. Wir nannten es so, weil chinesische Motive die Fensterrahmen und Tapeten zierten. Die Wandschränke waren meine idealen Verstecke, in denen ich mir vorstellte, ich sei ein Tier – im Sommer ein Löwe, im Winter ein Eisbär.

    Unser Kindheitsparadies, ein Paradies inmitten der furchtbaren Ereignisse draußen, in Lidice, in Polen, Holland, Belgien… Davon wussten wir Kinder nichts, wie sollten wir auch!

    Was von draußen in unseren Garten eindringen konnte, war lediglich das Hochwasser der Moldau, das im Winter Eisschollen anschwemmte. Aber das empfanden wir keineswegs als Bedrohung, wir hatten unser Vergnügen daran.

    ‚LITTLE SISTER‘ SUSANNE, geboren am 29. Dezember 1937

    Momente allerdings gab es für mich, in denen meine paradiesische Welt einen Riss bekam: Der Junge aus der Nachbarschaft hatte mich durch das Gartengitter hindurch angespuckt, mitten ins Gesicht.

    Als ich an einem Sonntag in Badehosen durch den Garten gelaufen war, hatte mein Vater mich gepackt, hochgehoben und mitten in die Brennnesseln geworfen. Er wollte, dass ich ein richtiger Mann, ein Held werden sollte. Dabei wäre ich viel lieber ein Bauer geworden, mit Hühnern und Schweinen. Und so hatte ich dann dagestanden, von oben bis unten mit brennenden Pusteln bedeckt, weinend am seitlichen Gartentor. Ich verstand die Welt nicht mehr.

    DER FEDERMANN

    Es war bereits dunkel, als unsere tschechische Vermieterin mir den leeren Bierkrug in die Hände drückte und sagte: „Komm, jetzt gehen wir Bier holen, für

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