Keine Angst: Zuversichtlich leben und glauben
Von Jürgen Werth
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Über dieses E-Book
Sehr persönlich, mit zahlreichen Beispielen, die zur Identifikation einladen, zeigt er, was alles zur Angst gehört: das Kind, das sich im Dunkeln fürchtet, der Erwachsene, der sich scheut, eine neue Stelle mit zu viel Verantwortung zu anzutreten u.v.m.
Die Angst ist vielschichtig und hat unterschiedliche Facetten. Die lebensnahen und lebensbejahenden Aspekte, die der Autor warmherzig und authentisch beschreibt, bilden einen Gegenpol zur lähmenden Furcht und verweisen auf den, der größer ist.
Jürgen Werth
Jürgen Werth war bis 2014 Vorstandsvorsitzender bei "ERF Medien" und ist als Liedermacher, Moderator und Autor unterwegs. Viele seiner Lieder haben sich zu Klassikern entwickelt. Und auch im Geschichtenerzählen hat er es zur Meisterschaft gebracht. Jürgen Werth ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.
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Keine Angst - Jürgen Werth
Jürgen Werth
Keine Angst
Jürgen Werth
Keine
Angst
Zuversichtlich leben
und glauben
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:
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Klimaneutrale Produktion.
Gedruckt auf umweltfreundlichem, chlorfrei gebleichtem Papier.
1. Auflage 2025
Copyright © 2025 Bonifatius GmbH Druck | Buch | Verlag
Karl-Schurz-Str. 26 | 33100 Paderborn | Tel. 05251 153-171
buchverlag@bonifatius.de
Umschlaggestaltung: spoon design, www.spoondesign.de, Langgöns
Lektorat: Gisela Appelbaum
Satz: Melanie Schmidt, Bonifatius GmbH
Druck und Bindung: Pustet, Regensburg
Printed in Germany
eISBN: 978-3-98790-960-3
www.bonifatius-verlag.de
Inhalt
Ein Wort zuvor
1Der kleine Jürgen hat Angst. Der große auch.
2Angst ist gesund. Und wann wird sie ungesund?
3Wenn nur nicht die Nächte wären!
4Von Dünnhäutern und Dickhäutern
5Sorgen sind das Lieblingsfutter der Angst
6„Siehste wohl, du liebst mich nicht!"
7Die Welt macht Angst, echt!
8Wenn ich nichts mehr im Griff habe
9Mama und Papa fürchten sich in uns
10 Sogar die Schöpfung hat Angst
11 Angst kann traumatisieren
12 Wer etwas ausgefressen hat, hat Angst
13 Heilende Bilder für die Seele
14 Es wird riskiert!
15 Ohne Angst ans Ende aller Wege
16 Was der Seele guttut
Ein paar persönliche Gedanken zum Schluss
Anhang: Texte und Gebete gegen die Angst
Quellen
Ein Wort zuvor
Ganz ehrlich, ich hatte Angst vor diesem Buch. Vor diesem Thema. Es scheint so dunkel und bedrohlich. Und so persönlich. Man kann ja nicht über Angst schreiben, ohne seine eigenen Ängste zu benennen. Zumindest ich kann das nicht. Dann habe ich es gewagt – und die Angst hat ihren Schrecken verloren. Manchmal muss man sich ihr einfach stellen.
Die Experten unterscheiden zwischen Angst und Furcht. Angst wäre ein diffuser Seelenzustand, Furcht würde sich auf eine konkrete Bedrohung beziehen. Also hätte ich mich gefürchtet vor diesem Buch. Ich weiß allerdings nicht, ob sich das anders angefühlt hätte. Furcht oder Angst – am Ende ist das doch vielleicht vor allem eine eher akademische Unterscheidung. Jedenfalls macht beides keinen Spaß. Angst ist bedrohlich, sie lähmt Gedanken und Gefühle, macht Herz und Seele eng und bringt uns dazu, wegzulaufen, uns zu verstecken oder uns tot zu stellen.
Aber man kann nicht an ihr sterben.
Seit ein paar Jahren gibt es eine neue Variante der Angst: FOMO. Das ist die Abkürzung für den englischen Begriff „Fear Of Missing Out". Es ist die Angst, Wichtiges oder gar Entscheidendes zu verpassen. Sie hängt nicht zuletzt mit den neuen digitalen Medien zusammen, die ja ohne jede Pause schier unendlich viele Informationen, Ereignisse und Beteiligungsmöglichkeiten präsentieren, sodass nicht wenige Menschen den Eindruck haben, sie müssten ständig online sein, um nicht den Anschluss zu verlieren oder die Chance auf ein besseres Leben zu verpassen. Auch diese Angst kann pathologisch, also krankhaft werden.
Nun lese ich in der alten Bibel immer wieder: „Fürchte dich nicht! Mancher behauptet: 365-mal. Das wäre ein durchaus originelles Ergebnis, ein Mutmacher also für jeden Tag des Jahres! Doch leider stimmt die Zahl nicht. Wer genau nachzählt, kommt, wenn er die Singular- und Pluralformen berücksichtigt, auf 124-mal. Ist man bei der exakten Formulierung ein bisschen pingeliger, kommt man auf 109-mal. 83-mal im Alten und 26-mal im Neuen Testament heißt es: „Fürchte dich nicht!
Und so gut wie immer ist das ein göttliches Machtwort, kein menschliches, ein himmlisches, kein irdisches. Gott persönlich sagt es. Oder Jesus. Oder ein Engel. Jedenfalls einer, der stärker ist als das, was uns Angst macht.
Kann man daraus schließen, dass Glaubende keine Angst haben müssen? Ich sehe es andersherum: Wenn es uns so oft zugesprochen werden muss, werden Furcht und Angst wohl eine wahrhaft prominente Rolle im Leben vieler Menschen spielen. Niemand muss sich schämen, wenn er Angst hat. Und niemand muss Angst vor der Angst haben. Es gibt gangbare Wege durch die Angst. Es gibt Wege um die Angst herum, und es gibt Auswege.
Ich habe sie beschritten und beschreite sie immer neu. Manchmal tapfer, manchmal tapsend. Wenn Sie mögen, kommen Sie doch einfach mit.
Jürgen Werth
1 Der kleine Jürgen hat Angst. Der große auch.
Der kleine Jürgen hat Angst. Mama und Papa sind ausgegangen. Ihn haben sie zu Hause gelassen. Ins Bett gebracht haben sie ihn wie jeden Abend, angespannt entspannt haben sie ein Lied gesungen, ein Gebet gesprochen und dann gesagt: „Wir sind bald wieder da! Schlaf schön! Wir lassen die Tür angelehnt." Wenigstens das. Aber die Wohnung ist leer. Und sein Kopf ist voll. Voller dunkler Fantasien. Drachen, Hexen, Heinzelmännchen. Draußen, im Dämmerlicht, bewegen sich Bäume und Blätter wie Gespenster. Ab und zu flackern die fahlen Scheinwerfer eines Autos durch die zugezogenen Vorhänge. Soll er weinen? Wozu? Niemand wird ihn hören. Er zieht die Decke über den Kopf. Aber das macht es nur noch schlimmer. Im Wohnzimmer tickt die alte Standuhr. Die Sekunden schleichen. Da, ein Geräusch auf der Treppe im Hausflur! Ein Einbrecher? Luft anhalten. Aber die Schritte gehen ein Stockwerk höher, es war wohl nur ein Nachbar. Wenigstens ist das Haus bewohnt! Aber die Wohnung nicht. Sein Zimmer nicht. Soll er das Lämpchen an seinem Bett anknipsen? Aber dann kann er nicht schlafen. Und er soll ja schlafen. Wenn er noch wach ist, wenn die Eltern endlich, endlich heimkommen, werden sie mit ihm schimpfen. Irgendwann schläft er tatsächlich ein, schläft sich in finstere wirre Träume …
Der nicht mehr ganz so kleine Jürgen hat Angst. Er übernachtet bei Tante Emmy und Onkel Walter. Die haben ihn gern, und er sie auch. Aber jetzt liegt er im Bett und ihn gruselt es. Das Fenster des Schlafzimmers geht zur Straße. Auf der anderen Straßenseite liegt der Friedhof. Gruselland. Er mag nicht dran denken. Dafür denkt er an die Schule. Da soll er morgen früh wieder hin. Die Hausaufgaben sind gemacht. Und eigentlich geht er gern hin. Aber heute Abend macht ihm auch die Schule Angst. Das Gruselland auf der anderen Straßenseite wirft seine bedrohlichen Schatten auf alles, was er in Hirn und Herz bewegt. Endlich machen sie nebenan das Licht aus. Endlich kommen auch sie ins Bett. Endlich kann er schlafen.
Der gar nicht mehr kleine Jürgen hat Angst. Diesmal ist Papa alleine ausgegangen. Er ist wieder einmal in der Kneipe. Jürgen weiß schon, was gleich kommt. Gleich oder spät in der Nacht. Da rumpelt Papa die Treppe hoch. Weckt Mama. Manchmal auch ihn. Und dann gibt's Streit. Manchmal handfesten Krach. Und er muss wieder schlichten. Er liegt im Bett und ist nur Ohr. Vielleicht wird's heute nicht so schlimm. Am Schritt kann er es hören. An Schlafen ist nicht zu denken. Vielleicht wird er gebraucht.
Der große Jürgen hat Angst. Morgen muss er einen Vortrag halten. Er weiß, wohin er kommt. Er weiß, was man von ihm erwartet. Er hat sich vorbereitet. Er hält den Vortrag nicht zum ersten Mal. Aber was, wenn er jetzt nicht einschläft und morgen unausgeschlafen aufbrechen muss? Was, wenn er sein Manuskript zu Hause liegen lässt? Was, wenn er in einem Stau feststeckt? Was, wenn er ins Stottern gerät? Was, wenn er über die Köpfe der Menschen hinwegredet?
Der älter werdende Jürgen hat Angst. Er macht sich Sorgen. Die Welt wird immer bedrohlicher, die Krisen immer unlösbarer. Überall Kriege und Katastrophen und wirre Machthaber, die offenbar an einem bösartigen Narzissmus leiden. Je älter sie werden, umso mehr. Besessen von sich selbst. Unberechenbar. Das Schicksal der Welt in den Händen von ein paar Irren. Was soll nur werden? Am besten keine Zeitung mehr lesen! Am besten den Fernseher ausschalten, bevor die Tagesschau kommt!
Der alte Jürgen hat Angst. Und die Sorgen werden größer. Dieses Zwicken in der Leistengegend! Und dieser wiederkehrende Druck im Kopf. Hatte das bei Karlheinz nicht auch so angefangen? Ist das Krebs? Überhaupt wird alles immer beschwerlicher. Die vertrauten Wege werden länger, die gewohnten Treppen steiler. Wie lange kann er noch in diesem Haus wohnen? Wie lange schafft er es noch bis in sein Arbeitszimmer unter dem Dach? Und dann? Kleinere Wohnungen sind kaum zu finden und zu bezahlen. Und fürs Altersheim fühlt er sich zu
