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"From the river to the sea": Überlebenskampf zwischen Jordan und Mittelmeer
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"From the river to the sea": Überlebenskampf zwischen Jordan und Mittelmeer
eBook217 Seiten2 Stunden

"From the river to the sea": Überlebenskampf zwischen Jordan und Mittelmeer

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Über dieses E-Book

Israel/Palästina ist die sinnbildliche Hochspannungsleitung: Wer sie berührt, den trifft der Schlag. Unter Starkstrom wird auch der Konflikt diskutiert - oft jedoch ohne eine gemeinsame faktische Grundlage für ein Gespräch zu haben. Doch wie konnte der Konflikt in Israel/Palästina überhaupt solch tödliche Ausmaße erreichen? Dieses Buch stellt die ethnischen Säuberungen und wirtschaftlichen Verbrechen in den Fokus, die den Nahen Osten in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten geprägt haben. Es thematisiert die Rolle der Kolonialmächte für die Entstehung dieses Konflikts und will eine Brücke schlagen zwischen den scheinbar unvereinbaren Lagern.
SpracheDeutsch
HerausgeberWestend Verlag
Erscheinungsdatum31. März 2025
ISBN9783987911149
"From the river to the sea": Überlebenskampf zwischen Jordan und Mittelmeer
Autor

Zachary Gallant

Zachary Gallant, Autor von Nazis All The Way Down: The Myth of the Moral Modern Germany, berichtete als Journalist über Politik und Korruption in den USA und auf dem Balkan. Er lebt seit 2012 in Deutschland, wo er mit Unterstützung der Europäischen Kommission und des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zahlreiche Projekte zu Flüchtlingshilfe, interkultureller Verständigung und Klimagerechtigkeit durchgeführt und organisiert hat.

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    Buchvorschau

    "From the river to the sea" - Zachary Gallant

    Über den Autor und die Autorin

    Seit über einem Jahrzehnt engagieren wir uns als Brückenbauer für Solidarität und für ein konstruktives Miteinander von jüdischen und muslimischen Menschen. Wir haben Einrichtungen zur Unterstützung arabischer Geflüchteter in der gesamten Europäischen Union mitaufgebaut und waren aktiv in Projekte eingebunden, die die Teilhabe muslimischer Menschen in den europäischen Gesellschaften fördern. Wir haben Artikel geschrieben und an Universitäten gelehrt über Antirassismus und die Herausforderungen in der Begegnung mit der aufnehmenden Gesellschaft, mit denen sich nicht-weiße Neuankömmlinge oftmals konfrontiert sehen. Wir haben ganze Lehrbücher über die deutsche Wahrnehmung von jüdischen und muslimischen Menschen veröffentlicht und haben uns explizit stark gemacht für palästinensische Menschen.

    Mit dem 7. Oktober 2023 wurde uns jedoch schmerzlich bewusst, dass wir zwar von einer gegenseitigen Unterstützung und Freundschaft ausgegangen waren, dass unser Einsatz für das Wohl palästinensischer Menschen aber womöglich nicht Teil einer gruppenübergreifenden Solidaritätsbewegung zum Wohle von Menschen in Notsituationen gewesen war: Noch vor einer Reaktion Israels auf das brutale Massaker, die Massenvergewaltigung und die Massenentführung von Zivilist:innen durch die Hamas sahen wir, wie Antirassismus-Aktivist:innen jüdischen Menschen* die Schuld an diesen Angriffen gaben. In diesem Moment wurde uns klar, dass wir nicht notwendigerweise die gleiche Sprache sprechen wie diejenigen, die wir für unsere Verbündeten gehalten hatten.

    Wir beobachten, wie uns in Freundschaft verbundene Menschen gegen Israel auf die Straße gehen und in den sozialen Medien Stellungnahmen posten, die aktiv zur ethnischen Säuberung und zum Völkermord an jüdischen Menschen aufrufen. So schmerzhaft und verstörend dies auch ist, sind wir uns doch dessen bewusst, dass diese Personen uns nicht hassen. Wir wissen in unseren Herzen, dass unsere ehemaligen Verbündeten uns und unseren Familien nicht den Tod wünschen, wenn sie verbal die Hamas unterstützen. Nein, was hinter diesen antisemitischen Äußerungen steht, ist ein Kommunikationsversagen. Der Konflikt in Israel/Palästina ist ein hochemotionales Thema mit einer Dimension des Grauens und der Verzweiflung, die uns oft die Sprache verschlägt. Und doch ist es gerade deshalb wichtig, Worte zu finden und wieder eine Verbindung herzustellen. Deshalb schreiben wir dieses Buch als Versuch, eine Brücke zu bauen, die uns wieder aufeinander zugehen und miteinander sprechen lässt.

    Einleitung

    In den Reaktionen auf die Hamas-Angriffe vom 7. Oktober 2023 und den sich anschließenden Krieg Israels im Gazastreifen wurde deutlich, wie wenig die meisten Menschen in Europa und Nordamerika tatsächlich über die Geschichte des zugrundeliegenden Konflikts wissen. Bei dem Angriff der Hamas wurden 1 139 Menschen massakriert, über 250 Menschen als Geiseln genommen, Dutzende von Frauen vergewaltigt und Hunderte von Zivilist:innen, von Kindern im Alter von 10 Monaten bis hin zu älteren Holocaust-Überlebenden, mit unbeschreiblicher Brutalität angegriffen. Die meisten Opfer waren Kinder und Frauen. Die Hamas hatte nicht militärische Ziele im Visier, nicht einmal beliebige zivile Ziele, sondern eben solche Personen, die dafür bekannt waren, dass sie sich aktiv für Frieden und ein konstruktives Miteinander von israelischen und palästinensischen Menschen einsetzen. Diese angestrebte Koexistenz war es, die die Hamas zerstörte. Und in Israels brutalem Krieg zur Eliminierung der Hamas im Gazastreifen sind als Reaktion auf diese Massaker und das Versprechen der Hamas, ähnliche Taten zu wiederholen, über 45 000 Menschen aus dem Gazastreifen getötet worden (Stand Dezember 2024), [1] viele in unbeschreiblicher Not, in einstürzenden Gebäuden oder durch Verhungern, andere gezielt von israelischen Soldat:innen erschossen. Unzählige der Getöteten waren unbewaffnete Zivilist:innen, und mehr als die Hälfte der Opfer waren Frauen und Kinder. Ungeachtet der Tatsache, dass die Hamas den Tod der Zivilbevölkerung im Gazastreifen gezielt in Kauf nimmt, indem sie menschliche Schutzschilde einsetzt und dafür sorgt, dass sich ihre wichtigsten strategischen Anlagen unter Schulen und anderen zivilen Zentren befinden, ist die Zahl der Todesopfer durch die israelischen Angriffe mehr als zwanzigmal so hoch wie die Zahl der von der Hamas abgeschlachteten Menschen. Zweifellos ergeben diese Opfer das Bild einer unverhältnismäßigen Reaktion Israels. Es ist unmöglich, nicht traumatisiert zu sein von den Nachrichten, allen voran den Bildern, die uns aus Gaza und Israel erreichen. Es ist nur nachvollziehbar, dass uns angesichts des dortigen Geschehens Entsetzen erfüllt.

    Die Situation ist mehr als grauenhaft, und es wird schnell deutlich, dass Frieden im Nahen Osten** unmöglich ist, solange wir die Zusammenhänge nicht vollständig verstehen. Unglücklicherweise sind jedoch fast alle verfügbaren Erläuterungen, die sich eingehend mit dem zugrundeliegenden Konflikt befassen, so umfangreich, dass sie die Aufmerksamkeit ihres Publikums verlieren, bevor die Verfasser:innen ihr beeindruckendes Wissen an dieses weitergeben konnten. Aus diesem Grund haben wir das, was tausend Seiten hätte sein können, deutlich gekürzt und uns darauf konzentriert, die häufigsten Missverständnisse oder Irrtümer zu korrigieren, die die Diskussion über Israel/Palästina prägen.

    Dieses Buch ist kein herkömmliches Israel/Palästina-Buch. Es folgt keiner politischen Ideologie. Dies ist ein Buch über Politik, Geschichte und Wirtschaft und deren Reflektion im alltäglichen Miteinander, und zugleich ist dieses Buch doch etwas ganz anderes. Es wurde von zwei Menschen geschrieben, die der Meinung sind, dass sich der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu bereits ein Jahrzehnt vor dem aktuellen Krieg zwischen Israel und der Hamas strafbar gemacht hat, und die dennoch den Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs gegen Netanjahu für den Gipfel der Heuchelei halten. Dieses Buch befasst sich mit antifaschistischer und anarchistischer Philosophie, während es zugleich die Existenz eines Staates verteidigt. Es thematisiert rassische und ethnische Begriffe in dem Bewusstsein, dass diese Begriffe problematisch sind, da sich der Kontext des Konflikts eben nur in Kombination mit diesen Vorstellungen von Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe verstehen lässt. Während dieses Buch philosophisch und ethisch in einer jüdischen Ethik verwurzelt ist, die den Zionismus als etwas betrachtet, das den jüdischen Idealen fremd ist, reflektiert es die gelebten Erfahrungen jüdischer Menschen in den letzten anderthalb Jahrhunderten als Kontext, aus dem heraus vielleicht auch der Zionismus in einem neuen Licht erscheint.

    Der Konflikt in Israel/Palästina ist ein hochemotionales Thema für Personen unterschiedlichster Hintergründe, und dieses Buch versucht, die Narrative und die Erfahrungen zu beleuchten, die Israel zu dem gemacht haben, was es ist. Es ist von entscheidender Bedeutung, nicht nur die kolonialistische Rolle Großbritanniens oder Frankreichs oder sogar Deutschlands bei der Entstehung dieses Konflikts zu untersuchen, oder sich allein auf die militärischen Aktionen von und gegen Israel zu konzentrieren. Stattdessen müssen wir auch einen ungeschönten Blick werfen auf das Aufkommen exklusiver rassistischer Nationalismen und die Durchführung ethnischer Säuberungen, die im gesamten Nahen Osten bereits Jahrzehnte vor der Gründung des Staates Israel stattfanden.

    Als wir für unser Buch Entnazifiziert euch! Wider den Mythos der Vergangenheitsbewältigung die Geldströme der Holocaust-Profite recherchierten, [2] stießen wir auf einige ausgesprochen unbequeme Wahrheiten, die uns zeigten, wie einseitig unsere eigene Rhetorik gegenüber Israel bislang war.

    Wir haben uns diesen undankbaren Themen gewidmet, um der sinngemäßen Einstellung, »ich unterstütze Israel, und wir [Deutschland] haben Reparationen gezahlt, also kann ich/können wir nicht antisemitisch sein!«, Fakten entgegenstellen zu können, die eine solche Aussage als beschönigende Ausrede entlarven, die letztlich sowohl die deutsche Verantwortung als auch das Wesen des Antisemitismus verkennt. Indem wir dieses Ansinnen verfolgten, mussten wir auch unsere eigenen Vorurteile gegenüber Israel unter die Lupe nehmen. Auf der Suche nach belastbaren Zahlen zu den Vermögenswerten, die der jüdischen Bevölkerung Europas gestohlen worden waren, sowie zu der mangelnden Bereitschaft nicht-jüdischer Europäer:innen, das Gestohlene zurückzuzahlen, stießen wir auf Dokumente, die uns einen ersten Eindruck davon vermittelten, wie viel jüdischen Menschen im Nahen Osten zur gleichen Zeit gestohlen worden war und wie gering die Rückzahlungsbereitschaft der modernen Staaten des Nahen Ostens ist.

    Sicher wäre es praktisch und moralisch am einfachsten, Gestohlenes klar zu beziffern und Ausgleichszahlungen zu leisten. Doch ist eben dies nicht immer möglich, zumal es deutlich leichter ist, sich über Ungerechtigkeit und Gräueltaten zu entrüsten, als sie in einen breiteren Kontext zu stellen. Tatsache ist jedoch, dass die Kenntnis dieses Kontextes unabdingbar ist, um die Situation zu verstehen und sich für wirkliche Gerechtigkeit einzusetzen.

    Wir müssen die Rolle erkennen, die Europa bei der ethnischen Säuberung der jüdischen Menschen in den Ländern des Nahen Ostens gespielt hat zu einer Zeit, in der jüdische Menschen in Europa systematisch ermordet wurden, und wir müssen die Staaten und Personen des Nahen Ostens ins Rampenlicht rücken, die von dieser ethnischen Säuberung profitiert haben. Wir müssen bedenken, dass palästinensische Menschen immer noch die Schlüssel zu Häusern mit sich tragen, zu denen sie niemals werden zurückkehren können, und müssen gleichzeitig über die wiederholte Ablehnung einer Zweistaatenlösung durch Palästinenser:innen und Araber:innen seit den 1930er Jahren nachdenken. Wir dürfen nicht wegschauen angesichts der Schrecken des Hungers und des brutalen Todes, die die israelischen Bomben, Soldat:innen und Politiker:innen für die Bewohner:innen im Gazastreifen aktuell bedeuten. Zugleich müssen wir die Rolle untersuchen, die die Staaten des Nahen Ostens und Europas dabei gespielt haben, den Gazastreifen in ein sogenanntes »Konzentrationslager« zu verwandeln und Israel dahingehend unter Druck zu setzen, eine Lösung des Konflikts zu finden, obwohl Ägypten, Katar, Jordanien, der Iran, die Türkei, die Europäische Union oder die Vereinigten Staaten den Menschen in Gaza jederzeit einen Ausweg hätten bieten können. Wir müssen bereit sein zu hinterfragen, ob ein jüdischer Staat philosophisch oder ethisch tatsächlich besonders jüdisch ist, und wir müssen akzeptieren, dass jüdische Menschen eher eine Ethnie als eine bloße Religionsgemeinschaft sind. Ebenso müssen wir die Möglichkeit anerkennen, dass die Palästinenser:innen durch ihre Unterdrückung seit Ende des Zweiten Weltkriegs – nicht nur seitens Israel, sondern auch durch die arabischen Staaten und Europa – zu einer eigenen ethnischen Gruppe geworden sind, die sich aufgrund dieser Erfahrung von einer »gesamtarabischen« Identität unterscheidet. Wir müssen bereit sein für ein ehrliches Gespräch über die völkermörderischen Absichten von Führungspersönlichkeiten, Gemeinschaften und oft auch Staaten des Nahen Ostens in ihrer Interaktion mit jüdischen Menschen, insbesondere angesichts der Hamas-Anschläge vom 7. Oktober inklusive der Ankündigung, dass ähnlich fatale Anschläge folgen werden. Diese besondere geopolitische Lage des einzigen jüdischen Staates der Welt muss uns bewusst sein. Wir müssen bereit sein einzugestehen, dass Israels Macht im Vergleich zur Situation palästinensischer Menschen geradezu überwältigend groß ist, dass aber, wenn wir Israel im breiteren Kontext des Nahen Ostens (zu dem Palästina und Gaza gehören) betrachten, der einzige Grund, warum der jüdische Staat noch nicht ausgelöscht wurde, darin besteht, dass Israel die Fähigkeit besitzt, sich zu verteidigen, und nicht davor zurückscheut, dies bei Bedarf zu tun. Diese verschiedenen Perspektiven müssen wir einnehmen können, um den scheinbar unverständlichen Kontext des heutigen Israel/Palästina ansatzweise zu ergründen.

    Während der sichtbare Anstieg des Antisemitismus nach dem 7. Oktober die Welt des interreligiösen Dialogs weitgehend sprachlos gemacht hat, gibt es doch einzelne Zeichen der Hoffnung, die zeigen, dass es zumindest möglich ist, offenkundige Menschenrechtsverletzungen mit deutlichen Worten zu verurteilen. Inmitten des andauernden Krieges zwischen Israel und der Hamas, nach fast elf Monaten des Kämpfens, die unzählige Leben und die Hoffnung auf eine Verständigung fast ausgelöscht haben, erklärte der Globale Rat der Imame kürzlich:

    »Wir machen die Hamas direkt verantwortlich für den Tod und das Leid aller unschuldigen Menschen, die seit dem 7. Oktober ums Leben gekommen sind, da ihre Aktionen nicht nur Tod und Zerstörung über die Region gebracht haben, sondern auch zu unermesslichem Leid für das palästinensische Volk geführt haben. Die rücksichtslose und unmenschliche Taktik der Hamas, die Zivilist:innen als Schutzschilde benutzt und ihre Notlage ausnutzt, hat den Kreislauf der Gewalt nur eskalieren lassen und den Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden unterminiert.« [3]

    Der Globale Rat der Imame wird interessanterweise von zwei der weltweit wichtigsten schiitischen Lernzentren (dem Seminar von Nadschaf im Irak und dem Seminar von Kerbala im Iran) finanziert, doch sitzen auch Sufis und Sunniten in dem Gremium. Da der Iran und die Hisbollah schiitisch sind, sticht der auf das obige Zitat folgende Satz besonders hervor:

    »Darüber hinaus erkennen wir an, dass das iranische Regime eine Mitverantwortung für diese Tragödien trägt, da seine kontinuierliche Unterstützung und Billigung der Aktionen der Hamas die Gewalt und Instabilität in der Region aufrechterhält.« [3]

    Es sind Aussagen wie diese, die es sowohl jüdischen als auch palästinensischen Menschen ermöglichen, sich in ihrem Leid gesehen zu fühlen. Die Worte des Globalen Rat der Imame machen darüber hinaus deutlich, dass der Konflikt, sowohl der allgemeine Konflikt, der sich an der Gründung des Staates Israel

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