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Kikis kleiner Lieferservice 2: Kiki und die neue Magie
Kikis kleiner Lieferservice 2: Kiki und die neue Magie
Kikis kleiner Lieferservice 2: Kiki und die neue Magie
eBook285 Seiten2 Stunden

Kikis kleiner Lieferservice 2: Kiki und die neue Magie

Von Eiko Kadono und Miryll Ihrens

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Über dieses E-Book

Der zweite Band des modernen japanische Klassiker über eine junge Hexe und ihre kluge Katze – nicht nur für Fans des beliebten Studio-Ghibli-Zeichentrickfilms.

Es ist nun ein Jahr her, dass Kiki ein neues Leben begonnen hat. Die – nicht mehr ganz so kleine! – Kurierhexe ist mittlerweile eine echte Berühmtheit. Doch diese beispiellose Popularität hat nicht nur Vorteile: Kiki ist mit immer gefährlicheren Aufträgen überfordert, während ihre Freunde Jiji und Tombo ihr immer mehr zu entgleiten scheinen. Als Zweifel in ihrem Kopf aufkeimen, stellt die junge Hexe sogar ihren Lieferservice in Frage … Entschlossen, eine Lösung zu finden, muss Kiki ihren Mut verdoppeln, um sich ihren Ängsten zu stellen. Vielleicht muss sie sich sogar einer ganz neuen Art von Magie zuwenden …

KIKI UND DIE NEUE MAGIE ist ein Roman der japanischen Autorin Eiko Kadono und ist illustriert von Yuta Onoda.
SpracheDeutsch
HerausgeberCross Cult
Erscheinungsdatum1. Aug. 2024
ISBN9783986665579
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    Buchvorschau

    Kikis kleiner Lieferservice 2 - Eiko Kadono

    KAPITEL 1

    KIKI KEHRT ZURÜCK NACH KORIKO

    Vor gut vierzehn Jahren wurde in einer kleinen Stadt zwischen tiefen Wäldern und sanften Grashügeln ein Mädchen namens Kiki geboren.

    Dieses Mädchen hatte ein kleines Geheimnis. Ihr Vater war ein ganz normaler Mensch, doch ihre Mutter war eine Hexe. Kiki war also zur Hälfte eine Hexe. Im Alter von zehn Jahren beschloss sie, ihr Leben wie ihre Mutter als Hexe zu bestreiten. Doch Kiki beherrschte keine mächtigen Zauber. Sie konnte nur auf einem Besen fliegen. Das bedeutete allerdings nicht, dass sie eine unfähige Hexe war. Mit ihrem schwarzen Kater Jiji hinten auf dem Besen flog sie mühelos die waghalsigsten Loopings und Schrauben.

    Jiji war zusammen mit Kiki aufgewachsen, seit er ein neugeborenes Kätzchen gewesen war. Er selbst besaß keine Magie, wenngleich es wohl durchaus magisch war, dass er mit Kiki sprechen konnte.

    Kikis Mutter Kokiri konnte auf dem Besen fliegen und Medizin herstellen. Kokiris Mutter wiederum, also Kikis Großmutter, hatte noch viel mehr Zauber beherrscht, wie zum Beispiel einen, der das Essen nie verderben ließ. Wie es schien, wurde die Magie immer schwächer und schwand allmählich aus der Welt. Manche glaubten, es läge daran, dass es dieser Tage keine stockfinsteren Nächte und vollkommene Stille mehr gebe. Irgendwo leuchteten immer Lichter und von irgendwoher kamen immer Geräusche. Das lenke die Hexen so ab, dass sie sich nicht mehr richtig auf ihre Zauber konzentrieren könnten, hieß es. Doch Kikis Vater Okino, der alte Legenden und Volkssagen über Naturgeister und Hexen erforschte, war der Ansicht, es sei gut möglich, dass die verlorene Magie eines Tages zurückkehren würde.

    Jede Hexe zog in einer Vollmondnacht ihres dreizehnten Lebensjahres aus, um sich selbstständig zu machen. Dann verließ sie ihr Elternhaus und suchte sich eine Stadt oder ein Dorf ohne Hexe, um dort mithilfe ihrer magischen Kräfte allein zu leben. Dies war eine wichtige Regel, um die Menschen wissen zu lassen, dass Magie immer noch in der Welt existierte. Auch Kiki, die Heldin unserer Geschichte, stand seit genau einem Jahr auf eigenen Füßen. Sie hatte eine große Stadt am Meer namens Koriko entdeckt, wo sie sich niedergelassen und einen Lieferservice eröffnet hatte. Im vergangenen Jahr hatte Kiki viele Erfahrungen gesammelt – traurige, ebenso wie überraschende und aufregende. Sie hatte zahlreiche Lieferungen zugestellt, darunter sowohl Dinge, die man sehen konnte, als auch solche, die für das Auge unsichtbar waren. So hatte sie ihr erstes Jahr als selbstständige Hexe erfolgreich überstanden, bevor sie ihrer Heimat einen Besuch abgestattet hatte.

    Gerade waren Kiki und Jiji auf dem Rückweg nach Koriko. Ihr Besen trug sie ruhig durch die Lüfte.

    »Sieh mal, Jiji! Da ist Koriko!«

    Kiki wies nach vorn. Die Abendröte verblasste bereits und vor dem fliederfarbenen Himmel tauchten die Umrisse von Koriko auf. Das Licht, das als Erstes aufflammte, musste vom Uhrenturm stammen. Sie waren nur für eine kurze Weile fort gewesen, doch bei dem Gedanken an die Straßen, Winkel und Dächer der Stadt und die Gesichter all der Menschen, die sie dort kennengelernt hatten, quoll Kikis Herz vor Sehnsucht fast über.

    »Als wir vor einem Jahr hierhergekommen sind, war ich wirklich noch grün hinter den Ohren.«

    »Meinst du?«, fragte Jiji von seinem Platz auf den Besenborsten und schnalzte mit der Zunge.

    »Was hast du gesagt?«

    »Ach, nichts …«, murmelte er. »Habe mich nur gefragt, ob du dich so sehr verändert hast …«

    »Du bist so gemein!«

    Kiki richtete sich abrupt auf und beschleunigte den Besen.

    Die Abendsonne versank jenseits des Ozeans hinter dem Horizont. Am dunklen Himmel zeichnete sich eine Mondsichel ab, so schön geschwungen wie die wohlgeformte Augenbraue einer eleganten Dame.

    »Damals war der Mond voll und rund, weißt du noch? Heute Nacht ist er nur eine schmale Sichel.«

    »Sieht irgendwie aus wie ein Geist«, sagte Jiji.

    Kiki neigte die Spitze des Besenstiels hinab und ließ den Besen langsam sinken. Hier draußen, außerhalb der Stadt, war es schon stockfinster und die Reihen dicht belaubter Bäume erinnerten sie an pechschwarze Gespenster.

    »Au, aua!«, schrie Kiki plötzlich auf. Irgendetwas hatte ihren Fuß getroffen.

    »Hui!« Jiji zog den Kopf ein. »Da ist was an meinem Gesicht vorbeigezischt!«

    »Wie das brennt! Was war das?«

    Kiki machte flugs eine Kehrtwendung. Ein weißes, verschwommenes Etwas schaukelte im Wipfel eines besonders hohen Baumes weit nach links und rechts. Da flog wieder etwas mit lautem Zischen auf sie zu.

    »Autsch!«

    Unwillkürlich riss Kiki schützend die Hände vors Gesicht. Zu ihrem Pech fiel dadurch der Besen schlagartig in die Tiefe. In ihrem Gepäck klingelte aufgeregt das Glöckchen, das sie ihrem Freund Tombo mitgebracht hatte.

    »Miaaah!«, hörte sie Jiji ängstlich schreien.

    Fieberhaft versuchte sie, den Besenstiel wieder zu packen. Doch sie bekam ihn nicht zu fassen. Kopfüber stürzten sie hinab.

    »Da! Halt dich an den Zweigen fest!«, schrie Jiji, der sich nur noch an ihrem Kleid festkrallte. Kiki streckte aufs Geratewohl ihre Hände aus und griff nach dem erstbesten Ast. Unter ihrem Gewicht schwang der Ast hin und her wie ein Trapez im Zirkus.

    »Ich hab’s geschafft! Juchhu!«, rief eine Stimme von weiter oben. Über ihr saß ein kleiner Junge in einem weißen Pyjama wie sie auf einem ebenso wippenden Ast und sah zu ihr herunter.

    »Ich habe sie erwischt, Schwesterchen!«, rief er wieder laut.

    Unter ihnen leuchtete ein schwaches Licht auf, als sich an dem Häuschen, das sich an den Baum zu schmiegen schien, eine Tür öffnete und ein Mädchen herausgelaufen kam.

    »Sitzt du schon wieder da oben?«, rief sie. »Du sollst das doch lassen!«

    »Da hängen eine große und eine kleine Fledermaus im Baum, guck mal!«

    Fledermaus?, fragte sich Kiki. Als sie sich verwundert umschaute, traf ihr Blick den des Mädchens, das gerade zu ihnen heraufsah.

    Das Mädchen fuhr erschrocken zusammen und erstarrte. Sie musste etwa im gleichen Alter wie Kiki sein.

    »Guten Abend!«, grüßte Kiki sie etwas hilflos. »Wir hängen zwar im Baum, aber wir sind keine Fledermäuse.«

    Das Mädchen nickte verständnisvoll.

    »Du lügst! Ihr seid Fledermäuse, ihr habt euch nur verwandelt! So pechschwarz, wie ihr seid!«, krähte der Junge den Baum hinunter.

    »Oh, bitte sei still!«, rief Kiki zurück.

    Da brach ihr Ast mit einem Knacken. Im nächsten Augenblick wurden Kiki und Jiji zu Boden geschleudert. Kiki landete mit einem stechenden Schmerz auf dem Hintern. Neben ihr streckte sich Jiji mit weit geöffneten Augen.

    »Jiji, Jiji!«

    Hastig nahm Kiki ihn in ihre Arme und glättete seine Schnurrhaare. Jiji stieß einen tiefen Seufzer aus.

    »Alles in Ordnung mit euch?« Das Mädchen beäugte sie bange.

    »Ja, geht schon.« Kiki stand auf und rieb sich die schmerzende Hüfte. »Ich …«

    »Ich weiß schon! Du musst die Hexe sein, über die in der Stadt alle reden.«

    Als Kiki nickte, strahlte das Mädchen sie an.

    »Jemand aus der Stadt hat mir von dir erzählt. Du hast einen Lieferservice, nicht wahr? Und du sollst richtig toll fliegen können.« Dann musterte sie Kiki, die über und über mit Erde und Staub bedeckt war, und zog eine Grimasse. »Aber du bist doch gerade abgestürzt, oder?«

    »Sieht ganz so aus, hm?«, entgegnete Kiki verschnupft und klopfte sich den Staub ab.

    »Ich hab voll ins Schwarze getroffen. Toll, oder?«, rief der Junge wieder von oben. Das Mädchen zuckte zusammen.

    »Yah, klettere nicht so weit hinauf! Bitte pass auf, beweg dich nicht!«

    »Das ist babyleicht!« Prahlerisch griff er nach einem noch höheren Zweig. »Ich komme dem Mond immer näher!«

    Singend hob er beide Hände empor und schaukelte absichtlich auf seinem Ast. Da erhaschte Kiki einen Blick auf eine Gummizwille in seiner Hand. Knarrend wiegte sich der Ast vor und zurück, hin und her.

    »Oh nein, der Ast bricht jeden Augenblick! Er wird noch herunterfallen!«

    »Warte kurz. Ich bin doch eine Lieferhexe. Also werde ich dir erst mal diesen frechen Lümmel liefern«, sagte Kiki kichernd und fügte hinzu: »Hier kann ich nur nicht so toll fliegen …«, wobei sie auf den Besen stieg und sich schwungvoll vom Boden abstieß. Im Nu war sie zur Baumspitze aufgestiegen und packte den herumhampelnden Jungen an der Pyjamahose.

    »Nicht, lass das!« Er strampelte mit den Beinen. »Schwesterchen, die Fledermaus will mich fressen!«

    »Ich sagte doch schon, ich bin keine Fledermaus!«, beteuerte Kiki, während sie sanft wie ein Blatt mit ihm zu Boden schwebte.

    »Aber du bist ganz schwarz angezogen. Mach den Mond sofort wieder so schön rund wie vorher!«

    »Den Mond? Ich soll den Mond zurückverwandeln? Er redet lauter wirres Zeug«, sagte Kiki an das Mädchen gewandt.

    »Entschuldige«, erwiderte das Mädchen und zog beschämt den Kopf ein. »Yah ist mein kleiner Bruder. Er liebt den Mond, vor allem den Vollmond … Nur manchmal nimmt der Mond eben auch ab und verschwindet fast. Dann fragt er mich in einem fort, warum denn der Mond fort ist. Es ist so anstrengend. Gestern hat er zum Himmel hochgesehen und fast geweint, weil der Mond so dünn geworden ist. Da ist mir so rausgerutscht, dass er nur von einer großen schwarzen Fledermaus verdeckt wird.«

    »Deswegen hat er uns also mit Steinchen beschossen.« Kiki rieb sich das blutende Bein.

    Jiji stellte knurrend den Schwanz auf.

    »Ach du meine Güte, dein armer Schwanz ist ja ganz verbogen!«

    Das Mädchen bückte sich und strich bedauernd über Jijis Schwanz.

    »He du, rück den Mond raus!«, rief Yah und zerrte mit aller Kraft an Kikis Kleid.

    »Siehst du, jetzt fängt er schon wieder an«, sagte das Mädchen achselzuckend. »Unsere Eltern arbeiten außerhalb und ich versuche ihm als ältere Schwester alles vernünftig zu erklären. Mit den Pflanzen und Blumen hier kenne ich mich noch ganz gut aus, aber doch nicht mit dem Himmel, der so fern und groß ist. Und unsere Oma, die manchmal zu Besuch kommt, hat ihm auch noch erzählt, der Mond sei aus Käse und die Mäuse hätten ihn aufgefressen. Da meinte Yah zu ihr, Mäuse könnten nicht so hoch fliegen. So etwas weiß er dann wieder …«

    »Weißt du«, sagte Kiki zu dem Jungen, »ich habe gehört, dass der Mond manchmal verschwindet, weil er hinter einem Berg im Himmel einen Spaziergang macht.«

    »Hmm.« Nachdenklich blickte Yah zum Himmel empor.

    »Hör mal, soll ich schwarzes Fledermausmädchen in den Himmel fliegen und dem Mond Bescheid geben, sich wieder zurückzuverwandeln, weil du auf ihn wartest?«

    »Wirklich? Du würdest das für mich mit dem Mond abmachen?«

    »Klar! Und um die Abmachung zu besiegeln, überbringe ich dem Mond einen Handschlag von dir.«

    »Ui, das ist toll!«

    »Dann schlag ein«, sagte Kiki und hielt dem Jungen die Hand hin.

    »Sag ihm, dass er schnell wieder schön rund werden soll.«

    »Das werde ich.«

    »Vielen Dank, liebe Hexe. Du bist unsere Rettung. Wie klug du bist!« Das Mädchen lächelte sie erleichtert an.

    »Dann mach ich mich mal auf den Weg.«

    Kiki setzte sich auf den Besen. Sobald Jiji auf seinen Platz hinter ihr gesprungen war, erhoben sie sich auch schon in die Lüfte. In Windeseile erreichten sie die Baumwipfel.

    »Auf Wiedersehen!«

    Kiki richtete den Besenstiel zum Himmel und ging in Stellung. Da hörte sie von unten den Jungen schrill rufen: »He du, fliegendes Mädchen! Du hast gesagt, du willst dem Mond einen Handschlag überbringen, aber hat der Mond überhaupt Hände?«

    »Hmm, ich werd sie einfach suchen!«, rief Kiki zurück.

    »Falls du keine findest, schüttle einfach seinen dünnen Schwanz.«

    »Ach, das ist ein Schwanz?«

    Kiki sah zur dünnen Mondsichel auf. Wieder rief ihr Yah von unten etwas zu.

    »Deine Katze hat’s gut, die hat auch einen Schwanz! Und der schwingt hin und her! Sag mal, warum haben Katzen Schwänze und ich nicht?«

    »Tja, gute Frage …«, sagte Kiki nachdenklich und hielt ihren Besen an. »Oh, bestimmt brauchen Katzen den zum Herumschleichen!«

    »Yah, nun lass sie doch. Na los, rein mit dir und ab ins Bett.«

    Das Mädchen zog Yah an der Hand ins Haus.

    »Also dann, auf Wiedersehen!«

    Kichernd wandte sich Kiki wieder zum Mond und stieg schnell auf.

    »Dann wollen wir doch mal dem Mond die Hand schütteln.« Kiki streckte ihre Hand nach der leuchtenden Sichel weit oben am dunklen Himmel aus. »Na los, schlag ein, lieber Mond!«, rief sie, während sie schnell emporsauste. Als sie eine Höhe erreicht hatte, in der die Luft merklich kälter wurde, winkte sie zweimal kräftig mit ihrer Hand. »Gut! Damit habe ich Yahs Handschlag überbracht«, verkündete sie und ging langsam in den Sinkflug über.

    »Du, Kiki?«, sagte Jiji hinter ihr ernst. »Findest du es gut, kleine Kinder so anzulügen? Du kannst ihn doch gar nicht wirklich überbringen …«

    »Aber wie kannst du überhaupt wissen, ob es eine Lüge war?«

    »Na, du kannst den Mond doch nicht erreichen!«

    »Also ich glaube, dass unsere Wünsche zu ihm auffliegen …«

    »Die Hand konntest du ihm dann doch nicht schütteln.«

    »Egal was du sagst, manchmal können kleine Notlügen auch helfen«, erklärte Kiki. Als Jiji etwas erwidern wollte, sagte sie: »Na komm, lass uns zu Osono fliegen.«

    »Da fällt mir ein, warum wird es nachts eigentlich dunkel, Kiki?«, äffte Jiji den Jungen nach. »Sag doch mal, warum ist das so?«

    »Du bist mir vielleicht eine Quatschkatze! Es wird natürlich dunkel, weil der Himmel seine Äuglein zumacht.«

    »Hmm«, brummte Jiji, »hat der Himmel Äuglein?«

    Mit schmalen Augen sah er zum Himmel hinauf. Als Kiki seinem Blick folgte, schien die sanft geschwungene Mondsichel ihr einmal zuzuzwinkern und ihr entfuhr ein kleiner Nieser.

    »Na so was, bist du es, Kiki?«, sagte Osono, die mit ihrem runden Körper zur Tür wogte, um Kiki zu öffnen. Dann fügte sie leiser hinzu: »Du bist also tatsächlich zurückgekommen!«

    »Ja, ich wollte mich selbst wieder nach Koriko zurückbringen«, antwortete Kiki.

    »Ach, das freut mich aber!«

    Osono ergriff Kikis Hand und zog sie mit den Worten »Na, immer herein in die gute Stube!« ins Haus.

    Drinnen duftete es wie immer nach frischem Brot.

    »Oho, willkommen zurück! Wir haben dich vermisst«, sagte Osonos Mann, der gerade auf dem Tisch mit Elan einen Brotteig für den nächsten Morgen knetete.

    Auf Tellern türmten sich bereits die Brötchen mit süßer Bohnen- und Zitronenfüllung, die Kiki so gern mochte.

    »Geht es eurer Kleinen gut?«, erkundigte sich Kiki.

    »Sie ist gerade eingeschlafen. Deswegen können wir jetzt etwas durchatmen«, erklärte Osono und wies zum Obergeschoss. »Und so klein ist sie gar nicht mehr. Inzwischen hat sie sogar schon Laufen gelernt. Nie kann man sie nie aus den Augen lassen, weil sie ständig Unfug treibt.« Während Osono sprach, blieb ihr Blick an Kiki haften. »Aber sag mal, Kiki, wie siehst du denn aus? Du hast Schmutz an der Wange … Blätter in den Haaren … und du meine Güte, was ist denn mit Jijis Schwanz passiert? Der hat ja einen richtigen Knick!«

    »Ä… Äh, richtig. Hast du vielleicht ein Pflaster für mich? Guck mal.«

    Kiki hob den Saum ihres Kleides hoch.

    »Ojemine, du blutest ja!«

    »Ein freches Kind im Baum hat uns mit einer Zwille abgeschossen. Mitten im Wald …«

    »Ein freches Kind, sagst du?« Osonos Blick schnellte zum oberen Stockwerk.

    »Oh, keine Sorge, es war ein anderes Kind.«

    Kiki musste lachen. Osono stieß einen theatralischen Seufzer der Erleichterung aus und holte den Arzneikasten aus dem Regal.

    »Deine Wunde kann ich desinfizieren und behandeln, aber Jijis Schwanz zu richten wird schwieriger. Ich kann ihn wohl kaum einfach glatt bügeln … Vielleicht wird er wieder gerade, wenn Jiji ihn zum Schlafen unter sein Kissen legt? Ich gebe euch für heute Nacht mal das schwere Kissen meines Mannes.« Geschäftig öffnete Osono den Arzneikasten. Jiji betrachtete voller Kummer seinen Schwanz.

    »Das war ja wirklich eine abenteuerliche Rückreise«, sagte Osono. »Aber das passt irgendwie zu dir, Kiki.«

    »Stimmt.

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