XXL-Leseprobe: Adeline: Ein Intrigenroman
Von August Schrader
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Über dieses E-Book
Der Beantwortung dieser Frage liegt ein dunkles Verbrechen zugrunde, das wie ein Fluch über der gräflichen Familie liegt …
Unglaubliches musste die arme Comtesse Louise, die Tochter des gräflichen Paares, schon erdulden. Von ihren eigenen Eltern verstoßen, wurde sie zum Spielball skrupelloser Menschen, die vor keinen noch so finsteren Machenschaften zurückschrecken, um an ihr lang gehegtes Ziel zu gelangen.
Wie gut, dass sich vor Kurzem der Kommissionsrat Bechstein, der Bruder der alten Gräfin, seiner Nichte angenommen hat und gemeinsam mit seinem Freund Eilers, einem gerissenen Advokaten, für die leidgeprüfte Comtesse in die Schranken tritt. Die beiden Herren haben einen kühnen Plan geschmiedet und Adeline, Louises hübsche Tochter, soll darin die Hauptrolle übernehmen.
Der Endkampf – Gut gegen Böse – möge beginnen!
Der Roman ADELINE von August Schrader, dem Meister des gepflegten Intrigen-Romans, wurde erstmals im Jahr 1866 veröffentlicht.
Für die vorliegende Neuveröffentlichung hat Quality Books diesen historischen Thriller aus dem 19. Jahrhundert umfassend überarbeitet und sprachlich modernisiert.
"In Dumas'scher Manier schrieb sensationell, hochromantisch, auf Effekt und Nervenkitzel rechnend, der talentvolle und fruchtbare Romanschriftsteller August Schrader, eigentlich Simmel – geboren 01. Oktober 1815 zu Wegeleben bei Halberstadt und gestorben 16. Juni 1878 in Leipzig." (Dr. Adolph Kohut in: "Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 2")
August Schrader
„In Dumas’scher Manier schrieb sensationell, hochromantisch, auf Effekt und Nervenkitzel rechnend, der talentvolle und fruchtbare Romanschriftsteller August Schrader, eigentlich Simmel – geboren 01. Oktober 1815 zu Wegeleben bei Halberstadt und gestorben 16. Juni 1878 in Leipzig.“ (Dr. Adolph Kohut in: „Berühmte israelitische Männer und Frauen in der Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 2“)
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Buchvorschau
XXL-Leseprobe - August Schrader
ADELINE
Modernisierte Neufassung
des zweiteiligen Romans
von
August Schrader
Gesamtausgabe
XXL-Leseprobe
Quality Books
2023
Quality Books
Klassiker in neuem Glanz
Textquellen:
Adeline (Erster und Zweiter Band)
August Schrader
Erstdruck: 1866, Leipzig, Verlag von Heinrich Matthes
Sprachlich modernisierte Neufassung: Marcus Galle
Umschlaggestaltung: Maisa Galle
© 2023 by Quality Books, Hameln
1. Auflage: August 2023
ISBN 978-3-946469-30-8 (Gesamtausgabe)
ISBN 978-3-946469-31-5 (XXL-Leseprobe)
E-Mail: info@qualitybooks-hameln.de
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Dieses E-Book, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Zustimmung des Herausgebers nicht vervielfältigt, wiederverkauft oder weitergegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Adeline
Ein Intrigenroman
I. Der Geburtstag
II. Der Bienenvater
III. Louise
IV. Eine Mesalliance
V. Louises Bekenntnisse
VI. Die ersten Schritte
VII. Die graue Dame
VIII. Ein frommer Mann
IX. Concordia
X. Eine alte Sünde
XI. Erste Liebe
XII. Zwei Verbrecher
Impressum (Anschrift)
ADELINE
_____________________
Ein Roman
von
I.
Der Geburtstag
Morgens gegen neun Uhr rollte ein schwerfälliger Fiaker aus dem Städtchen der Hauptstadt der Provinz. Das steife, hagere Pferd hatte Mühe, den alten Wagen über das Pflaster zu schleppen, der klapperte und rasselte, als ob er im nächsten Augenblick aus allen Fugen gehen würde. Das bestaubte Verdeck war zurückgeschlagen. Auf dem harten und schmutzigen Sitz lag behaglich ein alter Herr, der in vollen Zügen die warme Mailuft atmete und sichtlich erfreut die schwellenden Knospen an den Kastanienbäumen der Allee betrachtete. Schon nach fünf Minuten hielt der Wagen vor einem stattlichen alten Haus. Der Kutscher, ein kräftiger Mann von vierzig Jahren, riss den klappernden Schlag auf und half dem Passagier beim Aussteigen.
»Danke, Andreas!«, sagte dieser freundlich, seine Börse ziehend.
»Soll ich nicht warten, Herr Kommissionsrat?«, fragte der Kutscher, der ein Geldstück empfing.
»Du könntest zu lange warten müssen, lieber Freund, denn heute habe ich viel und mancherlei zu erledigen bei meiner Schwester. Außerdem ist das Wetter so schön, dass ich den Rückweg zu einem Spaziergang benutzen werde.«
Andreas warf einen Blick in seinen Wagen. Dann nahm er einen kleinen Blumenstrauß, der auf dem Sitz lag.
»Herr, wollen Sie den Strauß nicht mitnehmen?«, rief er.
»Wie zerstreut ich bin!«, antwortete der Alte. »Da hätte ich fast die Hauptsache vergessen.«
Der Wagen fuhr ab. Der Kommissionsrat, den Strauß in der Hand haltend, betrachtete das Haus. Die Läden des Erdgeschosses waren verschlossen wie die Tür, die von einem plumpen Steinbalkon bedeckt wurde. An den Fenstern des ersten Stocks zeigten sich feine weiße Gardinen und Markisen, die noch aufgerollt waren. Dunkelgrüne Gitterläden, bestaubt und verwittert, schlossen sämtliche Fenster des zweiten und letzten Stockwerks. Über das Schieferdach empor ragten zwei hohe Blitzableiter, deren vergoldete Spitzen in der Morgensonne blitzten. Das Eisengitter, das sich zu beiden Seiten des Hauses ausdehnte, trennte einen großen Garten von der Promenade. Um den Blicken der Neugierigen zu wehren, hatte man die Räume zwischen den Stäben mit Brettern ausgefüllt.
Der Kommissionsrat roch an dem Blumenstrauß, schüttelte ironisch lächelnd sein graues Haupt, stieg die drei Stufen der Steintreppe empor und zog die Glocke. Ein heller Klang ließ sich im Innern des Hauses vernehmen. Mehrere Minuten verflossen, ehe geöffnet wurde. Ein alter Bedienter in schwarzer Livree stand auf der Schwelle.
»Guten Morgen, Ernst!«
»Herr Kommissionsrat!«, rief Ernst. »Ich habe es mir doch gedacht!«
»Darf heute nicht fehlen, bester Mann! Wo ist meine Schwester?«
»Wo soll die Frau Gräfin anders sein als in ihrem Zimmer … sie hat sich, wie jedes Jahr zuvor, alle Festlichkeiten verbeten und liest in der Bibel.«
»Natürlich, natürlich! Das soll mich nicht abhalten, ihr einen Morgenbesuch zu machen. Gehe, mein Freund, und melde mich, da ich einmal gemeldet werden muss.«
Der Hausflur, auf dem sich die beiden Männer befanden, war ein weiter leerer Raum. Alle Türen, die sich in dem braunen Getäfel aus Eichenholz zeigten, waren geschlossen. Nur durch ein einziges Fenster, das zum Hof hinausging, war dem Tageslicht Zugang gestattet. Wohin der Blick sich auch wandte, er suchte vergebens ein Möbel oder eine Ausschmückung. Man hätte glauben mögen, das Haus sei völlig unbewohnt. Hell erklangen die Schritte auf dem mit großen Quadersteinen gepflasterten Boden. Ernst verschloss und verriegelte sorgfältig die schwere Haustür und öffnete dann eine Tür in dem Getäfel, die leicht angelehnt war. Die mit weichen Decken belegte Treppe zeigte sich. Die Männer stiegen geräuschlos hinan. Wie anders sah es auf dem Korridor des ersten Stocks aus. Hohe Fenster ließen Licht und Wärme ein. Die Wände waren mit Bildern und Blumen geschmückt. Das Mobiliar, obwohl alt, war gut erhalten und machte einen freundlichen Eindruck. Der Bediente verschwand durch eine Tür und kam gleich darauf mit der Nachricht zurück, dass die Frau Gräfin von Neuhof den Besuch annehmen wolle.
»Gut!«, sagte der Kommissionsrat. »Hilf mir den Oberrock abziehen.«
Ernst nahm den hellgrauen Twin und legte ihn beiseite. Der alte Herr erschien nun im schwarzen Frack, in weißer Weste und weißer Krawatte. Er sah recht ehrwürdig aus, dieser Kommissionsrat, der im Knopfloch ein Ordensbändchen und in der Hand einen Strauß Moosrosen trug. Sein schönes graues Haar kräuselte sich zu natürlichen Locken. Die Wangen, rund und voll, bedeckte eine feine Röte. Das nicht unbedeutende Embonpoint legte Zeugnis ab von dem bequemen Leben des Herrn Erich Bechstein. So trat er in ein kleines mit Komfort und Geschmack ausgestattetes Gemach. In einem großen Fauteuil, der vor dem offenen Fenster stand, saß die Frau vom Hause.
Gräfin Elsbeth von Neuhof war eine siebzigjährige Dame. Das hohe Alter hatte ihren Rücken gekrümmt, die Farbe der Haut gebräunt. Schneeweiße Löckchen quollen unter der feinen weißen Matronenmütze hervor, die ein Streif echter Spitzen garnierte. Zahlreiche Furchen bedeckten das kleine zusammengeschrumpfte Gesicht mit dem spitzen Kinn, an dem sich weiße Härchen zeigten. Der eingekniffene Mund mochte nur noch wenig Zähne besitzen. Aber das dunkle Auge blitzte noch hell unter den dunklen Brauen, es verriet noch einen scharfen Verstand, einen festen Willen.
»Guten Morgen, Schwester!«, begann der Kommissionsrat freundlich.
Die Alte, die ohne Brille gelesen hatte, legte die Bibel auf das Fensterbrett, das eine prachtvolle Stickerei bedeckte. Dann sah sie auf.
»Guten Morgen, Bruder Erich!«, dankte sie mit leiser Stimme.
Sie blieb völlig gleichgültig; es ließ sich nicht erkennen, ob der Besuch sie angenehm ober unangenehm berührte.
»Nimm meinen Glückwunsch, Schwester!«
»Wozu?«
»Heute ist der zehnte Mai, folglich dein Geburtstag.«
Sie nahm das Sträußchen, das er ihr, sich verbeugend, überreichte.
»Ist es nicht töricht«, sagte sie, »den Geburtstag als ein Fest zu betrachten? Eben dieser Geburtstag erinnert daran, dass man um ein Jahr älter geworden und dem Grabe näher gerückt ist.«
»Wohl wahr«, fügte Erich hinzu; »aber er fordert auch zum Dank gegen die Vorsehung auf, die dem Menschenleben ein Jahr zugelegt und Glück und Gesundheit verliehen hat. Wer wie du auf siebzig Jahre zurückblicken kann, hat wohl Grund, den Geburtstag als ein Fest zu
