Broken Money: Warum unser Finanzsystem uns im Stich lässt und wie wir es verbessern können
Von Lyn Alden
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Über dieses E-Book
Wie konnte es so weit kommen? Warum ist unser Geld im 21. Jahrhundert immer noch so unzulänglich?
Politische Eingriffe können zwar kurzfristige und lokale Verbesserungen bringen, doch nur Technologie schafft nachhaltige und globale Veränderungen. Genau wie Gold einst Muscheln ersetzt hat, und wie Zentralbanken eine logische Konsequenz der Einführung von Geldscheinen aus Papyrus sind, und sogar wie die Erfindung des Telegraphen nur eine erste Etappe auf dem Entwicklungspfad hin zu Bitcoin darstellt, fällt die Bedeutsamkeit von Technologie insbesondere im Geldwesen auf.
In BROKEN MONEY nimmt Lyn Alden ihre Leser mit auf eine spannende Reise durch die technologische Evolution des Geldes. Sie beleuchtet die Ursprünge des Geldwesens, wagt einen Blick in die Zukunft und hinterfragt die fundamentalen Grundlagen, auf denen unsere heutigen Geldsysteme beruhen.
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Buchvorschau
Broken Money - Lyn Alden
Einleitung
Im September 2022 überrannten Scharen an sich braver Bürger Bankfilialen im Libanon.
Was diese Vorkommnisse berichtenswerter machte als gewöhnliche Banküberfälle, war die Tatsache, dass die meisten dieser Menschen die Banken nur ausraubten, um an ihr eigenes Geld heranzukommen. Aufgrund einer Finanzkrise im Libanon ließen die Banken ihre Kunden lange Zeit nicht auf ihre Bargeldeinlagen zugreifen.
Eine der „Bankräuberinnen", die Schlagzeilen machten, war eine junge Frau, die als Innenarchitektin arbeitete. Sie überfiel eine Bank in Beirut mit einer, wie sich später herausstellte, echt aussehenden Pistolenattrappe, um die Ersparnisse ihrer Familie für die Behandlung ihrer krebskranken Schwester abzuheben, da die Bestände von der Bank eingefroren worden waren. Dies war vielleicht das auffallendste Beispiel, aber es gab in dieser Zeit noch weitere Banküberfälle von Leuten, die bloß ihre eigenen Einlagen zurückhaben wollten und einige von ihnen bedienten sich echter Waffen.
Diese Ereignisse im Libanon sind spezifisch für ein bestimmtes Land zu einer bestimmten Zeit, aber sie sind Episoden einer bedeutend größeren Erzählung mit globalen Ausmaßen.
Nigeria, ein Land mit mehr als 200 Millionen Einwohnern, verzeichnete in den letzten zehn Jahren eine jährliche Inflation von 13 %.¹ Im Jahr 2021 wurde eine digitale Zentralbankwährung namens eNaira eingeführt, die bisher nur sehr wenig Akzeptanz fand, während Kryptowährungen (insbesondere Bitcoin und den US-Dollar abbildende Stablecoins) eine weitaus höhere Akzeptanz innerhalb des Landes erfuhren, obwohl sie vom Bankensystem des Landes abgetrennt operieren. Die nigerianische Regierung hat daraufhin eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Verfügbarkeit von physischem Bargeld einzuschränken und die Menschen zu digitalen Zahlungen hinzudrängen, was zu einer anhaltenden Phase politischer Unruhen und Ausschreitungen beigetragen hat.
Ägypten hat den Wert seiner Währung gegenüber dem US-Dollar im Herbst 2016 glatt halbiert, was die jahrelangen Ersparnisse einer Bevölkerung von rund 100 Millionen Menschen vollständig ausradiert hat. In den Jahren 2022 und 2023 wertete das Land seine Währung gegenüber dem Dollar erneut mehrfach stark ab, was zu einer weiteren Halbierung des Wechselkurses führte. Ich kenne Leute in Ägypten, die zum Schutz vor dieser ständigen Bedrohung auf dem Schwarzmarkt physische US-Dollar kaufen und diese aufbewahren. Dabei fallen beträchtliche Umtauschgebühren an, während sie für die Papierdollar, die sie sparen, keinerlei Zinsen erhalten. Jedes Mal, wenn es zu diesen Abwertungen kommt, müssen alle Angestellten im Land sofort versuchen, bessere Einkommen auszuhandeln, um einen Teil der dabei verlorengegangenen Kaufkraft zurückzugewinnen, da ihre laufenden Bezüge in der sich abwertenden Landeswährung stattfinden. Die Türkei und Argentinien, beide Mitglieder der G20 und mit einer Gesamtbevölkerung von über 130 Millionen Menschen, hatten in den letzten Jahren mit einer galoppierenden Inflation zu kämpfen. Die Türkei erlebte im Jahr 2022 eine jährliche Inflationsrate von 85 % und Argentinien im Jahr 2023 eine Inflationsrate von weit über 100 %.²
In den 1990er-Jahren erlebte Brasilien eine regelrechte Hyperinflation, und das als fünftbevölkerungsreichstes Land der Welt. Wenn Menschen von Hyperinflationen sprechen, denken sie oft an das Deutschland der 1920er-Jahre oder an bestimmte klamme Staaten der Gegenwart, aber einer erstaunlich großen Anzahl von Ländern widerfuhren sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Allein seit den 1980er-Jahren und danach haben die Menschen in Brasilien, Argentinien, Jugoslawien, Simbabwe, Venezuela, Polen, Kasachstan, Peru, Weißrussland, Bulgarien, der Ukraine, dem Libanon und einigen anderen Ländern eine Hyperinflation durchgemacht. Andere Länder wie Israel, Mexiko, Vietnam, Ecuador, Costa Rica und die Türkei wiesen in diesem Zeitraum dreistellige Inflationsraten (am Rande einer Hyperinflation) auf.
Von 2016 bis 2021 boten viele Staatsanleihemärkte in wohlhabenden Ländern Europas und in Japan nahezu null oder sogar negative nominale Renditen, und am Höhepunkt dieser Entwicklung gab es Anleihen mit negativen Renditen im Ausmaß von über 18 Billionen US-Dollar.³
Die Menschen wurden also für das zweifelhafte Privileg, Regierungen und großen Unternehmen Kredite zu gewähren, auch noch zur Kasse gebeten, anstatt dafür Zins zu erhalten. Die Anreize des Finanzsystems wurden also auf den Kopf gestellt. In den Folgejahren führte ein weltweiter Inflationsschub zu einem starken Kaufkraftverlust für die Inhaber dieser Anleihen. Während der gesamten 2010er Jahre tätigten mehrere hochrangige Mitglieder der US-Notenbank wiederholt die Aussage, dass die Wirtschaft zu lange unter ihrem durchschnittlichen Inflationsziel geblieben sei und dass sie eine höhere Inflation anstrebten. Bei einer Anhörung im Kongress Anfang 2021, als die Inflation in den USA bei 1,7 % lag, wurde der Vorsitzende der Federal Reserve von einem Kongressabgeordneten auf den 25-prozentigen Anstieg der Geldmenge (der höchste Wert seit den 1940er-Jahren) innerhalb eines Jahres und die möglichen Auswirkungen auf die Inflation respektive die Kaufkraft des Dollars angesprochen. Der Vorsitzende wies diese Bedenken mit der Bemerkung zurück, dass ein solcher Anstieg der Basisgeldmenge wahrscheinlich keine großen wirtschaftlichen Auswirkungen haben würde und dass wir uns möglicherweise von der Vorstellung verabschieden müssen, Geldmengen würden entscheidende Auswirkungen auf die Wirtschaft haben.⁴
Als sich die Preisinflation später im Jahr 2021 ernsthaft abzuzeichnen begann, tat der Vorsitzende sie zunächst als vorübergehend ab und die Federal Reserve dehnte die Geldmenge durch quantitative Lockerungsmaßnahmen weiter aus. Doch dann, als im Jahr 2022 hohe Inflationsraten wie seit vier Jahrzehnten nicht mehr auftraten, gerieten der Vorsitzende und andere Führungskräfte der Federal Reserve in Panik und änderten ihre Geldpolitik und nannten die Preisinflation als größtes Problem, das es zu adressieren galt. In ihrem Versuch, die Inflation abzufangen, erhöhten sie die Zinssätze so aggressiv – und verringerten die Geldmenge im Laufe des nächsten Jahres in einem Rekordtempo –, dass sie den Banken schließlich nicht realisierte Verluste in Höhe von über einer Billion Dollar aus ihren Staatsanleihen und anderen risikoarmen Anlagen bescherten. Durch das abrupte Eindampfen von Einlagen aus dem Bankensystem trugen sie zu einigen der größten Bankzusammenbrüche in der amerikanischen Geschichte bei. Folglich wiesen im Jahr 2023 Banken im ganzen Land aufgrund der stark anziehenden Zinssätze ernsthafte Schieflagen auf. Zum ersten Mal in der modernen Geschichte fuhr sogar die Federal Reserve selbst ein negatives Betriebsergebnis ein, da sie im Vergleich zu den Erträgen aus ihren Vermögenswerten derart hohe Zinssätze auf ihre Verbindlichkeiten zu begleichen hatte.⁵ Diese Entscheidungen einer Federal Reserve setzen die monetären Rahmenbedingungen für 330 Millionen Amerikaner sowie für Milliarden von Menschen im Ausland und dennoch werden sie manuell und quasi auf Gutdünken von einer Gruppe getroffen, die sich aus gerade einmal zwölf Personen zusammensetzt.
Es gibt weltweit etwa 160 verschiedene Währungen, jede mit einem lokalen Monopol in ihrem eigenen Geltungsbereich und die meisten von ihnen genießen außerhalb dieses Gebiets keine Akzeptanz. Die globale Finanzordnung ist in dieser Hinsicht praktisch ein Tauschsystem. Eine Handvoll Spitzenwährungen werden von anderen Zentralbanken als Reservewährungen gehalten und genießen ein gewisses Maß an Akzeptanz im Ausland, aber sie verlieren mit der Zeit langsam an Wert und werfen Zinssätze ab, die seit Jahren nicht mit der Inflation Schritt halten. Die meisten anderen Währungen sind eher anfällig für starke Abwertungen, anhaltende Phasen zweistelliger Inflationsraten und gelegentliche Hyperinflation, während sie im Ausland kaum oder gar nicht akzeptiert werden. Menschen in Ländern, die zur zweiten Gruppe gehören, versuchen oft, um ihre Ersparnisse zu schützen, an Fremdwährungen wie Dollar zu gelangen und können sich für gewöhnlich nicht darauf verlassen, dass ihre lokalen Banken diese für sie sicher verwahren.⁶
Selbst in den stabilsten Währungsländern kann es eine Herausforderung sein, Geld zu sparen und wenn man zufällig im „falschen" Land geboren ist, kommt das Anhäufen nennenswerter Rücklagen einer Sisyphusarbeit gleich.
Aber wie sind wir an diesen Punkt der Geschichte gekommen? Warum zeigt sich unser Geld gerade so, wie es eben ist?
Das globale Finanzsystem gereichte den Entwicklungsländern im Lauf der modernen Geschichte seit jeher zum Schaden, und die vergangenen Jahrzehnte über haben sich selbst für die Industrieländer schwerwiegende Ungleichgewichte aufgebaut. Es ist in seiner Basis nicht mehr solide, zum Teil, weil es sich in seinem Kern überholter Technologie bedient.
Ich behaupte, dass das Aufkommen des Populismus seit der globalen Finanzkrise von 2008 in den Vereinigten Staaten, Europa und einer Reihe von Entwicklungsländern zu einem Gutteil auf diese Tatsache zurückzuführen ist. Menschen sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite des politischen Spektrums spüren, dass etwas nicht stimmt, dass die Umstände gegen sie arbeiten; sie können aber nicht genau sagen, weshalb. Ein wesentlicher Teil des Puzzles ist, dass das Finanzsystem, wie wir es kennen, nicht mehr funktioniert.
Wir haben in den abgelaufenen Jahrzehnten gesehen, dass die globale Finanzordnung angesichts wirtschaftlicher Ungleichgewichte, des Auftretens geopolitischer Verschiebungen und der Einführung neuer Technologien allmählich auseinanderfällt. Wenn das eintritt, wird die alte Ordnung teilweise oder vollständig umstrukturiert und eine neue Ordnung entsteht. In diesem Buch werden Beispiele für derartige Vorgänge angeführt. Die meisten Anzeichen deuten darauf hin, dass die Finanzordnung, in der wir uns seit den 1970er Jahren befinden, in die Jahre gekommen ist, und ein Prozess des Wiederaufbaus und der Neuausrichtung ansteht.
Dies ist ein Buch über Geld, betrachtet durch die Brille des technologischen Fortschritts. Es geht um die Entwicklung von Geld in der Vergangenheit und darum, warum die derzeitigen Technologien und Institutionen, auf deren Dienste wir in Geldangelegenheiten zurückgreifen, uns gegenwärtig im Stich lassen, und um einige der möglichen Lösungen für jene Geldprobleme, denen wir uns heute gegenübersehen. Dieses Buch bedient sich möglichst schlichter Sprache und ist modular aufgebaut, so dass sich Leser auf jene Teile konzentrieren können, die sie am meisten interessieren.
Teil 1 des Buches führt dem Leser antike Kassenbücher und Warengeld vor Augen, um zu ergründen, weshalb Geld auf natürliche Weise entstanden ist und warum bestimmte Geldarten andere übertroffen haben. Dies hilft uns, festzumachen, was die idealen Eigenschaften von Geld sind und warum diese Eigenschaften im Laufe der Geschichte immer wieder unabhängig voneinander zutage treten. Außerdem wird die Beziehung zwischen Sozialkredit- und Warengeld erörtert, um eine Aussöhnung zwischen diesen oft gegensätzlichen ökonomischen Denkschulen anzubieten.
Teil 2 befasst sich mit den frühen Proto-Bankdienstleistungen und dem Aufkommen von Vollbanken. Es wird untersucht, wie verschiedene technologische Entwicklungen Geldtransaktionen beschleunigt und diese vom langsameren Prozess einer Geldverrechnung in physischer Form abstrahiert haben, was viele Vorteile, aber auch einige Nachteile mit sich brachte. Abschließend wird erörtert, wie der zunehmende Geschwindigkeitsunterschied zwischen Überweisungsvorgang und (finaler) Abwicklung zu Beginn des Telekommunikationszeitalters den Banken und Zentralbanken beträchtliche Macht verlieh, indem es sie zu den wichtigsten Instanzen werden ließ, denen es möglich war, Geldwerte blitzschnell um den gesamten Globus zu transferieren.
Teil 3 beschreibt das globale Finanzsystem, wie es sich vom frühen 20. Jahrhundert aufwärts dargestellt hat, einschließlich der geopolitischen Hintergründe seiner Entstehung und wie es sich im Laufe der Zeit verändert hat. Er behandelt die Zeit der gescheiterten Goldbindung um die Zeit des Ersten Weltkriegs, das Bretton-Woods-System, welches von den 1940er-Jahren bis in die frühen 1970er-Jahre existierte, sowie das Eurodollar-/Petrodollar-System, das von den 1970er-Jahren an bis in die Gegenwart an dessen Stelle trat. Schließlich wird erläutert, wie einige problematische Aspekte der aktuellen Version eines Geldsystems in den letzten Jahrzehnten weltweit zu strukturellen Ungleichgewichten geführt haben.
Teil 4 analysiert die Details der Geldschöpfung im modernen Finanzsystem und wie Schulden ein System mit der Zeit unvermeidlich zu destabilisieren beginnen. Es werden dann einige der Ungleichgewichte und problematischen Anreize untersucht, die durch die ständige Abwertung von Geldeinheiten entstehen, sobald Sparer versuchen, ihre Kaufkraft zu erhalten, indem sie sich stattdessen andere, nicht-monetäre Vermögenswerte anschaffen. Es wird dargelegt, wie sich der Gesetzgeber einer flexiblen Staatskasse bedienen kann, um Kriege zu führen, ohne die Steuern anheben zu müssen, wie er selektive Rettungsaktionen über die Entwertung der Ersparnisse anderer durchführt und es grundsätzlich schafft, seine Aufwendungen auf undurchsichtige Weise zu bestreiten.
Teil 5 befasst sich mit digitalen monetären Innovationen des 21. Jahrhunderts, darunter Bitcoin, Stablecoins, Smart Contracts und digitalen Zentralbankwährungen. Dieser ist der spekulativste Teil des Buches, da er Gegenwart und Zukunft thematisiert und nicht die Vergangenheit. Er beschreibt einige der neuen Technologien, die uns zur Verfügung stehen, und geht speziell auf die verschiedenen Kompromisse und Risiken ein, die diese Technologien mit sich bringen, aber auch auf die Chancen, die sich daraus ergeben.
Teil 6 befasst sich mit der Ethik des Geldes und der Kommunikation, den beiden Voraussetzungen für Handel. Er diskutiert die Rolle der Kryptographie (Verschlüsselung, ein Kernelement der modernen Banken- und Internet-Infrastruktur) im Allgemeinen, offene und geschlossene Finanznetzwerke und das Zusammentreffen von Finanztechnologien und Menschenrechten.
In seinem Innersten ist Geld ein Kontobuch. Warengeld dient dabei als ein Hauptbuch, das von der Natur verwaltet wird. Bankengeld dient als ein Hauptbuch, das von Nationalstaaten geführt wird. Open-Source-Geld dient als ein Hauptbuch, das von den Nutzern betreut wird. Wie das Buch zeigt, verändert die Entwicklung neuer Technologien die vorherrschenden Machtstrukturen und setzt die Anreize rund um das Thema Geld von Epoche zu Epoche neu.
Mein Hintergrund ist eine Mischung aus Ingenieur- und Finanzwissenschaften, und ich benutze einen systemtechnischen Ansatz, um verschiedene Aspekte des globalen Finanzsystems zu analysieren. Systemtechnik (Systems Engineering) ist ein multidisziplinäres Gebiet, das sich mit dem Entwurf, der Integration, dem Betrieb und der Wartung komplexer Systeme über ihren gesamten Lebenszyklus befasst. Ich betrachte das globale Finanzsystem als das ingenieurwissenschaftliche Konstrukt, das es tatsächlich ist, und ich habe festgestellt, dass diese Analysemethode zu neuen Schlussfolgerungen führt, die das konventionelle ökonomische Denken bisweilen in Frage stellen.
Mit diesem Buch möchte ich den Menschen helfen, besser zu verstehen, wie Geld funktioniert und warum das globale Finanzsystem nicht mehr so gut funktioniert wie zu früheren Zeiten. In dem Buch geht es nicht nur darum, warum unser Finanzsystem in diesem Jahr oder in diesem Jahrzehnt nicht gut funktioniert, sondern es ist eine tiefere Analyse dessen, was Geld ist, wie wir dahin gekommen sind, wo wir jetzt stehen, und was dabei die grundlegenden Probleme sind.
Ich kenne nicht alle Antworten und kann dir nicht sagen, wie die Finanzwelt in den kommenden Jahrzehnten aussehen wird, aber ich möchte in diesem Buch teilen, was ich recherchiert habe, damit die Leser sich selbst bessere Antworten geben können. Politik kann die Dinge lokal und vorübergehend beeinflussen, aber Technologie kann Dinge global und dauerhaft beeinflussen, weshalb ich das Thema Geld vor allem durch eine technologische Brille analysiere.
Dies ist kein Buch über Gold, kein Buch über Banken, kein Buch, das einfach nur Bitcoin lobpreist, und auch kein politisches. Stattdessen ist es eine Erkundung von Geldtechnologien in ihren vielfältigen Erscheinungsformen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft und bespricht dabei all diese Themen und weitere mehr, damit wir besser verstehen, woher wir kommen und welche Pfade wir in Zukunft einschlagen könnten.
1 IMF, „Consumer Prices, End of Period," Datamapper
2 Zeynep Dierks, „CPI Inflation Rate in Turkey," Statista , March 3, 2023; Patrick Gillespie, „Argentina Inflation Surpasses 100% as Economic Recession Looms," Bloomberg , March 14, 2023.
3 Cormac Mullen and John Ainger, „World’s Negative-Yielding Debt Pile Hits $18 Trillion Record," Bloomberg , December 11, 2020.
4 Howard Schneider, „Powell’s Econ 101: Jobs Not inflation. And Forget About the Money Supply," Reuters , February 23, 2021.
5 Erica Jiang et al., „Monetary Tightening and U.S. Bank Fragility in 2023."
6 XE.com . „ISO 4217 Currency Codes."
TEIL 1
Was ist Geld?
„Die Vorläufer des Geldes ermöglichten es den frühen Menschen, neben den Sprachen, Probleme der Zusammenarbeit zu lösen, an denen andere Tiere scheiterten – einschließlich der Probleme des wechselseitigen Altruismus, des Altruismus unter Verwandten und der Eindämmung von Aggressionen. Diese Vorläufer teilten mit den Nicht-Fiat-Währungen ganz bestimmte Eigenschaften – sie waren nicht bloß symbolische oder dekorative Objekte."⁷
Nick Szabo
7 Nick Szabo, „Shelling Out: The Origins of Money."
KAPITEL 1
Kontobücher als die Grundfesten des Geldes
Viele Menschen denken, dass Geld als Konzept mit etwas wie Münzen oder Muscheln seinen Anfang nimmt, aber die wirklichen Wurzeln des Geldwesens liegen eigentlich schon davor. Alles beginnt mit einem Hauptbuch.
Ein Hauptbuch ist eine Auflistung von Zahlungsverläufen und dient dazu, den Überblick zu behalten, wem am Ende was zusteht. Die ältesten bekannten schriftlichen Hauptbücher reichen über 5.000 Jahre zurück bis ins alte Mesopotamien und bestanden aus Tontafeln. Der Encyclopedia Britannica zufolge ist die sumerische Sprache die älteste bekannte Schriftart. Die ältesten bekannten Beispiele sumerischer Schrift waren Tontafeln, die Aufzeichnungen über Warenströme enthielten.⁸ Sie zeigten Bilder von verschiedenen Gütern und hatten Punkte daneben, die für die entsprechenden Mengen standen. Anders ausgedrückt: Die ersten Gedankengänge, die Menschen mit ihren frühen Proto-Schriften niedergeschrieben haben, waren Listen von Besitzverhältnissen, Krediten oder Transaktionen.⁹
Aber Hauptbücher als Konzept können sogar noch schlichter sein als das. Und noch vor der Erfindung der Schrift muss es sie in gewissem Maße im Gedächtnis und in mündlicher Form gegeben haben. Immer wenn jemand einem anderen etwas schuldete, entweder formell oder informell, wurde darüber naturgemäß ein grundlegendes mündliches Kontobuch unterhalten.
Stellen wir uns dazu ein einfaches, modernes Beispiel vor: Nennen wir die fiktiven Geschwister Alice und Bobby. Sie sind alt genug, dass ihre Eltern sie mit Aufgaben betrauen, und wenn sie heranwachsen und ein komplexeres Leben führen, müssen sie gelegentlich ihre Zeitpläne umstellen. Alice, zum Beispiel, könnte einen Abend die Hausarbeit ausfallen lassen, damit sie mit ihren Freunden ausgehen kann. Um das tun zu können, kann sie ihrem Bruder Bobby anbieten, dass sie morgen für ihn einspringt, wenn er sich heute dazu bereiterklärt, ihre Aufgaben zu übernehmen. Als Bobby das Angebot annimmt, haben sie damit ein gedankliches Hauptbuch und sogar eine Form von Kredit erschaffen. Alice schuldet Bobby jetzt eine bestimmte Anzahl von Aufgaben. Diese Schuld ist jedoch nur über Vertrauen und Verlässlichkeit durchsetzbar: Wenn Alice ihren Verbindlichkeiten nicht nachkommt, wird Bobby wahrscheinlich zukünftige Abmachungen vermeiden. Wenn es einfach genug bleibt, wird ihr kleines Kontobuch in mündlicher Form weitergeführt. Aber wenn ihr Zeitplan komplex genug wird und sie regelmäßig Verpflichtungen aneinander abgeben, könnten sie z. B. einen Kalender als schriftliches Hauptbuch verwenden. Ihre Übereinkünfte sind an keine konkrete Geldeinheit gebunden – sondern einfach ein Tauschsystem. Die einzigen bezogenen Werteinheiten sind die einzelnen Hausarbeiten. Das Hauptbuch zeichnet lediglich die individuellen Zuständigkeiten auf, die im Laufe der Zeit getauscht werden, und hält sie fest als eine Form von Kredit.
Wir können uns daran anknüpfend auch vorstellen, dass eine Gruppe von Jägern – vielleicht vor Zehntausenden von Jahren irgendwo in einem Stamm – abzählte, wie viele Tiere jeder erlegt hatte, oder überschlagsmäßig festhielt, wer wem einen Gefallen getan hatte. Stämme überall auf der Welt hatten (und haben immer noch) verschiedene Möglichkeiten, Anführer formell oder informell auszuwählen, und das Verfahren dafür ist oft bis zu einem gewissen Grad meritokratisch (Herrschaftsform, in der Personen aufgrund anerkannter individueller Leistungen oder besonderer Verdienste ausgewählt werden – Anm. d. Hrsg.). Ob bewusst oder nicht, Menschen nehmen die Handlungen und die Verlässlichkeit ihrer Mitmenschen mehr oder weniger exakt wahr, um beurteilen zu können, wer der Gruppe von Nutzen ist und wer ihr eher zur Last fällt.
Frühe menschliche Sozialverbände bestanden in der Regel aus Dutzenden von Individuen, die gemeinsam eine Sippe formten. Verschiedene Gruppierungen innerhalb eines geografischen Gebiets mit einer eng miteinander verbundenen Kultur nahmen sich dann oft als Teil einer größeren, zusammenhängenden Stammeskultur wahr. In einer Gruppe, in der jeder jeden kennt, braucht es kein Zahlungsmittel, abgesehen von mündlichen und gedächtnisbasierten Kontobüchern. Gefälligkeiten können beiläufig nachvollzogen werden und es ist normalerweise klar, wer seinen Beitrag leistet und wer es eher nicht tut. Gruppen dieser Art bestehen in der Regel aus Verwandtschaft und Freundschaften, sodass der genaue „Punktestand" nicht gesondert festgehalten werden muss. Das Hauptbuch würde ungefähr, locker und auf seine Art flexibel sein.¹⁰
Als ich noch im Ingenieurwesen tätig war, gingen ein paar meiner Kollegen und ich mittags gerne zusammen zum Essen. Wir hielten in ungezwungener Form fest, wer die kleine Gruppe jedes Mal hinfuhr, so dass wir das ungefähr aufteilen konnten. Es wurde darüber nicht Buch geführt und es war alles andere als exakt, aber es gab ein grobes mentales Kontobuch, das wir gemeinsam aufrechterhielten. Das Gleiche galt für Gefälligkeitsfahrten von Kollegen zur Werkstatt oder zum Flughafen und die Retourfuhren (in Zeiten, als es noch keine automatisierten Dienste für Mitfahrgelegenheiten gab) oder dafür, jemandem etwas Bargeld zu leihen, wenn derjenige gerade knapp bei Kasse war (z. B. beim Teilen einer Bargeldrechnung in einem Restaurant, was damals häufiger vorkam). Diese Gefälligkeiten wurden nie formuliert im Sinne von „Ich tue das jetzt für dich, aber du hast dich dafür in Zukunft bei mir zu revanchieren". Vielmehr wurde ein solcher Gefallen mit Freude unentgeltlich erledigt, wenn man darum gebeten wurde, und es wurde jedes Mal einfach davon ausgegangen, dass der Dienst am Nächsten in Zukunft gerne erwidert wird, wenn man zum gegebenen Zeitpunkt selbst eine Bitte äußert.
Zahlreiche Forschungsarbeiten von Anthropologen über Jäger- und Sammlerstämme haben ein ähnlich freigiebiges Verhalten als wiederkehrendes Thema festgestellt. Auch wenn Kulturen sehr unterschiedlich geartet sein mögen, so erweisen Menschen, die einander kennen, einander in der Regel doch gerne Gefälligkeiten oder beschenken einander freudig. Sie erwarten im Gegenzug jedoch für gewöhnlich eine Art Gegenleistung.¹¹ Das ist es, was Freundschaften im Grunde ausmacht.¹²
Schwieriger wird es, wenn wir es mit Menschen zu tun haben, die wir nicht gut kennen und denen wir entweder nicht vertrauen oder denen wir wahrscheinlich nie wieder begegnen. Wenn zwei Gruppen in einer ursprünglichen Umgebung aufeinandertreffen, birgt dies das Risiko von Gewaltanwendung, aber es eröffnet auch die Möglichkeit zum Handel.
Der direkte Austausch ist die erste Wahl, wenn es darum geht, mit Menschen, die wir nicht gut kennen, ins Geschäft zu kommen. Anstatt ihnen eine Art informellen Schenkungskredit zu gewähren, wie wir es mit unserer Familie und unseren Freunden tun würden, wollen wir idealerweise jede Transaktion an Ort und Stelle abschließen (Abwicklung „on the spot"), da die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass wir der Person nie wieder begegnen werden. Zwei Gruppen treffen aufeinander, die beide über Ressourcen, aber auch – falls nötig – über ein gewisses Maß an Gewaltbereitschaft verfügen. Sie schließen über einfache Sprache oder Gesten einen Handel ab. Vielleicht hat die eine Gruppe einen Überschuss an Speeren, braucht aber Felle und die andere Gruppe hat einen Überschuss an Fellen, braucht aber noch ein paar Speere. Sie können nun Pelze gegen Speere tauschen und beide Gruppen sind am Ende besser dran. Anthropologen haben zahlreiche Fälle von ritualisiertem Handel zwischen verschiedenen Jäger- und Sammlergruppen dokumentiert, bei denen es oft sogar um die Aussicht auf Paarung ging.
Wenn es nicht bereits einen etablierten rituellen Ablauf zwischen einander ziemlich ähnlichen Gruppen in einer Gegend gibt und stattdessen einige Mitglieder eher zufällig aufeinandertreffen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Handelsversuch scheitert, weil ein „doppeltes Zusammenfallen der Bedürfnisse" nicht gegeben ist. Eine doppelte Koinzidenz von Bedürfnissen ist ein wirtschaftlicher Fachbegriff, der ausdrückt, dass jede Partei einen Überschuss an gerade jenen Gütern besitzen muss, welche das Gegenüber momentan benötigt, damit der Handel erfolgreich sein kann. Wenn beide Parteien gleichermaßen über zu wenige Speere verfügen, wird der Handel scheitern. Wenn beide Parteien gleichermaßen über zu wenige Pelze verfügen, wird der Handel ebenfalls scheitern. Es gibt dabei stets mehr Kombinationen, die zu einem Scheitern des Handels führen als zu einem erfolgreichen Abschluss desselben beitragen können.
Demzufolge ist es wesentlich einfacher, mit unseren befreundeten Clanmitgliedern Handel zu treiben als mit Fremden, denn bei Familie und Freunden profitieren wir vom Luxus eines gegenseitigen Vertrauens und von gemeinsam verbrachter Zeit, welche wir am besten als eine Art flexiblen Sozialkredit betrachten. Jemand kann mich um einen Gefallen bitten und ich kann ihm diesen Gefallen erweisen, auch wenn es gar nichts gibt, was ich derzeit von meinem Gegenüber haben möchte. Selbst wenn ich bereits über all die überschüssigen Lebensmittel, Pelze und Werkzeuge verfüge, die ich brauche, werde ich einem Bekannten, der in einer derartigen Situation einen Mangel an etwas hat oder meine Hilfe braucht, einen Gefallen erweisen und ihm gerne behilflich sein.¹³
Abgesehen davon, dass es sich gut anfühlt, würde ich jemandem, den ich kenne, diesen Gratiskredit gerne gewähren, weil ich davon ausgehe, dass auch ich vielleicht irgendwann einmal etwas brauche. Vielleicht werde ich krank, verletze mich oder werde schwanger und bin dann auf die Person angewiesen, der ich jetzt einen Gefallen tue. Indem ich einen Überhang an Gefälligkeiten gewähre, erhöhe ich mein soziales Ansehen und damit meine soziale Sicherheit innerhalb der Gruppe. Dieselbe Logik gilt in modernen Zeiten, wenn ich Freunden, Nachbarn und der Familie weiterhelfe. Natürlich werde ich wahrscheinlich nicht so mechanistisch denken, wenn ich jemandem einen Gefallen tue. Vielleicht tue ich es einfach, weil ich biologisch so verdrahtet bin, dass ich mich gut fühle, wenn ich jemandem helfe, aufgrund von Tausenden von Generationen biologischer Selektion auf diese Eigenschaft hin. Eine Eigenschaft, die meine Vorfahren befähigt hat, als intelligente und spendable soziale Wesen zu überleben und zu gedeihen. Aber im Hinterkopf sind jene bewussten mentalen Abwägungen unweigerlich vorhanden: Indem ich diese Dienste erweise, stärke ich die ganze Gruppe, einschließlich meiner selbst, und ich lege eine persönliche Absicherung oder ein soziales Guthaben für mich und/oder meine nahen Verwandten für die Zukunft an. Ich wende aktuelle Arbeitskraft oder Ressourcen auf in einer Zeit meines persönlichen Überflusses und baue im Gegenzug Guthaben auf in unserem gemeinsamen kollektiven Kontobuch. Dieses soziale Guthaben, dieses informelle Hauptbuch im Geiste, ist die Lösung eines Sozialverbandes aus Freunden und Verwandten für das Problem der „Koinzidenz von Bedürfnissen". Über flexible Sozialkredite können wir einander leicht helfen, sobald eine Person etwas braucht, auch wenn die andere Person gerade alles hat.
In einer Studie aus dem Jahr 2010 mit dem Titel „Wohlstands- und Ungleichheitsverteilung in Jäger- und Sammlergesellschaften", die sich auf eine Vielzahl vorhandener Literatur stützt, stellen die Forscher fest, dass die soziale Absicherung in manchen Fällen auf dem Ruf der betroffenen Person und der Qualität ihres sozialen Netzwerks basieren kann:
Die meisten Erwachsenen in Jäger- und Sammlergesellschaften tragen aktiv zur Nahrungsherstellung und -verarbeitung sowie zur Produktion und Wartung von Werkzeugen bei. Darüber hinaus ist die Kinderbetreuung und -obsorge in der Regel eine Aufgabe der Eltern. Die meisten dieser Arbeitsformen erfordern ein hohes Maß an Kraft und Ausdauer, Sehschärfe und anderer Voraussetzungen für eine insgesamt gute physische Konstitution. Daher wäre zu erwarten, dass körperliche Stärke von größter Bedeutung für Erfolg und Wohlbefinden ist. Andererseits können diejenigen, die regelmäßig unter einer suboptimalen physischen Ausstattung leiden, sich in der Regel auf die Hilfe anderer verlassen, z. B. durch das Teilen von Lebensmitteln, Unterstützung bei der Kinderbetreuung und Schutz im Zuge von Streitigkeiten. Diese soziale Absicherung ist die Regel und weit verbreitet, aber es gibt Hinweise darauf, dass die Qualität der Unterstützung sich nach dem „beziehungsmäßigen Reichtum" (Ansehen, Ausmaß und Qualität des sozialen Rückhalts) der bedürftigen Person oder des Haushalts richtet (Gurven et al. 2000; Wiessner 2002; Nolin 2008).¹⁴
Zu Beginn des berühmten Films „Der Pate" bittet ein Mann den Mafiaboss Vito um einen Gefallen, und Vito willigt ein, diesen zu gewähren. Der Preis – nicht in Geld –, den Vito als Gegenleistung verlangt, besteht in einem nicht näher bezeichneten Gefallen irgendwann in der Zukunft. Mit anderen Worten: Er möchte flexiblen sozialen Kredit. Das liegt daran, dass der Mann etwas von Vito braucht, während Vito derzeit absolut nichts von ihm haben möchte und doch kennt Vito den Mann nun und versteht, dass dieser ab sofort Teil seines weiteren sozialen Gefüges ist. Vito ist ein Meister darin, zugesagte Gefälligkeiten zu sammeln, und setzt diese ein, sobald es für ihn von Vorteil ist. Später im Film fordert Vito den Gefallen tatsächlich ein; er entwickelt ein Bedürfnis, das dieser Mann in einzigartiger Weise befriedigen kann; einen Wunsch, den Vito anfangs des Films noch nicht hatte. Vitos Geschichte erzählt die eines Mannes, der bemüht ist, den Beziehungsschatz seiner Familie zu maximieren, indem er ein umfassendes Kontobuch an Gefälligkeiten führt, welche innerhalb der Schattenwelt der Mafia als eine Art kreditgestützte Währung fungieren.
Um auf unser Beispiel für den Handel zwischen einzelnen Gruppen zurückzukommen: Da ihnen die Möglichkeit eines flexiblen sozialen Kredits oder Hauptbuchs nicht offensteht (sie vertrauen einander nicht und sehen sich nach diesem Treffen vielleicht nie wieder), was könnten sie in einen Handel einbringen, von dem zu erwarten ist, dass es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit von der anderen Partei begehrt wird? Wenn ich in ihrer Situation wäre, was könnte ich einbringen, das fast jeder gerne, dauerhaft, sein Eigen nennen würde? Mit anderen Worten: Gibt es eine Ware, die sich am besten verkaufen lässt? Für viele Stämme bestand eine der Antworten im Lauf der Geschichte in Muscheln.
Muscheln, vor allem solche, aus denen Schmuckperlen geschnitten und poliert wurden, kristallisierten sich vor Tausenden von Jahren in unzähligen verschiedenen Regionen als geldähnliche Wertgegenstände heraus. Ihre Nutzung erfüllte ästhetische Zwecke: Man formte aus ihnen Armbänder, verarbeitete sie zu Gürteln, verwendete sie als Ohrringe, nähte sie in die Kleidung ein oder flocht sie sich ins Haar. Der Vorteil, den Muscheln im Handel bieten, besteht darin, dass sie klein, selten und langlebig sind. Und ein besonderer Vorteil ergab sich daraus, sie auf Ketten aufzufädeln, was einem die Hände freihielt und sie zudem transportabel machte.
In seinem Essay aus dem Jahr 2002 „Shelling Out: Die Ursprünge des Geldes" beschreibt Nick Szabo ausführlich die Gründe, weshalb Muscheln und anderes hortbares Ur-Geld entstanden. In seiner Zusammenfassung heißt es:
„Die Vorläufer des Geldes ermöglichten es den frühen Menschen, neben den Sprachen, Probleme der Zusammenarbeit zu lösen, an denen andere Tiere scheiterten – einschließlich der Probleme des wechselseitigen Altruismus, des Altruismus unter Verwandten und der Eindämmung von Aggressionen. Diese Vorläufer teilten mit den Nicht-Fiat-Währungen ganz bestimmte Eigenschaften – sie waren nicht bloß symbolische oder dekorative Objekte."¹⁵
An der Pazifikküste Nordamerikas sammelten die Stämme sogenanntes Dentalium, was langen Muscheln entspricht, die wie Zähne aussehen. Sie dienten als Geld und wurden bis weit ins Landesinnere nach North Dakota gehandelt. Als natürlich vorkommende Röhren mit Öffnungen an beiden Enden wurde Dentalium in langen Strängen aufgefädelt. Bestimmte Stammesangehörige wiesen an ihren Armen Tätowierungen auf, die als Referenz für Transaktionen beim Abmessen der Stränge dienten. Einige Stämme waren darauf spezialisiert, Dentalium aus tiefen Gewässern zu holen.¹⁶
An der Atlantikküste wurde eine andere Art von Muscheln, genannt Wampum, verwendet. Sie wurden aus Muschelschalen hergestellt und mussten aufwendig poliert werden. Zusätzlich mussten sie unter Verwendung eines Bogenbohrers mit kleinen Löchern versehen werden, um sie aneinanderreihen zu können. Die Erschaffer dieser Muscheln betrachteten diese in der Regel nicht als tatsächliches „Geld". Die Perlen wurden dafür geschätzt, dass sie einst Lebewesen waren und erfüllten oft einen zeremoniellen Zweck, wie etwa bei der Herstellung von wertvollen Gürteln zur Würdigung von Pakten und bei anderen Großereignissen. Aber auch andere Stämme und sogar Kolonialisten begannen, sie als Geld zu verwenden oder als Speichermedium für Wert und Status. Insbesondere Stammesgruppen im Landesinneren sammelten sie ohne Unterlass.¹⁷
In Teilen Afrikas und Asiens, welche am Indischen Ozean liegen, wurden aus ähnlichen Gründen Kaurimuscheln als Geld verwendet. Internationale Händler brachten Kaurimuscheln für den Handel mit, und es liegt über die letzten Jahrhunderte bis heute eine umfangreich dokumentierte Geschichte dazu vor.¹⁸
Obwohl Muscheln zu den häufigsten Ur-Zahlungsmitteln gehörten, gab es andere Sorten wie Münzen in Perlenform. Auch Scheibchen aus Straußeneiern oder aufgefädelte Zähne von großen Raubtieren wie Löwen oder Wölfen erfüllten manchmal eine ähnliche Funktion. In „Shelling Out" zeigt Szabo in einem seiner Beispiele die ! Kung (Das Ausrufezeichen steht hier für einen Klicklaut – Anm. d. Hrsg.):
Wie die meisten Jäger und Sammler verbringen die!Kung die meiste Zeit des Jahres in kleinen, verstreuten Sippen und einige Wochen des Jahres in einer Versammlung mit mehreren anderen Gruppen. Diese Zusammenrottung ist wie ein Jahrmarkt mit etlichen Zusatzfunktionen: Es wird Handel getrieben, Bündnisse werden geschlossen, Partnerschaften gefestigt und Ehen besiegelt. Die Vorbereitung auf die Versammlung wird mit der Herstellung von handelbaren Gegenständen zugebracht, die teils einem Zweck dienen, meist aber als reine Sammlerstücke gelten. Das Tauschsystem, das von den!Kung hxaro genannt wird, umfasst einen umfangreichen Handel mit Perlenschmuck, darunter Straußenperlen-/Muschel-Pendants, die jenen ähneln, die man vor 40.000 Jahren in Afrika vorfand.
Wie nicht anders zu erwarten, ist der afrikanische Kontinent die Heimat der ältesten bekannten Perlen. In der Blombos-Höhle, einer archäologischen Fundstätte in Südafrika, wurden kleine Schneckenhäuser mit winzigen Löchern gefunden, die auf ein Alter von 75.000 Jahren geschätzt werden. Die US-National Science Foundation berichtete über diesen Fund im Jahr 2004:
Perforierte Muscheln, die in der Blombos-Höhle in Südafrika gefunden wurden, scheinen vor etwa 75.000 Jahren als Perlen aufgefädelt worden zu sein – damit sind sie 30.000 Jahre älter als alle bisher bekannten persönlichen Schmuckgegenstände. Bei Ausgrabungen an der Küste des Indischen Ozeans entdeckten Archäologen 41 Muscheln, die alle Löcher und Gebrauchsspuren an ähnlichen Stellen aufwiesen, in einer Sedimentschicht, die sich während der mittleren Steinzeit aufgebaut hat. „Die Perlen aus der Blombos-Höhle liefern einen absoluten Beweis für die vielleicht älteste Speicherung von Informationen außerhalb des menschlichen Gehirns", sagt Christopher Henshilwood, Programmdirektor des Blombos-Höhlenprojekts und Professor am Zentrum für Entwicklungsstudien an der Universität Bergen, Norwegen.
Die Muscheln, die in Ansammlungen von bis zu 17 Perlen gefunden wurden, stammen von dem winzigen Mollusken Nassarius kraussianus, einem kleinen Weichtier, das in Flussmündungen lebt. Sie müssen von den nächstgelegenen Flüssen, 20 Kilometer östlich oder westlich, über die Küste zur Höhlenfundstätte gebracht worden sein. Die Muscheln wurden allem Anschein nach entsprechend ihrer Größe selektiert und absichtlich gelocht, was darauf hindeutet, dass sie vor Ort oder vor dem Weitertransport zur Höhle zu Perlen verarbeitet wurden. Spuren von rotem Ocker deuten darauf hin, dass entweder die Muschelperlen selbst oder die Oberflächen, mit denen sie in Kontakt kamen, mit diesem weitverbreiteten Eisenoxidpigment beschichtet waren.¹⁹
Lebensmittel verderben und in einer Welt ohne Gefrierschränke empfinden Menschen keine Anreize, mehr Lebensmittel aufzubewahren, als sie unmittelbar brauchen. Auch Speere und Felle sind sperrig mitzuführen; ab einem bestimmten Punkt ist es nicht mehr sinnvoll, übermäßig viele zusätzliche Speere und Felle zu besitzen. Der Handel damit mit anderen Stämmen ist mühsam, weil die jeweilige Seite exakt das bereithalten muss, was die andere Seite gerade benötigt. Bearbeitete und polierte Muschelperlen vorzuhalten, löst jedoch das Problem. Sie verrotten nicht und sind nicht sperrig, sodass es in Ordnung (und sogar erstrebenswert) ist, zusätzliche Perlen anzuhäufen, sobald die übrigen Bedürfnisse der Menschen erfüllt sind. Sie stellen in einer Welt mit diesem rudimentären Niveau an Technologie stets ein begehrtes Gut dar. Selbst wenn jemand sie nicht gerne anlegt, kann es sein, dass sein Ehepartner, seine Geschwister oder Freunde sie gerne als Schmuck tragen. Und sie können sich dessen gewiss sein, dass die meisten Mitglieder anderer Stämme diese Perlen mögen, was Gelegenheiten für zukünftigen Handel eröffnet.
Die Herstellung von geritzten und polierten Muschelperlen war ein sehr arbeitsintensiver Prozess. Die Muscheln mussten zuerst von Hand an der Küste gesammelt werden und dann wurden sie je nach Sorte zurechtgeschnitten, poliert und von Hand mit einem Bogenbohrer perforiert, damit ein Faden durch sie hindurchgeführt werden konnte, um sie aneinander oder an etwas anderem festzumachen, was aus ihnen ein nützliches Schmuckstück machte. Einmal hergestellt, hielten diese Muschelperlen lange Zeit und hatten im Verhältnis zu ihrer Größe und ihrem Gewicht einen hohen Wert, der sich auch aus ihrer Attraktivität und dem Arbeitsaufwand ergab, der dafür nötig war, sie herzustellen. Wenn jemand überschüssige Lebensmittel gegen Muschelperlen eintauschte oder überschüssige Zeit für die Herstellung von Muschelperlen aufbrachte, konnte er diese Muschelperlen über Monate oder sogar Jahre aufbewahren, bis er etwas fand, das er haben wollte oder brauchen konnte, und sie dagegen eintauschen. Bis dahin waren die Perlen als Schmuck tragbar und ästhetisch ansprechend.
Mit anderen Worten: Die Muschelperlen dienen als etwas, das man anhäufen und womit man den Bedarf an flexiblem Sozialkredit ergänzen oder ersetzen kann und das an die Stelle des mündlichen Kontobuchs treten kann – zumindest, wenn es um den Umgang mit Menschen geht, denen man nicht traut oder die man vielleicht nie wiedersehen wird. Muschelperlen, als ein fast überall begehrtes und haltbares Gut, erlauben es einem (in lange vergangenen Zeiten), mit Menschen Handelsbeziehungen einzugehen, auch wenn man nichts von ihnen benötigt, denn es ist jederzeit möglich, sich weitere Muschelperlen zuzulegen, die so lange als Platzhalter dienen, bis man auf etwas stößt, das man benötigt oder besitzen möchte. Muschelperlen kann man nie genug haben, da sie einen portablen, gespeicherten Gegenwert darstellen, den man in der Zukunft gegen Ressourcen eintauschen kann, sei es bei den eigenen Stammesmitgliedern oder anderen Gruppen. Im Vergleich zu verderblicher Nahrung oder Fellen und Speeren, die zu sperrig sind, um sie zu horten oder mitzuführen, stellen diese kleinen, tragbaren Muscheln wohl die Erfindung einer Technologie des Langzeitsparens dar – also eine Möglichkeit, überschüssige Zeit oder Ressourcen in eine Art finanziellen Akkumulator hochzuladen. Die Menschen können einige Stränge dieser Muschelperlen am Handgelenk tragen, einige um den Hals, einige an den Knöcheln, einige im Haar, einige als Gürtel usw. Du kannst sie deinen Kindern oder dem Ehepartner umhängen. Jedes kleine Muschelschmuckstück ist an sich schon begehrenswert und steht für ein ordentliches Stück Arbeitsaufwand.
In dieser Rolle als das am besten verkäufliche Gut verhält sich jeder Strang Muschelperlen wie eine von Vitos unbestimmten, in Zukunft zu erbringenden Gefälligkeiten. Jemand oder eine Gruppe, die eine Menge Muschelperlen gesammelt hat, in welchen sie überschüssige Zeit und Ressourcen akkumuliert (oder von der vorherigen Generation geerbt) hat, hat jetzt einen großen Wert anzubieten, wenn sie in Zukunft mehr unmittelbare Güter nachfragen. Und anders als ein Gefallen stellt ein Strang Muschelperlen eine endgültige Begleichung dar; sein bleibender Wert hängt nicht von der Erinnerung desjenigen ab, der den Gefallen erhalten hat.
Abgesehen davon, dass jemand Muschelperlen einfach gerne ihrer Ästhetik wegen trägt, waren sie oft auch ein Zeichen von Status. Jemand mit einer Menge Muschelperlen verfügte über großen Wohlstand innerhalb dieser Gesellschaft. Im Zusammenhang mit der Sippschaft bedeutet dies: Wenn du jemanden siehst, der mit wunderschönen Muschelgürteln, -armbändern, -halsketten und in seine Kleidung eingenähten Perlen ausgestattet ist, dann kannst du davon ausgehen, dass er oder sie in der Vergangenheit viel Wertvolles für andere geleistet haben muss, um so viele Muschelperlen anzusammeln, oder dass er/sie eng mit anderen Menschen verbunden ist, die das getan haben. Menschen mit Schmuck tragen buchstäblich einen Haufen wertvoller, gespeicherter Dienstbarkeiten an ihrer Person und verfügen somit über einen beträchtlichen Zeitraum an überschüssigen Ressourcen. Es scheint sich dabei um eine gute Person zu handeln, um sie näher kennenzulernen, zu achten und sie möglicherweise zu ehelichen. Solche Menschen signalisieren damit auf der sozialen Ebene, dass sie eine Vergangenheit voller Überfluss erlebt haben.
In der bereits erwähnten Studie – „Wohlstands- und Ungleichheitsverteilung in Jäger- und Sammlergesellschaften" – stellten die Forscher fest, dass sich bewegliches Eigentum in Jäger- und Sammlergesellschaften in der Regel in individuellem Besitz befand, während Land eher gemeinschaftlich besessen wurde:
Bewegliches materielles Eigentum wie Werkzeuge, Kleidung und Wertgegenstände wird in der Regel als individuelles Eigentum behandelt und oft an die Nachkommen von Verwandten weitergegeben. In den meisten Jäger- und Sammlergesellschaften kann dieser Besitz jedoch in der Regel von jedem Erwachsenen des entsprechenden Geschlechts hergestellt werden oder würde ziemlich leicht zu bekommen sein; Ausnahmen bilden Gegenstände, die eine hoch spezialisierte Herstellung erfordern oder durch seltene Handelskontakte erworben werden, sowie Wohlstands- und Prestigegüter in einigen sesshaften und weniger egalitären Gesellschaften.²⁰
Vor allem „hoch spezialisierte Herstellungsgüter und „Prestigegüter
gehören zu den Arten von Besitz, die nicht leicht erhältlich sind. Mit anderen Worten: Sie sind tatsächlich knapp. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Jäger- und Sammlergesellschaften zwar in vielerlei Hinsicht gemeinschaftlich verfasst sind, Jäger- und Sammlergesellschaften im Allgemeinen aber nicht unbedingt so egalitär sind, wie wir sie uns vielleicht vorstellen:
Wie in dem einleitenden Beitrag in diesem Forum von Bowles et al. beschrieben, bedeutet β=0,25, dass ein Kind, das im obersten Dezil der Bevölkerung geboren wird, eine fünfmal höhere Wahrscheinlichkeit hat, im obersten Dezil zu bleiben als ein Kind, dessen Eltern zum untersten Dezil gehören. Selbst ein β von 0,1 bedeutet, dass ein Kind, das im obersten Vermögensdezil geboren wird, mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit dort verbleibt als ein Kind, das im untersten Dezil geboren wurde. Diese Ergebnisse legen nahe, dass in Jäger- und Sammlerpopulationen, selbst in solchen mit umfangreichem Nahrungsaustausch und anderen Ausgleichsmechanismen (Cashdan 1982), die Nachkommen der Bessergestellten dazu neigen, auch bessergestellt zu bleiben, und umgekehrt.²¹
Anders als bei einem schriftlich geführten Hauptbuch, weiß keine der an der Transaktion beteiligten Parteien, wie das vollständige Hauptbuch über alle Muschelperlen aussieht. Wenn du und ich an einer Transaktion beteiligt sind, weiß keiner von uns genau, wie viele Muschelperlen es in unserer Region gibt. Aber wir wissen um ihre Eigenschaften und wie schwer sie herzustellen sind, und wir wissen auch, wie oft wir sie von anderen getragen sehen, was uns hilft, ihre Seltenheit einzuschätzen und uns zu überlegen, was wir gegen sie tauschen könnten.
Muschelperlen, und weiter gefasst Warengeld, sind ein dezentrales Kontobuch der Natur. Indem wir Muscheln im Tausch gegen etwas Wertvolles weitergeben, aktualisieren wir den Stand dieses Hauptbuchs. Durch die physische Inbesitznahme wird der gesamte Stand des Hauptbuchs aufrechterhalten und aktualisiert. Alle Teilnehmer verstehen und interagieren mit Teilen dieses natürlichen Hauptbuchs, aber keiner von uns kennt den vollständigen Zustand des Hauptbuchs.
Wer kontrolliert dieses Hauptbuch? In den meisten Fällen lautet die Antwort auf diese Frage: „Die Natur." In der Praxis bedeutet das, dass kein Mensch oder keine Gruppe Kontrolle darüber ausübt. Die Herstellung von Muschelperlen erfordert einen hohen Energie- und Zeitaufwand – sauber ausgeführt mit den richtigen Materialien –, was bedeutet, dass niemand schummeln kann. Einige Teilnehmer an der Küste können ihre überschüssige Zeit direkt für die Herstellung von Muschelperlen verwenden, während andere Teilnehmer im Landesinneren ihre Zeit damit verbringen könnten, bei anderen Ressourcen Überschüsse zu erzielen, um diese dann gegen Muschelperlen einzutauschen. In jedem Fall waren die Muschelperlen ein Maß für überschüssige Zeit und Ressourcen, für Ersparnisse und Wert und oft ging der gesamte Ablauf mit einer Menge an Förmlichkeiten einher.
Die Antwort auf die Frage, wer nun das Hauptbuch kontrolliert, lautet: Derjenige, der über die fortschrittlichste Technologie verfügt, kontrolliert das Hauptbuch. Dieses Warengeldsystem funktioniert, sofern alle Teilnehmer über einigermaßen gleiche produktive Fähigkeiten verfügen, was in weiten Teilen der Erde über Jahrtausende der Fall war. Wenn eine überaus fortschrittliche Zivilisation den Ozean überquert und sich spezieller Metallwerkzeuge bedient und sie herausfindet, wie das Muschelgeldsystem funktioniert, dann kann sie wahrscheinlich eine Größenordnung mehr Muschelperlen pro Arbeitseinheit herstellen als alle anderen. Sie ist dann in der Position, die Muscheln aller zu entwerten, indem sie den Markt mit ihnen geradezu überschwemmt. Dabei kann sie eine Menge Ressourcen an sich reißen, denn es wird dauern, bis den Stämmen klar wird, dass diese neue Zivilisation viel schneller Muscheln produzieren kann als alle anderen und dass Muschelperlen nun überhaupt immer weniger selten und immer weniger wertvoll werden, über einen Zeitraum von Monaten oder Jahren, aufgrund eines sich schneller als bisher ausweitenden Angebots.
Wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, ist die Geschichte des Warengeldes eine Erzählung vom technischen Fortschritt. Verschiedene Warengelder dienen als ehrliche und faire Buchhaltungssysteme, bis die Technologie einen Punkt erreicht, an dem eine Gruppe einen asymmetrischen Vorteil erlangt, der dann alle anderen zwingt, sich anzupassen oder Verluste hinzunehmen.
8 Ignace Gelb, „Sumerian Language."
9 William Goetzmann, Money Changes Everything: How Finance Made Civilization Possible, 15–25.
10 Justin Pack, Money and Thoughtlessness, 51–70.
11 See for instance Marcel Mauss, The Gift ; Marshall Sahlins, Stone Age Economics ; and Paul Einzig, Primitive Money.
12 Elise Berman, „Avoiding Sharing."
13 Paul Seabright, The Company of Strangers: A Natural History of Economic Life , 2–5, 91–105.
14 Eric Smith et al., „Wealth Transmission and Inequality Among Hunter-Gatherers," 21.
15 Szabo, „Shelling Out."
16 Dror Goldberg, „Famous Myths of ‘Fiat Money’," 962–963.
17 Marc Shell, Wampum and the Origins of American Money .
18 Bin Yang, „The Rise and Fall of the Cowrie Shell: The Asian Story."
19 National Science Foundation, „Shell Beads from South African Cave Show Modern Human Behavior 75,000 Years Ago."
20 Smith et al., „Wealth Transmission," 21.
21 Smith et al., „Wealth Transmission," 31.
KAPITEL 2
Wie es kam, dass Waren zu Geld wurden
Wie im vorherigen Kapitel beschrieben, brauchen Menschen in kleinen Sozialverbänden aus Freunden und Verwandten kein Geld; sie können ihre Ressourcen untereinander manuell organisieren, allenfalls mit Hilfe informeller, mündlicher Kontobücher. Sie können den Überblick behalten, wer der Gruppe einen ständigen Überschuss bietet und wer scheinbar immer „im Minus" ist. In kleinen Gruppen lösen die Menschen das sogenannte Tauschproblem mit flexiblem Sozialkredit, bevor das Problem des Tauschhandels überhaupt auftaucht.
In Gruppen jedoch, die regelmäßig mit anderen Gruppen handeln oder Landwirtschaft betreiben und deren sesshafte Population die typische Stammesgröße übersteigt, wird sich zwangsläufig eine Form von Geld einstellen und zur Anwendung kommen, die für sie eine liquidere, besser teilbare, eher übertragbare und weithin akzeptierte Recheneinheit zum Speichern und Tauschen von Werten mit Menschen, die sie nicht kennen, darstellt. Ergänzend zur Nutzung sozialer Kreditsysteme verlassen sie sich auf ein Hauptbuch aus der Natur, womit sie die Thematik eines beidseitigen Zusammenfallens von Bedürfnissen umgehen können, welches sonst die Erfolgsquote des Handels verringern würde.
Die Verwendung sammelbaren Urgeldes, dessen Herstellung einen hohen Arbeitsaufwand bedeutet, mag Außenstehenden dieser Kultur seltsam erscheinen. Warum vergeudet man beispielsweise Zeit damit, Muschelperlen herzustellen? Ist das nicht eine Verschwendung von Ressourcen in einer rauen, technologiearmen Jäger- und Sammlerkultur, in der jede Ressource wertvoll ist und wo mehr als ein Drittel der Kinder nicht einmal das Erwachsenenalter erreichen? Sollte die überschüssige Zeit nicht für etwas anderes verwendet werden? Die Antwort lautet, dass dieser Aufwand in Zeiten des Überflusses eine gute Nutzung der Ressourcen ist und sich am Ende mehr als bezahlt macht, denn ein standardisiertes und vertrauenswürdiges Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel macht alle anderen wirtschaftlichen Transaktionen effizienter.
Je komplexer eine Wirtschaft wird, desto mehr Tauschkombinationen verschiedener Arten von Waren und Dienstleistungen ergeben sich. Stellt eine Volkswirtschaft zum Beispiel fünf verschiedene Produkte her, dann bestehen 10 unterschiedliche (einzigartige) Tauschpaare. Produziert eine Volkswirtschaft 20 verschiedene Produkte, dann sind es 190 Tauschpaare. Eine Volkswirtschaft mit 100 verschiedenen Produkten weist bereits 4.950 Tauschpaare auf. An diesem Punkt wären die meisten Formen des Tauschhandels, Güter der Grundversorgung ausgenommen, äußerst ineffizient.
Wenn eine Gesellschaft also komplexerer Interaktionen oder Handelsbeziehungen ohne Vertrauenskomponente bedarf, für die flexible Sozialkredite nicht mehr ausreichend sind, dann braucht diese Gesellschaft Geld – eine standardisierte Recheneinheit –, das für jegliche Ware oder Dienstleistung als die eine Seite des Handelspaares fungiert.
Kurz: Unter den Gütern, mit denen eine Gesellschaft handelt, müssen sich ein oder zwei der knappsten, teilbarsten, haltbarsten, mitführbarsten und liquidesten Güter durchsetzen. Eine Apfelbäuerin, die Werkzeuge (vom Schmied), Fleisch (vom Rinderzüchter), Reparaturarbeiten (vom Schreiner) und Medizin für ihre Kinder (vom Arzt) benötigt, kann nicht die Zeit damit verbringen, Leute zu finden, die über das verfügen, was sie benötigt und zufällig gerade Bedarf an einer Tonne Äpfeln haben. Ein umfangreiches Tauschsystem, wie obiges zwischen Nachbarn, entwickelt sich nicht von selbst. Stattdessen wird die Bäuerin einfach ihre (sehr saisonalen und kurzlebigen) Äpfel für eine haltbare und weithin akzeptierte Spareinheit verkaufen, mit der sie diese Dinge im Bedarfsfall erwerben kann.
Im Jahr 1776 behandelte Adam Smith diese Probleme des Tauschhandels in seinem Werk „The Wealth of Nations". Zinskritiker wehren sich generell gegen obiges Beispiel und die Abfolge der Ereignisse rund um das Thema Tauschhandel. Diese Einwände und die breitere Debatte darüber werden in Kapitel 4 dieses Buches ausführlicher besprochen. Nachdem Smith das Thema ergründet hatte, neigten die Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie (ÖSN) dazu, ihren Fokus auf die Beforschung von Warengeld als exaktes Wissensgebiet zu richten. Die ÖSN war von Carl Menger in den 1800er-Jahren gegründet und von Ludwig von Mises, Friedrich Hayek und vielen anderen vorangetrieben worden.
Ihrer Denkweise zufolge sollte Geld teilbar, übertragbar, haltbar, fungibel, überprüfbar und knapp sein. Außerdem weist es normalerweise (aber nicht immer) einen gewissen Nutzen auf. Verschiedene Sorten von Geld erreichen anhand obiger Qualitätskriterien unterschiedlich hohe „Punkteanzahlen":
Teilbar bedeutet, dass das Geld in verschiedene Subeinheiten gesplittet werden kann, um für die unterschiedlichsten Einkäufe geeignet zu sein.
Übertragbar bedeutet, dass das Geld leicht über Entfernungen verschoben werden kann, was mit sich bringt, dass es bei geringem Gewicht eine möglichst hohe Wertdichte aufweisen soll.
Haltbar bedeutet, dass das Geld über die Zeit leicht gespart werden kann; es sollte nicht verrotten, rosten oder zu Bruch gehen.
Fungibel bedeutet, dass sich die einzelnen Einheiten des Geldes nicht signifikant voneinander unterscheiden, indem eine so gut ist wie die andere.
Überprüfbar bedeutet, dass der Verkäufer der Waren oder Dienstleistungen das Geld leicht dahingehend überprüfen kann, ob es wirklich das ist, was es zu sein scheint.
Knapp bedeutet, dass die vorhandene Geldmenge nicht schnell ansteigt.
Nützlichkeit bedeutet, dass das Geld in irgendeiner Weise begehrenswert ist; es kann zum Beispiel konsumiert werden oder erfüllt einen ästhetischen Anspruch.
Fasst man diese Eigenschaften zusammen, ist Geld das „am besten verkäufliche Gut, das in einer Gesellschaft zur Verfügung steht. Das heißt, es ist das Gut, das sich am besten verkaufen lässt – das am besten dazu taugt, veräußert zu werden. Geld ist das universellste Gut in dem Sinne, dass die Leute es wollen oder erkennen, dass sie damit ihre Geschäfte abwickeln können und es danach einfach und zuverlässig gegen etwas anderes eintauschen können, das sie unbedingt haben möchten. In seinem Artikel „Über den Ursprung des Geldes
beschrieb Menger, dass ein ideales Geld den Wert sowohl über Raum als auch über die Zeit transportiert, was bedeutet, dass es effizient über Entfernungen hinweg transportiert oder gespart werden kann, um es in der Zukunft auszugeben.²² Ein wichtiger Aspekt der Verkäuflichkeit ist außerdem die Liquidität, d. h., jemand sollte relativ leicht große Mengen davon kaufen oder verkaufen können, ohne dass der Wert durch enorme Handelsspannen oder einen Mangel an ausreichenden Handelsvolumina geschmälert wird. Liquidität ist in vielerlei Hinsicht ein Maß für die allgemeine Akzeptanz: Je akzeptierter und verbreiteter etwas ist, desto liquider ist in der Regel der Markt.
Die Knappheit entscheidet oft über den Sieger zwischen zwei konkurrierenden warenbasierten Geldmitteln. Es geht aber nicht nur darum, wie selten ein Vermögenswert ist. In der Tat kann sich extreme Seltenheit nachteilig auf die Liquidität auswirken und eine Ware zu einer schlechten (unverkäuflichen) Form von Geld machen. Ein wichtiges Konzept, mit dem du vertraut sein solltest, ist das Stock-to-Flow-Verhältnis (S2F), das angibt, wie groß das aktuelle regionale oder globale Angebot (der Vorrat) ist, geteilt durch die Menge des neu hinzugekommenen Angebots, das in einem Jahr erzeugt werden kann (der Fluss/Nachschub).
Zum Beispiel fügen die Goldschürfer dem geschätzten oberirdischen Goldbestand jedes Jahr etwa 1,5 % neues Gold hinzu.²³ Im Gegensatz zu den meisten anderen Rohstoffen wird der überwiegende Anteil an Gold nicht verbraucht, sondern immer wieder eingeschmolzen und in verschiedenen Formen und an verschiedenen Orten erneut gelagert.
Gold verrottet, rostet oder korrodiert nicht so leicht wie die meisten anderen Materialien. Es ist chemisch inert und geht daher kaum Verbindungen ein. Es kann unzählige Male wieder eingeschmolzen und sogar in bestimmten Säuren aufgelöst und danach wieder herausgefiltert werden. Es kann gesprengt und verstreut werden, aber die Stücke verlieren sich nicht, wie es bei anderen Materialien der Fall wäre, und sind deshalb stets wiederauffindbar. Abgesehen von den winzigen Mengen, die in Form elektronischer Leiterplatten weggeworfen werden oder in Schiffswracks auf dem Grund der Meere liegen, befindet sich das meiste Gold, das jemals abgebaut wurde, noch in menschlicher Hand (und selbst diese verlorenen Goldmengen können technisch wiedergewonnen werden, sobald der Preis stimmt). Gold ist damit praktisch unzerstörbar.²⁴
Die Kombination aus kontinuierlichem Goldabbau und seltenem Verlust des geförderten Goldes hat dazu geführt, dass das Verhältnis zwischen Goldvorrat und Goldabfluss im Durchschnitt bei etwa 100/1,5 = 67 liegt, was das höchste Verhältnis von Vorräten zu Abflüssen unter allen Rohstoffen ist. Die Welt besitzt in Summe den Gegenwert von 67 durchschnittlichen Jahresproduktionen, basierend auf Schätzungen des World Gold Council. Die Wachstumsrate des Angebots lag über die letzten einhundert Jahre stets zwischen 1 % und 2 %, was einer bemerkenswert niedrigen Varianz entspricht.²⁵ Selbst in den 1970er-Jahren, als der Goldpreis in Dollar um eine Größenordnung zulegte, konnte dies das jährliche Angebotswachstum in Prozent der bestehenden Goldmenge kaum beeinflussen. Davor waren die einzigen Phasen, in denen das Angebot an Feingold beschleunigt zunahm, wenn die Industriegesellschaften einen neuen Kontinent entdeckt und die leicht zugänglichen Bestände an sich genommen hatten oder wenn sie neue Techniken erfunden hatten, um zuvor unwirtschaftliche Vorkommen gewinnbringend abzubauen.
Wenn ein Vermögenswert zusätzlich zu seinem reinen Nutzwert eine monetär herausragende Rolle einnimmt, dann haben die Marktteilnehmer einen starken Anreiz, mehr davon herzustellen. Nur Vermögenswerte, die im Verhältnis zum Gesamtangebot sehr resistent gegen Angebotsausweitungen sind, können dieser Herausforderung standhalten und so zu einem weltweit akzeptierten Geld werden. Und dieses auch bleiben.
Wenn ein Vermögenswert hingegen so selten ist, dass ihn kaum jemand besitzt, dann kann er zwar extrem wertvoll sein, wenn er einen Nutzen hat, als Geld ist er dann aber kaum zu gebrauchen; er ist nicht ausreichend liquide, wird nicht weithin gehalten oder angenommen, sodass die Umstände
