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Fungipedia. Die erstaunliche Welt der Pilze
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eBook266 Seiten2 Stunden

Fungipedia. Die erstaunliche Welt der Pilze

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Über dieses E-Book

Das Reich der Pilze ist noch immer voller Geheimnisse: Sind Pilze wirklich enger mit uns Menschen verwandt als mit Pflanzen? Gibt es tatsächlich Insekten, die Pilze züchten? Und warum ernähren sich bestimmte Pilze gerne von Strahlungsresten, Kakerlakenfühlern und Dung? Autor und Mykologe Lawrence Millman kombiniert ökologisches, ethnografisches, historisches und zeitgenössisches Wissen und lässt uns in mehr als 180 Kurztexten in die Welt der Pilze eintauchen. Von A bis Z hat er zu unterschiedlichsten Themen Interessantes und Wissenswertes zusammengestellt: Die Spanne reicht von »Alice im Wunderland« bis zu Heilpilzen und Feenringen, von Kombucha über den Fluch der Pharaonen bis hin zu Zombie-Ameisen, und Millman erzählt alles so, dass Hobbysammler wie Pilzspezialisten Neues entdecken können. Denn die spannende Welt der Pilze liegt direkt vor unserer Haustür.
SpracheDeutsch
Herausgebermairisch Verlag
Erscheinungsdatum8. Okt. 2024
ISBN9783948722395
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    Buchvorschau

    Fungipedia. Die erstaunliche Welt der Pilze - Lawrence Millman

    Deckblatt von Fungipedia. Die erstaunliche Welt der Pilze von mairisch Verlag

    Titel

    Fungipedia

    Die erstaunliche Welt der Pilze

    Von Lawrence Millman

    Aus dem Englischen von Roberta Schneider

    Widmung

    Ich widme dieses Buch allen Pilzen, auch den giftigen. In Verehrung für ihre Fähigkeit, mich zu verblüffen, mich zu erheitern und mich immer wieder mit Demut zu erfüllen.

    Die Welt ist von den Pilzen abhängig, weil sie eine bedeutende Rolle im weltweiten Stoff- und Energiekreislauf spielen.

    E.O. Wilson

    Widme dich den Pilzen, und alles andere ergibt sich.

    A.R. Ammons

    Es hat etwas absolut Faszinierendes für mich, in genau dem Moment anwesend zu sein, in dem ein Pilz aus dem Boden schießt.

    John Cage

    Mykologie ist immer besser als Urologie.

    Bryce Kendrick

    Vorwort

    »Doch selbst der bescheidenste Pilz lässt ein Leben erkennen, das mit unserem verwandt ist«, schrieb Henry David Thoreau im Jahr 1858 in sein Tagebuch. Diese Beobachtung zeigt die für Thoreau typische Hellsichtigkeit; neuere phylogenetische Untersuchungen haben ergeben, dass der Ast, den die Pilze im Baum des Lebens besetzen, dem Ast, auf dem wir sitzen, erstaunlich nah ist. Dieselben Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Leser oder die Leserin dieser Fungipedia und die Pfifferlinge, die er oder sie zum Kochen putzt, denselben entfernten Vorfahren haben, bei dem es sich wahrscheinlich um ein Lebewesen handelt, das den heutigen Kragengeißeltierchen (Choanoflagellata) nicht unähnlich war. Doch die Ähnlichkeiten zwischen den Angehörigen des Reichs der Pilze und uns beschränken sich nicht auf einen gemeinsamen Vorfahren. Weder die Pilze noch wir besitzen das grüne Pigment Chlorophyll, weshalb wir nicht in der Lage sind, aus Wasser und CO² mithilfe von Sonnenlicht Zucker herzustellen, und gezwungen sind, uns von ­toter oder lebender organischer Materie zu ernähren, sei sie pflanzlich oder tierisch. Wir haben beide spezielle Enzyme entwickelt, die es uns erlauben, diese Materie zu verdauen, auch wenn diese Enzyme bei uns innerhalb unseres Körpers zum Einsatz kommen, während Pilze ihre Nahrung extern verdauen.

    Wenn es ums Essen geht, sind manche Pilze extrem wählerisch: so verspeist Herpomyces stylopygae ausschließlich die Haare von Kakerlakenfühlern, während Cephalosporium lamellaecola an den Spitzen von Stalaktiten in Höhlen knabbert. Trichomyceten leben im Darm von wasserbewohnenden Gliederfüßern wie Mückenlarven, und die unlängst entdeckte Art Alciphila vulgaris besiedelt Laubstreu, das mit Elchurin getränkt ist. Solche Substrate klingen tatsächlich eher angenehm im Vergleich zu denen im Umfeld der Überreste des Kernkraftwerks von Tschernobyl in der Ukraine, wo sich diverse Pilzarten an der noch immer erhöhten Strahlung laben.

    In Anbetracht der Ähnlichkeiten zwischen den Pilzen und uns ist es nicht überraschend, dass wir ein anderes Verhältnis zu Pilzen als zu Pflanzen haben. Sie rufen Angstreaktionen, Entzückung und Ekel hervor (der griechische Arzt Nikandros aus Kolophon bezeichnete Pilze als »das teuflische Enzym der Erde«), regen an zum Ersinnen von fiktiven Monstern, Briefmarkenmotiven und Anthropomorphismen und werden – wie zum Beispiel von der mazatekischen Schamanin María Sabina, die Zauberpilze als »Kinder Gottes« bezeichnet hatte – vergöttert. Sie dienen auch als Inspirationsquelle für Zeichentrickfilme: Walt Disney gab dem Fliegenpilz (Amanita muscaria) eine Rolle in der Szene mit den tanzenden Pilzen in Fantasia, während anmutig schwankendes Schilfrohr oder eine Segge im gleichen Film nicht einmal eine Nebenrolle abbekam.

    Auch die Frage, wie die Pilze in unsere Welt gekommen sind, regte stets die Fantasie der Menschen an. In Litauen hielt man Pilze früher für die Finger von Velnias, dem einäugigen Totengott, der ebendiese Finger aus dem Boden streckt, um die Armen zu speisen. In Teilen Indiens, Bangladeschs und Ostasiens glaubt man bis heute, Pilze würden aus Hundeurin entstehen. Wesentlich verbreiteter ist der Glaube, dass sie vielmehr aus überirdischen Gefilden zu uns gekommen sind als aus irdischen oder unterirdischen. Die alten Griechen dachten, sie würden aus Samen wachsen, die Zeus mit dem Blitz schickte; eine alte persische Legende führt ihre Existenz auf eine Himmelsgöttin zurück, die Läuse aus ihren Kleidern schüttelt, und die Inuit im arktischen Zentralkanada glauben, dass Pilze anaq (Exkremente) von Sternschnuppen seien, da sie oft am Morgen in der Tundra auftauchen, nachdem eine Sternschnuppe über den Nachthimmel gezogen ist. Ich bezweifele, dass jemals jemand die Vermutung geäußert hat, dass eine Sternschnuppe einen Löwenzahn in seinem Garten hinterlassen habe.

    In dieser nicht übertrieben wissenschaftlichen Fungipedia verwende ich, wann immer es möglich ist, die Trivialnamen anstelle der wissenschaftlichen Namen. Außerdem gehe ich mit Vokabeln wie möglicherweise, wahrscheinlich, normalerweise und üblicherweise recht verschwenderisch um, da die Mykologie (von Altgriechisch mykes, »Pilz«, und lógos, »Wort/Rede«) eine recht junge Disziplin ist und viele ihrer Aspekte noch nicht komplett oder nicht einmal ansatzweise erforscht sind. Außerdem hat so gut wie jede bekannte mykologische Regel Ausnahmen. So kann zum Beispiel ein holzbewohnender Pilz, der eigentlich auf Nadelholz wachsen müsste, gelegentlich auch auf Laubholz Quartier beziehen. Vielleicht hat das Myzel ­einen Fehler gemacht. ­Vielleicht haben herausfordernde Wetterbedingungen es dazu bewogen, eine Notunterkunft aufzusuchen. Vielleicht will der Pilz einfach nur anders sein. Oder vielleicht will er uns Menschen verwirren oder Demut lehren. Jede Person, die einmal mehrere Stunden mit dem verzweifelten Versuch zugebracht hat, einen Pilz zu bestimmen, wird das anthropomorphisierende letzte Beispiel nachvollziehen können.

    Inzwischen hat der Leser oder die Leserin die Pfifferlinge wahrscheinlich fertig geputzt und fragt sich, ob er oder sie die Pilze zu einem Steak servieren oder sie in ein Omelett oder eine Bohnensuppe geben soll. Um eine Antwort auf diese Frage zu bekommen, sollte man James Beard oder Julia Child konsultieren, anstatt dieses Buch danach zu durchforsten, denn es ist kein Kochbuch. Es präsentiert vielmehr die Grundlagen der Mykologie neben einem Sammelsurium von Kuriositäten aus dem Reich der Pilze. Es enthält auch biografische Informationen über Mykologen wie den Röhrlingsexperten Walter Wally Snell, der einmal Catcher bei den Boston Red Sox war.

    An dieser Stelle sollte ich gestehen, dass ich an Pilzen die Essbarkeit für den am wenigsten interessanten Aspekt ansehe. Daher werde ich in den meisten Fällen nicht auf die Essbarkeit der entsprechenden Arten eingehen, es sei denn, dass es sich bei der Art zufällig um den Maisbrand (Ustilago maydis) handelt, der von den Azteken gegessen wurde. Oder dass es sich bei dem Essenden um eine Milbe, einen Käfer oder sogar um eine Amöbe handelt, bestimmte Arten, deren Überleben von Pilzen abhängt. Oder wenn der Speisende selbst ein Pilz ist, der dem Verzehr seiner Verwandtschaft fröhnt. Ein Beispiel für so einen Pilzkannibalen ist der Parasit Hypomyces lactiflorum, der Pilze der Gattungen Russula und Lactarius befällt und sie in sogenannte Hummerpilze verwandelt. So wie wir Pilze essen, essen bestimmte Pilze uns, oder zumindest Teile von uns; sie finden sich in unserer Mundhöhle, auf unserer Haut, in unserer Lunge, in unserem Vaginaltrakt und auf unseren Nägeln. Es sind zweihundertsiebenundsechzig verschiedene in unserem Verdauungstrakt lebende Arten dokumentiert, die dort wahrscheinlich die Zuckerverdauung unterstützen. Es kommt sogar vor, dass Pilze in unserem Gehirn gedeihen. Ich war einmal bei einer von einem befreundeten Pathologen durchgeführten Autopsie dabei und habe eine beträchtliche Myzelmasse gesehen, welche den Hirnbalken, also jene Nervenfasern, welche die Hirnhälften verbinden, umwuchert hatte – ein beeindruckender Anblick.

    Man könnte den betreffenden Pilz (mutmaßlich Aspergillus fumigatus) als ein Pathogen bezeichnen, doch das Gehirn gehörte einer vom Leben auf der Straße gezeichneten Person, die – neben weiteren Beschwerden – wahrscheinlich AIDS zum Opfer gefallen war. Gesunde Personen verfügen über Zellen namens Makrophagen und Neutrophile, die Pilzinfektionen abzuwehren vermögen, aber bei diesem Individuum war das nicht der Fall. Sein geschädigtes Immunsystem hat dem Pilz bereitwillig Einlass gewährt. Tatsächlich können eine ganze Menge von in der Regel harmlosen Pilzen schwere Schäden bei immungeschädigten Individuen auslösen. Und das betrifft nicht nur Menschen: Zahlreiche Pilze, harmlos oder weniger harmlos, können sich auf andere Lebewesen mit geschädigtem Immunsystem ähnlich zerstörerisch auswirken, worauf ich in mehreren Einträgen in dieser Fungipedia eingehen werde.

    Natürlich gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den Pilzen und uns. Die Pilze haben es nicht nur geschafft, ohne Supermärkte, mechanisierte Fortbewegung, Gesundheitseinrichtungen, Hilfsmittel wie Computer und ­Tagesstätte für ihre Kinder auszukommen, sondern sind – im Gegensatz zu einem Großteil von uns – obendrein ausgezeichnete Ökologen. Man denke zum Beispiel an Bäume, die von einem Specht angepickt, einem Blitz getroffen, einem Auto gestreift worden oder einfach nur sehr alt sind. Man könnte sagen, dass solche Bäume immunkompromittiert sind. Ohne die Fähigkeit der Pilze, Stoffe wiederzuverwerten, würden sie ewig als Baumleichen herumstehen und der Boden würde nicht die Nährstoffe erhalten, von denen die meisten Pflanzen abhängig sind. Irgendwann würde es kaum noch Pflanzen geben, und die Lebewesen, die von pflanzlichen Nährstoffen abhängig sind, würden erst recht immer seltener werden. Der Zustand unseres Planeten wäre bald noch beklagenswerter, als er ohnehin schon ist.

    Wenden wir uns nun den gesunden Bäumen und anderen Pflanzen zu. Zwischen 90 und 95 Prozent von ihnen haben Pilze als Lebensgefährten, mit denen sie über ihre Wurzeln Nährstoffe-gegen-Kohlenhydrate-Beziehungen führen.

    Tatsächlich ist es möglich, dass Pflanzen die Wurzeln im Laufe der Evolution kurz nach ihrem Landgang ausgebildet haben, um mit den Pilzen Verbindung aufzunehmen. Wenn Pflanzen sprechen könnten, würden sie vielleicht zu ihren Pilzpartnern sagen: »Ich gebe dir Kohlenhydrate, wenn du mir Stickstoff und Phosphate gibst und mir bei der Wasseraufnahme hilfst.« Worauf der Pilz antworten könnte: »Sehr gerne, Kollege.«

    Tatsächlich können Pflanzen und Pilze mithilfe von membrangängigen Stoffen, durch die sie ihr Bedürfnis nach einem bestimmten Nährstoff ausdrücken, miteinander sprechen oder zumindest kommunizieren. Solche Beziehungen werden als Mykorrhiza bezeichnet, von Altgriechisch mykes »Pilz« und rhiza »Wurzel«. Eine ­Ektomykorrhiza ist eine Beziehung, bei der der Pilz Scheiden um die Wurzeln einer Pflanze ausbildet, während der Pilz in einer Endomykorrhiza in die Zellen der Wurzel eindringt. Ohne eine dieser beiden Beziehungsformen wären Bäume und andere Pflanzen nur ein Schatten dessen, was sie in Verbindung mit dem Pilzpartner sind. An dieser Stelle könnte ich noch hinzufügen, dass Mykorrhizapilze große Mengen CO² im Waldboden binden und es so daran hindern, in die ohnehin schon zu viel Kohlendioxid enthaltende Atmosphäre zu entweichen.

    In jeder Beziehung kann der eine Partner den anderen leiden lassen. So ist es auch bei parasitischen Pilzen und ihren Wirten. Man denke nur an die zahlreichen Ophiocordyceps-Arten, die Insekten oder ihre Larven befallen. Man denke auch an das von Pilzen der Gattung Ophiostoma verursachte Ulmensterben, den Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica), das Falsche Weiße Stängelbecherchen (Hymenoscyphus fraxineus), dessen Nebenfruchtform das Eschentriebsterben auslöst, und den Obstbaumkrebs (Neonectria sp.). Man denke an die Hallimasche (Armillaria sp.), die den Nährstofftransport von den Wurzeln eines Baums in seinen Stamm behindern. Oder an die Cladosporium-Arten, welche Buntglasfenster beschädigen.

    Es ist ein Jammer für die Wirte, dass sie keine Kontaktverbote gegen solche unangenehmen Partner erwirken können. Aber wenn der entsprechende Pilz mit Worten anstelle von membrangängigen Stoffen gesegnet wäre, könnte er sich gegen die Vorwürfe des Wirts wehren, indem er antwortete: »Wir Parasiten wollen doch auch nur leben!« Die Philosophischeren unter ihnen könnten hinzufügen: »Aus dem Tod entsteht das Leben.«

    Holzbewohnende parasitische Pilze schaffen Wohnraum für Höhlenbrüter und Nischen für Wirbellose mit besonderen Ansprüchen, etwa für Käfer, Spinnen und Ringelwürmer. Da sie in der Regel ältere Bäume infizieren, öffnen sie das Blätterdach für jüngere Bäume; außerdem können Pflanzen am Boden Raum einnehmen, der ihnen vorher versagt gewesen ist. »Schönen Dank fürs Renovieren, Freunde«, würden diese jüngeren Bäume und anderen Pflanzen vielleicht zu den parasitischen Pilzen sagen, wenn sie sprechen könnten.

    Als Lebensgemeinschaften von mindestens einem

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