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Die Sonntagsevangelien im Lesejahr C: Auslegungen für Predigt und Meditation
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eBook295 Seiten2 Stunden

Die Sonntagsevangelien im Lesejahr C: Auslegungen für Predigt und Meditation

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Über dieses E-Book

"Neuevangelisierung" der Gesellschaft als Allheilmittel ohne gravierende Kirchenreform? Das ist nicht die Vision des Lukasevangeliums. Mit beinahe jedem Wort stellt es Bilder einer neuen Welt vor Augen, die sich in der Schar der Jüngerinnen und Jünger Jesu verwirklichen soll und verwirklichen kann – vorausgesetzt, die Botschaft Jesu bliebe kein Bekenntnis, sondern würde zum Lebensstil.
Ob der Evangelist Lukas schon zu seiner Zeit vor allem herausfordern und aufregen wollte, um anregend zu wirken? – Möglich. Im 21. Jahrhundert ist seine Frohe Botschaft eine geradezu erschütternde Erinnerung daran, was und wie Kirche sein könnte, und ein heilsames Kontrastprogramm auf der Suche nach einem christlichen Lebensstil.
SpracheDeutsch
HerausgeberVerlag Friedrich Pustet
Erscheinungsdatum5. Aug. 2024
ISBN9783791762623
Die Sonntagsevangelien im Lesejahr C: Auslegungen für Predigt und Meditation

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    Buchvorschau

    Die Sonntagsevangelien im Lesejahr C - Anke Lechtenberg

    Vorwort

    Angesichts rasant sinkender Kirchenmitgliedszahlen geht seit geraumer Zeit verstärkt die Rede von der Notwendigkeit einer sogenannten „Neuevangelisierung der Gesellschaft. Gemeint ist dann meistens, dass die christliche Botschaft intensiver verkündet werden müsse, um die Menschen neu zu Gott und/oder zur Kirche zu „bekehren.

    Der Evangelist Lukas, dessen Botschaft das Lesejahr C prägt, erzählt ganz anderes. Er, der „Kirchen-Evangelist" schlechthin, stellt seinen Leserinnen und Lesern mit beinah jedem Wort Bilder einer neuen Welt vor Augen, die sich in der Schar der Jüngerinnen und Jünger Jesu verwirklichen soll und verwirklichen kann – vorausgesetzt, die Botschaft Jesu bliebe kein Bekenntnis, sondern würde zum Lebensstil. Gemessen an den lukanischen Visionen liegt so die Erkenntnis geradezu auf der Hand, dass die vielbeschworene Neuevangelisierung zuallererst die Kirche selbst betrifft. Dazu allerdings bräuchte es die Bereitschaft, die Orientierung am Evangelium höher zu stellen als die Tradition der Tradition um der Tradition willen. Im Horizont des Lukas-Evangeliums mutet es jedenfalls geradezu grotesk an, dass ausgerechnet diejenigen, die die Zukunft der Kirche in der Neuevangelisierung der Gesellschaft sehen, damit vielfach die Idee verbinden, die Kirche selbst könne bleiben, wie sie ist.

    Wer – wie Religionslehrerinnen und Religionslehrer – intensiv mit jungen Menschen zu tun hat, die oder der weiß, dass sie weder gottlos noch selbstverliebt noch leidenschaftslos sind. Wie alle Generationen vor ihnen suchen sie nach Sinn, nach Tiefe im Leben, nach dem, was uns Menschen hält und trägt. Sie schätzen Authentizität, lassen sich begeistern für das Gute und engagieren sich großherzig, wenn sie fühlen, dass sie etwas bewegen können. Sie treffen aber auf ein kirchlich verfasstes Christentum, das – wie die Schülerin einer Abiturklasse sich ausdrückte – „den aufregenden Charme eines Kühlschranks versprüht und noch dazu undemokratisch rüberkommt und von alten, weißen Männern dominiert wird. Wen soll das interessieren?" Es ist die Kirche selbst, die sich exkulturiert hat, indem sie die Zeitgenossenschaft, die das II. Vatikanische Konzil als Relevanzkriterium und Auftrag formulierte, durch mangelnde Wandlungsbereitschaft aufgekündigt hat. Deutliche Protestrufe, dass es so nicht weitergehen könne, gab es in den vergangenen dreißig Jahren immer wieder: 1995 das Kirchenvolksbegehren, 2011 das sogenannte Theologenmemorandum, zuletzt der Synodale Weg. Eine Kirchenhierarchie, die all das als irrelevant abtut oder die sich anmaßt, es als ungeistlich abzuwerten, darf sich nicht wundern, wenn sie die Früchte erntet und selbst als ungeistlich und irrelevant erfahren wird. Schlimm, wirklich schlimm ist allerdings, dass sie so auch die Botschaft, für die sie steht, unter ihre eigenen Räder kommen lässt.

    Ob der Evangelist Lukas schon zu seiner Zeit vor allem herausfordern und aufregen wollte, um anregend zu wirken – möglich. Im 21. Jahrhundert ist seine frohe Botschaft eine geradezu erschütternde Erinnerung, die als heilsames Kontrastprogramm nach vorne wirksam werden will. Dafür lässt Lukas nicht locker.

    Als geistliche Menschen leben

    Einführung

    „Das, was die Lebendigkeit, die Authentizität, die Verständlichkeit und die Glaubwürdigkeit des Christentums in unserer Zeit und in unserer Welt erneuern kann, ist eine Kultur des geistlichen Lebens", so Tomáš Halik,¹ Professor für Soziologie und Pfarrer der Akademischen Gemeinde Prag. Wieviel Wahres da dran ist, lässt gerade der Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen erfahrbar werden. Junge Menschen, die auf dem Sprung sind, in ihr eigenes Leben hineinzufinden, reagieren mit großem Interesse, wo immer Religion und Glaube so erschlossen werden, dass deutlich wird: Es geht ums echte Leben, um die tiefste Sehnsucht menschlicher Herzen, um persönliche Beziehung zu dem, was wir Gott nennen, und um Selbstwerdung, das heißt: ums lebenslange Hineinreifen in die schönste Variante unserer selbst, die Gott in uns angelegt hat. Damit ist keine privatisierende Innerlichkeit gemeint, sehr wohl aber das Abenteuer, die Verbundenheit mit Gott das alltägliche Leben durchdringen zu lassen.

    Genau das ist ja ursprünglich gemeint, wenn früheren Generationen sehr missverständlich verkündet wurde, Ziel menschlichen Lebens sei es, in den „Himmel zu kommen. „Himmel ist nicht „Jenseits, sondern Ausdruck der Transzendenz, der verborgenen Gegenwart des Göttlichen mitten im Leben und dann darüber hinaus. Deshalb besteht auch „Sünde nicht eigentlich darin, sich moralisch verfehlt zu haben, sondern der Verbundenheit mit Gott und unserer Selbstwerdung im Wege zu stehen. Jesus, in allem uns gleich außer der Sünde (Hebr 4,15), ließ Gott durch sein ganzes Leben hindurchstrahlen. Er lebte so transparent für Gott, dass Menschen ihn als „Sohn Gottes" bezeichnen konnten. Als geist licher Mensch zu leben, meint deshalb, in der Spur Jesu selber zu werden, was wir im Innersten sind: Töchter und Söhne Gottes.

    So verstanden wird deutlich, dass Christ-Sein kein zwanghafter Krampf moralisch angestrengter Anständigkeit ist und sich ebenso wenig darin erschöpft, Kirchengebote oder Sonntags „pflichten zu erfüllen. Stattdessen geht es darum, Christus ähnlich und also heilig, das heißt: „ganz und heil, zu werden. Der Christ, die Christin ist und soll sein ein „alter Christus", ein anderer Christus, so konnte es der Kirchenvater Cyprian auf den Punkt bringen – nicht als Gleichmacherei mit Jesus, sondern durch die eigene Persönlichkeit hindurch, mit den eigenen Talenten und in den individuellen (Aus-)prägungen der persönlichen Biografie. Das heißt aber auch: Alles muss mit auf diesen Weg der Wandlung: alle Lebenserfahrungen, alle Ängste, alle Verletzungen, alle inneren Widerstände.

    Spätestens an dieser Stelle könnte und müsste man zu Recht natürlich fragen: Wie soll denn das gehen, wo uns die Psychologie seit Sigmund Freud erklärt, wie viele Persönlichkeitsanteile unserem bewussten Zugriff entzogen sind? Fußt die angestrengte Moralverkündigung der letzten christlichen Jahrhunderte nicht auch auf der irrigen Vorstellung, wir könnten durch bloßen Willensentschluss und mit guten Vorsätzen bessere Menschen werden? Bereits der Apostel Paulus beklagte doch: „Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. (Röm 7,20) Welch ein psychisch „normal-gestörter Mensch, so könnte man im Anschluss an seine Worte fragen, will denn schon absichtlich und aus freien Stücken wirklich böse sein? Sind es, wenn man genau hinschaut, nicht eher Unglück, Verzweiflung, Ängste, innere Prägungen und tiefgreifende Muster …, die Menschen aus uns machen, die wir eigentlich gar nicht sein wollen?

    Stimmt, weiß die spirituelle Tradition des Christentums zu solchen Einwänden zu sagen: Wir können im geistlichen Leben von uns aus gar nichts bewirken. Die Wandlung, um die es geht, bewirkt Gottes Wirken in uns. Unsere Aufgabe liegt darin, ihm dabei möglichst wenig im Weg zu stehen. Was es braucht, ist unsere Offenheit, Gott an uns geschehen zu lassen. „Harmlos" ist das dennoch nicht, denn es geht um nicht weniger als ums Neugeboren-Werden, wie es Jesus im Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus formuliert (vgl. Joh 3,3).

    Wie aber „geht das nun konkret? Am intensivsten in der regelmäßigen Pflege von Stille und Meditation. Jesus rät seinen Jüngern, sich in ihre Kammer zurückzuziehen, wenn sie beten (vgl. Mt 6,6), denn der unmittelbare Raum göttlichen Wirkens liegt innen, in uns selbst. Deshalb braucht es „Zeit-Räume, sich dem Geist Gottes, der verwandelnd in uns wirkt, zu öffnen. Große und viele Worte gilt es dabei nicht zu machen, ganz im Gegenteil: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden, sagt Jesus (Mt 6,7). Es genügt, unsere Seelenlandschaft wie einen Acker still vor Gott auszubreiten, ihn zu bitten, nach uns zu schauen, und ihm wie einem behutsamen Gärtner zu erlauben, den Boden zu lockern, das Unkraut zu sammeln, seine Liebe auszusäen und die sprießenden Pflänzchen zu hüten und zu hegen. Er wird es tun. Und in uns reift seine Gegenwart – ganz so, wie Jesus es vom Sämann und der selbstwachsenden Saat beschrieben hatte: Es wird Tag und Nacht, „der Same geht auf und wächst – und er weiß nicht wie. (Mk 4,27)

    1Tomáš Halik, Die Zeit der leeren Kirchen, 199.

    Dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter.

    (Lk 21,28)

    Teil des Problems oder Teil der Lösung?

    Erster Adventssonntag: Lk 21, 25–28.34–46

    Der Advent jedes Lesejahres beginnt damit, uns apokalyptische Szenarien vor Augen zu führen. Gibt es nichts Wohltuenderes zu sagen in die vor uns liegenden Wochen? Krisen haben wir doch selbst bereits genug – so sehr, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache den Begriff „Krisenmodus" 2023 zum Wort des Jahres wählte. Sie begründete diese Entscheidung mit der Feststellung, der krisenhafte Ausnahmezustand sei inzwischen zum Dauerzustand geworden.

    Genau darin allerdings unterscheiden sich unsere Krisen von der, die die jüdische Apokalyptik beschreibt. Sie lässt nämlich keinen endlos furchtbaren Dauerzustand anklingen. Sie erzählt den Untergang des Alten als Sehnsucht nach dem Rettungshandeln Gottes, das in Wandlung und Neuwerden mündet. Deshalb besteht die Sinnspitze der Apokalyptik nicht darin, Angst zu verbreiten vor dem Ende der Welt, sondern die Hoffnung auf Gott groß zu halten und sich ihr hier und jetzt zur Verfügung zu stellen. Aus diesen Zusammenhängen gewinnt der Advent seinen Ernst und seine Tiefe, und das gilt auch für die Krisen unserer Zeit:

    Wir plündern die Erde aus als hätten wir eine zweite im Gepäck. Unser Wohlstand verursacht Hunger und Armut in vielen anderen Ländern. Die ungebremste Klimaerwärmung ruiniert die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Populisten befinden sich auf dem Vormarsch, und als Kirche verweigern wir uns den wirklichen Herausforderungen unserer Zeit, indem wir die besten Energien in internen Diskussionen verpuffen lassen, die seit 50 Jahren bereits dieselben sind.

    Wenn wir die Trauer zulassen, dass so viel guter Wille ins Leere läuft und so viele Chancen vertan werden, ahnen wir, aus welcher Tiefe die Bitten des Advents aufsteigen, Gott möge den Himmel aufreißen und herabkommen. Dann aber fühlen wir auch die Leidenschaft dieser Sehnsucht und die Größe der adventlichen Hoffnung. Sie reicht tiefer als die Bitte der Kinder, es möge nun endlich Weihnachten werden, tiefer auch als das Verlangen nach gemütlichen Stunden. Es geht im Advent um die Sehnsucht erwachsener Menschen, die sich nicht damit abfinden können und wollen, dass die Welt ist, wie sie ist.

    Jesus fordert dazu auf, sich aufzurichten, das Haupt zu erheben und wach zu sein; sich innerlich weder wegzubeamen noch stumpf mit dem Alltagsgeschäft zufriedenzugeben. Er will uns als aufmerksame Zeitgenossinnen und Zeitgenossen, die darum wissen, dass Gott nicht (nur) in den frommen Ecken des Lebens auf uns zukommt, sondern in der ganzen Wirklichkeit, die uns umgibt. In diesem Bewusstsein gilt es, die Krisen und die Traurigkeit, die Verwirrung und die Sehnsucht, die sie in unseren Herzen auslösen, als ein Hintreten vor den Menschensohn lesen zu lernen und zu begreifen: Krise ist nicht Untergang, sondern – apokalyptisch im besten Sinne – der Aufruf zu einer Entscheidung. Gottes Kommen kommt auch als Frage auf uns zu, und sie lautet: Wie will ich am Ende gelebt haben, um nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung gewesen zu sein?

    Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes.

    (Lk 3,2)

    Wenn Gott geschehen darf

    Zweiter Adventssonntag: Lk 3,1–6

    Der Evangelist Lukas lässt die Vorgeschichte des öffentlichen Wirkens Jesu mit einem Paukenschlag beginnen: Er präsentiert die politischen und religiösen Größen seiner Zeit in der Absicht, sie mit einem einzigen Verb direkt wieder von der Bühne zu fegen. „Egeneto heißt es und versteckt sich hinter der deutschen Übersetzung „Da erging in der Wüste das Wort Gottes. Wörtlicher müsste es heißen: „Da geschah in der Wüste das Wort Gottes".

    Für die bibelkundigen Leserinnen und Leser des Lukas korrespondiert „egeneto mit dem hebräischen Verb „wajehi zu Beginn des Schöpfungsberichts und assoziiert: Jetzt geht Gott selbst ans Werk. Jetzt tritt etwas ins Leben, das man nicht selber machen kann; etwas, das man geschehen lassen muss, dem man sich höchstens öffnen kann, um ihm möglichst wenig im Wege zu stehen. Deshalb sind die vermeintlich großen Größen aus Politik und Religion überhaupt nicht von Belang, meint Lukas. Was wirklich wichtig ist, geschieht, wenn Gott geschehen darf. Für diesen Perspektivwechsel steht Johannes der Täufer und seine „Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden".

    Wir sind es gewohnt, den Begriff „Sünde" mit moralischen Verfehlungen zu assoziieren. Die Bibel definiert die Sünde sehr viel tiefer als den menschlichen Hang, nicht Gott geschehen zu lassen, sondern das Leben lieber in die eigene Hand zu nehmen. Als treibendes Grundgefühl identifiziert sie in der symbolischen Erzählung vom Sündenfall Misstrauen und Angst. Angst hat viele Gesichter, doch ihr letztes ist hinter jeder Angst die Fratze des Todes, die Angst, zugrunde zu gehen. Angst giert deshalb nach Macht und Kontrolle. Sie verleitet uns, eng und knauserig zu denken, Mauern zu errichten und

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