Über dieses E-Book
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Titel in dieser Serie (5)
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Rezensionen für Entfechtung
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Buchvorschau
Entfechtung - Jutta Hinzmann
Entflechtung
Oder Eine verschlungene Seele
Inhaltsverzeichnis
Dritte Buch
Der Weg in die Hölle
Die Chirurgie
Ein neues Heim
Bourn-Out
Impressum
Text: Jutta Hinzmann Umschlag : Copyrights by Jutta Hinzmann Verlag: Jutta Hinzmann Waldweg 44 19258 Besitz Druck: epubli ein Service der neopubli GmbH Berlin Prindt in Germany
Expose`
Judith heiratet ein drittes Mal. Sie sagt, sie fühlt keine Schmerlinge im Bauch, als ahnt sie schon, dass auch Heinrich Krause Unheil bringt.
Judith will endlich mit ihren Kindern eine normale Familie sein, aus dem Glückstopf naschen, ein bisschen nur. Ist das Glück für sie unerreichbar? Sie hadert mit sich. Wer nimmt sie schon mit vier Kindern? Muss sie deshalb Schmetterlinge im Bauch fühlen? Judith heiratet letztendlich Heinrich Krause. In Gedanken formt sie sich den Heinrich zu recht. Die Töchter raten ihr davon ab, aber halten sie nicht.
Drittes Buch
Wieder einmal bin ich davongelaufen und sitze nun auf dem langen dunklen Flur des Sozialgebäudes der Stadt Schwerin. Neben mich sitzend halte ich die beiden jüngsten Kinder fest. Hatte ich hier nicht vor allzu langer Zeit schon einmal gesessen? Ja! Damals suchte ich eine Arbeitsstelle in der Stadt. Heut ist der Grund meines Daseins ein ganz anderer. Am Abend zu vor bei meiner Freundin, hatten wir über meine Zukunft gesprochen. Zukunft? Gibt es überhaupt eine Zukunft für meine Kinder und mich? „Und lass dich nicht abwimmeln. Die müssen dir helfen. Der Pfander muss raus aus dem Haus. Ich kann mir nicht vorstellen, Hilfe in meiner Lage vom Staat erwarten zu können. Wo der Staat meinen Mann nicht einmal ins Gefängnis steckt. Er hätte mich totschlagen können, erst dann wäre wahrscheinlich eine Reaktion zu erwarten gewesen. Ohne die geringste Ahnung wie Hilfe vom Staat aussehen soll, bin ich hierhergeeilt. Vom Bahnhof gehen wir zu Fuß in die Wismarsche Straße bis zur Ecke Wielhelm-Pick Straße. Dort befindet sich ein riesig großer grauer Bau, das ist mein Ziel. Roswitha hat mir idiotensicher genau erklärt, wie ich gehen muss, ohne mein Ziel zu verfehlen. Unten in der Anmeldung weiß die Dame zunächst nicht, welcher Abteilung sie meinem Problem zuordnen soll. Es folgt ein Telefonat nach dem anderem, wobei die genervte Dame nicht gerade freundlich zu mir hinschaut. Endlich legt sie den Hörer auf. „Melden sie sich oben Zimmer so und so. Ist ganz unter dem Dach.
„Danke, nehme meine beiden Jungen und gehe die Treppen nach oben. Nun warten wir hier bereits zwei Stunden. Die Kinder haben Durst und Hunger. „Was wollen wir hier, Mama. Ich will nach Haus, Mama. Komm Mama, lass uns gehen, hier ist doof.
Sohn Thomas versteht den Grund unseres Daseins hier kaum, der kleine Andreas noch weniger. „Wir können gleich wieder gehen, tröste ich die Beiden. Schlecht gelogen. Endlich öffnet sich einer der vielen Türen und mein Nachname klingt über den Flur. Thomas zupft an meinen Sachen, „Komm Mutti, du wirst gerufen.
Das Gefühl, keine Luft zu bekommen, nimmt mir die Worte. Herzrasen folgt, weiche Knie und bums ich liege auf der Nase. Ich kenne diese Zustände zur Genüge. In letzter Zeit ereilt mich das auf der Nase liegen immer häufiger. Schnell stehe ich auf den Beinen. Die Kinder vor mir her schubsend, betreten wir das Zimmer. „Die Kinder gehen dort rein und sie setzen sich hier hin. Im gleichen Augenblick erscheint eine weitere Dame und nimmt wortlos meine beiden Jungen mit ins angrenzende Zimmer. „Wieso dürfen meine Kinder nicht bei mir bleiben?
In meiner Stimme schwingt Entrüstung mit. „Das hat schon seinen Sinn. Setzen sie sich. Geht gleich los. Endlich nach langem Suchen von irgendwelchen Unterlagen schaut die Frau mich an. Dass dicke SED Bonbon prangt an ihrer Brust. Na wie toll, da hat man mich an die richtige Person verwiesen. „Seltmann mein Name, erst einmal guten Tag.
Frau Seltmann reichte mir die Hand. „Pfander, gebe ich zur Antwort. „Geht es jetzt wieder? Dann erzählen sie mal, warum sie hier sind.
Ich schlucke und schlucke. Der Hals ist wie zu geschnürt. Bloß nicht heulen denke ich. Nachdem ich die aufkommenden Tränen bekämpft habe, beginne ich von meinen Sorgen und Nöten zu berichten. Frau Seltmann notiert sich einiges und unterbricht mich nicht. Meine Schilderung der letzten Jahre scheinen sie wenig zu berühren. Mal schaut sie mich an mal schüttelt sie den Kopf. Dann wieder schreibt sie eifrig. Nebenan höre ich meine Kinder und ab und an die Stimme einer Frau. Ich blicke automatisch zur Tür. „Sie kriegen ihre Kinder wieder, keine Sorge Frau Pfander. Ist das alles, was sie zu sagen haben? Haben sie vielleicht ihren Ehemann zu sehr gereizt oder sind sie gar eine neue Beziehung eingegangen? Denn so ohne weiteres rastet doch kein Mann aus! Und einer allein ist nie schuld. Wahrscheinlich, ich bin der Schuldige. Mein Nervenkostüm droht zu zerspringen. Und damit es nicht dazu kommt, lasse ich Dampf ab. Fast heulend erkläre ich dieser oberschlauen Frau wie es sich anfühlt, wenn man vergewaltigt wird. Wie mir zumute ist, wenn mein Mann seine unbändige Wut an mir auslässt. Wie es sich anfühlt, wenn ich ständig geschlagen werde, ständig beschimpft werde. Wie oft meine Mädchen mich vor den Exzessen meines Mannes bewahren mussten. Ich hole tief Luft und schaue nun auf Frau Seltmann. Die sagt nichts mehr. Erstarrt zur Marmorsäule guckt sie mich entsetzt an. Mir geht es besser nach diesem Redeschwall. „Ja Frau Pfander das ist so. Ihren Kindern können wir helfen. Sofort erhalten sie jeglichen erdenklichen Schutz. Auch für ihre beiden Mädchen können wir etwas tun. Sie aber müssen selbst dafür sorgen, dass sie mit ihrem Mann klarkommen. Ihre Kinder können in einem Kinderheim aufgenommen werden. Kein Problem, aber sie? Es tut mir leid, sie haben ihr Haus…. Wie gesagt, helfen sie sich selbst.
Jetzt bin ich es, die wie ein Plötz in die Welt schaut. Ich glaube noch einmal nachfragen zu müssen, ob ich alles richtig verstanden habe. „Sie wollen mir zu verstehen geben, dass der Staat meinen Kindern Schutz anbietet, aber mir nicht. Mich kann demzufolge mein Ehemann totschlagen, ja? Habe ich recht? Ist das ein schlechter Scherz von ihnen? Haben sie mir nicht zugehört? Was muss noch geschehen, bis meine Hilferufe Gehör finden? „Aber nicht so. Was können wir dafür, wenn ihr Mann trinkt. Wie gesagt, die Kinder können sofort in ein Kinderheim. Wir wollen nicht, dass den Kindern schlechtes geschieht. Nein absolut nicht. Sie warten hier und ich kümmere mich um vier Heimplätze.
Heimplätze für meine Kinder? Wie tief soll noch sinken. Bin ich nicht bereits am Abgrund angelangt? Schnell erkläre ich Frau Seltmann, dass meine beiden Mädchen vorläufig beim leiblichen Vater wohnen werden. Zum nächsten Schuljahr sind beide Mädchen bereits in einer Schweriner Schule angemeldet. „Ach nee, sie sind schon einmal geschieden? Was sind sie nur für eine Frau. Na, ja geht mich nichts an. Sie bleiben hier sitzen, bin gleich zurück. Frau Seltmann spricht aus, was andere nur denken. Bereits einmal geschieden und die zweite Ehe ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Ich bin ein schlechter Mensch und habe Unglück über meine Kinder gebracht. Da gehöre ich nicht in unseren sozialistischen Staat, nein ich nicht. Was mich bewegt, was mich schmerzt, will kein Mensch wissen. Das ich meine Kinder vor Alkoholkonsum schützen wollte, steht nicht zur Debatte. Ich funktioniere nicht so, wie es von einem normalen Durchschnittsmenschen der DDR erwartet wird. Im Augenblick stört mich das weniger. Zunächst will ich meine Kinder in Sicherheit wissen. Und dann, dann werde ich mich wehren. Die Dame von nebenan bringt mir meine Kinder wieder. Beide halten eine Zuckerstange in der Hand. „Thomy, was hat die Tante mit euch gemacht?
Thomas zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht, sie hat nach Papa gefragt und uns eine Zuckerstange gegeben. Hier, lutsch mal schmeckt gut. Kinder im Alter von drei und fünf Jahren ausfragen, wo leben wir nur? Glaubt man mir nicht? Ich werde nachfragen, wenn Frau Seltmann zurück ist. Wo eigentlich bin ich hier gelandet? Neugierig schaue ich mich um. Außer Honecker und ein altes fast verblichenes Bild von Walter Ulbricht und der lebt nicht mehr, deutet nichts darauf hin in welcher Abteilung ich mich befinde. Schnell stehe ich auf und gehe zur Tür. Von draußen steht geschrieben: Kinder und Jugendschutz. So also, nun begreife ich, warum man mir keine Hilfe zukommen lassen kann. Ich bin bereits erwachsen. Mir fehlt die Kraft zum Denken. Ich setzte mich zurück an den Tisch und warte auf das was da kommen soll. Endlich erscheint Frau Seltmann. „Sie können mit ihren Kindern ins Kinderheim am Zippendorfer Strand fahren. Man erwartet sie bereits. Erst einmal nehmen wir ihre Kinder auf. Versuchen sie ihr Leben wieder in die Reihe zu bekommen. Und verzeihen sie mir vorhin meine ungerechten Worte. Nehmen sie sich einen Rechtsanwalt. Klagen sie ihren Mann aus dem Haus raus. Viel Glück.
Und wieder ereilen mich die Tränen, kaum dass ich an mich halten kann. Ich nehme meine beiden Kinder und fahr mit der Bahn in Richtung Zippendorfer. Unterwegs versuche ich ihnen zu erklären, dass sie nun dort auch schlafen müssen. Wie schön es dort sei. Da wären viele andere Kinder und ich würde sie so bald wie möglich wieder nach Haus holen. Kein Wort über den Papa. Warum auch. Sie würden es nicht verstehen. Es schmerzt zu tiefst als ich beide Kinder abgebe. Andreas will nicht bleiben, er weint und schreit mir nach. Warum nur so ein Leid, warum? Wie ich es auch drehe, letztendlich sind stets die Kinder die leidtragenden. Irgendwie komm ich aus dem Haus raus und stehe nun am Strand von Zippendorf. Es rauscht in meinen Ohren und wie ein Film läuft das Leben an mir vorbei. Schuld? Ich bin schuld, wie immer in diesem so verkackten Leben. Mein nächstes Ziel heißt Sterilisation Eigentlich habe ich Frühdienst. Keiner weiß dort, warum ich heute nicht zur Arbeit erschienen bin. Zeit meines Lebens war ich stets ein pünktlicher Mensch und blieb der Arbeit nie unerlaubt fern. Ja und wo schlafe ich heute? Wie soll es weitergehen? Ich habe keine Sachen. Meine Schulsachen für mein Studium, Bekleidung für mich? Alles liegt in Daame. Wir haben alles liegen lassen. Nur die Mädchen haben so nach und nach ihre Klamotten mit zum Papa genommen. Es gibt kein Zurück, aber auch kein Vorwärts. Frau Mazaren aus der Sterilisation hört sich meine Entschuldigung an. „Für heute nehmen sie einen Tag Urlaub. Mehr sagt meine Chefin nicht. Zwischen uns stimmt vom ersten Tag an die Chemie nicht. Nun gut damit kann ich leben. Wende mich ihr ab und gehe zur Verwaltung. Irgendwie und irgendwo muss ich einen Platz zum Schlafen finden. Das Krankenhaus verfügt über ein Schwesternheim. Vielleicht bekomme ich dort fürs erste ein Bett, bloß ein Zimmer für mich allein. Ein unzumutbarer Wunsch meinerseits. Doch es kommt viel schlimmer. „Das Heim ist nur für Krankenschwestern, welche einen weiten Anreiseweg haben und für unsere Studentinnen.
„Ja und wo soll ich nun schlafen? Ein Hotel kann ich mir nicht leisten. Und so lange mein Mann in Daame lebt, kann ich dort nicht wohnen. Das ist dann mein sicherer Tod. Die Abteilungsleiterin für Abteilung Ausbildung zuckt mit den Schultern, „Da kann ich ihnen nicht weiterhelfen. Tut mir leid.
Ja und nun. Ich koche vor Wut. Zum ersten Mal in meinem Leben verfluche ich den Staat. Ich, die nicht zum Alkoholiker wurde und nur vernünftig leben wollte, ich werde von allen Seiten her bestraft. Wenn ich aber bummele, nicht zur Arbeit erscheine, trinke und rauche, ja dann werde ich mit Hilfe des Staates wieder in die richtige Bahn gebracht. Es gibt Kuren, es gibt Psychologen, Medikamente, ach der Arme, dem muss man ja helfen. Und
