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Keine Panik vor dem Alter(n): Zu jung, um alt zu sein
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eBook321 Seiten3 Stunden

Keine Panik vor dem Alter(n): Zu jung, um alt zu sein

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Über dieses E-Book

"Hallo, Alter!"

Hilfe, wir werden älter! Kein Grund zur Panik, denn mit der richtigen Einstellung lässt sich der wachsenden Zahl an Kerzen auf der Geburtstagstorte mit Gelassenheit und Optimismus begegnen. Wer sich nicht gegen das Älterwerden wehrt, sein Leben aktiv gestaltet und auch mit zunehmendem Alter fit und mobil bleibt, erhält seine Jugendlichkeit weit über das biologische Alter hinaus.
Wolfram Pirchner erzählt von seinem eigenen Umgang mit dem Thema Alter(n) und befragt zahlreiche prominente Gesprächspartner wie Erni Mangold, Lotte Tobisch, Felix Dvorak, Bernhard Aichner oder Mona Seefried zu ihren persönlichen Erfahrungen. Und er bietet zahlreiche praktische Tipps, wie man auch im fortgeschrittenen biologischen Reifezustand seine Zeit genießen und lebenswert gestalten kann. Denn letztendlich geht es nur um eines: glücklich zu sein – in jedem Alter.
SpracheDeutsch
HerausgeberAmalthea Signum Verlag
Erscheinungsdatum16. Apr. 2018
ISBN9783903217102
Keine Panik vor dem Alter(n): Zu jung, um alt zu sein

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    Buchvorschau

    Keine Panik vor dem Alter(n) - Wolfram Pirchner

    ANSTATT EINES VORWORTS

    Ob Verwandte, Freunde, Bekannte, fast nie hat einer gesagt: »Sei mutig, ich vertrau dir!« Es hat auch keiner gesagt: »Scheiß drauf, was die anderen sagen. Denk dir einfach dein 80-jähriges Ich, das aufs Leben zurückblickt: Was hättest du gern getan als junger Mensch? Was waren deine Träume? Und dann mach einfach, und lass dich davon von niemandem abbringen. Denn du bist nach der Schule so frei wie nie wieder in deinem Leben.«

    Stattdessen haben einem alle eingeredet, man sollte erst einmal »etwas Sicheres« machen. Aber so entsteht nichts.¹

    PS: Vielleicht frage ich mich nicht nur mit 40, sondern mit 50, mit 60, mit 70, mit 80, mit 90: »Warum habe ich es (damals) nicht wenigstens versucht?«

    SEID LIEB!

    »Lange habe ich gezögert, ›mein Buch‹ zu schreiben.« Mit diesem Satz beginne ich mein erstes Buch Nur keine Panik, das 2014 erschienen ist. Es ging um meine Panikattacken und die Bewältigung derselben. Und dann kommt noch ein Satz, der mir im Nachhinein auffällt: »Ich habe in keiner Lebenslage mehr Panik.« Das stimmt nicht ganz. Hin und wieder habe ich leichte Panik, auch Panikattacken. Aber ich gehe gut damit um.

    Seit einigen Monaten habe ich so etwas wie eine Altersbetrübtheit, eine leichte Form der Altersskepsis, keine Panik. Nicht wenn ich an den unvermeidlichen Prozess des Älterwerdens denke, ich habe ungute Gefühle und verspüre eine schwermütige Melancholie, wenn ich an die Endlichkeit meines Seins denke. Ich denke vermehrt über meine Restlaufzeit nach. Was wird (noch) alles daherkommen? Wohin wird der Weg gehen? Mit wem werde ich ihn gehen? Wer werden die Gefährtinnen und Gefährten sein, mit denen ich die kostbare verbleibende Zeit teilen werde? Es ist beunruhigend, wenn ich mir überlege, dass ich nicht mehr so viel Zeit habe, wie ich schon verbraucht oder gebraucht habe. Verlebt oder gelebt, egal, wie man dazu sagt … Erleichterung macht sich bisweilen durch die beruhigende Gewissheit breit, dass ich sicher mehr gelebt als verlebt habe. Eine liebe Freundin sagte unlängst zu mir: »Du hast privat, beruflich – in allen Lebenslagen – bereits drei oder vier Leben gelebt.« Zum Teil hat sie sicher recht. Ich hatte bisher ein intensives Leben mit vielen Höhen und Tiefen. Ein Leben, in dem die Sinuskurve stark ausgeschlagen hat und es immer noch tut. Nach oben und nach unten. Gott sei Dank! Einmal habe ich in einem meiner Bücher geschrieben, dass ich die Amplituden der Sinuskurve gerne abfedere, also ungern himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt bin. Bei genauer Betrachtung stimmt das jedoch nicht. Fest steht, dass die sogenannte Mitte, das Mittig-Sein, das viele anstreben, das »Ommmmmm-Gefühl«, für mich eher nichts ist. Außer wenn ich in diesen Zustand willentlich gerate, mittels Meditation, dann schon. Aber das mache ich nicht allzu oft, weil ich viel zu intensiv im Hier und Jetzt verwurzelt bin.

    Hin und wieder gerate ich also in den Zustand hektischen Denkens, wenn ich mir überlege, was ich noch alles für mich und wenige andere, die in meinem Herzen sind, bewegen möchte auf diesem Planeten. Welche Menschen ich möglicherweise näher kennenlernen will, welche Länder darauf warten, von mir bereist zu werden, mit welchen Menschen ich noch die eine oder andere Baustelle ausräumen möchte, die sich durch Vertrauensbrüche, mangelnde Ehrlichkeit und Grenzüberschreitungen aufgetan hat. Bei solchen Worten und Bildern im Kopf (meinen Gedanken) macht sich gelegentlich eine gewisse Schwermut breit, eine womöglich sinnlos anmutende Gefühlsregung, die zu keinem konstruktiven Ergebnis führt. Im Hintergrund höre ich jahreszeitlich passend (was das Verfassen dieses Vorwortes betrifft) das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Anrührend, beinahe fesselnd dirigiert von einem ganz Großen: Nikolaus Harnoncourt. Der Professor hat meinem Empfinden nach immer schon einen Tick schneller und dynamischer dirigiert als viele seiner wertgeschätzten Künstlerkollegen. Nicht ganz Karajan, aber fast. Sehr schön. Ich mag diese leichte Getriebenheit nicht nur in der Musik – sie erinnert mich an mein Leben. Aber ich sollte eigentlich ein Buch über »keine Panik vor dem Alter(n)« schreiben und nicht in ebendiese hineinkippen. Bitte verzeih!

    Apropos: Ist es in Ordnung für dich, wenn ich auch in diesem Buch wieder die Du-Anrede verwende? Bist du einverstanden, dass wir diese Form der Kommunikation beibehalten? Und ist es o.k. für dich, wenn ich zwecks Einfachheit wieder die weibliche Form der Anrede verwende? Erstens weil mehr Frauen meine Bücher lesen (sagt man mir hin und wieder), und zweitens weil es mir sehr angenehm ist. Ich bin ein vorbildlicher Genderer, das weißt du vielleicht, wenn du meine oder eines meiner Bücher gelesen hast. Danke, dass du mich verstehst. Was dieses angebotene, dieses wertschätzend gemeinte, aber doch aufgezwungene Duzen betrifft, fällt mir mein kleiner Trick ein, den ich bei Vorträgen anwende. Um gleich zu Beginn eine persönliche Atmosphäre zu schaffen, stelle ich mich als Erstes mit Namen vor. Daraufhin lachen einige Zuhörerinnen. Sie amüsieren sich, weil sie der Meinung sind, dass sich der ehemalige Fernsehmoderator nicht vorzustellen braucht. »Wir wissen eh, wer Sie san, Herr Pircher!« Ich sage darauf, dass ich zu Hause gelernt hätte, mich vorzustellen. Um dann hinzuzufügen, dass aber nicht alles, was man zu Hause lernt, gut fürs Leben ist … Dann biete ich das Du-Wort an, weil ich auch sehr persönliche Dinge über mich erzähle. Ich weise aber darauf hin, dass, wenn nur eine oder einer dagegen ist, ich natürlich niemanden duzen würde. Bis jetzt war erfreulicherweise noch niemand dagegen. Lustig ist, dass mich nach dem Vortrag, beim Signieren meiner Bücher, einige Damen und Herren fragen: »Müssen wir jetzt wieder Sie zu dir sagen?« Natürlich müssen sie nicht.

    Also: Wir duzen uns. Vielleicht zum Leidwesen der von mir sehr geschätzten und gemochten Amalthea-Verlagsdamen, die dann höflich anmerken: »Ist das nicht möglicherweise zu privat, was meinen Sie?« Keine Angst, ich verrate keine Details über meine zweifellos vorhandenen dunklen Seiten (Geheimnisse müssen und dürfen wir doch alle haben, nicht?). Nur so viel: Sie werden weniger, und das hat einiges mit Selbsterfahrung, Selbstakzeptanz und auch Selbstliebe zu tun. »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« heißt es in der Bibel (Matthäus 22,39). Da würden manche schön aus der Wäsche schauen. Von der Selbstliebe bin ich noch weit entfernt. Ich mag mich ganz gern und werde mir in langsamen Schritten auch etwas sympathischer, aber es ist ein mühevoller, beschwerlicher Weg, der viel mit Veränderung zu tun hat.

    Und es geht – auch wenn ich das früher fallweise gerne spöttisch kommentiert habe – im Leben um Liebe. Und nur darum. Es geht um die selbstlose, verzeihende, hingewandte Liebe, die bereit sein muss, Schranken zu überwinden und Verfehlungen zu verzeihen. Bedingungslos. Liebe hat nichts mit jenem Zustand zu tun, in dem ich etwas beweisen muss. In dem ich Liebe vorgaukle und vor allem den anderen zeige: »Schaut her, da gibt es jemanden, der mich liebt!« Tut sie beziehungsweise er das tatsächlich? Wie viel ist diese Liebe bereit zu geben oder geht es mehr ums Nehmen? »Liebe« hat auch viel mit »Nicht-allein-sein-Können« zu tun. Ich habe Menschen kennengelernt, die alleine nicht überlebensfähig sind. Die allein gelassen wie aufgescheuchte Küken durch die Gegend stolpern, angsterfüllt, fahrig, unsicher, fast ferngesteuert. Kaum ist dann jemand da (»Ja, ich liebe dich aus ganzem Herzen!«), der sie oder ihn hält, stützt, führt, leitet … und vor allen Dingen finanziert, geht es diesen bedauernswerten Geschöpfen vermeintlich gut. Ein Trugschluss? Wie wird das (Lebens-) Spiel ausgehen? Egal. Nicht meine Sache. Gott sei Dank. Es geht um Liebe. Seid lieb! So lautet ein oft wiederkehrender Satz im fantastischen Buch Gott bewahre meines Lieblingsautors John Niven. Es geht um Liebe, um die bedingungslose, verzeihende Liebe. Nicht nur in Nivens Buch. Das ist ein wunderschönes Lebensmotto, finde ich. »Seid lieb!« Zu den anderen und vor allem zu euch.

    »Seid lieb!« Zu den anderen und vor allem zu euch.

    60 IST DAS NEUE 40?

    Jetzt schreibt er also ein Buch über das Altern. Beziehungsweise über die mögliche Panik davor. Ja, liebe Leserin, das tut er, und danke, dass du wieder ein Buch von mir gekauft hast. Das mittlerweile vierte. Und danke für die vielen Zuschriften, Karten, Briefe und E-Mails, die ich dankbar gelesen habe, auch mit Stolz, weil ich offensichtlich etwas berühre und bewege.

    Warum also ein Buch über das Thema Altern und die Angst, ja sogar Panik davor? Unter anderem, weil ich dieser Tage meinen 60. Geburtstag (nicht) feiere und damit in den erlauchten Kreis der – das hängt jetzt von der Definition ab – Älteren, der Alten, der »Silver Generation« (das ist ein charmanter Blödsinn, da gehöre ich schon seit 20 Jahren dazu) aufgenommen werde. »60 ist das neue 40«, las ich unlängst wieder. Feststellungen wie diese lassen mich elektrisiert auffahren. Genau dieser Satz hat mich auf die Idee gebracht, dieses Buch zu schreiben. 60 ist das neue 40? Was für ein unfassbarer Schwachsinn. Warum soll/muss ich mich mit 60 wie 40 fühlen? Warum dieses, mir krankhaft erscheinende, Streben nach einer nie mehr wiederkehrenden Juvenilität, warum dieses andauernde Betonen, wie jung und fit wir nicht wären und uns demnach auch fühlten. Nur keine Schwächen zeigen! Nur nicht zugeben, dass wir auch müde, schwach, faul oder träge sind und uns kränklich fühlen! Das gehört doch zum Leben dazu. Übrigens habe ich mich auch als Kind und Jugendlicher manchmal schwach gefühlt. Vor allem als Pubertierender war ich sehr träge. Das lag aber vermutlich bis sicher an meiner Lebensführung, wenn du verstehst … da geht es fast allen Leidensgenossinnen gleich.

    Ich möchte gerne wissen, ob sich alle Mitmenschen derart jung und fit fühlen, wie sie es tagtäglich behaupten. Warum tut man das? Warum kann ich mich nicht einfach den Gegebenheiten des Dahin-Reifens, des Alterns angleichen? Und mich mit ihnen abfinden? Ja, sie akzeptieren. Etwas anderes bleibt uns doch gar nicht übrig, oder? Wir sollten akzeptieren, annehmen, dass wir endliche Wesen sind. Vom ersten bewussten Atemzug bis zu unserem letzten. Und der letzte Schnaufer wird garantiert kommen. Die Frage ist nicht das Ob, es geht um das Wann, und auch und vor allem um das Wie, wenn man egoistisch denkt. Ich bin überzeugt davon, dass wir ein vorbestimmtes Ablaufdatum haben. Von irgendeiner höheren Macht gelenkt, bestimmt, festgelegt. Wann auch immer dieser Moment kommen wird, ein wenig fürchte ich mich davor, aber nicht vor dem Sterben an sich, sondern vor der Art und Weise. Wird es schmerzvoll sein, mühsam, von Krankheit und Leiden geplagt? Werde ich alleine sterben? Wird jemand an meiner Seite sein? Und wer soll das sein? Die ehemals geliebten Exfrauen? Nein, eher nicht. Die Kinder? Ich weiß nicht so recht. Wie wird das Loslassen funktionieren? Werden mich, so ich geistig dazu noch in der Lage bin, Gedanken quälen wie »Das hättest du noch machen sollen« oder »Das hättest du keinesfalls tun sollen!«, »Diesen Menschen hättest du mehr lieben sollen«, »Du hättest zärtlicher und zugänglicher sein sollen«? Was wird auf uns zukommen? Bei näherer Betrachtung handelt es sich hierbei um eher sinnloses Gedankengut.

    Der Moment des Abschieds wird bei der einen früher, viel zu früh fallweise, bei der anderen später kommen. Da nützt die ganze Diskussion rund um das Durchschnittsalter der Österreicherin, des Österreichers leider gar nichts. Die Lebenserwartung in 35 Industriestaaten dürfte bis 2030 generell weiter steigen. Auch in Österreich wird es einen Anstieg geben – auf 81,40 Jahre bei Männern und 86,22 Jahre bei Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in der Fachzeitschrift The Lancet. Den größten Anstieg, auf eine Lebenserwartung von über 90 Jahren, können Frauen in Südkorea erwarten. »Bis zur Jahrhundertwende haben viele Wissenschaftler geglaubt, dass die Lebenserwartung niemals die 90 Jahre übersteigen wird. Unsere Vorhersagen einer steigenden Lebenserwartung beleuchten unsere Erfolge für die öffentliche Gesundheit und die Gesundheitsversorgung«, sagte Studienautor Majid Ezzati vom Imperial College in London.²

    Ich habe vor Kurzem einen Spruch gelesen: »Ich bin nicht 60. Ich bin 18 mit 42 Jahren Erfahrung.« Teilweise stimmt das: Der Geist bleibt jung, meistens, wenn man von Krankheiten verschont bleibt (die Dankbarkeit dafür dürfte sich durchaus verbreiten), und der Körper, die Hülle, die uns zusammenhält, altert. Völlig normal, und niemand bleibt davon verschont. Der biologische Reifezustand, wie ich gerne sage. Aber die Realität ist: 60 ist 60 und 40 ist 40. Das kann man sich ausrechnen oder gerne auch nachschauen, in der Geburtsurkunde.

    Warum also dieser Wahn, sich jünger machen zu wollen? Ich weiß, dass sich viele Menschen jünger fühlen als ihr Umfeld, egal ob sie 40, 50, 60 oder 70 sind. Wenn ich meinen Ex-Schwiegervater Stefan anschaue … der gute Mann ist mit bald 90 noch ein Hammer. Er selbst fühlt sich jung – na ja, jung, aber vital, wissbegierig, neugierig und körperlich und geistig hochaktiv. Der Vergleich mit unseren Eltern gibt uns recht. Meine waren mit 60 viel älter, als ich es heute bin. Optisch und von der Einstellung her. Ich führe ein anderes Leben als die Generationen vor mir, ich fühle mich nicht gebrechlich (außer ich stürze auf nicht gestreuten Innenhöfen und breche mir die Haxen), ich bemühe mich, meine Gesundheit zu erhalten, meine Mobilität, meine Fitness – aber ich bin 60. Und das ist gut so. Ich kenne 30- und 40-Jährige, die älter sind. Bei denen es körperlich und von der Vision beziehungsweise deren Umsetzung her relativ traurig ausschaut. Wer aktiv ist, ist noch lange nicht am Ende.

    Wer aktiv ist, ist noch lange nicht am Ende.

    Ja, die Ablaufuhr tickt – doppelt so lange wie bis jetzt werde ich garantiert nicht mehr leben, aber warum verknüpft man mit dem Ableben immer etwas Schreckliches? Wir alle haben ein Ablaufdatum, manchmal scheint mir, dass das nicht allen bewusst ist. Das Thema Tod wird beiseitegeschoben, es wird verdrängt. Faktum ist: Wir alle werden sterben. Das ist so sicher wie das Amen im Gebet. Wie wir freilich auf diesen Tag zugehen, das liegt bei uns. Die Grundeinstellung, die Bereitschaft zur Selbstannahme, zur Selbstversöhnung, der Wille, Baustellen im Leben auszuräumen, sie zu erledigen, sie abzuhaken und vor allem rechtzeitig für uns vorzusorgen, in welcher Form auch immer – das alles liegt bei uns. Körperliche Vorsorge, finanzielle Vorsorge, rechtliche Vorsorge, Maßnahmen zu ergreifen, geistige und geistliche Vorkehrungen zu treffen – all das kann von uns geplant und realisiert werden, solange wir in der psychischen und physischen Verfassung sind. Tun wir es, solange wir dazu in der Lage sind und nur wir die Regisseure unseres Lebens sind. Lassen wir uns nicht ein Leben lang von den anderen vorschreiben, was wir zu tun hätten! Werfen wir – zumindest – einen Teil unserer Ängste und Bedenken über Bord. Wir werden es uns selbst danken!

    Auf Aussagen oder Reaktionen wie »Du redest dich leicht« oder »Du schreibst dich leicht« reagiere ich mittlerweile gelassen. Leicht? Leicht war in meinem Leben gar nichts. Es ist durch verschiedene Reparaturen, Umarbeitungen, Wandlungen leichter geworden. Unbeschwerter. Verträglicher und irgendwie schwereloser ist es geworden, seitdem ich keine wie immer gewünschte oder geartete Rolle mehr spiele und seitdem ich vermehrt zu meinen Gunsten agiere. Nicht nur zu meinen Vorteilen, selbstverständlich nicht, aber ich bin der wichtigste Mensch in diesem Dasein und ich werde in meinem Leben erfreulicherweise immer wichtiger. Vor allem jetzt im Alter. Und das ist schön! Aber leicht? Ich war am Rande des Aufgebens. Ich wollte nicht mehr beziehungsweise ich konnte nicht mehr. Konnte nicht? Wer von uns stand auf dem Brückengeländer? Ich. Gott sei Dank habe ich es auf der richtigen Seite wieder verlassen. Aufgrund meines veränderten Denkens, meiner korrigierten Einstellung mir selbst gegenüber. Aufgrund der Versöhnung mit mir, des Annehmens meiner guten und auch meiner dunklen Seiten. Wenn du zur eigenen Veränderung bereit bist, wird es mit Sicherheit schmerzhaft und mühsam. Vor allem die Folgen, die du dir in deinen kühnsten (Alb)träumen nicht ausmalen kannst. Es ist schmerzlich, beschwerlich, traurig, beklemmend. Du wirst möglicherweise das Gefühl haben, dass die vielen Steine und Felsbrocken auf deinem Weg unüberwindlich sind. Eine Neuerung in deinem Leben wird ohne Schmerz(en) nicht möglich sein. Veränderung tut prinzipiell mehr oder weniger weh und muss meiner Meinung nach auch wehtun. Aber: Das Ausräumen der Hindernisse, der Umgang damit, wird zu deiner persönlichen Reform, deiner Neugestaltung beitragen.

    Eine Neuerung in deinem Leben wird ohne Schmerz(en) nicht möglich sein.

    Ich wünsche uns aus ganzem Herzen, dass unser Dasein, unser Leben, vor allem unsere Lebensqualität, unsere Lebensfreude nicht erst in wenigen Jahren Sinn bekommen, aufkeimen und beginnen. Ich möchte, dass wir jetzt anfangen, im Hier und Jetzt zu residieren, im Heute! Und dass wir nicht ständig mit unserer Vergangenheit hadern. Lassen wir das Gestern, unsere Fehler, auch die Fehler der anderen, die Kränkungen, die Beleidigungen und Befindlichkeiten hinter uns. Reden wir mit den Menschen, mit denen wir noch Rechnungen offen haben, treten wir ein in den Dialog mit uns selbst, schließen wir die Themen, die uns belasten, egal ob bewusst oder unbewusst, die auftauchen, wenn wir in der dafür notwendigen Nachdenkphase sind, sanft und harmonisch ab. Schieben wir die wichtigen Inhalte nicht mehr auf. Erledigen wir es jetzt! Leben wir nicht nach oft gehörten Aussagen wie »In der Pension, da gönne ich mir dann dies und jenes« oder »Wenn die Kinder aus dem Gröbsten heraußen sind, unternehmen wir gemeinsam etwas«. Ich kenne »Kinder«, die sind mit 50 noch nicht aus dem Gröbsten »heraußen«. Und vor allem lasst uns nicht am Alleinsein verzagen. Das Alleinsein, zumindest das temporäre Alleinsein, hat ungeahnte Qualitäten. Du kannst nicht allein sein? Experten sagen, dass man dagegen etwas unternehmen kann … Sich einsam zu fühlen, heißt nicht unbedingt allein zu sein, sondern vielleicht nicht allein sein zu können oder zu wollen. Auch ein Migräneanfall ist noch kein Burn-out. Ich habe diesbezüglich sehr viel erlebt, viel gelesen und recherchiert, mit Experten, mit zahlreichen Betroffenen gesprochen. Und ich habe als viel erlebender Mensch und auch als Lebensberater und akademischer Mentalcoach gute und hilfreiche Tipps und Anregungen für dich, wie »es« vielleicht funktionieren kann. Damit dein Leben trotz fortgeschrittenen biologischen Reifezustands (= Alters) lebenswert ist oder wird. Es gibt unzählige Ratgeber und gescheite Bücher, und wenn du aus diesem einige Botschaften mitnimmst in dein Dasein und sie auch anwendest, dann wird etwas mit dir geschehen. Das wünsche und verspreche ich dir.

    DU WIRST DICH NOCH WUNDERN …

    »Du wirst dich noch wundern!« klingt nach leichter Drohung. Unterschwellig zumindest. »Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist!« Das erinnert uns doch an etwas. Ja richtig! Dieser Satz ist 2016 einem der Kandidaten für das höchste Amt im Staat im Wahlkampf in einem der vielen, zumeist lähmenden TV-Duelle herausgerutscht. Oder er hat es absichtlich gesagt. Ist ja egal. Als ich um die 30 Jahre alt war, hat meine Mutter mich unter anderem mit dem häufig verwendeten Satz »Du wirst dich noch wundern!« genervt. Sie meinte damit, dass ich mich wundern würde, wie schnell und schneller die Zeit vergeht, je älter ich werde. Ich musste jedes Mal milde lächeln und dachte in Richtung meiner Mama: Na ja, du hast vermutlich viel versäumt in deinem Leben, zahlreiche Vorsätze nicht realisiert, dir viele Wünsche nicht erfüllt, das ist die Frustration des »Mittelalters« (sie war damals 66 – da fängt das Leben doch erst an, oder?), die dich umfängt, und

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