Übersicht über die Arbeitsverhältnisse im österr. Bergbau...: Arbeitsverhältnis, Arbeitszeit, Löhne und Unfallentwicklung im 19. Jh.
Von Udo Rosowski
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Übersicht über die Arbeitsverhältnisse im österr. Bergbau... - Udo Rosowski
Übersicht über die Arbeitsverhältnisse im österreichischen Kohlebergbau nach dem Allgemeinen Berggesetz von 23. Mai 1854
Informationen der Deutschen Bibliothek:
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über dnb.d-nb.de abrufbar.
Impressum
© 2021/2022 literates-Verlag Druck Medien GbR Brüggen
Alle Rechte, auch auszugsweise, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Verlag: literates Verlag Rosowski & Rosowski GbR Brüggen www.literates-verlag.de
Umschlagbild: Bergwerk Fohnsdorf; aus: Hinner/Lackner/ Pickl/Stocker: Fohnsdorf – Aufstieg und Krise einer öster-reichischen Kohlenbergwerksgemeinde in der Region Aich-feld-Murboden, Graz 1982
print: ISBN 978-3-94336096-7
ebook: ISBN 978-3-94336079-0
E-Book Distribution: XinXii
www.xinxii.com
logo_xinxiiInhaltsverzeichnis
Abkürzungen
Vorbemerkung
Einleitung
I. Das Arbeitsverhältnis
1. Begründung, Inhalt und Auflösung des Arbeitsverhältnisses
a. Dienstordnungen
b. Abkehrscheine/Arbeitsbücher
c. Kündigungsrecht
2. Die Arbeitszeit
a. Die Arbeitszeit in ihrer Entwicklung
b. Die Arbeitszeit in ihrer damaligen Gestaltung
c. Über-, Nebenschichten und Pausen
d. Sonntagsarbeit
e. Ausdehnung der Arbeitszeit in der Praxis
f. Die jährliche Schichtenzahl
3. Das Interesse der beteiligten Kreise an der Dauer der Arbeitszeit
II. Der Arbeitslohn
1. Die Lohnentwicklung
2. Einzelne Lohnbestandteile
3. Die Lohnhöhe und Lohnabzüge
4. Strafgelder
III. Gesundheitsschutz
1. Die Abwehr drohender Schäden
2. Die Krankheitshäufigkeit
Schluss
Quellen
Abkürzungen
ABG Allgemeines Berggesetz
BO Bergordnung
GS Gesetz-Sammlung
Jh. Jahrhundert
OBA Oberbergamt
R.G.Bl. Reichs-Gesetz-Blatt
StGBl. Staats-Gesetz-Blatt
ZfdBHS Zeitschrift für das Berg-, Hütten und Salinen-Wesen
Vorbemerkung
Im Rahmen einer umfangreicheren Arbeit über die struktur- und systemverändernden Bergrechtsreformen in Preußen und Österreich und deren Auswirkungen auf die soziale Lage der Bergleute in der Mitte des 19. Jh. wurde festgestellt, dass über den österreichischen Bergbau, insbesondere den Kohlebergbau, weit weniger Literatur verfügbar ist als über den deutschen Bergbau. Nur rudimentär und verstreut werden in einigen Quellen, die regional stark abgegrenzt sind oder eher den Charakter von Heimatchroniken haben, Teilbereiche des Bergrechts und des Bergbaus erwähnt.
Es wurde daher mit dieser Abhandlung der Versuch unternommen, eine Übersicht über die soziale Lage im österreichischen Bergbau zusammenzustellen, auch um auf dieser Übersicht aufbauend konkretisierende und weitergehende Fragen für das Hauptwerk generieren zu können. Wo in leider zahlreichen Punkten keine Informationen zur österreichischen Situation ermittelt werden konnten, wurde zur Abrundung des Gesamtbildes der Blick auf die soziale Lage der Bergleute und die Gegebenheiten in Preußen bzw. dem Deutschen Reich geworfen.
Der Begriff Bergbau insgesamt ist umfassend und beinhaltet sowohl den metallischen Erzabbau, den Salzabbau, die Gewinnung von Edelsteinen und Gesteinsarten bis hin zum Braun- und Steinkohleabbau. In dieser Abhandlung beschränken sich die Angaben auf den Kohleabbau.
Einleitung
Die Entwicklung der volkswirtschaftlichen, sozialen und rechtlichen Verhältnisse des Bergbaus und der Bergleute bis zum Ende des 19. Jh.
Wenn man sich mit dem Stand der sozialen Lage im Bergbau beschäftigen will, ist es unverzichtbar, einen Blick auf die Entwicklung des Bergbaus insgesamt, des früheren und aktuelleren Bergrechts und der Arbeits-verhältnisse zu werfen, da sich die Verhältnisse ab der österreichischen Bergrechtsreform 1854 aus diesen früheren Zuständen heraus entwickelt haben.
Bereits vor über 10.000 Jahren waren die Ostalpen Abbaugebiet und Versorgungsregion für Silex und Bergkristall mit transalpinen Austauschbeziehungen.[1] Seit dem 5./4. Jh. v. Chr. wurde in Hallein[2] Salz abgebaut, das Salzbergwerk Hallstatt bezeichnet sich als ältestes Salzbergwerk der Welt.[3] Einige Bergwerke aus dem klassischen Altertum waren vielleicht mit einigen Unterbrechungen über Jahrtausende in Betrieb. Im Altertum bis hin zum Mittelalter wurde überwiegend nach metallischen Erzen gegraben. Insoweit beschreibt Agricola[4] in seinen Schriften umfassend die Entstehung, Prüfung und Gewinnung der Erze und mineralischen Stoffe und Metalle und verbindet damit konsequenterweise das Hüttenwesen, wodurch die gewonnenen Erze erst die Metalle frei geben, damit sie weiterverarbeitet und genutzt werden können. Der Abbau der Mineralien erfolgte vorwiegend in Tagebau oder bodennah in Gruben oder horizontal in den Berg getriebenen Gängen, wobei das Salzbergwerk in Hallstatt bereits 100 m tief unter der Oberfläche lag. Die Gewinnung und Nutzung von Kohle begann in Österreich[5] erst im 16. Jahrhundert[6] in signifikantem Umfang und nahm an Bedeutung erst ab den 1840-er Jahren des 19. Jh. stark zu[7]. Die charakteristische Betriebsform war früher der Kleinbetrieb auf genossenschaftlicher Grundlage. Die Bergleute waren zu-gleich Eigentümer oder Teilhaber der Gruben. In den alten Bergordnungen wurden sie als Gewerken bezeichnet. Teilweise vergaben diese Gewerken Teile des Bergwerks als Lehen an andere Bergleute, die diesen Bereich als Lehnshauer auf eigene Rechnung aus-beuteten und teilweise selbst Bergarbeiter anstellten. Für den Bergbau war nach damaligen Verhältnissen bei der Arbeit unter Tage, im Berg, eine besondere Kunst-fertigkeit erforderlich, wodurch sich im Zusammenhang mit der abgeschiedenen Lage der Bergwerke ein gewisses Standesbewusstsein ausbildete, das sogar von den Landesherren mit verschiedenen Privilegien ausgestattet wurde. Bergleute durften teilweise Waffen tragen, genossen Freizügigkeit und Steuerfreiheit, Befreiung von Einquartierungen und vom Militärdienst, besondere Niederlassungsrechte, eine eigene Gerichts-barkeit und einiges mehr. Da Bergbaukenntnisse sehr gesucht waren und von den Landesherren als obersten Bergherren die Bedeutung des Bergbaus immer höher eingeschätzt wurde, bestand eben auch wegen der gewährten Freizügigkeit eine große länderübergreifende Wanderungsbereitschaft. So ist es auch erklärlich, dass sich die alten regionalen Bergordnungen aus weit entfernten Gegenden recht ähnlich sind. Bei zunehmender Bedeutung als Einnahmequelle wurde aber auch schon von den Bergherren versucht, diese Wanderbereitschaft der Knappen durch Regelung der Entlassung und Einstellung einzuschränken.[8]
Nachdem der Bergbau durch den 30-jährigen Krieg stark gelitten hatte, waren zur Wiederbelebung des Bergbaus große Anstrengungen erforderlich, sogenannte Berg-baulustige zu finden und die aufgelassenen Gruben wieder in Betrieb zu nehmen und
