Chakras und Farben: Die Kraft der Farben im Alltag leben
Von Lilla Bek und Anita Offik
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Über dieses E-Book
Farben bestimmen unser Leben. Sie wirken auf uns zurück und können dem sachkundigen Beobachter wertvolle Aufschlüsse über einen Menschen vermitteln. Lilla Bek, eine der angesehensten Psychologinnen und Heilerinnen Englands, veröffentlicht in diesem umfassenden Kompendium die Forschungsergebnisse einer lebenslangen Beschäftigung mit dem Geheimnis der Farben. Neben der grundsätzlichen Analyse der Farbwirkungen enthält diese umfangreiche Studie zahlreiche Fallbeispiele, anhand derer ein leichter Zugang zum persönlichen Nutzen der Farbtherapie möglich wird. Ein lichtvoller Führer zur Anwendung der Farbheilkunde im eigenen Leben!
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Buchvorschau
Chakras und Farben - Lilla Bek
I.1. LILLAS SCHRITTE IN DIE ZWEITE WIRKLICHKEIT
„Was ist das Geistige?
Wie man das Wirkliche auffasst."
Gottfried Graf
IN WELCHER REALITÄT BEWEGEN WIR UNS?
Wenn wir jenen seltenen Menschen wie Lilla begegnen, die sich gleichzeitig in zwei Welten bewegen und darin kommunizieren, ist es nur natürlich, dass dies unsere Neugierde weckt und wir uns fragen, worin sich deren Bewusstsein und Wahrnehmungsfähigkeiten von den unseren unterscheiden. Teilt man Lillas Alltag, so führt sie nach außen gesehen ein Leben wie viele von uns. Es ist geprägt von den ganz normalen Beschäftigungen, denen wir nachgehen, um unsere Existenz in der heutigen Gesellschaft zu strukturieren und aufrechtzuerhalten. Mit gezielter Aufmerksamkeit und kritischem Blick nimmt sie an allem regen Anteil, was sich um sie herum und in unserer modernen Welt tut. Andererseits kann es vorkommen, dass sie manchmal auch außerhalb der Zeit, wo sie sich für ihre Beratungen und Meditationen zurückzieht, in ein Stadium hineingleitet, worin sich ihre Realität erweitert und sie Dinge sieht oder spürt, die ihr Gegenüber nicht wahrnimmt. Als tief gläubige Christin betont sie gern, dass wir das Heil nicht unbedingt in anderen Religionen und bei Gurus suchen müssen, da das Christentum bereits alles enthält. Zugleich aber hält sie fest, dass wir – und somit auch alle großen Religionen – aus ein und derselben Quelle stammen, denn mit den Jahren erweiterten sich ihre Ansichten in ganz natürlicher Weise. Dies ermöglichte ihr, Vorstellungen, die vor allem aus der östlichen Tradition stammen, harmonisch in ihren Glauben zu integrieren. Sie spricht von Karma und unseren früheren Leben, von den ätherischen Körpern und Farben, von Kundalini und dem dritten Auge, der Aura und den Chakras, und all dies mit einer absoluten Selbstverständlichkeit, als handele es sich dabei um ganz konkrete Dinge wie unsere Kleidung oder unsere Möbel. Offensichtlich geht das, was sie innerlich wahrnimmt, über die rein persönliche Sphäre psychologischer Wahrheit weit hinaus, und ihre Beobachtungen decken sich bis ins Detail mit dem Wissen aus den ältesten überlieferten Texten über den kosmischen Bezug des Menschen.
Es würde den Rahmen dieses Buches sprengen und ist auch nicht unser Ziel, hier eine Abhandlung über ein so weitgreifendes Thema wie die Gültigkeit immaterieller Phänomene und transzendierende Wahrnehmungsweisen zu liefern. Jedoch unabhängig davon, ob wir den uns diesbezüglich überlieferten Aussagen und Hypothesen Glauben schenken wollen, die von den größten Menschen unseres Planeten, von den Propheten, von initiierten Weisen, Naturvölkern und Forschern aller Zeitepochen stammen, kommt jeder von uns einmal im Leben an den Punkt, wo er sich darüber klar werden muss, was er selbst für die Wirklichkeit hält. Wie oder wo können wir unsere eigenen Erfahrungen und Einsichten einordnen, und welches Gewicht wollen wir den Erkenntnissen anderer zumessen?
Auch bei einer extrem materialistischen Position, die nur das als real akzeptieren will, was wir mit unseren fünf Sinnen wahrnehmen können, ist es schlicht unmöglich, ein genormtes, objektives Bild der Welt aufzustellen, denn jeder sieht, hört, schmeckt und empfindet verschieden. Mit anderen Worten, jeder von uns lebt in einer etwas anderen Dimension. Die Konturen verwischen sich, und dies hat zur Folge, dass es nur eine annähernde Übereinstimmung unserer Vorstellungen von Wirklichkeit geben kann. Mit welchen Maßstäben sollen wir in vielen Bereichen festlegen, was „normal und was „abnormal
ist? Wenn wir nach Parametern Ausschau halten, sollten wir eines nicht vergessen: Nichts von unserem physischen Körper ist dauerhaft. Auch einmal vom natürlichen Alterungsprozess abgesehen, sind wir in ständiger Veränderung begriffen.
Die Geschichte liefert uns zahllose Beispiele für irrtümliche Annahmen auf allen Ebenen, und einzelne tapfere Menschen wurden von den Machthabern verfolgt und getötet, weil die Leute zum damaligen Zeitpunkt nicht in der Lage waren, mehr zu verstehen oder zu sehen. Doch auch heute noch werden täglich als gültig „bewiesene Erkenntnisse aus Wissenschaft und Forschung von gestern widerrufen, da wir mit verfeinerten Werkzeugen zu neuen Ergebnissen gekommen sind. So hat auch die Quantenphysik vieles revolutioniert und uns mit „einer merkwürdigen Charakteristik in der subatomaren Welt
verwirrt: dem Phänomen der „Nichtörtlichkeit"². Mit der Einführung dieses Begriffes erreichte man immerhin eine schon etwas genauere Vorstellung von der sogenannten festen Materie. Was in Sanskrit mit Maya bezeichnet wird, dem Schleier der Illusion, der das Wesentliche hinter dem Sichtbaren verbirgt, scheint perfekt der Definition unserer Welt im heutigen wissenschaftlichen Fachjargon zu entsprechen, wie wir es in Lynne Mc Taggarts Buch über „die Suche nach der geheimen Urkraft des Universums lesen können, wenn sie sich auf Werner Heisenberg bezieht: „Was wir für unser stabiles, statisches Universum halten, ist in Wirklichkeit ein siedender Strudel subatomarer Partikel, die unbeständig oszillierend zwischen Existenz und Nichtexistenz umherhüpfen.
³ Heraklits Erkenntnis, dass „alles fließt", nahm etwa zweitausend Jahre vor Heisenberg diese Einsicht in physikalische Vorgänge vorweg.
Während sich der noch mehr in den alten Traditionen verhaftete Mensch im Osten offenbar weniger schwer damit tut, dem Begriff Realität einen viel weiter gefassten Rahmen zu geben, und sein tägliches Leben entsprechend nach transzendenten Wahrheiten ausrichtet, ist diese Geisteshaltung für uns vielfach auch heute noch sehr schwierig nachvollziehbar. Auch scheinen wir „Westler" bei dem Bemühen um eine erhöhte Durchlässigkeit ganz konkret auf mehr Schwierigkeiten zu stoßen. Das lässt sich teilweise damit erklären, dass der andersartige sozio-kulturelle Hintergrund mit seinen spezifischen Voraussetzungen unsere psychische Veranlagung beeinflusst. Daraus resultieren unterschiedliche emotionale Annährerungen und Reaktionen. In ihrem mit wissenschaftlicher Akribie zusammengestellten Kommentar zur mystischen Seinserfahrung erwähnt die Präsidentin des Kundalini Research Network in den USA, Dr. Bonny Greenwell, eine Studie des Therapeuten J. Engler, der im Rahmen einer Untersuchung Anzeichen dafür fand, „dass sich die spirituelle Entfaltung der westlichen Menschen langsamer vollzieht⁴. Einer der Hauptgründe wird darauf zurückgeführt, „dass westliche Schüler im psychosomatischen Stadium der Erfahrung stecken bleiben und sich während der Meditation durch Phantasieausbrüche, Tagträume, Schemen, zwanghaftes Denken und emotionale Labilität vom eigentlichen Ziel ablenken lassen⁵.
Auch bleiben sie eher und länger auf ihre Lehrer fixiert.
In Lillas Augen ist das eigentlich ausschlaggebende Hindernis jedoch unser Intellekt, die ins Extrem getriebene Überbeanspruchung der linken Gehirnhälfte auf Kosten der kreativ-intuitiven Seite, die dadurch entweder ausartet oder verkümmert. Die Ursachen liegen auch hier in der unterschiedlichen geschichtlichen und wirtschaftlichen Entwicklung. Wir stehen noch immer unter dem Einfluss humanistischen und aufklärerischen Gedankenguts, huldigen der Macht der Ratio und wollen das Heil allein im durch technischen Fortschritt bedingten materiellen Wohlstand sehen. Dazu kommt, dass nach den bitteren Erfahrungen der beiden Weltkriege, die von beispiellosen Folterungsmethoden und Massenmorden an Millionen von Unschuldigen gekennzeichnet waren und uns mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki erstmals konkret das Szenario einer vom Menschen selbst verursachten Apokalypse vor Augen führten, viele von uns Gott und die Möglichkeit einer transzendenten Wirklichkeit in Frage stellen. Obwohl die moderne Technologie Segen und Fluch zugleich hervorbringt, tendiert man heute dazu, sie als das einzig wirkliche Zuverlässige zu betrachten und allem die Existenz abzusprechen, was sich nicht „berechnen, sehen und betasten" oder rein intellektuell nachvollziehen lässt. Dem Ungewöhnlichen wird höchstens als Sonderfall des Wahrscheinlichen ein Platz eingeräumt.
Doch auch der seinem Glauben treu gebliebene Mensch wird verunsichert, wenn er bei seiner Sinnsuche auf Ideen stößt, deren Wahrheitsgehalt von offizieller Seite nicht (mehr) anerkannt wird. In der christlichen Lehre, die den Westen über Jahrhunderte hinweg geprägt hat, werden gewisse Vorstellungen, die für primitive Völker und östliche Denker eine selbstverständliche Realität sind, noch immer tabuisiert. Ob man jedoch die Lehre Christi abgesondert von Glaubenssätzen betrachten muss, wie sie uns die Veden, der Hinduismus, der Buddhismus oder die taoistische Philosophie lehren, oder man sich auf das allen Gemeinsame konzentriert, hängt nicht zuletzt von der Lesart ab und der Zuverlässigkeit eines Textes wie der Bibel, wo allein schon zwischen Entstehung und Niederschrift ein beträchtlicher Zeitraum liegt. Zudem vergingen wiederum Jahrzehnte und Jahrhunderte, bis festgelegt wurde, wie man bestimmte Aussagen zu interpretieren hatte. Deshalb gilt es vor allem, zwischen Lehre und Dogma zu unterscheiden, denn es war in erster Linie die katholische Kirche, die Lehren, wie zum Beispiel jene der Wiedergeburt, in ihren Konzilen von ihrem Kanon ausschloss. Mittlerweile unternehmen aber immer mehr Kleriker aus den eigenen Reihen den Versuch, das historische Verhalten der Kirche mit kritischem Blick zu untersuchen und das Verbindende aller großen Religionen sowie den Einfluss feinstofflicher Vorgänge aufzuzeigen. Sie kommen dabei nicht umhin, ihre Studien auf östliche Philosophie und Religionen auszuweiten. Unter diesem großzügigeren Aspekt befreien sie gewisse Bibelstellen von ihren einseitigen, einengenden Interpretationen. Leider hat dieses unbefangene Forschen nach der Beschaffenheit und Gesetzmäßigkeit einer zweiten Realität für die meisten von ihnen auch heute noch den Ausschluss aus der Kirche zur Folge.
Was uns den Zugang zu einem Weltbild, wo das Übernatürliche, also das, was sich der empirischen Erfahrung entzieht, als das Normale betrachtet wird, ferner noch erschweren mag, liegt sicher auch daran, dass wohl auf keinem anderen Gebiet so viele unseriöse Publikationen, die manchmal sogar bewusst täuschende Informationen enthalten, es uns nicht immer leicht, wenn nicht sogar unmöglich machen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Dies erklärt auch, warum viele sich a priori gegenüber allem verschließen, was unter dem Etikett „Esoterik geschrieben und gelehrt wird. Dazu kommt, dass auch durch Exzesse aller Art und Drogenkonsum die als „normal
definierten Schranken unserer Wahrnehmung überschritten werden können und zu einer Bewusstseinserweiterung der allerdings höchst fragwürdigen und schädlichen Art führen, wenn dies ohne Anleitung und Überwachung durch eine eingeweihte Person geschieht. Dies alles mag zwar eine ablehnende Haltung noch zusätzlich stärken, doch genau gesehen sind es oft nur Ignoranz oder Angst vor dem Unbekannten, die eine umfassende Schau der Dinge und eigene vertiefende Erfahrungen vereiteln.
Skepsis oder eine von Überheblichkeit geprägte Haltung, die alles bis heute noch nicht Beweisbare belächelt und in den Bereich der Phantasiegebilde verweist, weichen nicht selten erst dann, wenn Krankheit, traumatische Erlebnisse und Tod in unser Leben treten und unseren falschen Glauben oder Unglauben bis ins Innerste erschüttern. Nicht umsonst werden Krankheit und Tod deshalb die großen Lehrmeister genannt. Oft müssen sie erst unsere tägliche Routine unterbrechen, damit unsere Wahrnehmungsfähigkeiten intensiviert und Grenzerfahrungen möglich werden. In solchen Lebensphasen häufen sich daher auch die scheinbar zufälligen Begebenheiten, merkwürdige Synchronismen, telepathische Gedankenverbindungen, die Vorwegnahme zukünftiger Geschehnisse in Träumen oder andere nicht rational erklärbare Vorfälle, von denen auch Menschen berichten, die von sich behaupten, mit beiden Füßen auf dem Boden zu stehen – was auch immer das heißen mag! Stereotype, vom Geist dogmatischer Starrheit diktierte Antworten auf existenzielle Fragen genügen in solchen Momenten nicht mehr, wenn man erst einmal an sich selbst die Realität der Kräfte aus einer anderen Dimension erfahren hat.
Wie aber ist es in der modernen Zeit möglich, auf direktem Weg von diesen esoterischen Einflüssen auf unsere Existenz zu erfahren und Erklärungen dafür zu finden? Da es heute fast nur noch im Osten Klöster und Tempel gibt, die uns auf bewusstseinserweiternde Seinserfahrungen vorbereiten könnten, und viele von uns diesbezüglich vielleicht erst ein paar eher vage oder nur unklar einzuordnende eigene Erfahrungen aufweisen, um deren Wahrheitsgehalt trauen zu können, erfolgt unsere Suche in der Regel zunächst einmal über den Intellekt, durch Lektüre oder Besuche von Vorträgen. Doch je nach Lehre oder Textart können wir bei der Vertiefung auf enorme Verständnisschwierigkeiten stoßen. Die einen werden den Suchenden durch ihren hohen Abstraktionsgrad, komplizierte kosmologische Theorien und Modelle abschrecken; andere wiederum, wie die ältesten Quellen, enthalten ihre Botschaften oft nur in verschlüsselter oder fragmentarischer Form, und wir müssen uns durch einen Dschungel von Fußnoten quälen, um das Gelesene einstufen zu können. Oder aber der zeitliche Abstand zwischen der Entstehung der schriftlichen Aufzeichnung und anderen Ursprung beeinträchtigt die Authentizität der überlieferten Texte.
Oft wurden Wahrheiten in Gleichnisse verpackt, wie es zum Beispiel Christus tat. Zwar können wir über die bildliche Darstellung zum Teil leichter und direkter erfassen, was hinter den Erscheinungen wirkt und welche Kräfte wir selbst – bewusst oder unbewusst – durch unser Denken und Handeln in Bewegung setzen. Doch auch hier hängt die Interpretation der Botschaften letztlich von der Unterscheidungskraft und inneren Reife des Deuters ab. Deshalb gibt es auch einige Meister, die, wie zum Beispiel Krishnamurti in seinen späteren Jahren, ganz darauf verzichten, irgendwelche Lehren oder Verhaltensmuster zur Nachahmung weiterzugeben, um uns dahin zu bringen, in uns selbst hineinzuhorchen und allein zur letzten Wahrheit vorzudringen.
Dies ist nun genau der Punkt, wo wir mit diesem Buch ansetzen möchten. Am Beispiel von Lillas eigener Erfahrung und Entwicklung, wie sie hier in ihren einzelnen Phasen dargestellt wird, möchten wir den Leser dazu ermutigen, ebenfalls Schritt für Schritt seine Grenzen etwas weiter zu stecken, um so sein eigenes inneres Potenzial zu entdecken und zu fördern, bis es schließlich als brauchbares Instrument der Erkenntnis eingesetzt werden kann. Was vielleicht erstaunen mag, ist, dass es sich hier nicht ausschließlich um die Herbeiführung einer einmaligen plötzlichen Bewusstseinserweiterung handelt. Lillas Beispiel zeigt uns einen kontinuierlich fortschreitenden Lernprozess, der dem Wandel ebenso unterworfen ist wie das, was darin erkannt und aufgenommen wird, und zwar so lange, bis die Verfeinerung der Wahrnehmung ihren höchsten Grad erreicht hat. In diesem Sinne sollten Lillas Ausführungen nicht als etwas Endgültiges gewertet werden, sondern als Ausgangspunkt für zusätzliche Nachforschungen, die sich noch weiter vertiefen und präzisieren lassen. Wenn wir hier mit Lillas geschulten Augen einen Einblick in das Wunder Mensch bekommen und daraus ersehen, wie wir alle in einer universalen Sprache kommunizieren und uns mit allem verbinden können, kann dies zweifellos allein schon sehr wertvoll für uns sein. Letztlich entscheidend ist jedoch, welche Konsequenzen wir daraus für uns selber ziehen und zu welchen Einsichten wir durch eigene Anstrengung gelangen.
DIE PHASE DER VORBEREITUNG
Viele Menschen, die Lilla kennengelernt haben, beneiden sie um diese seltene Gabe des Sehens. Sie denken nicht daran, welchen Preis Lilla dafür gezahlt hat, und dass ihr Leben von dem Moment an, wo sie hellsichtig und –hörig wurde, ihr nie mehr ganz allein gehörte, sondern sie es in den Dienst an der Menschheit stellen musste, wenn sie die damit verbundene Verantwortung nicht einfach ignorieren und dadurch letztlich sich selber schaden wollte. Auch ist es hierbei sehr ähnlich wie in der Kunst oder im Sport, wo man angesichts der großartigen Erfolge und Siege leicht vergisst, wie viel Training, Disziplin und tägliche Kleinarbeit es braucht, bis man – vielleicht – eines Tages ganz oben steht und von allen bewundert und bejubelt wird. Und noch etwas übersieht man, dass nämlich hinter den großartigen Leistungen eine intensive Hinwendung, eine wahre Passion stehen muss, ein konstant loderndes Feuer, das Glanz in unsere Augen zaubert, wenn unsere Tätigkeit nur schon erwähnt wird. Dies erfordert aber unseren ganzen Einsatz und schließt zeitweise alles andere aus, was für Lilla nicht einfach war, denn dank ihrer charismatischen Persönlichkeit gelang ihr praktisch alles, was sie anfasste. Sie reagiert deshalb auf unseren etwas naiven Wunsch, ihre Fähigkeiten besitzen zu wollen, mit dem Einwand, dass fünf bis zehn Minuten täglich oder einmal in der Woche zwei Stunden Meditation und ein paar Räucherstäbchen im Raum nicht genügen, um innerlich wirklich weiter voranzukommen und unsere Wahrnehmungsorgane so zu verfeinern, dass mit einer Öffnung des dritten Auges die höheren Sinne genutzt werden können.
Gleichzeitig betont sie aber, dass sich auch hier nichts erzwingen lässt und ein Zuviel schädlich, wenn nicht sogar gefährlich sein kann. Nicht umsonst erfolgten in den Tempeln die Vorbereitungen auf Einweihungszeremonien unter kundiger Führung; und verantwortungsbewusste Yoga-Lehrer warnen deshalb die Neulinge vor einem Alleingang. Selvarajan Yesudian, der als einer der ersten Yoga-Meister aus Indien zu uns nach Europa kam und hier die erste Schule eröffnete, vergleicht die plötzliche gewaltsame Sprengung unserer Wahrnehmungsgrenzen mit einem Kurzschluss, der entsteht, wenn einer elektrischen Anlage eine höhere Stromspannung zugeführt wird, als es ihre Aufnahmekapazität zulässt: „In gleicher Weise können das menschliche Nervensystem und der Körper durch eine plötzliche, übermäßig starke Stromzufuhr zerstört werden."⁶ Er weist aber auch darauf hin, dass wir von Natur her davor geschützt sind, so dass uns dies nicht so ohne weiteres passieren sollte. „Aus diesem Grund hat eine weise Voraussicht die Menschheit so erschaffen, dass jeder sein Bewusstsein nur so weit aus eigener Willenskraft heraus steigern kann, als es der Widerstand und die Elastizität unseres Nervensystems erlaubt."⁷
Obwohl im Normalfall eine Art Sicherheitssystem, dessen komplexe Funktionsmechanismen Lilla später noch ausführlich erklären wird, garantiert, dass wir uns jeder Zeit orientieren und uns auf unsere Wahrnehmungen verlassen können, kann es trotzdem geschehen, dass dieser Schutzmantel gewaltsam durchtrennt wird. Dies kann zum Beispiel bei hohem Drogenkonsum, Unfällen, Nah-Tod-Erfahrungen oder traumatischen Erlebnissen passieren, aber auch bei unablässiger gleichförmiger Wiederholung bestimmter Bewegungen. Es gibt auch Fälle, wo scheinbar nichts im Voraus eine solche Erfahrung anzukündigen schien und man praktisch ohne Vorwarnung in die zweite Wirklichkeit hineingeschleudert wurde. Erfolgt das Erwachen in einer anderen Dimension auf diese unkontrollierte Weise, können die Folgen für den Betroffenen verheerend sein. Je nach Schweregrad ist dann eine volle soziale Integration in die Gesellschaft nicht mehr gewährleistet, da die Umwelt – aus Unkenntnis – meist verständnislos reagiert und diese Menschen ausgrenzt. In schwereren Fällen, wo die beiden Welten nicht mehr auseinandergehalten werden können, bleibt nur noch der Versuch, die Situation mit Medikamenten wieder in den Griff zu bekommen, oder – als traurige letzte Station – die Einweisung in eine psychiatrische Anstalt, da wir heute kaum noch in der Lage sind, anders damit umzugehen.
Wenn daher in einigen Büchern und – schlimmer noch – auf den einschlägigen Internetseiten steht, diese Fertigkeit sei „kinderleicht" zu erwerben und man darin aufgefordert wird, an sich selbst herumzuexperimentieren, so scheint uns dies nicht nur anmaßend oder naiv, sondern auch verantwortungslos. Lilla warnt klar vor einem unkundigen Umgang mit den subtileren Energien und verweist auf zahlreiche geistige Heiler aus ihrer Bekanntschaft⁸ – darunter auch besonders viele Reiki-Therapeuten –, die nach einiger Zeit selbst sehr schwer erkrankt sind, weil sie viel zu früh mit ihren Behandlungen begannen, ohne ihren Körper und Geist für diese Art von Tätigkeit gebührend gereinigt und gestärkt zu haben.
Bevor man mit dem Gedanken spielt, sich in metaphysische Sphären vorzuwagen, ist es unumgänglich, die fünf Sinne gemeinsam mit dem Erinnerungsvermögen erst einmal an sich im alltäglichen Umfeld zu entwickeln. Lilla vergleicht diese Art des Vorgehens mit der Ausbildung der Anlagen bei Menschen, die sich auf höchstem Niveau etwas ganz zu Eigen gemacht haben. Ein großer Maler sieht die Welt der Formen, des Lichtes und der Farben weit intensiver und präziser, als dies ein Laie vermag. Ein begabter Musiker wiederum nimmt mit seinem geschulten Gehör Töne, Zwischentöne und Klangfarben ebenfalls viel differenzierter auf. Ein passionierter Parfümhersteller, so wie ihn uns zum Beispiel Patrick Süskind in seinem Roman „Das Parfüm" beschrieben hat, wird mit der Zeit die ausgefallensten Duftvarianten erriechen und absolut sicher auseinanderhalten können, ebenso wie ein Meisterkoch seinen Geschmackssinn durch den konstanten Gebrauch und immer raffiniertere Kombinierung der Zutaten verfeinern wird. Ein Spaziergang mit einem Botaniker durch Wald und Feld hingegen lässt uns ahnen, an welch bunter Vielfalt von Baumarten, Büschen, Blumen und Gräsern wir normalerweise einfach vorbeilaufen – wenn nicht sogar achtlos darauf treten! –, ohne zu bemerken, was wir wirklich vor unseren Augen haben. Durch eine so auf die Spitze getriebene Perfektionierung unserer einzelnen Wahrnehmungsfähigkeiten wird bereits eine ganz andere Beziehung zu den Dingen aufgebaut, die für die anderen gar nicht existieren, da entweder die mentale Fokussierung fehlt oder der eigene direkte Zugang durch den Sinneseindruck.
Bei Lilla entwickelte sich schon früh eine – wie sie es gern nennt – „Liebesbeziehung zu den Farben, die sie heute für sich als Voraussetzung dafür bezeichnet, dass sie diese später auch in der nicht-alltäglichen Realität sehen konnte. Ohne besonders innige Hinwendung und Zielstrebigkeit geschieht nämlich gar nichts. Wo auch immer sie sich befand, zogen sie Farben und Texturen in ihren Bann, so dass sie allmählich immer mehr Nuancen unterscheiden konnte. Noch heute besitzt sie eine ausgefallene Sammlung von Wollknäueln, stofflichen Geweben und anderen Handarbeitsmaterialien, die sich an Qualität und Farbschönheit gegenseitig zu überbieten scheinen. Es fällt überhaupt auf, wenn man mit Lilla zusammen ist, dass sie auch im Alltag ein geschärftes Auge besitzt. Beim gemeinsamen Besuch von Kirchen, Grabstätten, Museen oder schön dekorierten Innenräumen fragt sie immer wieder: „Hast du das auch bemerkt?
Doch nur allzu oft musste ich beschämt eingestehen, dass ich darüber hinweggesehen hatte oder mir nur ein verschwommener Eindruck im Gedächtnis haften geblieben war. Mit ihr zusammen Bilder, Symbole und Gegenstände zu betrachten, bedeutet, sich selbst in Beziehung zum Gesehenen zu setzen und in die Tiefe zu blicken. Totes oder Amorphes wird unter ihren Augen umgewandelt in lebendige Gestalt mit erkennbarem Sinngehalt. Wird nun auf diese Weise bereits die gewöhnliche Optik modifiziert, weitet sich der Blickwinkel für das, was hinter dem Sichtbaren verborgen liegt.
Lilla besuchte jahrelang Kurse über Farben; doch um zu verstehen, was Farbe wirklich ist und um damit arbeiten zu können, ist es nicht unbedingt nötig, erst schulische Kenntnisse darüber zu erwerben. Das kann durch eine vom Gefühl ausgehende und durchaus unwissenschaftliche Annäherung geschehen. Wie jeder von uns, reagierte auch sie zuerst spontan mit ihren Sinnen auf ästhetische Aspekte. So saß sie gern umgeben von ihren Farben; und von den Klängen einer schönen Musik und dem exotischen Duft von Räucherstäbchen angeregt, begann sie zu zeichnen. Wir fühlen uns ganz natürlich von gewissen Farben mehr angezogen als von anderen, und am Anfang wird unsere Palette daher nur diese Lieblingsfarben aufweisen. Doch wenn wir mit der Zeit mehr geübt haben und unser Auge durch genaues Beobachten geschärft haben, werden wir auch eine größere Auswahl an Farben benutzen. Ein guter Anfang ist aber auch dann schon gemacht, wenn wir uns beim Betrachten von Bildern, Mustern und bunten Gegenständen einfach nur dem reinen Genuss ergeben und uns von der Schönheit der Farben erregen lassen. Wo auch immer uns Farben ins Auge fallen, sollte unser Blick verweilen und sie immer bewusster aufnehmen. Auf diese Weise entwickelt sich unser Sinn für Farben, und wir werden empfänglich für die inneren Botschaften, die sie uns senden. Sie teilen sich in einer universellen Sprache mit, die jeder verstehen sollte.
Diese systematisch betriebene Ausdehnung des sinnlichen Wahrnehmungsvermögens allein genügt jedoch meist nicht, um den letzten Durchbruch zu erzielen, auch wenn Lilla daran festhält, dass die Aura-Sichtigkeit eine essenzielle Stufe in der Evolution darstellt und daher im Grunde genommen eine natürliche Fähigkeit des Menschen ist und nichts Außergewöhnliches. Blickt man aber auf ihren Werdegang und vergleicht ihn mit der Lebensführung anderer bekannter Menschen, die dieses Stadium erreicht haben, wird offensichtlich, dass es noch einer Vorbedingung anderer Art bedarf, um diese Durchlässigkeit zu erlangen und auch aufrechtzuerhalten. Will man nicht von einer plötzlichen Öffnung überrumpelt und vielleicht sogar geschädigt werden, müssen erst Geist und Körper diszipliniert werden. Bei Lilla geschah dies einerseits durch ihre strenge Erziehung in einer schottischen Klosterschule, andererseits durch die späteren Studien, die das Unterscheidungsvermögen, das logische Denken und die Gedächtniskraft förderten und ihr die Konzentration auf einen Gegenstand über einen längeren Zeitraum ermöglichten. In ihrer wenigen Freizeit als junge berufstätige Mutter fand sie zudem bei kunstgewerblichen Arbeiten, Malerei und Dekoration einen willkommenen Anlass, ihre kreative Seite zu aktivieren und auszuleben. Seit ihrem achten Lebensjahr hatte sie zudem eine Ausbildung in Ballett und Volkstanz erhalten, und um den Körper auch später weiter fit zu halten, ging sie Eislaufen, spielte Tennis und lernte auch Karate. Noch bewegte sie sich aber mit all ihren Aktivitäten im Bereich des Normalen, dass heißt, all dies war erst Vorbereitung auf den entscheidenden Einschnitt.
Dieser erfolgte erst, als sie sich für einen Yoga-Kurs einschrieb. Sie hatte gehört, dass dadurch der Kreislauf und der Stoffwechsel sowie die Funktion der einzelnen Organe verbessert würden. Auch interessierte es sie zu lernen, wie man durch Yoga die einzelnen Energiequellen – die verschiedenen Chakras – erkennen und stärken und mit Hilfe einer überwachten Atemtechnik den Körper entsprechend dem eigenen Willen steuern könnte. Sie dachte erst, dass ihr die Asanas⁹ keine größeren athletischen Leistungen abverlangen würden; doch sie wurde rasch eines Besseren belehrt! Sie konnte gewisse Positionen in der ersten Zeit gar nicht oder nur unter Schmerzen einnehmen und beim Vornüberbeugen verspürte sie Schwindel. Obwohl sie sich nach dem Unterricht wohlig aufgewärmt und entspannt fühlte, bereiteten ihr die überdehnten Glieder am ganzen Leib quälende Schmerzen. Da sie durch den angekurbelten Stoffwechsel eine Menge an Giftstoffen freisetzte, gesellte sich auch noch starkes Kopfweh hinzu, was noch durch die purpurroten Lichterscheinungen verschlimmert wurde, die auf einmal ständig vor ihren Augen aufflackerten. Etwas später sah sie in der Dunkelheit lauter blendende Flächen in ganz reinem weißen Licht. Manchmal war die Grelle des Lichtes vor ihren Augen kaum noch zu ertragen. Sie erinnert sich, wie sie einmal mit geschlossenen Augen am Boden lag und sich wunderte, warum ihre Lehrerin versuchte, bei angezündeten Lichtern für eine entspannende Atmosphäre zu sorgen, statt sie wie sonst auszuschalten. Bis sie die Augen aufschlug und feststellte, dass der Raum wie immer verdunkelt war!¹⁰ Sie war zermürbt und spielte mit dem Gedanken, alles hinzuwerfen und stattdessen einen Kurs im Blumenstecken zu besuchen!
Aber sie wäre nicht Lilla gewesen, wenn sie aufgegeben hätte. Mit der Zeit gingen die Schmerzen zurück, und sie stellte erleichtert fest, dass ihr nicht mehr so leicht schwindelig wurde. Auch hatte sich ihre Bronchitis und flache Atmung wesentlich verbessert. Doch dann stellte sich ein weiterer „Störfaktor" ein. Sie gewahrte, dass sich etwas in ihr veränderte: Ihre Psyche war im Begriff, sich zu öffnen. Zwar ging das nicht plötzlich vor sich, aber wenn sie zum Beispiel allein in einem Raum saß, spürte sie, wie sich die Atmosphäre um sie herum verwandelte und leichter zu werden schien. Die Schwingungsdichte des energetischen Feldes in ihrer unmittelbaren Umgebung veränderte sich. Die Lufthülle fühlte sich dann wie ein zarter Stoff auf der Wange an.
Bald darauf folgte ein erster konkreter Schritt in die zweite Wirklichkeit, allerdings noch immer außerhalb ihres Kontrollvermögens, denn es war ein Vorgang, den ihr Körper auszuhalten hatte, ohne dass sie hätte eingreifen können. Es passierte bei einem Aufenthalt in Glastonbury in klösterlicher Abgeschiedenheit, wohin sie sich für eine Meditationswoche mit Yoga und Gebet zurückgezogen hatte. Die wunderbare Ruhe des Ortes sowie seine reine Ausstrahlung und spirituelle Kraft in der unmittelbaren Nähe zur Kathedrale war an sich schon die ideale Voraussetzung, um völlig leer zu werden, ins Innere hineinzuhorchen und sich den höheren Kräften zu öffnen. Was die kathartische Wirkung der Umgebung noch verstärkte, war, dass Lilla sich eine Darminfektion zuzog und das Essen in der Folge durch ihren Körper hindurchging, ohne dass dieser etwas davon hätte aufnehmen können. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als zu fasten. Dadurch aber war ihr gänzlich gesäuberter Leib, der einen inzwischen ebenso gereinigten Geist beherbergte, zu einem Gefäß geworden, das eine Nahrung anderer Art aufnehmen konnte. Es musste nur noch dafür geöffnet werden. Dies geschah nachts. Als sie in ihrem Bett lag, verspürte sie drei hintereinander folgende mächtige Energiestöße, die von den Füßen durch den ganzen Leib in den Kopf hinauf drangen und sie nach oben stießen. Als ausgebildete Krankenschwester glaubte sie erst an einen epileptischen Anfall, doch im Anschluss daran fühlte sie eine solch unbeschreibliche Seligkeit, die sich von allem abhob, was ihr je widerfahren war, und krankheitsbedingte Symptome absolut ausschloss. Es war eine rein mystische Erfahrung, die bewirkte, dass sie nun bewusst von ihrem höheren Selbst geleitet und unterrichtet wurde.
In den ältesten Sanskrit-Texten gibt es für dieses unvermittelte Durchstoßen der oben erwähnten Schutzschicht das Bild der erwachenden Kundalini-Kraft, wobei man sich eine Schlange vorstellt, die eingerollt zu unseren Füßen schläft, bis sie durch Einfluss von außen geweckt wird. Wenn sie dann entlang des Rückgrats bis zum Scheitelpunkt emporschnellt, lädt sie unser ganzes System auf und verändert es.¹¹ Nicht jeder erlebt den Kundalini-Prozess in der gleichen Weise, denn es gibt verschiedene Formen und Intensitätsgrade. Bonny Greenwell gibt in ihrem Buch, das auf ihrer Dissertation zu diesem Thema beruht, eine umfassende Darstellung der möglichen Varianten. Vieles sind Vorstufen oder Übergangsstadien, die zwar alle von der Auflösung des uns vertrauten Weltbildes geprägt sind, aber noch keine klaren Bilder der erweiterten Dimension liefern. Auch ist eine Kundalini-Erfahrung keineswegs schon mit der Erleuchtung gleichzusetzen, denn selbst nach dem eigentlichen Durchbruch bestehen noch enorme graduelle Unterschiede, die zeigen, mit welch komplexen Vorgängen wir es hier zu tun haben. In den alten Schriften werden acht Hauptstadien aufgeführt, bis in der neunten die völlige Loslösung von allem erfolgt und das Karma aller irdischen Leben getilgt ist. Es ist das Eingehen in das ewige Jetzt, wo alles gleichzeitig geschieht und die Trennung in Gegensätze nicht mehr existiert. Während die einleitenden „niedrigeren" Formen des Kundalini-Prozesses auch den Unvorbereiteten überraschen können, ist bei den höchstmöglichen erreichbaren Stufen eine zufällige Öffnung ausgeschlossen, denn sie wird nur jenem zuteil, der bereits ein entsprechendes geistiges und menschliches Niveau erreicht hat.¹² In der Tradition des Yoga ist Kundalini „das Selbst, das sich seiner Göttlichkeit bewusst ist, seiner ursprünglichen Verwandtschaft und Einheit mit der Schöpfung im Zustand der Formlosigkeit."¹³ Ohne das Erwecken der Kundalini ist es nicht möglich, „die höheren Ebenen des Samadhi"¹⁴ kennenzulernen. Diese oberste Stufe zu erlangen bedeutet, das Ziel erreicht zu haben, denn der Kreislauf der Wiedergeburten ist überwunden. Wer trotzdem beschließt, auf die Erde zurückzukommen, sich also freiwillig wieder inkarniert, hat gewählt, sich als ein Bodhisattva selbstlos in den Dienst der Menschheit zu stellen und für ihre geistige Höherentwicklung zu wirken. Er verzichtet daher bewusst auf den allerletzten Schritt in die Vollkommenheit.
Wie wir aus Lillas Lebenslauf bisher sahen, waren auch bei ihr anfangs die Übergänge fließend. Ihre Kundalini-Erfahrung verlief jedoch ziemlich „klassisch" ab, und damit war ein Schritt nach vorne getan, der sich nicht mehr rückgängig machen ließ. Obwohl sie in Glastonbury etwas erlebt hatte, durch das sie in einen überirdischen Frieden eingetreten war und von dessen Schönheit sie überwältigt wurde, stellten sich nachträglich doch Angstgefühle ein, sie könnte verrückt geworden sein. Dies wurde noch durch ihre damalige Arbeit als Nachtschwester mit geistig Behinderten verstärkt, und auch ihre engere Umwelt reagierte mit Scherzen und Kopfschütteln. Auch ließ sich das, was in ihr vorging und was sie zu sehen begann, nicht mit den orthodoxen Auslegungen der christlichen Lehre vereinen, in der sie erzogen worden war.
Doch sie konnte nicht mehr zurück. Allein auf einer Ebene zu leben, ist schon eine Aufgabe auf Lebenszeit, geschweige denn, wenn man gleichzeitig auf beiden Ebenen daheim ist. Dies verlangt noch sehr viel mehr. Sie litt darunter, dass sie durch ihre geöffneten Chakras gewissen Phänomenen, angefangen bei der noch eher harmlosen Telepathie bis hin zu Spukerscheinungen, Stimmen von Toten oder dem unerwarteten Hineingleiten in die historische Vergangenheit – wie es ihr zum Beispiel bei einem Besuch des Britischen Museums in der Ägyptischen Abteilung widerfuhr –, erst einmal ziemlich hilflos ausgeliefert war.¹⁵ Ausgerechnet ihr musste so etwas passieren, wo sie doch bekannt war für ihr klares Unterscheidungsvermögen und ihre allgemein kritische Einstellung. Doch fast alle ihre Sinne waren nun hyperaktiv und funkten bei den „normalen" Abläufen dazwischen. Da sie mittlerweile selbst Yoga unterrichtete und sehr viel meditierte, wurde sie wahrscheinlich stärker davon in Mitleidenschaft gezogen als andere, die sich weniger bemühten.
Auch stellte sie Vergleiche zwischen sich und ihren Patienten an. Bei einigen fand sie heraus, dass deren einziges Problem war, dass sie etwas hörten. Sie verstand, dass deren Chakras durch Schock beeinträchtigt waren und sich dadurch plötzlich in der Psyche zu viel abspielte. Man gab ihnen Medikamente, doch sie wurden schließlich süchtig, was es ihnen unmöglich machte, alleine aus der Situation wieder herauszukommen und das Problem anzugehen. Wahrscheinlich war es ihr Sinn für Humor, der sie vor einem ähnlichen Schicksal rettete und ihr anfangs half, mit der chaotischen Situation fertig zu werden. Er gewährte ihr eine gewisse Distanz zu den Dingen. Sie sagte sich, wenn sie verrückt würde, sei es doch immerhin interessant zu sehen, wie das vor sich gehe.
Diese spontane Neugier und ihr wissenschaftlich geschulter Blickwinkel waren zwei weitere Faktoren, die es ihr erleichterten, mit der Zeit einen echten Nutzen aus der Situation zu ziehen. Sie dachte sich eine nach Plan ablaufende Schulung der Entwicklung der höheren Sinne aus, um sich ihrer zu bedienen, anstatt ihr Spielball zu sein. Eines hatte sie nämlich sofort begriffen: Die einzige Möglichkeit, diese verschiedenen inneren Prozesse einzuordnen und zu verstehen, führte über eine intensive Nachforschung mit dem Ziel, die Dinge positiv zu verändern.
ERWEITERUNG DER INNEREN WAHRNEHMUNG UND KONTROLLSTRATEGIEN
Im Gegensatz zu Menschen wie etwa Vicky Wall, der Begründerin der Aura-Soma-Therapie, die schon als Kind die Aura sehen konnte¹⁶, erfolgte die plötzliche Öffnung aller Chakras bei Lilla erst in der Mitte ihres Lebens, das dadurch eine völlig neue Richtung nahm, auch wenn sie nach außen an allen alltäglichen Tätigkeiten festhielt. Vielleicht war es aber gerade aufgrund ihrer Lebenserfahrung und der so bereits erworbenen menschlichen Reife, dass sie einen eher ungewöhnlichen Weg für sich fand. Es mag unglaublich klingen, doch wenn sie von ihrer inneren Entwicklung spricht, hört sich das an, als ob es dabei um eine professionelle Ausbildung in einem Sport oder Beruf geht, der eine Spezialisierung erfordert.
Es lassen sich drei Hauptphasen unterscheiden, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckten. Als Erstes musste sie das genaue Hinschauen lernen, um überhaupt zu erkennen, was sie sah. Gleichzeitig war es lebensnotwendig für sie, die Kontrolle über die Phänomene zu erlangen, denn auch bei geschlossenen Augen spielten sich oft die merkwürdigsten Vorgänge ab, ohne dass sie abschalten konnte. Nachdem sie besser damit umgehen konnte, versuchte sie, aktiv zu werden und gezielt an Informationen heranzukommen, die sie interessierten. Mit anderen Worten, in dieser zweiten Phase begann ihre eigentliche Arbeit im feinstofflichen Bereich mit wissenschaftlicher Methodik. Das erste Versuchskaninchen war sie selbst, bevor sie auch andere mit einbezog. Um zu wissen, ob ihre Hypothesen und Schlussfolgerungen korrekt waren und einem Vergleich standhielten und sie bei beliebigen Wiederholungen zu den gleichen Ergebnissen kam oder etwas korrigieren musste, dehnte sie anschließend ihre Beobachtungen auf die Menschen aus ihrer nächsten Umgebung, auf die Natur, auf Tiere und Objekte aus. Erst als sie so gelernt hatte, sich in dieser zweiten Dimension ebenso frei und sicher zu bewegen wie in ihrem Alltag und sie sich immer mehr auf die Korrektheit des Erschauten verlassen konnte, begann sie, anderen durch ihr neu erworbenes Wissen zu helfen.
Der Weg dahin dauerte jedoch Jahre, denn es gab zahlreiche Anfangsschwierigkeiten. Wie soll man sich gegenüber all diesen Phänomenen verhalten, die plötzlich im meditativen Stadium auftauchen und Teil unseres Lebens werden? Welche Methoden und Parameter sind zur Hand, um festzulegen, dass das, was wir sehen, nicht einfach bloße Phantasie, sondern authentisch ist? Wie lässt es sich bewerkstelligen, dass man in esoterische Vorgänge hineinschaut oder sogar selbst hineingezogen wird und so durch Zeit und Raum reist, dabei aber die Kontrolle über die Situation behält?
Um Antworten auf diese Fragen zu bekommen, müssen wir uns vor allem eins vor Augen halten: Es dreht sich hier ausschließlich um den Umgang mit Energien auf verschiedenen Ebenen. Mit welcher Art von Ausbildung man auch immer beginnen möchte, an erster Stelle stehen die Methoden, die für das Gleichgewicht unseres ganzen Systems sorgen. Wir besitzen einen inneren Transformator, der Energien sowohl halten als auch empfangen kann. Wenn es uns an Energien mangelt, verbrauchen wir die Reserveenergien aber oft zu rasch, so dass kein Nachschub da ist. Erst wenn wir gelernt haben, mit unserer Energie im richtigen Maß hauszuhalten, können wir mehr oder weniger so agieren, wie wir das möchten, und uns dabei wohl fühlen. Daher müssen wir unserem Körper alles Nötige zuführen, damit er optimal funktionieren und uns so ein verlässliches Fundament bieten kann. Das bedeutet ganz einfach, erst einmal nicht stundenlang da zu sitzen, ohne zu essen und sich schlecht zu fühlen, sondern zu leben, zu essen, zu schlafen, zu arbeiten und gesellige Stunden und Kunst zu genießen oder auch nach draußen spazierenzugehen oder im Garten zu arbeiten, um sich wieder ganz zu erden. Dies heißt auch, dass man dem Ganzen kein allzu großes Gewicht einräumen, sondern es nur als einen Teil des Lebens betrachten sollte. Durch Lektüre, Studien oder Gespräche mit anderen, meint Lilla, sei es ihr gelungen, ihre Erfahrung schließlich als etwas Selbstverständliches zu akzeptieren.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, um sich auf das Abenteuer des Sehens einzulassen. Die eine besteht darin, dass man jeden Schritt genau vorausprogrammiert, bevor man sich den höheren Kräften ausliefert, so wie das in den heiligen Schulen geschah. Bei der anderen meditiert man einfach, lässt alles geschehen und versucht dann erst im Nachhinein, sich damit eingehender auseinanderzusetzen. Bei Lilla handelte es sich um eine Art Mittelweg, der zwar eine Vorbereitungsphase enthielt, dann aber auch den Einsatz regulativer Methoden erforderte. Um ihre Chakras behutsam auf die höheren Schwingungen einzustimmen und so eine Veränderung ihres Bewusstseins zu ermöglichen, bedurfte es täglicher Yoga-Übungen und stundenlanger Meditationen. Da
