Im Wellengang: Gedanken zur Corona-Pandemie
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Über dieses E-Book
Ruth Rechsteiner-Willi
Vor Jahrzehnten bin ich der Faszination des geschriebenen Wortes erlegen. Als Journalistin war ich auf der Suche nach interessanten und spannenden Geschichten, recherchierte ich aktuelle Themen und berichtete faktengetreu über das, was ich erfahren hatte. Das eigene Geschriebene zwischen zwei Buchdeckeln zu lesen, ist irgendwann der Traum Autoren und Autorinnen. "Leise kommt die Zeit" ist das Buch meiner Erinnerungen. Kurzgeschichten über Menschen, die wenig bis nicht wahrgenommen werden, veröffentlichte ich 2019 "Am Rand" (BoD) Gedichte im Verlag Pro Lyrika: "Mondschaukel", "Windrosen", und im Eigenverlag: "Raum-Zeit Zeiten - Räume" sowie "Tore zu den Elementen". Unter dem Eindruck der Corona-Pandemie veröffentlichte ich letztes Jahr: "Ins Weite" und "Im Wellengang" (beide BoD). Eine besondere, bereichernde und schöne Erfahrung ist die Arbeit an gemeinsamen Büchern mit meinem Mann Kurt Rechsteiner: "Nachklänge, Dreihundert Jahre Ahnengeschichten" (2020 bei BoD). Als Co-Autorin versuche ich, die längst Verstorbenen in unserer Vorstellung lebendig werden zu lassen. Neu erscheint dieses Jahr bei BoD in gemeinsamer Arbeit: "Die im Dunkeln". Wir wollen an jene erinnern, die nie in Geschichtsbüchern erscheinen und von denen dennoch jede und jeder ein einzigartiger Mensch war. Meine Begeisterung für das Wort gebe ich seit fast 30 Jahren in Schreibwerkstätten weiter www.schreibwerk.ch. Mein politisches und soziales Engagement war und ist oft Grundlage für mein Schreiben. Inspiriert werde ich von Menschen im Alltag und dem Verweilen in der Natur. Wir haben einen Sohn und eine Tochter sowie einen Enkel, der oft frischen Wind in meine Schreibstube bringt.
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Ins Weite: Gedanken zur Corona-Pandemie Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenDie im Dunkeln: Den Vorfahren ein Gesicht geben Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenNachklänge: Dreihundert Jahre Ahnengeschichten Bewertung: 0 von 5 Sternen0 BewertungenAm Rand: Geschichten aus St. Gallen und anderswo Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
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Buchvorschau
Im Wellengang - Ruth Rechsteiner-Willi
Inhalt
Die erste Welle
Bleiben Sie zu Hause
Quarantäne und Nebenwege
Freiheit in der Beschränkung
Trauer und Abschied in Zeiten von Corona
Verfügbarkeit – verfügbar
Spaziergang von Bruggen in die Stadt
Die Erde erholt sich von den Menschen
Weisheit oder Geduld
Welche Gefahr ist grösser für unseren Planeten?
Durchhalten – oder loslassen?
Veränderung? – verändern!
Ins Weite
Ist die lange Weile vorbei?
Neue Normalität und Eigenverantwortung
Die zweite Welle
„La situation est grave!"
Jeder Fall ein Mensch
Sind wir mutig?
Corona ist eine Übung in Rücksichtnahme und Geduld
Das Schöne im Kleinen
Die Schweiz in Atemnot
Unglaubliche Zahlen
Historische Tage
Unbeschwerte Leichtigkeit
Abgesagt! – aber der Christbaum ist da!
Das schönste Lächeln der Welt
Die Welt hält den Atem an
Im Wellengang der Pandemie
Die erste Welle
Bleiben Sie zu Hause
Das war nicht nur ein Wunsch, sondern eine klare Aufforderung. Zu Hause bleiben ist für alle, die sich dort wohl fühlen, kaum ein Problem. Der Grund für diese Aufforderung schon eher. Plötzlich waren die über Fünfundsechzigjährigen nicht einfach pensioniert oder älter, nein, sie gehörten zur Risikogruppe, den besonders Gefährdeten, denen das Virus besonders arg zusetzen könnte.
Zu Hause bleiben kann eine Einschränkung der persönlichen Freiheit sein oder Freiraum eröffnen für das, wozu mit ausgefüllter Agenda wenig Zeit bleibt. So ist es mir ergangen. Zeit – viel Zeit stand zur Verfügung. Zeit, die zu füllen ich frei war wie ich sie gestalten wollte. Und weil das Schreiben zu meinem Leben gehört, formten sich Worte und Texte fast von selbst. Persönliche Gedanken – Gedanken ohne Grenzen, ins Weite gedacht. Über das eigene Erleben, aber auch Gedanken, die sich mit dem Leben anderer, mit der Gesellschaft in Corona-Zeiten auseinandersetzten.
So war die Aufforderung „Bleiben Sie zu Hause" kaum eine Einschränkung, sondern bot einen neuen Raum für das Schreiben. Es wurde eine persönliche Auseinandersetzung mit der Corona-Pandemie. Persönliche Gedanken können ankommen, herausfordern, auch ärgern. Ich will sie mit Ihnen teilen.
Ruth Rechsteiner
Quarantäne und Nebenwege
Geweckt wurde ich vom Gesang der Amsel. Ihre Melodienfolgen sind noch abwechslungsreicher als am Abend vorher. Ich lausche entzückt. Dieser kleine Vogel ist musikalisch und freut sich über die eigenen Gesänge, vermutlich. Ich weiss, dass seine Gesänge nicht einfach der Freude dienen; er markiert sein Territorium. Aber an diesem Morgen lasse ich keine nüchternen Gedanken zu. Ich lausche und freue mich, lasse mich überraschen von dem, was Neues aus dieser Kehle kommt. Die Kehle. Das Wort holt mich in die Realität. In der Kehle fühlen sich Viren besonders wohl, verbreiten sich bei guten Voraussetzungen völlig ungehemmt. Noch will ich mich diesen Gedanken nicht überlassen. Ich freue mich über das sanfte Frühlingslicht, in das mein Zimmer immer mehr getaucht wird. Ich liege und lausche. Lasse die Welt mit ihrer unsichtbaren Bedrohung draussen.
Wir spazieren auf Nebenwegen, wo wir garantiert niemandem begegnen werden. Nebenwege, ganz wörtlich ist das zu nehmen. Wir verlassen die gewohnten Wege, suchen neue und finden Wunder am Weg. Blumen, deren Namen wir nicht kennen, fotografieren wir, um sie zu Hause zu bestimmen. Dem Fluss entlang auf Wiesennebenwegen begegnen wir einem Teppich von wilden Tulpen. Begleitet werden wir vom sanften Plätschern des Flusses.
Und stehe dann doch auf. Erste Turnübungen sind ein Muss. Wer weiss, wie lange der Corona-Rückzug dauert, darum die Gelenke bewegen, Arme und Beine in Schwung bringen, den Nacken nicht vergessen, der unter der Corona-Anspannung steif werden könnte. Im Internet nachschauen welche Übungen auch noch sinnvoll wären, damit es nicht langweilig wird. Zeit ist für alles vorhanden. Viel Zeit. Zu viel Zeit? Alles mit Bedacht angehen. Das Frühstück schmeckt köstlich. Die Nachbarin hat frisches Brot gebracht. Noch lassen wir die Zeitung links liegen. Wir sind in einem Ferienmodus, sprechen nicht von Quarantäne. Dabei sind wir buchstäblich interniert, wir Alten. Und finden es auch noch gut, denn dieser Rückzug allein schützt uns vor Corona.
Einsame Spaziergänge auf Nebenwegen. Kein Mensch ist unterwegs – nur wir. Insekten schwirren um unsere Köpfe und beglücken uns, denn auch sie sind selten geworden. Wir freuen uns über den gaukelnden Flug zweier Zitronenfalter und bücken uns über Schlüsselblumen und Duftveilchen, atmen den betörenden Duft ein. Wir machen uns auf den Heimweg, denn schon bald werden die Wege nicht mehr einsam sein.
Nun doch die Zeitung. Wir sind erschüttert über die Zustände in Italien, im Tessin und in andern Kantonen. Wir sind voll Dankbarkeit und Bewunderung für Ärzte und Pflegepersonal, die Tag und Nacht Menschenleben zu retten versuchen. Dieser Einsatz weit über das menschliche Mass hinaus, zeugt von Solidarität, Menschenliebe. Wie oft haben wir über Individualismus und Egoismus geschimpft. Jetzt kommen andere Seiten zum Vorschein. Nicht nur Ärzte und Pflegepersonal leisten Grossartiges,
