Uhles Gartengedanken: Mehr als aufschreiben, was gerade wächst
Von Jürgen Uhlendorf
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Über dieses E-Book
Seit ich einen eigenen Garten habe, notiere ich Aussaaten, Pflanzungen und Ernten in meinen persönlichen Notizbüchern. Dabei stelle ich immer wieder fest, wie weit die Beschreibungen etablierter Gartenratgeber vom tatsächlichen Alltag im eigenen Garten entfernt sind. Die Freude am Ausprobieren und die Hinweise auf viele überraschende Erlebnisse, die in den "Sackgassen des Gärtnerlebens" stattfinden, fehlen allzu oft in den Beschreibungen. Es wird zwar der Anfang beschrieben, aber es bleibt offen, wie die angepriesene Bepflanzung im nächsten Frühjahr aussieht oder was aus den Duftkräutertrittsteinen wird, wenn Vogelmiere, Giersch und Quecke darüber hinweggefegt sind. Für mich gehören diese Erlebnisse genauso zum Gartenalltag wie die Frage "Gibt es wirklich den einen verlässlichen Weg zum Lieblingsgarten?".
Aus meinen Notizen sind mittlerweile über 400 Blog-Artikel entstanden. Diese bildendie Basis für dieses Buch. Über die Jahre wiederkehrende Themen habe ich zu längeren Kapiteln zusammengefasst. Andere Kapitel sind vollständig neu erstellt und geben die Erfahrung meiner Gartenjahre wieder.
Mein Ziel ist es, persönliche Erfahrungen und informatives Wissen zu einem unterhaltsamen Ganzen zu verbinden. Dabei soll die Freude am Gartenleben im Vordergrund stehen. Gärtnern ist zuallererst Balsam für die Seele. Auch wenn es zusätzlich einen Ertrag in Form von frischem Salat und eigener Marmelade liefert.
Für wen ist es?
Für jeden Gartenliebhaber, der sich vorstellen kann, neue gedankliche Wege zu gehen und ein nettes Gespräch nach einem langen Tag genießt.
Uhles Gartengedanken unterhalten den Leser und macht Mut,
- selbst mit dem Gärtnern zu beginnen,
- den eigenen Erfahrungen mehr zu vertrauen als allerlei theoretischen Ratgebern und
- über die Einzelfragen zu konkreten Gartenthemen hinaus das größere Ganze zu bedenken.
Uhles Gartengedanken verstehen sich als freundlich plaudernde Unterhaltung über den Garten. Statt Vorgaben, wie ein "richtiger" Garten zu sein hat oder jahreszeitliche To-do-Listen gibt es Garten - Leben - Jetzt!
Jürgen Uhlendorf
Jürgen Uhlendorf, geboren 1965, lebt in der Nähe von Kassel. Er studierte Chemie in Karlsruhe und Clausthal-Zellerfeld und arbeitet als Qualitäts- und Prozessmanager. Jürgen Uhlendorf gehört zu den Menschen, die nie ohne Notizbuch aus dem Haus gehen und überall Gedanken und Situationen sammeln. Das Schreiben gehört für ihn so selbstverständlich zu seinem Alltag, dass es viele Jahre brauchte, ihm bewusst zu machen, dass dies etwas Besonderes ist. In den letzten zehn Jahren wandte er sich in intensiv dem Thema Garten zu. Sein Gartenblog liefert vielfältige Texte vom Selbstversuch mit Gierschgemüse über den alljährlichen Gartenalltag bis hin zur Verarbeitung verschiedener Heilkräuter. Seine bisherigen Projekte über Reisen zu verschiedenen nordischen Inseln sowie der Zeit als Student im "Schattenland" liegen nur als Manuskript vor. Mit UHLES GARTENGEDANKEN wagt er zum ersten Mal den Schritt in die Welt des gedruckten Buches. Weitere Informationen über den Autor finden Sie unter www.juergenuhlendorf.blog.
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Buchvorschau
Uhles Gartengedanken - Jürgen Uhlendorf
Der Autor
Jürgen Uhlendorf, geboren 1965, lebt in der Nähe von Kassel. Er studierte Chemie in Karlsruhe und Clausthal-Zellerfeld und arbeitet als Qualitäts- und Prozessmanager.
In den letzten fünf Jahren wandte er sich in intensiv dem Thema Garten zu. Sein Gartenblog liefert vielfältige Texte vom Selbstversuch mit Gierschgemüse über den alljährlichen Gartenalltag bis hin zur Verarbeitung verschiedener Heilkräuter.
Weitere Informationen über den Autor finden Sie unter www.juergenuhlendorf.blog.
Das Buch
Die sogenannte Pflege des Rasens sorgt mit viel Aufwand an Zeit und Kraft dafür, dass sich die natürlich vorhandenen Pflanzen nicht ausbreiten. Während ich mich im Gemüsebeet anstrenge, dass der Salat gut wächst, sorge ich auf dem Rasen mit noch mehr Mühe dafür, dass etwas nicht wächst!
Vom Rasen zur Wiese – Ein blühender Sinneswandel
Garten ist nicht einfach ein Stück Land, das ich in Reihen aufteile und dem ich die Saatguttüten zuordne. Der Garten ist mehr als die Ansammlung von Pflanzen! Garten ist eine Lebensweise.
Leben im Naturgarten
Inhalt
Gartengeplauder oder Dieses Buch ist gut für
Der Garten ist meine Geschichte
Das erste Schneeglöckchen kämpft sich durch die Kälte
Januargarten oder Der Winter in den Gartenzeitschriften
Februargarten: Geduld & Planung
Keltischer Frühlingsanfang
Märzwinter
Gartentagebuch: Der erste Gartentag!
Aussaatplan
Winterverluste
Der wilde Heilpflanzengarten
Hochbeet: Gartentraum und Wimmelbeet
Vorgarten
Die große Entgierschung
Vom Gärtnern: Gedanken über Gartenwerkzeuge
Die Queckenjagd
Das erste Jahr als Kartoffelbauer
Wildflowers ahead! – Wie alles anfing
Der Pflanzenmarkt
Mauersegler und Holunderblüte: Die Sommerboten
Vorhang auf für den Salbeigarten
Sommer im Garten
Sommerernte
Dies wird mein Jahr der Tomate!
Tomatenmarketing
Ernte im Tomatengarten
Sommer mit Eibe
Sonne – Leben – Leichtigkeit: Sommer ist Farbe!
Eine Art Bauerngarten
Vom Rasen zur Wiese – Ein blühender Sinneswandel
Der Traum vom einfachen Leben
Leben im Naturgarten
Blaue Blume an der Landstraße: Die Wegwarte
Alles außer Anleitungen zum Jäten – Was es zum Giersch zu wissen gibt
Die Gartenlandschaft des Lake Districts
Marmeladerie – Plötzlich Selbstversorger
Der schiefe Baum – Baumfällen für Anfänger
Herbstgartenimpressionen
Herbstarbeiten
Den eigenen Spitzwegerichhonig herstellen
Der „fehlende" Winter
Die Wintertomate
Leben ist JETZT!
Eibe: Finstergiftig und ewig alt
Mittwinter und die Raunächte: Die Zeit dazwischen
Gartengeplauder oder
Dieses Buch ist gut für …
Es ist Nachmittag. Die Arbeit im eigenen Garten ist getan. Sie haben Ihr neues Gemüsebeet gejätet und sitzen erschöpft aber glücklich mit einem Tee auf der Gartenbank.
Für mich sind das die Momente, in denen ich genug davon habe, zu lesen wie der Kompost aufgesetzt werden muss und welche Tomatensorte wann reif ist. Dann genieße ich es, einem Text zu lauschen, der zwar „irgendwie" mit Natur und Garten zu tun hat, aber ansonsten nett dahinplaudert. Für solche Momente ist dieses Buch gedacht.
Mir geht es nicht darum, zu erklären, warum die neueste Modefarbe der Tulpensaison völlig unmöglich ist oder Ihnen einzureden, dass es nur eine einzige wirklich richtige Methode gibt, Gurken anzubauen – nämlich meine! Sehen Sie* dieses Buch als einen Plausch am Gartenzaun:
„Na, wie geht es den Tomaten? Immer noch Harzfeuer, wie jedes Jahr?"
„Ach, weißt du*, dieses Jahr traue ich mich mal an andere Sorten. Die Rote Zora soll ja sogar im Freiland wachsen. Das probiere ich aus!"
Seit mehr als fünf Jahren schreibe ich den Gartenblog, aus dem dieses Buch entstanden ist. Dabei werde ich oft gefragt, was das ist, das ich da schreibe: Garten-Tipps? Kolumnen? Kräuterweisheiten? Etwas Unterhaltsames? Ein Sachbuch?
Ich schaue mir die Bücher an, die für mich Vorbilder sind: Reginald Arkell (Pinegars Garten), Michael Pollan (Meine zweite Natur: Vom Glück, ein Gärtner zu sein), Susanne Wiborg (Bin im Garten), Ilga Eger (Ein Jahr im Garten), Max Scharnigg (Feldversuch). Keines davon bezeichnet sich als Roman, Sachbuch oder Erzählung. Es wird dem Leser überlassen, zu entscheiden, was er da liest. Nun gut, wenn es noch keine Bezeichnung für freundlich-unterhaltende und zugleich sachlich-informative Gartengeschichten gibt, dann erfinde ich sie selbst: Dieses Buch enthält literarische Gartensachgeschichten. Oder um es weniger förmlich auszudrücken: Gartengeplauder.
Uhles Gartengedanken ist gut für …
Die Freude am Gärtnern, auch wenn es nicht so wird wie geplant.
Die eine oder andere Idee, auf die man selbst noch nicht gekommen ist.
Den Blick vom eigenen Garten zum großen Ganzen.
Das Glas Rotwein nach einem anstrengenden Gartentag.
* Welche Anrede passt zu einem Gartenbuch? Ich selbst mag es nicht, wenn ich in Texten von mir völlig fremden Menschen mit „Du angeredet werde. Andererseits ist das Miteinander an Gartenzäunen und Pflanzenbörsen so freundschaftlich und zugewandt, dass mir das distanzierte „Sie
dafür ungeeignet erscheint.
Der Garten ist meine Geschichte
Ein Geschichtenerzähler muss seine Figuren gut kennen, bevor er sie in seine Geschichte lässt. Er ruft die schillerndsten und finstersten Figuren zusammen. Von der gütigen Großmutter bis zum heimlichen Bösewicht. Aber sobald er das Wort ENDE schreibt, ist die Geschichte vorbei und der Erzähler ist seine Figuren wieder los. Als Gärtner lebe ich mit meinen Figuren. Umso sorgfältiger muss ich, als Erzähler meines Gartens, meine Figuren auswählen.
Welche Geschichte ist es, die der Garten erzählt? Ist er eine achtköpfige Patchworkfamilie, in der es täglich voller Leben drunter und drüber geht? Mittendrin eine himmelhohe Kastanie. Ein ganzes Menschenleben steht sie schon hier. Rundherum viele leuchtende Blüten von Löwenzahn, Schafgarbe, Wiesenschaumkraut und Habichtskraut, die Farbe in jeden erdenklichen Winkel des Gartens bringen.
Oder ist der Garten ein altes Ehepaar, das sich selbst und das Leben verstauben lässt? Jeden Morgen die immergleiche Scheibe gesundes Vollkornbrot. Nach dem Frühstück wird der Teller sofort abgespült. Keiner der 137 Lebensbäume, die jedes Licht und jede Lebendigkeit aus dem Garten fernhalten, tanzt aus der Reihe. Der Zaun zur Straße verdeckt die kahlen Stellen an den Füßen der finsteren Abwehrpflanzen.
Wie wird sie werden, meine Geschichte dieses Gartens? Weiß ich sie überhaupt selbst schon? Der Garten weiß sie genausowenig wie ich. Gemeinsam gehen wir auf Entdeckungsreise. Erleben die ersten Sommer voll jugendlichen Wirbelns. Die ersten Winter mit philosophischer Einkehr. Jedes Jahr neu. Nach einigen ersten Jahren bin ich erstaunt, welch Ensemble an Figuren und Bewohnern sich hier versammelt hat.
Da sind die Tomatenprinzessinnen. Sie werden als erste genannt. Immer. Selbst jetzt im Winter, obwohl sie gar nicht da sind. Wie schaffen sie das bloß? Sie haben selbstverständlich ihren eigenen Bereich. Sie sind nicht irgendwer. Sie sind die Pflanzen, für die gesorgt wird. Und trotzdem nörgeln sie herum. Der Sommerflieder stehe zu nah und nehme ihnen die Nachmittagssonne. Der Gärtner ließe die Regenschauer zu sehr an sie heran.
Außerdem alle weiteren Saisongäste. Der Spinat lässt sich schon wenige Tage nach dem letzten Frost aussäen. Danach die anderen Salate, Gemüse und Sommerblumen. Manche kehren von alleine zurück wie die Ringelblumen. Andere wollen förmlich eingeladen werden und füllen die Reihen der Anzuchtschalen.
Die Immerdapflanzen geraten meist etwas in Vergessenheit. Obwohl gerade sie es sind, die den Rahmen bilden und der Geschichte ihre Struktur geben. Die finsteralte Eibe neben der Gartenbank. Die lange Reihe Hainbuchen. Ein fünfzehn Meter breites Stopp-Schild: Hier ist Schluss mit diesem Garten. Wer hier weiterwächst, kommt in ein neues Reich. Giersch und Lerchensporn kümmern solche Warnungen wenig. Das sind die Krawalltouristen in meinem Ensemble. Keine, die ich mir ausgesucht hätte. Sie waren einfach vor mir da. Und mit Autorität und Regeln ist beiden nicht beizukommen.
Ich ahne schon, das wird ein spannendes Jahr:
Wie werden die verschiedenen Wucherer Storchschnabel, Waldmeister und Pfefferminz den Halbschatten an der Felsenbirne unter sich aufteilen?
Gelingt es, mir die Amseln davon abzuhalten, sämtliche Aroniabüsche abzuernten?
Lässt sich mit der hinterlistigen Quecke eine Art Friedensvertrag für das Staudenbeet aushandeln?
Das erste Schneeglöckchen
kämpft sich durch die Kälte
Für mich ist das der Anfang des Gartenjahres. Natürlich ist es noch kalendarischer Winter und ich habe keine Ahnung, ob das Schneeglöckchen sich selbst noch zum Winter oder schon zum Frühling zählt. Für mich ist es schon jetzt der Neuanfang.
Sätze wie „Mein Gartenfrühling beginnt mit Imbolc!" klingen nach jahrhundertealtem Wissen. Meine unerfahrene Gärtnerseele schreckte lange zusammen und wurde ganz kleinlaut, wenn mein Gegenüber mit solch geballtem Wissen aufwartete. Inzwischen weiß ich, dass solch ein Satz völliger Unsinn ist. Es funktioniert einfach nicht. Ich notiere nun schon seit fünf Jahren, welche Arbeiten ich wann erledige und hoffe jedes Jahr, dass ich aus den Notizen im nächsten Frühling Jahr etwas lernen kann. Und trotzdem fängt jeder Frühling auf seine eigene Weise an.
Der Frühling, das ist weder Imbolc noch eine statistische Durchschnittstemperatur. Die Luft riecht plötzlich anders. Ein erstes laues Lüftchen. Von irgendwoher zwitschern Vögel und ich kann in den ersten Sonnenstrahlen für kurze Zeit wieder auf der Gartenbank sitzen. Sobald die Sonne hinter den Nachbarhäusern verschwindet, wird es schnell kalt und der erste Frühlingshauch ist wieder vorbei. Aber er war da! Auf dem Weg zurück ins Haus fällt mir dann vielleicht eine Schlüsselblume oder eine Scilla auf, die gestern noch nicht da war. So fängt für mich der Frühling an. Auch wenn der Winter immer mal wieder eine Nachhut schickt, seine Tage sind gezählt und ich fange an, mich ernsthaft mit dem Frühling zu beschäftigen.
Januargarten oder Der Winter in
den Gartenzeitschriften
Man darf den Winter in den Gartenzeitschriften nicht mit dem Winter im Garten verwechseln. Das gilt zwar für das ganze Jahr, aber im Winter wird es am deutlichsten. In den Gartenzeitschriften dominieren zu dieser Zeit immer wieder zwei Themen:
Wunderschön mit Raureif überzogene Stauden
Diese Fotos sind wirklich schön. Mir gelingen sie nur äußerst selten. Meist liegt es daran, dass die alten Blütenstände zwar noch da sind, aber mit oder ohne Raureif einfach nur verwelkt und hässlich aussehen. Es mag aber durchaus Gärtner geben, denen die Fotos gelingen und dann sind sie wirklich beeindruckend.
Ich bin dazu übergegangen, die Stauden bereits im Spätherbst/Frühwinter zurückzuschneiden. Das ist eine gute Arbeit für den November- oder Dezembergarten, je nachdem, wann eine günstige Gelegenheit dafür ist. Im Februar/März, wenn das neue Gartenjahr beginnt, ist mit jedem Sonnentag so viel zu tun, dass ich froh darum bin, wenn diese Arbeit bereits erledigt ist. Da ist es praktischer im neuen Gartenjahr das Beet leer zu haben und neu zu beginnen. Das Alte soll im alten Jahr zurückbleiben.
Welche Winterarbeiten jetzt zu erledigen sind
Die Autoren schwärmen vom Blättern in Gartenkatalogen, der Pflege der Gartengeräte oder dem Herstellen von selbst geschnitzten Kleiderhaken aus Astgabeln. Ich sehe das mittlerweile ganz anders. Ich habe den Eindruck, dass den Gartenheftautoren einfach nichts einfällt, aber der Herausgeber darauf besteht, dass es auch im Januar ein neues Heft gibt. Das Gärtnern ist ein Leben mit und in der Natur. Bereits im späten Herbst ist deutlich zu spüren, wie die Natur „ausatmet" und zur Ruhe kommt. Dem sollte sich der Gärtner anschließen. Der Winter ist nicht die Zeit, um der Natur wie Hase und Igel ein Schnippchen zu schlagen und vor dem Frühjahr schon da zu sein. Das ist doch genau das, was die Baumärkte mit vollen Pflanzenregalen zur Unzeit vormachen. Welchen Grund sollte es geben, sich daran zu orientieren? Der Winter ist auch für den Gärtner die Zeit der Ruhe und des Insichgehens nach getaner Arbeit. Ein guter Platz ist ein Sessel am Kaminfeuer.
Februargarten: Geduld & Planung
Anfang Februar höre ich die ersten Kraniche. Kann das sein oder war das eine akustische Täuschung? Abgesehen von Schneeglöckchen und Winterlingen sind die Beete noch braun und wüst. Im Dezember hatten sich die ersten Blüten der Schlüsselblume hervorgewagt, aber inzwischen wurden sie von den wenigen Tagen strengen Frostes vertrieben. Nachdem es lange so aussah, als fiele der Winter komplett aus, schleichen sich jetzt im Februar doch der Frost und gelegentliche Schneeflocken heran. Mittlerweile fällt es mir echt schwer, mich durch all die verschiedenen Eindrücke hindurchzufinden:
Für die Kelten ist ab 2. Februar Frühling
Phänologisch ist die Zeit der Schneeglöckchen der Erst-Frühling
Kalendarisch ist noch Winter
Ja was denn nun? Gibt es eigentlich neben den keltischen, phänologischen und kalendarischen Jahreszeiten auch „gärtnerische Jahreszeiten? Dann würde ich die aktuelle Jahreszeit als „Verwirrung
beschreiben.
Ich habe den Eindruck, dass im Februar vor allem eine besondere Tugend des Gärtners gefragt ist: Geduld. Das Frühjahr ist noch weit, auch wenn es bei jedem Sonnenstrahl in den Fingern juckt, ob vielleicht nicht doch schon das Frühbeet bepflanzt werden kann. Zur Überbrückung dieser Wartezeit kommt nun der einzige Tipp zum Tragen, den ich mit den Gartenzeitschriften gemeinsam empfehle: Saatgutbestellung!
Welches Saatgut ist nötig? Wie viel davon? Welche Sorte genau? Anhand der Erfahrungen des vergangenen Jahres (jetzt macht sich ein Gartennotizbuch bezahlt) lässt sich gut herausfinden, was wirklich gebraucht wird. Wenn ich jetzt einen halbwegs realistischen Pflanzplan erstelle, kann ich in einem Anlauf alle benötigten Pflanzen und Sorten notieren und stehe nicht bei jedem Einkauf mit großen fragenden Augen an den riesigen, bunten und verführerischen Saatgutregalen und überlege „Habe ich schon Postelein?".
Natürlich darf man träumen und sich vornehmen, zehn Tomatensorten anzubauen, obwohl man längst weiß, dass nur Platz für fünf bis sieben ist. Natürlich darf man von Haferwurz fasziniert sein, auch wenn man keine Ahnung hat, wie sie wächst und ob man die Ergebnisse dann wirklich essen mag. Dennoch wird man auf diese Weise deutlich weniger und gleichzeitig passender kaufen.
Noch ist im Garten nichts zu tun. Für heute also noch einmal Teetrinken und Abwarten. Bald genug wird es losgehen mit der Gartenarbeit.
Keltischer Frühlingsanfang
Ich habe mich so an unsere kalendarischen Jahreszeiten gewöhnt, dass ich überrascht davon bin, dass es auch anders geht. Für die Kelten begann der Frühling bereits am 2. Februar. „Am 2. Februar? Wie kommt man denn auf so ein schräges Datum, dachte ich zuerst. Aber es ist ganz einfach und logisch. Der 2. Februar ist genau die Mitte zwischen der Wintersonnenwende (21. Dezember) und der Tag-Nacht-Gleiche am 21. März. Was feierten „die Kelten
– wer auch immer das so ganz genau war – bloß in
