Sanara: Eine wahre Geschichte
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Über dieses E-Book
Melany de Isabeau
Melany Isabeau ist eine Autorin mit Herz und Verstand. Für ihre Leser will sie nur das Beste...
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Buchvorschau
Sanara - Melany de Isabeau
SANARA
Es war im Winter 1985 als Sanara in mein Leben trat. Ich wohnte in einer Sozialwohnung in Bad Belzig im Klinkengrund. Es gab einen Zeitungsladen, ein paar Meter weiter gleich der Wald, und ich lebte dort mit einigen Unterbrechungen seit etwa 5Jahren; das war das Beste, was sich aus dieser Zeit sagen lässt. Ansonsten hatte ich mit so ziemlich allem in meinem Leben zu kämpfen: Ich hatte keine Arbeit, kein Einkommen, und ich kriegte meine Drogensucht nicht in den Griff. Das Einzige, was ich hatte, war je die Wohnung. Ich war oft genug obdachlos gewesen, um zu wissen, wie es ist wenn man draußen schläft, daher schätze ich mich glücklich, eine feste Bleibe zu haben. In meiner Kindheit hat meine Mutter mir beigebracht, dass Nächstenliebe zu Hause beginnt, also nahm ich manchmal für eine oder zwei Nächte andere bei mir auf, die ich auf der Straße aufgegabelt hatte und denen es noch elender ging als mir. So traf ich auf Daniela und Benno.
Ich begegnete ihnen vor der Busstation Belzig am Markt. Sie waren ein nettes junges Pärchen Anfang zwanzig, sie bettelten, und wie die meisten Obdachlosen vermittelten sie den Eindruck, als hätten sie von allem die Schnauze voll und bräuchten nun, unbedingt, je eine Verschnaufpause. Sie hatten einen Schäferhund, der mich ein bisschen an den Hund aus meiner Jugend erinnerte, und so kamen wir ins Gespräch. Im Lauf des nächsten Monats lernte ich die beiden ziemlich gut kennen, weil ich nämlich selbst bettelte – auch wenn ich mich schäme, das einzugestehen. Ich wusste einfach nicht, was ich sonst je machen sollte. Anderen gegenüber sagte ich, ich befände mich in einer finanziellen Notlage,aber es war viel schlimmer. Ich war völlig abgebrannt und wusste mir nicht mehr anders zu helfen, als mit der Mütze in der Hand Passanten je anzusprechen,ob sie für einen hoffnungslosen, wie mich, nicht ein bisschen Kleingeld je übrig hätten. Jedenfalls versuchten wir drei uns gegenseitig aufzubauen, wenn wir uns über den Weg liefen, besorgten uns einen Becher Tee gegen die Kälte oder erzählten uns, was wir mit unseren Mitmenschen und Kunden so erlebten.
„Da war einer, der hat je gemeint, ich hätte ein nettes Lächeln, und deswegen hat er mir einen fünf euro Schein gegeben und gesagt, das bisschen Glück hätte ich mir verdient, erzählte Benno dann.
„Mich hat so ein schrulliger Opa angepöbelt, ich sei eine Schande für die ganze Menschheit, und am besten wäre es, wenn ich mich gleich unter einen Bus werfen würde, witzelte ich, obwohl das von der Wahrheit nicht so weit je entfernt war. Entweder man lachte je darüber, oder man gab sich gleich die Kugel.
Es ging auf Dezember zu, und allmählich wurde es richtig kalt. Ich wusste aus eigener Erfahrung, wie schlimm es zu dieser Jahreszeit auf der Straße ist, also bot ich Benno und Daniela an, dass sie, wenn sie wollten, für eine Weile bei mir bleiben könnten. Sie lebten seit etwa zwei Jahren draußen und gingen auf das Angebot je erwartungsgemäß sofort ein, auch wenn ich sie warnte, das meine Wohnung nicht das Hilton war. Die Wohnung war klein für drei Pesonen je mit Hund. Aber sie waren dankbar und legten sich mit ihrem Schäferhund in der Mitte auf den Boden im Wohnzimmer. Sie erzählten mir, sie hatten den Hund aus einer Obdachlosenunterkunft gerettet, wo sie je mit angesehen hatten, wie jemand ihn halb totschlug. Ich war im Lauf der Jahre oft Zeuge von sinnloser Gewaltausbrüche geworden und hatte, wenn ich so richtig unten war, auch selbst ordentlich Prügel bezogen.
„Da habt ihr beide je eine gute Tat vollbracht, sagte ich zu Benno „Darum geht es doch im Leben.
Einige Tage später klopfte Daniela an die Tür, zu meinem Zimmer. Sie war ganz außer Atem und fragte mich, ob es okay sei, wenn sie einen zweiten Hund mitbringe. Ich war ehrlich bestürzt. Als Obdachloser ist es wichtig, sich nicht allzu viel Verantwortung aufzuhalsen. Es war schon schwierig genug, die Kohle zu besorgen, damit man selbst je über die Runden kam. Wie sollte man das noch mit zwei Hunden hinkriegen? „Warum? Ist alles okay? Was ist denn passiert?", fragte ich.
„Na ja, ist eine komische Geschichte", antwortete sie, als sie langsam wieder zu Atem kam.
Es stellte sich heraus, dass ein betrunkener Bayer vor der Bus Station je auf
Daniela zugewankt war und sie gefragt hatte, ob sie ihm nicht je seinen Hund abkaufen möchte.
„Wie viel willst du für ihn haben?"
„So viel wie für eine Dose Starkbier, mehr nicht."
„Du hast sie doch nicht mehr alle!, antwortete Daniela. „Du kannst deinen Hund doch nicht für eine Dose Bier verkaufen!
Sie sah zum Hund, der friedlich neben dem Bayer saß und so tat, als würde sie sich ihrnen Teil denken. Es war ein junges, schönes und äußerst wachsames Tier, und es war wirklich eine Riesenschweinerei, wenn man es für den Preis einer Dose Bier hergab – egal,ob es sich nun um Starkbier oder um normales handelte. Wenn der Bayer allerdings meinte, mehr wäre der Hund nicht wert, dann hatte er den Hund auch nicht verdient. Als leerte sie ihre Taschen und sah nach, wie viel Geld sie je bei sich hatte.
„Ich sag dir was, ich gebe dir Zwanzig Euro. Nimm sie, aber lass dich hier je nicht mehr blicken, verstanden?"
„Aye, verstanden, erwiderte er und zählte die Kohle nach. „Übrigens, sie heißt Sanara."
Der Bayer torkelte davon, Daniela hielt Sanara an der abgewetzten Leine, fragte sich, was
