Handbuch für den Muschelsammler: Käferschnecken, Zahnschnecken, Muscheln, Schnecken, Kopffüßer, Brachiopoden, Seeigel, Seesterne & Landschnecken sowie Mollusken des Süßwassers aus aller Welt
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Über dieses E-Book
Sven Erik Gehrmann
Sven Erik Gehrmann, born in 1969 in Berlin and currently living in Norden near Norddeich on the coast of Lower Saxony, has been interested in everything that lives under water since he was a child. He has always been particularly interested in and fascinated by crustaceans and fish. Since 1983, he has been an enthusiastic hobby aquarist and nature fan of our native aquatic animals, especially North Sea animals. In his cellar he keeps a collection of various preserved species, so that whenever he gives a tour of the cellar, he is wont to say: "So, others have a carcass in the cellar? I have a few more..." (Estimated 500 preserved species. Or are there in-between 600?). So far, he has published various articles in aquaristics journals, ranging from North Sea animals to articles on anemone fish and various crustaceans. You can find him on the internet at: www.nordseefauna.org. In his publications, he never minces his words and calls a spade a spade, since obviously no one else does. In doing so, he has no regard for the false kind of "political correctness" that has been successfully installed everywhere here in order to preserve the appearance of decency. Nor does he profess to belong to any political party or direction, but only feels committed to the cause of the North Sea animals. Due to the dramatic climate changes in the North Sea within the last decade, he now sees himself as an independent nature activist, nature cryptographer and climate protector.
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Buchvorschau
Handbuch für den Muschelsammler - Sven Erik Gehrmann
Einführung
Zwar trägt dieses Werk den Titel „Handbuch für den Muschelsammler", doch soll es nicht nur irgendwelche toten Molluskenschalen illustrieren. Diese Intention lag bei der Erstellung dieses Buches nicht vor. Vielmehr wollte ich die großartige biologische Diversität mariner Schalen aus allen Weltmeeren zeigen, was sowohl tropische Arten als auch Spezies der Kaltwasserzonen einschließt. Dabei habe ich als Grundlage das WORLD REGISTER OF MARINE SPECIES (WORMS) herangezogen, welches eine internationale Plattform der Wissenschaft darstellt. Diese umfasst die derzeit gültigen wissenschaftlichen Namen und Systematiken unserer rezenten Meerestiere. Falls sich nach Veröffentlichung dieses Buches mal wieder der eine oder andere lateinische Gattungsname geändert hat, so bitte ich hierfür um etwas Nachsicht. Leider sind die Taxonomen ständig mit Revisionen beschäftigt, weshalb man die Vergabe der wissenschaftlichen Namen nicht als statisches Gebilde verstehen darf.
Wenn man sich so daran herantastet, Meerestiere besser kennen zu lernen, so entwickelt man schnell ein umfangreiches Wissen und Verständnis über die verschiedenen Arten, ihre Überlebensstrategien, ihre Art des Nahrungserwerbes und wie sich die Arten selbst gegen die vielen Räuber wehren und verteidigen. Und darin liegt ein viel größerer Gewinn als der bloße Besitz einer toten Schale eines verblichenen Lebewesens. Darüber hinaus habe ich dann und wann auch erwähnt, ob und wie verfügbare Arten in einem Meerwasseraquarium gehalten werden können. Und sehr viele dieser Erfahrungen sind meine eigenen, die ich auf diesem Wege gerne mit der stetig wachsenden Zahl der Meerwasseraquarianer teilen möchte. Denn lebende Seetiere in einem Aquarium zu beobachten bedeutet gleichzeitig die Chance, diese Tiere besser kennen und schätzen zu lernen, als wenn man tote Schalen sammelt. Und dies beinhaltet die Hoffnung, dass eine weltweite Gemeinschaft von naturbegeisterten Menschen wächst, welche beginnt, eine Lobby für diese interessanten Tiere zu bilden und deren Habitate zu schützen. Die allermeisten Arten sind inzwischen bedroht, weil die Menschheit immer stärker wächst und die Lebensbedingungen für Wildtiere sich stetig verschlechtern. So sagen uns diverse Experten ein bisher nicht dagewesenes Artensterben voraus, dem schätzungsweise 30-40% aller bisher bekannten Arten zum Opfer fallen könnten! Und dies „nur" durch anthropogene Einflüsse. So wie Klimaveränderungen, Meeresverschmutzung und Überfischung, um nur die wichtigsten zu erwähnen. Darüber hinaus gibt es weitere Schalen von Seetieren, die für Sammler und Hobbybiologen interessant sind. Hierzu gehören unter anderem Armfüßer, Seeigel und Seesterne. Und weil eine wachsende Anzahl von Sammlern sich neuerdings auch diesen Feldern zugewandt hat, habe ich einige dieser interessanten Tiere in den Kontext dieses Werkes integriert. Das Internet bietet uns die großartige Chance, internationale Netzwerke zu gründen und zu unterstützen, um uns für die (leider!) breitflächig schwindende Fauna des einen Weltmeeres gemeinsam mit vielen Stimmen und Unterstützern einzusetzen. Zugunsten einer offensichtlich in vielerlei Hinsicht geschädigten Umwelt, deren Geschöpfe bisher ungehört von der Masse der Menschen jeden Tag nach Erlösung schreien…
Sven Erik Gehrmann, im Frühjahr 2020.
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Hinweise:
Das wissenschaftliche System der Mollusken (stark vereinfacht)
Klassifizierung einer Molluske
Historische Muschelschalen
Wie man Muschelschalen in Szene setzt
Die Muschelsammlung
Marine Habitate
Mangrovengürtel
Seegraswiesen
Lagunen
Felsenküsten
Korallenriffe
Wracks
Muschelbänke
Offener Ozean
Die Gemeine Müllbank
Stamm Mollusca - Weichtiere:
Klasse Polyplacophora - Käferschnecken
Superfamilie Chitonoidea
Klasse Scaphopoda - Zahnschnecken
Zahnschnecken - Dentaliidae
Klasse Gastropoda – Schnecken
Kugelschnecken - Akeridae
Seehasen - Aplysiidae
Sonnenradschnecken – Architectonicidae
Klinkhörner & Wellhornschnecken – Superfamilie Buccinoidea
Familie Buccinidae
Familie Colubrariidae
Familie Columbellidae
Familie Fasciolariidae
Familie Melongenidae
Familie Pisaniidae
Blasenschnecken - Bullidae
Pantoffelschnecken - Calyptraeidae
Wurm-, Turm- und Hornschnecken - Superfamilie Cerithioidea
Hornschnecken – Cerithiidae
Schlammhornschnecken – Potamididae
Schlitzwurmschnecken – Siliquariidae
Turm-, Schrauben- und Wurmschnecken – Turritellidae
Superfamilie Conoidea – Kegelschnecken, Schraubenschnecken, Turriden etc.
Kegelschnecken - Conidae
Weitere Turridenschnecken - Raphitomidae
Schraubenschnecken - Terebridae
Kanopenkrüge - Cylichnidae
Turridenschnecken - Turridae
Kauris – Cypraeidae
Wendeltreppen - Epitoniidae
Kaffeebohnen - Ellobiidae
Feigenschnecken - Ficidae
Wattschnecken - Hydrobiidae
Floßschnecken – Janthinidae
Schlitzschnecken - Fissurellidae
Seeohren oder Abalonen - Haliotidae
Strandschnecken - Littorinidae
Felsenschnecken – Superfamilie Muricoidea
Babylonschnecken - Babyloniidae
Gerippte Mitraschnecken - Costellariidae
Harfenschnecken - Harpidae
Randschnecken - Marginellidae
Mitraschnecken - Mitridae
Felsen- oder Stachelschnecken - Muricidae
Unterfamilie Ergalataxinae
Unterfamilie Coralliophilinae - Korallenschnecken
Unterfamilie Muricinae
Unterfamilie Muricopsinae
Unterfamilie Rapaninae – Igelschnecken und andere
Unterfamilie Ocenebrinae
Lampen- & Vasenschnecken - Turbinellidae
Faltenschnecken - Volutidae
Unterfamilie Amoriinae
Unterfamilie Athletinae
Unterfamilie Volutinae
Netzreusenschnecken - Nassariidae
Mond- oder Nabelschnecken - Naticidae
Superfamilie Lottioidea – Schildkrötennapfschnecken – Lottiidae
Nixenschnecken - Neritidae
Olivenschnecken - Olividae
Schlitzschnecken - Pleurotomariidae
Weberschiffchen & Eischnecken - Ovulidae
Superfamilie Patelloidea - Echte Napfschnecken - Patellidae
Kerfen - Triviidae
Flügelschnecken und Teufelskrallen – Superfamilie Stromboidea
Flügelschnecken aus Atlantik und Mittelmeer - Aporrhaiidae
Geschossflügelschnecken - Seraphsidae
Tibiaschnecken - Rostellariidae
Flügelschnecken und Teufelskrallen - Strombidae
Tonnenschneckenartige – Tonnoidea
Froschschnecken – Bursidae
Helmschnecken – Cassidae
Tritonshörner – Charoniidae
Behaarte Tritonshörner – Cymatiidae
Tonnenschnecken - Tonnidae
Superfamilie – Trochoidea - Kreiselschneckenartige
Delphinchen – Angariidae
Kreiselschnecken – Calliostomatidae
Kreiselschnecken – Tegulidae
Kreiselschnecken – Trochidae
Turbanschnecken - Turbinidae
Schirmmützenschnecken – Umbraculidae
Wurmschnecken - Vermetidae
Trägerschnecken - Xenophoridae
Klasse Bivalvia, Muscheln
Sattelmuscheln - Anomiidae
Archenmuscheln - Arcidae
Islandmuscheln - Arcticidae
Astarte Muscheln - Astartidae
Herzmuscheln - Cardiidae
Unterfamilie Cardiinae
Unterfamilie Fraginae
Unterfamilie Lymnocardiinae
Unterfamilie Laevicardiinae
Unterfamilie Orthocardiinae
Unterfamilie Trachycardiinae
Unterfamilie Tridacninae - Riesenmuscheln
Juwelenkästchen - Chamidae
Trapezmuscheln - Carditidae
Gebogene Archenmuscheln - Cucullaeidae
Samtmuscheln - Glycymerididae
Felsenbohrer – Hiatellidae
Zungenmuscheln – Glossidae
Zackenaustern - Gryphaeidae
Mangrovenaustern - Isognomonidae
Hammeraustern - Malleidae
Feilenmuscheln - Limidae
Mondmuscheln - Lucinidae
Unterfamilie Fimbriinae – Körbchenmondmuscheln
Superfamilie Mactroidea – Korbmuscheln
Korbmuscheln – Mactridae
Schnabelmuscheln - Nuculanidae
Sandklaffmuscheln - Myidae
Miesmuscheln - Mytilidae
Austern - Ostreidae
Büchsenmuscheln – Pandoridae
Kammmuscheln - Pectinidae
Steckmuscheln - Pinnidae
Sattelaustern - Placunidae
Perlaustern - Pteriidae
Superfamilie Solenoidea – Rasiermesser- & Scheidenmuscheln
Rasiermessermuscheln – Pharidae
Scheidenmuscheln - Solenidae
Stachelaustern - Spondylidae
Echte Bohrmuscheln - Pholadidae
Superfamilie Tellinoidea - Sägezähne, Pfeffermuscheln, Sandmuscheln, Tellmuscheln und andere
Pfeffermuscheln - Semelidae
Sandmuscheln - Psammobiidae
Tellmuscheln - Tellinidae
Superfamilie Veneroidea – Venusmuscheln
Falsche Bohrmuscheln – Unterfamilie Petricolinae
Venusmuscheln - Veneridae
Bohnenmuscheln - Thraciidae
Klasse Cephalopoda, Kopffüßer
Zehnarmige Kopffüßer – Superordnung Decapodiformes
Präparation eines Kopffüßers
Posthörnchen- Spirulidae
Perlboote - Nautiloida
Papierboote - Argonautidae
Landschnecken
Landschnecken aus Europa
Tropische Landschnecken
Süß- und Brackwasserschnecken
Tropische Schnecken aus dem Süßwasser
Nixenschnecken des tropischen Brack- und Süßwassers
Europäische Süßwasserschnecken
Süßwassermuscheln
Süßwassermuscheln aus Eurasien
Muscheln aus Südostasien für die Aquaristik
Muscheln aus Südostasien der Schmuckindustrie
Tiere aus anderen Stämmen, die nicht zu den Weichtieren gehören
Stamm Brachiopoda, Armfüßer
Stamm Echinodermata, Stachelhäuter:
Seeigel - Echinoidea
Seesterne – Asteroidea
Abschließende Hinweise:
Danksagungen
Literatur und Quellen
Warum die moderne Meerwasseraquaristik einen echten Beitrag zum Umweltschutz leisten kann
Ein Aquarium für Schnecken aus dem Mittelmeer
Epilog, Frühjahr 2020
Index der wissenschaftlichen Namen
Das wissenschaftliche System der Mollusken (stark vereinfacht)
Benötigen Muschelsammler und Hobbyisten überhaupt wissenschaftliche Kenntnisse auf dem Gebiet der Mollusken? Natürlich nicht, würden wohl die meisten Leute sagen. Aber auf der anderen Seite ist es eine profane Tatsache, dass insbesondere die Mollusken meist unter ihrem wissenschaftlichen Namen gehandelt werden. So ist es also doch geboten, zumindest den wissenschaftlichen Namen einer Muschel zu kennen, um Missverständnissen vorzubeugen. Der große Vorteil liegt darin, dass alle Muschelsammler aller Länder eine einzige gemeinsame wissenschaftliche Sprache benutzen: Latein. So ist es überhaupt kein Problem mehr, Muschelschalen zu bestellen oder anzubieten, auch wenn man diese von der anderen Seite des Globus bestellt. Das habe ich selbst ausprobiert! So bestellte ich mir Muscheln aus Neukaledonien (einer Inselgruppe bei Australien mit der Hauptstadt Noumea), die mir dann nach Hannover in Deutschland geschickt wurden. Hierfür eignen sich besonders Internet-Netzwerke wie etwa das Liebhabernetz delcampe.net, wo Käufer und Verkäufer ständig bewertet und überwacht werden. Hier kann man bei entsprechend guter Beurteilung auch sehr hochpreisige Stücke ohne Risiko einkaufen. Wenn alle Beteiligten das gleiche Grundwissen hätten, so könnten also auch alle von dem wissenschaftlichen System profitieren. Und das scheint in der Tat auch die Grundidee der ersten Wissenschaftler wie etwa Linne`, Lammarck, Leach oder Montague gewesen zu sein, die dieses System anwendeten. Heutzutage könnte theoretisch jeder eine neue Art beschreiben, sofern er die dafür vorgeschriebenen Regeln beachtet. Hierfür ist es noch nicht einmal nötig, Biologie studiert zu haben. In den letzten Jahrzehnten wurden so etliche neue Arten auch von wissenschaftlichen Laien beschrieben – also was hindert Sie daran? Das Einzige was man dafür benötigt, sind ein paar Grundkenntnisse in der Taxonomie und der Anatomie der beschriebenen Art. Mit Hilfe von Universitäten kann man sich auch Beschreibungen ähnlicher Arten beschaffen und sich daran entlang hangeln. Dann sollte man die Arbeit noch von einer wissenschaftlichen Fachkraft prüfen lassen, bevor man sie dann in einem entsprechenden Journal publiziert. Sofern es zu der neuen Art schon eine Gattung gibt, sollte man diese dann auch übernehmen, um späteren Revisionen vorzubeugen. Der Artname einer neuen Art kann dagegen frei gewählt werden, sollte jedoch möglichst latinisiert werden und vor allem sinnvoll sein. Gut gewählte lateinische Namen können oft schon eine kleine prägnante Beschreibung der Art liefern, in dem sie wesentliche Eigenschaften der Art komprimiert darstellen. Trägt eine Art etwa den Namen „ruber", dann weiß man schon, dass sie rot gefärbt ist. Oder heißt sie gar „cornutus", dann weiß man, dass es sich um eine Art mit Hörnern handelt. Man kann Artnamen aber auch zu Ehren anderer vergeben, indem man deren Nach- oder Vornamen latinisiert. So entstehen dann Namen wie etwa „muelleri", „weinkauffi" etc.. Der Nachteil dieser Benennungsmethode besteht jedoch darin, dass ein so vergebener Name leider kaum noch etwas über das beschriebene Lebewesen und dessen
Merkmale aussagt. Deshalb sollte eigentlich besser immer das beschriebene Subjekt im Fokus sein.
Klassifizierung einer Molluske
Nachfolgend sei ein Beispiel aufgeführt, wie ein Weichtier in den wissenschaftlichen „Baum der Taxonomie einsortiert werden kann. Dieser „Baum
sollte jedoch besser als eine Kette verstanden werden, denn das griechische Wort Taxon (Plural Taxa) bedeutet wörtlich übersetzt „Glied einer Kette". Um diesen Sachverhalt näher zu beleuchten, wurde hier die Herkuleskeule Bolinus brandaris, eine häufige Purpurschnecke des Mittelmeeres, mitsamt der taxonomischen „Kette" dargestellt:
Klassifikation: Biota (Lebewesens)
Königreich: Animalia (Tiere)
Stamm: Mollusca (Weichtiere)
Klasse: Gastropoda (Schnecken;
wörtlich = „Magenfüßer")
Unterklasse: Caenogastropoda
(Schnecken mit Gehäuse)
Ordnung: Neogastropoda (Neue Schnecken)
Superfamilie: Muricoidea (Felsenschnecken und andere)
Familie: Muricidae (Felsenschnecken)
Unterfamilie: Muricinae (Echte Felsenschnecken)
Gattung: Bolinus (Purpurschnecken)
Art: brandaris (Herkuleskeule)
Während der letzten Jahrzehnte wurde das taxonomische System stark revidiert. Dabei wurden immer mehr Teile in die taxonomische Gliederung eingefügt. So wurde die ursprüngliche Materie leider immer komplizierter und intransparent. Es mag sein, dass sich die Taxonomen lediglich als die „wahren" Experten etablieren wollten, es kann aber auch durchaus zutreffen, dass einige Ergänzungen sinnvoll waren, um verschiedene Familien und Arten besser voneinander abgrenzen zu können. Es bleibt zu hoffen, dass sich hier langfristig eine objektive Wahrheit durchsetzen wird.
Historische Muschelschalen
Dieses Bild zeigt eine Skulptur aus den Herrenhäuser Gärten in Hannover. Dabei handelt es sich um Aphrodite, die griechische Göttin der weiblichen Schönheit.
Bacchus, der Gott des Weines und des Müßigganges.
Die Geburt der Venus, Sandro Botticelli, gemalt anno 1485/1486.
Seite → ganz und Vorseite, oben:
Statuen und Muscheln
Während des 16. und des 17. Jahrhunderts wurden die Schalen tropischer Muscheln aus der Karibik und dem Indischen Ozean bei der adligen Oberschicht in Europa populär. Solche Schalen wurden gerne in Gärten und Gebäude integriert und bedeuteten ein Statussymbol. Zu dieser Zeit waren solche Schalen extrem teuer und waren für die nichtadlige Bevölkerung meist unerschwinglich. Die hier gezeigten mit Muscheln geschmückten Mauern zeigten das Kunstverständnis der Könige und Königinnen von Hannover in Deutschland, welche mit der königlichen Familie in England verwandt waren und für einige Jahre sogar beiden Königreichen gleichzeitig vorstanden. Hätte diese politische Union nur einige Jahrzehnte länger bestanden, so wären Europa möglicherweise einige sinnlose Kriege erspart geblieben. Die Aufnahmen zeigen typische Gebäude der Rokoko-Ära aus den Herrenhäuser Gärten in Hannover, der Hauptstadt Niedersachsens. Nach dem 2. Weltkrieg wurden diese historischen Gebäude wiederhergestellt und renoviert, da die meisten von ihnen den alliierten Bomben zum Opfer fielen. Alle paar Jahre müssen die dort eingearbeiteten Muscheln ebenfalls erneuert werden, weil insbesondere ihre Farben unter dem Einfluss von saurem Regen und den ultravioletten Anteilen des Sonnenlichtes unweigerlich ausbleichen. So kann man hier gut sehen, dass die Schale rechts oben im Bild ein neueres Exemplar ist, während die anderen bereits etwas älter sind. Das Arrangement selbst stellt den griechischen Gott Bacchus dar, der bekannt war als der Gott des Luxus und des Weines.
Vorseite, unten:
Die Geburt der Venus
Dieses großartige Gemälde malte Sandro Botticelli für Lorenzo de Medici, der einst einer der größten Kunstmäzene seiner Epoche war. In Wahrheit zeigt das Bild nicht die Geburt der Venus, sondern vielmehr die Ankunft der neuen Göttin auf der griechischen Insel Cythera. Im Gegensatz zur Darstellung der Göttin als nackter Schönheit wurde die Venus jedoch nicht als antikes Sexsymbol verstanden. Vielmehr galt die Göttin als ein Symbol für einen reinen Verstand und für Weisheit.
Die Bekleidung der anderen Personen rund um die Göttin ist typisch für die Renaissance. Zum Glück für die Nachwelt entging dieses Werk den Bilderverbrennungen der Reformationszeit. Während denen diverse großartige Kunstwerke öffentlich wegen religiösem Fanatismus verbrannt wurden, weil man sie für obszön hielt. Dieses geschah insbesondere in Florenz, wo der Mönch Savanarola ein unerbittliches religiöses Regiment führte, um göttliche Strafen abzuwenden.
Noch heute kann das Originalgemälde in den Uffizien von Florenz in Italien bestaunt werden. Die gemalte überdimensionierte Muschel ist sehr typisch für die mediterrane Meeresfauna. Es handelt sich dabei um die Große Pilgermuschel Pecten maximus, welche außerdem eine hervorragende Delikatesse ist. Ergänzend dazu sei angemerkt, dass die Muschel ihren Namen der Tatsache verdankt, dass tatsächlich Pilgerreisende die leeren Schalen verwendeten, um zu betteln oder um sie als leicht tragbares Essgeschirr zu verwenden. Diese Schalen waren sehr praktisch, da sie leicht waren und schnell unter dem Gewand verstaut werden konnten.
Wie man Muschelschalen in Szene setzt
Selbstverständlich wäre es die beste Aufbewahrungsmethode für Molluskenschalen, wenn man diese in geschlossenen Schränken lagern würde, um ihre Farben vor den ultravioletten Anteilen des Sonnenlichtes zu schützen. Das würde allerdings auch bedeuten, dass man die Sammlung nicht vor Augen hat. Diese „korrekte" Art der Aufbewahrung würde daher die gleiche Langeweile wie das Sammeln von Briefmarken bedeuten! Daher könnte es ein guter Kompromiss sein, Teile der Sammlung in einem Vitrinen Schrank auszustellen. Eine Prämisse dafür ist es jedoch, dass direktes Sonnenlicht vermieden wird, welches die Farben der Schalen ausbleicht. Die Schalen selbst kann man mit Elementen wie kleinen Steinen, anderen Seetieren oder auch künstlichen Dekorationen kombinieren. In dem hier gezeigten Vitrinen Schrank wurden künstliche Steine und Korallen verwendet, um ein fiktives marines Habitat darzustellen – hier eine Felsenküste. Selbstverständlich wäre echter Sand eines Strandes ein gutes Element, um die Schalen von Muscheln zu präsentieren, die sich darin eingraben. Für die Darstellung weiterer Arten des Meeresgrundes eignen sich auch Kies und Schill (Bruchstücke kleiner Muschelschalen). Die richtige Mischung aus echten und künstlichen Bestandteilen kann dem Betrachter einen gewissen Überrealismus vermitteln, so dass im besten Falle ein Kind fragen würde, ob die ausgestellten Seetiere noch leben!
Die Muschelsammlung
Möchte man kleine und zerbrechliche Schalen dauerhaft aufheben, so sollte man diese in kleinen Plastikkisten aufbewahren, um sie vor Zerbruch, Staub und Sonnenlicht zu schützen, welches ihre Farben zerstören könnte. Diese Muschelkistchen sollte man in Ordnern oder in geschlossenen Schränken aufbewahren. Einzelne Schalen sollten zunächst bestimmt werden und dann mit kleinen Zetteln versehen werden, welche den lateinischen Namen, den Fundort oder andere wichtige Details beinhalten. Große Muschelgläser oder Setzer Kästen mögen zwar auf den ersten Blick dekorativ erscheinen, aber speziell zerbrechliche dünne Schalen sind hier nicht gut aufgehoben. Außerdem können den Schalen so Staub und Sonnenlicht zusetzen und sie schnell unansehnlich werden lassen. Außerdem können sie aus einem offenen Setzer-Kasten auch herausfallen und zerbrechen. Das Beste wäre es, wenn man die Schalen im Setzer-Kasten durch eine davor angebrachte Scheibe aus Glas oder Plexiglas sichern würde. Das würde die Schalen tatsächlich vor Bruch und Staub schützen, doch dürfen sie trotzdem niemals direktem Sonnenlicht ausgesetzt werden. Darüber hinaus könnte man den Setzer-Kasten auch einfach in einem geschlossenen Schrank unterbringen. Die Schalen ihrerseits sollte man nach Familien oder Herkunft sortieren, was ebenfalls ein ästhetisches Element für die Sammlung sein könnte.
Kegelschnecken (Conidae) in einem Setzer-Kasten. So präsentiert bleichen sie entweder durch das Sonnenlicht aus oder sie könnten sogar herausfallen… Allerdings sind solche Kästen immer ein sehr dekoratives Element bei der Innenraumgestaltung.
Diese Plastikboxen können in Schränken oder Aktenordnern aufgehoben werden. Eine sehr effektive Methode, um insbesondere schmale, dünne und leicht zerbrechliche Schalen zu schützen und übersichtlich sortiert aufzubewahren.
Solche Muschelgläser sind eine sehr unsichere Aufbewahrungsmethode
