Einmal Petaluma und zurück: Unser Besuch bei den Verwandten in Kalifornien
Von Franziska König
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Über dieses E-Book
Viele Jahre lang hat man einander nicht gesehen.
23 Tage lang müssen die Gäste nun ausharren bzw. erduldet werden, und auch Onkel Dölein, der ältere Bruder der Schwestern, reist aus Florida herbei.
Man sucht die gemeinsame Zeit dazu zu nutzen, sich mit den teilweise fremdgewordenen Verwandten wieder anzuwärmen, erzählt Geschichten aus seinem Leben, und Teile der Biografien fügen sich zu Ausschnitten aus einem Familienepos zusammen.
Franziska König
Seit vielen, vielen, vielen Jahren führt Franziska König ein Tagebuch in Romanform. (Seit dem 1.1.1992 fehlt nicht ein einziger Tag). Ferner schreibt sie Erzählungen, Romane und Reportagen, und arbeitet neben ihrer Tätigkeit als reisende Solistin auf der Violine auch als Lektorin. Mehrere ihrer zurechtgeschliffenen Romane stürmten bereits die Bestsellerliste im Twenty-Six-Verlag. http://www.franziska-koenig.de
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Buchvorschau
Einmal Petaluma und zurück - Franziska König
Für meine Liebsten
Um 15 Jahre jünger gespeichert trüge ich sie in meinen Erinnerungen mit mir herum, hatte ich meine Tante Bea in Übersee in einem Wiedersehensentgegenfieberungsbrief wissen lassen.
Daß man erbarmungslosen Lektorenaugen gleich zu Beginn einer Geschichte ein Wort in Überlänge vorlegen muß?
Doch wie sollte man den Brief sonst nennen?
Dies und mehr denke ich nun beim Niedertippen der Erinnerungen, doch zurück zum Vorabend des 6. Novembers:
„Ja, dann belassen wir es doch am besten dabei!" krächzte mir ein kleiner Vogel namens Bea, der für andere unsichtbar zuweilen auf meinem Schulterblatt sitzt, mitten in´s Ohr hinein - aber der Flug nach San Franzisko war bereits gebucht.
Man saß, bildlich gesprochen, vor einem großen Staubsaugerrohr das einen in wenigen Stunden schon aus seinem gegenwärtigen Leben hinwegsaugen würde.
Inhaltsverzeichnis
Mittwoch, 6. November 2013
Donnerstag, 7. November
Freitag, 8. November
Samstag, 9. November
Sonntag, 10. November
Montag, 11. November 2013
Dienstag, 12. November 2013
Mittwoch, 13. November 2013
Donnerstag 14. November 2013
Freitag 15. November 2013
Samstag, 16. November 2013: Santa Cruz
Sonntag, 17. November
Montag, 18. November
Dienstag, 19. November 2013: Petaluma
Mittwoch, 20. November 2013
Donnerstag, 21. November
Freitag, 22. November
Samstag, 23. November
Sonntag 24. November
Montag 25. November
Dienstag 26. November
Mittwoch 27. November
Donnerstag 28. November
Freitag 29. November
Samstag, 30. November
Mittwoch, 6. November 2013
Halb vier Uhr morgens:
Gepackt hatten wir bereits gestern und die Erwartungsfröhe sog uns die Bettschwere rasch aus dem Gebein.
Habt ihr die Pässe?
frug Buz fast streng, und stand dazu am Kachelofen um seinen Bürzl zu wärmen.
Dort steht er fast immer, wenn er nicht eben Geige übt, an der Schreibmaschine am Katechismus für Geiger
arbeitet, oder im Sorgenstuhl vor dem Televisor sitzt.
„Natürlich!" sagte Rehlein stolz.
Rehlein freute sich, daß die erste Hürde nun glücklich gewuppt worden war: das Früh-Erhöbnis, wovor ihr schon seit September bange war, denn wie stünde man vor der Verwandtschaft in Übersee da, wenn die lange Reise gleich an der allerersten Hürde dieses vorgefühlten Hürdenlaufes zerschrammt wäre, und man das Flugzeug verpasst hätte?!
Flughafen Wien-Schwechat gegen 6 Uhr morgens:
Mit finalen Küsschen behaftet standen Rehlein und ich abgeladen im Flughafengebäude herum.
Buz war nach Hause gefahren, und wir Damen arbeiteten uns mit den Köffern zum Air France-Labyrinth hin, wo man eine ganz verschlafene, käsig-bleiche und gelbhaarige Dame in einer Abfertigungsbox herumsitzen sah.
Zu solch früher Morgenstund bereits in ihr steifes Air-France-Kostüm eingetopft. Müd, so doch um Höflichkeit bestrebt auf ihrem Po sitzend, schleuste sie uns Weltreisende weiter.
Bereitet Ihnen die Arbeit Vergnügen?
–
Oh ja, ich liebe es, mit Menschen zu tun zu haben.
Ständig saugen sich meine Gedanken an fremden Menschen fest: ich führe im Geiste Gespräche mit ihnen, und dann sind sie mir alsbald nicht mehr sehr fremd, auch wenn sie in diesen Plaudereien nicht unbedingt immer die Wahrheit sagen.
Rehlein schob den sperrigen Gepäckwagen und stöhnte darüber, daß der Flughafen leider so unübersichtlich geworden sei.
Mir aber gefiel er, und eine Stelle schien mir ganz besonders glamourös:
Eine gigantische blaue Glaswand um einen Torbogen herum, durch den die Reisenden in ein neues Kapitel ihres Lebens hindurch strömen.
Von der Ferne an einen Sternenhimmel erinnernd, bemerkt man im Herannahen jedoch bald, daß es sich bei den glitzernden Sternen um Buchstaben handelt, die aus einem Füllhorn an Buchstabensuppe herabregnen, um sich zu guten Wünschen in vielen Sprachen zu ballen.
Auch wir ließen uns im Menschenstrom hindurchtreiben und gelangten alsbald in luxuriöse Ecken in denen man sich eine Weile lang wie im Paradies fühlen darf:
Alles schillert in schönsten Goldtönen und im Juweliers-Shop hängt eine große kunstvolle Schwarzweißphotographie von David Garrett mit seiner Stradivari. An den Fingern schwere, hochkarätige Klunker mit Totenkopfmotiv.
Glücklich erreichten wir unser Warte-Eck und setzten uns nieder um loszuwarten. Doch als ich mich mal kurz aus meinem Sitz erhob, war Rehlein plötzlich ganz entgeistert, welche Hos ich da wohl trüg?!
Gestern hatte Rehlein lose geraten, zum Joggen in eine andere Hose zu steigen und so stieg ich in eine alte Beulenhose, die um die Gesäßregion herum schon ziemlich abgewetzt war.
Nach dem Joggen am Abend stieg ich bis zum Bettgang nicht mehr heraus und am Morgen einfach wieder hinein, so daß ich jetzt in der falschen Hose stak!
Eine Ärgerlichkeit mit der man sich innerlich erst einmal arrangieren musste.
Ich müsse mir also Mühe geben, daß mich Tante Bea, Onkel Jesse und Onkel Dölein, der extra aus Florida herbeireist, nach der Ankunft in San Franzisko vorerst immer nur von Vorne zu sehen bekämen.
Im Flugzeug nach Paris:
Zu meiner Linken saß ein Herr mit einer wie gemäht wirkenden grauen Frisur, der gekrümmt und gekonnt an seinem Smartphon nippelte.
Hierzu stützte er den Ellenbogen einfach auf meine Lehne, so daß ich mich ziemlich beengt fühlen musste.
Rehlein bescharmte diesen Herrn über mich hinweg, während das Bordpersonal mit den üblichen Belehrungen anhub.
Daß man ihn vielleicht noch brauchen könne, wenn unser Flugzeug in Not geräte, spaßte Rehlein, Hahahaha!
Der Herr lachte sehr freundlich zu diesen übermütigen Worten einer erwartungsfrohen Dame, so daß man sah, daß einige seiner ziemlich weit auseinander stehenden Zähne leicht nach außen schielten, und womöglich hätte er sich jetzt sehr gerne mit uns befreundet?
Ich sei, gewährt mir die Bitte, in Eurem Bunde der Dritte!
(Nein. Zu diesen schönen Worten fehlte ihm der Mut.)
Wir flogen über einen dicken Wolkenteppich unter welchem sich das Tief Horst
nur erahnen ließ.
Ein Fräulein brachte Getränke, und das süßeste Rehlein gönnte sich einen Tomatentrunk über den Wolken.
Paris. Flughafen Charles de Gaulle gegen 13 Uhr:
Ständig werden die herumstehenden Bediensteten in Pichin-Französisch nach irgendwelchen ihnen gänzlich unbekannten Reisezielen befragt, und da jeder Reisende einem individuellen Ziel entgegenstrebt, und auf seine Frage erstmal in ein fragend-verständnisloses Gesicht blicken muß, könnte man ja im Grunde genommen auch gleich „auf den Punkt gebracht" fragen?
Nennen Sie mir einen Bus! Ich fahre zu meiner Tante Bea
.
Wo wohnt denn Ihre Tante Bea?
In Petaluma
In Petaluma? - Nie gehört
.
Balma Lane 60
Nie gehört
Neben Haubers
Ach soooo! Dann sagen Sie es doch beim nächsten Mal bitte gleich! Bus Nr. 5A!
Und genau in diesem Bus nahmen nun auch wir, ohne gefragt zu haben „auf gut Glück" Platz.
Über den Wolken gegen 15 Uhr 54
Ich setzte mir die Kopfhörer auf, hörte Sacre du printemps
und war begeistert.
Zu den Klängen der Musik entfaltete ich die Kronenzeitung
, die im Flugpreis offenbar mit inbegriffen ist, und eine freundliche Dame servierte Champagner im Plastikbecher.
Zu Mittag wurde ein Essen geliefert, das zumindest von Rehlein als „nicht schlecht" befunden wurde.
So etwa dürfe man sich womöglich das Essen im Häfn von Neunkirchen vorstellen, dachte wiederum ich, da ich die mikrowellenerhitzten Küchenreste nicht gutheißen konnte.
Ich stellte mir vor, wir wären zwei Strafgefangene beim Mittagessen, und Rehlein säße ein, weil sie einen tödlichen Schlußstrich unter ihre Ehe gezogen hat, denn genau über dies Thema las ich soeben sehr interessiert in der Kronenzeitung: Eine Bosnierin hatte versucht, ihren schlafenden Mann zu ermorden, indem sie ihm ein spiritusgetränktes Tuch auf Mund und Nase presste.
Der Herr jedoch erwachte rechtzeitig und leistete erbittert Gegenwehr, so daß er mit dem Leben nochmals davongekommen ist.
Die böse Frau hindess geht straffrei aus, da die lasche österreichische Justiz den Mordversuch als untauglich
bewertete.
Vielleicht war es aber auch ganz anders?
Am Ende war es gar keine „böse" Frau, denn wird mit diesem Begriff nicht überhaupt viel Schindluder getrieben?
Sie war des Zusammenlebens mit dem „Herrn Gemahl" schlicht überdrüssig geworden, (ist dies das Leben das ich führen wollte??? Nein!
)
…oder aber der Herr hätte den Tod am Ende gar verdient?
Zu diesen Überlegungen faltete ich die Kronenzeitung wieder zusammen, schickte dem kleinen Artikel jedoch noch einige Gedanken hinterher, und sah alles so plastisch vor mir, als wäre ich dabei gewesen.
Sie ist durch diesen Mann genug gestraft!
dürfte der Staatsanwalt gedacht haben, da man mittlerweile über jeden Fall froh ist, den man nicht bearbeiten muß.
Ich freute mich, daß in meinem Inneren stets mehrere Stimmen zu Wort kommen: die Stimme der Vernunft und die Gegenstimme der scheinbaren Vernunft.
Herausgehebelt aus unserem gewohnten Leben saßen wir nun beieinander und die Reise über den Wolken in glitzrigstem Sonnenscheine verzauberte uns.
Wir ließen unser altes Leben hinter uns, und es entfernte sich in rasendem Tempo.
Ofenbach, unser kleines Dorf - (benannt nach dem Bächlein, das allsommerlich für schwere Überschwemmungen sorgt) und mit ihm Buz als Einwohner, wurde immer kleiner.
Klein wie eine Erbse.
Und dabei hatte Rehlein Buz so überaus ungern allein zurückgelassen.
Ein 75-jähriger Geiger allein zu Haus! Eine Schreckensvorstellung für jeden besonnenen Menschen, und im Vorfeld der Reise waren mitunter Wahnblasen in unser beider Gehirne aufgeblubbert, welch Unheil sich hieraus wohl erwachsen könne?
Dies mag auch der Hauptgrund gewesen sein, warum Rehlein die Reise in die USA so lange vor sich hergeschoben hatte, bis grauer Schnee auf dem Haupt der Geschwister lag.
Nun aber, als wir in Behagen und Vorfreude eingehüllt nebeneinandersaßen, zeigte sich daß die Sorgen über den Wolken tatsächlich nichtig und klein geworden waren, wie einst im Lied von Reinhard Mey so kunstvoll besungen.
Hätte man dies gewusst, so wäre man viel früher hingereist und längst wieder daheim.
Endlich mal etwas Anderes!
freute sich Rehlein.
Ich stellte meine Uhr um, während Rehlein die Ofenbacher Uhrzeit auf der Ihrigen beließ, damit man immer weiß oder zumindest ahnen kann, was Buz daheim wohl grad so treibt?
Ich wiederum versuchte bereits jetzt, Tritt in unserem neuen Leben zu fassen: jenem noch so frisch angeknabberten ersten Tag, der in ein neues Leben in Petaluma münden sollte und dem wir uns nun rasend schnell entgegenbewegten. Im Geiste sah ich die Tante Bea um 9 Uhr dortiger Ortszeit zur Fernseh-Gymnastik herumhopsen.
Stunden später…
Nach vielen versessenen Stunden über den Wolken senkten wir uns auf Kalifornien hinab.
Ein kleines Mädchen begann laut und durchdringend zu plärren und der Bub vor uns stimmte ein, so daß man in jene Zeiten zurückversetzt wurde, als Heiner & Friedel, die Zwillinge von Rehleins Bruder Rainer noch klein waren und im Duett zu lärmen pflegten.
Und mit einem Male konnte man es so gut verstehen, daß der Onkel Rainer sich vor dem heimischen Lärm in Bonn hinfortgestohlen hatte und nach Kanada ausgewandert war…
San Franzisko – Flughafen gegen 12:20 Ortszeit
Ein wimmeliger Strom an Fluggästen bewegte sich ins Flughafengebäude, wo der Bewegungsfluß alsbald schaumgebremst zum Stillstand kam, dieweil man nun im Wartelabyrinth eingetroffen war.
Meine Gedanken wanderten in die Zukunft, und die Wartenden verwandelten sich in die schnattern- und gackernde Gästeschar auf der Kronjuwelenhochzeit meiner Eltern am 6. April 2037.
Rehlein ist inzwischen 98 Jahre alt (allerdings vor wenigen Tagen erst geworden.)
Je früher man sich verehelicht, desto wahrscheinlicher ist´s, dies´ schöne Fest doch noch erleben zu dürfen!
dachte ich, als ich in die Gegenwart zurückgekehrt war, inmitten all der Wartegäste einen schlichten Alltagsgedanken.
Wir hatten uns etwas vorangearbeitet und im Passvorknöpfungshäusl saß ein junger Chinese mit einem vertrauenerweckenden Ausdruck auf dem Gesicht.
Die maskenhaft unbeugsame Starre, mit der die Passvorknöpfer bis vor kurzem noch befremdet haben, hat man zumindest auf dem Flughafen von San Franzisko erst einmal abgeschafft.
Heute soll der vertrauenerweckende Ausdruck auf dem Beamtenantlitz das Beamtlich-Unpersönliche zur Gänze übertünchen und hinzu dazu einladen, gerne auch etwas Persönliches von sich preiszugeben: Ob man zum ersten Mal einreise?
Ob es hierfür einen besonderen Grund gäbe?
Rehlein erzählte, daß sie ihre Schwester besuche, die man nun 15 Jahre nicht mehr gesehen habe und die hinzu zeitnah zu ihrem 70. Geburtstag auch die Silberhochzeit mit ihrem zweiten Mann Jesse feiert, einem gebürtigen Norweger, mit dem sie allem Anschein nach recht glücklich geworden ist, nachdem das eheliche Glück mit seinem Vorgänger, dem geselchten Arsch, dem Ägypter Ric, ja leider nach wenigen Jahren schon verpufft war.
Der Chinese setzte ein interessiertes und anteilnehmendes, jedoch auch leicht skeptisches Gesicht zu Rehleins Worten auf, da ihm in der Schulung für Sicherheitsbeamte nahegelegt worden war, nicht immer alles zu glauben, was so erzählt wird.
Rehlein stellte uns zwar als harmlose liebe Damen dar, und doch wurde zur Sicherheit noch schnell ein Foto geschossen und unsere Fingerabdrücke mussten wir auch noch zurücklassen.
Man gibt es ab und behält es doch – was ist es?
(Ein Rätsel für ein schlichtes Hirn.)
Man hätte noch sehr viel tiefer in den Erinnerungen herumkramen mögen, wenn nicht ein ganzer Schwall an Durchstrebenden nachgeschoben hätte: z.B., daß man sich gar nicht so sicher sei, ob es den Onkel Jesse in dieser Form überhaupt noch gibt?
Man hat jedenfalls nie wieder etwas von ihm gehört oder gesehen - keine Fotos, keine Unterschrift, kein gar nichts! Auf den unscharfen Skypaten, die man mit der Tante zuweilen geführt hatte, war er nie zu sehen gewesen, und einzig und allein in Beas Mails wurde gelegentlich die Rede auf ihn geschwenkt.
Da hieß es: Jesse arbeitet im Keller
, und dererlei. Worte die leicht dahingetippt sind, und nicht viel besagen - doch hatte die zwitschrige Tante, - Mutter zweier Töchter und eines Sohnes, - nicht schon früher, zu Zeiten ihrer ersten Ehe, in ihren Briefen stets ein Wagner-Pizza-Reklamen-Familien-Idyll
heraufbeschworen?
(Kennt jemand die Wagner-Pizza-Werbung
?:
Eine rundum sorglose und glückliche amerikanische Familie beim fröhlichen Wagner-Pizza-Essen.
„We love Wagner! We love germany!!!!"jubeln die Kinder. ) Und als es dann vor mittlerweile 25 Jahren jäh zur Scheidung kam, da war´s ein Schock für uns.
Ob sie den Onkel Jesse tatsächlich auf Dauer hat halten können?
Das Hürden-Ende zeichnete sich so allmählich ab, doch unsere Papiere mussten wir noch zwiefach vorzeigen und beim zweiten Male zogen wir uns auch noch einen beamtlichen Rüffel zu: Man möge doch beim nächsten Male bitte im Duett auftreten! Rehlein war im Menschenstrom einfach hinweggeschwemmt worden, und ließ von der Ferne durch Gewinke und allerlei Gestik wissen, daß wir zusammengehören. Doch wenn das alle so machen würden!?
Endlich waren wir frei! Und da sah man auch schon die süße Tante Bea schimmern.
Das Beätchen hatte sich extra für uns mit einer rosa Bluse verschönt und der Anblick beim Wiedersehen fühlte sich kostbar und fast unwirklich an: Nach fast 70 Jahren sieht man sein süßes Baby wieder das einem damals einfach geraubt wurde! Auch wenn dieser Vergleich hinkt: so etwa muß sich der Leser die Gefühle vorstellen, die mich da bewallten.
(Der Leser muß gar nichts.)
Rehlein sähe genau aus wie einst die Degerlocher Oma! erfuhren wir zu Begrüßungsbeginn und waren gerührt.
Unter diesem Aspekt schaute ich Rehlein nochmals so an, als sei sie neu, und tatsächlich hatte sich Rehlein einfach in die Degerlocher Oma verwandelt.
46 Jahre nach ihrem Exitus sah man die Verblichene auf dem Flughafen von San Franzisko somit wieder, doch außer mir und dem Beätchen kannte die Degerlocher-Oma dort niemand, und somit fiel auch niemandem auf, daß sie wieder da war.
Ich hopste freudig auf und ab und freute mich an jedem Detail, z.B. daran, daß die Bea, an der Schwelle zum 70.
Geburtstag stehend, so updatiert
ist, daß sie alsbald ein grünes Smartphon zückte. Ein Geschenk ihres Stiefsohn Arthurs, der der Meinung ist, eine Frau wäre erst durch ihr Smartphon komplett.
Sie zückte es aus jenem Grunde, weil sich
