Das Nonnenhaus: und andere Erzählungen
Von Bruno H. Weder
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Über dieses E-Book
Das Nonnenhaus, Der Schrank und Der Drechsler sind skurrile Dorfgeschichten, die auf einer wahren Begebenheit beruhen. Arlecchino und Der Pfauenthron haben eine Künstlerpersönlichkeit als Hintergrund, und Schlaf, mein Schlaf! ist eine Hommage an Jean Paul.
Bruno H. Weder
Bruno H. Weder, geb. 1947 in Berneck im St.Galler Rheintal. Studium der Germanistik, Allgemeinen Geschichte und Schweizer Geschichte an der Universität Zürich. Daneben Violin- (René Armbruster) und Kompositionsausbildung (Paul Müller) an der Musikakademie in Zürich. Promotion. Wissenschaftliche Publikationen und Lehrmittel in verschiedenen Verlagen und Lexika. Tätig gewesen als Professor für Deutsche Literatur an der Pädagogischen Hochschule sowie Lehrbeauftragter am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Seit 2010 freischaffender Autor.
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Buchvorschau
Das Nonnenhaus - Bruno H. Weder
Inhaltsverzeichnis
Das Nonnenhaus
Der Schrank
Der Rabe
Schlaf, mein Schlaf!
Der Drechsler
Puppchen, du bist mein Augenstern!
Arlecchino, Tod und Trakl
Der Pfauenthron oder Schiller in Karlsbad
Textnachweis
Biogramm
Das Nonnenhaus
Es war damals schon unheimlich gewesen in jenem Haus, das allgemein Nonnenhaus genannt wurde. Ich erinnere mich nicht mehr genau, ob ich fünf oder sechs Jahre zählte - auf jeden Fall ging ich noch nicht zur Schule -, als mich mein Vater dorthin zu einem Kondolenzbesuch mitgenommen hatte (auch das ein Beispiel seiner ungeheuer variationsreichen Tyrannenphantasie). Über die Herkunft des Namens gab es verschiedene Theorien. Uneingeweihte tippten natürlich sofort auf eine frauenklösterliche Unterkunft. Das war an sich nicht einmal abwegig; denn bereits die Alemannen hatten dort Land urbar gemacht, indem sie es dem Sumpf, den der nahe Fluß durch alljährliche Überschwemmungen nährte, abtrotzten. So soll sich ein einzelner Alemanne, weiß der Lokalchronist zu berichten, dorthin verirrt haben (wohl im Metsuff?), seinen blanken Speer in die Erde der von Farnen überwucherten Halde gestoßen haben und damit aller Welt (sic!) angezeigt haben, daß dies nun sein Eigentum sei. Vermutlich ist es einer (auch betrunkenen?) Römerin zu verdanken, daß bald statt der Farne Reben wuchsen. Vielleicht sind aber auch spätere Kolonisatoren auf denselben Gedanken gekommen, so daß Nachwuchs garantiert war. Und im Zeichen einer allgemeinen Christianisierung ging der mittlerweile beträchtlich gewachsene Hof durch eine Schenkung an das etwas abgelegene Kloster über. Was wäre demnach näher gelegen, als daß dort zwecks Aufsicht einmal ein Nonnenkloster gegründet wurde (Abt Salomon erwähnt allerdings in seiner Urkunde noch nichts Dergleichen). Möglicherweise hing das auch damit zusammen, daß man den heidnischen Bräuchen einen andern Anstrich geben wollte; hatte immerhin Dagobert (ja, der Merowinger, nicht der Duck) einst in einen nahen Felsen, scheint's, eine Mondsichel einhauen lassen, und zwar nicht, wie irrtümlich sagenhaft überliefert, als Grenzzeichen, sondern als Abschreckung - er war sehr abergläubisch - gegen irgendwelche seiner Feinde.
Doch das ist eine andere Geschichte. Auf jeden Fall gab's einmal ein St.Katharinenklösterchen, womit gezeigt wäre, daß die Herleitung nicht ganz abwegig gewesen wäre (vielleicht spukten zeitweise tatsächlich einige Nonnen in Andacht an Katharina oder an sie aufgeschreckt habende bärtige Inzuchtlüstlinge darin). Tatsache aber ist, daß das Haus seinen Namen vom Ornithologischen her erhielt, wobei die Kausalitäten nicht genau auszumachen sind. Da dem reich ausgestatteten Riegelbau auch eine sehr geräumige Vorratskammer und Scheune mit dazugehörendem Tenn angegliedert war, war es selbstverständlich - wenigstens zu jener Zeit noch -, daß im First und in irgendwelchen Schlupflöchern Vögel aller Art nisteten. Und irgendwann ging einmal von einem kundigen Ornithologen der Ruf aus, es handle sich vornehmlich um Nonnen (so heißt eine Art von Weberfinken), die dort ihre Brutplätze einrichteten. Inwiefern sich dieser Schalk einen Witz geleistet haben mag, bleibe dahingestellt; denn irgendein - wohl dahergelaufener - Neunmalkluger will eingeworfen haben, daß das gar nicht Weberfinken gewesen seien; vielleicht hätten es die Spatzen von allen - allerdings andern - Dächern gepfiffen, daß das vielfältige Gepiepse eher anthropologischnönnisch als ornithologisch-nönnisch zu deuten sei. Im Klartext: Zwar habe es sicher Geschöpfe der Gattung Lonchura (im Volksmund Nonnen genannt) gegeben, die sogar Jagd auf Geschöpfe der Gattung Lymantria monacha (im Volksmund ebenfalls Nonnen genannt) gemacht hätten; aber hauptsächlich hätten die Nonnen (im Volksmund Kathrinchen genannt) dort mehr ihr Wesen als ihr Unwesen getrieben, wodurch eben das Fichtengebälk manchmal ins Ächzen und andere ins Stöhnen geraten seien. Schließlich war diese Ablage des St.Katharinenstifts nicht das Original, sondern als Internat für edle und gutsituierte Bürgerstöchter gedacht, die nicht unbedingt dem reinen Geist frönten, zumal die meisten unbesorgten Eltern in der weiter entfernten Stadt Gallach wohnten. Und so gab's halt allenthalben gemischte Interessen, vor allem, wenn die Ordensträgerinnen eben Betzeit hatten, und das war just die Zeit, da die Weberfinken mit viel Gepfeife ins Gebälk zogen. Nun, mit den Jahren ergab sich sowieso das eine oder andere, als die Zeit ins Land ging; denn das Internat wurde aufgelöst, als während der Nachwehen der Reformation sämtliche Güter des Frauenstifts St.Katharina an die Stadt Gallach übergingen, so daß sich die Ordensträgerinnen gezwungen sahen, einen neuen Wohnsitz zu nehmen. Der Besitzübergang mußte sich offenbar reibungslos vollzogen haben; denn Urkunden bezeugen keinen Streit, sondern allgemeine Zufriedenheit, so daß ein Pächter (Baschi Schelling soll er geheißen haben) gar vermerken konnte, als er von den vorhergehenden Besitzern das Nonnenhaus (und weitere Güter) in Besitz nehmen konnte:
„Ich, Baschi Schelling, bekenne, wie oben stat, daß die herren wol zufrieden sind und ich auch."
Dann aber wechselte die Szenerie gewaltig. Baschi Schelling war eine eigentümliche Figur gewesen, hatte sich immer auf seinen Vorteil verstanden und war manchem im Ort eher ungeheuerlich vorgekommen, weil er jeden mit einem Spruch in aller Öffentlichkeit lächerlich zu machen versuchte, ihn übers Ohr haute oder - schlimmstenfalls, weil er über große Finanzen verfügen mußte - mit ihm prozessierte. Daß er bis ins letzte rücksichtslos war, zeigte sich in der Tatsache, daß er seine Frau, als er ihrer überdrüssig geworden war und sie nicht in eine Scheidung einzuwilligen gedachte, weil sie sah, daß er nur die Tochter des Hofammanns Ritz für sich haben wollte, kurzerhand wegen Hexerei anzeigte. Da man ihm nicht gleich glaubte, wurde er ein paar Mal verzeigt, angeblich, weil er beim Aveläuten den Hut nicht gezogen hatte, während des Wetterläutens „gejuchzet und Maitli an der Hand gefüehrt habe, was ihn unglaubwürdig habe erscheinen lassen. Doch mit der Zeit, als er immer neue Argumente lieferte, was seine Frau alles „so mache
, hätten ihm die Gemeindegewaltigen zu glauben begonnen, weil sie der Ansicht waren, das könne ein normal veranlagter Mensch gar nicht erfinden. So habe er sie beispielsweise eines Nachts - eine Viertelstunde nach Mitternacht mochte es gewesen sein - dabei ertappt, wie sie einen Besenstiel mit grüner Salbe bestrichen, dann unter unverständlichem Gemurmel den Stecken liebevoll gestreichelt und ihn anschließend zwischen die Beine genommen habe. Erst dann habe sie das allseits bekannte
