Entdecken Sie mehr als 1,5 Mio. Hörbücher und E-Books – Tage kostenlos

Ab $11.99/Monat nach dem Testzeitraum. Jederzeit kündbar.

Im Land der Zimtbäume: Roman
Im Land der Zimtbäume: Roman
Im Land der Zimtbäume: Roman
eBook432 Seiten5 Stunden

Im Land der Zimtbäume: Roman

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Große Gefühle vor der traumhaft schönen Kulisse Ceylons im 19. Jahrhundert …
Unter der goldenen Sonne Ceylons entscheidet sich ihr Schicksal … Annas Leben liegt in Scherben, nachdem ihr geliebter Mann Paul gestorben ist – und ihr grausamer Schwager sie erpresst: Entweder sie wird seine Geliebte oder er verstößt sie mitsamt ihrer kleinen Tochter. Aber wie sollen sie in diesem fremden Land ohne einen Penny überleben? Als Anna kurz davor ist, aufzugeben, überrascht sie einen Einbrecher beim Versuch, die legendären Smaragde der Familie zu stehlen. Sein Name ist Julian Chase und er behauptet, der Halbbruder ihres Mannes und der rechtmäßige Erbe zu sein. Kann ausgerechnet er sie aus ihrer schrecklichen Lage retten? 
Zum Mitfiebern und Davonträumen, für Fans von Tara Haigh und Linda Holeman
SpracheDeutsch
Herausgeberdotbooks
Erscheinungsdatum1. Feb. 2025
ISBN9783989524439
Im Land der Zimtbäume: Roman
Autor

Karen Robards

Karen Robards ist die New York Times-, USA Today- und Publishers Weekly-Bestsellerautorin von mehr als fünfzig Büchern. Sie veröffentlichte ihren ersten Roman im Alter von 24 Jahren und wurde im Laufe ihrer Karriere mit zahlreichen Preisen bedacht, unter anderem mit sechs Silver Pens, die sie als beliebteste Autorin auszeichnen. Sie brilliert in der Spannung ebenso sehr wie im Liebesroman. Die Website der Autorin: karenrobards.com/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/AuthorKarenRobards/ Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin die Thriller »Keiner wird dir helfen«, »Und niemand hört dein Rufen« und »Rette mich vor dem Dunkel«, die historischen Liebesromane »Die Rose von Irland«, »Die Liebe der englischen Rose«, »Die Gefangene des Piraten« und »Die Geliebte des Piraten« sowie die Exotikromane »Im Land der Zimtbäume« und »Unter der heißen Sonne Afrikas« und die Hot-Romance-Romane »My FBI Agent – Geheime Sehnsucht«, »My Hot Ranger – Sehnsucht in der Wildnis«, »My Bad Boy – Verstecktes Verlangen«.

Mehr von Karen Robards lesen

Ähnliche Autoren

Ähnlich wie Im Land der Zimtbäume

Ähnliche E-Books

Historische Romanze für Sie

Mehr anzeigen

Verwandte Kategorien

Rezensionen für Im Land der Zimtbäume

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    Im Land der Zimtbäume - Karen Robards

    coverpage

    Über dieses Buch:

    Unter der goldenen Sonne Ceylons entscheidet sich ihr Schicksal … Annas Leben liegt in Scherben, nachdem ihr geliebter Mann Paul gestorben ist – und ihr grausamer Schwager sie erpresst: Entweder sie wird seine Geliebte oder er verstößt sie mitsamt ihrer kleinen Tochter. Aber wie sollen sie in diesem fremden Land ohne einen Penny überleben? Als Anna kurz davor ist, aufzugeben, überrascht sie einen Einbrecher beim Versuch, die legendären Smaragde der Familie zu stehlen. Sein Name ist Julian Chase und er behauptet, der Halbbruder ihres Mannes und der rechtmäßige Erbe zu sein. Kann ausgerechnet er sie aus ihrer schrecklichen Lage retten?

    Über die Autorin:

    Karen Robards ist die New York Times-, USA Today- und Publishers Weekly-Bestsellerautorin von mehr als fünfzig Büchern. Sie veröffentlichte ihren ersten Roman im Alter von 24 Jahren und wurde im Laufe ihrer Karriere mit zahlreichen Preisen bedacht, unter anderem mit sechs Silver Pens. Sie brilliert in der Spannung ebenso sehr wie im Genre Liebesroman.

    Die Website der Autorin: karenrobards.com/

    Die Autorin bei Facebook: facebook.com/AuthorKarenRobards/

    Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin die Thriller »Keiner wird dir helfen«, »Und niemand hört dein Rufen«, die historischen Liebesromane »Die Rose von Irland«, »Die Liebe der englischen Rose«, »Die Gefangene des Piraten« und »Die Geliebte des Piraten« sowie die Exotikromane »Im Land der Zimtbäume« und »Unter der heißen Sonne Afrikas«.

    ***

    eBook-Neuausgabe Februar 2025

    Die amerikanische Originalausgabe erschien erstmals 1991 unter dem Originaltitel »Green Eyes« bei Avon, New York. Die deutsche Erstausgabe erschien 1992 unter dem Titel »Tropische Nächte« bei Wilhelm Heyne.

    Copyright © der amerikanischen Originalausgabe 1991 by Karen Robards

    Copyright © der deutschen Erstausgabe 1992 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München

    Copyright © der Neuausgabe 2025 dotbooks GmbH, München

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

    Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrere Motive von ana / PixHound / Delta Amphule / Adobe Stock sowie mehrerer Bildmotive von © shutterstock

    eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (vh)

    ISBN 978-3-98952-443-9

    ***

    dotbooks ist ein Verlagslabel der dotbooks GmbH, einem Unternehmen der Egmont-Gruppe. Egmont ist Dänemarks größter Medienkonzern und gehört der Egmont-Stiftung, die jährlich Kinder aus schwierigen Verhältnissen mit fast 13,4 Millionen Euro unterstützt: www.egmont.com/support-children-and-young-people. Danke, dass Sie mit dem Kauf dieses eBooks dazu beitragen!

    ***

    Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit gemäß § 31 des Urheberrechtsgesetzes ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: info@dotbooks.de. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags

    ***

    Bei diesem Roman handelt es sich um ein rein fiktives Werk, das vor dem Hintergrund einer bestimmten Zeit spielt oder geschrieben wurde – und als solches Dokument seiner Zeit von uns ohne nachträgliche Eingriffe neu veröffentlicht wird. In diesem eBook begegnen Sie daher möglicherweise Begrifflichkeiten, Weltanschauungen und Verhaltensweisen, die wir heute als unzeitgemäß oder diskriminierend verstehen. Diese Fiktion spiegelt nicht automatisch die Überzeugungen des Verlags wider oder die heutige Überzeugung der Autorinnen und Autoren, da sich diese seit der Erstveröffentlichung verändert haben können. Es ist außerdem möglich, dass dieses eBook Themenschilderungen enthält, die als belastend oder triggernd empfunden werden können. Bei genaueren Fragen zum Inhalt wenden Sie sich bitte an info@dotbooks.de.

    ***

    Sind Sie auf der Suche nach attraktiven Preisschnäppchen, spannenden Neuerscheinungen und Gewinnspielen, bei denen Sie sich auf kostenlose eBooks freuen können? Dann melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an: www.dotbooks.de/newsletter (Unkomplizierte Kündigung-per-Klick jederzeit möglich.)

    ***

    Besuchen Sie uns im Internet:

    www.dotbooks.de

    www.facebook.com/dotbooks

    www.instagram.com/dotbooks

    blog.dotbooks.de/

    Karen Robards

    Im Land der Zimtbäume

    Roman

    Aus dem Amerikanischen von Angela Gaumér

    dotbooks.

    Widmung

    Für Christopher Scott,

    der am 7. April 1990 zur Welt kam.

    Und wie immer

    in Liebe für Doug und Peter.

    Kapitel 1

    Die Sache war relativ einfach, dachte Anna Traverne niedergeschlagen: Entweder wurde sie Grahams Geliebte oder sie verhungerte.

    Wenn sie nur für sich hätte entscheiden müssen, wäre ihre Wahl ohne zu zögern auf ›verhungern‹ gefallen, aber da war auch noch Chelsea. Anna wußte, daß Mutterliebe am Ende immer stärker war als Stolz, Moral oder körperliche Abneigung. Sie durfte es nicht zulassen, daß ihre fünfjährige Tochter mit ihr auf der Straße landete, wenn es in ihrer Macht stand, das zu verhindern.

    Aber schon alleine der Gedanke, neben ihrem Schwager zu liegen, seine Hände auf ihrem Körper zu spüren und seine Gier, mit der er sie bedrängte, machte sie krank.

    »Lieber Gott, hilf mir, einen Ausweg zu finden.« Als Tochter eines Geistlichen betete sie immer, wenn sie verzweifelt war. Diesmal jedoch murmelte sie das Gebet ohne allzuviel Hoffnung. In letzter Zeit schien Gott nicht besonders interessiert, so unbedeutenden Wesen wie ihr zuzuhören. Das Gebet war also mehr eine automatische Reaktion, ein Relikt aus ihrer Kindheit als Flehen um göttliche Hilfe. Während der letzten qualvollen Stunden im Leben ihres Mannes hatte sie so oft und inbrünstig Gott angerufen, daß sie sich jetzt außerstande fühlte, mit dem gleichen Eifer zu beten. Bei seiner Beerdigung war sie zusammengebrochen. Und seit dieser Zeit waren ihre Gefühle abgestumpft. Sie hatte kaum etwas gespürt – weder Haß, noch Angst oder Liebe, ja nicht einmal Trauer. Es war, als ob ein kalter grauer Nebel sich über ihr Leben gesenkt hätte.

    Sechs Monate war sie jetzt Witwe und die letzten drei hatte sie auf Grahams Drängen hin in England verbracht. Vom ersten Moment an, als sie ihren Fuß wieder in Gordon Hall gesetzt hatte, war Graham hinter ihr her gewesen. Anfangs verhielt er sich relativ zurückhaltend, und sie hoffte, daß sie in seine überschwänglichen Küsse und Umarmungen nur zuviel hineininterpretierte. Schließlich war sie die Witwe seines jüngeren Bruders, seines einzigen Bruders übrigens. Vielleicht verarbeitete er die Trauer um seinen Bruder, indem er besonders liebevoll mit der Witwe umging, versuchte sie sich einzureden. Aber ganz überzeugt war sie davon nicht. Sie kannte Graham zu lange und zu gut, um wirklich daran zu glauben.

    Graham hatte sie begehrt, seitdem sie ein kleines Mädchen war. Die drei waren miteinander aufgewachsen. Er hatte sie begehrt, aber nicht geliebt. Paul dagegen hatte sie geliebt, obwohl sie nur die Tochter des Pastors einer kleinen Gemeinde war, wohingegen er und Graham die Söhne des reichen und mächtigen Lord Ridley waren. Und auch sie hatte Paul geliebt. Sie waren gleich alt, ihre Geburtstage lagen nur einen Monat auseinander. Von Kindheit an war Paul ihr liebster Freund gewesen. Die Heirat hatte ihre Beziehung kaum verändert. Sie waren glücklich, verstanden und respektierten einander. Überraschungen gab es kaum, da sie sich von klein auf kannten. Anna lebte in dem Glauben, daß diese Liebe und Vertrautheit ein Leben lang andauern, im Laufe der Jahre noch reifen würde. Und plötzlich, im Alter von vierundzwanzig, war Paul gestorben. Mit seinem Tod war ihr und Chelseas Leben zerbrochen.

    Anders als der bullige Graham war Paul schlank gewesen, mit heller Haut und flachsfarbenem Haar, das Annas so sehr glich, daß Fremde die beiden oft für Geschwister hielten. Trotz seiner zerbrechlichen Erscheinung aber schien Paul stets gesund. Wie Annas Vater oft gesagt hatte konnte die Erscheinung trügen. Nach Pauls Tod hatte der Arzt ihr eröffnet, daß Paul schon immer ein schwaches Herz gehabt haben mußte.

    Wenn sie das nur gewußt hätte! Wenn sie beide es bloß gewußt hätten! Dann hätten sie sich niemals auf dieses wilde Abenteuer eingelassen, hätten nicht so leicht auf seine Familie und die Welt, die sie beide kannten, verzichtet, um nach Ceylon aufzubrechen.

    Und sie waren als Paar fortgegangen. Durch die Heirat fühlten sich Pauls selbstherrlicher Vater und sein Bruder Graham gröblich beleidigt, und zwar aus ganz unterschiedlichen Gründen. Der alte Lord Ridley war mit der Heirat nicht einverstanden gewesen, weil Anna als einfache Pastorentochter keine standesgemäße Frau für seinen Sohn war. Graham hingegen war verärgert gewesen, weil er Anna gerne für sich selbst gehabt hätte. Nicht um sie zu heiraten, o nein – dafür hatte Graham eine viel zu hohe Meinung von sich – fürs Bett. Alleine der Gedanke hatte Anna schon damals genau soviel Übelkeit bereitet wie jetzt. Der alte Lord Ridley hatte Paul verstoßen und so fanden sich die Jungvermählten beinahe mittellos. Ihr einziges Vermögen bestand in einer kleinen Erbschaft, die Pauls längst verstorbene Mutter ihm hinterlassen hatte und einer Teeplantage auf der Insel Ceylon, wo seine Mutter aufgewachsen war.

    Anna und Paul waren jung gewesen, voller Hoffnungen und so verliebt, daß sie sich nichts daraus machten. Sie würden die Teeplantage betreiben und wirtschaftlich unabhängig sein. Anfangs war es wie ein herrliches Abenteuer. Die Fremdartigkeit ihrer neuen Heimat hatte Anna bezaubert. Aber das heiße, feuchte Klima auf Ceylon konnte Paul nicht so gut vertragen. Nach Chelseas Geburt bekam er plötzlich Fieberanfälle. Er war schmächtiger und blasser gewesen als je zuvor. Nach der späteren Aussage des Arztes, den Anne gegen Pauls Wunsch hatte kommen lassen, als er wieder einmal von einem dieser Fieberanfälle geplagt wurde, hätte Paul an dieser harmlosen Tropenkrankheit nicht sterben müssen – aber er war gestorben.

    »Warum sind wir nicht nach England zurückgekehrt, als sich herausstellte, daß Paul dieses Klima nicht verträgt?« Anna wußte, daß ein schlechtes Gewissen niemand nützte, trotzdem murmelte sie diese quälende Frage leise vor sich hin. Der Gedanke, daß Paul noch lebte, wenn er sie nicht geheiratet hätte, was zur Konsequenz hatte, daß er sein Zuhause verlassen mußte, tauchte immer wieder auf, drängte sich immer wieder in ihr Bewußtsein. In gewisser Weise hatte sie ihn umgebracht, sie und sein nachtragender, unversöhnlicher Vater ...

    Anna erschauerte, als ein kühler Luftzug sie streifte. Sie zog den Schal, den sie über ihrem Schlafrock trug, enger um ihren Hals. Sie kauerte in einem großen Ledersessel vor dem Kamin, in dem sie Feuer gemacht hatte in der wenig genutzten Bibliothek. Bis dieser eisige Luftzug sie gestreift hatte, war ihr kuschelig warm gewesen. Woher kam die Kälte? Sie hatte die Tür zum Flur sorgfältig geschlossen und die Fenster, vor denen staubige Samtvorhänge hingen, waren alle zu.

    »Paul?« Obwohl sie seinen Namen nur flüsterte, hauchte, war ihr klar, wie absurd es war. Trotzdem fantasierte sie einen Moment. Sie hatte sich seit seinem Tod so schrecklich einsam gefühlt, daß ihr sogar sein Schatten willkommen war. Wie schön wäre es, ihre ganze Last auf seine Schultern zu legen, auch wenn es nur für ein, zwei Minuten wäre! Sie war so müde, so verzweifelt und es gab niemand, der sich darum kümmerte. Ihre Eltern waren tot und von Pauls Familie lebte nur noch Graham. Lord Ridley war knapp einen Monat vor seinem jüngsten Sohn gestorben. Und was Graham betraf – so dachte Anna wohl zum hundertsten Mal, daß sie ohne ihn beinahe besser dran gewesen wäre. Als er ihr angeboten hatte, mit Chelsea bei ihm zu wohnen, hätte sie sich nicht darauf einlassen dürfen. Nach Pauls Tod waren sie und Chelsea vollkommen mittellos; Pauls Mutter hatte in ihrem Testament festgelegt, daß sogar die Plantage nach seinem Tod auf seinen Bruder Graham überging. Daher war sie dankbar gewesen, als Graham ihr anbot, mit ihrer Tochter bei ihm zu leben. Für Chelsea war es sicher besser, in England aufzuwachsen. Allerdings kannte sie damals den Preis noch nicht, den sie dafür zahlen mußte.

    Schon bevor sie mit Paul fortgegangen war, hatte Graham bemerkt, daß aus dem kleinen Mädchen, dem man in Gordon Hall Manieren beigebracht hatte, eine begehrenswerte junge Dame geworden war. In dem Jahr vor ihrer Heirat hatte Graham mit allen Mitteln versucht, sie in sein Bett zu locken. Warum sollte er sich in den vergangenen sechs Jahren verändert haben? Das Einzige, was sie seit ihrer Rückkehr in Gordon Hall verändert fand, war, daß der alte Lord Ridley tot war, wodurch der junge Graham, der nahezu alle unangenehmen Eigenschaften des Alten geerbt hatte, umso mehr Macht hatte.

    Es verstrich eine Minute und eine zweite und kein Geist erschien, wie Anna erwartet hatte. Enttäuscht sank sie ein wenig in sich zusammen und ließ ihren Kopf auf das weiche Leder zurückfallen. Sie war alleine. Es gab niemand, der ihr half oder einen Rat gab, niemand, der sie vor ihrem unausweichlichen Schicksal bewahren konnte. Zwar konnte sie es noch eine Weile hinauszögern, wie heute, indem sie sich versteckt hielt, aber das löste das Problem nicht. Früher oder später würde sie gezwungen sein, Grahams Drängen nachzugeben.

    »Ich kann nicht! Ich kann einfach nicht!«

    Ihr stiegen Tränen in die Augen. Auch wenn sie die Augen verschloß, würde das nicht helfen. Sie zog ihre Knie unter dem weißen weitgeschnittenen Nachthemd zum Kinn hoch und umklammerte ihre Beine. Weinen hilft nichts schalt sie sich. Tränen brachten ihr Paul auch nicht zurück. Wenn Tränen ihn wieder zum Leben erwecken könnten, wäre er schon längst wieder bei ihr.

    Auf einmal war ihr, als hörte sie leise Schritte. Paul? Wieder war er ihr erster Gedanke. Nein. Natürlich nicht! Ein Geist würde schweben und nicht zu Fuß über den knarrenden Holzfußboden laufen. Ihr Instinkt sagte ihr, daß noch jemand im Raum war. Wer?

    Bei dem Gedanken, daß Graham ihr auf den Fersen war, erschauerte sie und sie machte sich so klein, wie sie nur konnte. Bei dem schwachen Licht in der Bibliothek, mit dem Stuhlrücken zum Eingang, war es immerhin möglich, daß sie unentdeckt blieb. Möglich war es, aber nicht wahrscheinlich, vor allem dann nicht, wenn Graham der Eindringling war. Der einzige Grund für seine Anwesenheit in der Bibliothek zu so später Stunde war, daß er sie suchte. Als im Haus alles ruhig geworden war, war sie aus ihrem Zimmer hierher geflohen, falls er auf die Idee kommen sollte, ihr einen Besuch abzustatten. Die Türen zu verschließen hatte keinen Sinn, wie sie zu ihrem Entsetzen hatte feststellen müssen. Graham besaß einen Schlüssel zu ihrem Zimmer. In der vergangenen Nacht war sie aufgewacht, als er gerade in ihr Bett klettern wollte. Nur weil sie sich mit aller Kraft zur Wehr gesetzt und ihm gedroht hatte zu schreien und seine Frau zu wecken, hatte er schließlich von ihr abgelassen.

    Aber er war nicht gegangen, ohne ihr zu drohen, entweder das Bett mit ihm zu teilen oder aber das Haus verlassen zu müssen.

    Und heute nacht hatte sie befürchtet, daß er die Probe aufs Exempel machen wollte. Tief in ihrem Innersten wußte sie, daß sie sich diesem gräßlichen Schicksal nicht ergeben konnte – noch nicht. Wunder geschahen jeden Tag, wie ihr liebevoller Vater ihr bis zu seinem Tode immer wieder gesagt hatte. Und Anna war nicht gierig; alles, was sie verlangte, war ein kleines Wunder, gerade groß genug, um sie vor Graham zu retten und mit ihrer Tochter versorgt zu sein. Und das war bestimmt nicht zuviel verlangt von einem Gott, der ihr schon beinahe mehr genommen hatte, als sie ertragen konnte.

    Da war schon wieder ein Schritt, genauso leise wie der erste. Anna fiel auf, daß sich das Geräusch so gar nicht wie Grahams schwerer Tritt anhörte, als sie plötzlich aus ihrem Augenwinkel einen Mann entdeckte. Es war ein hochgewachsener Mann in einem weiten schwarzen Umhang. Leise glitt er an ihrem Sessel vorbei.

    Anna erstarrte. Sie wagte nicht zu atmen, während ihre Augen ihn verfolgten. Diesen Mann hatte sie noch nie im Leben gesehen!

    Er war groß und hatte schwarzes Haar. Der Umhang, der sich durch den Luftzug von der halb geöffneten Tür zum Flur blähte und beim Gehen hinter ihm her flatterte, ließ ihn sehr gewichtig erscheinen. Diese Tür hatte sie vorhin sorgfältig geschlossen. Das erklärte den Luftzug, aber nichts erklärte die Gegenwart dieses Mannes. Zur Zeit hielten sich in Gordon Hall keine Gäste auf. Zwar wurden für dieses Weihnachtsfest Gäste erwartet, aber bis dahin waren es noch gut zwei Wochen. Die ersten Gäste kamen bestimmt erst ein paar Tage vor dem Fest an. Darüber hinaus sah dieser Mann nicht wie einer von Grahams Busenfreunden aus.

    Ein Diener war er gewiß auch nicht, soviel stand für Anna fest. Blieb nur noch eine Möglichkeit: Großer Gott im Himmel, sie hatte es mit einem Einbrecher zu tun!

    Um Hilfe zu schreien war das Erste, was ihr einfiel, aber das hatte zwei Haken: erstens, der Einbrecher war nur ein paar Schritte entfernt, also viel näher, als jede Hilfe. Er würde sich ohne zu zögern auf sie werfen. Zudem verriet sie ihm damit ihr Versteck, das er offenbar bislang nicht bemerkt hatte. Zweitens, wenn sie schrie, würde mit der Belegschaft auch Graham herbeieilen. Unter diesen Umständen war ihr die Gesellschaft des Einbrechers fast lieber.

    Fast.

    Anna hoffte nur, daß der Einbrecher kein Mordgeselle war. Zusammengekauert im Sessel ließ sie ihn nicht aus den Augen und wagte kaum zu atmen.

    Kapitel 2

    Er holte ein paar Bücher vom Regal seitlich des Kamins und stapelte sie sorgfältig auf dem Schreibtisch. Offenbar hatte er tatsächlich nicht die leiseste Ahnung, daß er beobachtet wurde. Anna bewegte sich nicht. Ihre Arme umklammerten ihre Knie so fest, daß ihre Beine drohten taub zu werden. Sie beobachtete ihn, wie er gegen das Holz der Rückwand, wo vorher die Bücher gestanden hatten, drückte. Es klappte nicht aufs erste Mal, doch plötzlich tat es einen leisen dumpfen Schlag, dem ein Knarren folgte. Zu Annas Überraschung löste sich ein viereckiges Holzbrett aus der Rückwand des Regals, die noch Sekunden vorher wie ein solide Holzwand ausgesehen hatte. Erstaunt riß Anna die Augen auf. Nahezu ihr ganzes Leben hatte sie sich in Gordon Hall frei bewegt und nicht die leiseste Ahnung von diesem Geheimversteck gehabt.

    Woher kannte der Einbrecher dieses Versteck?

    Er griff mit beiden Händen in die Öffnung und holte ein kleines Lederetui hervor. Obwohl Anna sein Gesicht nicht sehen konnte, verrieten seine Gebärden, daß er mit sich zufrieden war. Er drehte sich um, legte das kleine Etui auf den Schreibtisch, öffnete es und starrte gebannt auf den Inhalt. Es schien so, als hätte er Ehrfurcht vor dem Gegenstand, der sich Annas Blicken verbarg. Sie runzelte die Stirn und überlegte, was in dem Etui sein könnte. Die Traverne-Juwelen sicher nicht, die erst seit kurzem Grahams Frau Barbara gehörten. Die lagen an einem sicheren Ort, gut verschlossen in ihrem Schlafzimmer; am gleichen Ort übrigens, wo sie schon seit Generationen aufbewahrt worden waren.

    Was war es dann? Was war so klein, daß es in ein Behältnis paßte, das nicht größer als eine Zigarrenkiste war, geheimnisvoll genug, daß man es in einem Geheimfach versteckte, von dessen Existenz sie keine Ahnung hatte und so wertvoll, daß ein offenbar gut informierter Einbrecher Interesse daran hatte? Was?

    Gebannt beobachtete Anna den Dieb. Sie war so fasziniert, daß sie für den Moment ihre Angst vergaß. Der Mann zog ein Samtpäckchen aus dem Etui, öffnete es und spitzte hinein. Was immer er gesehen haben mochte, erfreute ihn, weil er lächelte, als er das Päckchen auf den Schreibtisch legte. Vorsichtig schlug er die Ecken des Samttuches auseinander und hob das, was sich darin verbarg, auf. Er schien förmlich zu strahlen, als er sich wieder langsam umdrehte, um seine Beute im Feuerschein des Kamins genauer zu betrachten. Und jetzt sah Anna sowohl sein Gesicht deutlicher als auch das, was er in der Hand hielt.

    Annas erster Gedanke war, daß er einem Zigeuner ähnelte. Seine Haut war dunkel, die buschigen Brauen genauso schwarz wie sein Haar, das im Nacken von einem schwarzen Band zusammengehalten wurde. Er hatte markante, maskuline Gesichtszüge, nicht so feine wie Paul. Er war groß, hatte breite Schultern und einen mächtigen Brustkasten. Obwohl es in der Bibliothek zu dunkel war, um absolut sicher sein zu können, daß er beinahe auf eine gefährliche, wilde Art hübsch war.

    Wahre Schönheit kommt von innen, hatte ihr Vater immer wieder gesagt. Dieser Mann hier war zweifelsohne ein Dieb. Höchstwahrscheinlich würde er ihr etwas antun, wenn er sie entdeckte. Dieser Gedanke brachte Anna wieder ihre gefährliche Lage zu Bewußtsein. Sie bewegte sich nicht, als er seine Hand hob, um sich seine Beute im Schein des Feuers genauer anzusehen. Das blasse Orange verriet, daß der Gegenstand, ein Schmuckstück übrigens, leuchtend grün war. Anna preßte ihre Hand auf den Mund, als sie erkannte, was er in der Hand hielt: Die Smaragde der Königin!

    Als Kind hatte sie Anna schon einmal gesehen. Sie und Paul hatten sich hinter den Vorhängen versteckt, als sein Vater mit einem Gast unerwartet ins Zimmer trat. Der Gast, ein untersetzter Mann mittleren Alters mit Perücke, war seinem Auftreten und seiner Kleidung nach zu schließen offenbar Anwalt. An Details dieses Gesprächs konnte sie sich nicht mehr erinnern, aber diese prächtige Halskette, das Armband und die Ohrringe würde sie nie vergessen. Stück für Stück hatte der Anwalt die Juwelen angesehen und ständig mißbilligend den Kopf geschüttelt. Die beiden Männer waren anscheinend geteilter Meinung was die Juwelen anging, aber weder sie noch Paul waren daran interessiert gewesen. Sie waren viel zu beschäftigt gewesen, keinen Mucks zu machen, damit man sie nicht entdeckte. Lord Ridley hätte Paul ordentlich den Po versohlt und Anna nach Hause geschickt mit dem Auftrag für ihren Vater, sie für ihre Missetat, Erwachsenen nachzuspionieren, zu bestrafen.

    In all den nachfolgenden Jahren hatte Anna immer wieder von der Geschichte des ungeheuren Familienschatzes gehört. Paul kannte sie von Graham, und was Paul wußte, blieb für sie kein Geheimnis. Man erzählte sich, daß die Juwelen einst Mary, der Königin von Schottland, gehört hatten. Mary hatte sie einem Bewunderer vermacht, der dafür versprach, ihre Cousine, Königin Elisabeth, zu stürzen. Der Verrat kostete Mary ihren Kopf. Die Juwelen waren verschwunden und tauchten erst Jahrhunderte später im Besitztum von Lord Ridley wieder auf. Wie sie in seinen Besitz gerieten, wußte niemand. Er hütete sie wie seinen Augapfel. Bis zu diesem Moment hatte Anna die Schmuckstücke fast vergessen. Der lange Nachmittag, den sie sich mit Paul hinter den Vorhängen versteckt gehalten hatte, hätte ebensogut ein Traum gewesen sein können.

    Die Smaragde aber waren kein Traum. Sie existierten so real, wie sie selbst existierte, und dieser Schuft war gerade dabei, sie zu stehlen. Durch eine ungeschickte Bewegung fiel ihm das Halsband aus der Hand.

    In ihrer Empörung entfuhr ihr ein unterdrückter Laut.

    Plötzlich sah der vermeintliche Dieb hoch und über den funkelnden Smaragden trafen sich ihre Blicke.

    Einen schrecklichen Augenblick lang starrte Anna in seine Augen, die im Lichte des Feuers schwarz und unergründlich wirkten; sie war so erschrocken, daß sie nicht einmal daran dachte zu schreien. Ihre Gliedmaßen schienen starr vor Schreck und ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen. Großer Gott, was würde er mit ihr machen?

    Auch er bewegte sich nicht und sagte kein Ton. Er schien sich schneller von diesem Schock zu erholen als sie. Er ließ sie nicht aus den Augen, während er das Halsband aufhob und es mit den übrigen Schmuckstücken in irgendeine Tasche seines Umhangs steckte. Sein Mund verzog sich zu einem höhnischen Grinsen. Seine Augen funkelten wie Pechkohle, die über ihren spärlich bekleideten Körper glitten.

    In dem wuchtigen Ledersessel wirkte Anna sehr jung und eingeschüchtert. Ihr silberblondes Haar fiel in wilden, schweren Locken über den lavendelfarbenen Schal und das weiße Nachthemd bis zur Taille hinab. Die großen Augen in ihrem blassen Gesicht waren von dichten, dunklen Wimpern umrahmt, die das funkelnde Grün, so funkelnd wie die Smaragde in seinem Umhang, auf faszinierende Weise betonten. Und sie war schlanker denn je. Nach Pauls Tod hatte sie nie großen Appetit gehabt. Wenn man ihre vollen Brüste übersah, die im Augenblick sowohl von dem Schal als auch von den Locken verdeckt waren, hätte man sie leicht für ein Kind halten können.

    »Wenn Sie kein Weihnachtsengel sind, interessiert mich, was sie so spät hier unten machen, meine Liebe?«

    Er klang ganz vernünftig, wenn auch sein Tonfall ein bißchen spöttisch war. Anna spürte, wie ihr Herz wieder zu schlagen begann. Sie ließ ihn keinen Moment aus den Augen. Ihre Kehle war so trocken, daß sie sich anstrengen mußte, einen Ton herauszubringen.

    »Wenn Sie augenblicklich verschwinden, werde ich nicht schreien.« Ihr Versuch, ihn zu bluffen, hätte vielleicht überzeugender gewirkt, wenn sie nicht mit so krächzender, brüchiger Stimme gesprochen hätte.

    »Das ist sehr großzügig von Ihnen, aber ich habe nicht die Absicht von hier zu verschwinden, bis ich alles erledigt habe. Und ich warne Sie: Falls Sie anfangen sollten zu schreien, sähe ich mich gezwungen, Ihnen die Kehle zuzudrücken und dafür sind Sie viel zu hübsch.«

    Trotz des immer noch spöttelnden Tonfalls war das eine handfeste Drohung. Anna sah in diese unergründlichen Augen und begriff, daß er durchaus imstande war, diese Drohung in die Tat umzusetzen. Er würde sie erwürgen, wenn er sich, wie er sagte, dazu gezwungen sah. Wahrscheinlich, dachte Anna, während sie sich langsam vom ersten Schock erholte, würde er sie sowieso umbringen, da sie ja die einzige Zeugin seines Einbruchs war.

    Es war also das Beste sich zu retten, solange sie noch konnte. Wenn er sie erst einmal in seinen Fängen hatte, war sie verloren. Schon alleine seine körperliche Größe sagte ihr das.

    Mit ihren Händen umklammerte sie die Sessellehne; ihre Knie waren gespannt wie eine Feder, bereit zum Sprung. Sie würde um ihr Leben rennen und schreien so laut sie konnte. Ihr Körper spannte und ihr Mund öffnete sich – und er reagierte, noch bevor sie sich einen Zentimeter bewegt hatte. Fluchend stürzte er sich auf sie. Seine ausgestreckten Hände griffen nach ihrem Hals.

    Kapitel 3

    Aber seine Hände griffen in die Luft, als Anna mit der Geschwindigkeit und Beweglichkeit eines gejagten Hasen hochschnellte und schrie. Zu ihrem Entsetzen war nur ein leises Krächzen zu hören. Die Angst hatte ihr die Kehle zugeschnürt! Noch einmal krächzte sie, vor Panik fast von Sinnen, duckte sich hinter dem Sessel und versuchte soviel Luft herauszupressen, daß ihr doch noch ein Schrei gelang.

    »Komm zurück, du kleine ...«

    Fluchend, Drohungen ausstoßend griff er nach ihr. Seine Arme waren lang genug, um um den Sessel herumzufassen. Anna duckte sich, aber seine Finger packten sie an der Schulter ihres Nachthemdes. Sie spürte die starken Finger auf der zarten Haut ihres Halses und konnte sich in letzter Sekunde losreißen. Jetzt klammerten sich seine Finger am Halsausschnitt ihres Morgenmantels fest. Den Schal hatte sie schon bei ihrem ersten Sprung verloren. Der Stoff gab mit einem lauten Riß nach. Kühle Luft liebkoste ihre Haut als sie herumwirbelte und sich unter den Fingern des Mannes duckte, dessen Hand gerade noch über ihre bloße Schulter glitt. Wieder versuchte sie zu schreien. Der Laut, der aus ihrer Kehle kam, hätte eine erschrockene Maus beschämt.

    »Sei still, du dumme Gans, verdammt!« Sein Knurren machte ihr Angst. Die Art eines Gentleman war das nicht! Aber er war natürlich auch kein Gentleman. Er war ein Dieb und ein brutaler, gefährlicher Mann, der anscheinend vor nichts zurückschreckte. Wenn sie sich nicht in Sicherheit bringen konnte, würde sie sich weder um Graham noch um Chelsea je wieder sorgen müssen.

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1