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Kommissar Samtpfote: Drei Katzen-Krimis in einem eBook: "Kater Toni löst den Fall" von Ferry Hirschmann, "Katzengold" von C. M. Anlauff, "Meisterdetektiv auf leisen Pfoten" von Christiane Martini
Kommissar Samtpfote: Drei Katzen-Krimis in einem eBook: "Kater Toni löst den Fall" von Ferry Hirschmann, "Katzengold" von C. M. Anlauff, "Meisterdetektiv auf leisen Pfoten" von Christiane Martini
Kommissar Samtpfote: Drei Katzen-Krimis in einem eBook: "Kater Toni löst den Fall" von Ferry Hirschmann, "Katzengold" von C. M. Anlauff, "Meisterdetektiv auf leisen Pfoten" von Christiane Martini
eBook861 Seiten10 Stunden

Kommissar Samtpfote: Drei Katzen-Krimis in einem eBook: "Kater Toni löst den Fall" von Ferry Hirschmann, "Katzengold" von C. M. Anlauff, "Meisterdetektiv auf leisen Pfoten" von Christiane Martini

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Über dieses E-Book

Katzen-Krimi-Sammelband »Kommissar Samtpfote« als eBook bei dotbooks.

Drei spannende Krimis, drei Kater mit scharfen Krallen und noch schärferem Verstand: In Hamburg hilft Kater Serrano Hauptkommissar Liebermann bei der Suche nach einer Vermissten. Auf Mallorca passt Kater Toni auf den chaotischen Reiseleiter Julian auf und geht mit ihm auf Verbrecherjagd – denn jemand hat es auf Julians Freundin und deren Vermögen abgesehen! Und in Venedig jagt Kater Caruso mit seiner Katzenbande einen Mörder, dessen blutrote Taten drohen, alle Touristen zu vertreiben. Und das geht gar nicht – denn wer würde sie dann in Zukunft mit so schönen Leckerbissen verwöhnen?

Spannend, humorvoll und ein echtes Vergnügen – wer Stubentiger mag, wird dieses Buch lieben!

Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der humorvolle Katzen-Krimi-Sammelband »Kommissar Samtpfote« mit den Erfolgsromanen »Kater Toni löst den Fall« von Ferry Hirschmann, »Katzengold« von C. M. Anlauff und »Meisterdetektiv auf leisen Pfoten« von Christiane Martini. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
SpracheDeutsch
Herausgeberdotbooks
Erscheinungsdatum1. Juni 2020
ISBN9783966550680
Kommissar Samtpfote: Drei Katzen-Krimis in einem eBook: "Kater Toni löst den Fall" von Ferry Hirschmann, "Katzengold" von C. M. Anlauff, "Meisterdetektiv auf leisen Pfoten" von Christiane Martini
Autor

C. M. Anlauff

Nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin studierte C. M. Anlauff Archäologie, Geschichte und Literaturwissenschaft in Berlin und Potsdam. 2005 erschien ihr Debüt, seitdem veröffentlichte sie neben Romanen auch Hörspiele und ein Theaterstück. Für ihren ersten Krimi „Katzengold“ wurde sie 2010 mit dem Deutschen Katzenkrimipreis ausgezeichnet. C. M. Anlauff lebt in Potsdam.

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    Buchvorschau

    Kommissar Samtpfote - C. M. Anlauff

    coverpage

    Über dieses Buch:

    Drei spannende Krimis, drei Kater mit scharfen Krallen und noch schärferem Verstand: In Hamburg hilft Kater Serrano Hauptkommissar Liebermann bei der Suche nach einer Vermissten. Auf Mallorca passt Kater Toni auf den chaotischen Reiseleiter Julian auf und geht mit ihm auf Verbrecherjagd – denn jemand hat es auf Julians Freundin und deren Vermögen abgesehen! Und in Venedig jagt Kater Caruso mit seiner Katzenbande einen Mörder, dessen blutrote Taten drohen, alle Touristen zu vertreiben. Und das geht gar nicht – denn wer würde sie dann in Zukunft mit so schönen Leckerbissen verwöhnen?

    Spannend, humorvoll und ein echtes Vergnügen – wer Stubentiger mag, wird dieses Buch lieben!

    Über die Autoren:

    Ferry Hirschmann

    Ferry Hirschmann, geboren 1931, war nach einem Studium der Medizin, Journalistik und Germanistik viele Jahre als Redakteur und Autor für bekannte Tageszeitungen und Zeitschriften, wie den »Stern«, die »Bunte« und das »Schweizer Illustrierte«, tätig. Heute lebt der freie Schriftsteller mit seinen 13 Katzen in Galilea auf Mallorca.

    C. M. Anlauff

    Nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin studierte C. M. Anlauff Archäologie, Geschichte und Literaturwissenschaft in Berlin und Potsdam. 2005 erschien ihr Debüt, seitdem veröffentlichte sie neben Romanen auch Hörspiele und ein Theaterstück. Für ihren ersten Krimi »Katzengold« wurde sie 2010 mit dem Deutschen Katzenkrimipreis ausgezeichnet. C. M. Anlauff lebt in Potsdam.

    Christiane Martini,

    geboren in Frankfurt am Main, ist Diplom-Musiklehrerin und Absolventin des Konzertexamens. Sie leitet ihre eigene Musikschule »CasaMusica« und ist Dozentin für Blockflöte, Querflöte und Klavier. Neben eigenen Kompositionen hat sie auch zahlreiche musikalische Lehrwerke verfasst. Christiane Martini ist nicht nur Musikerin, sondern als Autorin in verschiedenen Genres zu Hause. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in der Nähe von Frankfurt und wurde von ihrer Heimatstadt Dreieich mit einem kulturellen Förderpreis für Musik und einem Stipendium ausgezeichnet.

    Eine Auflistung der weiteren Romane dieser Autoren finden Sie am Ende dieses eBooks unter »Lesetipps«.

    ***

    eBook-Sammelband-Originalausgabe Juni 2020

    Das Copyright der einzelnen Bücher finden Sie gesammelt am Ende dieses eBooks.

    Copyright © der Sammelband-Originalausgabe 2020 dotbooks GmbH, München

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

    Titelbildgestaltung: Wildes Blut – Atelier für Gestaltung Stephanie Weischer unter Verwendung mehrerer Bildmotive von © shutterstock / Peter Wollinga / Sorgquan Deng / MentlaStore

    eBook-Herstellung: Open Publishing GmbH (ae)

    ISBN 978-3-96655-068-0

    ***

    Liebe Leserin, lieber Leser, wir freuen uns, dass Sie sich für dieses eBook entschieden haben. Bitte beachten Sie, dass Sie damit ausschließlich ein Leserecht erworben haben: Sie dürfen dieses eBook – anders als ein gedrucktes Buch – nicht verleihen, verkaufen, in anderer Form weitergeben oder Dritten zugänglich machen. Die unerlaubte Verbreitung von eBooks ist – wie der illegale Download von Musikdateien und Videos – untersagt und kein Freundschaftsdienst oder Bagatelldelikt, sondern Diebstahl geistigen Eigentums, mit dem Sie sich strafbar machen und der Autorin oder dem Autor finanziellen Schaden zufügen. Bei Fragen können Sie sich jederzeit direkt an uns wenden: info@dotbooks.de. Mit herzlichem Gruß: das Team des dotbooks-Verlags

    ***

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    ***

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    Ferry Hirschmann, C. M. Anlauff, Christiane Martini

    Kommissar Samtpfote

    Drei Katzen-Krimis in einem eBook

    dotbooks.

    Ferry Hirschmann

    Kater Toni löst den Fall

    Das ruhige Leben, das Reiseleiter Julian mit seinen Samtpfoten Toni und Milli auf Mallorca führt, wird plötzlich ganz schön durchgewirbelt – denn Julian ist verliebt. Doch das frische Liebesglück wird schon bald von seltsamen Vorfällen überschattet: Jemand scheint es auf seine Freundin, und deren Vermögen abgesehen zu haben! Natürlich ist Julian gleich zur Stelle und legt sich zusammen mit seinem gewitzten Kater Toni auf die Lauer – denn um die hinterhältigen Täter zu überführen, braucht es eine ganz besondere Spürnase …

    Toni und die Nelken-Frau

    Das Schnarren des Weckers riss mich aus wohligen Träumen. Es war sieben Uhr früh an einem Mittwoch im Spätsommer. Mittwochs ist Wochenmarkt in Sineu, und das heißt für mich, den Reiseleiter Julian Kramer, 35: raus aus den Federn, die Reisegruppe mit dem Bus von den Hotels abholen und in das Städtchen in der Mitte Mallorcas fahren. Schirm keinesfalls vergessen, damit die Leute auch immer sehen, wem sie folgen müssen.

    Aber ich schaffte es nicht, um diese gottlose Zeit die kuschelwarmen Kissen zu verlassen. Toni, mein roter Kater, wusste das, wir waren schließlich ein eingespieltes Team. Er sprang auf mein Bett und begann sofort mit seiner bewährten Aufweck-Massage, indem er durch die Steppdecke hindurch mit seinen beiden Vorderpfoten meine Füße bearbeitete. Links, rechts, links, rechts, ähnlich wie ein Bäcker seinen Brotteig knetet. Er kam dabei richtig ins Schnaufen. Als er, sichtlich erschöpft, aufgab, übernahm Milli, mein schwarzes Katzenmädchen. Bei ihr ist es mehr ein sanftes Streicheln. Leider zieht sie dabei ihre Krallen nicht ein und verheddert sich jedes Mal in irgendwelchen Textilien, am häufigsten in Strickzeug. Spielte aber keine Rolle, denn ich war jetzt ohnehin schon wach.

    Ich stand auf, suchte nach meiner Brille, machte einige Kniebeugen und Liegestütz, ein wenig Schattenboxen, trank einen hastigen Kaffee mit viel Milch und wenig Zucker, aß eine Banane und rief: »Toni, Milli, auf geht’s!«

    Toni, der mir vor sieben Jahren zugelaufen war und einen höheren IQ hatte als so mancher Politiker, egal welcher Nation, sprang sofort in den bereit gehaltenen Rucksack, der eigentlich mehr eine oben offene Tasche war, aber wie ein Rucksack getragen werden konnte. Milli, die ich aus einer Mülltonne gerettet hatte, als sie gerade ein paar Tage alt war, bekräftigte ihre Ablehnung, indem sie sich auf meinem Bett lang ausstreckte und mir den Rücken zukehrte.

    Ich holte mein Pendel hervor und stellte an mein Unterbewusstsein die Frage, ob ich Milli allein lassen könne. Das Pendel schwang nach rechts im Uhrzeigersinn, also konnte ich meine kapriziöse Katzendame getrost zu Hause zurücklassen.

    Ich hatte es mir zur Gewohnheit gemacht, auch bei ganz banalen Fragen des Alltags mein Pendel zurate zu ziehen. Ich habe mir damit schon so manche Fehlentscheidung erspart. Meine Oma Agathe, die Mutter meiner Mutter, hatte mir diese Fertigkeit beigebracht, als ich noch in die Volksschule ging. Sie war und ist immer noch eine weise Frau, die von den Dorfbewohnern in schwierigen Lebenssituationen befragt wird. Doch bevor sie Rat erteilt, lässt sie zuerst ihr Pendel schwingen. Ich bin ihr heute dankbar für diese Lebenshilfe. Seit Kindertagen benütze ich das Pendel so selbstverständlich wie Kamm oder Zahnbürste.

    Ich denke mir manchmal: Würden doch unsere sogenannten Entscheidungsträger in sich hineinhören und öfter mal ein Pendel befragen, bevor sie ihre Beschlüsse fassen, dann wäre unsere Welt zweifellos ein paradiesähnlicher Planet. Ich kenne Ärzte, die bei ihren Diagnosen zusätzlich ein Pendel oder eine Rute befragen. Sie gehören zu den beliebtesten und erfolgreichsten ihrer Zunft.

    »Okay, dann eben nicht«, sagte ich zu Milli, »Madame sind wieder mal unpässlich. Na schön, dann wünsche ich noch einen schönen Tag. Wasser ist auf dem Balkon, und Trockenfutter steht daneben.«

    Das weiß ich doch, Mensch, dachte Milli mit geschlossenen Augen. Es geht mir wirklich nicht gut. Die Sardinen gestern Abend dürften nicht ganz koscher gewesen sein. Hättest du vorher auch mit deinem Pendel austesten können. Und bei dieser Hitze in einen Rucksack gepfercht, die vielen Menschen, der Lärm. Dazu noch Toni, der immer herumstrampelt, damit er die beste Aussicht hat. Nein, vielen Dank, nicht mit mir! Da mache ich es mir lieber auf der Liege am Balkon bequem und lasse mir die frische Brise vom Meer um die Nase wehen. – Die Menschen haben ja keine Ahnung, was wir Katzen wirklich mögen.

    Milli drehte sich auf die andere Seite. Aber ich will mich ja nicht beklagen, überlegte sie weiter, mit unserem Julian haben wir eindeutig den Jackpot gewonnen. Wenn man so hört, was andere Artgenossen mit ihren Besitzern mitmachen, gerade hier auf der Insel! Oh mein Gott, man könnte wirklich manchmal an der Menschheit verzweifeln.

    Ich nahm es Milli nicht übel, dass sie zu Hause bleiben wollte. Am liebsten hätte ich mich zu ihr gelegt. Ich kann mir ein Leben ohne meine beiden samtpfotigen Wohngenossen nicht mehr vorstellen. Wenn ich einmal mies gelaunt bin oder mich einsam fühle, dann braucht mich Toni nur mit seinen gelbgrün strahlenden Scheinwerferaugen anzuschauen, die mich fragen: ›Was soll das, Mensch? Reiß dich zusammen. Es geht dir gut, du hast doch uns!‹ Die Augen einer Katze sind Fenster, die uns in eine andere Welt blicken lassen, heißt es in einem irischen Sprichwort. Ich kann das bestätigen und ergänzen. Dieser kurze Blick gibt uns eine Ahnung davon, wie vollkommen unsere Welt sein könnte, wenn sie von Katzen und nicht von Menschen beherrscht wäre.

    Und wenn dann noch Milli auf meinen Schoß springt und sich schnurrend zusammenrollt, ist meine Welt wieder in Ordnung. Allein durch die Anwesenheit meiner beiden Katzen. Kein Wunder, dass diese besondere Spezies vor 5000 Jahren von den alten Ägyptern den Göttern gleichgestellt war. Bastet hieß die Katzengöttin, sie war die Tochter des Sonnengottes Ra.

    Ich streichelte Milli noch einmal mit den Fingerspitzen über den Rücken. Sie tat so, als würde sie schlafen, aber ein kleines Lächeln auf ihrem Mäulchen und ein Zucken ihrer Schwanzspitze verrieten, dass sie noch wach war.

    Ich hatte meine Gruppe, durchwegs Deutsche mittleren Alters, ausnahmsweise rasch beisammen. Meinem spanischen Fahrer Pedro, der seinen Job gleichmütig wie ein Roboter mit Schnurrbart verrichtete, gab ich das Zeichen zur Abfahrt, dann griff ich zum Mikrofon neben dem Beifahrersitz, begrüßte die Leute und erklärte ihnen, was ich schon im Schlaf aufsagen konnte.

    »Die mittelalterliche Stadt Sineu liegt genau im Herzen Mallorcas. Wir haben hier den einzigen echten Bauernmarkt auf der Insel, ganz ohne Touristennepp.« Beifall kam auf, ehe ich fortfuhr. »Unter König Jaume II. war Sineu sogar Residenzstadt. Beachten Sie bitte, meine Herrschaften, die Kirche Mare de Déu dels Àngels mit der breiten Freitreppe und dem freistehenden Glockenturm. Die Statue des geflügelten Löwen von Sineu wurde allerdings erst 1945 errichtet, zu einer Zeit also …«

    Toni in seinem Rucksack stöhnte innerlich. Oh nein, nicht schon wieder diese alte Leier! Interessiert doch kein Schwein. Die Leute wollen Sobrasada kaufen, diese fette, scharf gewürzte Wurst, und Ensaimada, den schlabberigen Kuchen, sie wollen bunte kitschige Wandteller nach Gelsenkirchen mitnehmen und süßen grünen Kräuterlikör probieren, aber sie wollen auf keinen Fall deine stinklangweiligen historischen Vorträge anhören. Wenn ich ihm das nur irgendwie schonend beibringen könnte. Aber wie kann eine Katze, sei sie auch noch so schlau, einem Menschen etwas beibringen? – Hm, eine gute Frage. Ich glaube, dass niemand eine Katze wirklich verstehen kann, es sei denn, er wird selbst eine. Die Menschen sagen, man könne uns Katzen nicht abrichten. Richtig. Umgekehrt klappt es besser, jedenfalls bei unserem Julian. Aber der ist ja auch etwas Besonderes. Er wird zwar nie auf mein Kommando durch einen Feuerreifen springen oder Männchen machen, aber er tut zumindest meistens das, was Milli und ich von ihm wollen. Ganz unbewusst natürlich. Er würde es nie zugeben, dass er – wie sagt man? – nach unserer Pfeife tanzt. Nicht immer, aber immer öfter. Es hat eine Weile gedauert, bis wir ihn endlich so weit hatten.

    Einmal – ich erinnere mich genau – hatte er unsere Fütterung vergessen. Unser lautes Miauen hielt er für ein Zeichen guter Laune. Also versuchte ich es mit Pantomime. Ich schleppte mich mit scheinbar letzter Kraft zum Kühlschrank und streckte alle viere von mir. Milli machte es genauso. Da lagen wir, zwei arme Katzen kurz vor dem Verhungern.

    Unser Herrchen sah es, erschrak und eilte herbei. »Was ist denn los mit euch?«, rief er entsetzt. Ich deutete mit der rechten Pfote auf den Kühlschrank und ließ mich erneut kraftlos zur Seite fallen.

    »Oh mein Gott, ich habe euer Frühstück vergessen!«

    Unser Herrchen öffnete sofort zwei Dosen mit leckerer Fischpastete, entschuldigte sich und gab jedem von uns eine doppelte Portion. Von dem Tag an vergaß er nie wieder, uns zu füttern, und zwar pünktlich, so wie wir Katzen es lieben. Nicht umsonst heißt es: Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal.

    Ich sah, wie Toni seinen Kopf aus dem Rucksack streckte. Er schien sich nicht besonders wohlzufühlen. Ich wusste, dass er Busfahrten nicht gut vertrug, und war daher froh, als wir uns dem Parkplatz in der Nähe des Marktes näherten.

    Die Leute wunderten sich manchmal, dass ich immer eine meiner Katzen, manchmal auch beide, auf meine Sightseeing-Touren mitnahm. Ich fühle mich wohler, wenn sie bei mir sind; außerdem hatte ich gemerkt, dass die Touristen mehr Trinkgeld gaben, das ich stets meinem stoischen Fahrer Pedro überließ. Sie fanden die Kätzchen putzig. Jeder wollte sie streicheln, was Toni allerdings nicht besonders mag. Milli ist da toleranter, sie liebt sanfte Berührungen.

    Ich hatte immer eine Flasche Wasser dabei. Auch jetzt schlabberte Toni ausgiebig aus der Plastikschale, die ich ihm hinhielt. Er hatte die Gewohnheit, immer erst eine Pfote in das Wasser zu halten, bevor er trank, als ob er die Temperatur prüfen wollte. Ich dachte: Jedem Tierchen sein Pläsierchen, und ließ ihn gewähren, auch wenn ich dabei manchmal einen Spritzer abbekam, wenn er nach dem Trinken seine nasse Pfote abschüttelte.

    Meine Kollegen hatten mir den Spitznamen Katzen-Doktor gegeben, aber das störte mich nicht. Meinen Titel verwende ich ohnehin nur, wenn es nicht anders geht.

    Ich hatte in Madrid über den spanischen Nationaldichter Miguel de Cervantes Saavedra und seinen Don Quijote promoviert, den Ritter von der traurigen Gestalt. Die spanische Sprache hat mich schon immer fasziniert, ebenso der große Dichter des Landes. So ließ er zum Beispiel seinen traurigen Helden von der Geliebten Dulcinea schwärmen: Erlauchte vorzügliche Herrin mein, der von der Trennung Schwertestich durchbohrte und im tiefsten Herzen Verwundete, schickt dir, süßeste Dulcinea von Toboso, das Wohl, das ihm verwehrt.

    Dieser schwärmerische Spinner hatte es mir angetan. Manchmal kam ich mir selber vor wie Don Quijote und Toni wie mein treuer Knappe Sancho Panza. Einziger Unterschied: Statt einer Lanze trug ich einen bunten Regenschirm.

    Ich war als Student durch die endlose Ebene La Mancha gewandert, mitten in Kastilien, etwa eine Autostunde südlich von Madrid, auf den Spuren des sagenumwobenen Ritters. Meine Suche blieb ergebnislos, denn die Geschichte von Don Quijote ist natürlich eine Erfindung des genialen Dichters. Es gibt wohl Dutzende von angeblichen Geburtsstätten Quichotes, vom örtlichen Fremdenverkehrsverein sorgsam gehegt und gepflegt, es gibt Cervantes-Museen und Don-Quijote-Denkmäler. Mein Professor war immerhin von meiner peniblen Recherche so beeindruckt, dass meine Promotion locker über die Bühne ging.

    Den Doktor hatte ich hauptsächlich wegen meiner Eltern gemacht; einfachen, aber keineswegs armen Bauern aus dem Allgäu, die mächtig stolz auf ihren einzigen Sohn waren – auch wenn es nicht danach aussah, dass er einmal den väterlichen Hof übernehmen würde.

    Wir stiegen aus dem klimatisierten Bus. Die Hitze schlug uns wie ein feuchtes heißes Handtuch entgegen. Die Rufe der Händler, Kindergeschrei, die Stimmen der vielen Käufer, das Gackern der feilgebotenen Hühner, das Blöken der Schafe und Grunzen der Schweine machten es mir nicht leicht, mich mit meiner Gruppe zu verständigen. Aber alle folgten brav meinem hochgehaltenen Schirm.

    Toni reckte erneut seinen Kopf aus dem Rucksack. Mein Gott, wäre mein Herrchen doch wenigstens zehn Zentimeter größer, dann hätte ich einen besseren Überblick über das Gewimmel hier. Und dazu noch dieser läppische Schirm. Finde ich echt peinlich. Ich beneide Milli, die jetzt gemütlich auf dem Balkon ihr Sonnenbad genießt. Aber allein lassen wollte ich ihn ja auch nicht. Wen hat er schon außer uns beiden?

    Ich verblieb schließlich so mit meiner Gruppe, dass wir uns in zwei Stunden wieder beim Bus treffen würden. Erleichtert sah ich mich nach einem schattigen Platz vor einem der Cafés um. Dabei blieb mein Blick an einer großen schlanken Frau hängen. Sie hatte, so schien es mir, das schönste, edelste Gesicht, das ich je gesehen hatte. Sie mochte etwa Mitte 30 sein. Ihr langes schwarzes Haar hatte sie zu einem Knoten gebunden und schritt gelassen, geschmeidig, sehr aufrecht durch die Menge.

    Ihr Anblick traf mich wie ein Blitz. Man begegnet vielen schönen Frauen in Spanien, aber so eine hatte ich noch nie gesehen. Liebe auf den ersten Blick wäre zu viel gesagt, aber bestimmt passt Begeisterung und Erregung, die auf jeden Fall auch erotisch bedingt war.

    Ich holte mein Pendel aus der Tasche und fragte, ob ich dieser Frau wieder begegnen würde. Die kleine Goldkugel an der kurzen Kette, ein Geschenk meiner Oma, flog mir fast aus der Hand, so heftig drehte sie sich in zustimmenden Rechtskreisen.

    Auch Toni hatte die Frau erspäht. aufgeregt: Sie hat mir zugezwinkert. Ja, eindeutig, sie hat mich angesehen, gelächelt und gezwinkert. Wenn sie kein nervöses Augenleiden hat, dann galt das Zwinkern mir. Das wäre doch was für mein Herrchen, aber nein, der trottet da einfach lustlos dahin. Oder doch nicht? Nein, mir scheint, er hat sie ebenfalls erspäht!

    Während ich noch diese Zaubergestalt anstarrte, sah ich, wie sich eine dickliche Frau mit einem kleinen Nelkenstrauß in der Hand gezielt den Weg zu der Schönen bahnte und ihr mit falschem Lächeln eine Nelke überreichen wollte. Die junge Frau schüttelte unwillig den Kopf, ohne zu merken, dass die Blumenfrau ihr blitzschnell in die Einkaufstasche griff, sich mit geübtem Griff die Geldbörse schnappte und damit abhaute.

    Dass auch Toni etwas gesehen hatte, merkte ich daran, dass er mich mit der Pfote aufgeregt am Hinterkopf stupste. Ich wusste aus Erfahrung, dass er das nie ohne guten Grund tat.

    »Hab schon gesehen«, sagte ich ihm und stellte mich schnell der dicken Frau in den Weg, die gerade in eine Seitengasse flüchten wollte. Es war, wie ich wusste, eine dieser berüchtigten Nelken-Frauen, raffinierte Taschendiebinnen, die vom Festland nach Mallorca kamen und schon so manchen Touristen die Urlaubsfreude vergällt hatten.

    Ich hielt die Frau fest und entriss ihr die gestohlene Börse. Die Diebin wollte sich wütend wehren, doch da richtete sich mein tapferer Toni, wie ich spürte, im Rucksack zu voller Größe auf und fauchte die Person zornig an. Mit einem Angstschrei riss sich die Frau los und verschwand um die nächste Ecke im Gewirr der engen Gassen.

    »Soll ich sie einfangen, Dok?«, hörte ich eine vertraute kräftige Bassstimme. Es war Bobby, ein hünenhafter afrikanischer Souvenirverkäufer, den ich schon seit Jahren von den verschiedenen Wochenmärkten her kannte. Im Gegensatz zu den meisten fliegenden Händlern besaß Bobby eine amtliche Lizenz für seinen Bauchladen. Dazu hatte ich ihm seinerzeit mit meinen Verbindungen verholfen. Gelegentlich arbeitete der gelernte Elektronikfachmann auch als Spezialist für Überwachungsanlagen. Das machte er allerdings – wie denn sonst? – schwarz …

    »Hat keinen Sinn, Bobby«, winkte ich ab. »Die ist längst über alle Berge. Aber merke dir ihr Gesicht.«

    »Brauche ich nicht, kenne ich schon«, erwiderte Bobby und streichelte behutsam über Tonis Kopf. »Wie geht’s meinem kleinen roten Freund?«

    Gut geht es mir, mein großer schwarzer Freund, signalisierte Toni ungeduldig, aber stör uns jetzt nicht, denn da sind wichtige Ereignisse im Gange, das spüre ich bis in die Ohrspitzen. Also sei bitte so gut, steh da nicht ewig herum, sondern hau endlich ab!

    Ich mag diesen stets freundlichen, sogar bei kaltem Winterwetter schweißglänzenden Burschen, der für mich so aussieht, als würde er gleich Ol’ man river aus Porgy and Bess singen. Aber mit ihm konnte ich mich jetzt nicht abgeben, denn soeben näherte sich uns die aufregend schöne junge Dame, die mir vorhin schon so angenehm aufgefallen war. Mein Goldpendel hatte also wieder einmal recht behalten.

    Sie hatte wohl durch den kleinen Tumult inzwischen mitbekommen, dass sie bestohlen worden war. Ich ging auf sie zu und übergab ihr mit einer kleinen Verbeugung die pralle Geldbörse.

    »Da haben wir ja noch einmal Glück gehabt«, sagte ich, um Lockerheit bemüht. Aber mehr brachte ich im Moment nicht hervor, so beeindruckt war ich von der Ausstrahlung dieser Traumfrau in Jeans, weißer Bluse und bequemen Sandalen.

    Sie reichte mir anmutig die Hand. »Dorina de Lombard«, stellte sie sich vor. »Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll, Herr …«

    »Kramer. Julian Kramer«, sagte ich.

    Toni verbesserte ungehört: Doktor Kramer. Doktor! Warum zum Kuckuck spielt er diesen Trumpf denn nie aus? Viel mehr hat er doch nicht, womit er auftrumpfen könnte. Gewiss, er sieht ganz gut aus, die Frauen machen ihm schöne Augen, das sehe ich immer wieder. Aber sonst? Reiseleiter. Auch schon was. Das haut doch wirklich keinen vom Hocker.

    Jetzt wusste ich, weshalb sie mir so bekannt vorkam. »Sind Sie nicht die bekannte Pianistin?«, fragte ich freudig überrascht. »Dorina de Lombard – natürlich, Sie sind es! Ich besitze eine CD von Ihnen mit den Nocturnes von Chopin. Und neulich habe ich Sie im deutschen Fernsehen gesehen.«

    »Ach, das finde ich aber reizend«, sagte Dorina de Lombard mit angenehmer und, wie ich fand, ungemein sinnlicher Altstimme. »Darf ich Sie vielleicht zu einem Kaffee einladen? Und natürlich auch Ihren Freund hier im Rucksack. Wir beide kennen uns bereits vom Sehen, nicht wahr?« Sie streckte ihre Hand aus, um Toni zu streicheln. Ich beneidete meinen Kater um diese kurze Zärtlichkeit, die er mit geschlossenen Augen hingebungsvoll genoss.

    Gut, dass ich schon rot bin, sonst würde man jetzt merken, dass ich es werde. Was für eine Frau! So eine würde ich meinem Herrchen wünschen, nicht diese katzenallergischen Tussis, die er bisher angeschleppt hat. Immer dieses hysterische Geschrei: »Oh mein Gott, deine Katzen waren heute wieder auf meinem Bett! – Oh nein, jetzt sitzen sie auch noch auf dem Esstisch. Kann man ihnen das nicht endlich abgewöhnen?« Die taten so, als gehörten wir zur Familie der Tyrannosaurier. Nicht einmal unsere Namen haben die sich gemerkt. Es hieß immer nur ›die Katzen‹.

    Aber wir haben es ihnen gezeigt! Einmal habe ich einer Hildegard, die uns immer mit Salat füttern wollte, »weil das so gesund ist, auch für Tiere« – ja, vielleicht für Pferde oder Kühe, aber doch nicht für Katzen … Also dieser vegetarischen Blondine mit Zopf habe ich eines Abends eine tote Maus ins Bett gelegt. Ganz ohne Nebengedanken, nur um ihr zu demonstrieren, dass wir Fleischfresser sind, keine Gemüselinge.

    Und dann lag ich mit Milli auf der Lauer. Das Warten hat sich gelohnt. Plötzlich gab es ein Gekreisch, so schrill, dass ich schon dachte, die Feuerwehr rückt an. Julian kam und fragte schlaftrunken: »Was ist denn los, Hildchen? Warum diese Aufregung?«

    Hildchen schnappte nach Luft: »Warum? Warum, fragst du? Da, schau selbst! Eine to… eine to… eine tote Maus. In meinem Bett!«

    »Ja und? Möchtest du lieber eine lebende?«, fragte unser Julian ganz ruhig. Dafür lieben wir ihn.

    Der Fall Hildegard war damit abgeschlossen, ein für alle Mal. Sie verließ uns gleich am nächsten Morgen. Die Nacht hat sie auf einem Liegestuhl auf dem Balkon verbracht, von Julian aufmerksam mit einer Decke versorgt. Da kennt er nichts, da ist er ganz Gentleman.

    Hildegard ging wortlos, ohne das übliche Ultimatum, das die anderen Gespielinnen unseres Herrchens zu stellen pflegen: »So geht es nicht weiter, Julian! Das mache ich nicht länger mit. Du wirst dich entscheiden müssen. Entweder du trennst dich von diesem Katzenpack oder ich gehe!« Zum Glück hat sich unser Herrchen immer, ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, für uns entschieden. Er verlor nicht viele Worte, sondern hob Milli und mich auf seine Arme und sagte freundlich: »Wir wünschen dir eine gute Reise!«

    Bei der anderen ging es noch schneller. Ich weiß nicht mehr, wie sie wirklich hieß. Er nannte sie Bibi. Da schafften wir es statt mit einer Maus mit einem Handtuch, einem sehr nassen. Ganz schön schwer, doch mit Mimis Hilfe gelang es mir, das Ding in ihr Bett zu hieven.

    Auch hier ein Mordsgeschrei. »Schau dir diese Sauerei an! Mein Bett ist total nass!«

    Und wieder blieb Julian gelassen und sagte nur: »Du solltest dich besser abtrocknen, wenn du aus der Badewanne steigst.«

    Darauf Bibi empört: »Aber das ist doch nicht vom Baden, du Schwachkopf! Tu doch nicht so scheinheilig. Du weißt nur zu genau, woher das kommt.«

    »Dann solltest du schleunigst zu einem Frauenarzt gehen«, meinte unser Julian seelenruhig.

    Ich erinnere mich, dass Mimi mir zuflüsterte: »Bibi muss immer Pipi.« Wir haben sehr gelacht.

    Bibi ging noch am selben Tag. Wobei ich zugeben muss, dass in beiden Fällen die Beziehung unseres Herrchens bereits ein Auslaufmodell war.

    Aber diese Dame hier, diese Dorina, ist ganz anders, das spüre ich. Sie riecht auch so gut, richtig verführerisch. Endlich eine, die ideal zu uns passen würde. Hoffentlich erkennt er das. Mimi und ich werden jedenfalls alles tun, damit es diesmal klappt, dachte Toni.

    »Aber das ist doch nicht nötig«, protestierte ich schwach, als mich diese Traumfrau zum Kaffee einlud; meinte es aber natürlich nicht so. Ich setzte mich zu ihr. Wir plauderten drauflos, und wenn uns jemand beobachtete, dachte er sicher, dass sich da zwei gute alte Bekannte über ein Wiedersehen nach langer Zeit freuten. Dorina de Lombard fand meinen Beruf als Reiseleiter »sehr spannend« und meinte: »Man lernt dabei doch sicher jeden Tag interessante Menschen kennen, nicht wahr?«

    »Ganz so ist es leider nicht«, widersprach ich. »Man ist da eher der wandelnde Abfallkübel für Beschwerden jeder Art. Mal ist es das Hotelzimmer, das nicht dem entspricht, was im Prospekt stand, mal die mangelnde Hygiene, zu laute Zimmernachbarn und am häufigsten das Essen, das so ganz anders schmeckt als zu Hause. Ein älteres Ehepaar beschwerte sich neulich sogar darüber, dass Mallorca keine tropischen Pflanzen und bunten Papageien habe wie auf Bali, wo sie im letzten Winter gewesen waren. ›Und dann auch noch so viele Deutsche. Da hätten wir ja gleich zu Hause bleiben können.‹«

    Dorina lachte laut und herzlich. »Ich möchte das gerne selbst erleben. Nehmen Sie mich doch bitte einmal einfach mit. Ich verspreche Ihnen auch, mich nicht zu beschweren«, bat sie.

    »Nichts lieber als das«, stimmte ich zu und wollte wissen: »Wieso kommt es, wenn ich fragen darf, dass Sie ein so gutes Deutsch sprechen?«

    »Ich habe zwei Jahre in Berlin studiert«, antwortete mir die schöne Dorina de Lombard. »Und meine Mutter stammt aus Österreich.«

    Ich sah mich nach meiner Reisegruppe um. Die hatte sich zum Glück inzwischen selbstständig gemacht und über den Markt verteilt. Da gab es vorerst nichts für mich zu tun.

    »Eine Tasse Kaffee ist das Mindeste, womit ich mich bei Ihnen bedanken kann«, sagte Dorina. »Eigentlich stünde Ihnen ja ein Finderlohn zu. Und der wäre ziemlich hoch, denn ich habe vorhin in der Bank da drüben etwas abgehoben. Vielleicht hat mich die Diebin dabei beobachtet. Ich ärgere mich über mich selbst, dass mir so etwas passieren konnte. Man kennt doch diese Tricks.«

    »Es sollte so sein«, sagte ich galant, »sonst hätten wir uns vermutlich nie kennengelernt.«

    Ach wie schön altmodisch, fand Toni. Unser Julian hat Feuer gefangen. Kann ich gut verstehen. Nur weiter so, Mann! Schmiede das Eisen, solange es glüht. Die Wohlduftende dürfte ebenfalls interessiert sein, wenn ich ihre Körpersprache richtig deute. Wie sie ihn mit schiefem Köpfchen anlächelt, wie sie die hübschen langen Beine übereinanderschlägt, wie sie ihn scheinbar unabsichtlich am Arm berührt. Also da tut sich garantiert etwas, wenn man mich fragt.

    Wir saßen an einem winzigen Tischchen eines der vielen Straßencafés. Ich hob Toni aus dem Rucksack. Der zögerte einen Moment, dann sprang er entschlossen auf Dorinas Schoß.

    »Oh, es sieht so aus, als ob er mich mag«, freute sie sich.

    »Er heißt Toni«, stellte ich vor. »Er und seine Freundin Milli bilden mit mir eine verschworene Wohngemeinschaft.«

    »Hallo Toni.« Dorina streichelte über Tonis Rücken. Er schnurrte hörbar vor Behagen. »Ich besitze eine Katzendame namens Pia. Das heißt, eigentlich besitzt sie mich. Ich habe sie vor einigen Jahren aus Frankreich mitgebracht«, erzählte Dorina.

    Wir bestellten Kaffee mit Milch. »Dazu empfehle ich einen hausgemachten Apfelkuchen, der ist hier besonders gut«, schlug Dorina vor. »Und was bekommt mein kleiner Freund Toni?«

    Bloß keine Milch, die vertrage ich nicht, bat Toni insgeheim. Und wenn es geht, auch keine Torte. Wann werden es die Menschen endlich begreifen, dass wir keinen Geschmackssinn für Süßes haben? Hunde fressen Schokolade mit Wonne, die fressen überhaupt alles. Für uns Katzen schmeckt Schokolade wie ein Stück Holz. Julian weiß das längst, aber ob sie es auch weiß?

    »Un poco de nata batida para mi gattito, por favor«, bestellte Dorina bei der Kellnerin.

    Toni verstand es. Ein wenig Schlagsahne für mein Kätzchen. Sie hat ›mein‹ Kätzchen gesagt! Und sie hat genau das Richtige für mich bestellt. Ich wusste es. Ah, ich könnte sie küssen.

    »Das mag er tatsächlich am liebsten«, sagte ich. »Milch verträgt er nicht, er bevorzugt Sahne, der feine Herr.«

    Ja ja, das weiß sie doch längst, dachte Toni. Und mach dich gefälligst nicht auf meine Kosten lustig. ›Der feine Herr.‹ Was soll das? Sieh lieber zu, dass du am Ball bleibst, Mann! Solch ein Schatz läuft dir nicht so schnell wieder über den Weg, gab er seinem Herrn einen stummen Rat.

    »Und Sie leben hier auf Mallorca?«, fragte ich.

    Wo denn sonst? Toni blickte zum Himmel. So was von gequälter Konversation. Sieht sie aus, als käme sie aus einem Iglu am Nordpol? Oder aus einer geflochtenen Hütte in der Serengeti, wie unser Freund Bobby?

    Dorina nickte lächelnd, wobei sie ihre prächtigen weißen Zähne zeigte. »Ja, ich bin tatsächlich eine waschechte Mallorquinerin. Ich habe hier ein Landhaus, ein ziemlich altes Gemäuer, noch aus dem Mittelalter, geerbt von meinen Vorfahren. Da fällt mir ein …«, sie streckte ihre Hand über den kleinen Tisch hinweg aus und berührte kurz meinen Arm. »Haben sie heute Abend schon etwas vor, Herr Kramer?«

    Ich war derart überrascht, dass ich ein wenig mit der Antwort zögerte. Normalerweise stellt der Mann solche Fragen an die Frau, die er näher kennenlernen möchte.

    Toni starrte seinen Herrn wie aus zwei kleinen Scheinwerfern an, als wolle er ihn hypnotisieren. Mann, so sag endlich was! Dieses Angebot kannst du doch nicht abschlagen. Schade, dass ich nicht an seiner Stelle antworten kann. Ich würde laut und deutlich rufen: Ja, ja, wir kommen gern, schöne Señorita, es ist uns eine Ehre und ein großes Vergnügen!

    »Ja … nein, ich … ich habe nichts vor«, stotterte ich. »Meine Reisegruppe geht eh auf den Ballermann; also bin ich frei.«

    »Ausgezeichnet!«, rief Dorina de Lombard erfreut. »Dann darf ich Sie zu mir einladen. Ich gebe heute Abend ein Hauskonzert, nur im ganz kleinen Kreis. Vielleicht haben Sie Lust …«

    »Und ob!«, freute ich mich. »Ich komme gern.« Sie gab mir ihre Adresse und stand vorsichtig auf, sodass Toni sanft von ihrem Schoß gleiten konnte. Er tat es sichtlich ungern.

    »Also dann bis heute Abend, acht Uhr«, sagte Dorina. War es mehr als nur Sympathie, was ich in diesen großen dunklen Augen zu lesen glaubte? Sie reichte mir die Hand. »Ich weiß, es ist ein bisschen früh für spanische Verhältnisse, aber wir wollen nach dem Konzert vielleicht noch ein Glas Wein verkosten und eine Kleinigkeit essen. Und du kommst natürlich auch mit«, wandte sie sich an Toni. »Pia wird sich bestimmt freuen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie dir gefällt.«

    Als wir zu Hause ankamen, begrüßte uns Milli zunächst mit deutlich zur Schau gestellter Schmollmiene.

    »Wird ja langsam Zeit. Wo habt ihr euch denn so lange herumgetrieben?«, wollte Milli von Toni wissen. Er berichtete ihr von Dorina und dem Vorfall auf dem Wochenmarkt, und dass auch sie eine Katze besitze; Pia, aus Paris. »Und diese tolle Frau hat ihn für heute Abend zu einem Konzert eingeladen?«, wunderte sich Milli.

    »Ja, und mich auch. Du bist natürlich ebenfalls eingeladen«, flunkerte Toni.

    Doch Milli schüttelte das Köpfchen. »Nein, bitte ohne mich. Ich habe eine ganz schlimme Migräne. Da kommt bestimmt eine Schlechtwetterfront auf uns zu, das spüre ich deutlich

    Sie blickte aus dem Fenster der kleinen gemütlichen Dachwohnung am Stadtrand von Palma. »Sieh nur, da drüben, die Wolken über dem Meer. Sie kommen immer näher, wie eine Horde schwarzer Reiter.« Ich liebe ihre bildhafte Sprache, dachte Toni und gab Milli einen zärtlichen Stupser mit dem Kopf.

    Die beiden verstanden sich prächtig, stellte ich wieder einmal zufrieden fest. Manchmal bedauerte ich es allerdings, dass sie keine Kinder miteinander haben konnten, mein strammer Toni und dieses schlanke, kokette Katzenmädchen mit dem anmutigen, sexy Catwalk. Das wäre sicher eine ideale Mischung geworden. Aber aus meiner Kindheit auf dem Bauernhof wusste ich, wie schnell sich Katzen vermehren können. Wie sollte ich das bewältigen in dieser kleinen Stadtwohnung? Also ließ ich Milli rechtzeitig sterilisieren.

    Toni und Milli beobachteten mich, wie ich fröhlich pfeifend meine besten Sachen aus dem Kleiderschrank holte, mit einem Lappen meine Schuhe blank polierte und unschlüssig überlegte, welche Krawatte ich nehmen solle.

    Was wohl in ihren Köpfen vorgehen mag, dachte ich, und das nicht zum ersten Mal.

    Ein denkwürdiger Abend im Haus des Schwarzen Grafen

    Ich stand vor meinem Garderobenspiegel und probierte die sechste oder siebte Krawatte. Mein einziger Ausgeh-Anzug war zum Glück einigermaßen gut gebügelt, ein passendes Hemd fand ich auch noch. Höchste Zeit, mir demnächst eine neue Garderobe zuzulegen, überlegte ich. Eventuell beim Sommerschlussverkauf? Vielleicht auch einen neuen Schlips. Aber wer trägt heute noch Krawatte? Ich stellte mich vor die beiden Katzen, die mich vom Bett aus aufmerksam beobachteten. »Was sagt ihr?«, fragte ich, obwohl ich wusste, dass die beiden nicht einverstanden sein würden, egal, was ich aussuchte. Sie hatten eben ihren eigenen Geschmack.

    »Wer trägt denn heute noch solche Halsabschnürer?«, fragte Toni, und Milli antwortete: »Nur noch Typen wie unser Herr und Meister, die keine Ahnung davon haben, was in ist und was nicht. Wird Zeit, dass bald wieder eine Frau ins Haus kommt.«

    Wozu eigentlich Krawatte?, überlegte ich und riss das Ding wieder herunter, warf es in den Schrank zurück und öffnete den obersten Hemdknopf. Schon viel besser, stellte ich nach einem Blick in den Spiegel zufrieden fest. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass eine Frau wie Dorina, die in lässigen Jeans daherkam, bei ihren Gästen auf Krawatten Wert legte.

    »Na also, warum nicht gleich so?«, lobte Toni. »Sieht doch ganz passabel aus, unser Ernährer, meinst du nicht auch, Süße?«

    Milli musterte Julian mit schiefem Kopf. »Er müsste sich nur endlich einmal einen zweiten Anzug zulegen, nicht immer dieses altmodische Ding, das aussieht wie aus der Kleidersammlung der Caritas. Und er sollte sich gerade halten, dann wirkt er gleich viel attraktiver. Und natürlich braucht er auch eine andere Brille. Mit diesem Harry-Potter-Krankenkassen-Gestell sieht er aus wie ein zu alter Konfirmand oder Firmling, echt bescheuert. Aber sonst – ja, ganz hübscher Junge für seine fast 36 Jahre. Von den vielen Bootsfahrten mit den Touris ist er richtig fesch braun gebrannt, auch seine blonden Haare sind noch schön voll, vielleicht ein bisschen zu lang im Nacken, aber das gibt ihm ein gewisses künstlerisches Flair. Findest du nicht auch? Wäre ich eine Menschenfrau, ich könnte mich glatt in ihn verlieben.« Milli kicherte. »Aber ich bin ja nur eine Katze.«

    Toni rollte die Augen zur Decke, dabei streifte sein Blick den Wecker auf Julians Nachtschränkchen. »Verdammt, wir müssten längst losfahren, sonst kommen wir noch zu spät zu dieser tollen Frau. Die Gelegenheit dürfen wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.«

    Er eilte auf Julian zu und stupste ihn mit der Pfote am Bein.

    Ich hatte wieder einmal das Gefühl, dass Toni mir etwas mitteilen wollte. Ich blickte auf meine Armbanduhr und glaubte zu wissen, was es war. »Du hast recht, mein Alter«, sagte ich, »es wird langsam Zeit, dass wir gehen.« Ich hob Toni hoch und setzte ihn in seinen Rucksack. »Tschau, meine Schöne«, verabschiedete ich mich von Milli.

    Toni sagte: »Machen Sie es gut, Lady Emily.«

    »Mach ich, Sir Anthony. Ich hoffe, ihr habt viel Spaß. Und benehmt euch anständig«, gab Milli keck zurück. Es war ein Spielchen zwischen ihnen, das immer wieder Spaß machte.

    Dank meines erst vor Kurzem erworbenen Navigators erreichten wir unser Ziel rechtzeitig und ohne Umwege. Mein betagter Renault machte sich neben den Luxuskarossen auf dem Parkplatz vor der Villa Lombard ziemlich mickrig aus, doch das störte mich nicht.

    Ein Dienstmädchen empfing uns an der Haustür und fragte, wen sie melden dürfe. Ich gab ihr meine Visitenkarte und folgte ihr mit Toni im Rucksack auf meinem Rücken.

    »Señor Doktor Kramer«, meldete das Mädchen, als wir das Musikzimmer betraten, in dem sich bereits etwa ein Dutzend Personen ins Gespräch vertieft an Cocktailgläsern festhielten. Einige Augenbrauen wurden hochgezogen, als auf einmal ein Mann ohne Krawatte, aber mit rotem Kater im Gepäck auftauchte.

    Dorina de Lombard, im langen dunkelblauen Abendkleid, war noch schöner, als ich sie in Erinnerung hatte. Ihre Haare flossen in schwarzer seidiger Fülle bis auf ihre leicht gebräunten, unbedeckten Schultern. Sie begrüßte mich mit demonstrativer Herzlichkeit.

    »Sieh an, mein Retter ist ein Herr Doktor«, sagte sie, nur für mich hörbar. In ihren Highheels war sie ein wenig größer als ich.

    Ich habe noch zu Milli gesagt, er soll die Schuhe mit den höheren Absätzen nehmen. Das macht zwar auch keinen Riesen aus ihm, aber es würde helfen, ärgerte sich Toni. Gut, dass er mich mitgenommen hat, das lenkt von ihm ab und gibt ihm etwas Exzentrisches. Komischer Verein hier. Und wie die uns alle anstarren, als kämen wir von einem anderen Stern.

    Während ich reihum Hände schüttelte, verlor ich Toni aus den Augen. Er war gleich aus dem Spezialrucksack gestiegen, den ich neben mir abgestellt hatte, und war dann verschwunden.

    Ich stehe nicht gern zwischen so vielen Menschen, dachte Toni. Da kann es leicht passieren, dass sie mich übersehen und mir auf den Schwanz treten. Das tut ganz schön weh. Aber daran denkt natürlich keiner. Die schütten sich höchstens aus vor Lachen, wenn man vor Schmerz aufjault. Ich schaue mir lieber dieses seltsame düstere Haus etwas näher an. Ist ja ein Riesending, fast wie ein Schloss. Außerdem hat doch die sympathische junge Dame namens Dorina heute Morgen etwas von einer Katze erzählt, die sie aus Frankreich mitgebracht hat. Das hat mich neugierig gemacht. Sollte ich mir unbedingt etwas näher ansehen.

    Toni inspizierte auf lautlosen Pfoten einen Raum nach dem anderen. Ich kann mir nicht helfen, dachte er, aber irgendwie fühle ich mich in diesem Haus wie von bösen Geistern bedroht. Obwohl es warm ist, fröstelt es mich. Etwas ist hier nicht ganz normal. Von den meisten Dingen gehen ungute Schwingungen aus, aber die spüren nur wir Katzen. Vielleicht auch Julian, wenn er sich darauf konzentriert. Das traue ich ihm zu. Zumindest kann er es mit seinem Pendel oder seiner Rute feststellen.

    Ich möchte wetten, dass zum Beispiel dieser geschnitzte alte Lehnstuhl da drüben schon Furchtbares erlebt hat. Ich rieche das Blut, ich kann schreckliche Angstschreie hören. Eine Frau. Sie wurde darauf festgebunden und gefoltert. – Mein Gott, nichts wie weg hier!

    Als Toni einen von einem Kristallluster gedämpft beleuchteten Salon betrat, blieb er plötzlich stehen. Er hatte das Gefühl, gegen eine unsichtbare Wand zu rennen. Dieser Duft! Noch nie hatte er so etwas Aufregendes geschnuppert.

    Und da sah er sie auch schon. Wie eine altägyptische Skulptur lag sie vor ihm, eine weiße, elegante Siamkatze auf einem roten Plüschsofa. Sie war sich ihrer Wirkung sehr bewusst. Träge musterte sie Toni aus ihren schönen veilchenblauen, halb geschlossenen Augen.

    »Darf man fragen, welscher Circonstance ich diesen … äh … unerwarteten Besuch verdanke?«, fragte sie mit stark französischem Akzent.

    »Man darf, mein zauberhaftes Schneeglöckchen, man darf«, schnurrte Toni und sprang zu ihr aufs Sofa.

    »Isch muss doch sehr bitten!« Die Katzendame sträubte indigniert ihre langen Schnurrhaare.

    »Du musst Pia sein«, sagte Toni. »Hab schon von dir gehört. Übrigens, ich heiße Toni.«

    Ziemlich gewöhnlicher Name, dachte Pia, passt aber gut zu ihm. Sie betrachtete gelangweilt die Krallen ihrer Vorderpfoten, so als gäbe es nichts Wichtigeres auf dieser Welt. Dann gähnte sie und putzte mit langsamen Bewegungen ihre weiße Brust.

    Toni ließ sich dadurch nicht beeindrucken.

    »Bist ja ein richtig leckeres Wonnehäppchen«, streute er ihr Rosen. »Auf jeden Fall bist du, wenn man mich fragt, die Schönste auf dieser Insel, wenn nicht von ganz Spanien – und Umgebung. Und dieser Duft! Meine Herren, der haut mich echt um.« Das wirkt immer bei den Damen, dachte er.

    »Très charmant, Monsieur«, flötete Pia und dachte: Zumindest einen guten Geschmack hat er.

    Nichts wie ran!, dachte wiederum Toni und streichelte ganz zart, mit eingezogenen Krallen, über Pias seidiges Fell. Sie ließ es sich widerspruchslos gefallen, schnurrte sogar ein bisschen.

    Es waren ungefähr 15 Gäste, deren Hände ich reihum schüttelte, darunter einige würdige ältere Herren, meist Freunde des verstorbenen Mannes von Dorina, wie man mir später erklärte. Sie hatten eindrucksvoll lange spanische Namen, die ich sofort wieder vergaß, nachdem ich sie gehört hatte. Einige sahen aus wie Werbefilmdarsteller für edlen alten Brandy aus Jerez.

    Und da war auch noch eine nicht mehr ganz junge grau melierte attraktive Dame, deren Anblick mich sofort gefangen nahm. Sie kam auf mich zu.

    »Sie müssen der junge Mann sein, der meine Nichte heute Morgen auf dem Wochenmarkt vor einem großen Malheur bewahrt hat«, sagte sie mit charmantem Lächeln. »Dafür möchte auch ich Ihnen ganz herzlich danken. Sie ist immer noch ein großes Kind, wissen Sie. Eigentlich braucht sie einen ständigen Leibwächter. Für mich ist sie wie eine Tochter. Verzeihung, Sie kennen mich ja noch nicht. Ich bin Adelina, die Schwester ihrer Mutter.« Sie trug einen gestickten schwarzen Schulterumhang. In der Hand hielt sie graziös einen zusammengefalteten Fächer. Sehr spanisch.

    Mir gefiel, wie sie sprach, ein Spanisch, das man heute in dieser Vollkommenheit nur noch auf großen Bühnen in Madrid oder Barcelona hört. Ich sagte es ihr. Adelina quittierte das Lob mit einem dankbar-koketten Lächeln. »Es freut mich, dass Sie das sagen, mein Herr. Tatsächlich war ich über zwei Jahrzehnte als Mezzosopranistin am Teatro Real in Madrid engagiert. Aber das ist schon sehr lange her. Übrigens ist Ihr Spanisch auch hervorragend.«

    Ich war fasziniert von dieser Frau. Da ich schon zwei der Cocktails getrunken hatte, die ein Dienstmädchen mit Häubchen fleißig herumreichte, brachte ich den Mut auf, zu sagen, was ich dachte. »Dann sind also Schönheit und Musikalität in Ihrer Familie erblich, Madame?«

    Adelina gab mir einen Klaps mit ihrem Fächer. »Sie sind ja ein richtiger Caballero. Da muss man sich in Acht nehmen.«

    Ein etwas übergewichtiger Mann um die 50, feist und stiernackig, mit pechschwarz gefärbtem Haar, drängte sich zwischen uns, ohne auf mich zu achten, und gab Adelina einen hörbaren Wangenkuss. »Endlich finde ich Sie, Gnädigste!«, rief er theatralisch.

    Adelina machte unwillkürlich einen Schritt zurück und stellte ihn vor. »Dieser stürmische Herr ist Adolfo Suarez, ein Freund der schönen Künste.«

    »Und der schönen Frauen«, ergänzte der Aufdringliche gockelhaft. Jetzt erst wandte er sich mir zu, doch ich verzichtete darauf, mich vorzustellen. Es war Antipathie auf den ersten Blick. So etwas kommt bei mir nicht oft vor. Da brauchte ich nicht erst lange mein Pendel zu befragen.

    Mit einer angedeuteten Verbeugung zu Adelina zog ich mich zurück. »Ich hoffe, wir sehen uns noch.«

    »Ein neues Gesicht in dieser Runde.« Der elegante Herr, der mich jetzt ansprach, sah aus wie ein Offizier in Zivil, um die 50, soldatisch stramm, braun gebrannt, mit grauem Bürstenhaarschnitt und stahlblauen Augen. Er wandte sich an Adelina, die in der Nähe stand und sich wohl irgendwie von dem gelackten, aufdringlichen Unsympath befreit hatte. »Vielleicht ist die schönste Mezzosopranistin, die Spanien je hatte, so nett, uns vorzustellen.«

    »Aber gern, lieber Federico«, sagte Adelina mit einem anmutigen Kopfnicken. Sie deutete mit dem zusammengefalteten Fächer auf mich. »Das ist Doktor Julian Kramer, der meiner Nichte heute auf dem Wochenmarkt in Sineu einen Dienst erwiesen hat, für den er von Ihnen ausgezeichnet werden sollte. Und dieser Herr hier, lieber Doktor, ist kein Geringerer als Doktor Federico Alva, oberster Polizeichef und, wie man hört, begehrtester Junggeselle von Mallorca und den Nachbarinseln.«

    Wir gaben uns die Hand. »Da bin ich aber neugierig«, sagte der hohe Polizeibeamte schmunzelnd in recht gutem Deutsch. »Wofür darf ich Sie auszeichnen, wenn ich fragen …«

    Ich kam nicht dazu, ihm zu antworten, denn in diesem Moment trat Dorina zu ihrem Steinway-Flügel in der Mitte des kleinen Saales. Sie klatschte einmal in die Hände, und als die Gespräche verstummten, bat sie: »Nehmt bitte Platz, meine lieben Freunde. Ich fange an, sonst wird es zu spät.«

    Ich setzte mich in die erste Reihe der im Halbrund angeordneten Stühle, um die Künstlerin besser im Blickfeld zu haben.

    Bereits die ersten Takte einer Chopin-Barcarole elektrisierten mich. Noch nie hatte ich dieses Stück in solcher Vollkommenheit gehört. Gebannt folgte ich dem Spiel der schönen schlanken Hände und der Art, wie Dorina ihren Körper, ganz in die Musik versunken, in sanfter Anmut vor- und zurückbewegte; wie sich die seidigen schwarzen Haare dabei manchmal wie ein Schleier vor ihr ebenmäßiges Profil legten.

    Nach dem Konzert, nachdem der Applaus verklungen war, begab ich mich auf die Suche nach meinem Kater, verirrte mich aber heillos in der weiträumigen Villa zwischen all den Zimmern, Treppen und Gängen. Dicke Teppiche dämpften meine Schritte.

    Als ich einen der Korridore betrat, sah ich, wie Adolfo Suarez die kleine Bronzefigur eines sich aufbäumenden Pferdes aus einer Glasvitrine nahm und in seine Jackentasche stecken wollte. Als er mich erblickte, stellte er die Skulptur schnell wieder zurück und tat so, als sei das nur ein Versehen gewesen.

    »Wunderschöne Exponate hat sie da, unsere Dorina«, sagte er mit aufgesetzter Vertraulichkeit. »Antike Stücke, um die man sie beneiden könnte. Sie weiß vermutlich gar nicht, welche Schätze sich allein in dieser Vitrine befinden.«

    »Das glaube ich nicht, mein Herr«, sagte ich kühl. »Sie würde es bestimmt sofort merken, wenn etwas fehlt.« Ich wandte mich zum Gehen. »Verzeihung, aber ich bin gerade auf der Suche nach jemandem.«

    Im Salon wurde ich endlich fündig. Toni saß auf einem roten Sofa und blickte schmachtend auf eine neben ihm liegende weiße Siamkatze. Wie ertappt, sprang er sofort herunter, als er mich sah. Er kam zu mir und rieb sich an meinen Beinen, was meist ein Zeichen dafür war, dass er ein schlechtes Gewissen hatte oder mir etwas mitteilen wollte.

    »Hier steckst du also, du alter Strawanzer«, begrüßte ich ihn. »Hätte ich mir fast denken können.«

    Ich nahm Toni auf den Arm und kehrte mit ihm in den Musiksalon zurück. Adelina gesellte sich sogleich zu uns. Sie streichelte meinen Kater und meinte bewundernd: »Das ist aber ein besonders schönes Exemplar.« Dann sagte sie bedauernd: »Wir wurden vorhin von diesem Rüpel Adolfo unterbrochen. Ein grässlicher Mensch.«

    »Nomen est omen«, sagte ich. »Wenn einer schon Adolf heißt …«

    Adelina stutzte und lachte dann laut auf. »Stimmt, da habe ich noch gar nicht dran gedacht.«

    Wir blickten hinüber zu Dorina, die gerade von Adolfo bedrängt wurde, was ihr sichtlich missfiel.

    »Er hat nicht nur ein schlechtes Benehmen, sondern auch einen ebensolchen Atem«, flüsterte mir Adelina zu. Dann verfinsterte sich ihre Miene, als sie ein recht auffälliges Paar erblickte, das gerade zur Tür hereinkam oder besser gesagt hereinrauschte.

    Eine ein wenig übergewichtige junge Frau, die ihre flammend rote Haarfülle mit einem breitkrempigen Strohhut gekrönt hatte. Nicht zu übersehen waren auch ihre nackten Beine, denn ihr ärmelloses, bunt getupftes Sommerkleidchen endete auf halber Schenkelhöhe.

    »Geschmacklos und verspätet wie immer. Sie braucht eben ihren großen Auftritt«, ätzte Adelina und fügte erklärend hinzu: »Das ist Vera Brodo, Dorinas ungeliebte Stieftochter. Und der düstere imposante Herr mit Bart neben ihr ist Roman Popescu, ihr derzeitiger Lover. Er ist doppelt so alt wie sie, sehr reich, aber kein Mensch weiß, womit er sein Geld verdient.«

    »Stieftochter?«, fragte ich erstaunt.

    Adelina gab willig Auskunft. »Ja, ihr verstorbener Mann Silvio Brodo hat sie in die unglückselige Ehe mitgebracht. Er war mindestens 40 Jahre älter als Dorina. Ein typischer Vaterersatz, wenn Sie mich fragen.«

    Ich fragte nicht, weil ich das Gefühl hatte, ohnehin ausführlich informiert zu werden. Mich interessierte auf einmal alles, was Dorina de Lombard betraf. Dann ist meine Traumfrau also Witwe, überlegte ich nicht ohne eine gewisse Befriedigung. Seit wann wohl?

    Adelina füllte nur allzu gern meine Wissenslücken.

    »Dorina ist seit etwa fünf Jahren solo, widmet sich nur noch ihrer Musik. Ihr Mann war Kunstmaler. Da drüben hängt einer seiner Schinken, Sinkendes Schiff auf hoher See. In Fachkreisen nannte man ihn nur Schiffchen-Brodo, weil er ausschließlich maritime Szenen gemalt hat. Schiffe, Schiffe, in jeder Größe, bei jedem Wetter. Aufgewühltes Meer, spiegelglatte See, Segel im Morgenrot, auf Wunsch aber auch bei Sonnenuntergang. Für mich ist das pure Meterware. Aber die Leute kaufen so etwas mit Begeisterung und hängen es sich übers Ehebett. Einfach schrecklich.«

    Ich konnte mein Lachen nicht zurückhalten.

    »Aber er hatte auch seine guten Seiten, der liebe Silvio«, räumte Adelina ein. »Er war ein herzensguter Mensch, sehr fürsorglich, ein Kavalier der uralten Schule. Er konnte schlecht malen, aber gut Witze erzählen. Leider war er Kettenraucher und starb dann auch prompt an Lungenkrebs. In diesen Räumen hier roch es damals wie in einer Räucherkammer. Ein netter Mann, wie gesagt, nur seine Tochter konnte er nicht erziehen, sie bekam alles von ihm, nachdem ihre Mutter schon früh verstorben war. Und sie nutzte seine übertriebene Vaterliebe schamlos aus. Er verwöhnte sie, wo er nur konnte, überschüttete sie mit Geschenken. So ist und bleibt sie bis heute ein unerzogener, verwöhnter Fratz.«

    Diskretion ist nicht ihre Stärke, aber gerade deswegen gefällt sie mir, dachte Toni. Außerdem hat sie recht, dieser bunte Vogel namens Vera ist für mich ein echter Kotzbrocken. Das spürt man auch als Katze. Dafür haben wir unseren sechsten Sinn. Vor dieser Frau kann ich jeden nur warnen. Ah, da kommt sie ja schon dahergestelzt auf ihren hohen Stöckeln.

    »Ach, ich wusste gar nicht, dass man auch Haustiere zur Soiree mitbringen kann«, sagte Vera und berührte kurz meinen Kater, der vor der Hand mit den krallenartigen blutroten Nägeln zurückschreckte. Vera lachte schrill. »Gut zu wissen, dann bringen wir das nächste Mal unseren Papagei mit.«

    Nicht nötig, du bist Papagei genug, dachte Toni und drückte sich noch enger an seinen Herrn. Als sich die Krallenhand erneut nach ihm ausstreckte, schlug er mit der Pfote einmal kurz zu. Da er seine Krallen nicht ausfuhr, war es nur ein winzig kleiner Kratzer, jedoch Anlass genug, dass Vera Brodo ein Riesentheater aufführte.

    »Das Biest hat mich blutig gekratzt!«, rief sie. »Ein Glück, dass ich gegen Tetanus geimpft bin.«

    Dorina trat hinzu. »Ich sehe aber kein Blut, Liebste«, sagte sie. »Du warst ja schon immer ein bisschen wehleidig, wie ich mich erinnere. Soll ich trotzdem die Rettung verständigen oder vielleicht einen Arzt?«

    Ich wunderte mich, dass keine kleinen Eiskristalle auf den Wangen der beiden Frauen zurückblieben, als sie sich trotz dieses Zwischenfalls mit zwei Wangen-Luftküsschen begrüßten.

    Dazu sind nur Menschen fähig, dachte Toni. Wenn ich einen Artgenossen nicht mag, lasse ich ihn stehen, oder er kriegt eine in die Fresse. Die geben sich Küsschen, obwohl jeder schon von Weitem sieht, dass sie einander nicht ausstehen können. Da soll sich einer auskennen.

    »Leider seid ihr etwas spät dran. Mein Konzert ist schon vorbei«, sagte Dorina ohne Lächeln.

    Wieder dieses schrille Lachen von der angeblich schwer Verletzten, das Toni veranlasste, sich die Pfoten vor die Ohren zu halten.

    »Macht nichts«, flötete Vera, wieder komplett kampfbereit, »wir haben ja deine CD. Es war doch Chopin, nicht wahr, liebe Stiefmama? Oder spielst du auch mal was anderes?« Veras stark geschminkte blassgrüne Augen strahlten in falscher Herzlichkeit. Sie wartete die Antwort nicht ab, sondern wandte sich mit ausgebreiteten Armen publikumswirksam einem anderen Gast zu, um ihn lautstark zu begrüßen. Es war Adolfo Suarez.

    Als Toni beobachtete, wie der feiste Aalglatte mit dem schwarz gefärbten Haar Veras Hand küsste – nicht den Handrücken, sondern die Handfläche, so als ob er Milch daraus lecken würde –, da wusste er: Ich wette, die beiden haben was miteinander. Merkt denn das hier keiner, oder tun die alle nur so? Das weiß man nie bei den Menschen. Ist es echt, was sie sagen oder tun, oder machen sie sich und anderen etwas vor? Gehört das zu ihrem Spiel?

    Dorina kam zu uns. Von diesen Händen ließ sich Toni gern streicheln. Aber nicht nur er schnurrte, auch ich konnte mich nicht enthalten, zu schwärmen. »Sie waren großartig, Frau de Lombard, ein wunderbarer Kunstgenuss.«

    »Bitte nicht so förmlich«, bat sie. »Ich heiße Dorina, und ich darf Sie Julian nennen? Der Name gefällt mir.« Dann direkt an Toni gewandt: »Und du bist Toni, nicht wahr? Wir sind doch sozusagen schon alte Freunde.«

    Und ob, dachte Toni. Und du kannst mich nennen, wie du willst. Hoffentlich merkst du, dass wir dich beide mögen. Mein Julian ist jetzt schon ganz scharf auf dich, das sieht doch ein Blinder mit Krückstock. Und wie ist das bei dir? Ich habe das Gefühl, schon seit eurer ersten Begegnung auf dem Marktplatz, dass sich da möglicherweise etwas anbahnt.

    Dorina blickte in die Runde, klatschte wieder in die Hände und sagte mit

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