Die Begine und der Sterndeuter: Historischer Kriminalroman
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Über dieses E-Book
Silvia Stolzenburg
Dr. phil. Silvia Stolzenburg studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Tübingen. Im Jahr 2006 promovierte sie dort über zeitgenössische Bestseller. Kurz darauf machte sie sich an die Arbeit an ihrem ersten historischen Roman. Sie ist hauptberufliche Autorin und lebt mit ihrem Mann auf der Schwäbischen Alb, fährt leidenschaftlich Mountainbike, gräbt in Museen und Archiven oder kraxelt auf steilen Burgfelsen herum - immer in der Hoffnung, etwas Spannendes zu entdecken.
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Buchvorschau
Die Begine und der Sterndeuter - Silvia Stolzenburg
Zum Buch
Großes Unheil Ulm, Anno Domini 1416. Anna Ehinger ist glücklich: Sie und ihr Gemahl Lazarus sind zurück in ihr Haus gezogen und Anna hat einen gesunden Sohn zur Welt gebracht. Im Spital verläuft unter Bruder Martin, dem neuen Magister Hospitalis, alles geordnet, und es scheint, als würde einem ruhigen Leben nichts mehr im Wege stehen. Da taucht ein Sterndeuter in der Stadt auf, der den Ulmern großes Unheil voraussagt. Die Konstellation der Planeten deutet, so behauptet er, auf eine verheerende Katastrophe hin, der nur entkommen kann, wer die Stadt verlässt. Nicht wenige Ulmer fallen auf den Scharlatan herein und werden in ihrer Abwesenheit ausgeraubt. Dazu rücken falsche Münzen Annas Bruder Jakob in ein schlechtes Licht. Als dann noch die Leiche des Astrologen in der Blau treibt und Anna eine unschuldige Hübschlerin vor der Verurteilung bewahren will, gerät sie in einen gefährlichen Strudel aus Täuschung und Gewalt …
Dr. phil. Silvia Stolzenburg studierte Germanistik und Anglistik an der Universität Tübingen. Im Jahr 2006 promovierte sie dort über zeitgenössische Bestseller. Kurz darauf machte sie sich an die Arbeit an ihrem ersten historischen Roman. Sie ist hauptberufliche Autorin und lebt mit ihrem Mann auf der Schwäbischen Alb, fährt leidenschaftlich Mountainbike, gräbt in Museen und Archiven oder kraxelt auf steilen Burgfelsen herum – immer in der Hoffnung, etwas Spannendes zu entdecken.
Impressum
Dieses Werk wurde vermittelt durch die Autoren- und Projektagentur Gerd F. Rumler (München)
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Alle Rechte vorbehalten
Lektorat: Daniel Abt
Satz/E-Book: Mirjam Hecht
Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart
unter Verwendung der Bildes von: © Elnur / stock.adobe.com; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fr%C3%A8res_Limbourg_-_Tr%C3%A8s_Riches_Heures_du_duc_de_Berry_-_mois_de_mai_-_Google_Art_Project.jpg; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Les_Tr%C3%A8s_Riches_Heures_du_duc_de_Berry_avril.jpg?uselang=de
ISBN 978-3-7349-3230-4
Widmung
Für meinen Liebsten, der mich immer wieder
aufrichtet, wenn ich geknickt bin
Kapitel 1
Ulm, Mai 1416
»Höret, ihr Ulmer!«, scholl die Stimme eines wunderlich gekleideten Mannes über den Platz vor der Münsterkirche.
Der Morgen war freundlich und mild, die Luft schwer vom Duft der ersten Blüten. Die dicken Mäntel der Ulmer wichen allmählich leichteren Gewändern, die Pelzkappen bunten Filzhüten und hohen Hauben. Auf dem Dach des Barfüßerklosters, das im Schatten des noch immer nicht fertiggestellten Westturms des Münsters lag, schimpften Spatzen. Das saftige Grün der Bäume verhieß einen warmen Frühling, nach dem sich nicht nur der Stadtpfeifer Gallus sehnte. Der Winter war lang und eisig gewesen.
Gallus, der auf dem Weg zur Beginensammlung war, um Luna zu treffen, verlangsamte beim Anblick des merkwürdigen Kauzes die Schritte.
»Höret meine Worte und merket auf!« Der seltsame Mann hob die Hände, wodurch die weiten Ärmel seines mit silbernen Sternen bestickten Gewandes zu den Ellenbogen rutschten. »Die kosmischen Zeichen verheißen großes Unheil, das jeden treffen wird, der meine Warnung in den Wind schlägt!«
Gallus blieb stehen, ein Dutzend andere taten es ihm gleich.
Die Zimmerleute und Steinmetze, die Ziegelstreicher und Mörtelträger der Münsterbaustelle ließen ebenfalls ihre Werkzeuge sinken und kamen näher.
»Ich komme von einem weit entfernten Ort im Morgenland«, rief der Mann mit einem Blick in die Runde. »Mein Name ist Antiochus, und ich bin in der Lage, das Schicksal der Menschheit in den Sternen zu lesen.«
Gallus spürte, wie ihm ein Schauer über den Rücken kroch. Ein Sterndeuter in Ulm? Was würde Luna wohl dazu sagen? Er musterte den Kerl neugierig.
Das Haar des Sterndeuters war lang und von silbernen Strähnen durchzogen. Ein dünner Ziegenbart zierte sein Kinn. Sein Blick war durchdringend, die Nase scharf geschnitten. Seine Hände, an denen Ringe funkelten, tanzten durch die Luft, als er zum Himmel zeigte. »Schon bald, am übernächsten Sonntag, droht einer der gefährlichsten Dies Aegyptiaci«, warnte er. »Ein Unglückstag von solcher Macht, dass ihm nur entfliehen kann, wer diesen Ort, diese Stadt«, er fuchtelte mit den Armen, »meidet.«
Ein Raunen ging durch die Reihen.
»Was meint er?«, flüsterte eine junge Frau hinter Gallus.
»Woher soll ich das wissen?«, entgegnete ihre Begleiterin.
»Die Sonne wird sich verfinstern, und der Mond wird seinen Schein nicht geben«, posaunte Antiochus. »Und die Sterne werden vom Himmel fallen. So steht es in der Heiligen Schrift!« Er machte eine bedeutungsvolle Pause. »Das Ende der Tage könnte näher sein, als ihr denkt!«
»Was für ein Unsinn!«, rief einer der Zimmerleute. »Wie oft haben wir so einen Mist schon gehört?«
Antiochus wirbelte herum und fasste den Zimmermann scharf ins Auge. »Du zweifelst an meinen Worten?«, fragte er.
»Jeder, der einen Funken Verstand im Kopf hat, wird daran zweifeln. Wer bist du überhaupt?«
Antiochus warf sich in die Brust. »Ich bin derjenige, der weiß, zu welcher Stunde eines jeden Tages welcher Planet regiert. Ich allein weiß, wann du mit der Güte von Jupiter und Venus rechnen kannst und wann du dich vor der Bosheit, dem Unheil und dem Übel hüten musst, das Saturn und Mars mit sich bringen!« Er hob anklagend den Finger. »Es ist eine Tatsache, dass es für jedes Ding in der Natur, für jedes Lebewesen andere Dinge und Lebewesen gibt, die ihm freundlich oder feindlich gesonnen sind. Alles hängt zusammen, alles besitzt eine göttliche Ordnung. Gerät diese Ordnung ins Wanken, droht der Untergang der Welt!«
»Und dieser Untergang soll am übernächsten Sonntag sein? Und nur in Ulm?«, höhnte der Zimmermann unbeeindruckt.
»Gott wird die Zweifler bestrafen«, tönte Antiochus. »Hochmut kommt vor dem Fall!«
Einige lachten, anderen war anzusehen, dass die Worte des Sterndeuters verfingen.
»Wenn du in die Zukunft sehen kannst«, höhnte ein Steinmetz, »dann sag mir, ob ich bald ein Weib finde!«
»Für derlei Dinge solltest du dich an eine Handleserin wenden«, war die verächtliche Antwort. »Ich erkenne nur die großen Ereignisse, die so gewaltig sind, dass sie euer aller Schicksal beeinflussen.« Er zeigte erneut zum Himmel. »Dieser Turm erzürnt Gott«, klagte er an.
»Da bist du nicht der Erste, der das behauptet«, winkte der Steinmetz ab. Er schien das Interesse an Antiochus zu verlieren und machte Anstalten, sich abzuwenden.
»Der Herr wird euren Unglauben mit einer Pestilenz von gewaltigem Ausmaß bestrafen!«, krakeelte Antiochus. »Üble Winde werden die Stadt mit ihrem Gestank erfüllen und jeden vergiften, der sie einatmet!« Er setzte eine finstere Miene auf. »Ich habe euch gewarnt«, sagte er. »Brecht nicht in Wehklagen aus, wenn es zu spät ist, um auf meine Worte zu hören!« Mit einer Bewegung, die sein Gewand aufbauschte, kehrte er den Schaulustigen den Rücken und stolzierte in Richtung Marktplatz davon.
Gallus runzelte die Stirn. War der Kerl ein Betrüger? Oder sprach er die Wahrheit? Er beschloss, Luna von ihm zu erzählen. Während die Menschen um ihn herum anfingen, aufgeregt durcheinanderzureden, eilte er zur Hafengasse und erreichte wenig später die Frauengasse, in der sich der Beginenhof befand.
Da die Torhüterin ihn kannte, ließ sie ihn ungehindert passieren, obwohl ihr das Missfallen über seinen neuerlichen Besuch anzusehen war. Gallus wusste, dass die Beginen es nicht guthießen, wie offen Luna und er miteinander umgingen. Die verkniffenen Gesichter, die tadelnden Blicke und das kaum zu übersehende Kopfschütteln der frommen Betschwestern waren ihm gleichgültig. Vor nicht allzu langer Zeit wäre Luna fast gestorben, doch dieses Mal hatte Gott ein Einsehen mit der Frau gehabt, an die Gallus sein Herz verloren hatte. Er würde alles dafür tun, sie endlich aus diesem Beginenhof zu befreien! Irgendwann würde er den Mut finden und sie bitten, seine Gemahlin zu werden.
Er betrat den rechteckigen Innenhof und verspürte das wohlbekannte Kribbeln im Bauch, das ihn jedes Mal überfiel, wenn er sich Luna näherte. Sie war so anders als alle Frauen, denen er bisher begegnet war. Luna war geheimnisvoll und rätselhaft, leidenschaftlich und sie besaß die geschmeidige Kraft einer Katze. An manchen Tagen konnte er noch immer nicht glauben, dass sie hin und wieder das Bett mit ihm teilte. Als er den Hof überquerte, stieg ihm der Duft von frisch gebackenem Brot in die Nase. Die Sonne glänzte auf den Dächern der Scheunen und Ställe, und das Weiß der Fachwerkgebäude, die um den Innenhof angeordnet waren, erschien ihm an diesem Tag besonders strahlend. Die Blüten der Kletterrosen, die sich überall emporrankten, wurden von Bienen umschwärmt. Die Ehehalten, die Knechte und Mägde der Beginen, waren emsig bei der Arbeit, besserten Gerätschaften aus, schöpften Wasser aus dem Zugbrunnen und misteten die Ställe aus. Aus der Ferne trug der Wind das Schlagen von Zimmermannshämmern heran.
In einem der überdachten Kreuzgänge entdeckte Gallus eine Gruppe von Beginen, die sich mit einer Frau unterhielten. Vermutlich handelte es sich um eine Reisende, die im Hof Unterkunft gefunden hatte. Froh darüber, dass sie ihn nicht bemerkt zu haben schienen, eilte Gallus zur Arzneistube, in der sich Luna die meiste Zeit über aufhielt, wenn sie im Beginenhof war. Ohne anzuklopfen, betrat er den kleinen Raum, der nur zwei winzige Fenster besaß. Da unter der gemauerten Kochstelle ein kräftiges Feuer prasselte, war es warm in der Küche. Der Funkenhut über der Kochstelle war mit einem Schornstein verbunden, dennoch hing genug Rauch in der Luft, um die Umrisse der Frau zu verwischen, die über einen Hacktisch gebeugt stand. Sie trug bunte Gewänder und hatte ihr dunkles Haar zu einem dicken Zopf geflochten, der bis zur Hüfte reichte. Sie war bleich, zierlich und wunderschön. Auch wenn sie nicht zu sehen waren, wusste Gallus, dass an ihrem Hals mehrere silberne Ketten und Amulette hingen. Ihre Armreifen klimperten, als sie nach einem Mörser griff.
»Luna«, sagte er mit plötzlich belegter Stimme.
Sie wandte sich mit hochgezogenen Brauen zu ihm um. »Gallus?«, fragte sie verwundert. »Was tust du denn hier?«
Er blinzelte überrascht. »Ich … Ich dachte …«, stammelte er.
Ein Lächeln erhellte ihr Gesicht. »Ist es schon so spät?«
Erleichterung vertrieb die Sorge, die sich plötzlich in ihm ausbreiten wollte. »Ich sollte dich ins Fischerviertel begleiten«, erinnerte er sie. Seit dem Überfall, bei dem sie fast ihr Leben verloren hatte, wich er nicht mehr von ihrer Seite, wenn sie den Ulmern ihre Zaubersprüche und Wundermittel verkaufte.
Sie schob den Mörser von sich und wischte sich die Hände an einem Tuch ab. Anschließend räumte sie die Zutaten auf und verstaute Flaschen und Tiegel in den schlichten Regalen, die an zwei der vier Wänden standen.
»Du wirst nicht glauben, wem ich auf dem Weg hierher begegnet bin«, sagte Gallus.
Luna warf ihm einen Blick über die Schulter zu. »Einem Waldschrat?«, neckte sie ihn.
Gallus schüttelte den Kopf. »Einem Sterndeuter.«
Einige Augenblicke rührte sie sich nicht, dann wandte sie sich langsam um. »Einem Sterndeuter?«
Gallus nickte. »Antiochus aus dem Morgenland. Er hat behauptet, dass eine gewaltige Katastrophe über die Stadt hereinbrechen wird.«
Kapitel 2
Die Nachmittagssonne malte lange Schatten auf den Boden der Kinderstube. Anna Ehinger hielt ihren Sohn Johannes, Hansi genannt, in den Armen und verfolgte lächelnd, wie er nach der Kette aus bunten Glasperlen an ihrem Hals griff. Er war gerade ein halbes Jahr alt, wirkte jedoch kräftiger als andere Kinder in seinem Alter. Seine zweijährige Schwester Agnes kniete am Boden und warf Kegel um.
»Er ist so neugierig!«, lachte die Amme, die sich in Annas Abwesenheit um die Kinder kümmerte. »Er wird bestimmt ein stattlicher Mann.« Sie trat zu Anna und verwuschelte Hansis Haare.
Anna hielt ihre Kette fest, damit ihr Sohn sie nicht abreißen konnte.
»Soll ich ihn nehmen?«, fragte die Amme. Sie schien vernarrt zu sein in den Kleinen.
Anna hätte ihren Sohn stundenlang anschauen können. Schweren Herzens reichte sie ihn weiter, da sie in der Kräuterküche zu tun hatte. Lazarus war an diesem Tag früh ins Spital gegangen und bis jetzt nicht zurückgekehrt. Seit Anna die Spitalapotheke mit Arzneien bestückte, hatte sie noch mehr zu tun als früher.
Sie war froh, dass sie wieder in ihrem eigenen Haus wohnten. Nach dem Brand im Haus ihres Bruders Jakob hatte es lange gedauert, bis die Handwerker es wieder so weit aufgebaut hatten, dass man darin wohnen konnte. Vor vier Wochen waren ihr Bruder und ihre Schwägerin Ella aus Annas Haus ausgezogen, in dem sie Unterkunft gefunden hatten. Anna und Lazarus hatten derweil in einer Pfründnerwohnung im Spital gelebt. Die gewohnte Umgebung hatte Anna gefehlt.
Während die Amme ein Lied anstimmte und Hansi zu seiner Schwester trug, ging Anna zur Tür und zögerte kurz, ehe sie die Kinderstube verließ. Es half nichts, die Arbeit konnte nicht warten. Zwar wurde Lazarus vom Rat mit einer ansehnlichen Summe für seine Arbeit im Spital entlohnt, allerdings erlaubte erst ihr gemeinsamer Verdienst die Lebensweise, an die sie sich gewöhnt hatten. Außerdem wusste Anna, dass sie sich innerhalb kurzer Zeit langweilen würde, wenn ihr Tag ausschließlich aus häuslichen Pflichten bestünde.
Nachdem sie das Haus verlassen hatte, ging sie zur Rückseite, wo sich die Kräuterküche befand, die eigens für sie eingerichtet worden war. Das kleine Häuschen mit dem großen Kamin war umgeben vom Grün der Sträucher, die entlang der Mauer wuchsen, die das Anwesen ihres Bruders umfing. Das Haus, das Jakob Anna und Lazarus geschenkt hatte, grenzte an seinen eigenen Garten an, und im Winter konnte Anna das Licht in den Fenstern seiner Stube sehen.
Mit den Gedanken bei Agnes und Hansi entzündete sie ein Feuer unter der Kochstelle und schloss die kleine Tür, durch die man Holzscheite nachlegen konnte. Dann kam sie auf die Beine und ging zu den großen Tontöpfen, in denen sich getrocknete Kräuter und andere Dinge befanden, die sie zur Herstellung von Arzneien benötigte. Nicht nur die wohlhabenden Patrizierinnen und die Pfründner im Heilig-Geist-Spital suchten regelmäßig ihre Hilfe, auch die Hübschlerinnen des Frauenhauses verließen sich auf Anna, um sich vor Krankheiten, Wundheit oder ungewollter Empfängnis zu schützen. Lazarus hieß es nicht gut, dass Anna das Frauenhaus besuchte, um den Huren zu helfen, aber ihr taten die jungen Frauen leid. Viele von ihnen waren ohne eigenes Zutun in den Fängen des Frauenwirtes gelandet, meist von den eigenen Familien verpfändet. Da der Frauenwirt eine beträchtliche Summe für die schäbigen Kammern und das schlechte Essen verlangte, gelang es den meisten von ihnen nie, dem Leid und der Ausbeutung zu entfliehen.
Mit einem Seufzen holte sie etwas getrockneten Beifuß hervor, den sie in einen Topf voller Wein gab, um ihn zu kochen. Wenn eine Frau diesen Wein trank, wurde ihre monatliche Reinigung herbeigeführt, wodurch sich entweder eine Empfängnis verhindern ließ oder ein früher Abort einsetzte, sollte sie bereits empfangen haben. Anna wusste, dass sie mit dem Abbruch einer Schwangerschaft eine schwere Sünde beging, doch galt ein Ungeborenes im Schoß einer Frau bis zu achtzig Tage nach der Empfängnis als Fetus inanimatus, als unbeseelter Fötus. Dieser wurde selbst von der Kirche noch nicht als Lebewesen, sondern als Körperteil der Schwangeren angesehen. Nach Ablauf dieser achtzig Tage war das Geschlecht des Kindes festzustellen, weshalb zu diesem Zeitpunkt dem Körper die Seele »eingegossen« wurde.
Beifuß galt als menstrua purgat, als die Menstruation anregendes Kraut, ebenso Wermut, Rote Betonie, Kamille, Fenchel, Lilie und Gurkenkraut. Zudem hatte sich erwiesen, dass eine Empfängnis verhindert werden konnte, wenn der Bauch einer Frau vor dem Koitus mit dem Saft frischer Pfefferminzblätter eingerieben wurde. Die Beeren des Kriechwacholders verursachten ebenfalls den Monatsfluss und schwemmten den conceptus, das empfangene Kind, aus.
Anna war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie ihre Schwägerin Ella erst bemerkte, als sie mitten im Raum stand. Schweigend, mit gerunzelter Stirn, beobachtete Ella, wie Anna in dem Wein auf der Kochstelle rührte. »Störe ich?«, fragte sie.
Anna zwang sich zu einem Lächeln. Seit der Fehlgeburt, die Ella im letzten Jahr erlitten hatte, war der Umgang mit ihr schwierig. Anna hatte den Eindruck, dass Ella ihr die Schuld daran gab, das Kind verloren zu haben. »Du störst nie«, sagte sie und hoffte, dass Ella ihr die Lüge nicht ansah.
Ella schien nicht recht zu wissen, was sie sagen wollte, da sie sich auf die Lippe biss und den Blick durch den Raum schweifen ließ. Sie wirkte beklommen.
Hoffentlich erriet ihre Schwägerin nicht, welche Mittel sie gerade herstellte. Nach der Fehlgeburt war Ella lange Zeit niedergeschlagen und traurig gewesen. Sie würde nicht verstehen, dass ein Abbruch der Schwangerschaft für manche Frauen eine Erlösung darstellte.
»Ich glaube, ich habe wieder ein Kind empfangen«, sagte Ella schließlich. Ihre Stimme zitterte leicht.
Anna ließ den Holzlöffel sinken, mit dem sie im Wein gerührt hatte. »Das ist eine wunderbare Nachricht!«, rief sie aus, legte den Löffel zur Seite und trat auf Ella zu. Ohne lange zu überlegen, griff sie nach den Händen ihrer Schwägerin. »Dieses Mal wird alles gutgehen.«
Ellas Blick war unsicher. »Deshalb bin ich gekommen«, sagte sie. »Ich will, dass du mir etwas gibst, das verhindert …« Sie brach den Satz ab und blinzelte heftig, um die Tränen zu vertreiben, die in ihre Augen stiegen. »Jakob wünscht sich so sehr noch einen Sohn«, fuhr sie fort, nachdem sie ihre Fassung wiedererlangt hatte. »Ich konnte ihm den Wunsch nicht abschlagen.«
Anna hatte die harten Worte ihrer Schwägerin nicht vergessen, trotzdem beschloss sie, nicht nachtragend zu sein. »Ich kann wirklich nicht verstehen, warum du dich nicht selbst um deine Tochter kümmerst«, hatte Ella Anna kurz nach dem verheerenden Feuer an den Kopf geworfen. »Eine Amme ist keine Mutter!« Die Worte hatten einen wunden Punkt getroffen, da Anna sich oft wünschte, mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Doch Gott hatte ihr eine Aufgabe gegeben, die wichtiger war als ihre eigenen Bedürfnisse. Sie ließ Ellas Hände los und ging zu einem der Regale, in dem Dutzende von Flaschen standen, um eine davon hervorzuholen und Ella zu reichen.
»Was ist das?«, fragte ihre Schwägerin und betrachtete die dunkle Flüssigkeit darin mit einem sorgenvollen Ausdruck.
»Ein Trank aus Hainbuchensprossen«, erklärte Anna. »Gib jeden Tag einen Löffel davon in heiße Milch und trink sie. Das verhindert einen drohenden Abort.«
»Bist du sicher?«
Anna verkniff sich ein Seufzen. »Nur Gott hat die Macht, dich und dein Kind zu beschützen«, sagte sie. »Aber dieses Mittel hat schon manchem Ungeborenen das Leben gerettet.«
Ella schien einige Augenblicke mit sich zu ringen, dann sagte sie: »Ich hätte früher zu dir kommen sollen.«
Diese Worte waren so ungewöhnlich für Annas Schwägerin, dass Anna plötzlich etwas Ähnliches wie Zuneigung empfand. Der Tod eines Kindes war ein harter Schlag für eine Frau, dessen war sie sich bewusst. Der Verlust hatte Ella schwer getroffen. Von der hochmütigen, stets herausgeputzten Gemahlin ihres Bruders war nicht mehr viel übrig. Und das, obwohl Jakob seit einiger Zeit das wichtige Amt des städtischen Kämmerers innehatte. Ella protzte weder mit neuen Kleidern noch mit den albernen Hauben, mit denen sie in der Vergangenheit aufgefallen war. Vielleicht lag ihre Bescheidenheit zum
