Holprige Nähe: 5 KatzenWesen finden zueinander
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Über dieses E-Book
Brigitte Paul-Hambrink
Brigitte Paul-Hambrink, Jahrgang 1954, wuchs in Bielefeld-Ummeln auf. Nach ihrem Psychologiestudium in Gießen arbeitete sie zunächst als Wissenschaftlerin an der Universität Ulm, zog dann zurück nach Westfalen, sammelte hier berufliche Erfahrungen in unterschiedlichen Bereichen und ist inzwischen seit vielen Jahren Leiterin des Psychologischen Dienstes einer Rehabilitationsklinik. Sie engagiert sich für den Tierschutz und liebt besonders Katzen. Ihr Interesse gilt außerdem spirituellen und gesellschaftspolitischen Themen. Wissenschaftliche und belletristische Texte von ihr sind in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien erschienen.
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Buchvorschau
Holprige Nähe - Brigitte Paul-Hambrink
Einblick I
Dieses Buch ist den vier KatzenWesen gewidmet, mit denen ich seit 1993 mein Leben teil(t)e. Indio, Ricky, Antonia und Ronny erzählen, wie sie zu mir kamen, was sie von ihren Artgenossen und von mir halten, wie sie sich selbst und ihre Lebensaufgabe sehen, welche Wünsche sie an unser Zusammenleben haben und auch, was ihnen zeitweise nicht gefallen hat.
Vier Tierkommunikatorinnen vermitteln zwischen ihnen und mir. Diese Gespräche bilden das Herz meines Buches.
Indio, Ricky, Antonia und Ronny haben mein Denken über Tiere, Menschen und über spirituelle Fragen sehr verändert.
Ich hoffe, es wird deutlich, wie einzigartig und differenziert jeder von ihnen das Geschehen um sich herum wahrnimmt und sowohl emotional als auch gedanklich darauf reagiert.
Mich auf die Bedürfnisse meiner Katzen, ihre Ansichten, ihre Eigenheiten und ihre Charaktere einzulassen, auch wenn dies nicht immer einfach war und ist, hat meinen Horizont erweitert, mich toleranter gemacht und mir gezeigt, was „bedingungslose Liebe" bedeutet, nämlich zu lieben, ohne eine Gegenleistung, ein bestimmtes Verhalten oder das Unterlassen eines Verhaltens zu erwarten.
Indio, Ricky, Antonia und Ronny haben mich Hingabe gelehrt. Sie lebten und leben mir vor, dass es möglich ist, sich selbst treu zu bleiben und sich gleichzeitig mit vielen Kompromissen auf ein Gegenüber einzulassen, das so ganz anders ist als man selbst.
Es gab und gibt aber auch schwierige Lernaufgaben. Ihre Themen sind Wut und Trauer, das Ausbalancieren gegensätzlicher Ansprüche und Interessen, der Umgang mit Verletzungen und Demütigungen.
Tiere polarisieren oft: Sie werden herabgewürdigt, gequält, missbraucht und getötet, - und sie werden hochstilisiert zu „Engeln der Meere" oder zu Seelen, die nur deshalb inkarniert sind, um ihren Menschen bei deren spirituellen Entwicklung zu unterstützen.
Durch meine Katzen habe ich angefangen zu verstehen, dass es nicht nur darum geht, Tiere respektvoll zu behandeln und sie als uns ebenbürtig zu betrachten, sondern auch anzuerkennen, dass sie Individuen sind, deren Essenz wir vielleicht niemals ganz erfassen können.
Ich bin davon überzeugt, dass jedes Tier seine eigenen Lern- und Lebensaufgaben hat und dass es dasselbe will wie wir: Glücklich, heil, gesund und frei sein, sich entwickeln und wachsen dürfen, - im konkreten und im spirituellen Sinne.
Es ist zu hoffen, dass dies in menschlicher Obhut gelingen kann.
Bad Oeynhausen, im Frühjahr 2020
Who is who?
Pencena Indio, ein sanfter, distanziert-liebevoller brauner Burmakater, zog 1993 bei mir im Alter von drei Jahren ein. Er brachte mich zurück auf den Weg der Spiritualität. Am 15. September 2006 ging Indio ins Licht.
Ricky, ein hellgrauer Burmakater, kam 1993 als Baby zu Indio und mir. Beide Kater wurden innigste Freunde. Auch mit mir feierte Ricky so manche Kuschelorgie. Seit dem 20. Januar 2010 ist er wieder mit Indio vereint.
Antonia, eine rote Somalikatze, gehörte seit 1995 zu uns. Sie teilte ihr Leben fast 23 Jahre lang mit mir. Artgenossen sah sie lieber aus einer gewissen räumlichen Entfernung.
Ronny, ein mittlerweile 12jähriger Tiger, hat sich seit seiner Ankunft im September 2008 von einem wilden Feger zu einem verschmusten Kater entwickelt. Allerdings findet er es nicht so gut, wenn Frauen das Sagen haben
Einblick II
Ist sie Mensch oder Katze?
Ricky: „Mir doch schnuppe, Hauptsache schmusig."
Indio: „Menschenfrau, aber katzenkompatibel."
Antonia: „Sie ist eine entzückende ältere Dame, so wie ich, nur dass ich noch schön und elegant bin."
Ronny: „Hm, schwierig, eher eine Menschenfrau: Unberechenbar und hinterhältig. Andererseits, - sie mag Mäuse, isst aber kein Fleisch. Hm, schwierig eben."
Brigitte: „Also, echt jetzt? Na ja, danke vielmals. Ich liebe euch auch."
Der Anfang
Spontane Entscheidungen treffe ich eher selten. Doch dass ich zwei Katzen haben wollte, wusste ich auf einmal.
Wurde ich vom Phantom der Oper, Erik, animiert, dessen Schicksal mich zutiefst faszinierte und der in einer der Romanversionen, die ich verschlungen hatte, nicht nur die junge, schöne Sängerin Christine liebte, sondern auch eine Siamkatze?
Oder hatte mich der Vorschlag meines Kollegen Klaus überzeugt?
„Schaff‘ dir doch eine Katze an. Dann bist du nicht mehr so alleine."
Vielleicht wurde mir der Impuls auch von Jumpy geschickt, der schwarzen Familienkatze, die eines Tages plötzlich verschwand und die noch immer in meinem Herzen lebt. (Erst als ich längst erwachsen war, offenbarte mir meine Mutter, dass sie damals die auf der Straße vor unserem Haus überfahrene Jumpy heimlich begraben und meine Schwestern und mich in dem aus ihrer Sicht tröstlicheren Glauben gelassen hatte, diese hätte sich ein neues Zuhause gesucht.)
Der Mut, mich auf das „Abenteuer Katze" einzulassen, resultierte sicher auch daraus, dass sich Anfang der 90er Jahre endlich meine berufliche Situation zu klären schien. Ich hatte einen Drei-Jahres-Vertrag für ein Forschungsvorhaben bekommen, und es galt als sicher, dass die Stiftung, die das Projekt finanzierte, Interesse an einer langfristigen Studie hätte.
„Mindestens zehn Jahre", so war meinem Kollegen Klaus und mir versichert worden.
Und so begann ich, mich mit Katzenrassen zu beschäftigen, mit dem Für und Wider von Wohnungshaltung, mit kätzischen Grundbedürfnissen, wie Futter, den richtigen Näpfen, Ruhekissen (oder lieber Höhlen?), der angemessenen Höhe und Standfestigkeit von Kratzbäumen, mit Schutznetzen für den Balkon, Spielzeug, Erziehungsmethoden, Impfungen, möglichen Erkrankungen und noch einigem mehr.
Ich überprüfte, welche meiner Pflanzen giftig waren und besorgte Katzengras.
Dekorationsobjekte, die möglichst heil bleiben sollten, wurden entfernt, ebenso kleine Gegenstände, die beim Runterfallen zersplittern und die empfindlichen Katzenpfoten hätten verletzen können.
Nachdem ich einige Fachbücher gelesen und Katzenausstellungen besucht hatte, stand schließlich fest: Es sollten Burmesen sein. Laut Rasseporträt passten sie besser zu mir als Siamesen.
Nach einigen positiven Begegnungen und einer weniger erfreulichen Erfahrung mit Burmazüchtern fand ich meine ersten beiden Seelengefährten.
Mehr als 20 Jahre später wundere ich mich noch immer, wie sich mein Leben, - besser, - wie ICH mich dadurch veränderte, - im Außen erkennbar, aber noch viel mehr in meiner Innenwelt.
Und doch galt auch hier:
Aller Anfang ist schwer
Es war im Hochsommer 1993, als mein Leben komplett auf den Kopf gestellt wurde. Alles fing damit an, dass man mich aus meinem Zimmer holte. Ich dachte schon, es ginge wieder mal auf eine Ausstellung, was mir unangenehm gewesen wäre, da die Götter vor den Preis das Baden gesetzt haben. Aber unten im Wohnzimmer war die Reise bereits zu Ende. Und ich fand mich auf dem Arm einer wildfremden Frau wieder. Anstandshalber blieb ich circa eine halbe Minute sitzen, dann sprang ich von ihren Beinen, denn so viel Nähe zu einem Menschen war ich nicht gewöhnt. Um mich zu beruhigen und zu zeigen, dass ich wieder Herr der Lage war, habe ich erst mal kräftig in die Ecke hinter dem Fernseher gespritzt. Sehr schnell landete ich wieder in meinem Katerzimmer.
Nach einer Woche kam die fremde Frau wieder. Was mich allerdings weit mehr beschäftigte, war die Tatsache, dass ich mich durch die ebenfalls anwesenden Katzendamen ziemlich wenig angezogen fühlte. Ich schob das auf meine Nervosität, denn dass etwas Ungewöhnliches bevorstand, spürte ich. Aber mir war irgendwie auch klar, dass es etwas mit meinem Tierarztbesuch ein paar Tage zuvor zu tun haben musste. Mein Zuchtkaterdasein war wohl zu Ende, aber wie würde es für mich weitergehen? Und was hatte die fremde Frau damit zu tun?
Diese und noch viele andere Fragen schwirrten in meinem Kopf herum, wobei die letzte zumindest ansatzweise am späten Nachmittag beantwortet wurde, als man mich in einen Kennel einsperrte. Zum Glück war er ziemlich groß, und ich verkroch mich in der hintersten Ecke. Die anschließende Autofahrt endete am Essener Bahnhof. Dort ließ mich meine Besitzerin mit der Frau allein, die mit mir in den Zug nach Bielefeld stieg. Das Ganze war mir absolut nicht geheuer, und deshalb tat ich mal lieber so, als ob ich schlief.
Etwa zwei Stunden später fand ich mich in einer fremden Wohnung wieder. Reichlich verunsichert weihte ich erst mal das piekfeine Katzenklo ein.
Etwas schüchtern, aber zielstrebig verschaffte ich mir anschließend einen groben Überblick über die Umgebung. Langsam schlenderte ich, die Nase am Boden, von Zimmer zu Zimmer. So richtig wusste ich immer noch nicht, was das alles sollte. Aber mir schwante langsam, dass ich für diese Reise keine Rückfahrkarte besaß.
Die fremde Frau hockte auf dem Fußboden und beobachtete mich neugierig. Spontan ging ich zu ihr und schmiegte meinen Kopf an ihre Wange. Sie streichelte mich. Selbstvergessen schnurrte ich leise. Dann widmete ich mich dem bereitstehenden Essen.
Die erste Nacht verbrachte ich im Kennel.
Kaum hatte ich mir am nächsten Morgen den Schlaf aus den Augen geputzt, stürzte mich meine neue Menschin in Verwirrung: Zuerst ließ sie einen bunten Bindfaden vor meiner sensiblen Nase hin und her baumeln. Interessiert, aber befremdet folgte ich dem Ding mit meinen Augen. Als ich nicht reagierte, trollerte
