Tanz der Gefühle: Versöhnung mit Parkinson und anderen neurologischen Erkrankungen
Von Daniel Brack
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Daniel Brack
Daniel Brack, geboren 1953, ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Er lebt mit seiner Frau Marlis im Zürcher Unterland in der Schweiz. Nach seinem frühzeitigen Ruhestand 2012 – er war als Executive Director einer Schweizer Großbank tätig - begann er 2020 Bücher zu schreiben. Seit 2010 bestimmen neurologische Erkrankungen sein Leben. Langsam, aber immer mehr, werden seine möglichen Aktivitäten eingeschränkt.
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Buchvorschau
Tanz der Gefühle - Daniel Brack
Das Geschenk
Mein Leben liebte ich. Meine Familie war mir wichtig. Ich hatte Spaß. Ich genoss meine berufliche Karriere. Nichts hatten wir auf die Zeiten nach dem Ruhestand verschoben. Viele verschiedene Länder bereist. Die Wochenenden im Sommer auf unserer Segelyacht verbracht. Im Winter unsere Ferienwohnung im Toggenburg und später in Klosters genossen und dem Skisport gefrönt.
Wir schreiben Ende Juni 2010:
Als Verantwortlicher der Nachwuchsplanung für eine rund 1000 Mitarbeitende zählende Organisationseinheit, leitete ich ein Seminar im bankeigenen Hotel und Ausbildungszentrum am Thunersee. Angehende Teamleiter motivierten mich zu spannenden Diskussionen. Bei der Gestaltung solcher Anlässe wurde viel mit Flip Chart gearbeitet. Die wichtigsten Erkenntnisse und Lösungsansätze landeten auf den großen, weißen Blättern und wurden visualisiert. Etwas mit mir schien nicht in Ordnung zu sein. Die Schrift wurde immer kleiner und unlesbarer. Zudem begann meine rechte Hand zu zittern. Nur mit besonderer Anstrengung konnte ich noch laut und verständlich sprechen. Meine Stimme klang verschwommen. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ein sofortiger Arztbesuch keine Verzögerung mehr zuließ. Seit zwei Jahren zeigten sich solche Störungen ab und zu. Verdrängen in solchen Situationen ist ein einfacher Weg, führt aber nicht zum Ziel. Zu lange schob ich die Störungen meiner permanenten Müdigkeit, der anspruchsvollen Funktion in der Bank und dem Balanceakt zwischen Beruf und Familie zu. Bereits seit einiger Zeit und nach drei Burnouts machte ich mir Gedanken zu meiner beruflichen Belastung.
Im Juli 2010 hatte ich Gewissheit. Die schon länger auftretenden Beschwerden erwiesen sich als das, was ich innerlich befürchtet hatte. Das Unbekannte in mir nahm Gestalt an und ich wusste, was für einen Namen mein unsichtbarer Feind trug: Morbus Parkinson übernahm meinen Körper. Ohne, um Erlaubnis zu fragen. Einfach so. Wenn Sie nun glauben, ich wäre nach der Diagnose in eine tiefe Depression verfallen, dann liegen Sie falsch. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, überlegt und sinniert, was das für meine Zukunft bedeuten könnte. Die Diagnose, die ich im Juli 2010 erhalten habe, entpuppte sich als „Geschenk". Ja, so habe ich es damals empfunden. Ich war nämlich erstmals gezwungen, ernsthaft mein Leben vor mir auszulegen. Gründlicher, als ich das je zuvor getan hatte. Auch wenn sich das als unangenehm erwies, ich zwang mich dazu zu überlegen, wie mein weiteres Leben und dasjenige meiner Frau und unseren Kindern sich gestalten würde und auch danach zu handeln. Sie werden beim Lesen dieses Buches erleben, dass zwischen Überlegen und Handeln ein tiefer Graben herrschen kann. 13 Jahre brauchte ich, um zu akzeptieren, was neurologisch bedingte Krankheiten bedeuten. Immer wieder fiel ich zurück in frühere Aktivitätsmuster und konzentrierte mich auf Dinge, die nicht mehr zu bewerkstelligen waren. Ich ignorierte, dass Vieles noch möglich und auch durchführbar war. Damals wusste ich allerdings nicht, dass die Jagd nach Akzeptanz mich etliche Jahre beschäftigen würde. Ich erkläre das gerne mit einem Beispiel: Seifenblasen symbolisieren für mich Freude, Aktivität und Lebenslust und dies neben der Betrachtung von Faszination, Ästhetik und Farbenpracht. Seifenblasen sind aber vergänglich. Eine zerplatzende Blase bedeutet auch das Ende von Dingen, die man geliebt hat. Ein Zeichen der Vergänglichkeit; was gestern noch war und heute nicht mehr ist.
Mir fiel es nach der Diagnose nicht besonders schwer, mich zu meiner Krankheit zu bekennen. Nein, diese Aussage ist geschwindelt. In Wahrheit wollte ich die niederschmetternde Erkenntnis für mich behalten. Ich war nicht bereit dafür, die schützende Maske abzulegen. Das wäre für mich damals ein Zeichen der Schwäche gewesen. Undenkbar! Meine Frau versuchte mich mit vielen Argumenten vom Gegenteil zu überzeugen. Rückblickend erkenne ich, dass Marlis den für mich und sie einzig begehbaren Weg vertreten hatte. und sie sollte Recht behalten. Wie so oft während unseren 45 Ehe jahren.
Zuerst teilte ich es unseren Kindern, der erweiterten Familie, Freunden und Bekannten bei passender Gelegenheit mit. Der nächste Schritt bestand darin, mein engstes berufliches Umfeld zu informieren. Das fiel mir besonders schwer und bereitete mir Sorgen. War ich doch nicht so stark, wie ich glaubte zu sein? Ein Outing stand in meinem Kopf für anders sein, nicht der Norm entsprechend. Ich würde nicht mehr dem Profil eines Direktionsmitglieds einer Schweizer Großbank entsprechen. Mir graute davor, dem Raster nicht mehr zu genügen. Welchem Raster? Dem Raster unserer heutigen Leistungsgesellschaft. Ich befürchtete, dass ich mir in Zukunft im Alltag ein Schild mit der Aufschrift „Ich habe Parkinson. Bitte haben Sie Geduld mit mir" würde umhängen müssen. Waren meine Ängste berechtigt? Was passierte? Ich stieß bei meinem Outing auf Anerkennung für den Mut, mich für die offene Kommunikation entschieden zu haben.
Die Reaktionen fielen allerdings unterschiedlich aus. Grosse Anteilnahme, Sprachlosigkeit, Nachfrage, was das konkret für mich bedeute und wie sich die Krankheit bemerkbar machen würde. Für mich erwies sich das Outing wie ein Befreiungsschlag. Bereits damals merkte ich auch, dass einige Menschen Mühe im Umgang mit meiner Situation bekundeten. Sie wichen aus und wussten nicht genau, wie sie mit der Situation umgehen sollten.
Nach Mitte 2011 konnte ich trotz aller Bemühungen nicht mehr verbergen, dass ich die beruflich anspruchsvolle Aufgabe nicht mehr zu hundert Prozent zu erfüllen vermochte. In Stresssituationen wurde ich langsam. Die vielen Meetings, die strukturellen Veränderungen in der Bank und das Erkennen, dass ich nicht mehr so leistungsfähig wie früher war, belasteten mich persönlich stark. Nach 42 Jahren in der Bankenwelt fühlte ich mich schwach, ausgelaugt, müde, krank und gescheitert. Nach Lösungen gesucht hatte ich nicht. Mein Berufsleben gestaltete sich wie früher. Ich redete mir ein, dass der Job das mit sich brachte. Höchste Leistung, streng mit sich selbst und anderen, planen, ausführen, delegieren, andere überzeugen, lernen und lehren, organisieren, über neue Möglichkeiten für die Zukunft nachdenken. Ich selbst blieb liegen. In meinem früheren Leben -vor der Diagnose- hatte ich mir vorgestellt, mit 62 Jahren meine bisherige Tätigkeit aufzugeben. Meine Vorgesetzte ermöglichte mir früher als geplant einen würdigen Abgang. Ich konnte die operative Leitung meiner Einheit abgeben, teilweise im Homeoffice arbeiten und mich ausschließlich den Dingen widmen, die mir sehr am Herzen lagen. Mit 57 Jahren und 7 Monaten verabschiedete ich mich im Juli 2012 von meinen Kolleginnen und Kollegen und trat den frühzeitigen Ruhestand an.
Ich war damals weit davon entfernt, meine Krankheit, und diejenigen die später dazukamen, zu akzeptieren und Verantwortung für ein angepasstes Leben zu übernehmen. Im Ruhestand konnte ich leben, ohne dem Arbeitsstress ausgeliefert zu sein. An meinen unverhältnismäßigen Ansprüchen an mich selbst änderte sich wenig. Um ehrlich zu sein, nichts! Meine Frau, die Kinder, Freunde und Bekannte, Ärzte und Therapeuten versuchten immer wieder, mich zur Vernunft zu bringen. Ich begriff das Anliegen zwar, scheiterte in der Umsetzung aber kläglich.
Seit 12 Jahren genieße ich meinen Unruhestand. Glücklich und zufrieden wäre ich, wenn da nicht die ungebetenen Plagegeister ihr Unwesen mit mir treiben würden. Die können mich mit ihrem unberechenbaren Verhalten in mehrfacher Hinsicht echt an den Rand der Verzweiflung bringen! Die Akzeptanz der Krankheiten fordert mich. Manchmal mehr und manchmal weniger. Ich arbeite hart daran, meine Grenzen zu akzeptieren und Tag für Tag die Aktivitäten meinen aktuellen Möglichkeiten anzupassen. Erstmals spüre ich, dass ich diesen neuen Weg auch tatsächlich werde gehen können. Ein großer Schritt für mich. Ein kleiner für Menschen, die nie erlebt haben, wie es sich anfühlt, ihre Werte und Ziele wegen einer fortgeschrittenen Krankheit anpassen zu müssen und entsprechend zu handeln.
Glücklich fühle ich mich im privaten Bereich. Warum? Eine Frau an meiner Seite zu haben, die mich seit 45 Jahren unterstützt. Die meine schlechte Laune erträgt, wenn ich mit mir nicht zufrieden bin oder durch anhaltende Schmerzen gequält werde. Die akzeptiert, wenn ich einen geplanten Ausflug oder einen Spaziergang kurzfristig absage, weil es nicht funktionieren würde. Die mit meinen unkontrollierten und manchmal leider auch verletzenden Emotionen umzugehen versteht, auch dann, wenn mein Verhalten die Vorstellungskraft anderer übersteigt. Eine Tochter und einen Sohn zu erleben, die mich akzeptieren, Verständnis zeigen, mir Hilfe leisten und auf mich Rücksicht nehmen. Die mir aber auch mit aller Deutlichkeit zu verstehen geben, wenn ich wieder einmal mit meinen Äußerungen und Handlungen zu weit gegangen bin. Das Gleiche gilt für ihre Partner, die wir in unsere Herzen geschlossen haben. Das einzige, mit dem ich zu kämpfen habe, ist die Tatsache, dass ich meiner Frau nicht immer der Mann war und sein kann, den sie verdient hätte.
Im Umgang mit meinen Krankheiten gehe ich meinen individuellen Weg. Ich bin mit Sicherheit kein Egoist, das war und bin ich nicht. Andere nennen es vielleicht eigensinnig, undankbar oder starrköpfig. Mit dem kann ich leben. Ich möchte keine gut gemeinten Ratschläge erhalten, das oder jenes sollte ich tun und anderes auf keinen Fall. Dreimal pro Woche in die Physiotherapie, nur zweimal reicht nicht! Ergänzt durch mehrmaliges Training an den kraftaufbauenden Geräten. Und das neben schwitzenden und schnaubenden Menschen, die nicht zu wissen scheinen, wann es genug ist. Gesunde Ernährung wäre auch wichtig. Kein Alkohol. Nur kalziumreiches Mineralwasser oder Tee. Jeder glaubt etwas beitragen zu können. Wenig wissen all die Leute, die es gut mit mir meinen. Sie können es nicht nachvollziehen. Das tönt für andere hart oder schlichtweg nicht begreifbar. Aber niemand kann nachfühlen, wie es mir wirklich geht. Zu unterschiedlich sind die Empfindungen und die Auswirkungen dieser Krankheiten. Von anderen Betroffenen nehme ich Erfahrungen und Ratschläge am ehesten an. Ich will leben und genießen. Zu einem vorzüglichen Essen gehört für mich ein guter Wein. Auf den verzichte ich nicht, egal ob es mir guttut oder nicht. Ich gönne mir auch ab und zu „Pommes. Gesunde Ernährung ist mir dann nicht wichtig. Meine Seele liebt fast alles, was unvernünftig ist! Da können meine „Knirpse
sich ausdenken, was sie wollen.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich meine mit Ratschlägen nicht tiefgründige Gespräche über meine Emotionen, mein Verhalten in gewissen Situationen oder meine ungebrochene Lebenslust. Im Gegenteil, ich bin sehr offen für jegliche Hinweise, die mir aufzeigen, wenn ich mich wieder einmal idiotisch verhalten habe. Ich habe grosse Achtung vor Menschen, die mir ohne Rücksicht auf meine Krankheiten unverblümt sagen, was Sache ist. Mir so richtig den „Tarif" durchgeben!
Wieso?
Sind wir doch ehrlich, meine Lügen, oder sagen wir schönend, die nur zaghafte und wenig ausdauernde Suche nach der Wahrheit, ist inzwischen längst moralisch-gesellschaftlich toleriert und wenn es die eigene Person betrifft, sogar erwünscht. Wir haben die Vorbilder jeden Tag vor Augen. Es sind die Akteure der Politik, die das Lügen „Taktieren" nennen und stolz darauf sind, der Öffentlichkeit, ihren Wählern, denjenigen, für die sie Verantwortung zu tragen vorgeben, ein Schnippchen zu schlagen. Leider sind es nicht nur Politiker, die diesem Virus erliegen. Viele andere auch! Leute aus den Teppich-Etagen von Unternehmungen, Journalisten, Werber, Fernsehleute und viele mehr.
Ist denn die Wahrheit für mich gefährlich? Natürlich ist sie das, denn sie ist für mich unbequem. Sie entlarvt schonungslos meine Schwindeleien im Umgang mit den Krankheiten.
„Ich bin zufrieden, „Es geht ganz gut
