Die Leiden des jungen Werther
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Johann Wolfgang von Goethe
Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) was a German statesman and writer. He first received acclaim at the age of twenty-five with the success of his first novel, The Sorrows of Young Werther. His works spearheaded Germany’s Sturm und Drang literary movement. The Sorrows of Young Werther had a profound cultural influence, inspiring young men to dress in the style of Werther.
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Buchvorschau
Die Leiden des jungen Werther - Johann Wolfgang von Goethe
Diese Sammlung würdigt die wichtigsten Werke der Weltliteratur, jeweils in ihrer Originalsprache.
Die Serie „Deutsche Briefe" enthält Titel wie: Die Verwandlung von Franz Kafka; Gebrüder Grimms beste Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm; Die unsichtbare Sammlung von Stefan Zweig; Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang von Goethe; Das kalte Herz von Wilhelm Hauff unter anderen...
Johann Wolfgang von Goethe
Die Leiden
des jungen Werther
© Ed. Perelló, SL, 2024
© Vorwort von Gloria Bosch Roig
© Deckblatt-Design: José Cazorla García
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Inhalt
Vorwort
Erstes Buch
Zweites Buch
Vorwort
Veröffentlicht im Jahr 1774, markierte das vorliegende Werk nicht nur einen Wendepunkt im Werdegang seines Autors, Johann Wolfgang von Goethe, sondern leitete auch einen neuen literarischen Stil ein und prägte das Weltbild einer zwischen gesellschaftlichen Konventionen und individuellen Wünschen gefangenen Generation. Diese Generation fand in Goethes Werk den Ausdruck ihrer eigenen Sorgen und Leiden.
Der „Wertherismus", wie er genannt wurde, entwickelte sich zu einem kulturellen Phänomen, das weit über die Literatur hinausging und Mode, Musik und sogar das soziale Verhalten im späten 18. Jahrhundert beeinflusste.
Die Leiden des jungen Werther ist im Wesentlichen ein Briefroman, in dem uns ausschließlich die Perspektive des Erzählers vermittelt wird. Anhand einer Reihe von Briefen, die an seinen Freund Wilhelm adressiert sind, folgt der Leser der emotionalen Entwicklung Werthers, eines sensiblen und leidenschaftlichen jungen Mannes, der sich in eine unglückliche Liebe zu Lotte, einer Frau, die bereits einem anderen Mann versprochen ist, verstrickt.
Diese schmerzhafte Liebe treibt ihn in eine Spirale des Leidens, die in einer tragischen Katastrophe endet. Doch die Reduzierung dieses Romans auf eine bloße Liebesgeschichte würde die philosophische und existenzielle Tiefe verkennen, die jeden von Werthers Briefen durchzieht.
Jede Zeile in Werther ist ein Spiegelbild des emotionalen Aufruhrs einer Generation, die darum kämpft, ihren Platz in einer zunehmend strukturierten und normativen Welt zu finden.
Goethe schrieb dieses Werk, als er kurz über zwanzig Jahre alt war, und reflektierte darin viele seiner eigenen Erfahrungen. Auch der Autor erlebte eine unerwiderte Liebe, und die Leiden, die seine Protagonisten quälten, sind in hohem Maße ein Spiegel seiner eigenen Erlebnisse. Doch Goethe brachte nicht nur seine Biografie in das Werk ein, sondern verstand es auch, den Zeitgeist einer Epoche einzufangen, die von zunehmendem Individualismus und dem Spannungsverhältnis zwischen Vernunft und Emotion geprägt war.
In diesem Sinne ist dieser Roman sowohl ein Produkt seiner Zeit als auch ein Werk, das zeitlos nachhallt.
Werthers innere Konflikte und entfesselte Leidenschaften wurden nach der Veröffentlichung des Werks zu einem universellen Ausdruck des Ich-Gefühls, der es Lesern unterschiedlicher Epochen ermöglichte, sich in ihrem eigenen Unglück wiederzuerkennen.
Aus diesem Grund wurde Werther zu einer kulturellen Leitfigur, einem Archetyp des unverstandenen jungen Romantikers, der von der Intensität seiner eigenen Gefühle überwältigt wird. Der blaue Anzug mit der gelben Weste, den der Protagonist im Roman trägt, wurde zu einem beliebten Modetrend, und junge Menschen in ganz Europa begannen, die melancholische Gestalt Werthers nachzuahmen.
Doch der Einfluss beschränkte sich nicht nur auf Mode-Erscheinungen: Der Roman löste auch eine Debatte über den Einfluss aus, den die Literatur auf das reale Leben haben kann, da seine Lektüre eine Welle von Suiziden auslöste. Dieses Phänomen führte sogar dazu, dass der Briefroman in einigen Regionen verboten wurde. Goethe selbst war von den Auswirkungen seiner Schöpfung tief betroffen und setzte sich später mit den ethischen und moralischen Verantwortlichkeiten des Künstlers auseinander.
Werther ist nicht nur eines der wichtigsten Werke Goethes; es ist ein zentraler Text, der den Beginn der Sturm-und-Drang-Epoche prägte – eine literarische und kulturelle Bewegung in Deutschland, die etwa zwischen 1765 und 1785 stattfand und als Reaktion auf den Rationalismus der Aufklärung jede Form von Autorität infrage stellte.
Ein bedeutendes Merkmal des Sturm-und-Drang war die Exaltation des Individuums. Der Einzelne wurde als ein autonomes und freies Wesen dargestellt, das sich gegen Autoritäten und gesellschaftliche Konventionen auflehnt. Besonders hervorgehoben wurde die Rolle des Genies. Das Genie im Sinne des Sturm-und-Drang war eine außergewöhnliche, schöpferische Persönlichkeit, die sich über alle sozialen Zwänge hinwegsetzte und nach ihren eigenen Regeln lebte. Das Genie folgte allein seinem inneren Drang und seinem kreativen Instinkt, ohne sich von äußeren Normen einschränken zu lassen.
Dank dieser Bewegung, die den Weg für die Romantik ebnete und die deutsche Literatur nachhaltig prägte, rückte die Rolle intensiver Gefühle wie Leidenschaft, Wut und Verzweiflung als zentraler Antrieb des kreativen Schaffens in den Mittelpunkt. Die Natur war ein weiteres wichtiges Motiv und wurde oft als Spiegel der menschlichen Seele dargestellt. Wilde, ungezähmte Landschaften symbolisierten die Freiheit und das innere Chaos des Menschen.
Die Leiden des jungen Werther ist weit mehr als ein romantischer Roman; es ist ein Werk, das weiterhin neue Generationen von Lesern anspricht. Seine Relevanz liegt nicht nur in seiner schönen Sprache und der emotionalen Tiefe, die es hervorruft, sondern auch in seiner Fähigkeit, die ewigen Spannungen zwischen Vernunft und Emotion, Gesellschaft und Individuum, Leben und Tod auszudrücken. Beim Öffnen dieser Seiten taucht der Leser in eine introspektive Reise ein, die – über das tragische Ende hinaus – dazu einlädt, über die Werte, Wünsche und Widersprüche nachzudenken, die die menschliche Erfahrung prägen. Werther ist ein Spiegel, in dem jeder Leser seine eigenen Sehnsüchte und Zweifel erkennen kann; genau das ist der Grund, warum dieses Werk über die Jahre fortwirkt und fortlebt.
Gloria Bosch Roig
Was ich von der Geschichte des armen Werther nur habe auffinden können, habe ich mit Fleiß gesammelt und lege es euch hier vor, und weiß, daß ihr mir's danken werdet. Ihr könnt seinem Geiste und seinem Charakter eure Bewunderung und Liebe, seinem Schicksale eure Tränen nicht versagen.
Und du gute Seele, die du eben den Drang fühlst wie er, schöpfe Trost aus seinem Leiden, und laß das Büchlein deinen Freund sein, wenn du aus Geschick oder eigener Schuld keinen näheren finden kannst.
Erstes Buch
Am 4. Mai 1771.
Wie froh bin ich, daß ich weg bin! Bester Freund, was ist das Herz des Menschen! Dich zu verlassen, den ich so liebe, von dem ich unzertrennlich war, und froh zu sein! Ich weiß, du verzeihst mir's. Waren nicht meine übrigen Verbindungen recht ausgesucht vom Schicksal, um ein Herz wie das meine zu ängstigen? Die arme Leonore! Und doch war ich unschuldig. Konnt' ich dafür, daß, während die eigensinnigen Reize ihrer Schwester mir eine angenehme Unterhaltung verschafften, daß eine Leidenschaft in dem armen Herzen sich bildete? Und doch – bin ich ganz unschuldig? Hab' ich nicht ihre Empfindungen genährt? Hab' ich mich nicht an den ganz wahren Ausdrücken der Natur, die uns so oft zu lachen machten, so wenig lächerlich sie waren, selbst ergetzt? Hab' ich nicht – o was ist der Mensch, daß er über sich klagen darf! Ich will, lieber Freund, ich verspreche dir's, ich will mich bessern, will nicht mehr ein bißchen Übel, das uns das Schicksal vorlegt, wiederkäuen, wie ich's immer getan habe; ich will das Gegenwärtige genießen, und das Vergangene soll mir vergangen sein. Gewiß, du hast recht, Bester, der Schmerzen wären minder unter den Menschen, wenn sie nicht – Gott weiß, warum sie so gemacht sind! – mit so viel Emsigkeit der Einbildungskraft sich beschäftigten, die Erinnerungen des vergangenen Übels zurückzurufen, eher als eine gleichgültige Gegenwart zu ertragen.
Du bist so gut, meiner Mutter zu sagen, daß ich ihr Geschäft bestens betreiben und ihr ehstens Nachricht davon geben werde. Ich habe meine Tante gesprochen und bei weitem das böse Weib nicht gefunden, das man bei uns aus ihr macht. Sie ist eine muntere, heftige Frau von dem besten Herzen. Ich erklärte ihr meiner Mutter Beschwerden über den zurückgehaltenen Erbschaftsanteil; sie sagte mir ihre Gründe, Ursachen und die Bedingungen, unter welchen sie bereit wäre, alles herauszugeben, und mehr als wir verlangten – kurz, ich mag jetzt nichts davon schreiben, sage meiner Mutter, es werde alles gut gehen. Und ich habe, mein Lieber, wieder bei diesem kleinen Geschäft gefunden, daß Mißverständnisse und Trägheit vielleicht mehr Irrungen in der Welt machen als List und Bosheit. Wenigstens sind die beiden letzteren gewiß seltener.
Übrigens befinde ich mich hier gar wohl. Die Einsamkeit ist meinem Herzen köstlicher Balsam in dieser paradiesischen Gegend, und diese Jahreszeit der Jugend wärmt mit aller Fülle mein oft schauderndes Herz. Jeder Baum, jede Hecke ist ein Strauß von Blüten, und man möchte zum Maienkäfer werden, um in dem Meer von Wohlgerüchen herumschweben und alle seine Nahrung darin finden zu können.
Die Stadt selbst ist unangenehm, dagegen rings umher eine unaussprechliche Schönheit der Natur. Das bewog den verstorbenen Grafen von M., einen Garten auf einem der Hügel anzulegen, die mit der schönsten Mannigfaltigkeit sich kreuzen und die lieblichsten Täler bilden. Der Garten ist einfach, und man fühlt gleich bei dem Eintritte, daß nicht ein wissenschaftlicher Gärtner, sondern ein fühlendes Herz den Plan gezeichnet, das seiner selbst hier genießen wollte. Schon manche Träne hab' ich dem Abgeschiedenen in dem verfallenen Kabinettchen geweint, das sein Lieblingsplätzchen war und auch meines ist. Bald werde ich Herr vom Garten sein; der Gärtner ist mir zugetan, nur seit den paar Tagen, und er wird sich nicht übel dabei befinden.
Am 10. Mai.
Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich den süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen genieße. Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, mein Bester, so ganz in dem Gefühle von ruhigem Dasein versunken, daß meine Kunst darunter leidet. Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken. Wenn das liebe Tal um mich dampft, und die hohe Sonne an der Oberfläche der undurchdringlichen Finsternis meines Waldes ruht, und nur einzelne Strahlen sich in das innere Heiligtum stehlen, ich dann im hohen Grase am fallenden Bache liege, und näher an der Erde tausend mannigfaltige Gräschen mir merkwürdig werden; wenn ich das Wimmeln der kleinen Welt zwischen Halmen, die unzähligen, unergründlichen Gestalten der Würmchen, der Mückchen näher an meinem Herzen fühle, und fühle die Gegenwart des Allmächtigen, der uns nach seinem Bilde schuf, das Wehen des Alliebenden, der uns in ewiger Wonne schwebend trägt und erhält; mein Freund! Wenn's dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruhn wie die Gestalt einer Geliebten – dann sehne ich mich oft und denke: ach könntest du das wieder ausdrücken, könntest du dem Papiere das einhauchen, was so voll, so warm in dir lebt, daß es würde der Spiegel deiner Seele, wie deine Seele ist der Spiegel des unendlichen Gottes! – mein Freund – aber ich gehe darüber zugrunde, ich erliege unter der Gewalt der Herrlichkeit dieser Erscheinungen.
Ich weiß nicht, ob täuschende Geister um diese Gegend schweben, oder ob die warme, himmlische Phantasie in meinem Herzen ist, die mir alles rings umher so paradisisch macht. Das ist gleich vor dem Orte ein Brunnen, ein Brunnen, an den ich gebannt bin wie Melusine mit ihren Schwestern. – Du gehst einen kleinen Hügel hinunter und findest dich vor einem Gewölbe, da wohl zwanzig Stufen hinabgehen, wo unten das klarste Wasser aus Marmorfelsen quillt. Die kleine Mauer, die oben umher die Einfassung macht, die hohen Bäume, die den Platz rings umher bedecken, die Kühle des Orts; das hat alles so was Anzügliches, was Schauerliches. Es vergeht kein Tag, daß ich nicht eine Stunde da sitze. Da kommen die Mädchen aus der Stadt und holen Wasser, das harmloseste Geschäft und das nötigste, das ehemals die Töchter der Könige selbst verrichteten. Wenn ich da sitze, so lebt die patriarchalische Idee so lebhaft um mich, wie sie, alle die Altväter, am Brunnen Bekanntschaft machen und freien, und wie um die Brunnen und Quellen wohltätige Geister schweben. O der muß nie nach einer schweren Sommertagswanderung sich an des Brunnens Kühle gelabt haben, der das nicht mitempfinden kann.
Am 13. Mai.
Du fragst,
