Satirische Essays zum Zeitgeist heute: Hirnforscher haben nur noch Gehirn im Kopf
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Über dieses E-Book
auf den gesellschaftlichen und kulturellen Zeitgeist von heute
I N H A L T
Von Hekuba zu Heureka
Die Welt ist ein Narrenspital
Ganz besondere oder absonderliche Sonderlinge
Yoga plus Joghurt : Auch ich meditierte
Dialektik der Dialekte
Hasta la vista, Baby!
Kleine Philosophie berühmter Film-Zitate
Große Liebespaare der Geschichte
Kognitive Dissonanz und produktive Resignation
Humorist Jean Paul (Richter)
Humor ist, wenn man trotzdem wiehert
Ausgrenzen oder einsperren?
Kunstgemurmel
Die Politik des Zeitgeistes im Zeitgeist der Politiker
Stadt der Zukunft´ oder Zukunft der Stadt?
Der erste ´Neutöner´
Weltberühmtes Bauwerk zur Erbauung
Umworbene Rekrutenanwerber
Biedermeier als verschlafene Idylle
oder linke Revolte zur rechten Zeit?
Wissenschaft als Pop-Lit?
Literatur und Philosophie im Schnellgericht:
Amusische Literaturkritik aus Schilda
Sprüche über Sprücheklopfer
Rezensierte Philosophen
Denkbare Grenzen großer Denker
Der Gott der Philosophen´ (W. Weischedel)
Komisches gegen tragisches Denken
Leichte bis schwierige Werke großer Denker
Wert der Philosophiegeschichte heute
Comeback? Geh weg!
Entwöhnbare Gewohnheitstiere?
Kurieren und / oder Kassieren?
Leibliche und geistige Ekelnahrung
Geht KI nun o.k. oder k.o?
Sponge it over! Vergeben und Vergessen
Herausforderndes Gehabe
Der Mensch als Handelsklasse 1
Marcus Steinweg : ´Sprachlöcher´ (Berlin 2023)
Inklusion
Sport ist Mord und Selbstmord im Akkord
Zwergsatirische Mikro-Essays zum Zeitgeist von heute
Rolf Friedrich Schuett
Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie Systemanalytiker in der Atom- und Raumfahrtindustrie Zahlreiche Veröffentlichungen von Erzählwerken, Gedichten, Aphorismen, Essays und Abhandlungen
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Satirische Essays zum Zeitgeist heute - Rolf Friedrich Schuett
FÜR MEINE FAMILIE
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Von Hekuba zu Heureka
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Rezensierte Philosophen
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„Der Gott der Philosophen" (W. Weischedel)
Komisches gegen tragisches Denken
Leichte bis schwierige Werke großer Denker
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Entwöhnbare Gewohnheitstiere?
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Marcus Steinweg : „Sprachlöcher" (Berlin 2023)
Wert der Philosophiegeschichte heute
Inklusion
Sport ist Mord und Selbstmord im Akkord
Zwergsatirische Mikro-Essays zum Zeitgeist von heute
Von Hekuba zu Heureka
Hihi. Ehe der altersweise Uhu „Aha! sagt, ruft er „Oho!
Es lassen sich zwei Arten von Aha-Erlebnissen unterscheiden, je nachdem, ob der Geistesblitz sich einstellt bei einem plötzlichen Verständnis entweder dessen, was der Menschheit längst bekannt ist und nur uns noch nicht, oder dessen, was mutmaßlich bisher noch kein einziger Mensch auf Erden so gesehen hat, bevor wir darauf stießen.
1.
Nehmen wir an, ich wolle mir die Grundzüge der Quantentheorie klarmachen und besorge mir ein einschlägiges Werk, um mich als interessierter Laie darin zu vertiefen. Die etwas schwierige Materie widersteht mir, und kein Zugang will sich meinem Kopf öffnen. Ich zweifle, ob ich das passende Buch habe, das mir allerdings ausdrücklich empfohlen war, versuche es immer wieder, von verschiedenen Seiten aus, doch vergeblich. Die winzigen Quanten, so geringfügig sie sind, bleiben spanische bis böhmische Dörfer für mich, ich stehe davor wie die dumme Kuh vorm neuen Tor, verstehe nur Bahnhof und fühle meinen Kopf wie vernagelt und blockiert von hartnäckigem Stupor.
Eine graue Gewitterwolke ballt sich langsam zusammen und brütet finster vor sich hin, die Luft wird drückend und stickig, die elektrisierende Spannung steigt – ehe ein erster schwacher Geistesblitz durch das Gewölk donnert und die hohen Gegensätze sich mit einem Schlag entladen. Als ich das schlaue Buch schon resigniert bis wütend für immer zuschlagen will, durchfährt es mich wie eine urplötzliche Erleuchtung. Was zuvor zusammenhanglos und stumm verstreut umherlag, fügt sich wie von Geisterhand bewegt mit einem Ruck zusammen zu einem sinnvollen Muster, wie hundert Puzzleteile von selbst zu einem klaren Bild. Wer oder was mir nun auf die Sprünge geholfen hat oder nicht, mit oder ohne weitere Hilfestellung, der Groschen ist doch noch gefallen. Alles stimmt mit einem Mal, und von jetzt an geht das schrittweise Verstehen fast mühelos von selber, ich sehe die Welt der Quanten nicht mehr in einem ewigen Nebel. Kurzum : Ab jetzt werde ich eine Viertelstunde lang mitreden können, wo von Quantencomputern der Zukunft schwadroniert wird.
2.
Aber was, wenn es zu Aufgaben und Themen überhaupt noch kein Lehrbuch gibt, weder fachlich noch populärwissenschaftlich, und keine praktische oder didaktische Anleitung? Wie, wenn ich nicht bekannte Ideen nur verstehen will, sondern neue Ideen suche, die es noch gar nicht gibt, aber schmerzlich vermisste? So geht es mir seit langem und beständig wieder. Um in einer Spezialwissenschaft ein Neuland zu betreten, braucht jemand jahrelanges Vorstudium, um die Front der Forschung zu erreichen, aber in der Philosophie z. B., die ja kein besonderes Sach- und Fachgebiet hat, sondern auf bestimmte Weisen begrifflich über alles und jedes spricht wie auch über deine (Ein)Stellung im Ganzen der Welt, ist in zwei Jahrtausenden schon alles gesagt und – zugleich doch so viel wie noch gar nichts.
Die akademischen Universitätsphilosophen gehen seit langem davon aus, dass alle denkbaren Denkmethoden erprobt und alle möglichen Grübelthemen durchdekliniert sind, dass es nichts Neues unter der Sonne mehr für sie gibt, als mit den archivierten Traditionsmotiven und katalogisierten Versatzstücken nur noch postmodern zu spielen, sie zu immer neuen Mustern zu kombinieren, zu montieren und auch munter zu collagieren. Es erstaunt, mit welch bescheidenen Begriffsvarianten solche gutdotierten Denkbeamten sich ein sorgenfrei hochgeachtetes Hochschulleben erwirtschaften können.
Heraus kommen dickleibigste Werke mit denkbar wenigen breitgewalzten Ideechen, die von niemandem gelesen werden, weder von Fachkollegen noch von interessierten Bildungsbürgern wie früher eine Neuerscheinung etwa von Jaspers, Sartre oder Heidegger. Seit die Analytische Philosophie
der Angelsachsen die weltweite Philosophenszene beherrscht mit ihren kleinteiligen sprachtheoretischen oder spezialistischen Fragestellungen, ist der nachdenkliche Durchschnittsbürger geistig unterversorgt, allein gelassen und sucht Abhilfe bei dubiosen Philosophie-Cafés, umweltanschaulichen Workshops, seicht verquasselten Internet-Talkshows etc.
Uni-Philosophie besteht weitgehend nur noch aus gutgemeinten humanistischen Selbstverständlichkeiten und hausbacken biederen Banalitäten in immer anspruchsvolleren Imponierterminologien, um ihre nur sich umkreisende Unfruchtbarkeit zu verschleiern. Aber Philosophie ist eine Kunst, die sie nicht versteht, und keine Wissenschaft, die sie gern sein möchte.
Eine Metaphysik in Metaphern, die eine einzige neue Idee nicht zu zehn Bänden auswalzt, sondern zehn brandneue Ideen auf einer einigen Buchseite verewigt, wird disqualifiziert als bloß windig subjektivistischer Geistesblitz, der strengen philosophischen Gehalt in literarischer Gestalt präsentiert und deshalb (trotz linguistic turn) von seriösen Fachleuten mit Misstrauen betrachtet und nicht anerkannt wird, obwohl es in der Geistesgeschichte eine bedeutende „europäische Moralistik von Geistesblitzen und Heureka-Bonmots gibt, welche die „Mores
, die Sitten und Gebräuche ganzer Epochen unbefangen und weitgehend unvoreingenommen untersucht haben.
Wer aber quarkbreite Ausdeutungen braucht, weil ihm spielerische Andeutungen nicht genügen, dem ist ohnehin nicht zu helfen, weil er gar nicht genug Lebenszeit hat, ausreichend viele Felder zu beackern. Ein Philosoph muss zu fast allen Gegenständen originell Erhellendes sagen können, nicht nur wie der Wissenschaftler innovativ zu seinem einzigen, aber da die weite Welt in kein enges geistiges Bezugssystem passt, muss er möglichst viele uns übervertraute Objekte von einem überraschenden Blickwinkel aus zeigen können, um seine überdotierte Existenz zu rechtfertigen. Die Zeitgenossen wollen ja nicht nur einzelwissenschaftlich aufgeklärt, sondern auch existenziell erhellt werden im Ganzen der Welt – und darüber hinaus.
Aphorismen nun sind im Idealfall konzentrierte Geistesblitze pur, ohne weitere Verdünnung, unverwässerte Ideen-Extrakte und geistreichere Destillate, entweder bekannte oder noch unerhörte Gedanken in sprachlich ungewohnten Gestalten. Was kurz und bündig auf den springenden Punkt gebracht ist in kunstvoll reizender bis aufreizender Sprachform, Schlag auf Schlag im Trommelfeuer von Heureka-Rufen, löst viel leichter die ersehnten punktuellen Aha-Momente aus als das pedantisch geregelte argumentative Für und Wider im breitgetretenen Quark voluminöser Abhandlungen, die niemals zu Potte kommen, bevor der Leser eingeschlafen ist.
Verblüffende Querverbindungen zwischen einander entferntesten Standpunkten, ungewohnte Sichtweisen auf schon sattsam Bekanntes, geschliffene Angriffe auf abgeschliffenste Begriffe, oft vieldeutig schillernd statt unrealistisch eindeutig, tendenziell prägnant und elegant, amüsant und frappant: Freche Kurzschlüsse statt nie endende rational(isierend)e Trugschlussketten kürzen gern die lange Leitung des Hörers durch negative Dialektik statt positiv(istisch)e Dialoge.
Das Problem ist nur, wie kann ein Konsument Aha!
und Heureka!
rufen, wenn er den Geistesblitz nicht kapiert oder nicht (wenigstens widerwillig) anerkennen und begrüßen kann.
Geistreiche Schmetterlinge ohne Hufeisen an den Flügeln stieben davon in die Lüfte, und die siebenhundert Katheder-Weisen sehen ihnen nach voller Staunen und Stupor, ganz ohne Heurek-Aha.
Überfällig in der ehrwürdigen philosophia perennis wäre längst ein aphoristic (re)turn, um frische Geistesblitze in uralte Geistessysteme zu schleudern und sie in neuem Licht zu zeigen. Nietzsche und Adorno hatten erst den Anfang gemacht und dieses schöpferische Paradigma nicht etwa schon selber erschöpft. Auch Wittgenstein überrumpelte alle vom Fach mit nichts als (frühromantischen?) Fragmenten in endlosen Kladden und Schmierheften in der Nachfolge von Novalis und Friedrich Schlegel. Wenn ein Berufsphilosoph zu allen relevanten Gebieten sich komisch gnomisch äußert, wird seine Welt-Enzyklopädie in the long run ganz von selbst und zwanglos zu einem unmethodischen System von unsystematischen Gedankenexperimenten.
Eine Philosophie der Zukunft sollte sich nicht ganz in einen systematisch ausgesponnenen Grunddualismus (wie Himmel und Erde) einspinnen, sondern eine lebenslange Kette von sentenziösen Heurek-Aha-Momenten in gutpointierter Umgangssprache sein für jedermann.
Open end.
Heraklit wird nie veralten.
(Nietzsche)
"Aha!"
Aber was sind Aha-Momente von Dummköpfen wert?
Die Welt ist ein Narrenspital
Man kann jede „binäre Codierung" (Niklas Luhmann) wie „krank/gesund in eigentlicher oder in metaphorischer Bedeutung nehmen und verwenden. Vom moribund-malignen Krebskranken über den Wald- und Wiesenschnupfen bis zum klinischen Psychotiker reicht die Palette der medizinisch fundierten Zu- und Verschreibungen im engeren Sinne (sensu strictiori). Die Weltgesundheitsorganisation WHO wacht über den wissenschaftlich gerade erreichten Stand an definitiven Strukturformeln für die etwa 20.000 diagnostizierbaren Gesundheitsstörungen mit objektivierbaren Untersuchungsbefunden und fühlbarer Beeinträchtigung des Wohlbefindens im „AZ
(Allgemeinzustand). Zu fast jeder gibt es jederzeit revidierbare Therapie-Leitlinien, die oft wirkungslos sind, aber immer kosten.
„Geisteskrank werden eher alltags- und umgangssprachlich volkstümlich aber nun gern Sachverhalte oder Personen genannt, die dem subjektiven Maßstab von deinem „gesundem Menschenverstand
zufällig widersprechen. Politiker oder Politentscheidungen „irre oder „krank
zu nennen, führt allerdings in uferlos beliebige Diskriminierungs- und Disqualifizierungswut und lässt oft eher auf den psychomentalen Zustand des Laiendoktors schließen. Mein empörter Aufschrei „Das ist ja krank! fällt meist auf mich selbst zurück. Die Laienblitzdiagnose „verrückt
fällen zumeist Verrückte, die selber leicht gaga „neben der Spur sind, einen „Hieb
oder „nicht mehr alle Tassen im Schrank haben". Wirklich verrückt ist vielleicht nur, wer alles
