Über dieses E-Book
Auf der Ostfriesischen Insel Borkum verschwindet die zwanzig Jahre jüngere Ehefrau eines hiesigen Apothekers! Marinas Kleidung wird am Strand gefunden. Wurde der jungen Frau das Leben auf der ihr fremden Insel zu eng, sodass sie aus Verzweiflung ins Wasser ging? Wenig später stürzt ein Gast des Hotels Friesenblick aus dem vierten Stock und stirbt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Geschehnissen? Was hat es mit einem Paket voller bunter Plüschseehunde und einer Substanz namens Friesensturm auf sich? Und ist Marina womöglich noch am Leben? Die Ermittlungen gestalten sich kompliziert, zumal es auch noch innerhalb der Borkumer Polizei brodelt. Denn Hauptkommissar Ragnar Hansen verdächtigt ausgerechnet die Freundin seines jungen Kollegen Jan Jepsen, in den Fall verstrickt zu sein...
Dörte Jensen
Dörte Jensen ist an der Küste aufgewachsen und liebt die unendliche Weite Ostfrieslands. Der raue Charme der Landschaft, die Sprache und die direkte Art der Norddeutschen haben es ihr angetan. Viele ihrer Ideen kommen der Autorin durch die Begegnungen mit den Menschen an der Küste. In ihrem Haus hinterm Deich findet Dörte Jensen die Ruhe und Inspiration, um ihre spannenden Romane und Krimis entstehen zu lassen. Mit ihren Geschichten möchte die Schriftstellerin ihre Leser mitreißen und zugleich immer auch einladen zu einem literarischen Besuch Ostfrieslands und der ostfriesischen Inseln.
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Borkumer Sturm. Ostfrieslandkrimi - Dörte Jensen
Farbenmeer
Borkum, Juni
Marina hetzte durch die Dünen. Mit zusammengebissenen Zähnen kämpfte sie gegen den Schmerz ihrer übersäuerten Muskulatur an und rannte noch schneller.
Panisch riskierte sie einen Blick über ihre Schulter, aber niemand war zu sehen. Demnach hatte ihr die Fantasie wieder einmal einen Streich gespielt.
Das war nach den letzten Wochen kein Wunder. Inzwischen war sie so durch den Wind, dass sie kaum noch zwischen Realität und Fiktion unterscheiden konnte.
In dieser Nacht würde sie ihr altes Leben hinter sich lassen.
Wollte sie das wirklich?
Diese Frage hatte sich längst wie ein Parasit in ihren Verstand gefressen und alle anderen Gedanken verschlungen. Inzwischen kam ihr der Kopf wie ein schwarzes Loch vor, in dem andere Überlegungen und Bedenken einfach verschwanden.
Ihre Situation hatte sie einzig und allein der neuen Wunderdroge zu verdanken. Wenn der Friesensturm vorübergezogen war, nahm er nicht nur jene Leichtigkeit des Lebens mit, die sie die ganze Nacht durchtanzen ließ, sondern löschte auch alle Farben aus und hinterließ eine dunkle Welt, in der Schatten umherirrten.
Sie verlangsamte das Tempo und stützte ihre Hände auf den Oberschenkeln ab. Schweißtropfen rannen über ihr Gesicht und fielen in den Sand. Das Herz raste wie verrückt in ihrer Brust, der Puls dröhnte wie eine Trommel in ihren Ohren.
Nachdem sie wieder zu Atem gekommen war, griff sie in ihre rechte Hosentasche. Ihre Finger krallten sich um die kreisrunde Tablette – ihre Waffe gegen die Dunkelheit, die sich immer weiter in ihrem Körper auszubreiten schien. Wenn sie nicht mit der Finsternis verschmelzen wollte, musste sie dringend etwas dagegen unternehmen.
Bis vor wenigen Minuten hatte sie noch geglaubt, sich auf diese Nacht vorbereitet zu haben. Aber mit jedem Schritt wurden die zweifelnden Stimmen in ihrem Kopf etwas lauter.
Noch konnte sie umkehren …
»Nein!«, rief sie in die nächtliche Stille, als könnte der Klang ihrer Stimme dem Wort größere Bedeutung verleihen.
Entschlossen eilte sie weiter durch die Kobbedünen, in denen sie niemandem begegnete. Das war allerdings kein Wunder, denn um zwei Uhr in der Früh verirrte sich kaum jemand in der Dünenlandschaft, die Richtung Nordstrand führte.
Ihre nackten Füße versanken bis zu den Knöcheln im weichen Sand. Ein leichter Nachtwind wehte ihr eine Strähne der langen schwarzen Haare, die Marina in dieser Nacht offen trug, ins Gesicht. Gedankenverloren strich sie diese hinter das Ohr.
Der Vollmond überschüttete die wundervolle Landschaft mit silberfarbenem Licht. Die Sterne funkelten am Firmament, als wollten sie Marina auf ihrem Weg begleiten.
Am Nordstrand blieb die Siebenundzwanzigjährige stehen und drehte sich einmal um die eigene Achse. Wie erwartet war sie an dem entlegenen Strand um diese Uhrzeit allein.
Mit schnellen Schritten ging sie bis zur Wasserlinie.
Dort holte sie die Tablette aus der Hosentasche und legte sie in die linke Handfläche. Im Mondschein wirkte der dunkelblaue Überzug beinahe schwarz. Einen Moment lang betrachtete sie die chemische Glückseligkeit, der sie viele berauschende Momente zu verdanken hatte. Der Friesensturm hatte ihr bisheriges Leben verwüstet und nichts zurückgelassen außer einer Trümmerlandschaft, in der sie nicht länger leben wollte.
Es wurde Zeit für eine Reise ins Unbekannte.
Marina legte sich die Tablette auf die Zunge. Nachdem sie diese trocken hinuntergeschluckt hatte, setzte sie sich in den Sand und ließ sich nach hinten fallen.
Wenige Minuten später wurden die Sterne bunter, als hätte sie jemand durch farbige Glühbirnen ersetzt, die immer heller wurden. Der Mond verwandelte sich zugleich in eine reflektierende Kugel, die das Licht der Sterne wie bei einem modernen Gemälde ineinanderlaufen ließ.
Das Rauschen des Meeres erklang in ihren Ohren so laut, als säße sie mitten in einem Symphonieorchester, das in einer Endlosschleife die ewige Melodie der Brandungswellen spielte.
Marina blickte in den Himmel, dessen Kolorierungen immer kräftiger wurden und sich so intensiv auf dem Wasser spiegelten, als wäre jeder Tropfen mit Farbe gefüllt.
Das Schauspiel war überwältigend.
Sie stand auf, zog sich das T-Shirt mit dem Aufdruck eines Seehundes über den Kopf und ließ es achtlos fallen. Wenige Augenblicke später hatte sie sich auch ihrer Hose entledigt und streifte den Slip über die Beine. Dann löste sie die Kette, die sie von ihrem Mann zum ersten Hochzeitstag bekommen hatte, und legte diese zusammen mit ihrem Smartphone auf die Kleidung.
Der Wind strich über ihre nackte Haut und ließ sie frösteln. Marina schlang die Arme um ihren Körper und marschierte zur Nordsee. Als die ersten Ausläufer der brechenden Wellen ihre Füße überspülten, zuckte sie wegen des kalten Wassers zusammen – wich aber nicht zurück, sondern ging mit festen Schritten immer tiefer in das Meer hinein.
Bald schon fühlte sich die salzige Nässe zunehmend wärmer an, als würde sie in die Arme eines Geliebten sinken, der jeden Quadratzentimeter ihrer Haut liebkoste.
Als sie brusthoch in der Nordsee stand, drehte sie sich ein letztes Mal um.
Der Strand war nur ein dunkler Strich hinter einem Farbenmeer, das sie in ewiger Glückseligkeit willkommen hieß.
Wollte sie die Sache tatsächlich durchziehen?
Marina schüttelte den Kopf. Dann tauchte sie mit einem Lächeln auf den vollen Lippen unter und schwamm mit kräftigen Zügen in den Horizont hinein.
Gnadderkopp
Borkum, Juni
»Schiet ok. Weißt du, wie spät das ist?« Ragnar Hansen, der das Smartphone beim Klingeln am liebsten in seine Einzelteile zerlegt hätte, seufzte vernehmlich.
»Viertel nach sechs.« Sein Kollege Jepsen war, seiner Stimme nach zu urteilen, um diese Zeit bereits erstaunlich munter.
»Das war eine rhetorische Frage, du Döspaddel.« Der Hauptkommissar steckte sich den kalten Zigarrenstumpen, der in einem Aschenbecher auf seinem Nachttisch lag, zwischen die rauen Lippen. »Was ist denn los?«
»Am Nordstrand wurden die Kleidungsstücke und das Smartphone einer Frau gefunden. Ich bin vor Ort und kann bestätigen, dass ich …«
»… nicht mehr alle Latten am Zaun habe«, grummelte Hansen, wobei der Zigarrenstumpen in seinem linken Mundwinkel auf und ab hüpfte. »Kein normaler Mensch würde mich in aller Herrgottsfrüh aufwecken, weil er Klamotten am Strand gefunden hat.« Er dehnte das Wort wie Kaugummi.
Jepsen ignorierte den Einwand. »Es könnte sich um einen Freitod handeln. Auf der Kleidung liegt eine Kette mit einem herzförmigen Anhänger, in dem der Name Marina eingraviert ist. Das könnte die Frau des Apothekers sein, mit der Heike in den letzten Wochen öfter unterwegs gewesen ist. Ich dachte, dass du das wissen solltest.«
»Dem Uwe seine Marina? Das darf doch nicht wahr sein.« Der Hauptkommissar setzte sich auf. »Bist du sicher, dass sie nicht irgendwo im Wasser ist?«
»Nee, da ist nichts zu sehen. Die Nordsee ist momentan glatt wie ein Spiegel.«
»Hast du in den Dünen nachgeschaut? Vielleicht hat sie dort die Nacht verbracht.«
»Warum sollte sie nackt in den Dünen schlafen?«
Der Hauptkommissar musste seinen Kollegen nicht sehen, um zu wissen, dass Jan bei dieser Frage die Stirn in Falten legte. »Ein junger Kerl wie du sollte in dieser Hinsicht etwas mehr Fantasie haben.«
»Hier ist aber keine andere Kleidung. Ein Liebhaber …«
»… könnte seine Klamotten an anderer Stelle abgelegt haben.«
»Wäre möglich, ist aber eher unwahrscheinlich, denn Marina würde ihr Smartphone bestimmt niemals unbeaufsichtigt am Strand zurücklassen.«
Der Hauptkommissar schwang die Beine aus dem Bett. »Da ist was dran. Hast du schon mit ihrem Mann gesprochen?«
»Unter der Festnetznummer meldet sich nur der Anrufbeantworter seiner Apotheke. Die Handynummer ist mir nicht bekannt.«
»Die habe ich auch nicht.« Hansen stand auf und strich sich die in die Stirn fallenden Haare nach hinten. »Gibt es Hinweise auf ein Verbrechen? Kannst du irgendwo Blut oder eine Waffe sehen?«
»Nee, hier ist nichts außer ihrer Kleidung.«
»Hast du bereits die Seenotrettung verständigt?«
»Yep. Die Jungs sind schon unterwegs.«
»Das ist gut. Wir sehen uns später in der Polizeistation.« Der Hauptkommissar beendete das Telefonat und schlurfte in die Küche. Dort füllte er Wasser in die Maschine und häufte Kaffeepulver in den Filter. Er mochte seinen Koffeinkick schwarz wie die Nacht und stark wie einen Tritt in den Allerwertesten.
Im Gegensatz zu seinem Kollegen, der sein Gebräu eine ungenießbare ölige Brühe nannte, konnte er sich keinen Tag ohne einen anständigen Männerkaffee vorstellen.
Während der Wachmacher durch den Filter tropfte, zündete sich Hansen den Zigarrenstumpen an und paffte genüsslich. Früher hatte er seinem Laster nicht nur daheim frönen können.
Aber in einem Zeitalter, in dem selbsternannte Gutmenschen einen Kreuzzug führten gegen Tabak, Alkohol, Fleisch und alles, was Spaß machte, musste er sich in der Öffentlichkeit etwas zurücknehmen – schließlich hatte er als Borkumer Polizist eine Vorbildfunktion.
Zehn Minuten später hatte der Hauptkommissar seinen Kaffee runtergekippt und die heiße Asche von seiner Zigarre geflippt.
Nachdem er sich im Badezimmer kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt hatte, schlüpfte er in sein kariertes Hemd, das über einer Stuhllehne im Wohnzimmer hing – wie seine blaue Cordhose, die er statt eines Gürtels mit Hosenträgern fixierte. Wenige Augenblicke später schlüpfte er in seine Clogs, deren ursprünglich gelbe Farbe kaum noch zu erkennen war, und zog sich den Friesennerz an. Seiner Meinung nach war man mit dem quietschgelben Regenmantel bestens gekleidet – bei jeder Jahreszeit und zu jedem Wetter.
Mit der Zigarre zwischen den Lippen trat Hansen aus der Haustür im Borkumer Ostland. Seine Wohnung lag in Sichtweite einer bei Urlaubern gut frequentierten Gaststätte, in der er sich gelegentlich einen – oder auch mehrere – Schlummerdrinks genehmigte.
Der Hauptkommissar schloss sein an der Hauswand lehnendes E-Bike auf, schwang sich in den Sattel und radelte über den schmalen Dünenpfad zum Inselzentrum. Auf seinem Weg dorthin dachte er an Lüdemanns Hochzeit vor zwei Jahren, die der Apotheker mit vielen Insulanern in der Wandelhalle gefeiert hatte.
Zu dem rauschenden Fest hatte Lüdemann sogar die Tratschtanten eingeladen, die eine neue Ehe mit der zwanzig Jahre jüngeren Rumänin nach nur einjähriger Trauerzeit um seine Elfriede unpassend fanden.
Auch wenn es auf der Feier keine bösen Worte gegeben und Marina mit allen männlichen Gästen getanzt hatte, wurde sie von den meisten Insulanern noch immer wie eine exotische Schönheit betrachtet, die zwar hübsch anzusehen war, aber niemals eine Borkumerin sein würde. Dabei waren die Einheimischen keine schlechten Menschen, sie waren einfach nur ostfriesische Sturköpfe, die einen Menschen erst nach vielen Jahren akzeptierten.
Sein Kollege konnte ein Lied davon singen. Auch wenn Jan inzwischen seit längerer Zeit seinen Dienst auf Borkum verrichtete und jeder Insulaner den jungen Polizisten kannte, war er immer noch der Neue, der sich ihren Respekt erst verdienen musste.
Die Morgensonne überzog die Dünenlandschaft mit einem goldenen Schimmer. Ein leichter Morgenwind wehte ihm ins Gesicht und trug das Rauschen der Brandung, in das sich die Schreie der Möwen mischten, zu ihm.
Hansen konnte sich nicht vorstellen, jemals an einem anderen Ort zu leben. Auch wenn Borkum nicht das Paradies war, für das es viele Urlauber zu halten schienen, war die Insel seine Heimat – in der er keine Verbrechen duldete.
Bei dem Telefonat hatte sich sein Magen zusammengezogen, als wäre er von einer unsichtbaren Faust gequetscht worden. Obwohl es für den Kleidungsfund eine ganz harmlose Erklärung geben konnte, ging der Hauptkommissar vom Schlimmsten aus, denn der abgelegene Strand passte nicht zu Marina. Eine Nachteule wie sie wäre besser in einer pulsierenden Großstadt aufgehoben gewesen als auf einer Nordseeinsel, in der die meisten Menschen früh zu Bett gingen.
Seit ihrem Umzug nach Borkum war Marina öfter wie ein Nachtfalter über die Insel geflattert. Hoffentlich hatte sie sich dabei nicht die Flügel verbrannt.
Vor der Seehund-Apotheke in der Bahnhofstraße stellte er seinen modernen Drahtesel ab und wollte gerade klingeln, als die Ladentür von einem zerzaust aussehenden Uwe Lüdemann geöffnet wurde. Seine spärlichen Haare standen in allen Richtungen ab. Zu einem weißen T-Shirt trug er eine graue Jogginghose. Die Füße steckten in schwarzen Lederpantoffeln.
»Ist Marina etwas passiert?« Seine Stimme zitterte.
»Dafür gibt es momentan keinen Anhaltspunkt«, wich der Hauptkommissar einer direkten Antwort aus, weil er den Apotheker in der jetzigen Situation keinesfalls beunruhigen wollte. »Ist sie denn nicht bei dir?«
»Sonst hätte ich dir diese
