Über dieses E-Book
Mila kocht auf der Flamingo-Parade 26a immer Milchsuppe in einem magischen Kochtopf, mit dem man verreisen kann. Dies wollen Jens und Gertrud auch mal ausprobieren. Nach dem Aufsagen eines Zauberreims springen alle Kinder und Flamingo James in den Kochtopf und landen dort, wo es sich ihr Herz wünscht.
Somit beginnt eine magische Abenteuerreise um die ganze Welt. Mit Mut, Stärke und ganz vielen Herzenswünschen im Gepäck machen sich die Kinder auf den Weg und finden am Ende ihrer Reise alles, was sie für ihr weiteres Leben brauchen.
Stephanie Doench
Stephanie Doench is a German writer and poet. She was born in 1982 and lives in Germany. The play "What we are missing at Christmas", written by herself, was premiered by a daycare center in December 2019. In the summer of 2021, she published her first romance novel, "I Found My Heart Through You." A year later, Doench published her first children's book "Mila Milchsuppe". In early 2023, her booklet about the crazy dentist Dr. Wurzelschuh was published. Her first English-language publication is the translation of the novel "I Found My Heart Through You," which was published in the spring of 2023 under the title "Black Heart Mississippi."
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Buchvorschau
Mila Milchsuppe - Stephanie Doench
Kapitel 1
„Ich habe keine Lust auf Hausaufgaben. Ich will nicht. Ich will nicht!", meckert Jens. Sein Gesicht verzieht sich, seine Mundwinkel fallen nach unten. Er hat schlechte Laune und ist genervt.
„Doch Jens. Du musst jetzt deine Hausaufgaben machen. Das gehört zum Leben dazu. Und ist nun einfach mal so. Der Lehrer kontrolliert morgen die Mathematik Hausaufgaben!", entgegnet seine Mutter.
„Nein. Ich will nicht. Ich bin müde", widerspricht Jens.
„Keine Widerrede!", schimpft die Mutter, ohne ein weiteres Wort hinzuzufügen.
Es ist früher Abend und schon dunkel und düster.
Draußen regnet es. Während die Regentropfen an den großen Fenstern abperlen, herrscht im Haus das reinste Chaos.
Seine Schwester Gertrud sitzt stillschweigend mit am Tisch. Sie schaut Jens an. Eigentlich möchte Gertrud auch keine Hausaufgaben machen, aber sie findet, dass Jens es gerade schon schwer genug hat, als ob sie jetzt auch noch meckern würde. Wie würde Mama dann reagieren? Sie wäre wahrscheinlich sehr wütend, dachte sich Gertrud und schrieb ihren Deutschaufsatz weiter. Insgeheim dachte sich Gertrud, dass sie jetzt lieber ihre Lieblingskindersendung sehen und genüsslich dazu eine warme Schokolade trinken würde. Der Gedanke blieb nur kurz. Weiter schrieb sie ihren Deutschaufsatz, während sie unterschwellig wahrnahm, wie Jens und Mama ihren Hausaufgaben-Kleinkrieg weiter führten.
„Schule nervt. Wieso muss ich denn zur Schule gehen?, so ging es weiter und weiter. Die Mutter antwortet total genervt: „Jedes Kind muss zur Schule gehen. Ich war auch lange in der Schule. Das brauchst du, damit du später was Anständiges wirst.
„Ich will Löwendompteur im Zirkus werden, dafür muss ich nicht rechnen können", so Jens.
Der Streit zieht sich wie Kaugummi. Gertrud versucht, ihren Aufsatz unter dem andauernden Genörgel von Jens fertigzustellen. Jens war ihr Vorbild, darum schweigt Gertrud. Denn sie hat ja schließlich auch keine Lust auf die Hausaufgaben. Der Tag ist schon lang genug, denkt sich Gertrud. Die Mutter hält ihre zwei Kinder an, weiter die Hausaufgaben zu machen. Sie schaut stets auf die Uhr und geriet immer mehr in Sorge um ihr Zeitmanagement. Sie hat schließlich heute noch einiges zu tun, bevor ihr Mann von der Arbeit nach Hause kommt. Die Diskussion um die Hausaufgaben gefällt ihr darum nicht und es passt nicht in ihr Zeitfenster.
Sie hat auch den ganzen Tag gearbeitet und erhoffte sich am Abend einen reibungslosen Ablauf. Die Rechnung hat sie ohne Jens gemacht.
Er hat seine eigenen Pläne, die fernab der Hausaufgaben liegen.
Es gibt ja auch spannendere Dinge als Mathematik, so Jens Einstellung. Dass bloß die Nachbarn den laut Halsen Streit nicht mitbekommen, war der Wunsch von Jens Mutter. Ihr war es wichtig, dass Bild von der heilen Familie nach außen hin zu transportieren. Und wehe, da kommt irgendwas dazwischen.
„Und morgen habt ihr Tennis und Ballett. Übermorgen Geige und Klavier", spricht Jens Mutter im ernsten Ton.
„Nein. Ich will nicht zum Geigenunterricht!", so Jens.
Weder Mathematik noch Geigenunterricht können Jens fröhlich stimmen.
Der Abend vergeht. Jens und Gertrud beenden ihre Hausaufgaben und gehen dann ins Bett. Ihr eigenes, kuschelig weiches Bett ist gemütlich und sorgt bei beiden Kindern für einen guten Schlaf.
Der nächste Morgen kommt.
„Hast du den Deutschaufsatz eingepackt Gertrud? Und Jens vergiss nicht, den Tennisschläger mitzunehmen.
Wir fahren nach der Schule direkt zur Halle", so die hektischen Worte der ehrgeizigen Mutter.
„Ja. Haben wir", summen beide Kinder im Chor.
„Und Jens, das Geld für die Klassenkasse nicht vergessen. Gertrud, hast du die Wasserflasche in deine Balletttasche gelegt?" Die Mutter der beiden Kinder redet und redet und redet. Gelegentlich gibt es Anweisungen dazu. Ihr Vater hat sich schon vor einer Stunde zur Arbeit begeben. Jens und Gertrud finden die voll bepackten Tagesabläufe langweilig; trotz allem gehen die Tage schnell um.
Der nächste Tag wird es in sich haben. Gertrud trägt nach dem Unterricht noch ein Theaterstück in der Schule vor. Jens hat ein Diktat schreiben müssen. Beide Kinder werden von ihrer Mutter von der Schule mit dem großen Auto abgeholt und zur nächsten Aktion hingefahren.
Gertrud klimpert auf einem Klavier herum. Sie findet den Klavierunterricht nach dem Schultag und der Theateraufführung anstrengend, aber der Klavierlehrer ist nett und gibt ihr heute eine einfache Aufgabe.
Zwei Zimmer weiter da tobt und kocht es wie bei einem Unwetter.
Jens hat die Nase voll und will nicht mehr Geige spielen.
Die Geigenlehrerin und Jens Mutter reden auf ihn ein.
Sie loben Jens und betonen, wie toll es sei, wenn man Geige spielen könne.
Und Jens könne ja schließlich auch stolz sein, denn nicht jedes Kind hat die Möglichkeit, zum Geigenunterricht gehen zu können.
Das alles wollte Jens gar nicht hören. Er wollte am liebsten seine Geige in die Ecke werfen, aber ihm war schon in so jungen Jahren klar, was eine Geige kostet und wie viel Ärger es geben würde, wenn er sie tatsächlich in die Ecke schmeißen würde. „Geige spielen ist blöd. Ich gehe in den Zirkus", Jens schmiedet Pläne.
„Versteh ich Jens. Der Zirkus ist toll. Geige Spielen, aber auch, entgegnete seine Lehrerin. „Setz den Bogen noch mal an Jens, das kannst du
, sagt sie weiter. „Nein. Ich habe keine Lust auf die Geige. Ich will nach Hause", meckert Jens. Er stampft mit dem rechten Fuß. Seiner Mutter steigt die Röte ins Gesicht. Sie wirkt sichtlich blamiert. Jetzt fängt Jens an zu schreien. Eigentlich will er sich so nicht verhalten, dass bemerkt er selbst an sich, seine Unlust am Geigenunterricht, den Noten, dem Lernen und alles anstrengend andere schafft ihn und lässt ihn ermüden. Lieber möchte er spielen. Ganz frei und ohne Zwang.
Die Mutter verlässt mit Jens wütend den Unterrichtsraum.
Während der Autofahrt ist es Mucks Mäuschen still. Zu Hause dann eskaliert die Situation …
„Ich glaube es nicht. Weißt du eigentlich, wie viel dein Vater und ich für eure Bildung bezahlen?", sagt die Mutter im ernsten Ton.
„Das wird nicht noch einmal passieren. Dass dir das klar ist!", betont sie deutlich. Jens ist wütend, die Rolle des kleinen Rebellen anzunehmen war in letzter Zeit für ihn unumgänglich. Es regnet wieder draußen. Der Vater der beiden Kinder befindet sich noch in seiner Kanzlei, er bekommt von den Streitereien um die Hausaufgaben und den Geigenunterricht nichts mit.
Du bist blöd, sagt Jens im lauten, verärgerten Ton zu seiner Mutter.
Er meint es nicht so, aber es kommt einfach so aus ihm heraus. Ich haue hier ab. Ich will euch alle nicht mehr sehen, sagt Jens immer lauter mit rotem Kopf.
Seine Mutter entgegnet: „Wo willst du denn hin? Hier ist dein Zuhause. So viele Kinder leben im Heim; du könntest dich glücklich schätzen, in welch tollem Haus du lebst, leitet die Mutter ein. „Du bekommst hier alles und weißt es nicht zu schätzen.
„Lass mich in Ruhe!", schreit Jens. Gertrud steht daneben. Sie selbst konnte letzte Woche nicht zum Kindergeburtstag einer Freundin gehen, weil sie für die Theateraufführung üben musste und anschließend Ballettunterricht hatte. Auch sie ist genervt, bleibt aber ruhig und leidet stillschweigend mit ihrem Bruder mit. Sie versteht ihn und kann für ihn mitfühlen. Trotzdem will die kleine Gertrud sich mit ihrer Mutter auch gut verstehen und sie stolz machen.
„Gut, dann lass ich dich in Ruhe. Ich kann dein Schreien sowieso nicht mehr ertragen. Geh auf dein Zimmer, Jens. Es reicht für heute", sagt die Mutter ihrem einzigen Sohn klar an.
„Ich will dich auch nicht mehr sehen. Nie mehr", brüllt Jens hinterher.
„Sag das nicht zu laut, sei froh, dass du uns hast", meint Jens Mutter melancholisch.
„Komm Gertrud, wir gehen hoch", sagt Jens. Sie schlendern gelangweilt und langsam die Treppenstufen hoch.
In Jens Zimmer angekommen setzen sich beide Kinder auf den Teppichboden und überkreuzen ihre Beine. Sie schmieden einen Schlachtplan.
„Wir hauen hier ab!", sagt Jens bestimmend zu Gertrud.
Seine Angst ist dennoch in seiner Stimme zu erkennen.
„Aber Jens, wo sollen wir denn hin?, entgegnet Gertrud fragend. „Wir finden einen Platz. Mama und Papa werden gucken, wenn wir weg sind
, so Jens.
„Das können wir nicht machen. Mama und Papa werden sich große Sorgen machen. Die Polizei wird uns suchen.
Oh, Jens …", spricht Gertrud.
„Wenn die uns suchen, dann sind wir schon weit weg.
Dann brauchen wir morgen keine Hausaufgaben mehr machen oder zum Geigenunterricht. Bäh, und du musst dich nicht mehr in die engen Ballettschuhe quetschen, meint Jens hoch motiviert. „Komm Gertrud. Wir gehen
, ein leichtes Strahlen durchquert sein Gesicht.
Beide Kinder stehen auf. Jens nimmt seinen blauen Rucksack mit und packt Fiffi ein, seinen Plüschhund.
Gertrud besitzt einen rosafarbenen Rucksack, da hineinlegt sie ihre Stoffpuppe Gertrud die Zweite.
„Los gehts!", so betont Jens noch mal die Ernsthaftigkeit seines Ausreißens. Gertrud folgt ihm. Voller Angst und auch Neugier schleichen sie sich die Treppen hinunter.
Diesmal kommt ihnen der Weg runter unendlich lang vor.
Sie achten darauf, nicht zu stark mit ihren Füßen auf den Boden zu treten. Aus dem Augenwinkel sieht Jens seine Mutter, die ihre Bürotür einen Spalt offen stehen hat. Sie starrt auf den Bildschirm und scheint zu arbeiten. Jens und Gertrud schleichen sich durch den Flur bis hin zur Eingangstüre. Leise öffnet Jens die Türe für sich und seine Schwester. Sie gehen hinaus. Er zieht die große, schwere Türe leise hinter sich zu. Mittlerweile regnet es sehr stark. Jens nimmt seine jüngere Schwester Gertrud an die Hand, so als wolle er ihr sagen, ich bin für dich da, ich pass auf dich auf. Sie rennen los, ihr Ziel ist ungewiss.
Kapitel 2
Irgendwo anders.
„Lalalalala, los James, wir singen." (Nanu, wer ist denn das? Ach, na klar. Es ist Mila. Mila Milchsuppe. Sie ist immer so gut gelaunt.)
Mila steht in der Küche. Sie kocht Milchsuppe, doch zuvor wird die Küche in eine Gesangshalle verwandelt.
„Ja. Ja. Erst mal muss ich mich aus deinen Haaren befreien", sagt James. (Wer ist James? Das denkt ihr euch an dieser Stelle bestimmt.
James ist ein Flamingo. Er sitzt in Milas Haar-Nest. Ihre Haare sind mit einem orangefarbenen Haargummi nach oben zusammengebunden.)
Flamingo James befreit sich aus Milas Haaren.
„Let's rock", sagt er. Die beiden legen los, als würde es keinen Morgen mehr geben.
Da Mila in einem kleinen Restaurant auf der Flamingo-Parade 26a lebt, ist ihre bunte Küche mit jeder Menge Küchenutensilien ausgestattet. Sie nimmt den Rührbesen in die eine und den Tortenheber in die andere Hand. Abwechselnd schlägt sie damit auf eine ihrer Schüsseln.
(Hier geht alles etwas anders zu, als ihr es gewohnt seid.)
James schwingt seinen Schnabel im Takt zu Milas ausgelassenem Gesang. Dann klopft er mit seinem Schnabel gegen die Gläser, die aufgereiht auf der großen Arbeitsplatte stehen. Die Geräusche erklingen als schöne Melodie. Mila kommt hinzu. Sie reibt mit einem nassen Finger über die Oberfläche eines mit Wasser befüllten Weinglases. Wow, da entstehen Töne.
„Cool!", tönt es aus Milas Mund. James und Mila singen weiter und benutzen jene Kochutensilien als Instrumente.
(Was für eine Party, da möchte man ja glatt mitmachen.)
Die ganze Küche wird lebendig. Teller, Tassen, Besteck, alles springt im Takt der Melodie. James hebt ein Bein und spielt damit Luftgitarre. Mila nutzt den Schneebesen als Mikrofon. Es scheint, als würde die ganze Küche mit ihr feiern.
Die Stimmung bleibt so freudig, während im Restaurant der Betrieb weiter geht. Gelegentlich kommen die Kellner in die Küche, um die fertig zubereiteten Speisen abzuholen. Dann hüpft Flamingo James ganz schnell wieder in Milas Haar-Nest zurück. Das Geschirr und alles andere bewegt sich nicht mehr. Mila zwinkert James zu.
„Na, dann lass uns mal Milchsuppe kochen", sagt Mila mit einem Lächeln zu James.
Wieder zurück zu Gertrud und Jens. Die beiden sind so weit gelaufen und schon völlig erschöpft. Es regnet immer noch. Die Geschwister sind vollkommen durchnässt.
„Jens, ich kann nicht mehr!, schnauft Gertrud. „Wir müssen sehen, dass wir uns irgendwo unterstellen können
, antwortet Jens, der kaum noch Puste hat. Sie laufen ein Stückchen weiter. Auf einmal hört es auf zu regnen. „Gertrud schau … ein Restaurant. Dort können wir uns aufwärmen, sagt Jens mit zittriger Stimme, denn seine Lippen sind schon blau angelaufen vom kalten Regenschauer. „Flamingo-Parade, lustiger Name für eine Straße
, sagt Gertrud und kichert.
„Lass uns hereingehen", Jens drängelt etwas.
Die Geschwister betreten Milas kleines Restaurant mit der Nummer 26a. Beide Kinder stehen triefnass im Eingang. „Ihr zwei seid ja ganz nass. Wollt ihr euch hier aufwärmen und eine warme Schokolade trinken?, fragt eine nette Kellnerin die beiden. „Gerne. Äh …
, Jens und Gertrud stottern. Sie ziehen ihre Rucksäcke und ihre Jacken aus. „Wollt ihr eure Sachen hier über die Heizung hängen?", fragt die freundliche Stimme von vorhin. Und schon war sie dabei, den Kindern zu helfen.
„Setzt euch, ich bring euch die heiße Schokolade", sagt die Kellnerin.
Jens und Gertrud wissen die Gastfreundlichkeit zu schätzen, haben sich das Ausreißen aber einfacher vorgestellt. Nun sitzen sie da, pitschnass und ohne Ziel, wo es hingehen soll. Seine Furcht lässt Jens sich Gertrud gegenüber nicht anmerken. Zumindest sitzen sie im trockenen und bekommen von der lieben Kellnerin Kakao gebracht. „Danke, sagen die beiden hochmanierlich, als das Heißgetränk kommt. „Lasst es euch schmecken. Wo sind denn eigentlich eure Eltern?
, fragt die aufmerksame Kellnerin. Doch sie wird unterbrochen. Ein älteres Ehepaar möchte bezahlen und ruft die Kellnerin herbei. Das ist ja gerade noch mal gut gegangen, denkt sich das Zweiergespann.
Sie trinken genüsslich ihren Kakao und haben dabei keine Eile. Denn sie fühlen sich wohl, wo sie gerade sitzen. Die Kellnerin ist damit beschäftigt, den Tisch abzuräumen und zu säubern. Gertrud sucht währenddessen die Toilette auf. Auf dem Weg dorthin geht sie an der Küche vorbei und hört dort ein Mädchen singen. Der fröhliche Gesang macht Gertrud neugierig.
Sie überlegt, die Türe zu öffnen, um zu schauen, wer sich dahinter verbirgt. Doch zuerst geh ich zur Toilette, denkt sich Gertrud. Sie beeilt sich so schnell, weil sie befürchtet, die Stimme gleich nicht mehr zu hören. Ganz geschwind geht sie im Eiltempo zurück und bleibt an der Küchentüre stehen. Puh, das Mädchen singt noch, erfreut sich Gertrud. Sie ist mittlerweile so neugierig, dass sie sich darum auf Zehenspitzen stellt, um durch das runde Fenster an der Küchentüre zu schauen. Leider liegt das Fenster zu hoch, sodass Gertrud nur eine Wahl hat. Sie muss sich trauen, die Türe zu öffnen, wenn sie wissen möchte, wer sich dahinter verbirgt. Ihren Mut zusammen genommen öffnet sie ganz langsam und vorsichtig die Türe. Was erwartet sie wohl hinter der Türe, fragt sich Gertrud?
(Kinder nicht verraten. Gertrud soll selber Schauen.)
Sie sieht ein farbiges Mädchen, welches auf einem orangefarbenen Hocker steht, singt und kocht. Das Mädchen ist nicht gut für Gertrud zu erkennen, weil der Kochtopf so riesig erscheint. Was Gertrud aber wahrnimmt, dass das fremde Mädchen einen echten Flamingo im Haar sitzen hat. Irgendwie ungewöhnlich, denkt sich Gertrud. Aber spannend genug, um hier an Ort und Stelle zu verweilen. „Hallo, du da unten, spricht das unbekannte Mädchen zu Gertrud. Überfordert von der Situation, bekommt Gertrud keinen Ton heraus. Mila springt vom Hocker herunter und geht selbstbewusst auf Gertrud zu: „Hi, ich bin Mila. Um genau zu sein Mila Milchsuppe. Und du?
Das Eis scheint gebrochen. „Mila Milchsuppe? Das ist ja ein toller Name. Ich bin Gertrud.
Nett, dich kennenzulernen, spricht die beeindruckte Gertrud. Mila möchte gerade antworten, da kommt Jens in die Küche hinein. Er hat Gertrud gesucht. „Das ist mein Bruder Jens
, so Gertrud zu Mila. „Und Jens, das ist Mila. Mila Milchsuppe", spricht Gertrud weiter. „Was?
Mila Milchsuppe ist dein Name? Mila Milchsuppe mit einem Flamingo im Haar?", fragt Jens erstaunt. „Jawohl.
Milchsuppiges Oberehrenwort", kontert Mila geschickt.
Alle drei Kinder fangen an zu lachen. Jens und Gertrud finden Mila auf Anhieb sympathisch. „Und mein rosa Freund hier in meinem Haar, heißt James", erzählt Mila begeistert.
„Das glaube ich nicht, du hast einen lebenden Flamingo im Haar, der auch noch einen Namen hat, Jens wirkt erstaunt. „Da, wo ich herkomme, haben alle Tiere einen Namen und wenn sie keinen Namen haben, dann geben wir ihnen einen
, berichtet Mila. „Wo kommst du denn her?, fragt Gertrud, die am liebsten alles über Mila wissen möchte. Eins ist ihr klar, wo Mila herkommt, da leben Tiere. „Na aus Simbawowa. Woher denn auch sonst?
, antwortet Mila, als wäre das ganz selbstverständlich.
„Klar. Woher denn auch sonst?", schmunzelt Jens leise.
Simbawowa muss weit weg sein, denken sich die beiden Geschwister. „Kommt James auch aus Simbawowa?, fragt Gertrud weiter. „Ja. Mein Papa hat ihn mir dort geschenkt, als ich noch klein war
, antwortet Mila.
Es wird kurz still in der Küche. Jens und Gertrud denken an ihren Papa und an die Mama. Papa muss mittlerweile von der Kanzlei nach Hause gekommen sein. Ob die beiden sich Sorgen machen, fragen sich Gertrud und Jens? Der Gedanke wird unterbrochen, weil Mila auch Fragen hat:
„Wo sind eure Eltern? Im Restaurant?"
„Nein", stottert Jens. Er zögert, spricht dann aber weiter.
„Wir sind von zu Hause abgehauen." Er ist froh, dass es nun aus ihm heraus gekommen ist. Es fühlte sich wie ein Geheimnis an, dass die beiden jungen Geschwister nur schwer tragen konnten. Aber jetzt ist es endlich raus.
„Warum seid ihr abgehauen? So schlimm seid ihr doch gar nicht", sagt Mila humorvoll.
„Unsere Eltern haben uns nicht mehr lieb", antwortet Gertrud traurig. Jens schaut mitleidig seine jüngere Schwester an. „Das glaube
