Kreativ und mutig: Der Weg zum eigenen Buch trotz psychischer Belastungen
Von Susanne Konrad
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Über dieses E-Book
Vielleicht haben Sie das Schreiben auch erst spät für sich entdeckt – eine persönliche Offenbarung, doch zu Ende bringen und veröffentlichen konnten Sie Ihre Werke noch nicht?
Der Weg zum eigenen Buch kann gerade bei psychischen Belastungen steinig werden. Hier bietet der Blick von innen eine Chance für neue Perspektiven und hilft, Erfahrungen mit dem Schreiben und Veröffentlichen besser einordnen zu können.
Die Autorin Susanne Konrad motiviert in diesem Schreibratgeber Menschen mit psychischen Belastungen und gibt ihnen das nötige Hintergrundwissen an die Hand, damit der Schritt aus der Ecke der Minderheitenliteratur erfolgreich gelingt.
Susanne Konrad
Dr. Susanne Konrad liebt ihre Wahlheimat Frankfurt am Main, wo sie mit ihrer Familie zu Hause ist. 1995 promovierte sie über Goethes „Wahlverwandtschaften“. Ihren ersten Schreibratgeber „Emotionen – Gefühle literarisch wirkungsvoll einsetzen“ veröffentlichte sie 2007. Schwerpunkte ihrer schriftstellerischen Arbeit sind Texte zu den Themen Liebe und Älterwerden, Heimat und Migration, Diversität, Inklusion und seelische Gesundheit. Susanne Konrad leitet seit vielen Jahren Schreibwerkstätten, in deren Mittelpunkt praktische Schreibanregungen stehen.
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Buchvorschau
Kreativ und mutig - Susanne Konrad
Susanne Konrad
kreativ
und
mutig
Der Weg zum eigenen Buch trotz
psychischer Belastungen
E-Book, erschienen 2022
ISBN: 978-3-95949-549-3
1. Auflage
Copyright © 2022 ANTHEUM Verlag,
Eutiner Straße 24,
18109 Rostock
www.main-verlag.de
www.facebook.com/MAIN.Verlag
order@main-verlag.de
Text © Susanne Konrad
Umschlaggestaltung: © Marta Jakubowska, ANTHEUM Verlag
Umschlagmotiv: © shutterstock 1770422537
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Das Buch
Wollten Sie schon immer Bücher schreiben, aber man hat Ihnen geraten, einen »soliden« Beruf zu ergreifen? Oder man hat Ihnen gesagt, dass Ihr Talent nicht ausreicht, und damit Ihr Selbstbewusstsein geschwächt?
Vielleicht haben Sie das Schreiben auch erst spät für sich entdeckt – eine persönliche Offenbarung, doch zu Ende bringen und veröffentlichen konnten Sie Ihre Werke noch nicht?
Der Weg zum eigenen Buch kann gerade bei psychischen Belastungen steinig werden. Hier bietet der Blick von innen eine Chance für neue Perspektiven und hilft, Erfahrungen mit dem Schreiben und Veröffentlichen besser einordnen zu können.
Die Autorin Susanne Konrad motiviert in diesem Schreibratgeber Menschen mit psychischen Belastungen und gibt ihnen das nötige Hintergrundwissen an die Hand, damit der Schritt aus der Ecke der Minderheitenliteratur erfolgreich gelingt.
Inhalt
Zur Einstimmung
S c h r e i b e n
1. Literarische Produktivität
1.1. Bloß keine »Betroffenheitsliteratur« schreiben
1.2. Themen und Stoffe ausloten
1.3. Literarische Distanz gewinnen
1.4. Beim Lesepublikum Gefühle auslösen
2. Die heilende Kraft des Schreibens
2.1. Wie Sie Ihre Texte schreiben
2.2. Traumatische Stoffe literarisch erfolgreich verarbeiten
V e r ö f f e n t l i c h e n
3. Erfolgreich veröffentlichen
3.1. Was Verlage und Agenturen erwarten
3.2. Wie ich einen Verlag finde
3.3. Spielregeln einhalten – Fehler vermeiden
3.4. Was tun, damit mein Buch gelesen wird?
3.5. Soll ich mich outen?
4. Trotz Hindernissen kreativ bleiben
4.1. »Barrieren« im Literaturbetrieb
4.2. Veröffentlichen mit Ängsten und Depressionen
4.3. Mit dem Erfolgsdruck umgehen
4.4. Mehr Inklusion im Literaturbetrieb– Wünsche an die Entscheider*innen
L i t e r a r i s c h e V a r i a t i o n e n
5. Psychische Krankheit in der erzählenden Literatur
5.1. Die Außenperspektive
5.2. Die empathische Innenperspektive
5.3. Die Innenperspektive aus Betroffenensicht
5.4. Neue Minderheitenliteraturen im Aufwind?
Service
Verwendete Literatur
Vita
Zur Einstimmung
Wollten Sie schon immer Schriftsteller*in werden? Aber man hat Ihnen das ausgeredet und Ihnen einen »soliden« Beruf empfohlen? Oder man hat Ihnen gesagt, dass Ihr Talent nicht ausreicht und damit Ihr Selbstbewusstsein geschwächt? Solche Aussagen können krank machen, und wenn man statt auf der Lesebühne in der Psychiatrie landet, schmälert dies das Selbstwertgefühl noch mehr.
Oder wollten Sie gar nicht Literat*in werden und haben das Schreiben erst spät für sich entdeckt? Dann war das vielleicht wie eine Offenbarung, aber Sie wurden enttäuscht, weil es keine geeigneten Veröffentlichungsmöglichkeiten für Ihre Werke gab.
Wir alle, die wir eine psychische Krankheit erlebt haben oder diese dauerhaft als Behinderung wahrnehmen, haben bestimmt schon mal in therapeutischen Zusammenhängen geschrieben oder gemalt. Dabei haben wir vielleicht auch festgestellt, wie weit der Weg zu einer echten Veröffentlichung ist und wie weit die Integration in den Literaturbetrieb entfernt scheint. Ich sage »Integration« und nicht »Inklusion«, weil es nicht nur für Behinderte schwierig ist, die Einbeziehung in das Kulturgeschehen mit all den Beziehungen und Verflechtungen, die man kennen muss, und mit all den Akzeptanzen, die man erfahren muss, zu erlangen.
Sollten Sie keine ernsthafte psychische Erkrankung haben und sich »einfach so« als am Rande des kulturellen Geschehens stehend empfinden, können Sie diesen Ratgeber gerne mitlesen. Aber wenn Sie wirklich mit schweren seelischen Krisen und Krankheiten leben, wird Ihre Einbeziehung in die literarische Szene noch um einiges schwieriger sein, weil Sie zum einen auf Vorurteile stoßen und zum anderen in Ihrem Aktionsradius manchmal wirklich eingeschränkt sind.
Gerade unter Menschen mit psychischen Belastungen und mit Psychiatrieerfahrung gibt es viele mit künstlerischen Ambitionen.
In der Ergotherapie und anderen behüteten Selbsterfahrungsforen wird auch kreatives Schreiben angeboten, aber alles bleibt auf den engen Rahmen der Selbstreflexion beschränkt. Echte Anerkennung in der Literaturszene zu finden, ist für uns besonders schwierig. In Selbsthilfegruppen dürfen wir uns präsentieren, aber die Türen zum etablierten Literaturbetrieb bleiben oftmals verschlossen.
Woran liegt das?
Dieser Frage wollen wir in unserem kleinen Ratgeber nachgehen und Ihnen Wege aufzeigen, wie Sie als Autor*in aus der Nische herauskommen.
S c h r e i b e n
1. Literarische Produktivität
1.1. Bloß keine »Betroffenheitsliteratur« schreiben
Bei Betroffenheitsliteratur handelt es sich um einen Begriff mit negativer Konnotation.
Gemeint sind Texte, in denen persönliche Erlebnisse und traumatische Erfahrungen bearbeitet werden, dies aber in einer Weise, dass das Beschriebene so unverarbeitet ist, dass der Text nur für die Verfasser*innen, nicht aber für die Leser*innen von Belang ist. Zumindest nicht für die Menschen, die ein eher allgemeines Interesse haben und nicht von eben demselben Problem »betroffen« sind. Es fehlt die übergeordnete Relevanz, die einem Text Bedeutung gibt.
Als ich mir beispielsweise das Rauchen abgewöhnte, war dies keine leichte Angelegenheit. Hilfe und Rat fand ich unter anderem auf einer Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Hier konnte ich ein Profil mit fremdem Nicknamen anlegen, die Beiträge anderer lesen und von meinem eigenen Ringen gegen die Mangelerscheinungen des Verzichts berichten. Die kurzen Texte, die ich dabei schrieb, standen zutiefst im Kontext der konkreten Problematik und waren sehr persönlich. Ich habe sie außerhalb dieses Forums nirgendwo gezeigt.
Auch psychische Krisen und Krankheiten sind sehr privat. Es gelingt nur wenigen, diese so zu literarisieren, dass ein poetisches Werk von größerer Reichweite entsteht. Der neuseeländischen Schriftstellerin Janet Frame (1924 – 2004) ist das gelungen. Darauf werde ich später eingehen.
Dorothea Buck (1917 – 2019) ist ein weiteres Beispiel dafür. Auf sie möchte ich direkt Bezug nehmen.
1936 erkrankte Dorothea Buck mit 19 Jahren an einer Psychose und wurde mit der Diagnose »Schizophrenie« in die Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel eingewiesen. Aufgrund des Gesetzes zur »Verhütung erbkranken Nachwuchses« wurde sie zwangssterilisiert, was ihr eine Familiengründung unmöglich machte. Während der Kriegsjahre erlernte sie das Töpferhandwerk und wurde an der Städel-Kunsthochschule in Frankfurt am Main aufgenommen – wobei sie ihre Psychiatrieerfahrung verschwieg. 1943 erlebte sie bei einem weiteren Psychiatrieaufenthalt, wie Mitpatient*innen und andere Betroffene im Rahmen der Euthanasieprogramme umgebracht wurden. Dorothea Buck begann nach dem Krieg als Bildhauerin zu arbeiten. Von 1969 bis 1982 unterrichtete sie an der Fachschule für Sozialpädagogik in Hamburg Kunst und Werken.
Nicht ihre Psychose als solche, sondern die menschenunwürdige Behandlung in den Psychiatrien hat zu traumatischen Erlebnissen geführt, die sie erst viel später in ihrer Autobiografie verarbeiten konnte. Zunächst setzte sie sich ab 1989 gemeinsam mit dem Psychologen Thomas Bock für den Trialog zwischen Psychiatrietätigen, Angehörigen und Betroffenen ein.
Ihre Autobiografie »Auf der Spur des Morgensterns« erschien 1990 unter dem Pseudonym »Sophie Zerchin« (einem Anagramm von »Schizophrenie«) im Anne-Fischer-Verlag, Norderstedt. Erst ein knappes Jahrzehnt später, als sie Vorsitzende des Bundesverbands Psychiatrie Erfahrener (BPE e.V.) war, wurde ihr Buch unter ihrem richtigen Namen neu aufgelegt.
Den BPE hatte sie 1992 mit weiteren Aktivist*innen gegründet, die sich wie sie für mehr Mitspracherechte, weniger Bevormundung, rücksichtsvollere Behandlung und bessere Teilhabe von Menschen mit psychischer Beeinträchtigung am gesellschaftlichen Leben einsetzten.
In diesem Zusammenhang habe ich 1999 die damals 82-jährige, äußerlich zierliche, aber sehr dynamische und agile Frau kennengelernt. Sie war ein lebendiger Hoffnungsträger für alle, die von ihren Psychosen und Depressionen gebeutelt waren.
1996
