Nie wieder Krieg: gleichheit 2,3/2016
Von MEHRING Verlag
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Über dieses E-Book
Krieg« und zeigt auf dem Cover eine demonstrierende Frau,
die mit mahnender Geste entschlossen für den Kampf gegen
Krieg eintritt. Das berühmte Plakat hat die Künstlerin Käthe
Kollwitz 1924 für den Mitteldeutschen Jugendtag der Sozialistischen
Arbeiterbewegung entworfen.
Kollwitz war keine Marxistin, aber ihr Appell ist von
brennender Aktualität. Die Reden, die führende Vertreter
des Internationalen Komitees der Vierten Internationale
am 1. Mai 2016 auf der internationalen Online-Kundgebung
des IKVI gehalten haben und die einen großen Teil dieser
Ausgabe bilden, verdeutlichen, wie groß die Gefahr eines
Dritten Weltkriegs ist.
25 Jahre nach der Auflösung der Sowjetunion ist die Welt
ein Pulverfass. Die Europäische Union befindet sich nicht
erst seit dem Brexit-Referendum in einer tiefen Krise und
bricht rasch auseinander. Weite Teile des Nahen und Mittleren
Ostens und Nordafrikas wurden durch die Interventionen
der europäischen Mächte und der USA in Schutt und Asche
gelegt. In Osteuropa organisiert die NATO einen gigantischen
Militäraufmarsch gegen die Atommacht Russland. In
Afrika findet ein neuer Wettlauf der imperialistischen Mächte
um Rohstoffe und Einflusssphären statt. Und in Asien bereiten
sich die USA unter dem Schlagwort »Pivot to Asia« auf
einen Krieg gegen China vor.
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Buchvorschau
Nie wieder Krieg - MEHRING Verlag
Editorial: Nie wieder Krieg!
Liebe Leserinnen und Leser,
die neue Ausgabe der gleichheit trägt den Titel »Nie wieder Krieg« und zeigt auf dem Cover eine demonstrierende Frau, die mit mahnender Geste entschlossen für den Kampf gegen Krieg eintritt. Das berühmte Plakat hat die Künstlerin Käthe Kollwitz 1924 für den Mitteldeutschen Jugendtag der Sozialistischen Arbeiterbewegung entworfen.
Kollwitz war keine Marxistin, aber ihr Appell ist von brennender Aktualität. Die Reden, die führende Vertreter des Internationalen Komitees der Vierten Internationale am 1. Mai 2016 auf der internationalen Online-Kundgebung des IKVI gehalten haben und die einen großen Teil dieser Ausgabe bilden, verdeutlichen, wie groß die Gefahr eines Dritten Weltkriegs ist.
25 Jahre nach der Auflösung der Sowjetunion ist die Welt ein Pulverfass. Die Europäische Union befindet sich nicht erst seit dem Brexit-Referendum in einer tiefen Krise und bricht rasch auseinander. Weite Teile des Nahen und Mittleren Ostens und Nordafrikas wurden durch die Interventionen der europäischen Mächte und der USA in Schutt und Asche gelegt. In Osteuropa organisiert die NATO einen gigantischen Militäraufmarsch gegen die Atommacht Russland. In Afrika findet ein neuer Wettlauf der imperialistischen Mächte um Rohstoffe und Einflusssphären statt. Und in Asien bereiten sich die USA unter dem Schlagwort »Pivot to Asia« auf einen Krieg gegen China vor.
Die Stärke der hier veröffentlichten Analysen liegt vor allem darin, dass sie die Ursachen und Gründe der Kriegsentwicklung aufzeigen und eine Perspektive für den Kampf gegen Krieg geben. In einem Beitrag heißt es: »Das Programm für einen solchen Kampf muss antikapitalistisch und sozialistisch sein. Krieg kann nicht verhindert werden, ohne das Wirtschaftssystem – den Kapitalismus – abzuschaffen, das ihn hervorbringt. Und schließlich muss der Kampf gegen Krieg auf internationaler Ebene geführt werden.«
Das IKVI betont dabei seit langem, dass der Aufbau einer internationalen Antikriegsbewegung einen systematischen politischen und theoretischen Kampf gegen pseudolinke Parteien und Gruppierungen erfordert. Ein Höhepunkt zu diesem Thema ist das Interview mit David North, dem Chefredakteur der World Socialist Web Site. Peter Schwarz zeigt in seiner Besprechung von Sahra Wagenknechts neuem Buch »Reichtum statt Gier«, welche extrem nationalistischen und pro-kapitalistischen Positionen Parteien wie Die Linke in Deutschland oder Syriza in Griechenland mittlerweile vertreten.
»Eine neue revolutionäre Bewegung gegen Krieg, ist nicht nur nötig, sie ist auch möglich«, heißt es im Wahlaufruf der Partei für Soziale Gleichheit (PSG) für die Berliner Abgeordnetenhauswahl. Wir veröffentlichen ihn zusammen mit Erklärungen unserer amerikanischen und britischen Genossen, die mit eigenen Kandidaten zu den Präsidentschaftswahlen in den USA antreten und im EU-Referendum in Großbritannien zu einem »aktiven Boykott« aufriefen.
Weltweit kämpfen das IKVI und seine Sektionen dafür, der wachsenden Opposition gegen Sozialabbau und Krieg eine unabhängige politische Perspektive zu geben. Wir rufen all unsere Leser dazu auf, die Analysen und Artikel der neuen gleichheit genau zu studieren, und diesen Kampf nach Kräften zu unterstützen!
Die Redaktion
Inhalt
Editorial
Editorial: Nie wieder Krieg
May Day 2016
May Day 2016
Einleitung von David North, Chefredakteur der World Socialist Web Site und Vorsitzender der Socialist Equality Party in den USA
Die politischen Aufgaben der arbeitenden Bevölkerung auf dem indischen Subkontinent
Von Wije Dias – Generalsekretär der Socialist Equality Party (Sri Lanka)
Kriegsverherrlichung und Kriegsvorbereitung
Von Cheryl Crisp, stellvertretende Nationale Sekretärin der Socialist Equality Party (Australien)
Tretet den Kriegsvorbereitungen im Pazifik entgegen
Von James Cogan, Nationaler Sekretär der Socialist Equality Party (Australien)
Der Konflikt zwischen den USA und China und die politische Krise in Lateinamerika
Von Bill Van Auken, WSWS-Redakteur für Lateinamerika
Wieder erhebt der deutsche Militarismus sein Haupt
Von Ulrich Rippert, Vorsitzender der Partei für Soziale Gleichheit
Die Krise der Europäischen Union und die Kriegsgefahr
Von Peter Schwarz, Sekretär des Internationalen Komitees der Vierten Internationale
Die Flüchtlingskrise und das Zeitalter des ununterbrochenen Kriegs
Von Julie Hyland, stellvertretende Nationale Sekretärin der Socialist Equality Party (Großbritannien)
Das Brexit-Referendum und der Kampf gegen Nationalismus und Krieg
Von Chris Marsden, Nationaler Sekretär der Socialist Equality Party (Großbritannien)
Krieg und die amerikanischen Präsidentschaftswahlen
Von Jerry White, Präsidentschaftskandidat der Socialist Equality Party (USA)
Die internationale Arbeiterklasse ist eine enorme soziale Kraft
Von Joseph Kishore, nationaler Sekretär der Socialist Equality Party (Vereinigte Staaten)
Der 1. Mai 2016 und die Zukunft des Sozialismus
Von Joseph Kishore – 5. Mai 2016
Marxismus und die Pseudolinke
Marxismus und die Pseudolinke
David North im Gespräch auf der Leipziger Buchmesse – 1. April 2016
Ein Vermerk über demoralisierte Opportunisten
Von David North – 21. April 2016
Warum werden Russland und China »imperialistisch« genannt?
Eine Fallstudie über theoretische Betrügerei
Von Johannes Stern – 15. April 2016
Wie Marx21, die SAV und RIO die Rechtswende der Linkspartei rechtfertigen
Von Johannes Stern und Peter Schwarz – 14. Mai 2016
Sahra Wagenknechts Plädoyer für Nationalismus und Marktwirtschaft
Von Peter Schwarz – 24. März 2016
Wissenschaft und Kriegspropaganda
Cem Özdemir konfrontiert Jörg Baberowski mit dessen menschenverachtenden Forderungen
Von Christoph Vandreier und Peter Schwarz – 31. Mai 2016
»Berliner Korrespondenzen«: Humboldt-Universität im Dienste des Militarismus
Von Johannes Stern – 18. Juni 2016
Vierte Internationale
Für einen aktiven Boykott des Brexit-Referendums!
Erklärung der britischen Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale
(Socialist Equality Party) – 5. März 2016
Der Weg vorwärts nach dem Brexit-Referendum
Erklärung der Socialist Equality Party (Großbritannien) – 28. Juni 2016
Socialist Equality Party eröffnet - Kampagne zur Präsidentschaftswahl 2016
Unterstützt White und Niemuth!
29. April 2016
Unterstützt den Wahlkampf der PSG in Berlin!
Stimmt gegen Krieg und Militarismus!
23. April 2016
Geschichte
75 Jahre seit dem Nazi-Überfall auf die Sowjetunion
Von Barry Grey – 22. Juni 2016
Nachruf
David King 1943–2016: Revolutionärer Sozialist, Künstler und Kämpfer für die historische Wahrheit
Von David North – 17. Mai 2016
May Day 2016
Einleitung von David North, Chefredakteur der World Socialist Web Site und Vorsitzender der Socialist Equality Party in den USA
Mit der folgenden Rede leitete David North, der Chefredakteur der WSWS und Vorsitzende der Socialist Equality Party in den USA, am 1. Mai 2016 die internationale Online-Maiversammlung des Internationalen Komitees der Vierten Internationale ein.
Leo Trotzki (1921)Leo Trotzki (1921)
Genossen und Freunde,
ich möchte diese Versammlung und die derzeitigen Ereignisse in einen bestimmten historischen Zusammenhang stellen.
Vor 25 Jahren, unmittelbar nach dem ersten Golfkrieg vom Februar/März 1991, veröffentlichte das Internationale Komitee der Vierten Internationale einen Maiaufruf. Darin hieß es:
»Das Nachkriegsgleichgewicht des Imperialismus, das die politische Grundlage für die gewaltige weltweite Expansion des Kapitalismus abgegeben hat, ist zusammengebrochen. Es kann nicht auf friedlichem Wege wiederhergestellt werden, denn die Beziehungen zwischen den Bestandteilen des alten Gleichgewichts haben sich alle geändert. Es geht dabei nicht um die subjektiven Wünsche der individuellen Führer der bürgerlichen Staaten, sondern um die objektiven Folgen der ökonomischen und sozialen Widersprüche, die sich ihrer Kontrolle entziehen.
Im Zentrum der Instabilität des Weltimperialismus steht die Krise der Vereinigten Staaten. …
Vor dem Hintergrund der immer schlimmeren sozialen Krise und ihren potentiell revolutionären Folgen bildet das Streben des amerikanischen Imperialismus, seine Vormachtstellung in der Welt zurückzuerlangen, eines der explosivsten Elemente in der Weltpolitik … Die zunehmende Rücksichtslosigkeit und Kriegslüsternheit des amerikanischen Imperialismus stellt letztendlich einen Versuch dar, seinen wirtschaftlichen Verfall aufzuhalten und umzukehren durch den Einsatz militärischer Macht – dem einzigen Bereich, in dem die Vereinigten Staaten nach wie vor die unbestrittene Vormachtstellung innehaben.«
Mit dieser Analyse der tieferen historischen Bedeutung des Kriegs stand das Internationale Komitee im Gegensatz zur landläufigen Auffassung jener Zeit. Die Medien und selbstredend auch die akademischen Experten für internationale Beziehungen übernahmen damals unbesehen die Behauptungen der US-Regierung, dass der Einmarsch im Irak die rechtmäßige, notwendige Reaktion auf die Annexion Kuwaits sei, die Saddam Hussein im August 1990 völkerrechtswidrig vorgenommen habe.
Die objektiven Erfahrungen der vergangenen 25 Jahre haben die Analyse des Internationalen Komitees bestätigt. Der Einmarsch im Irak war der Auftakt zu einer ununterbrochenen Serie von Kriegen, die nunmehr seit 25 Jahren andauern. Dem ersten Krieg gegen den Irak folgten in den 1990ern die Invasionen der USA in Haiti und Somalia. Gegen den Sudan wurden Marschflugkörper in Stellung gebracht. Der Irak wurde unter verschiedenen Vorwänden bombardiert.
Die 1990er Jahre endeten mit einem Krieg gegen Serbien, in dem das kleine Land unter Führung der USA 78 Tage lang mit Bomben übersät wurde. Der Krieg wurde – mit dem nahezu einhelligen Einverständnis der grenzenlos leichtgläubigen Professorenschaft – als humanitäre Antwort auf »ethnische Säuberungen« gerechtfertigt. Als Serbien im Juni 1999 die von der NATO diktierten Bedingungen akzeptierte, war Jugoslawien endgültig in sieben hoch verschuldete Staaten aufgespalten, die vom amerikanischen und europäischen Imperialismus beherrscht wurden.
Heute ist klar, dass die militärischen Operationen der 1990er Jahre das erste Grollen waren, das den Ausbruch imperialistischer Gewalt nach den Ereignissen vom 11. September 2001 ankündigte. Der 15. Jahrestag des nicht enden wollenden »Kriegs gegen den Terror« rückt näher. Was ist die politische und moralische Bilanz der letzten 15 Jahre? Die Vereinigten Staaten haben Kriege geführt gegen den Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien und Jemen. Die Gesamtzahl der Toten und Verwundeten in diesen Ländern geht in die Millionen.
Die Führer des amerikanischen Imperialismus haben sich des Soziozid schuldig gemacht – der verbrecherischen Zerstörung ganzer Gesellschaften. Man fragt sich: Werden sich die Länder, die Opfer des US-Imperialismus wurden, jemals wieder erholen? In den letzten 15 Jahren haben Ausdrücke wie »Überstellung«, »Waterboarding«, »Drohnenangriffe« und »gezielte Tötung« Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden.
Im Weißen Haus, in dem einst Präsident Abraham Lincoln die Emanzipationserklärung verfasste, trifft sich der heutige Hausherr jede Woche mit seinen Beratern, um die »Kill-Liste« abzusprechen. Lincoln setzte damals seine Unterschrift unter ein Schriftstück, mit dem die Sklaverei abgeschafft wurde. Barack Obama unterzeichnet jede Woche Anordnungen zu außergerichtlichen Hinrichtungen, mit denen Recht und Gesetz abgeschafft werden. Die Ironie will es, dass sowohl Lincoln als auch Obama ausgebildete Juristen waren. Der Gegensatz ihrer Einstellungen zu den Grundsätzen der Verfassung und zum Wert des menschlichen Lebens widerspiegelt die historische Entwicklung des amerikanischen Staates von demokratischer Blüte zu imperialistischer Verkommenheit.
Das Vierteljahrhundert Krieg nahm die Form einer Reihe regionaler Interventionen im Nahen Osten, auf dem Balkan und in Zentralasien an. Die Strategen des US-Imperialismus bildeten sich ein, dass sie mit ihrer überwältigenden Militärmacht die »neue Weltordnung«, die der erste Präsident Bush 1991 ausgerufen hatte, problemlos herstellen könnten. Mit der Auflösung Sowjetunion war, so dachten sie, das einzige nennenswerte Hindernis für die unanfechtbare Hegemonie des US-Imperialismus verschwunden. »Gewalt funktioniert«, frohlockte das Wall Street Journal nach dem ersten Krieg im Persischen Golf.
Doch der Weg zur Weltherrschaft war mit unerwarteten Schwierigkeiten gepflastert. Die Invasionen in Afghanistan und dem Irak verliefen zwar zunächst militärisch erfolgreich, riefen aber zunehmenden Widerstand hervor. In beiden Ländern stecken die USA in einem Sumpf, aus dem sie nicht mehr herauskommen.
Doch ein Rückzug kommt für den amerikanischen Imperialismus nicht in Betracht. Starke objektive Kräfte und Interessen treiben die USA in immer größere und riskantere militärische Eskalationen. Der wichtigste Faktor ist die Wirtschaftskrise, die sich insbesondere seit dem Finanzcrash 2008 vertieft hat. Darüber hinaus hat sich die geopolitische Lage für die USA zusehends verschlechtert.
Das rasche Heranwachsen Chinas zu einer wirtschaftlichen und militärischen Macht stellt in den Augen der USA eine erhebliche Gefahr für ihre globale Vormachtstellung dar. Die Strategen in Washington sehen in China nicht nur eine direkte Bedrohung ihrer Vormachtstellung in der asiatisch-pazifischen Region. Sie fürchten auch, dass es China durch den Ausbau seiner wirtschaftlichen Beziehungen mit den langjährigen, aber unzuverlässigen Verbündeten der USA in Europa gelingen könnte, die wirtschaftlichen und militärischen Kräfteverhältnisse auf der Welt zu Ungunsten der USA zu verändern.
Der sogenannte »Pivot to Asia«, auf den unsere Genossen aus Sri Lanka und Australien noch eingehen werden, soll den zunehmenden Einfluss Chinas im asiatisch-pazifischen Raum zurückdrängen und, wenn nötig, China vom Zugang zu den Seewegen durch den Pazifik und den Indischen Ozean abschneiden, die für seine Wirtschaft lebensnotwendig sind. Dies ist der Grund für die wachsenden Spannungen im Südchinesischen Meer.
Allerdings reicht dieser »Pivot« nicht aus, um die globale Hegemonie Amerikas zu gewährleisten. Nach Ansicht eines bedeutenden Teils der Pentagon- und CIA-Strategen reicht die Kontrolle über den asiatisch-pazifischen Raum und den Indischen Ozean nicht aus, um China strategisch zu isolieren. Die USA müssen auch Eurasien dominieren, das in den Lehrbüchern der internationalen Geopolitik als »Weltinsel« bezeichnet wird. Dieses strategische Ziel ist der Hintergrund für die zunehmenden Konflikte zwischen den USA und Russland.
Die internationalen Beziehungen sind von Spannungen geprägt, die ebenso stark, wenn nicht noch stärker sind als am Vorabend des Zweiten Weltkriegs in den späten 1930er Jahren. Alle großen imperialistischen Mächte –einschließlich Deutschland und Japan – rüsten auf und verstärken ihre militärische Präsenz. Es herrscht Einvernehmen darüber, dass bei einem Konflikt zwischen den USA, China und Russland auch Atomwaffen eingesetzt werden könnten. Es wäre ein schwerer Fehler, zu glauben, dass die politischen und militärischen Führer der imperialistischen Mächte oder ihre verängstigten Gegner in Peking und Moskau vor den verheerenden Folgen eines Atomkriegs zurückschrecken würden.
Ein imperialistischer Think-Tank warnte kürzlich: »Man darf nicht erwarten, dass sich Menschen rational verhalten, noch nicht einmal nach ihren
