Die Bhaktisūtras des Nārada: Aus dem Sanskrit übersetzt und kommentiert
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Über dieses E-Book
Die 84 Bhaktisūtras sind Leitfäden zum Yoga der liebevollen Hingabe. Mit diesem Buch liegt eine völlig neue Übersetzung aus dem Sanskrit vor, die viele Missverständnisse beseitigt und den philosophischen und religiösen Kontexts innerhalb der hinduistischen Tradition erklärt. Die liebevolle Hingabe als Lebensprinzip wird dem modernen Menschen zugänglich gemacht - auch losgelöst von rein religiösen Konzepten. Der Kommentar ist mit Humor durchsetzt, was nicht nur die Lektüre erleichtert, sondern den Leser auch spielerisch zu einem Verständnis und Gespür für Bhakti führt, sowie zu der Erkenntnis, dass sie eine Alternative zum modernen entfremdeten Dasein darstellt. Sie integriert den Menschen wieder in die Natur und die Ge-sellschaft, aus der er herausgefallen ist. Bhakti kann die tiefen Gräben schließen, die uns alle ängstlich getrennt haben, löst soziale Distanz auf und erweckt uns zu unserem ursprünglichen natürlichen und menschlichen Miteinander. Die vorliegende ausführlich kommentierte Übersetzung der Sūtras zeigt uns einen Weg zu diesen lebenswichtigen Transformationen.
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Rezensionen für Die Bhaktisūtras des Nārada
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Buchvorschau
Die Bhaktisūtras des Nārada - Hans-Georg Türstig
Einleitung
Wer war oder ist Nārada? Nārada war einer der zehn Prajāpatis, der zehn aus dem Geist des Schöpfergottes Brahmā erzeugten Söhne (mānasa-putra).¹ Sieben von ihnen gelten als die saptaṚṢi, die sieben ṚṢis, Seher oder Weisen, die außerdem auch das Sternbild des Großen Wagens, ursa major, darstellen.
Obwohl Nārada in der Regel als devaṚṢi, göttlicher Seher, bezeichnet wird, ist er doch nicht einer dieser sieben ṚṢis. Ist deswegen, weil er als nitya-siddha, als ewiger siddha, unsterblich ist. Was ist ein siddha? Ganz allgemein gesagt, ein vollendeter Mensch, ein Übermensch, ein Erleuchteter, einer, der siddhis oder übernatürliche Kräfte besitzt.²
Nārada hat angeblich auch die VīṆā erfunden, eine Art Laute. Aus dieser VīṆā gingen dann später Instrumente wie die Sarod oder Sitar hervor. Diese Verbindung zur Musik hat ihn auch im Cyberspace aufleben lassen, zum Beispiel hier:
http://www.narada.org (Home of Classical Carnatic Music and Bhakti Pages).
Nārada ist aber auch sonst im Cyberspace gegenwärtig. Hier einige Beispiele:
http://www.tirumala.org/opage2.html
http://www.freeindia.org/biographies/sages/narada/index.htm
http://www.hindunet.org/god/devatas/narad/index.htm
Besonders berühmt ist Nārada allerdings nicht deswegen, sondern wegen seiner Vermittlerrolle zwischen Göttern und Menschen.
Nārada soll außer den bhaktisūtras auch einige Hymnen des Ṛgveda verfasst haben sowie einen Gesetzestext mit dem Titel nāradīya-dharma-śāstra. Er wird außerdem häufig in den purāṆas erwähnt, den alten Legenden über die Götter.
Das vorliegende Buch befasst sich mit seinen bhaktisūtras, 84 sūtras oder Aphorismen zum Thema „liebevolle Hingabe" (bhakti). Wann Nārada diese sūtras verfasst hat, weiß niemand mehr so genau. Die sūtras habe ich ins Deutsche übersetzt und mit einem kritisch-ironischen Kommentar versehen. Dabei geht es nicht darum, eine ganz bestimmte Lehre zu vermitteln, sondern diese bhaktisūtras auszuloten, sie von verschiedenen Richtungen aus zu beleuchten und die in ihnen enthaltenen oder angedeuteten Ansichten herauszuarbeiten, in Frage zu stellen und für unsere Zeit aufzubereiten. Im Verlaufe dieser Bemühungen werden Widersprüche auftauchen, die aber nicht unbedingt beseitigt sein wollen. Widersprüche sind ja ein ganz natürlicher Teil des Daseins. Schließlich oder vorrangig soll das Lesen auch Freude machen. Ich werde auf Aspekte von Lehren und Anschauungen hinweisen, die im allgemeinen bewusst oder unbewusst vernachlässigt werden, und auch wenn man manchmal das Gefühl hat, man sei an die Grenzen unseres Denkbaren gestoßen, so hat man gerade dann die Gelegenheit, diese Grenzen zu überschreiten.
Ein Beispiel ist der furchtbare Krieg, der in dem altindischen Epos Mahābhārata beschrieben wurde und vor etwa 5000 Jahren wütete. Vielfach wird dieser Krieg als Symbol für innerseelische Kämpfe um Befreiung verstanden, die nach wie vor in hohem Ansehen stehen (und wohl verwandt sind mit dem „gerechten Krieg). Wollen wir aber wirklich einen so entsetzlichen Krieg als Symbol oder Paradigma für die Bemühung um Frieden und Freiheit zulassen? Da lauern zwei Gefahren. Zum einen werden die furchtbaren Gräueltaten dieses und jeden Krieges verniedlicht, ignoriert oder ins Symbolhafte verdrängt, was es einem leichter macht, gegenwärtiges Kriegsgeschehen oder Gewaltanwendung als „Kommunikationsmittel
zu akzeptieren. Zum anderen verführt es einen dazu, die innerseelische Entwicklung als Kampf oder Krieg zu verstehen und zu erleben. Da ist von inneren Feinden die Rede, die man mit allen Mitteln bekämpfen und besiegen muss. Ist Krieg aber wirklich ein sinnvolles Modell für Evolution, für die Verwirklichung von Frieden und Freiheit, das wir heute noch akzeptieren wollen? Natürlich gibt es immer auch eine so genannte praktische Seite.
Viele bereichern sich an materiellen Kriegen, und viele – nicht nur manche Gurus – schlagen aus den inneren Kämpfen der Menschen Profit. Und wer ist schon gefeit gegen Meister, die uns versprechen, mit uns gemeinsam den Krieg gegen all das führen, all das im Kampf zu besiegen, was wir an uns nicht mögen? Beispielsweise Krieg zu führen gegen unsere Negativitäten ebenso wie gegen unsere Sinnesfreuden, und das passt natürlich gut zu unserer christlich schuldigen Seele, zur protestantischen Arbeitsmoral und zu den Kreuzzügen. Klingt das aber nicht doch zu sehr nach Mittelalter?
Wir feiern KṚṢṆa und Arjuna, die siegreichen Kriegshelden des Mahābhārata. Wir verehren die Göttin Durgā, die die Dämonen tötet. Und wir hören die wirklich wunderbare Lehre, alles sei Bewusstsein, das Absolute, brahman. Was also hat es mit diesem Krieg, diesen Dämonen auf sich? Bewusstsein tötet Bewusstsein?! Alles ist eine Illusion, heißt es so schön. Aber ist die Illusion des Krieges „wirklicher als die Illusion des Friedens? Könnten wir möglicherweise mit unseren so genannten inneren Feinden und mit den angeblich so furchtbaren Dämonen in Frieden leben? Könnten vielleicht sogar unsere inneren Feinde zu unseren inneren Freunden werden? Und außerdem: Wer kämpft da gegen wen? Sind unsere Dämonen nicht Teil von uns, von uns nicht verschieden? Sind wir nicht selber unsere Feinde oder Freunde? „Ich
soll gegen „meinen Stolz" kämpfen, gegen meinen Schatten? Ist das nicht tatsächlich ebenso so grotesk wie ein Schattengefecht? Könnten wir uns nicht doch endlich voll und ganz in unserem Menschsein – als Menschen eben – akzeptieren und lieben? Unsere Menschlichkeit ganz nüchtern und realistisch begreifen und bejahen? Ganzheitlich, mit Haut und Haaren, mit Licht und Schatten?
Es geht hier, wie gesagt, immer nur um Denkanstöße, die es uns allen erleichtern, die wunderbare Vielfalt des Bewusstseins zu erleben und zu genießen. Alle Lehren sind schon deshalb fragwürdig, würdig hinterfragt zu werden, weil sie dem menschlichen Geist entspringen – der nun einmal beschränkt ist, schon wegen seiner „Menschlichkeit".
So behaupten wir beispielsweise, Menschen seien wichtiger als Delphine. Aber vergessen wir doch bitte nicht, dass wir Menschen das sagen. Ob die Delphine das auch so sehen, ist zumindest noch eine offene Frage. Auch der Gedanke, Delphine können nicht denken, ist ein menschlicher Gedanke. Und natürlich passt das zu unserem Anthropozentrismus.
Der Mensch gilt ja traditionsgemäß als Krone der Schöpfung und als Mittelpunkt des Universums – und natürlich (?) auch als das Zentrum seiner selbst. Da ist ein „Ich, das wichtiger ist als „seine / ihre
Emotionen. Ich spreche hier nicht von psychischen Krankheiten. Das ist eine ganz andere Geschichte, und darauf soll hier nicht eingegangen werden. Nein, ich spreche hier davon, dass dieses „Ich nicht unbedingt gegen sich selber Krieg führen muss. Wenn ein „Ich
mit bestimmten Emotionen auf Kriegsfuß steht, hat das vielleicht doch weniger mit den Emotionen zu tun als mit dem Ich. Ich spreche hier also nicht von Krankheiten und auch nicht von kriminellen Auswüchsen. Unsere persönliche Freiheit sollte die Freiheit der anderen nicht einschränken, vor allem auch im gesellschaftlichen Rahmen.
Doch nun zur bhakti, zur „liebevollen Hingabe". Sie ist für mich eine außergewöhnliche Bewusstseinsphase, die es uns erlaubt, in Frieden und Freiheit zu leben – ohne vorher kämpfen und Krieg führen zu müssen. Ein bhakta – jemand der liebevolle Hingabe praktiziert, lebt und erlebt – ist ein dezentralisiertes Geschöpf, das nicht nur dem eigenen Egozentrismus entkommen ist, sondern auch dem Anthropozentrismus. Mit anderen Worten: Für bhaktas gibt es in dem Sinne kein Zentrum außerhalb ihres „Zustandes", und dieser kreist ebenfalls nicht um sich selbst. Die liebevolle Hingabe wird zum Selbstzweck, und gerade deswegen spielt es keine Rolle, auf wen oder was diese Liebe gerichtet ist, denn sie ist immer im Sinne einer Spiegelung nur auf sich selbst gerichtet. Das heißt, das Gegenüber, auf das sich unsere Liebe richtet, ist dem Wesen nach diese Liebe selber. Und das sind wir – oder in Anspielung auf eine berühmte Aussage der Upanischaden: tat tvam asi – „das bist du". Es handelt sich also eher um eine Ausrichtung oder Einstellung als um eine mit bestimmten Inhalten gefüllte Lebensführung.
Deshalb besteht auch unter bhaktas verschiedenster Ausprägung eine liebevolle und echte Toleranz, ein Gefühl von Einssein. Die Verschiedenheiten werden nicht negiert, sondern sind wie die Farben des Regenbogens ganz selbstverständlich in dem strahlenden Licht der Liebe enthalten. Wie die Farben sind auch die Unterschiede für die Schönheit und Reichhaltigkeit des Erlebens verantwortlich. Liebe verbindet, Liebe ist Transzendenz, aber nicht als Negierung oder Ablehnung des Diesseits. Diese Liebe wird als gerichtete Emotion gewissermaßen erlernt, indem wir uns jemandem oder etwas liebevoll hingeben. Sie führt aber dann darüber hinaus zur echten Verwirklichung der Liebe. Alles wird liebenswert, liebenswürdig, der Liebe würdig. Und dann ist da nur noch die Liebe, das Bewusstsein von Liebe oder das brahman, das Absolute.
Doch ehe ich mich weiter im Dschungel meiner Gedanken verstricke, schlage ich vor, dass wir uns dem Text zuwenden. Dort ergibt sich ausreichend Gelegenheit, über alles eingehend nachzusinnen. Beim Lesen sollte man daran denken, ab und zu innezuhalten, tief durchzuatmen und alles einsinken zu lassen, ohne sich gezielt über dies oder das Gedanken zu machen. Gelegentlich werde ich dazu auch meditative Übungen und Visualisierungen vorschlagen. Ich wünsche dem Leser viel Freude mit diesem Buch, die Freude, die mit der Liebe identisch ist und die wir dem Wesen nach alle sind: sac-cid-ānanda – das wahre Sein, Bewusstsein und Seligkeit.
1Marīci, Atri, AṄgiras, Pulastya, Pulaha, Kratu, VasiṢṬha, DakṢa, BhṚgu und Nārada . Die sieben erstgenannten gelten als die saptarṢi , die sieben ṚṢis .
2Recht aufschlussreich hierzu ist: Jyotishman Dam, 1998.
Die Bhaktisūtras des Nārada
I. Text und Übersetzung
1. athāto bhaktiṂ vyākhyāsyāmaḤ.
Jetzt also werden wir bhakti erläutern, die liebevolle Hingabe.
2. sā tv-asmin parama-prema-rūpā.
