Über dieses E-Book
Angela Fehr
Angela Fehr ist in Oberschwaben geboren und aufgewachsen, entdeckte ihre Liebe zu München und zog kurzerhand hin. An der Isar lebte sie höchst gern, studierte Politik, Komparatistik und Ethnologie, jobbte im Krankenhaus, zum Wohle der Patienten jedoch in der Anmeldung, schloss ihr Studium ab und wurde vom Schicksal schließlich nach Ulm verschlagen. Seither verbringt sie ihre Zeit mit dem Schreiben über Menschen, Bücher und allerlei mehr. Das Texten für ein Gästehaus in ihrem Geburtsort weckte neues Interesse für die frühere Heimat. Da lag es beinah auf der Hand, der Region eine längere Geschichte zu widmen. So entstand ein Krimi, der in und um Riedlingen spielt.
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Fasnetsmord: Kriminalroman Bewertung: 0 von 5 Sternen0 Bewertungen
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Buchvorschau
Fasnetsmord - Angela Fehr
Zum Buch
Ganz schön narred Als der kleine Riese Goliath einst zum ersten Mal die Augen öffnete, stellte er fest, dass er in Riedlingen gelandet war, an der oberschwäbischen Donau, zwischen Dörfern und Hügeln – jedenfalls nach den Erkenntnissen der Narren im Städtchen, die ihm deshalb jedes Jahr an der Fasnet huldigen. So soll es auch 2016 sein, doch dann wird wenige Tage vor Beginn der Fasnacht der neue Stadthallenpächter Hansjörg Bruhn ermordet aufgefunden. Dabei wird am Fasnetsdienstag, wie seit Jahrzehnten, der Ministerpräsident zum Froschkuttelnessen der Narrenzunft erwartet, und weil im März die Landtagswahl ansteht, will auch der Herausforderer nicht fehlen. Nicht nur Julius Hafner, Redakteur beim Schwäbischen Anzeiger, fragt sich deshalb, ob anders als beim Fohlenmarktmord in den Achtzigerjahren der Mörder gefasst wird. Auch manch anderer macht sich so seine Gedanken und landet dazwischen schon einmal beim Bauernleben, bei Kommunisten, Grünen, Schwarzen und Heiligen. Und für Julius Hafner wird es schließlich sehr ernst.
Angela Fehr ist in Oberschwaben geboren und aufgewachsen, entdeckte ihre Liebe zu München und zog kurzerhand hin. An der Isar lebte sie höchst gern, studierte Politik, Komparatistik und Ethnologie, jobbte im Krankenhaus, zum Wohle der Patienten jedoch in der Anmeldung, schloss ihr Studium ab und wurde vom Schicksal schließlich nach Ulm verschlagen. Seither verbringt sie ihre Zeit mit dem Schreiben über Menschen, Bücher und allerlei mehr. Das Texten für ein Gästehaus in ihrem Geburtsort weckte neues Interesse für die frühere Heimat. Da lag es beinah auf der Hand, der Region eine längere Geschichte zu widmen. So entstand ein Krimi, der in und um Riedlingen spielt.
Impressum
Personen und Handlung sind frei erfunden.
Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen
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Alle Rechte vorbehalten
1. Auflage 2019
Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt
Herstellung: Julia Franze
E-Book: Mirjam Hecht
Umschlaggestaltung: U.O.R.G. Lutz Eberle, Stuttgart
unter Verwendung eines Fotos von: © Andreas Praefcke
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:VSAN_TT_2014_So409.jpg
Druck: CPI books GmbH, Leck
Printed in Germany
ISBN 978-3-8392-5916-0
Widmung
Für meine Patentante
1.
Bernhard Schauerlich hatte vier Gläser Trollinger getrunken. Weil er so gut wie nie Alkohol trank und schon gar nicht am frühen Abend, war er in wundersam heiterer Stimmung, als er nach Hause spazierte. Es war gegen 21 Uhr, er hatte gerade die Sankt-Georgs-Kirche hinter sich gelassen und ging am Kaplaneihaus vorbei, da glaubte er, von drinnen einen grauenvollen Schrei zu vernehmen. Da er zu den Auserwählten gehörte, die für das Gebäude einen Schlüssel besaßen, ging er über den Parkplatz zur Eingangstür.
Im Haus war es dunkel und ruhig. Er machte Licht, doch es schien alles in bester Ordnung zu sein, auch in den oberen Stockwerken. Leise klopfte Schauerlich im Vorbeigehen gegen eine der Türen. »Na, alter Knabe da drinnen«, sagte er, »hast du wohl einen Albtraum gehabt? Schlaf schön weiter. Es ist nicht mehr lange bis Mittwoch, dann musst du aufstehen.« Danach verließ er das Kaplaneihaus wieder, schloss sorgfältig ab und setzte seinen Heimweg fort durch das nächtliche Riedlingen.
Doch nun bin ich mitten ins Geschehen hineingeplatzt. Sie sitzen vielleicht im Bayerischen Wald oder an der Nordseeküste, womöglich sogar in Stuttgart, haben noch nie von Riedlingen gehört und fragen sich obendrein, wer ich eigentlich bin und wovon ich hier berichte. Ich bin also ich, und zu mir gibt es nicht viel zu sagen, außer vielleicht, dass ich manchmal ein kleines bisschen aushole beim Erzählen meiner Geschichte. Das wird Ihnen vermutlich nicht entgehen, sofern Sie sich entscheiden weiterzulesen.
Aber wovon erzähle ich denn nun? Ich erzähle von einem tragischen Geschehen in der kleinen Stadt Riedlingen, die, gebettet in die Hügel Oberschwabens, an der Donau lag, welche hier die Schwarzach aufnahm. Von der Gegend möchte ich behaupten, dass sie schon in der Steinzeit besiedelt war. Sehr viel später kamen die Kelten und schließlich die Römer, die von den Alemannen abgelöst wurden. Mochten die römischen Herrschaften, wenn sie in ihren schönen Häusern dinierten und der Literatur und der Kunst frönten, auch die Nase rümpfen über diese Barbaren, es half ihnen nichts. Letztlich mussten sie von dannen ziehen und die Alemannen setzten sich fest, bepflanzten ihre Felder für den Eigenbedarf, hielten ein paar Tiere und brachten Wodan Bieropfer dar, derweilen die Geschichte ihren Fortgang nahm, die Franken sie schließlich besiegten und in ihr neu entstehendes Herrschaftsgebiet eingliederten. Sie kennen sich da im Detail vielleicht sehr viel besser aus als ich, worauf Sie sich nichts einbilden sollten, es ist nicht allzu schwierig, mein Geschichtswissen zu überbieten. Unser Riedlingen nun tauchte in einer Urkunde aus dem Jahr 835 erstmals auf, als Hruodininga, nach dem Alemannen Hruodin, der sich dort mit seiner Sippe angesiedelt hatte. Zu dieser urkundlichen Erwähnung war das spätere Städtchen gekommen, weil König Ludwig der Deutsche dem Abt von Sankt Gallen und Weißenburg, Grimald, Güterschenkungen seines Vaters Ludwig des Frommen bestätigt hatte, darunter Hruodininga.
Inzwischen wurde aus Riedlingen eine kleine Stadt, zu der die sieben Dörfer Neufra, Pflummern, Grüningen, Daugendorf, Bechingen, Zell und Zwiefaltendorf gehörten, was aus den etwa 7.500 Einwohnern der Stadt alleine insgesamt etwa 10.500 machte, und zu diesen zählte neben Bernhard Schauerlich auch Julius Hafner. Hafners Arbeit als Redakteur beim Schwäbischen Anzeiger brachte es mit sich, dass er über zahlreiche lokale Ereignisse Bericht erstatten durfte, dass er aber eines Tages über einen Mordfall würde berichten müssen, in den er tiefer, als ihm lieb sein konnte, verwickelt werden sollte, daran hatte er sicher nie einen Gedanken verschwendet.
Auch an jenem Mittwoch im Januar 2016 ahnte er nicht, was auf ihn zukommen sollte, als er den Block samt Kugelschreiber in die Hosentasche steckte und die Stadthalle verließ, wo er gerade mit deren neuem Pächter gesprochen hatte. Hansjörg Bruhn, seit Anfang des Monats Herr über die Halle, hatte ihn am Nachmittag zu einem Gespräch empfangen. Gerade erst war er von Koblenz nach Riedlingen gezogen, um Stadthallenpächter zu werden, und auf Hafners Frage nach dem Warum hatte er geantwortet, dass es ihm hier früher bei seinem Großonkel und seiner Großtante stets gefallen habe. Tatsächlich war er kein völlig Unbekannter in Riedlingen, auch Hafner kannte ihn, obwohl er früher nie persönlich mit ihm zu tun gehabt hatte. In den 70er- und 80er-Jahren hatte Bruhn zunächst als Bub und dann als Student regelmäßig Großonkel und Großtante besucht. Doktor Gustav Wohlfahrt, Anfang der 80er verstorben, hatte einst eine gut gehende Praxis gehabt, und seine Gattin Walburga war ihm dort zur Hand gegangen. Die Familie war einigermaßen übersichtlich. Kinder waren ihnen nicht vergönnt, der Bruder Gustav Wohlfahrts war 1918, erst 20-jährig, gefallen, die Schwester ins Kloster gegangen und von Walburga Wohlfahrts Geschwistern waren zwei im Säuglingsalter gestorben. So war ihr noch eine Schwester geblieben, die Großmutter von Hansjörg Bruhn, die eines Tages ein Konzert in München besucht und dort einen jungen Mann aus wohlsituierten Verhältnissen kennengelernt hatte. Zwei Jahre später heirateten sie und sie zog mit ihm nach Koblenz. Nach vielen Ehejahren bekamen sie, inzwischen völlig unerwartet, doch noch eine Tochter, die ihrerseits zuerst einen Sohn, den sie Hansjörg nannte, und später noch zwei Töchter zur Welt brachte. Hansjörg Bruhn war damit einziger männlicher Nachkomme der Wohlfahrts und ihr erklärter Liebling, deshalb sollte er auch das Vermögen von Großonkel und Großtante erben. Ende der 80er-Jahre, als auch Walburga Wohlfahrt gestorben war, nahm er sein Erbe in Empfang und verkaufte das Riedlinger Haus einige Monate später. Für beinahe drei Jahrzehnte unterbrach Hansjörg Bruhn danach seine Verbindung mit Riedlingen – bis er sein Interesse an der Stadthalle bekundete, eine großzügige Pacht bot, seine langjährige Erfahrung in einer Großstadt in die Waagschale warf und gleichzeitig mit seinen alten Beziehungen zur Stadt prunkte. Den Ratsmitgliedern gefiel es offenbar, dass sich ein Großstädter für ihr Örtchen interessierte, jedenfalls stimmten nahezu alle für ihn, und das wollte etwas heißen, wenn sich im Riedlinger Gemeinderat einmal alle weitgehend einig waren. So zog Bruhn also nach Riedlingen, wo er an jenem Mittwoch Hafner zum Gespräch empfing.
Dieser marschierte jetzt flott den Oberamtsberg hinauf und erreichte, fast schon oben angekommen, das Redaktionsgebäude des Schwäbischen Anzeigers. Der Oberamtsberg, das zur Erläuterung, hieß eigentlich Haldenstraße und hatte seinen umgangssprachlichen Namen aus der Zeit, als es noch das Oberamt Riedlingen als württembergischen Verwaltungsbezirk gegeben hatte. Die Nationalsozialisten machten 1934 den Kreis Riedlingen daraus, und als sie 1938 die Kreise reduzierten, fiel dieser ganz weg. Wie es aber so ging, konnte sich der Name Oberamtsberg über alle Zeiten hinweg halten und die Älteren benutzten ihn immer noch. Wenn Sie einmal Riedlingen besuchen, sagen wir mit dem Zug, und vom Bahnhof in die Stadt hineinmarschieren, die Hindenburgstraße entlang, der die Riedlinger bis heute ihren Namen gelassen haben, kommen Sie irgendwann zur Donaubrücke. Bereits ein paar Meter vor der Brücke liegt übrigens auf der rechten Seite der Tourist Energy Point mit Schließfächern, abschließbaren Fahrradunterständen und Toilette und dahinter das Stadthallenareal mit der Stadthalle, der Versteigerungshalle, einem Jugendtreff, ein paar weiteren Hallen und einem Parkplatz. Bevor jedoch aus dem Platz ein Parkplatz wurde, war er eine steinige Fläche gewesen, auf der, wenn im Mai der Flohmarkt und im Oktober der Gallusmarkt stattfand, der Rummel aufgebaut war.
Einmal, im Oktober 1988, nahm ein solcher Rummelbesuch für eine junge Rathausangestellte, die sich mit ihren Freundinnen getroffen hatte, um den Gallusmarkt zu genießen, ein schlimmes Ende. Immer vor dem Todestag des heiligen Gallus wurde dieser Markt veranstaltet, wobei es doch erstaunlich ist, wozu man es bringen kann, wenn man Anfang des siebten Jahrhunderts als Wandermönch auf Missionstour war. Stellen Sie sich vor, Sie sind Gallus, missionieren im Gefolge Columbans hier Heiden und da Heiden, bis Sie sich schließlich vom Bodensee aus an die Bekehrung der Alemannen machen, mit Unterstützung der Franken, die sich sagen, dass dieses Volk besser zu integrieren wäre, wenn sie mithilfe jener Mönche Christen aus dessen Angehörigen machten. Und während Columban weiterzieht über die Alpen, bleiben Sie am Bodenseeufer, errichten eine Einsiedlerzelle, scharen Schüler um sich und bekämpfen heidnische Bräuche, bis man das Jahr 640, vielleicht auch 620 oder 650 schreibt und der Herr beschließt, dass es nun genug für Sie ist. Kaum sind Sie 50 bis 100 Jahre tot, wird am Ort ihrer einstigen Zelle ein Kloster gegründet, das fortan nach Ihnen Sankt Gallen heißt. Mannomann, sagen Sie, während Sie von oben verfolgen, wie aus den wenigen Klöstern, die es zu Ihrer Zeit gab, immer mehr werden, und aus den Christen ebenfalls. Schließlich werden Sie selbst ein Heiliger und Ihre Karriere nimmt immer mehr Fahrt auf, Kirchen und Städtenamen werden Ihnen gewidmet und Märkte nach ihrem Gedenktag am 16. Oktober benannt, wie der Riedlinger Gallusmarkt und er wird immer größer. Erst dauert er vermutlich einen Tag, 1874 sind es dann schon zwei Tage und der Ochsenwirt schreibt: »Haben Sonntag und Montag circa 1.000 Liter Bier verkauft. An Fleisch haben wir 160 Pfund gebraucht. Erlöst wurden 210 Gulden. Das ist noch nie da gewesen!« Kaum vergehen noch einmal 100 Jahre, können Sie sehen, wie aus Ihrem Markt ein vier Tage dauerndes Fest geworden ist, mit dem schon erwähnten Rummelplatz. Gut, es sind nur eine Handvoll Fahrgeschäfte, ein paar Schieß-, Fressalien- und Losbuden und das war es auch schon, aber es hupt, es blinkt und die lockenden Frauenstimmen sagen: Kommen Sie, kommen Sie, ja, das ist toll, ja, das ist klasse. Und dazu kommt noch der Krämermarkt mit Geldbeuteln, Gürteln, Kittelschürzen, knielangen Unterhosen mit Spitzen und Blümchen, Wäscheklammern, gebrannten Mandeln, Socken, Handschuhen und Roten Würsten am Montag, dem letzten und wichtigsten Tag des Gallusmarkts.
Die junge Frau und ihre Freundinnen liebten diesen Krämermarkt am Montag, der gewissermaßen der Riedlinger Nationalfeiertag war. Vormittags wurde gearbeitet, nachmittags ruhte die Arbeit in der Stadt fast überall und die Schule war schon nach drei Stunden zu Ende. Als Julius Hafner noch ein Schüler gewesen war, hatte er als Riedlinger Pech, denn die Schüler, die von auswärts mit dem Bus kamen, mussten zu seiner Schulzeit am Montag am Bahnhof aussteigen, weil die Innenstadt bereits für den Aufbau der Marktstände gesperrt war, und zu Fuß den Weg durch die Stadt zur Schule gehen. Jetzt, wie es eben so war, auch wenn man die Geschwindigkeit von vornherein etwas drosselte, um mit den Kräften sparsam umzugehen, war das Gehen, wenn man es genau bedachte, halt doch ein wenig anstrengend, sodass man hier und da eine Rast einlegen musste, um vielleicht in der Bäckerei ein Päckchen Kakao und etwas zu essen zu kaufen. Außerdem war es sehr interessant und lehrreich, zuzusehen, wie die Händler ihre letzten Waren an ihren Ständen ausbreiteten. Präsentierten sich schließlich all die Angebote komplett, empfahl es sich doch, das eine oder andere genauer zu betrachten, denn wenn die Schule aus war, war gerade das Gewünschte womöglich schon weg, und überhaupt: Hier galt es, einem Karton auszuweichen, dort einem Korb, die Händler wuselten auch überall herum und Mitschüler versperrten die halbe Straße, sodass keiner vorbeikam. Wie wollte man da zügig voranschreiten, wenn sich dann auch noch die ersten Marktbesucher hinzugesellten? Es war wirklich nicht leicht, zur Schule zu kommen. War schließlich nach eineinhalb bis zwei Stunden Fußmarsch das Ziel erreicht, war es neun oder halb zehn und es langte gerade noch für eine halbe bis ganze Stunde Unterricht, dann war Schulschluss. Julius Hafner aber wohnte nicht nur in Riedlingen, sondern auch noch in der Kirchstraße, und so führte sein Schulweg beim besten Willen nicht an den Gallusmarktständen vorbei. Wenn die Schule aus war, schaffte er es aber gerade noch, seinen Ranzen im Hausgang abzustellen, dann zog er mit den Freunden Dietmar, Frank und Martin auf den Rummelplatz.
Und dort nahm also im Oktober 1988 das Unglück einer jungen Frau seinen Ausgang. Sie hatte mittags ihren Schreibtisch bei der Stadtverwaltung verlassen und vor dem verglasten Eingang auf ihre Freundinnen Claudia und Steffi gewartet. Es war herrliches Oktoberwetter. »Wenn an Gallus Regen fällt, er bis Weihnachten anhält. Ist’s an Gallus aber trocken, folgt ein Sommer nasser Socken.« Dieser Spruch fiel ihr ein, während sie auf ihre beiden Freundinnen wartete, die sie kurz darauf kommen sah. Stundenlang bummelten sie anschließend durch die Innenstadt. Sie sahen sich hier eine Tasche an und dort einen Gürtel, bis sie irgendwann sagte: »Was für ein schöner Geldbeutel, den kauf ich mir.« Und nachdem ihre Freundinnen sich endlich für Handschuhe und einen Schal entschieden hatten, gingen sie auf den Rummel, wo sie ein paar Fahrten mit der Geisterbahn genossen. »Jetzt noch die Berg- und Talbahn«, riefen sie und als sie schließlich später am Zuckerwattestand Bekannte trafen, unterhielten sie sich so fröhlich, dass sie die Zeit vergaß. Es war schon acht vorbei, als sie auf die Uhr sah. Flugs verabschiedete sie sich und ging so schnell sie konnte zum Bahnhof, wo ihr Bruder um acht mit dem Auto auf sie hatte warten wollen. Aber allein bis sie sich durch die Leute auf dem kleinen Platz gekämpft hatte, dauerte es, und sie musste noch die ganze Hindenburgstraße entlang. Zwanzig nach acht war es, als sie am Bahnhof ankam und sah, dass ihr Bruder schon weg war. Sollte sie daheim anrufen? Wo doch noch angenehme Temperaturen herrschten? Nein, sie würde zu Fuß gehen. So ging sie wieder stadteinwärts, vorbei am Stadthallengelände und bog auf der gegenüberliegenden Seite, am Hochwasserkanal kurz vor der Donaubrücke, nach links ab, den Weg an den Mißmahl’schen Anlagen entlang. Müde fühlte sie sich ohnehin nicht. Eine knappe Stunde war sie bereits gelaufen, weit hatte sie es nicht mehr nach Neufra, gleich würde es links auftauchen. Einmal, kurz nach Riedlingen, waren zwei Radler an ihr vorbeigefahren, und nun raschelte es schräg hinter ihr. Jetzt, wenn es in einem Wäldchen raschelte, dachte sich noch keiner arg viel, trotzdem beschleunigte sie ihren Schritt, doch das nützte nichts mehr, weil es plötzlich ganz schnell ging. Sie wurde von einer Gestalt gepackt, und kaum hatte sie den Alkoholgeruch wahrgenommen, spürte sie einen Schlag auf den Hinterkopf. Alles um sie herum drehte sich für kurze Zeit und in ihrem Innern brauste es, während der Mann sie an den Waldrand zerrte. Irgendwann verlor sie das Bewusstsein, und als sie wieder zu sich kam, war er verschwunden. Zitternd lag sie da, bis sie schließlich wie in Trance aufstand. Schmerzen fühlte sie keine mehr, sie fühlte gar nichts. Als sie zu Hause die Tür aufschloss, war es drinnen schon dunkel. Dreiviertel elf. Alle waren wohl kurz zuvor ins Bett gegangen. Hinter ihrer Schlafzimmertür brach sie zusammen.
Aber ich stelle fest, ich bin ganz und gar auf Abwege geraten, ich war ursprünglich dabei, zu schildern, wie Sie, sollten Sie einmal Riedlingen besuchen und mit dem Zug am Bahnhof ankommen, über die Hindenburgstraße in Richtung Innenstadt spazieren. Wenn Sie also nahezu das Ende der Hindenburgstraße erreicht haben, gleich nach der Stadthalle, dem »Tourischt Energy Point«, wie wir Schwaben sagen, und der ehemaligen Post, erwartet Sie ein Ausblick, der bei blauem Himmel jeder Postkarte zur Ehre gereicht. Über der Donau erhebt sich im Hintergrund der Kirchturm, davor sehen Sie, neben anderen Bauten, den Treppengiebel des Rathauses und vor allem das Mühltörle. Der Volksmund nennt den schmalen Bau mit seinem spätgotischen Fachwerk »Lichtenstein« – wohl weil er, wenn man vom Bahnhof her kommt, nicht gerade so hoch oben wie das Schloss Lichtenstein auf der Schwäbischen Alb thront, aber eben doch ein gutes Stück über dem Fluss. Kaum haben Sie diesen überquert, geht es kurz danach rechts die Haldenstraße und damit den Oberamtsberg hinauf, wo eben auf der linken Seite die Redaktion des Schwäbischen Anzeigers liegt und schräg gegenüber der Lichtenstein, neben dem sich wiederum der Haldenplatz befindet. Noch ein paar wenige Meter weiter oben angekommen, sehen Sie auf der rechten Seite das Rathaus und die katholische Sankt-Georgs-Kirche, links aber geht es die Lange Straße entlang, vorbei am Lichtspielhaus, an Geschäften und Lokalitäten und wieder nach links den Berg, genau genommen nur ein Berglein, wieder hinunter, bis Sie erneut an der Hindenburgstraße ankommen und damit einen hübschen kleinen Kreis beschritten haben. Wer früher nach Riedlingen in die Innenstadt zum Einkaufen fuhr, der musste oft ein paarmal um den »Stock«, wie die Einheimischen diesen Kreis nennen, fahren, bis er einen freien Parkplatz fand. Inzwischen ist
