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Buchvorschau
Was ist Faschismus? - Tibor Zenker
Tibor Zenker
Was ist Faschismus?
Aspekte eines marxistischen Theorieansatzes
Copyright © 2015 Der Drehbuchverlag, Wien, und Tibor Zenker
2. Auflage, 14. Februar 2016
Alle Rechte vorbehalten
eBook: Was ist Faschismus? - Aspekte eines marxistischen Theorieansatzes
ISBN: 978-3-99041-894-9
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung
Faschismus als Herrschaftsform
Die faschistische Bewegung
Zur Typologie des Faschismus
Faschismus und Antifaschismus heute
Endnoten
Literaturverzeichnis
Vorbemerkung
Nach allgemeinem Dafürhalten – abseits der bürgerlichen Theorien faschismusapologetischer Natur – gilt der Faschismus als eine besondere Form bürgerlicher Herrschaft. Wer die Frage beantworten will „Was ist Faschismus?", muss daher zunächst diese Herrschaftsform näher analysieren: einerseits bezüglich ihres sozialen Inhalts und ihres spezifischeren Klassencharakters; andererseits bezüglich ihrer qualitativ neuen Methoden. Weder das eine ohne das andere noch umgekehrt kann ausreichen, um eine marxistische Faschismustheorie zu umreißen. Indem der spezifische Klassencharakter des Faschismus untersucht wird, soll die zentrale Frage beantwortet werden, wer über wen herrscht. Die Beantwortung dieser Frage impliziert Differenzierungen innerhalb der Bourgeoisie, die mit dem Übergang vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus (Imperialismus) und dessen voller Entfaltung als staatsmonopolistischer Kapitalismus gegeben sind. Damit ist auch der historische Platz des Faschismus zu bestimmen, denn Voraussetzung des Faschismus ist freilich ein bestimmtes Stadium, das die Entwicklung des Kapitalismus und der Klassenkampf in globaler Hinsicht erreicht haben. Die Untersuchung der Methoden der faschistischen Herrschaft fördert zutage, inwiefern signifikante Unterschiede des Faschismus zur bürgerlichen Demokratie über die bloße Ausschaltung des Wahlparlamentarismus hinaus gegeben sind. Diese neuen Methoden, derer sich die faschistische Herrschaft bedient, sind kein Selbstzweck: natürlich werden bestimmte Ziele verfolgt, die – sowohl im Allgemeinen also auch gemäß den jeweiligen historischen Bedingungen eines Landes – im Interesse der herrschenden Klasse liegen. Somit gibt es immer auch besondere Ziele seitens der herrschenden Klasse, die mit dem Instrument des Faschismus verfolgt werden. Der Faschismus hat also besondere Funktionen im Rahmen der bürgerlichen Klassenherrschaft zu erfüllen, die ebenso zu untersuchen sind.
Alle diese thematischen Bereiche verbinden sich schließlich zu einem geschlossenen Gesamtkomplex, der die marxistische Faschismustheorie bildet. Diese Theorie ist nun nicht einfach dazu da, um den „historischen Faschismus" schematisch zu katalogisieren, sondern diese Theorie muss anwendungsorientiert sein: bezüglich der jeweils spezifischen Analyse einer Situation, bezüglich der Fähigkeit zur wissenschaftlichen Voraussicht hinkünftiger Entwicklungen sowie bezüglich der Fähigkeit, antifaschistische Strategien zu entwickeln und vor allem sodann antifaschistisch zu handeln.
Ein Aspekt, der darüber hinaus separat zu behandeln ist, der aber in Wirklichkeit auch bei allen anderen Fragen bereits angesprochen werden wird, ist die Untersuchung der faschistischen Bewegung und ihres Verhältnisses zur faschistischen Diktatur: hier werden durchaus widersprüchliche Dinge ans Tageslicht kommen. Damit verbunden ist wiederum die Frage nach der Bedeutung der faschistischen Massenbasis und ihrem Charakter.
In der Analyse zu all diesen Fragestellungen werden wir uns insbesondere auf die Untersuchung des deutschen Faschismus (Nationalsozialismus) und des österreichischen Faschismus (Austrofaschismus) beziehen, da zu beiden die deutschsprachige Quellen- und Faktenlage unser Unterfangen der Erarbeitung allgemeiner Aussagen über den Faschismus klarerweise begünstigen. Darüber hinaus kann der deutsche Faschismus für sich in Anspruch nehmen, quasi die „klassische" Form des Faschismus zu repräsentieren, wenngleich – dies werden wir noch zur Genüge sehen – der Faschismus in jedem Land seine Spezifika aufweist und daher letztlich auch konkret betrachtet werden muss. Diese Spezifik ist es jedoch ebenso, was gemäß der Interessenslage im deutschsprachigen Europa wiederum die Betrachtung insbesondere des deutschen und österreichischen Faschismus für uns nahe liegend erscheinen lässt.
Wie wollen wir nun im Konkreten vorgehen? Zunächst soll betrachtet werden, worin der spezifische Klassencharakter des Faschismus besteht, welche gesellschaftliche Kraft über welche Klassen und Schichten herrscht. Im Folgenden muss untersucht werden, welche Grundvoraussetzungen und welche unmittelbaren Voraussetzungen für das Aufkommen des Faschismus zu benennen sind. Sodann sollen Ziele und Methoden der faschistischen Diktatur analysiert werden. Im zweiten Abschnitt wollen wir uns der faschistischen Bewegung widmen, ihrer Funktion im Klassenkampf von oben, der Frage der Massenbasis und dem Verhältnis zwischen faschistischer Bewegung und faschistischer Diktatur. Indem wir sodann bereits eine Reihe von Ergebnissen und Erkenntnissen vorliegen haben, wollen wir im dritten Abschnitt versuchen, eine mögliche Typologie des Faschismus zu umreißen, wobei hier auch die generelle Problematik einer Typologisierung zur Sprache kommen soll. Der vierte und letzte Abschnitt widmet sich – auf Basis aller gewonnenen Einsichten – dem Verhältnis des gegenwärtigen, demokratischen staatsmonopolistischen Kapitalismus und seiner politisch-ökonomischen Herrschaftsstruktur zum Faschismus. In diesem Rahmen müssen auch die beiden Fragen gestellt und beantwortet werden: Welche Bedeutung hat die faschistische Gefahr in der Gegenwart – und welche Bedeutung hat daher der Antifaschismus in unserer Zeit?
1. Faschismus als Herrschaftsform
1.1. Wesen und Klassencharakter des Faschismus
„Der Faschismus an der Macht … ist … die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, der am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals." [1] So lautet ein bekannter Satz des bulgarischen Kommunisten Georgi Dimitroff, eines der wichtigsten marxistischen Faschismustheoretiker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er entstammt einem längeren Referat am VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale im Jahre 1935, auf dem sich die revolutionäre ArbeiterInnenbewegung ausführlich mit dem Kampf gegen den Faschismus zu beschäftigen hatte – nicht zuletzt aufgrund der Errichtung der faschistischen Diktaturen vor allem in Deutschland, aber auch in Österreich. Am Ende der Beratungen stand eine klare antifaschistische Strategie, am Anfang eine ebensolche Faschismusanalyse.
Nun wäre es freilich leicht bizarr, eine marxistische Faschismusanalyse auf die Exegese des eingangs zitierten Satzes zu reduzieren, und dennoch sind die wesentlichen Grundmerkmale des Faschismus hier in aller Deutlichkeit markiert. Die faschistische Herrschaft ist erstens methodisch eine offene und terroristische Diktatur – damit werden wir uns vor allem im Abschnitt 1.4., aber auch schon unter 1.3. befassen. Zweitens ist ihre weitere Ausrichtung aufgrund ihres finanzkapitalistischen Klassencharakters a) besonders reaktionär, d.h. antidemokratisch und repressiv bis zur Vernichtung vor allem gegen die revolutionäre, aber selbst gegen die reformistische ArbeiterInnenbewegung; sie ist b) besonders chauvinistisch, d.h. sie maximiert die nationale Unterdrückung, appelliert an den niveaulosesten Nationalismus und impliziert rassistische Elemente sowie oft Antisemitismus; und sie ist c) besonders imperialistisch, d.h. sie steht für Aggression nach außen, für Militarismus und Krieg im Sinne des imperialistischen Kampfes um die Weltherrschaft. Im Sinne aller drei Aspekte des zweiten Punktes war seitens des „historischen" Faschismus (bis 1945) darüber hinaus die Vernichtung der staatlich errichteten Macht des Proletariats intendiert, also der Sowjetunion – mit dieser Frage wie den anderen dieses Punktes befassen wir uns im Abschnitt 1.3. Bei der Frage des grundsätzlichen Charakters des Faschismus soll uns zunächst der Hinweis auf die diktatorische Herrschaft des Finanzkapitals interessieren (bzw. genauer: die Herrschaft vorrangig jener Teile des Finanzkapitals, die obiger Ausrichtung entsprechen bzw. danach besonders streben; das sind in der Regel die Bankkonzerne und die Monopolisten des militärisch-industriellen Komplexes in den Bereichen Schwerindustrie, Chemie- und Elektroindustrie, Bergbau sowie natürlich die Rüstungsindustrie selbst).
Der Faschismus als eine besondere Form bürgerlicher Herrschaft ist also nicht die Herrschaft der gesamten Bourgeoisie, sondern des Finanzkapitals, der Monopolbourgeoisie inklusive des Großgrundbesitzes (bzw. gar nur bestimmter Teile derselben). Das bedeutet beileibe nicht, dass die restliche Bourgeoisie zu jedem Zeitpunkt in erbitterter Gegnerschaft zur faschistischen Diktatur stünde und a priori antifaschistisch eingestellt wäre, sondern bloß, dass schlussendlich unterschiedliche Interessen bestehen und alle nichtmonopolistischen Schichten der Gesellschaft daher zwingend selbst in der einen oder anderen Form und Intensität Opfer der faschistischen Politik und Ökonomie werden. Diese Tatsache legt bereits den Schluss nahe, dass der Faschismus schlussendlich gewissermaßen die Fortsetzung des Monopolkapitalismus, des Imperialismus, mit anderen Mitteln ist. Das bedeutet wiederum, dass mit dem Faschismus die Hauptwidersprüche des Imperialismus, zu deren vorübergehender „Lösung" (d.h. Unterdrückung) der Faschismus eigentlich antritt, auf die Spitze getrieben werden: der im Kapitalismus allgegenwärtige antagonistische Klassengegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat, der Widerspruch zwischen den einzelnen imperialistischen Staaten nebst ihren Monopolen sowie der Widerspruch zwischen den imperialistischen Haupträubern einerseits und den abhängigen Ländern andererseits. Genauso aber unterdrückt der Faschismus ebenso wie der Monopolkapitalismus überhaupt auch breiteste soziale Volksschichten, die Bauernschaft, das Kleinbürgertum, die fortschrittliche Intelligenz – kurz: alle nichtmonopolistischen Klassen und Schichten der Gesellschaft.
Wir sagen also, dass der Faschismus nicht einfach „abstrakt" mit dem Kapitalismus verbunden ist, weil er auf seinem Boden entsteht, sondern dass er im Konkreten direkter Ausdruck des Imperialismus und der Herrschaft des Finanzkapitals ist. Das bedeutet, wenn wir die Ursprünge des Faschismus, Grundvoraussetzungen und darauf basierende unmittelbare Voraussetzungen, analysieren wollen, dann müssen wir uns zunächst dem Übergang vom Kapitalismus der freien Konkurrenz zum Monopolkapitalismus widmen. Mit diesem Übergang sind bestimmte Tendenzen verknüpft, sind bestimmte Entwicklungen in Gang gesetzt, ohne deren Einbeziehung keine marxistische Faschismusanalyse und überhaupt keine brauchbare Faschismustheorie auskommen können. Palmiro Togliatti bringt es diesbezüglich auf den Punkt: „Man kann nicht das Wesen des Faschismus bestimmen, wenn man nicht den Imperialismus kennt." [2] Es kann in diesem Sinne ohne jeden Zweifel mit Kurt Gossweiler festgestellt werden, „dass die marxistisch-leninistische Theorie über den Faschismus ein Bestandteil der marxistisch-leninistischen Imperialismustheorie sein muss." [3]
1.2. Ursprünge des Faschismus
1.2.1. Die Herausbildung des Imperialismus
Die marxistische Analyse des Imperialismus erhielt eine neue Qualität durch eine umfassende systematische theoretische Darlegung und eine historische Einordnung des monopolistischen Kapitalismus durch Lenins Arbeit „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus" [4] (1916/17). Dennoch lagen bereits zuvor wertvolle Beiträge zum ökonomischen Wesen des Imperialismus vor, so z.B. durch Rosa Luxemburgs Schrift „Die Akkumulation des Kapitals" [5] (1913) oder Nikolai Bucharins Arbeit über „Imperialismus und Weltwirtschaft" [6] (1915). Die erste durchaus weitreichende Untersuchung über neue Erscheinungen im (immer noch) gegenwärtigen Kapitalismus stammt allerdings von Rudolf Hilferding. Bereits 1910 legte er sein Werk „Das Finanzkapital – Eine Studie über die jüngste Entwicklung des Kapitalismus" vor.
Hilferding, der später mit seiner Theorie des „organisierten Kapitalismus" eine fatale Selbstrevision vornahm und damit den ideologischen Background für die antifaschistische Irrelevanz der Führung der Sozialdemokratie mitzuverantworten hat, erkennt völlig richtig, dass mit der neuen Epoche des Imperialismus die liberalen Ideale des demokratischen Bürgertums durch ein umfassendes oligarchisches Herrschaftsstreben des Finanzkapitals abgelöst wurden. Dieses Streben, dieses monopolkapitalistische Grundprinzip und Bedürfnis, bringt Hilferding auf die zentrale Formel: „Das Finanzkapital will nicht Freiheit, sondern Herrschaft". [7] Das Finanzkapital will und braucht einen starken imperialistischen Staat nach innen und nach außen, einen autoritären Staat, dessen höchste Form – wie sich später herausstellen sollte – die faschistische Diktatur verkörpert. Lenin knüpft bei seiner Imperialismustheorie in dieser Frage durchaus bei Hilferding an, er meint: „Der Imperialismus ist die Epoche des Finanzkapitals und der Monopole, die überallhin den Drang nach Herrschaft und nicht nach Freiheit tragen. Reaktion auf der ganzen Linie, gleichviel unter welchem politischen System, äußerste Zuspitzung der Gegensätze auch auf diesem Gebiet – das ist das Ergebnis dieser Tendenzen." [8] Und an anderer Stelle schreibt Lenin: „Der politische Überbau über der neuen Ökonomik, über dem monopolistischen Kapitalismus … ist die Wendung von der Demokratie zur politischen Reaktion. Der freien Konkurrenz entspricht die Demokratie. Dem Monopol entspricht die politische Reaktion." [9]
Das ist als grundsätzliche Tendenz zu verstehen, die im Imperialismus und erstrecht im staatsmonopolistischen Kapitalismus immer gegeben ist. Insofern muss festgehalten werden, dass der Faschismus auch kein Sonderfall, kein historischer Zufall oder gar „Betriebsunfall" im und des Kapitalismus ist. Nein, der Faschismus ist die äußerste Konsequenz des dem Imperialismus unweigerlich innewohnenden Drangs nach Reaktion und Gewalt, des absoluten Herrschaftsstrebens des Finanzkapitals auch in politischer Hinsicht. Der Faschismus ist Ausdruck der äußersten negativen Konsequenz im Rahmen der Alternativen: Sozialismus oder Barbarei. – Woher nun dieser Drang? Er ist die logische Ergänzung des Strebens nach absoluter Herrschaft in ökonomischer Hinsicht. Gossweiler erklärt hierzu: „Dieser Drang ergibt sich aus dem objektiven Zwang, zur Sicherung der für das Überleben im Konkurrenzkampf der Monopolriesen notwendigen Akkumulation nicht nur den einfachen, ‚normalen’ Durchschnittsprofit, sondern Extraprofite, Monopolprofite, zu erzielen. Der Monopolprofit wird auf Kosten der gesamten Gesellschaft erzielt. Die bürgerliche Demokratie und der bürgerliche Parlamentarismus belassen aber den nichtmonopolistischen Klassen und Schichten immerhin noch – wenn auch begrenzte – Möglichkeiten, sich gegen die verstärkte Ausbeutung und Ausplünderung durch das Monopolkapital und den mit ihm verfilzten Großgrundbesitz zur Wehr zu setzen. Daher bei letzteren das Streben nach Beseitigung dieser Möglichkeiten, nach Beseitigung der parlamentarischen Demokratie und Errichtung ihrer uneingeschränkten, offenen Diktatur, in welcher Gestalt und unter welchem Namen auch immer." [10]
Hier haben wir also die erste und zentrale Voraussetzung für das Aufkommen des Faschismus, seine ökonomische Grundlage. Auf dieser Grundlage besteht das dem Imperialismus unweigerlich immanente reaktionäre und antidemokratische Streben des Finanzkapitals, seine Macht unbegrenzt auszudehnen, nach politischer Alleinherrschaft. „Die kapitalistische Offensive auf wirtschaftlichem Gebiet", schreibt Johann Koplenig, „findet ihre Ergänzung in der fortschreitenden Reaktion auf politischem Gebiet." [11] Es handelt sich um die grundsätzliche Tendenz, alle gesellschaftlichen Sphären der staatsmonopolistischen Formierung zu unterwerfen, um dadurch die maximale Konzentration und Zentralisation aller ökonomischen und politischen Potenzen zu erreichen. Dies ist die erste Wurzel, dies ist die Grundvoraussetzung des Faschismus. – Neben dieser Grundvoraussetzung bedarf es jedoch weiterer, unmittelbarer Vorraussetzungen für das Aufkommen des Faschismus: diese unmittelbaren Voraussetzungen entspringen der allgemeinen Krise des Kapitalismus.
1.2.2. Die allgemeine Krise des Kapitalismus
„Faschistische Gestalt", schreibt Gossweiler, „nahm der imperialistische Drang nach Reaktion und Gewalt … erst nach dem ersten Weltkrieg und nach dem Sieg der Oktoberrevolution an, d.h. erst nach Eintritt des Kapitalismus in das Stadium seiner allgemeinen Krise. Nächst dem Übergang des Kapitalismus in sein imperialistisches Stadium ist der Beginn seiner allgemeinen Krise die wichtigste Voraussetzung für das Aufkommen des Faschismus." [12]
In dieses Stadium seiner allgemeinen Krise tritt der Kapitalismus mit dem Ersten Weltkrieg ein. Diese allgemeine Krise, die nun nicht eine Sammlung von Krisenerscheinungen am einen oder anderen Ende des Systems, sondern die existenzielle und allseitige Krise des kapitalistischen Systems selbst darstellt, hat ihre Voraussetzungen im Anwachsen der Widersprüche des Imperialismus. Es geht um die äußerste Zuspitzung der Gegensätze innerhalb des imperialistischen Blocks, wo die Ungleichmäßigkeit der Entwicklung der einzelnen Länder zu direkten Zusammenstößen führt, in letzter Konsequenz zu verheerenden Weltkriegen in dieser damit begonnenen „Periode der Weltkriege, wie Rosa Luxemburg sagte. [13] Es geht um die Zuspitzung des Gegensatzes zwischen imperialistischen Zentren und abhängiger Peripherie, wo antiimperialistische Befreiungsbewegungen das klassische Kolonialsystem zu Fall bringen und in weiterer Folge auch auf progressive und mitunter nichtkapitalistische Entwicklungswege orientieren. Es geht um die Zuspitzung des Marktproblems, um strukturelle Überakkumulation, um eine durch die Konjunkturentwicklung daher nicht mehr „regulierbare
, ständige Massenarbeitslosigkeit in globaler Hinsicht. Es geht um die revolutionären Bewegungen in Mittel- und Westeuropa im Gefolge und als Ergebnis des Ersten Weltkrieges, also um die Zuspitzung des Klassenkampfes. Und es geht in dieser Hinsicht vor allem um die auf die Weltbühne und in die staatspolitische Wirklichkeit getretene Systemkonkurrenz zwischen Sozialismus und Imperialismus: entscheidend für die allgemeine Krise des Kapitalismus sind die siegreiche russische Oktoberrevolution und der Aufbau des Sozialismus in der UdSSR, davon ausgehend der Abfall weiterer Länder vom kapitalistischen Weltsystem und die Herausbildung einer sozialistischen Staatengemeinschaft. Dies markiert den realen Beginn der langen historischen Epoche des Übergangs der Menschheit vom Kapitalismus zum Sozialismus. Arnold Reisberg unterstreicht: „Der imperialistische Weltkrieg und die Große Sozialistische Oktoberrevolution drückten die allgemeine Krise des Kapitalismus aus. Die Oktoberrevolution war die erste siegreiche sozialistische Revolution, und sie leitete eine neue Epoche der Weltgeschichte ein, die Epoche des Zusammenbruchs des Kapitalismus, des Siegeszugs des Sozialismus und Kommunismus in der ganzen Welt." [14] – Wir leben somit nicht nur in der Epoche der Weltkriege, sondern diese ist auch und vor allem in jeder Hinsicht als „eine Epoche sozialer Revolution" [15] zu verstehen. Und an dieser welthistorischen Tatsache ändern weder die zwischenzeitlich massiven Niederlagen von 1989/90 noch manch ungünstige Tendenzen in den verbliebenen sozialistisch orientierten Ländern etwas, denn niemand hat versprochen, dass bereits der erste sozialistische Anlauf ohne Probleme und Rückschläge zwangsläufig unumkehrbar sein muss. Lenin schrieb: „Wie groß auch immer die Schwierigkeiten der Revolution, ihre eventuellen zeitweiligen Misserfolge oder die Wellen der Konterrevolution sein mögen, der endgültige Sieg des Proletariats ist unausweichlich." [16]
All diese Dinge erschütterten und erschüttern also den Weltkapitalismus in zuvor ungekanntem Ausmaß. Diese Erschütterungen beschleunigten die Herausbildung der staatsmonopolistischen Phase des Imperialismus und sind in mehrfacher Hinsicht unmittelbare Voraussetzung für das Aufkommen des Faschismus.
Ernst Thälmann schreibt dazu: „Auf Grund der Erschütterung des kapitalistischen Systems und der Verschärfung des Klassenkampfes geht die Bourgeoisie zu neuen, reaktionären Kampfmethoden über, zu den Methoden der Faschisierung des Staatsapparates. [17] Die Tendenzen des Finanzkapitals zur extremsten Form der Reaktion sind also eine Folgeerscheinung der allgemeinen Krise des Kapitalismus. Der Faschismus ist in dieser Hinsicht immer das letzte „politische
Wort des Finanzkapitals, führt aber schlussendlich,
