Durchs irre Germanistan: Notizen aus der Ampel-Republik
Von Henryk M. Broder und Reinhard Mohr
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Über dieses E-Book
Die Autoren resümieren mit viel Humor und Liebe zum Detail, was in diesem merkwürdigen Land vorgeht und viele ratlos oder wütend zurücklässt: einen größenwahnsinnigen Moralismus, realitätsferne Illusionen, Angst vor der Freiheit, dazu eine Vollkasko-Mentalität und eine Wohlstandsverwahrlosung mit einer kräftigen Portion Geschichtsvergessenheit, die sich als "Lehre aus der Geschichte" tarnt.
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Buchvorschau
Durchs irre Germanistan - Henryk M. Broder
Vorwort zur 4. Auflage
Das »irre Germanistan« geht in die vierte Auflage, weil auch der tägliche Wahnsinn weitergeht, seitdem unser Buch im vergangenen Spätsommer erschienen ist. Es hat eine großartige Resonanz erfahren, und die famose, abenteuerlich schlingernde Ampel-Regierung, die – verkehrspolitisch herausfordernd – gleichzeitig auf Rot, Gelb und Grün steht, hat mit ihren immer neuen Kalamitäten, Irrungen und Wirrungen dabei eindrucksvoll Pate gestanden. Niemand weiß, wie lange die rotgrüngelbe »Fortschrittskoalition« noch durchhält.
Olaf Scholz’ Mantra »You’ll never walk alone« ist jedenfalls zur bitteren Wahrheit geworden: mitgefangen, mitgehangen! Hier bleibt keiner alleine, hier kommt keiner raus, es sei denn, er – oder sie – entschlösse sich zum Auswandern in die Schweiz, auf die Faröer-Inseln oder nach Südtirol.
Auch der spektakulär einwärts auswärts eingesprungene »Doppelwumms« mit angezogener Strompreisbremse und zugedrehtem Gasdeckel hat nicht den erhofften Erfolg gebracht. Das Einzige, was zu immer neuer Blüte reift, ist die Massenproduktion hohler Phrasen. Stolz, selbstverliebt und glaubensfest thronen sie auf einem Lügengebäude aus Pappmaché und finden sich im Augenblick ihrer Artikulation im wunderlichsten Widerspruch zur Realität. Emblematisch der notorische Satz aus dem Frank-Walter-Steinmeier-Universum: »»Antisemitismus hat keinen Platz in Deutschland!«
Na und ob er Platz hat! Und wie! Mehr denn je! Ganze Straßenzüge und Stadtviertel sind von ihm okkupiert worden, Tausende Demonstranten skandieren israel- und judenfeindliche Parolen, an Schulen und Universitäten grassiert er wie in jenen queer-feministisch-woken Milieus, in denen ein mit Rum versetztes kakaohaltiges Weihnachtsgetränk namens »Lumumba« die eingeübten antirassistischen Reflexe tausend Mal stärker mobilisiert als das ungeheuerliche Pogrom gegen Israelis durch die Hamas vom 7. Oktober 2023, bei dem brutalste Vergewaltigungen, Verstümmelungen und Leichenschändungen junger Frauen zum Standardprogramm des heroischen palästinensischen Widerstandskämpfers gehörten.
Das dröhnende Schweigen prominenter Feministinnen und narzisstischer Poster-Girlies wie Sophie Passmann und Margarete Stokowski angesichts dieses Massakers an Frauen wird in dem Augenblick sein Ende finden, in dem ein weiterer Fall sexueller Belästigung durch einen berühmten Rockmusiker als »Blusengate« die Öffentlichkeit erschüttert und eine neue »MeToo«-Kampagne flammende Debatten über Machismo in der Popkultur samt ARD-Themenwoche über »Body Positivity und Männergewalt in der postkolonialen Gesellschaft« auslöst, präsentiert von Siham El-Maimouni, Moderatorin des immerfort woken ARD-Kulturmagazins »ttt«.
Die zweitbeliebteste Märchenphrase der Ampel-Republik – »Kein Kind wird zurückgelassen!«, auf Scholz-Deutsch: You’ll never learn alone – wurde durch die jüngste PISA-Studie auf geradezu atemberaubende Weise widerlegt. Francesco Avvisati, Bildungsexperte der OECD, sagte bei der Vorstellung der Studie: »Drei von zehn Schülern sind unter dem Mindestniveau in Mathematik. Sie können nicht einmal sagen, ob sich ein Sonderangebot beim Einkaufen lohnt oder nicht.«
Das mag ein Problem für Aldi, Edeka, Rewe und Lidl sein, doch angesichts der schlechtesten jemals gemessenen Lernergebnisse in deutschen Schulen werden Lesen, Schreiben und Rechnen so oder so zum kulturellen Auslaufmodell. Dafür haben wir jetzt Künstliche Intelligenz.
Andererseits entlastet diese neueste deutsche Bildungskatastrophe auch die Arbeitsagentur von Ex-Sozialministerin Andrea Nahles. Wenn kaum ein Heranwachsender noch richtig rechnen, lesen und schreiben kann, kommen schwer vermittelbare Angebote für anspruchsvollere Jobs gar nicht mehr infrage.
Als Alternative bietet sich ein Praktikum bei einer Antirassismus-Initiative an, ein Schnupperkurs bei der »Meldestelle Antifeminismus« oder den »Neuen deutschen Medienmacher*innen«. Das Bürgergeld wird in jedem Fall gezahlt.
Nebenbei sorgt es dafür, dass sich für immer mehr Menschen, obwohl sie sogar rechnen, lesen und schreiben gelernt haben, Arbeit nicht mehr lohnt.
So schließt sich der irre Ampel-Kreis: immer mehr Bürgergeld, immer weniger Fach- und Arbeitskräfte, immer mehr illegale Flüchtlinge und immer mehr als »Bürger*innen« gelesene Menschen jeglicher Herkunft, die nicht rechnen, lesen und schreiben können. »Eins und eins, das macht zwei« sang einst Hildegard Knef. Eine offensichtlich überholte Ansicht.
An mangelnden Mathe-Kenntnissen hat es aber wohl nicht gelegen, dass die verfassungswidrigen Buchungstricks der Ampel-Regierung erst so spät aufgeflogen sind. Nach dem Urteil der obersten Richter in Karlsruhe ist nun zwischen 60-Milliarden-Loch, durchlöcherter Schuldenbremse, gerupften »Sondervermögen« und an die Wand gefahrener »Wärmewende« die Notstandserklärung zum Gebot der Stunde geworden – und der finanzielle Ausnahmezustand das neue Normal.
Eine Billion Steuereinnahmen, 1.000.000.000.000 Euro im Jahr, reichen hinten und vorne nicht, jedenfalls nicht für das immer weiter verschobene bürokratische Krümelmonster namens »Kindergrundsicherung«, für all die unzähligen Klimafonds, das Generationenprojekt von Energie- und Wärmewende, Preisbremsen und -deckel, die brandneue, kostspielige und mit Weltrettungsauftrag versehene »Klimaaußenpolitik«, die Erneuerung von Bahn und Bundeswehr, für die 50 Milliarden für Flüchtlinge und über 100 Milliarden für Rentnerinnen und Rentner, Landwirtschafts- und Industriesubventionen aller Art, dazu Entwicklungshilfe sogar für die Atom- und Weltraumraketenmacht Indien, die über mehr IT-Spezialisten verfügt als Deutschland Einwohner hat, für Ausgleichszahlungen für ehemalige Braunkohlereviere im Osten, Hunderte Millionen für das »Demokratiefördergesetz« und die Fußballeuropameisterschaft, für Digitalisierung, die Kasseler »Documenta« und neue Stromtrassen nach Bayern, gegen die allerorts geklagt wird, Windräder im hessischen Reinhardswald, die mehr Natur zerstören, als sie retten, den sündhaft teuren Kanzleramtsanbau, achtsame Krötentunnel und flauschige Fledermausbrücken über verkehrsreiche Straßen – ja, die gibt es wirklich!
Schon diese kleine Aufzählung zeigt, dass selbstverständlich nirgendwo gespart werden kann. Deshalb muss die Erklärung einer »Notlage« in Germanistan von Amts wegen auf Dauer gestellt werden, um die lästige Schuldenbremse zu umgehen und den bislang aufgelaufenen öffentlichen Gesamtschulden der Bundesrepublik Deutschland in Höhe von knapp 2,5 Billionen Euro weitere Lasten für zukünftige Generationen hinzuzufügen. Wie sagte irgendjemand aus dem rotgrünen Intellektuellenmilieu: Es ist doch nur Geld! Eben.
»Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch«, sagt Hölderlin, und er hat recht. Unser kleines Sittenpanorama der Ampel-Republik hat neben dem alltäglichen Irrsinn auch viele Sollbruchstellen offenbart, mit Händen zu greifende Widersprüche zwischen Sein und Sollen, Wunsch und Wirklichkeit, Ideologie und den wahren Verhältnissen »draußen im Lande«, wie das früher hieß.
Dass angesichts der wachsenden militärischen Bedrohung durch Putins aggressiv-kriegerisches Russland und der vielfältigen Gefahren des globalen Islamismus die Verteidigungsbereitschaft des Westens, vor allem aber in Deutschland, trotz aller schönen Worte sehr schwach ausgeprägt ist, gehört gleichfalls in die Kategorie »Blinde Kuh« – ein Versteckspiel vor der unangenehmen Wirklichkeit.
In der politisch-medialen Klasse dominiert eine hartnäckige Realitätsblindheit, die bis eben noch tief grün eingefärbt war. Doch o Wunder, es tut sich was. Bei Wahlen und in Meinungsumfragen verlieren die Grünen kontinuierlich – in Ostdeutschland schrumpfen sie gar zur Splittergruppe. »Der grüne Zeitgeist hat sich zu Tode gesiegt«, resümiert der Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung Eric Gujer.
Und tatsächlich, der grüne Sinkflug resultiert vor allem aus einem schmerzlichen Zusammenprall von Ideologie und Wirklichkeit. Lange Zeit haben die trickreichen grünen Ausweichmanöver mit freundlicher Unterstützung der öffentlich-rechtlichen Medien das echte 1.0-Rendezvous mit der Realität verhindert – nun aber ist der Big Bang da, ob in der Wirtschafts- und Migrations- oder der Klima- und Gesellschaftspolitik.
Es knirscht, quietscht und knallt vernehmlich, und selbst der Großmeister politischer Rhetorik, Robert Habeck, vermag seine »Erzählungen« – neudeutsch: sein »Narrativ« – nicht mehr so leicht und umstandslos an die Frau und den Mann draußen im Lande zu bringen. Wie sagte die englische Komikertruppe »Monty Python«: »Don’t mention the Wärmepumpe!«
Wir Schreiberlinge fragen uns ja insgeheim doch immer mal, ob unsere Arbeit überhaupt irgendeine Wirkung hat, ob es also überhaupt Sinn ergibt, immer wieder neu über das zu schreiben, was tagtäglich an uns vorüberrauscht. Im Fall der Ampel-Republik scheint es aber Hoffnung zu geben, dass für sie eben nicht jene Ewigkeitsregel gilt, die Erich Honecker über die DDR verhängt hatte, als er sagte: »Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf!«
In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Spaß beim Lesen der aktualisierten und erweiterten vierten Auflage unserer Reise durchs »irre Germanistan«.
Henryk M. Broder und Reinhard Mohr, im Januar 2024
Einleitung
Man kratzt sich am Kopf. War Deutschland nicht eben noch das beliebteste Land der Welt nach Disney World, Exportweltmeister mit Dauer-Abo und ein begehrter Investitionsstandort mit einer funktionierenden Verwaltung, bestens ausgebildeten Fachkräften und einem effektiven Rechtssystem, das Korruption erst gar nicht wachsen lässt?
Der Dreiklang aus Demokratie, Marktwirtschaft und einer Arbeitsdisziplin, die im Rest der Welt zugleich gefürchtet und belächelt wird, hat den Ruf »Made in Germany« zum Weltkulturerbe gemacht. Nachdem weite Teile der europäischen Bevölkerung bei dem Wort »Achtung!!!« lange Zeit intuitiv zusammenzuckten und sich geistig schon in Reih und Glied aufstellten, um alsbald abtransportiert zu werden, hat sich die demokratische Bundesrepublik über Jahrzehnte tatsächlich Respekt und Achtung verschafft.
Trotz aller Krisen galten die 16 Merkel-Jahre als goldene Epoche von Wachstum und pragmatischer Staatsführung im Zeichen der Raute. Ruhe war oberste Bürgerpflicht. Das Motto hieß: »Wir schaffen das:« Der Rest wurde mit Geld ruhiggestellt oder, mit medialer Unterstützung, als »rechtspopulistisch« abgestempelt.
Knapp zwei Jahre danach jedoch zeigt sich das wahre Erbe der Ex-Kanzlerin, die derzeit jede Menge Staatspreise, Bundesverdienstkreuze und sonstige Ehrungen einstreicht. Die Probleme treten geradezu clusterartig auf. Die Realität schlägt mit Macht zurück, ob bei der verteidigungsunfähigen Bundeswehr oder der verfehlten Energiepolitik, ob in Sachen Flüchtlingskrise, Migration und Integration, Digitalisierung, Bildung und Wohnungsbau. Hieß es früher »Über sieben Brücken musst Du gehen«, so kann heute nur davor gewarnt werden: Mehr als 4000 Brücken in Deutschland sind marode und müssen saniert werden.
Im Land fehlt es buchstäblich an allem: Soldaten, Panzer und Pflegekräfte, Lehrerinnen, Straßenbahnfahrer und Bäcker, Polizistinnen, Feuerwehrleute und Richter, Sozialarbeiterinnen, Krankenschwestern und Köche, Kellner, Handwerker und Psychotherapeutinnen, Schwimmlehrer und DLRG-Retter. Die tragende Mitte der Gesellschaft also, neudeutsch »systemrelevant« – all jene, die sich nicht genug »wertgeschätzt« fühlen.
Viele fragen sich inzwischen: Will eigentlich niemand mehr arbeiten? Wo sind sie denn alle, was machen sie denn sonst so? Influencer, irgendwas mit Medien, Atemkurs auf Fuerteventura, Dauer-Chillen? Die Work-Life-Balance der Republik scheint jedenfalls in massiver Schieflage, was am Ende dazu führt, dass weder Work noch Life im Gleichgewicht sind. Und wenn die Vier-Tage-Woche tatsächlich eingeführt werden sollte: Wer backt dann sonntagmorgens um vier Uhr die Dinkelbrötchen?
Zugleich strömen Hunderttausende Asylbewerber, Migranten, Schutzsuchende und illegale Einwanderer ins Land, die, anders als offiziell verkündet, leider keinen neuen Wirtschaftsboom ausgelöst haben, sondern in der Mehrheit über viele Jahre arbeitslos sind, von Sozialleistungen leben und überproportional häufig schwere Straftaten begehen. Gerade bei Sexualverbrechen gegen Frauen sind junge männliche Migranten laut aktuellen Statistiken des Bundeskriminalamts weit überrepräsentiert.
In einer merkwürdigen Übersprunghandlung versucht die neue Ampel-Regierung unter dem Merkel-Schüler Scholz mit dem Temperament einer gebrauchten Büroklammer, weitere Hunderttausende Migranten – die »Wirtschaftsweise« Monika Schnitzer fordert gar 1,5 Millionen Zuwanderer pro Jahr – ins Land zu locken, um den Fachkräftemangel zu beheben. Dazu reist der Arbeitsminister bis nach Brasilien. Dass für diese Zuwanderer gar keine Wohnungen vorhanden sind, spielt keine Rolle. Währenddessen beziehen vier Millionen erwerbsfähige Menschen das »Bürgergeld«, formerly known as »Hartz IV«, und die Rente mit 63 sorgt dafür, dass Hunderttausende Fachkräfte vorzeitig in Pension gehen. Eine dreifach teure Ressourcenverschwendung, ein Irrsinn von Staats wegen, der nur mit Humor zu nehmen ist.
Apropos: Humor gehört auch zur Mangelware in der Ampel-Republik, denn Ironie und Sarkasmus passen nicht zur woken, politisch korrekten, achtsamen, diversen und nachhaltigen Gesellschaft, die niemanden zurücklassen will und eben deshalb nicht vorwärtskommt. Man kennt das vom Schulwandertag. Zum Ausgleich soll Cannabis legalisiert werden, denn selbst im Land der »feministischen Reflexe« und verordneten Regenbogenfahnen geht es nicht ganz ohne gute Laune, auch wenn sie aus der Tüte kommt.
Die Deutsche Bahn setzt aber wenig Hoffnung darauf, dass deshalb nun die »besten Köpfe« aus aller Welt in die Bundesrepublik streben. So verspricht sie das endgültige Erreichen des beschleunigten »Deutschlandtakts« erst für das Jahr 2070, optimistisch gerechnet also in rund 48 Jahren: die vierfache Dauer des »Dritten Reiches«, damals, als die Züge noch pünktlich gen Osten rollten.
Der Einbau von neuen Gasheizungen soll allerdings demnächst verboten sein ebenso wie »antifeministische« Meinungsäußerungen, die umgehend der neu geschaffenen »Meldestelle« des Bundesfamilienministeriums angezeigt werden können. Dort gibt es offensichtlich, anders als in Wirtshäusern, Schulen und Strafvollzugsanstalten, keinerlei Mangel an engagierten Fachkräften, darunter auch eine ehemalige informelle Mitarbeiterin der DDR-Staatssicherheit.
Personalmangel herrscht ebenso wenig in der immer weiter aufgeblähten Ministerialbürokratie, wo Tausende neue Fachkräfte am Deutschlandtakt arbeiten, um viele weitere »Gute-Kita-« und »Starke-Familien-Gesetze« aus der Taufe zu heben – ein tolles Vorbild für die ganze gute Welt. Urbi et orbi: »Vier bis fünf Windräder« müssten pro Tag installiert werden, um das Weltklima zu retten, fordert der Kanzler, der sich mit Wumms stets um die ganz großen Linien kümmert.
Deshalb kann er sich nicht mit Kleingedrucktem abgeben wie den alarmierenden Prognosen von Energieexperten, denen zufolge Deutschland in absehbarer Zeit massive Stromlücken zu befürchten hat, die allenfalls notdürftig durch den Import von Atom- und Kohlestrom aus europäischen Ländern gestopft werden könnten. Schon werden Stromabschaltungen avisiert, auf die sich auch die Industrie vorbereitet – vor allem durch Abwanderung in andere Länder. Etwa nach China, wo Dutzende neue Kohlekraftwerke gebaut werden, während in Deutschland Sonnenkollektoren auf Balkonen boomen. Nur der jährliche Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und seines Chefs mit den markanten Mega-Koteletten ist so verlässlich wie eh und je: Es wird immer schlimmer. Die »Führungsmacht Deutschland« (Olaf Scholz) – ein einziges Armenhaus.
Aber wir wollen keine schlechte Stimmung verbreiten. Im Gegenteil. Wir beobachten, protokollieren und resümieren mit viel Liebe zum Detail das, was in diesem merkwürdigen Land vorgeht und viele Zeitgenossen ratlos bis wütend zurücklässt. Doch wir wissen aus Erfahrung: Veränderung kommt nur durch Einsicht, also auch durch konkrete Ansichten – genaue Beschreibungen dessen, was passiert. Anders als Marx sagte, bestimmt eben auch das Bewusstsein das Sein.
Und da sind wir schon beim ersten Leitmotiv der fortgeschrittenen deutschen Phrasen-Republik: Ständig wird gepredigt, wie wunderbar es sein wird, statt erst einmal darüber zu reden, wie es ist. »Strukturelles«, also betreutes Wegschauen in Tateinheit mit betreutem Denken ist vor allem in den Massenmedien Programm, jedenfalls dort, wo die Realität buchstäblich wehtut: dem eigenen Weltbild, den ideologischen Überzeugungen, den politischen Tabuzonen.
Endemischer Moralismus, realitätsferne Illusionen, Größenwahn und Selbstverleugnung, schlechte Laune und Angst vor der Freiheit, dazu Vollkasko-Mentalität und apokalypseversessen Wohlstandsverwahrlosung mit einer kräftigen Portion Geschichtsvergessenheit, die sich als »Lehre aus der Geschichte« tarnt – darum geht es in diesem Buch. Ob in Form einer kleinen Miszelle, einer tagebuchähnlichen Eintragung, einer Glosse, eines pointierten Essays oder als szenisch-reportagehafte Darstellung – alles trägt zur Zeichnung eines Sittenbilds der Ampel-Republik bei, deren Maxime Heinrich Heine schon 1844 in seinem Zyklus Deutschland, ein Wintermärchen mit beispielhafter Ironie und Sarkasmus formulierte, ohne Robert Habeck, Ricarda Lang und Annalena Baerbock überhaupt zu kennen:
Franzosen und Russen gehört das Land,
Das Meer gehört den Britten,
Wir aber besitzen im Luftreich’ des Traums
Die Herrschaft unbestritten.
Hier üben wir die Hegemonie,
Hier sind wir unzerstückelt;
Die andern Völker haben sich
Auf platter Erde entwickelt.
KAPITEL 1
Schöne Illusionen oder Die Realitätsblindheit der Bullerbü-Republik
An Tagen wie diesen …
Es gibt Tage, da geht es schon um kurz nach acht los mit dem Gefühl, im falschen Film zu sein. Im Morgenmagazin von ARD und ZDF beschwört eine Ministerin unentwegt den »sozialen Zusammenhalt« und fordert »Respekt für alle«, weil Menschlichkeit keine »Obergrenze« kenne. Gerade ist die erste Tasse Kaffee eingegossen, und man fühlt sich schon defizitär, irgendwie schuldig. Tue ich genug für die »Wärmewende« und den »Zusammenhalt«? Und wie genau geht der? Mit wem soll ich eigentlich zusammenhalten?
Mittags im Deutschlandfunk fordert ein Politikwissenschaftler ultimativ »Mehr Europa!« und fügt hinzu: »Gewalt ist keine Lösung. Niemand darf ausgegrenzt werden.« Spontan erinnert man sich daran, dass im Tagesspiegel, dem ehemaligen Lieblingsblatt aller weltoffenen Wilmersdorfer Witwen, die Kolumnistin Hatice Akyün unlängst dekretierte: »Stark ist das neue hübsch. Wir müssen aufhören, unsere Töchter hübsch zu finden.« Okidoki, das eigene Kind hübsch zu finden diskriminiert andere Kinder, die vielleicht nicht ganz so hübsch sind. Wir lernen: Das neue »Narrativ« der Body-Positivity ist Teil jener Dauerwerbesendung für Vielfalt, die inzwischen den Status eines neuen Grundrechts, ja eines Staatsziels erlangt hat. Olaf Scholzens Drohung ist wahr geworden: »You’ll never walk alone!«
Selbst regierungsamtliche Stellen engagieren sich für ein achtsames Miteinander, die aktive »Gestaltung von Vielfalt« im Sinne von Diversität. Seltsam nur: Schon beim Aldi um die Ecke findet man jede Menge Vielfalt, nicht nur im Joghurtregal, sondern auch in der Schlange an der Kasse. Echte Regenbogen-Diversität, vom grauhaarigen Cis-Rollator-Rentner bis zur jungen afghanischen Frau mit Kopftuch. Ein holländischer Sozialforscher prophezeit ohnehin, dass Menschen ohne Migrationshintergrund, die sogenannten Kartoffeln, in einigen Jahren auch in Deutschland in der Minderheit sein werden. Schon wieder eine Sorge weniger: Die Vielfalt setzt sich ganz von selbst durch.
Das gilt auch für den Bürgersteig. Nach »Latte to go« und »Wegbier« ist nun »Wandschrank to go« angesagt. Weil man sich hier im Reich einer bunten »Positivkultur der Emotionen« befindet, wie der Soziologe Andreas Reckwitz es formuliert, wird die versiffte schwarze Polstergarnitur kulturadäquat und milieugerecht beworben. In heiligem Ernst steht da wortwörtlich: »Zum Mitnehmen! Viel Spaß damit!«
Auf Radio 1 vom rbb wirbt derweil ein Aktivist – wer heute kein Aktivist ist, hat nichts verstanden – für die Enteignung privater Wohnungsbaugesellschaften. Irgendwie soll das auch der Klimaneutralität Berlins zugutekommen. Wir vermuten: Durch weniger Wohnungsbau – so wie durch weniger Parkplätze und Autos, die perspektivisch nach Brandenburg ausgelagert werden sollen.
Dafür dürfen mehr Frauen oben ohne durchs Freibad kraulen. Eine rbb-Reporterin hat unter falschem Namen den Selbstversuch gewagt und mit ihren unverhüllten, »als weiblich gelesenen Brüsten«
