Größenwahn und Politik
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Über dieses E-Book
Die EDITION LINGEN STIFTUNG hat es sich zur Aufgabe gemacht, unsere heutige Demokratie kritisch zu durchleuchten. Dabei sollen weder Politiker pauschal an den Pranger gestellt noch simple Medienschelte betrieben werden, sondern mutige, offene und ehrliche Diskussionen geführt werden.
Nur so lassen sich unsere bürgerlichen Rechte und Freiheiten sichern.
EDITION LINGEN STIFTUNG - Publikationen für politisch interessierte Bürger
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Buchvorschau
Größenwahn und Politik - Mainhardt Graf Nayhauß
Vorwort
Arnold Kirchner
Größenwahn
Dieter Wonka
Das Trio des deutschen Politiker-Größenwahns
Hans-Ulrich Jörges
Zwerge, mit und ohne Buckel
Christoph Schwennicke
Gabriele Pauli, Ikara der CSU
Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler
Größenwahn und falscher Ehrgeiz
Theo Waigel
Vor Fehlern in der Politik ist niemand gefeit
Karl-Theodor zu Guttenberg
Im Gespräch mit Graf von Nayhauß: Mit Missverständnissen muss man leben
Helmut Haussmann
Wenn die Kontrollen versagen
Jürgen Rüttgers
Prominent zu sein, reicht nicht. Wie Inszenierungen die Politik verändert haben.
Dorothee Bär
„Dankbar rückwärts, mutig vorwärts, gläubig aufwärts."
Bernard Nuss
Sind Politiker Menschen?
Hajo Schumacher
Ein Handy für den Chef
Thilo Sarrazin
Größenwahn und jüngere Zweitfrau
Hans Leyendecker
Größenwahn gab’s schon immer
Hans Herbert von Arnim
Der Ehrensold des Präsidenten
Peter Bachér
Was moralisch falsch ist, kann politisch nicht richtig sein
Mainhardt Graf von Nayhauß
Bodyguards sogar im Wohnzimmer
Franz-Jochen Schoeller
Präsidentenwunsch: Orden auch für Frau und Tochter
Lisa Inhoffen, Rita Klein, Florian Ludwig, Wolfgang Wiedlich
Das Millionengrab
els.gifBauprojekte, Prestige und kommunaler Ausverkauf
Barbara Scheel
Für Klarheit
Wolfgang Gerhardt
Von Torheit, Größenwahn und Borniertheit
Hans-Peter Schwarz
Unser neuer Größenwahn: Rettung des Erdklimas
Peter Scholl-Latour
Vorsicht „Weltpolitik"! – Bonner Gipfelwahn
Claus Jacobi
„Der Weg der Deutschen"
Literaturverzeichnis
Impressum
ecke.gifVorwort
„Das Volk versteht das meiste falsch; aber es fühlt das meiste richtig."
Kurt Tucholsky
Als im Spätsommer 2011 die Planungen zu einer „Edition Lingen Stiftung konkrete Formen annahmen, waren Aufstieg und Fall des Karl-Theodor zu Guttenberg nicht mehr auf den Titelseiten zu finden. Doch nachdem der mediale Schlachtenlärm verklungen war und sich der Rauch der Wortgefechte und Talkrunden verzogen hatte, drängten sich mit zunehmender Distanz zum Geschehenen Fragen auf, die weit über den bis dahin wohl spektakulärsten Absturz eines Politikers hinausgingen. Die Betonung liegt auf „bis dahin
. Denn niemand konnte ahnen, dass in Deutschland nur wenige Monate später das Wort von einer angeblichen „Staatskrise die Runde machen sollte und Bundespräsident Wulff zurücktreten würde. Mit dem vielleicht etwas klareren Blick von außen, den Jürg Dedial in der „Neuen Zürcher Zeitung
einnahm, nannte er nicht nur die medialen „Empörungsexerzitien in Deutschland beim Namen, sondern warnte auch vor einer Enthüllungswut, die zum Selbstzweck wird. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Dass Christian Wulff sich „politisch selbst zerstört
hat, wie Michael Hanfeld in der FAZ am Tag nach Wulffs Rücktritt schrieb, steht wohl außer Frage. Aber die Selbstgerechtigkeit der Medien lässt nicht nur einen fahlen Nachgeschmack zurück, sie ist auch eine Gefahr für unser politisches System selbst.
Schon lange vor der „Causa Guttenberg hatte so manches Gespräch mit Helmut Lingen, dem Kölner Verleger und Gründer der gleichnamigen Stiftung, um die Fragen gekreist, ob die meisten Politiker den Kontakt zur Wirklichkeit nicht längst verloren hätten und somit Begriffe wie „Arroganz der Macht
und „Politikverdrossenheit nicht zwei Seiten der gleichen Medaille seien. Welche Rolle spielen dabei die Medien, die heute täglich Sensationen liefern müssen? Ist die schwelende Vertrauenskrise in die politische Klasse nicht auch eine Art „Ermüdungserscheinung
der Bürger, die permanent mit Enthüllungen und Skandalen konfrontiert werden? Erschöpft sich Pressefreiheit im „Hochschreiben und anschließenden „Niedermachen
von Politikern?
Diese und viele weitere Fragen, die sich heute politisch interessierten Bürgern stellen, gaben den Anstoß, die Debatte mit Publikationen zu begleiten, die dank der Förderung durch die Lingen Stiftung frei von wirtschaftlichen oder politischen Erwägungen sind. Dabei geht es weder darum, pauschal Politiker an den Pranger zu stellen, noch simple Medienschelte zu betreiben, sondern die Probleme mutig, offen und ehrlich anzugehen. Zugegeben, kein leichtes Unterfangen, zumal sich der nun vorliegende erste Band der „Edition Lingen Stiftung gleich dem Thema „Größenwahn und Politik
widmet. Es sollte sich dabei als glückliche Fügung für die Edition erweisen, dass Mainhardt Graf von Nayhauß, seit Jahrzehnten einer der besten Kenner des politischen und journalistischen Lebens in Bonn und Berlin, bereit war, die Herausgeberschaft zu übernehmen. Ihm ist es gelungen, Politiker, Journalisten und Publizisten gleichermaßen als Autoren dieses Bandes zu gewinnen. Sie alle kommen zu Wort, können Stellung beziehen und verschiedene Facetten beleuchten: Woran lassen sich „Höhenflüge" festmachen? Was ist Charakterschwäche und wo beginnen Machtmissbrauch und Vorteilsnahme? Wie geht man gegen die unheilige Allianz von Gier und Größenwahn vor, die nicht selten mit gigantischen Steuerverschwendungen einhergeht?
Während Dieter Wonka, Hauptstadtkorrespondent der Leipziger Volkszeitung, die Frage, ob es überhaupt große Politik ohne Größenwahn gebe, mit einem klaren Nein beantwortet und das Trio „Guttenberg-Westerwelle-Mappus" ins Visier nimmt, hält Hans-Ulrich Jörges dagegen, dass nicht Größenwahn das aktuelle Phänomen unter den politisch Aktiven sei, sondern ganz im Gegenteil „Verzwergung. Die Finanzkrise, so Jörges, habe der Politik „die Flausen fortdauernder Selbstüberschätzung
ausgetrieben. Christoph Schwennicke („Cicero") erinnert daran, dass in unserer schnelllebigen Zeit Namen wie die von Gabriele Pauli und Andrea Ypsilanti schon weitgehend wieder dem Vergessen anheim gefallen sind, obwohl diese Politikerinnen mit ihrer Geltungssucht und Selbstüberschätzung einen Freiherrn zu Guttenberg in den Schatten stellen können.
Mit gleich vier ehemaligen Bundesministern kommen Politikerpersönlichkeiten zu Wort, denen die Gefährdungen des „Höhenrausches" nicht unbekannt sind. Als ebenso einfaches wie wirksames Gegenmittel zitiert Theo Waigel das Motto seines Mentors, des früheren bayerischen Wirtschaftsministers Anton Jaumann: „Bescheiden bleiben und immer wissen, wo man herkommt." Um das richtige Maß und die Urteilskraft, gesunden Ehrgeiz von blindem, krank machendem Ehrgeiz zu trennen, geht es der Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Ex-Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann sieht ebenfalls in der Rückbindung an Familie und Freunde, an Menschen, mit denen man aufgewachsen ist, eine Art natürliches Kontrollorgan, das vor Schmeichlern und Ja-Sagern schützt. Jürgen Rüttgers spricht von der Gefahr, durch die Medialisierung unserer Lebenswelt auch die Politik zu bloßem Theater zu degradieren. Aber in der Politik, so Rüttgers’ kritisches Fazit, geht es nicht um Prominenz, sondern ums Allgemeinwohl. Dass der Trend zu medialen Inszenierungen durch das Internet weiteren Schub bekommen und einen „Schnelligkeitswahn" ausgelöst hat, ist ein Problem, auf das die Stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär hinweist. Selbst einen Beitrag zum Thema „Größenwahn" schreiben, wollte Karl-Theodor zu Guttenberg zwar nicht, aber er war zu einem Gespräch mit Herausgeber Graf Nayhauß bereit. Dass die Fotoaufnahme, die zu Guttenberg in großer Pose am Times Square zeigt und die bis heute als „Beweisfoto" seiner verlorenen Bodenhaftung herhalten muss, einen völlig harmlosen Hintergrund hat, zeigt einmal mehr, welche Dynamik und Macht selbst in der medialen Aufbereitung eines Fotos liegen kann. Auch wenn sich Politiker durchaus selbstkritisch äußern, kann dies das Urteil, das sich der Journalist Bernard Nuss, langjähriger Leiter der Presseabteilung der Französischen Botschaft gebildet hat, nicht mildern. Nuss rechnet in seinem Beitrag mit den Politikern ab: „Die Bürger haben die Politiker satt. Sie fühlen sich von ihnen belogen und betrogen – und das mit Recht."
Hajo Schumacher weist den Journalisten zwar eine wichtige Aufgabe als „Doping-Kontrolleure der Demokratie zu, legt den Finger aber auch in die Wunde mangelnder Glaubwürdigkeit der eigenen Zunft: „Jene porentiefe Sauberkeit, die die professionellen Öffentlichkeits-Hersteller zu Recht von den Volksvertretern verlangen, legen sie selbst nicht immer an den Tag.
Thilo Sarrazin stellt mit nüchterner Klarheit fest, sich nicht den Beruf des Politikers auszusuchen, wenn man viel Geld verdienen will, und nur einen Lebensstandard zu pflegen, der auch einen Amtsverlust übersteht. Aus aktuellem Anlass kommentiert Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim in diesem Zusammenhang die Diskussion um den Ehrensold für den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff. Dass sich Politiker mit Dotationen „gewogen" stimmen lassen, ist nicht neu, aber die Flick-Affäre und die Einflussnahmen der Pharmaindustrie oder Versicherungswirtschaft, an die Hans Leyendecker erinnert, hatten schon „ein besonderes Format. Allerdings hält Leyendecker auch den Wählern den Spiegel vor, denn getrickst, gemogelt und betrogen wird auch im Alltag: „Moralische Schizophrenie ist längst zu einer Lebensform geworden.
Für Peter Bachér sind es jedoch weniger finanzielle Annehmlichkeiten, denen Politiker erliegen, sondern vielmehr der „köstliche Stoff Aufmerksamkeit, der eine „Rauschgift-Wirkung
hat. Es ist wie eine Sucht, der die politischen Akteure verfallen: „Die Minen, auf die sie treten und die explodieren können, heißen Eitelkeit, Eitelkeit, Eitelkeit. Den einzigen Schutz bietet die tägliche Überprüfung, ob man „mit der geliehenen Macht verantwortungsvoll, ja demütig
umgeht. Eine Selbstprüfung, die Helmut Kohl offenbar völlig fremd gewesen ist, wenn man den Beitrag von Jürgen Leinemann liest. Ganz im Sinne von Bachérs Rauschgift-Metapher charakterisiert Leinemann das „System Kohl als ein „System von Abhängigkeiten, in dem Machtbesitzstände in jeder Form zu Drogen wurden
. Und auch Herausgeber Mainhardt Graf Nayhauß stellt lakonisch fest: „Macht wird zur Gewohnheit, macht außerdem süchtig."
Wenn man über manche Auswüchse der Mächtigen, von denen der frühere Diplomat Franz-Jochen Schoeller berichtet, nur den Kopf schütteln mag, so verschlägt es einem jedoch schlicht die Sprache, liest man die Recherchen von Lisa Inhoffen, Rita Klein, Florian Ludwig und Wolfgang Wiedlich zum „Millionengrab WCCB in Bonn. Das Millionen-Debakel um die „Erlebnisregion Nürburgring
steht dem Bonner Skandal in nichts nach – zwei Beispiele für die Verschwendung kaum vorstellbarer Summen an Steuergeldern. In welchem Maße dies dereinst auch für das Projekt „Stuttgart21" zu beklagen sein wird, mit dem sich Barbara Scheel auseinandersetzt, muss die Zukunft zeigen. Dass der frühere FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt von einem Dreiklang aus „Torheit, Größenwahn und Borniertheit" spricht, überrascht kaum noch.
Jenseits von Verschwendung und Korruption lenkt Hans-Peter Schwarz den Blick auf eine ganz neue Form des Größenwahns, der sich – wie man in Anlehnung an einen populären Schlager sagen möchte – darauf richtet, „nur noch kurz die Welt zu retten". Eine utopisch anmutende Politik, die sich nichts Geringeres als die Rettung des Erdklimas zum Ziel gesetzt hat. Eine Anmaßung, die der Erkenntnis Bismarcks, dass Politik die Kunst des Möglichen ist – woran auch Claus Jacobi mit Nachdruck erinnert – völlig widerspricht. Überspanntheiten ganz anderer Art hat dagegen Peter Scholl-Latour im Blick, wenn er vor größenwahnsinnigen „Amateur-Strategen warnt: Die Überforderung der Kräfte der atlantischen Allianz und das Verschließen der Augen vor machtpolitischen Gegebenheiten lassen Ansätze einer unheilvollen „Weltpolitik
erkennen.
Köln, im März 2012
Werner Schulte
Edition Lingen Stiftung
ecke.gifArnold Kirchner
Größenwahn
Hier geht es um den Größenwahn,
den man bei uns erleben kann,
der schädlich war und schaden wird,
weil Größenwahn fast immer irrt.
Bist du ein Bass und singst Sopran,
erkennt es jeder: Größenwahn!
Bläst sich ein Zwerg auf zum Titan
ist schwieriger die Diagnose.
Man merkt erst: Das war Größenwahn,
sticht man ihm in die Hose.
Ist dann die Luft raus,
schrumpft der Riese
zum Fall für Psychoanalyse.
Historisch hat der Größenwahn
den Deutschen schon viel angetan:
Sie jubelten, begeistert, froh
beim alten Kaiser Wilhelm Zwo,
der markig rief: „Am deutschen Wesen
soll nun die ganze Welt genesen!"
Am Ende gab es Hungersnot
und 4 Millionen waren tot.
Das reichte nicht! – Der Größenwahn
fing bald darauf von vorne an,
