Über dieses E-Book
Jochen Nagel
Jochen Nagel, geboren 1960 in Kassel, ist ein verträumter Realist, der seinen Mitmenschen ein offenes Ohr schenkt und ihren Problemen gegenüber aufgeschlossen ist. Mit einem stark ausgeprägten Gefühl für Gerechtigkeit, Ausgleich und soziale Eingliederung setzt er sich als Integrationsfigur in verschiedenen Rollen ein. Seine Introvertiertheit ist mit einem Schuss Extrovertiertheit angereichert. Diese Selbstanalyse bei einem psychologischen Seminar als Privatkundenberater bei der Postbank trifft noch heute zu. Die Eigenschaften sind ebenso hilfreich bei den Herausforderungen als Vorgesetzter bei der Deutschen Bundespost, als Prüfer der externen Finanzkontrolle und als Vorsitzender des Personalrats beim Bundesrechnungshof. Sein verträumter Realismus ist Ausgangspunkt für Habibis Reise, Weihnachten: Ein Geschenk, Afrika erzählt und die Trilogie von Tröto, dem Brillofanten, Galego, Ein Märchenbuch, Fabelhaft sowie viele kleine, noch unveröffentlichte Geschichten und Märchen.
Ähnlich wie Trötos Revival
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Buchvorschau
Trötos Revival - Jochen Nagel
1
Langsam und ruhig zog das Schiff seine Bahn durch den breiten, gemächlich dahinfließenden, doch scheinbar uferlosen Strom. Allein der vorantreibende Motor verursachte einige schwache Wellen, die sich aber schon bald in der Weite des Wassers zerstreuten. Hier und da tauchte ein Flusspferd auf und blickte verwundert auf jenes riesige Monster, welches sich stampfend an ihm vorbeiwälzte, um dann wieder prustend und schnaubend im kühlenden Nass abzutauchen.
Aufgescheucht von Raubtieren oder angetrieben von Hunger und Durst flatterten zahlreiche bunte Vögel aus dem Dickicht in den strahlend blauen Himmel, der heute geradezu zu einem Rundflug lockte. Doch oftmals war außer dem eintönigen Tuckern des Schiffes nur die Stille zu vernehmen, die dieser Erdteil trotz der unbekannten Kämpfe ums Überleben und der schlummernden Geheimnisse beruhigend ausstrahlte. Afrika schlug den Zirkus mit seinen Menschen und Tieren in seinen ewigen Bann, der sich beängstigend und dennoch fesselnd um sie legte, ohne jemals schwinden zu wollen.
Die Urkraft der Herkunft der Menschheit holte sie über die Jahrmillionen ein, als wäre nur ein Wimpernschlag vergangen. Es war, als würden die Menschen heimkehren zu ihren Wurzeln. Und tief in ihrem Innern wussten sie es. Viele der Tiere sehnten sich nach der Freiheit in ihrer Heimat. Eine Heimat, die sie nie gesehen hatten. An Bord des Zirkusschiffes entstand eine sonderbare, zuvor nie gekannte Unruhe bei Menschen und Tieren.
2
Auch Tröto war von dieser seltsamen Empfindung spürbar angesteckt. Das erste Mal, seitdem er beim Zirkus, der zu seiner zweiten Heimat mit vielen Freunden geworden war, lebte, verspürte er wieder das Gefühl eines eingeengten Lebewesens. Im indischen Dschungel war er der König. Okay, da gab es noch den Tiger. Auch ein kleiner König. Dort konnte er unbeschränkt, stark und mächtig tun und lassen, was ihm gefiel. Gewiss gab es unzählige Gefahren. Andere wilde und angriffslustige Tiere. Die stets offene Frage, wann und wo es genug zu fressen oder zu trinken gäbe. Und zu allem die Spannung, welche Überraschung hinter dem nächsten Baum, Strauch oder der nächsten Biegung liegen möge. Aber lag nicht genau darin die Würze des freien Lebens? Seine Schönheit?
Tröto stieß einen lauten Seufzer aus. Rajai blickte zu ihm herauf. Seine braunen, noch kindlichen Augen schauten ihn fragend an. Sie blieben wortlos. Der kleine Inder schien die Gedanken seines großen Freundes zu erahnen. „Will er mich alleine lassen?" fragte sich Rajai.
Aber auch Tröto wusste um die Furcht des Jungen. So schnell konnte er ihn nicht verlassen. So sehr ihn auch die Sehnsucht nach der Freiheit drängte, verband doch eine tiefe und ehrliche Freundschaft diese beiden, ach so unterschiedlichen Wesen.
Und außerdem fand es
