Jahrhundertchance Silber: Warum Silber vor goldenen Zeiten steht und wie Sie davon profitieren können
Von Jannik Beckers
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Über dieses E-Book
»... tiefschürfend, mit viel Historie, auch philosophisch, aber nicht markttechnisch. Man sieht Silber aus einem neuen Blickwinkel.«
(Dr. Bruno Bandulet)
Jannik Beckers
Jannik Beckers ist Betriebswirt und erfolgreicher Investor. Er hat sich auf europäische und internationale Wirtschaftsbeziehungen spezialisiert.
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Buchvorschau
Jahrhundertchance Silber - Jannik Beckers
Für Tabea Santana Mainitz und Angeliki Mpardola,
zwei Menschen, die mir lieb und teuer sind.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Als Silber noch Geld war und wie es entmonetarisiert wurde
1.1 Rückkehr zum Goldstandard?
2. Die globalen Silberreserven
2.1 ›Glück auf!‹ – von der deutschen Kultur des Silberbergbaus
3. Silberpreismanipulation: Was ist ein fairer Silberpreis?
3.1 Aufgelder und Abschläge am physischen Edelmetallmarkt
3.2 Exkurs: Technische Analyse und Fundamentalanalyse
4. Ist Silber das Gold des armen Mannes?
4.1 Exkurs: Der schnelle (und seriöse) Weg zu einem großen Vermögen
5. Wie in Silber investieren?
5.1 Die wichtigsten Silberlegierungen
5.2 Kann Silber verboten werden?
Schlusswort
Anmerkungen
Literaturverzeichnis
Vorwort
Leute, die dafür ausgebildet, ausgewählt und entlohnt werden, komplizierte Lösungen zu finden, sind nicht motiviert, mit einfachen Lösungen zu arbeiten. Das gilt vor allem für die Finanzberatung, da viele Menschen dazu neigen, sich nicht mit finanziellen Belangen beschäftigen zu wollen, weil sie dem Trugschluss erliegen, dass die Thematik zu umfangreich und damit unübersichtlich ist. Ein Bankberater ist ein Verkäufer, der bei der Produktauswahl an das Angebot seines Arbeitgebers gebunden ist. Sein unausgesprochenes Motiv ist seine sichere Stelle, sein Gehalt, seine an seinem Beratungsumsatz gemessenen Verkaufsprämien und sein Bonus. Während römische Familien einst üblicherweise einen gebildeten Haussklaven als gewissenhaften Verwalter ihrer Finanzen beschäftigten, weil sie ihn bei gegebenem Anlass ohne juristische Mittel sehr viel strenger bestrafen konnten als einen Freien,¹ unterliegt ein Bankberater der Gegenwart einem Interessenkonflikt. Daher ist man am besten beraten, seine Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Einen ersten Schritt haben Sie getan, indem Sie dieses Buch erworben haben. Sie werden einige historische Hintergründe erfahren, denn wer Gold und Silber besitzt, versteht vor allem eines: die Geschichte. Bekanntlich wiederholt sich die Geschichte nicht, aber sie reimt sich sozusagen. Indem die Zeichen und Spuren der vergangenen Wirklichkeit entschlüsselt und in einen Zusammenhang gebracht werden, wird dies offenbar. In seinem Grundriss der Historik erklärt der deutsche Geschichtstheoretiker Johann Gustav Droysen (1808–1884): »Wäre das geschichtliche Leben nur Wiedererzeugung des immer Gleichen, so wäre es ohne Freiheit und Verantwortlichkeit, ohne sittlichen Gehalt, nur organischer Natur.« (Droysen 1974, S. 339). Es kommt darauf an, »in den vergangenen Geschehnissen Wirklichkeiten mit der ganzen Fülle von Bedingnissen, die ihre Verwirklichung und Wirklichkeit forderte, zu sehen.« (ebd.). Durch nicht nur deutsche und europäische, sondern auch globale Akzente strebe ich Multiperspektivität an, die in ihrer Darstellung zwar tendenziell schlaglichtartig ist, aber durch den Fokus auf ein globales Phänomen, nämlich die Faszination für Gold und Silber, mittels vergleichender Sichtweisen ein besseres Verständnis für das große Ganze schafft. Gold und Silber sind seit jeher fester Bestandteil menschlichen Wirkens. Sigmund Freud (1856–1939) brachte seinerzeit die Neigung zum Horten von Geld mit Formen der unterbewussten Sexualität des Kindes in Zusammenhang.² Die unbewusste Sexualität werde durch eine sogenannte Sublimierung von einem besonders starken Hang zum Geld verdrängt, und Freud erhärtet seine durchaus ungewöhnliche Erkenntnis mit den Worten: »Wo immer archaische Denkformen dominieren oder überlebt haben – in alten Zivilisationen, in Mythen, Märchen und Aberglauben, in unterbewußten Gedanken und Träumen sowie in Neurosen – wird Geld in engster Weise mit Exkrementen in Verbindung gebracht.« (Wells 1960, S. 148 f.; zit. nach Anikin 1987, S. 127). Nach Freud ist der Hang zu Gold und Silber in ihrer Urfunktion als Geldmetall also schon im Unterbewusstsein des Menschen gegeben.
Kommen wir mit diesen Gedanken zurück zum wesentlichen Inhalt dieses Buches: Um mit den Worten des Schweizer Kulturhistorikers Jacob Burckhardt (1818–1897) zu sprechen, wollen wir »durch Erfahrung nicht so wohl klug (für ein andermal), als vielmehr weise (für immer) werden.« (Burckhardt 1982, S. 230). Burckhardt meinte mit diesem Auszug aus seinen Weltgeschichtlichen Betrachtungen, dass die historische Erforschung eines geschichtlichen Ereignisses den Menschen zwar nicht befähige, in seiner Gegenwart klüger zu handeln, zumindest aber vergleichende Unterscheidungen anzustellen. Am Beispiel zwischen Edelmetallen und ungedecktem Papiergeld können wir so eine bessere Vorstellung von der Fragilität unseres modernen Finanzsystems bekommen und weiterhin bei der vergleichenden Unterscheidung zwischen Gold und Silber eine erhebliche Unterbewertung von Silber am Markt und damit sein besonders hohes wertsteigerndes Potenzial (reale Kaufkraftsteigerung) erkennen. Darum geht es in diesem Buch, und was Sie mit Ihren daraus gewonnenen Erkenntnissen anstellen, obliegt ganz allein Ihnen. Meinen persönlichen Anspruch als Autor sehe ich im Nachkommen einer dreifachen Verantwortung: gegenüber den Fachinhalten, gegenüber den Vertretern und Institutionen der Wissenschaft und gegenüber einer Öffentlichkeit, deren Bildung und Wohl der ganze Einsatz gilt.
Der österreichisch-britische Philosoph Karl Popper (1902–1994) schreibt in seinem Brief Gegen die großen Worte, dass jeder Intellektuelle eine ganz spezielle Verantwortung habe, weil er das Privileg und die Gelegenheit besitze zu studieren. »Dafür schuldet er es seinen Mitmenschen (oder ›der Gesellschaft‹), die Ergebnisse seines Studiums in der einfachsten und klarsten und bescheidensten Form darzustellen. […] Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.« (Popper 2016, S. 100). In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, eine leicht verständliche und erkenntnisreiche Lektüre.
Viersen im Frühjahr 2022
Jannik Beckers
1 Als Silber noch Geld war und
wie es entmonetarisiert wurde
Der irische Dramatiker George Bernard Shaw (1856–1950) postulierte in seiner Komödie Zu viel Geld, dass Geld eine Garantie für das sei, was man Kultur nenne (vgl. Shaw 2000, S. 222). In jedem Fall ist Geld keine unbedingte Voraussetzung für Kultur, wenn der Kulturbegriff nach dem deutschen Philosophen Hubertus Busche (*1958) in den folgenden vier Grundbedeutungen definiert wird. Erstens: »Kultur, die man betreibt: vervollkommnende Pflege der individuellen Naturanlagen«. Zweitens: »Kultur, die man hat: gepflegter Zustand oder hoher Grad erworbener Vervollkommnung«. Drittens: »Kultur, in der man lebt: der charakteristische Traditionszusammenhang von Institutionen, Lebens- und Geistesformen, durch den sich Völker und Epochen voneinander unterscheiden«. Und viertens: »Kultur, die man schaffen, fördern und als (nationalen) Besitz verehren kann: die höhere Welt der Werte und Werke in Kunst, Philosophie und Wissenschaft« (Busche 2000, S. 69–90).³ Beispielsweise betrachtete es im vorindustriellen Japan der Kriegerstand der Samurai⁴ ihrer Kultur nach als Schande, Geld anzurühren. Für die Samurai waren die Wege des Reichtums nicht die Wege der Ehre: »The business of the samurai consists in reflecting on his own station in life, in discharging loyal service to his master if he has one, in deepening his fidelity in associations with friends, and, with due consideration of his own position, in devoting himself to duty above all […] The samurai dispenses with the business of the farmer, artisan, and merchant and confines himself to practicing this Way« (Tsunoda et al. 1964, S. 390). Dabei ist die Trennung von Macht und Reichtum als eine Sozialstrategie zu verstehen, weil sie eine Anhäufung von Reichtum aufseiten der Mächtigen verhindert und für eine in etwa gleichmäßige Verteilung desselben sorgt. Außerdem wurde gerade von den Kriegern strengste Einfachheit des Lebens gefordert, denn als größte Gefährdung der kriegerischen Effizienz und allgemein der menschlichen Natur galt der Luxus, der durch die Einübung von Enthaltsamkeit, oder anders gesagt Sparsamkeit, vermieden wurde. Die Geldangelegenheiten wurden von einem Samurai niederen Ranges oder von einem Priester verwaltet, und sie waren stolz darauf, ihren Mitmenschen zu zeigen, dass sie nicht einmal wussten, wie man mit Geld rechnet. Der deutsche Nationalökonom und Soziologe Ernst Schultze (1874–1943) konstatierte, dass, je größer der Luxus, desto inhaltloser das Werk ist (vgl. Schultze 1940b, S. 248). Man könnte auch polemisch sagen, dass der Luxus eine Erhöhung erfährt: Mit ihm kann auch die Wahrheit, die nicht gut oder schön zu sein braucht, ertragen werden. Der alte Dreiklang vom Wahren, Schönen und Guten als unisono erfahrbarem Ideal ist demnach obsolet.
Im alten Japan nahm der Kaufmann in der Hierarchie der Berufe den niedrigsten Stand ein: Ritter (shi), Bauer (nō), Handwerker (kō), Kaufmann (shō) (vgl. Nitobe 2006, S. 62; vgl. Schwentker 2019, S. 88).⁵ Vermutlich würde eine ähnliche berufsständische Hierarchie wie das japanische ›shi-nō-kō-shō‹ überall in der Welt bestehen, wenn es keine Beeinflussung von beispielsweise Zunftordnung und -geist wie auch Gilden (Berufsverbänden) als laterale Vergemeinschaftungsformen, vor allem im Westen, geben würde. Der Schotte Adam Smith (1723–1790), seines Zeichens Moralphilosoph und Begründer der klassischen Nationalökonomie, ging sogar so weit, Grundeigentümer und Pächter mit Liberalität, Freimütigkeit und gegenseitigem Helfen zu assoziieren, während er Kaufleuten, Handwerkern und Gewerbstätigen Engherzigkeit, Kleinlichkeit und eine egoistische Einstellung unterstellte, »die allem Geselligen und allem Vergnügen abhold ist.« (Smith 2003, S. 565). Bereits im Alten Ägypten und Alten Indien waren Kaufleute und Handwerker gesellschaftlich am wenigsten angesehen. Zwar wurden Kaufleute um ihre Gewinne beneidet, aber mit einem großen Finanzvermögen ging nicht zwangsläufig gesellschaftlicher Aufstieg einher. Zumindest im Frankreich des 18. Jahrhunderts waren beispielsweise Finanzmakler durchweg von niederer Herkunft, aber dennoch außerordentlich reich und häufig zu stolz, um ihresgleichen zu heiraten. Umgekehrt wurden sie von der Damenwelt des vornehmen Standes verschmäht, sodass sie häufig bewusst Junggesellen blieben. »Ohne eigene Familie und ohne enge innere Bindung zu ihren Verwandten, deren Existenz sie am liebsten leugnen würden, sind sie eigentlich nur daran interessiert, das eigene Leben zu genießen, so daß es sie nicht betrübt, wenn ihr Vermögen mit ihnen untergeht.« (ebd., S. 793).⁶ Bemerkenswert ist, dass der antike griechische Philosoph Platon (428/427–348/347 v. Chr.) im dritten Buch seiner Politeia die Wertigkeit der Stände mit einem Gleichnis verschiedener Metalle abstuft: Gold für die Herrscher, Silber für ihre Helfer und Eisen für die Ackerbauern und sonstigen Handarbeiter (vgl. Platon 2020, S. 148). Bei Platon handelt es sich jedoch um ein vertikales Organisationsprinzip als Herrschaftsmodell; laterale Vergemeinschaftungsformen sind grundsätzlich genossenschaftlich strukturiert. Beide Formen sind als eine soziale ›Ordnung durch Ungleichheit‹ zu verstehen.
Heute überwiegen die ökonomisch-finanziellen Interessen, die dem verhängnisvollen Umstand der Modernität unterliegen, dass es zunehmend um das Erklären geht und weniger um das Verstehen. Konsumentscheidungen als persönlichen Beitrag zur Förderung des Binnenmarktes, zur Steigerung des Wirtschaftswachstums und zur Sicherung der Arbeitsplätze zu begründen – wie Ökonomen es tun –, kommt einer Verdrängung der unbefriedigenden, frustrierenden und energieraubenden Beziehungen der Menschen in den wirtschaftlich führenden Ländern gleich. Geld als ein völlig leeres, abstraktes Medium ist eine globale Illusion, welche die Welt regiert. Für einen japanischen kaufmännischen Schuldner zumindest der Edo-Zeit waren Integrität und Ehre die beste Sicherheit, die er auf Schuldscheine geben konnte. In den entsprechenden Klauseln hieß es beispielsweise: »Falls ich Ihnen das Geld nicht zurückzahle, dürfen Sie mich einen Narren nennen.« (zit. nach Nitobe 2006, S. 66). Über das Edikt von 1876, das in Japan das Tragen von Schwertern verbot – bereits vor der Meiji-Restauration von 1868 wurde das exklusive Recht der Samurai zum Waffentragen unterlaufen (vgl. Schwentker 2019, S. 109 f.) –, schrieb der japanische Philosoph Nitobe Inazō (1862–1933)⁷ in seinem Buch Bushido (deutsch: ›Wege soldatischer Ritter‹), das bis heute als Standardwerk zum Verständnis der Ethik und des Alltagsverhaltens der Japaner gilt: »Das Edikt, das […] das Tragen von Schwertern verbot, läutete das alte Zeitalter ›der ungekauften Anmut des Lebens, der gerechten Verteidigung der
