Unternehmerpersönlichkeiten verstehen: Unternehmerische Potenziale in Organisationen erkennen und entfalten
Von Friedemann Stracke und Marco Schmäh
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Über dieses E-Book
Führungskräfte und Personalverantwortliche erfahren hier, wie der unternehmerische Mensch denkt, welche Erwartungen und Anforderungen er an sein Arbeitsumfeld stellt und was ihn antreibt. Daneben werden Wege aufgezeigt, eine klassische Organisation hin zu einer unternehmerischen Organisation zu entwickeln.
Das Buch ist Ergebnis einer Studie zu zentralen Persönlichkeitsmerkmalen von Unternehmensgründern, die Anschlusspunkte auch für künftige Forschung bietet. Auf der Basis psychologischer Methoden wurden erstmals in dieser Art Motive zur Unternehmensgründung sowie Verhaltenspräferenzen erhoben und ausgewertet.
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Buchvorschau
Unternehmerpersönlichkeiten verstehen - Friedemann Stracke
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018
Friedemann Stracke und Marco SchmähUnternehmerpersönlichkeiten verstehenhttps://doi.org/10.1007/978-3-658-22899-6_1
1. Status quo von Unternehmensgründungen in Deutschland
Friedemann Stracke¹ und Marco Schmäh²
(1)
Personaldiagnostik.Stracke GmbH Geschäftsführer, Hamburg, Deutschland
(2)
ESB Business School Lehrstuhl Marketing & Vertriebsmanagement, Reutlingen, Baden-Württemberg, Deutschland
Friedemann Stracke (Korrespondenzautor)
Email: fs@personaldiagnostik.de
Marco Schmäh
Email: Marco.Schmaeh@Reutlingen-University.de
Es kann in der heutigen Zeit des Web und rasanter Unternehmensentwicklungen leicht der Eindruck entstehen, dass wir in einer Zeit von unternehmerischer Blüte leben. Junge Unternehmer aus dem Silicon-Valley geben ein leuchtendes Beispiel, wie unfassbar schnell man heute durch eine Unternehmensgründung Erfolg haben und mit 30 Jahren schon Milliardär sein kann. „Start-up" ist der Begriff für eine Unternehmensgründung schlechthin geworden, Digitalisierung und Skalierung sind Zauberworte, mit denen man sich verspricht, schnell erfolgreich zu werden.
Der Blick auf Deutschland zeigt, dass es nur wenige Länder gibt mit aktuell so förderlichen Rahmenbedingungen für eine Unternehmensgründung. Nicht einmal mehr jeder fünfte Vollerwerbsgründer (19,3 %) gibt an, Finanzierungsschwierigkeiten zu haben (kfw-Gründungsmonitor 2017, Tabellenband, Grafik 15, Finanzierungsschwierigkeiten). In 2014 waren es noch 27,3 %.
Der Länderbericht Deutschland des Bundeswirtschaftsministeriums (Sternberg und von Bloh 2016) stellt fest, dass Deutschland bei den folgenden Rahmenbedingungen für Gründerinnen und Gründer ausgesprochen gut abschneidet: physische Infrastruktur, öffentliche Förderprogramme, Schutz von geistigem Eigentum (z. B. Patente) sowie Berater und Zulieferer für Unternehmen.
Alle diese Initiativen und Förderungsaktivitäten führen offensichtlich nicht zu einer Belebung der Gründerwelt in Deutschland. Die Zahl der Neugründungen geht seit 20 Jahren kontinuierlich zurück.
Der jährliche Anteil der Vollerwerbsgründer an der Gesamtbevölkerung im erwerbsfähigen Alter (18 bis 64) in Deutschland ist in den letzten 15 Jahren um ca. zwei Drittel gesunken, mit 0,48 % hat er 2016 einen neuen Tiefstand erreicht (Abb. 1.1). Allein in den Jahren 2014 bis 2016 ist die Anzahl der jährlichen vollerwerblichen Neugründungen um 37 % gefallen. In 2016 waren es noch 248.000. Dies stellt den sechsten Rückgang in Folge dar. Diese negative Entwicklung geht einher mit einem negativen Gründungssaldo: Seit 2012 geben mehr Menschen Ihr Geschäft auf als andere neu gründen (ifm Bonn 2017) (Abb. 1.2).
../images/461719_1_De_1_Chapter/461719_1_De_1_Fig1_HTML.gifAbb. 1.1
Gründerquote weiter im Sinkflug.
(Quelle: KfW Gründungsmonitor 2017: Beschäftigungsrekord mit Nebenwirkung: So wenige Gründer wie nie, Grafik 1)
../images/461719_1_De_1_Chapter/461719_1_De_1_Fig2_HTML.gifAbb. 1.2
Saldo aus Gründungen/Liquidationen (in Tausend).
(Quelle: IfM Bonn 2017; nicht erfasst: Nebenerwerbsgründungen und freie Berufe)
Es ist auch zu berücksichtigen, dass in der Zahl der knapp 250.000 Vollerwerbsgründer ein nennenswerter Anteil „Notgründer" enthalten ist (Abb. 1.3). Das sind Menschen, die keine andere Erwerbsalternative gefunden haben, in der Regel also aus der Arbeitslosigkeit gründen. Die Zahl der Gründungen aus wirtschaftlicher Not hat sich erfreulicherweise durch die gute Konjunktur deutlich reduziert. Ebenso hat die gute Wirtschaftslage aber auch Einfluss auf die Zahl der Chancengründer, die eine Idee entwickelt haben. Von dieser besonders relevanten Gruppe haben sich immerhin 30 % weniger entschieden, ein eigenes Unternehmen zu gründen, auch wenn sich das Verhältnis von Chancengründern zu Notgründern insgesamt etwas verbessert hat (was konjunkturell logisch erscheint).
../images/461719_1_De_1_Chapter/461719_1_De_1_Fig3_HTML.gifAbb. 1.3
Gründungen nach hauptsächlichem Gründungsmotiv.
(Quelle: KfW Gründungsmonitor 2017: Tabellen- und Methodenband, Grafik 5)
Am Ende bleibt, dass nur 46,5 % der Vollerwerbsgründer tatsächlich eine Geschäftsidee verfolgen, was bedeutet, dass zurzeit nicht mehr als 130.000 bis 150.000 Persönlichkeiten pro Jahr als „wirkliche" Gründer anzusehen sind. Das sind lediglich 0,25 % der erwerbsfähigen Bevölkerung zwischen 18 und 64 in Deutschland (KfW Gründungsmonitor 2017).
Etwa 2/3 der Gründungen erfolgen mit persönlichen oder wirtschaftlichen Dienstleistungen (Abb. 1.4).
../images/461719_1_De_1_Chapter/461719_1_De_1_Fig4_HTML.gifAbb. 1.4
Gründungen nach Wirtschaftszweigen.
(Quelle: KfW Gründungsmonitor 2016: Tabellen- und Methodenband)
Gleichzeitig zeigt sich durch ein stetiges Ansteigen von Ausbildungs-/Studieninhalten mit Bezug zum Unternehmertum, dass es ein umfassendes Lehrangebot gibt. Inzwischen gibt es 133 Professuren für Entrepreneurship an öffentlichen und privaten Hochschulen in Deutschland (Abb. 1.5). Sie sind so etwas wie eine Trendfachrichtung geworden, der erste Lehrstuhl wurde in Deutschland erst 1998 geschaffen (FGF e. V. 2017).
../images/461719_1_De_1_Chapter/461719_1_De_1_Fig5_HTML.gifAbb. 1.5
Professuren für Entrepreneurship an deutschen Hochschulen 1998–2017.
(Quelle: FGF e. V. 2017)
Der KfW-Gründungsmonitor 2017 stellt fest, dass 20,7 % der Vollerwerbsgründer aus dem Jahr 2016 einen Universitätsabschluss haben (Abb. 1.6). Bezieht man die Fachhochschul- und Berufsakademieabschlüsse ein, sind es 30,8 %. Dies bedeutet, dass auch in der heutigen, akademisierten Berufswelt ca. 70 % der Unternehmensgründer Personen über keinen akademischen Abschluss verfügen. Bei den Gründern, die ein Studium abgeschlossen haben, ergibt sich eine große Bandbreite von Fachrichtungen. Die spezifischen akademischen Angebote wie z. B. die Lehrstühle für Entrepreneurship scheinen (noch) kaum oder keine Wirkung auf die Gründerzahl zu haben. So könnte man kritisch fragen: Studieren die falschen jungen Menschen solche Studienrichtungen oder bilden diese nicht ausreichend aus für eine unternehmerische Berufslaufbahn?
../images/461719_1_De_1_Chapter/461719_1_De_1_Fig6_HTML.gifAbb. 1.6
Gründer nach Berufsabschluss.
(Quelle: KfW Gründungsmonitor 2017: Tabellen- und Methodenband, Grafik 4)
Der Anteil der Vollerwerbsgründer, die überhaupt keinen Berufsabschluss haben, liegt mit 18 % in etwa auf dem Niveau der Gründer mit Universitätsabschluss.
Eine starke Quelle für Gründer scheint immer noch eine praktische Berufsausbildung zu sein. Wenn man konkret etwas gelernt hat, scheint es naheliegender zu sein, diese Fähigkeiten auch als Selbstständiger anzubieten. Mit einem Anteil von 45,1 % sind die Gründer mit Lehre und Berufsfachschulabschluss am stärksten vertreten (Abb. 1.6).
Einerseits erfreulich erscheint der hohe Anteil der Vollerwerbsgründungen aus dem Angestelltenverhältnis mit 53,9 %. Es sieht so aus, als würde doch ein steigender Prozentsatz aus dem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit gelockt werden. Wie hoch allerdings der Anteil derer ist, die tatsächlich eine attraktive Geschäftsidee verfolgen, gegenüber dem Anteil jener, die einfach mit der aktuellen Arbeitssituation unzufrieden oder frustriert sind, kann nicht ermittelt werden.
So ist es keine Überraschung, dass diese Schieflage auch die Innovationskraft eines Landes/Marktes beeinflusst.
Lediglich 16 % der Gründer/-innen in Deutschland kommen mit einem Produkt bzw. einer Dienstleistung auf den Markt, die sich als Neuheit auf dem regionalen, deutschen oder weltweiten Markt bezeichnen lässt (Abb. 1.7). Den höchsten Anteil an den innovativen Gründungen hat der Softwarebereich, gefolgt von Hightech und sonstigen technischen Dienstleistungen.
../images/461719_1_De_1_Chapter/461719_1_De_1_Fig7_HTML.gifAbb. 1.7
Neuheit der Ideen.
(Quelle: KfW Gründungsmonitor 2017: Tabellen- und Methodenband, Grafik 10)
Der überwiegende Teil der Gründer/-innen setzt auf bewährte Geschäftsideen oder erprobte Konzepte, überwiegend im Dienstleistungsbereich (KfW Gründungsmonitor 2017).
Insofern kann dem Fazit der Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft (bmwi 2016), dass Deutschland auf dem richtigen Weg sei, nicht uneingeschränkt zugestimmt werden. Es wird die Absicht deutlich, den Gründergeist zu fördern. Die Frage, wer über einen Gründergeist verfügt, wird dagegen sehr vernachlässigt. Für 36 % der Gründer sind persönliche Gründe der Hauptgrund die Unternehmensaktivität wieder abzubrechen (KfW Gründungsmonitor 2017, Grafik 14). Als Haupthemmnis für eine Gründung wird die Bürokratie in Deutschland angegeben, beim Abbruch der Gründung sind persönliche Gründe wie das finanzielle Risiko oder Abstiegsangst beim Scheitern vorrangig.
Man könnte so weit gehen, zu sagen, dass es sehr viele Aktivitäten und Konzepte gibt, den unternehmerischen Geist in Deutschland zu stärken. Die Rechnung wird leider ohne den Hauptfaktor, die persönliche Eignung, gemacht. Es wird viel Zeit und Geld in Persönlichkeiten investiert, die nicht unbedingt ihr Glück finden mit einer unternehmerischen Tätigkeit. Es besteht die Gefahr, wirkungslose Alibiförderung zu betreiben.
Die beste Förderung macht aus einer Persönlichkeit, die dafür nicht geschaffen ist, keinen erfolgreichen Unternehmensgründer.
Auch die Entwicklung in den USA bestätigt diese Annahme. Auch wenn es scheint, als wäre das Silicon-Valley eine Brutstätte für Unternehmensgründer, macht es lediglich 3 % der amerikanischen Wirtschaftsleistung aus. Vor knapp dreißig Jahren zählte die Kauffman Foundation 160 Start-ups je 100.000 Einwohner, im Jahre 2013 fanden die Forscher der Stiftung nur noch halb so viele. Der New Yorker Ökonom Edmund Phelps hat den Verdacht, dass Schulen und Eltern die Erfinder von morgen frühzeitig entmutigen. Werthaltungen wie Solidarität oder das Bedürfnis nach Kontrolle und Streben nach Sicherheit scheinen gut vorzubereiten auf eine Tätigkeit in amerikanischen Unternehmen, sie deuten allerdings nicht auf eine (Aus-)Bildung einer unternehmerischen Persönlichkeit.
Wenn sich jedoch eine unternehmerische Persönlichkeit mit Erfindungsgeist beweist, Innovation schafft, ist die Gefahr groß, nicht wirklich davon profitieren zu können. Der Vorsitzende des Deutschen Erfinderverbandes, Hans-Georg Trokel, wird dabei sehr direkt (Tina Kaiser 2016, S. 15): „Erfinder werden in Deutschland bestohlen, ausgebootet und am verlängerten Arm ausgehungert."
Der Länderbericht des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) 2015 geht davon aus, dass die Herausforderungen vor allem in der Verbesserung der schulischen und außerschulischen Gründungsausbildung, einer Anpassung gesellschaftlicher Werte und Normen im Sinne einer positiven Unternehmerkultur und einer Entlastung bei Regulierung und Steuern liegen.
In Deutschland ist und bleibt der Weg von der Ausbildung/einem Studium in ein Angestelltenverhältnis absolut dominierend für unser Verständnis von Berufstätigkeit und Absicherung der eigenen Existenz, selbst bei Entrepreneurship-Studiengängen.
Für den Teil der angestellten Manager, die sich durchaus eine Selbstständigkeit vorstellen können und sich möglicherweise auch von der Persönlichkeit dazu eignen würden, sinkt die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Berufsweges, dies zu tun. Die Schere wird immer größer zwischen einem inzwischen erreichten Einkommensniveau, erworbenen sozialen Rechten (Kündigungsfristen, Altersversorgung etc.), einem abgesicherten hohen Lebensstandard und -anspruch und einem möglichen Risiko, noch einmal bei Null zu beginnen. Sie reduziert den Mut für riskante, wenn auch als persönlich reizvoll empfundene, Optionen und schafft eine Art Zufriedenheit, vielleicht auch Trägheit, mit bzw. in der aktuellen Lebenssituation.
Dieser Effekt wird in Deutschland erheblich verstärkt durch einen oft blinden Glauben an Daten, Fakten, Ausbildungsabschlüsse, Zertifikate, erzielte Noten. So ist es auch für einen jungen Menschen in Deutschland immer noch riskant, die Berufslaufbahn mit einer Selbstständigkeit zu beginnen, wenn er später möglicherweise als Angestellter in ein Unternehmen wechseln möchte. Dies gilt ebenso für einen späteren Wechsel von einem Angestelltenverhältnis in eine Unternehmensgründung und einer möglichen Rückkehr in ein Angestelltenverhältnis, wenn die Gründung nicht erfolgreich ist. In der Start-up-Szene werden diese „alten" Muster inzwischen etwas aufgebrochen, aber es ist eben noch nur ein kleiner Teil der Wirtschaft.
Es sieht so aus, als würden Persönlichkeiten, die ein Unternehmen innovativer Art gründen, auch künftig zahlenmäßig ein kleiner Teil unserer Gesellschaft bleiben. Sie können jedoch eine große Wirkung erzeugen.
Sich etwas stärker auf die Persönlichkeit des Gründers zu fokussieren, und dann diesen Persönlichkeiten mit innovativem Potenzial zu helfen, sprich: Rahmenbedingungen zu schaffen, die ihnen nicht lebenslange Nachteile verschaffen – wie bei der Altersversorgung oder einem oft nur noch schwer möglichen Wechsel in ein Angestelltenverhältnis, wenn es nicht klappen sollte –, könnte tatsächlich einen relevanten Beitrag für eine positive Entwicklung liefern.
Literatur
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie Öffentlichkeitsarbeit. (Hrsg.). (2016). Unternehmensgründungen und Gründergeist in Deutschland Zahlen und Fakten. www.bmwi. Berlin.
FGF e.V. (2017). Grafiken – E-Professuren. Krefeld.
IfM Bonn. (2017). Nebenerwerbsgründungen und freie Berufe. Bonn.
Kaiser, T.
