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Buchvorschau
Das Korn rauscht - Friedrich Griese
ZWANG
O liebe Vernunft, du gehest wohl-
weislich auf dieser Welt Straßen,
was den äußern Leib anlanget,
wo aber bleibet die arme Seele?
(Jakob Böhme)
Vom Neßberg hinter dem Brink nach Norden und Osten voraus ist das Land weit und eben, eine ruhige Fläche. Hier und da nur ist ein Hügel, ein Stückchen Wald, ein buschumsäumtes, schilfdurchwachsenes Wasser, ein Kartoffelacker, ein Kornfeld. Aber das Gesicht dieses Landes als einer Fläche stört das nicht. Und dazwischen liegen die Höfe in der Sommersonne, im Frühlingswind, im Nordweststurmwetter, im schneeverwehten Wintertag: halb verträumt, halb wachsichtig.
In diesem nur selten gestörten Einsam geht der eine Zeiger an der Lebensuhr der Menschen, von denen hier berichtet werden soll, oft in seltsamem Hin und Her, während der andere seinen steten und gewissen Gang beibehält – dieser weiß um alles, was auf der Erde ist, was sie nötig hat, was sie gibt und was sie versagen muß; jener wird von ihrem Inwendigen getrieben und ist oft in Angst und Not und wilder Dumpfheit.
Nichts ist, was heilsam ablenkt von all den ewigen Dingen, denen diese Menschen näher gerückt sind als ihre Brüder und Schwestern in der großen oder kleinen Stadt. Ihre Tage sind eng verbunden mit Tod und Auferstehen, Geborensein und Sterbensvorbestimmtheit, Werdensfrohheit und Entwerdungssehnsucht. Und unter all diesen einfachen Dingen gehen die Menschen oft wie Trunkene, wie Kinder, wie still Besessene, wie geistesgehaltene Nachtgänger.
Man sagt hierzulande von einem solchen Menschen: „Er hat den Zwang."
Seht: So sprechen sie von einem Bruder oder einer Schwester und geben damit eine ganze Wissenschaft des Kopfes und des Herzens: „Sie hat den Zwang."
Und von solchen Menschen soll auf diesen Blättern geredet werden.
Wie ging es Hans Schneider?
Es war etwas in ihm, was nicht frei war. Es war etwas geschehen, irgend einmal vor Jahren geschehen, wovon keiner etwas wußte. Marie Schneider erzählte es zuweilen in ihrer Not, daß ihr Mann sich bei Weststurm des Nachts plötzlich im Bette aufsetze, im Schlafe anfange zu reden mit solchen Worten, die sie nicht verstehe und die wohl auch keiner verstehen könne; schlimme Worte seien es aber nicht, und es stecke auch gewiß nichts Schlimmes dahinter.
Nun, die Menschen blieben dabei, es müsse einmal etwas geschehen oder gesprochen sein, ein rasches Tun, ein schweres, unheilvolles Wort, das die Seele Hans Schneiders drücke, daß sie nicht ruhig werden könne; und es müsse das geschehen oder gesprochen sein in einer wilden Stunde, einem Sturmtag oder einer Wetternacht.
Denn wenn ein Wetter, ein Gewitter, über den Hof ging, kam es wie der böse Feind über Hans Schneider. Er stand dann wie ein Besprochener, ein Behexter, vor der großen Hoftür, wenn die ersten raschen Schläge kamen; er stand so dreißig oder sechzig Atemzüge lang. Und plötzlich drehte er dann herum und ging geduckten Kopfes in das Haus, ging ins Bett.
Ja, der Bauer Hans Schneider ging, wenn das Wetter für seinen Hof gefahrbringend heraufkam, ins Bett. Angst? Nein, es war keine Angst; die äußert sich bei einem Bauern nicht in dieser Art.
Wie ein Schrei gellte der Donner um das Haus. Marie Schneider saß in der Stube am Leutetisch und las in dem großen Erbgesangbuch, die Mädchen und die Kinder saßen um sie herum. Die Knechte waren im Stall bei dem Vieh. Sie lösten den Pferden die Halskoppel; sie machten den Kühen die Ketten von den Hälsen los, damit, wenn ein Blitz die Ställe treffen würde, sie schnell das Vieh nach draußen jagen könnten. Der Bauer aber lag im Bett, hielt die Pfeife zwischen den Zähnen und rauchte kalt.
Auf seinem Gesicht stand nichts von Angst oder nur von Furcht. Langsam gingen seine Augen in der Stube herum; über seine Lippen kam kein Wort. Und wenn alle anderen mit Sorgen und Unruhen um Hof und Vieh bis an den Hals gefüllt waren, blieb das Gesicht des Bauern stets gleichmäßig ruhig; und die Lippen, mit denen er die Luft durch das Pfeifenrohr einsog, machten keinen einzigen hastigen Zug.
Die Leute sagten: „Er hat etwas auf dem Gewissen."
Sie sagten: „Die Angst vor der Stimme des zornigen Gottes treibt ihn ins Bett."
Und sie sagten: „Es wird ihm einmal schlecht gehen dabei; Gott läßt sich nicht spotten."
Und es kam die Stunde, die jeder erwartete. Aber sie kam anders, als alle gedacht hatten. Sie zeigte, daß das Gewissen Hans Schneiders rein und gut war. Und sie befreite ihn von dem sonderbaren Müssen.
Es war eine jener Stunden, in denen Gott über eines seiner Geschöpfe, die sich Menschen nennen, wieder einmal lächeln mußte.
Es stand ein Wetter über dem Hof; eins von jener Sorte, die wie eingeklemmt stehen und immer lauter heulen und immer schneller das Feuer vom Himmel werfen.
Marie Schneider las laut und langsam den „Gesang in besonderen Nöten"; den, der um Hilfe im Gewitter fleht, hatte sie schon zweimal und mit gefalteten Händen gelesen. Die Mädchen sahen mit angstvollen Gesichtern nach draußen, wo eben der Regen hernieder zu prasseln begann, und atmeten hörbarer; denn wenn der Regen kommt, ist das schlimmste Wetter vorüber. Der Bauer lag im Bett und rauchte kalt.
Da fuhr noch einmal ein Blitz herab. Er fuhr durch den Schornstein in den Kamin, von ihm in die Stube. Er schlug die Pfeife Hans Schneiders, die der schon an den Bettpfosten gestellt hatte, weil er aufstehen wollte, in Stücke. Und er fuhr darauf durch die Tür nach draußen.
War das nun etwas Großes?
Oder ging daraufhin etwas Gewaltiges vor sich?
Hatte Gott gesprochen, und wußten die Menschen nun, was er an Hans Schneider gestraft hatte?
Alles, außer der Pfeife Hans Schneiders, war, wie es vorher auch gewesen war. Marie Schneider und den Mädchen saß zwar das heiße Entsetzen in der Kehle. Der Bauer aber lag noch einen Atemzug oder zwei; dann stand er langsam aus dem Bett auf, suchte die zerscherbte Pfeife zusammen und ging damit nach draußen. Das war alles. Und es wurde nichts gesprochen.
Seit der Zeit ging Hans Schneider nicht wieder ins Bett, wenn am Tag ein Wetter da war. Und wenn in der Nacht eins aufkam, stand er auf, wie alle anderen auch. Er sah nach den Tieren im Stalle, koppelte die Pferde los, kettete die Kühe ab, sah nach Türen und Fenstern und hatte bei alledem eine leichte und heilsame Sorgenangst um seinen Hof. Aber er kannte nicht mehr das besondere Müssen, das ihn früher im Wetter ins Bett und dort die Pfeife kalt zwischen die Zähne zwang.
Allmählich sprach es sich im Dorfe herum.
Die Leute sahen sich an und fragten einander, wie die Leute fragten, die zur Zeit Zachariäs lebten und von dem Wunder hörten, das an ihm geschehen war: „Was dünket dich um Hans Schneider?"
Die Frage ging nicht lang herum, bis die Antwort kam. Und die lautete: „Hans Schneider hatte den Zwang."
Gott aber lächelte.
Und wie war es mit Johann Reimer?
Oh, es gibt Geschichten von diesen Menschen, die von Gott mit einem solchen unfreien Inwendigen geschlagen waren, Geschichten, die heute selten noch der oder dieser kennt; und der sie kennt, müht sich, sie zu vergessen, weil sie seinen inwendigen Menschen als tagfremdes Gut belasten.
Johann Reimer gehörte zu den Stillen, denen eine Erkenntnis ewiger Dinge geworden ist und die unter dieser Erkenntnis wie unter einem schweren Joch schreiten, weil sie sie nicht weitergeben können. Denn wer von diesen Menschen sprach je von den Geheimnissen, die ihm gegeben wurden? Sie schwiegen, schwiegen bis in den Tod, ohne ein kleines Wort preisgegeben zu haben. Ihnen war gegeben zu wissen; aber ihnen war nicht gegeben, ihre Gotteswissenschaft den Menschen ausdeuten zu können.
Jede Johannisnacht trieb es Johann Reimer an den Kreuzweg, der mitten im Wald unter Haselgebüsch, Birken und hohen Fuhren stand. Um Dunkelwerden ging er aus dem Haus und ging seinen Weg still und unverdrossen. „Es ist wieder soweit", mit diesen Worten ging er über die Schwelle. Er wäre lieber geblieben, aber er mußte gehen. Man fragte ihn nicht nach seinem Willen; er hatte seine Sendung. Was trieb ihn? Wer sandte ihn? Nun, Johann Reimer liegt schon lange auf dem kleinen Friedhof gleich linker Hand hinter der Pforte, er kann auch heute noch nicht davon sprechen. Vielleicht wird ein späteres Geschlecht alles von ihm erfahren.
Er saß unter dem Kreuzweg, bis die Mitternacht langsam von den hohen Wipfeln herabglitt. Dann war die Waldstille in einem Atemzug verwandelt. Die Luft war voll von Schreien, Fluchen, Weinen, Bitten, Singen, Lallen. Er sah nichts; aber er hörte den Zug eines Heeres, das vom Osten kam und gen Westen ging, das an ihm vorüberflog, lief, keuchte, trabte, schritt, schleifte, tanzte.
Bis dann in einem Atemzug wieder Stille ward. Dann mußte Johann Reimer seine Augen heben, und dann sah er auch. Dann ging an ihm vorüber, wer in diesem Jahr bis zur nächsten Johannisnacht sterben sollte. Es waren stets ein paar von denen, die in dieser Nacht in ihren Häusern zwischen dem Hohen Ende und dem Brink ruhig schliefen und nichts von dem Gang wußten, den sie an Johann Reimer vorüber tun mußten. Sie gingen, als ob sie vom Walde kämen und ins Dorf wollten, und grüßten ihn nicht.
So hatte er Jahr für Jahr am Kreuzweg gesessen und war auch von Jahr zu Jahr stiller geworden. Die Leute im Dorf wußten, was ihn stille machte, und sprachen so von ihm, wie sie auch von Hans Schneider
