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Ronco - Die Tagebücher 03 - Tausend Gräber
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Ronco - Die Tagebücher 03 - Tausend Gräber

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Über dieses E-Book

Schussdetonationen rissen mich hoch. Von Westen jagten die mexikanischen Skalpjäger heran. Die Einschläge ihrer Kugeln wirbelten rechts und links von mir Staub auf. Ich rannte auf die roten Felsen zu, hinter denen die anderen Apachen Deckung genommen hatten.
Meine Haut war von der Sonne verbrannt. Wäre nicht mein blondes Haar gewesen, hätte man mich nicht von ihnen unterscheiden können. Ich war jetzt einer der Ihren. Ich hatte für sie gekämpft.
Entweder überleben oder zusammen sterben.


Dieser Band enthält die folgenden Romane:
Im Land der tausend Gräber (5)
Blutiger Frühling (6)

Die Texte wurden vom Autor überarbeitet.


Die Printausgabe umfasst 228 Buchseiten.
SpracheDeutsch
HerausgeberBLITZ-Verlag
Erscheinungsdatum30. Apr. 2024
ISBN9783957191526
Ronco - Die Tagebücher 03 - Tausend Gräber

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    Buchvorschau

    Ronco - Die Tagebücher 03 - Tausend Gräber - Dietmar Kuegler

    Im Land der tausend Gräber

    17. Oktober 1878

    Ich befinde mich an der Grenze zwischen New Mexico und Texas. Hinter mir waren bis zum Abend Soldaten. Sie haben mich gejagt. Jetzt ist es Nacht. Ich habe sie abgehängt. Sie waren nicht sehr erfahren im Spurenlesen. Ich ritt durch ein Bachbett und zog einen ausgerissenen Busch hinter mir her, der das Gras wieder aufrichtete, das von Wildcats Hufen niedergedrückt worden war. Im letzten Tageslicht konnte ich die Soldaten von einem Hügel aus beobachten. Sie standen am Ende meiner Fährte und rätselten, wo ich geblieben sei. Sie dachten wohl, ich wäre geradewegs in den Himmel gefahren, denn sie schauten viel in der Luft herum.

    Dann drehten sie um und ritten zurück.

    Ich war sie los.

    Jetzt habe ich Ruhe. Das ist ein gutes Gefühl, auch wenn ich weiß, dass diese Ruhe immer nur Stunden oder Tage dauert.

    Ich habe das Heft wieder aus der Satteltasche genommen. Die Zeit, die ich gewonnen habe, werde ich dazu nutzen, um weiterzuschreiben. Ich habe im April 1858 aufgehört. Ich war zum Apachen geworden und hatte geglaubt, das Schwerste hinter mir zu haben. Aber nach dem Massaker, das Indianerhändler unter meinem Stamm angerichtet hatten, begann erst die harte Zeit für mich und einige andere ...

    1.

    Ich lag auf dem Bauch und starrte in den Regen. Ich fror, obwohl ich mich in meine Decke gerollt hatte. Die Decke war nicht mehr trocken. Aber ich hatte keine andere. So blieb ich liegen und bemühte mich, mir einzubilden, dass ich ohne Decke noch mehr frieren würde.

    Es war ein Tag im April. Ich wusste nicht, welcher Tag. Ich wusste nur, es war der dritte Tag, an dem es regnete.

    Ein Sauwetter. Seit drei Tagen verbarg sich der Himmel unter grauen Regenschleiern. Seit drei Tagen fiel der Regen fadendicht ohne Unterbrechung und verwandelte die Erde in grundlosen Morast.

    Ich fluchte plötzlich. Unmotiviert. Mir war einfach danach. Dann war ich wieder still und achtete nicht darauf, dass alle anderen mich anschauten. Alle anderen ...

    Unweit von mir lagen und hockten sie im dichten Unterholz, dessen Blätterdach die ersten beiden Tage den Regen einigermaßen von uns abgehalten hatte, jetzt aber mehr und mehr nachgab. Sie hatten sich ebenso in Decken gehüllt wie ich und starrten ebenso sinnend vor sich hin. Da war Susqueya, meine Pflegemutter. Da waren zwei Frauen und drei Apachenkinder, und da war ein verletzter Krieger.

    Ein jämmerlicher Haufen. Eigentlich kein Haufen, sondern nur eine Handvoll, und vielleicht nicht einmal das. Mehr waren wir nicht. Wir, die wir das Massaker überlebt hatten, das ein Indianerhändler unter dem Mimbreño-­Stamm Coyoteros, dem Stamm, dem auch ich angehörte, angerichtete hatte – wegen der Skalpprämien.

    Seit drei Tagen saßen wir fest. Der Regen hinderte uns daran, den Weg nach Süden fortzusetzen, den wir angetreten hatten, um uns in Mexiko mit anderen Apachengruppen zu vereinigen.

    Seit gestern hatten wir nichts mehr zu essen. Das war das Schlimmste. Am Morgen hatten wir es mit der Rinde der Bäume versucht, unter denen wir Schutz gesucht hatten. Wir hatten es sofort wieder aufgegeben. Wahrscheinlich hätte es geklappt, wenn wir die Möglichkeit gehabt hätten, die Rinde zu kochen. Aber wir hatten keinen Topf, und wir hatten nicht ein Stückchen trockenes Holz, um Feuer machen zu können.

    Mein Magen knurrte. Er zog sich zusammen und schmerzte. In einem plötzlichen Entschluss richtete ich mich auf. Ich hatte keine Lust, liegen zu bleiben und zu verhungern.

    Mit dem Kopf stieß ich an das regenschwere Laubdach. Eine Sturzflut ergoss sich über mich. Ich zog fröstelnd die Schultern hoch und ließ die Decke fallen. Mein Kaliko­hemd hielt die Nässe nicht ab. Es klebte an meinem Körper.

    Susqueya hob den Kopf. Ich schaute in ihr faltiges Gesicht.

    „Wir brauchen etwas zu essen", sagte ich.

    Sie nickte, aber sie sagte nichts. Der verletzte Krieger stemmte sich schwerfällig hoch. Er hieß Laufender Bär. Er war nie ein hervorragender Mann in der Gruppe ­Coyoteros gewesen. Jetzt war er der einzige Mann in unserem kleinen Haufen. Sein linker Oberarm war von zwei Kugeln zerfetzt. Er konnte den Arm nicht mehr bewegen. Die Wunden verheilten nicht. Sie hatten sich entzündet.

    Der große Blutverlust hatte Laufender Bär geschwächt. Er wusste wohl selbst, dass er es nicht schaffen würde, mit uns bis nach Mexiko zu gelangen. Aus fiebrigen Augen schaute er mich an.

    „Ich gehe mit", sagte er.

    Ich widersprach nicht. Laufender Bär war der einzige außer mir, der sein Pony noch besaß. Die beiden Pferde standen ein Stück abseits von uns im Unterholz. Ich hängte mir meinen Bogen und den Köcher mit den Pfeilen um. Laufender Bär folgte mir. Er hatte nur noch sein Messer und seinen Tomahawk. Wir brachen durch das Dickicht und schritten durch den Regen. Wir sanken bei jedem Schritt fast bis zu den Knöcheln im Boden ein. Das Fell der Pferde troff vor Nässe. Wir rieben sie mit unseren Decken ab, legten ihnen die Woilachs1 auf und bestiegen die Tiere. Shita, mein geschecktes Indianerpony, schnaubte leise, als ich ihr durch die Mähne strich.

    Wir ritten dicht hintereinander, bis wir den Waldrand erreichten. Hier trieb uns der Wind die Regenschleier entgegen. Wir konnten keine zehn Yards weit sehen. Ich drehte mich um und gab Laufender Bär ein Zeichen. Er hing kraftlos auf dem Rücken seines Tieres. Sein Oberkörper schwankte im Rhythmus des Pferdetritts hin und her. Ich wollte ihm sagen, dass er zurückreiten solle. Aber ich schwieg, denn ich wusste, er hätte nicht auf mich gehört, und es hätte ihn gekränkt.

    „Wir sollten einzeln reiten, sagte er. „Jeder in eine andere Richtung.

    Ich konnte ihn kaum verstehen. Seine Stimme klang schwach, und das monotone Rauschen des Regens ­übertönte sie fast. Wieder wollte ich widersprechen. Doch da hatte er sein Pferd schon angetrieben und ritt an mir vorbei. Für einen kurzen Moment hatte ich sein Gesicht dicht vor mir. Es war eingefallen und knochig. Die Augen lagen in tiefen Höhlen und waren entzündet.

    Dann war Laufender Bär nur noch ein Schatten im Regen, genauso grau wie die Regenschleier, die mir eisig ins Gesicht klatschten.

    Es war das letzte Mal, dass ich ihn lebend sah.

    *

    Ich wandte mich in die entgegengesetzte Richtung und hoffte, den Wald und das Versteck der Frauen und der Kinder später wiederzufinden. Ich ritt einen flachen Hang hinunter.

    Der aufgeweichte Boden gab unter den Hufen Shitas schmatzende Geräusche von sich. Ich ritt ohne bestimmtes Ziel und hoffte nur, auf eine Weide mit Rindern zu stoßen. Es gab ein paar Farmen in der Nähe, das wusste ich. Ich hatte nicht die geringsten Hemmungen, ein Rind zu stehlen. Wer Hunger hat, verliert schnell seine Skrupel.

    Als ich mich einmal umwandte, konnte ich den Wald schon nicht mehr sehen. Ich schmeckte Regenwasser im Mund. Mein langes blondes Haar hing mir strähnig in die Stirn und in den Kragen meines Hemdes.

    Wie lange ich geritten war, als ich plötzlich einen Schuss hörte, wusste ich nicht. Der Knall ertönte irgendwo vor mir, nicht besonders laut. Das Rauschen des Wetters verschluckte die Detonation fast. Sofort zügelte ich mein Pferd, richtete mich steil im Sattel auf und lauschte. Ich spürte den Regen nicht mehr, der mir ins Gesicht ­prasselte. Unwillkürlich nahm ich den Bogen von der Schulter.

    Es blieb eine ganze Weile still. Dann krachte wieder ein Schuss, und ich hörte Hufschlag.

    Ich trieb Shita an und folgte dem Geräusch.

    Im Rauschen des Wetters klang der Hufschlag wie ein dumpfes Trommeln. Ich ritt lange Zeit, ohne etwas zu sehen, und hatte bald das Gefühl, nach einem Phantom zu suchen. Dann sah ich plötzlich schemenhafte Gestalten vor mir.

    Sie ritten dicht nebeneinander durch den Regen, in lange, feste Mäntel gehüllt, deren blaue Farbe ich nur ahnen konnte, die breitrandigen Hüte tief in die Gesichter gezogen. Unter den Mänteln ragten die Spitzen von leicht gekrümmten, langen Säbeln hervor.

    Es waren Soldaten. Ich hörte ihre Stimmen und zog Shita herum. In meinem Leib war plötzlich ein dumpfer Druck. Die Soldaten zogen vorbei wie Geisterreiter. Sie entdeckten mich nicht. Es waren sieben oder acht. Zuwenig für eine Patrouille im Apachenland. Sie mussten zu einer größeren Truppe gehören.

    Ich musste die anderen warnen. Aber da war auch noch Laufender Bär. Er war unterwegs wie ich. Ich wusste nicht wo. Ihn konnte ich nicht warnen.

    Ich dachte plötzlich an die Schüsse.

    Es konnten Signalschüsse gewesen sein. Vielleicht hatten sich die Truppenteile im Unwetter verloren.

    Ich lauschte wieder. Der Regen rann über mein Gesicht, über mein Kinn und über meinen Hals in mein Kalikohemd. Ich war bereits nass am ganzen Körper – zum Auswringen.

    Irgendwo vor mir hörte ich wieder Hufschlag. Ich trieb Shita an und ritt in eine Bodensenke, in der sich das Regenwasser gesammelt hatte und fast kniehoch stand. Schlamm spritzte auf und traf mich ins Gesicht, als ich mit Shita hindurchritt. Als ich die Senke verließ, waren Shita und ich dreckverschmiert. Aber das störte mich nicht. Ich dachte nur an Laufender Bär und an die Schüsse und folgte den Soldaten.

    Sie waren nicht mehr zu sehen. Ich konnte nur ahnen, wo sie sich befanden. Shita verlor für Sekundenbruchteile den Halt unter den Vorderhufen. Sie rutschte auf dem glitschigen Boden aus und knickte fast mit den Läufen ein. Ich wurde nach vorn geworfen und klammerte mich an der Mähne fest. Für einen Moment hing ich seitlich am Pferdehals. Dann fing sich Shita wieder. Schwer atmend richtete ich mich auf. Shita schüttelte die Mähne. Sie trabte weiter. Ich klopfte ihr auf den Hals und wagte nicht, daran zu denken, was passiert wäre, wenn sie sich einen Lauf gebrochen hätte.

    Einige Hügel tauchten aus den Regenschleiern vor mir auf. Sie wirkten wie die Buckel riesiger, schlafender Tiere. Der Regen hatte schmale Rinnen in die Hänge gewaschen.

    Ich wich den tiefen Pfützen aus, so gut es ging. Immer gelang es mir nicht. Es war stockdunkel, und ich konnte nicht viel sehen.

    Plötzlich hörte ich Stimmen vor mir. Jemand fluchte laut. Ich ritt noch ein Stück weiter, hielt dann, glitt aus dem Sattel und blieb neben Shita stehen, die den Kopf senkte, während der Regen die Dreckspritzer aus ihrem Fell wusch.

    Da sah ich wieder schemenhaft einige Reiter in langen Umhängen und mit großen Hüten. Sie wirkten ­irgendwie unwirklich, körperlos. Sie schienen zu schweben. Ich fror und zog die Schultern hoch. Die Männer sprangen neben irgendetwas, das ich nicht erkennen konnte, aus den Sätteln. Durch ihre Umhänge wirkten sie wie riesige Vögel, große, schwarze Totenvögel.

    Sie hielten Gewehre in den Händen. Klobige Springfield-­Karabiner. Sie scharten sich um das Etwas am Boden.

    Mein Magen krampfte sich zusammen. Mein Hals war plötzlich trocken. Ich spürte den Regen für lange, endlose Augenblicke nicht mehr, die dicken, schweren Tropfen, die wie Peitschenhiebe auf meinen Kopf, mein Gesicht und meine Haut klatschten.

    Die Soldaten redeten. Ich hörte ihre Stimmen, konnte aber nicht verstehen, was sie sprachen. Ich erkannte nur, dass es sich um einen Menschen handelte, der zwischen ihnen am Boden lag. Er richtete sich plötzlich ein Stück auf und wälzte sich herum.

    Einer der Soldaten hob sein Gewehr. Als es mit dem eisenbeschlagenen Kolben voran hinuntersauste, schloss ich die Augen.

    Das Rauschen des Regens war plötzlich überlaut. Ich stand wie gelähmt und sah, wie sich der Mann, der zugeschlagen hatte, bückte und an dem flach liegenden Körper herumhantierte.

    Kurz darauf stapften die Soldaten durch den Schlamm zu ihren Pferden und kletterten in die Sättel. Dann ritten sie davon wie ein Spuk.

    Ich stand eine ganze Weile still da, bis mich Shita mit der weichen, warmen Schnauze anstieß. Ich strich dem Pony durch die Mähne und schwang mich auf seinen Rücken. Shita trabte an. Sie schien zu wissen, wohin ich wollte. Sie lief auf die Stelle zu, wo die Soldaten ­gewesen waren, ohne dass ich sie mit dem Zügel dirigieren musste.

    Dann stand sie still. Unter mir sah ich die Umrisse eines Menschen im Schlamm, umgeben von schwarzen Pfützen, deren Oberflächen von Tausenden von Regentropfen zersiebt wurden.

    Der Mann war tief in den morastigen Boden gesunken.

    Mit eckigen Bewegungen glitt ich aus dem Sattel. Schwerfällig stelzte ich auf den reglosen Körper zu.

    Der Mann lag mit dem Gesicht nach unten im Dreck. Ich bückte mich, überwand meine Hemmungen und rollte den Körper auf den Rücken. Obwohl ich gewusst hatte, was mich erwartete, erschrak ich bis ins Mark.

    Ich blickte in das Gesicht von Laufender Bär.

    Es war verzerrt, unmenschlich entstellt. Die Augen waren weit aufgerissen und schimmerten vom Blut der vielen geplatzten Äderchen in den Pupillen rötlich. Der Mund stand halb offen. Das Gesicht war schwarz vom Lehm und wirkte durch seine Starre wie die meisterhaft geschnitzte Holzmaske eines Geistertänzers.

    Laufender Bär war tot. Sein Wildlederhemd war über dem Oberkörper zerrissen. Der Regen wusch ständig frisches Blut aus einer großen Wunde einen Zoll oberhalb des Nabels.

    Aber nicht der Schuss hatte Laufender Bär getötet. Ein Gewehrkolben hatte seinen Gurgelknoten zerschmettert. Der Kopf stand eigenartig verrenkt vom Körper ab. Der Hals war seltsam eingedrückt, und es schien ein großes Loch in der Gurgel zu sein.

    Ihm fehlte der Skalp. Die Schnitte auf seinem Schädel bildeten ein Dreieck. Der Soldat, der ihn skalpiert hatte, hatte ihm fast die ganze Kopfhaut abgerissen.

    Ich wandte mich rasch ab. Zorn erfüllte mich, hilfloser Zorn. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. In diesem Moment war ich innerlich völlig leer und ausgebrannt. Der Regen fiel, und das Wetter rauschte monoton. Böen trieben über das Land und jagten Regenschleier vor sich her.

    Ich fühlte mich verdammt allein und sehnte mich nach jemandem, den ich fragen konnte, was zu tun sei.

    Als ich mich wieder bewegte, bekam ich meine Füße kaum hoch. Ich war bis zu den Knöcheln im Schlamm versunken. Nachdem ich den Tomahawk von Laufender Bär an mich genommen hatte, schwang ich mich in den Sattel. Ich lenkte Shita um die Leiche herum. Erst jetzt fiel mir auf, dass meine Hände zitterten.

    Ich fasste die Zügel fester und ritt weiter. Und dann sah ich weit vor mir einen kleinen, glühenden Punkt im tosenden Wetter, ein Feuer. Es schien im Schutz einer Zeltplane zu brennen.

    Ich ritt direkt darauf zu und hörte ein Trompetensignal. Da zog ich Shita herum und ritt in eine Bodenfalte zwischen zwei Hügeln. Für kurze Zeit verlor ich das Feuer aus den Augen. Wenig später sah ich es wieder. Ich schlug einen Bogen um das Camp der Soldaten und näherte mich im Schutz mehrerer Bodenwellen, in denen ich immer wieder untertauchte.

    Ich ritt, bis ich den intensiven Geruch von Pferden und Leder wahrnahm. Da zügelte ich Shita und stieg ab. Mit hängenden Zügeln ließ ich Shita stehen.

    Das erste Stück ging ich aufrecht, bis ich die Funken des Feuers sprühen sah. Dann ließ ich mich auf die Knie sinken und robbte über den aufgeweichten Boden. Trotz des Regens nahm ich den Rauch des Feuers wahr. Nach wenigen Yards war ich bereits von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt. Das störte mich nicht.

    Ich hatte die Pferde der Soldaten entdeckt.

    *

    Sie standen abseits des Feuers in einem eilig errichteten Seil-Corral. Eine Pferdewache war nirgends zu sehen.

    Die Soldaten hockten dicht aneinander gedrängt um das kleine Feuer. Sie hatten sich in ihre Mäntel gehüllt und die Kragen hochgeschlagen. Ich konnte ihre Umrisse im Feuerschein erkennen. Sie achteten nicht auf die Tiere.

    Ich robbte in den Seil-Corral. Die Pferde schnaubten leise und tänzelten unruhig. Ich blieb reglos liegen, bis sie sich beruhigt hatten. In diesem Moment hatte ich wahnsinnige Angst, entdeckt zu werden. Das Risiko, auf das ich mich eingelassen hatte, war groß. Das wurde mir erst jetzt richtig bewusst, als die Hufe der Armeepferde nur wenige Zoll von meinem Kopf entfernt in den morastigen Boden stampften.

    Ich kroch über den zertrampelten Boden, durch die tiefen Pfützen und zwischen den Pferden hindurch. Irgendwo in der Mitte des Corrals richtete ich mich auf. Die Pferdeleiber schützten mich vor Blicken aus dem Camp.

    Die Tiere waren alle noch gesattelt und trugen ihre Satteltaschen. Nichts anderes hatte ich gesucht.

    Was ich in den Satteltaschen fand, war mehr, als ich erwartet hatte. Ich nahm eine Satteltasche an mich, leerte sie völlig

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