USB-Stick verschwunden!: Erzählung
Von Rolf Stemmle
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Über dieses E-Book
Eine Erzählung voller komödiantischer Situationen. Und eine Erzählung, die mit Augenzwinkern zeigt, wie gefährlich es ist, Wichtiges auf winzigen Datenträgern durch die Welt zu tragen.
Taucht der Stick wieder auf? Rechtzeitig? Kommt Lukas mit einem blauen Auge davon?
Lukas durchlebt entsetzliche Stunden, bis er vom Schicksal die Antwort erfährt.
Rolf Stemmle
Rolf Stemmle ist gebürtiger Regensburger. Zunächst konzentrierte sich sein Interesse auf das Theater. Er leitete viele Jahre eine Theatergruppe und begann mit Verlagen und anderen Theatern zusammenzuarbeiten. Später kam das Interesse für andere Gattungen hinzu. So entstanden bisher neben dem Lyrikband "Der Mensch im Tier" Romane und eine ganze Reihe von Kurzgeschichten sowie Erzählungen nach Werken des Musiktheaters, insbesondere von Richard Wagner und Giuseppe Verdi. Zudem komponiert er Kammermusik. www.rolf-stemmle.de.
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Buchvorschau
USB-Stick verschwunden! - Rolf Stemmle
USB-Stick verschwunden!
USB-Stick verschwunden!
Impressum
USB-Stick verschwunden!
Das Wetter hatte sich rechtzeitig gebessert. Lukas freute sich auf den Grillabend bei seiner Schwägerin Birgit und ihrem Mann Michael. Ihr Einfamilienhaus war umgeben von einem weitläufigen Garten mit altem Baumbestand, der für solche Gelegenheiten eine idyllische Kulisse bot.
Birgit feierte ihren 45. Geburtstag. Der Gästekreis war klein. Neben Lukas und Anja sowie ihren Kindern, den Teenagern Johanna und Viktor, kamen lediglich noch zwei Frauen, Kolleginnen von Birgit aus der Paracelsus-Apotheke, sowie Fritz, ein langjähriger Freund des Ehepaares. Kinder hatten Birgit und Michael keine.
Diese Kinderlosigkeit rückte Anja besonders nah an ihre Schwester heran. Sie selbst führte ja mit Lukas eine glückliche Ehe, zu der eben auch zwei gesunde und tüchtige Kinder gehörten. Sie konnte das Leben ohne nennenswerte Entbehrungen genießen. Anja betrieb in der Altstadt von Obermolching eine kleine Buchhandlung mit treuer und lesefreudiger Stammkundschaft, Lukas hatte ein paar Gassen weiter vor drei Jahren ein stimmungsvolles Café eröffnet, nachdem sein einstiger Arbeitgeber, ein Sanitärbetrieb, in Konkurs gegangen war. Anja spürte, diese Gründung war für Lukas eine gelungene Wendung, seit der er das Negative seines bisherigen Berufsweges hinter sich lassen konnte. Dass sie also beide in solch angenehmen Verhältnissen lebten, schuf ein festes Fundament für ihre Ehe. Davon war Anja überzeugt. Was ihre zwei Jahre ältere Schwester Birgit anbetraf, so hatte sie die Furcht, ihre unfreiwillige Kinderlosigkeit könnte sie eines Tages aus dem Gleichgewicht bringen. Zwar konnte sich Birgit durch ihre Karriere Ausgleich verschaffen, sie hatte vor kurzem die Paracelsus-Apotheke als Filialleiterin übernommen, doch der Beruf ist eben nur der zweitrangige Teil des Lebens, dachte Anja. Sie fühlte sich daher aufgefordert, als potenzielle Stütze in unmittelbarer Nähe der Schwester zu wachen.
Birgit servierte gerade die Nachspeise, Panna cotta mit Erdbeersoße, als Fritz, der langjährige Freund der Gastgeber, folgenden Witz erzählte: Der Dorfpfarrer kam missgelaunt in das Wirtshaus. Der Wirt brachte ihm sein Mittagessen und fragte: „Was ist los mit Ihnen, Hochwürden? – „Ach
, antwortete der Pfarrer. „Ich habe mal wieder erleben müssen, wie schlecht die Welt geworden ist. Gleich die Erste, die heute gebeichtet hat, war eine Ehebrecherin! Der Wirt nickte nachdenklich und gab dem Pfarrer Recht. Da kam die Wirtin herein. Sie freute sich, als sie den Pfarrer sah und rief: „Gell, da haben Sie geschaut, Herr Pfarrer, dass ich heute die Erste beim Beichten war.
Die Runde lachte. Als Fritz spaßhaft den Zeigefinger hob und warnte: „Also, passt auf eure Daten auf!", lachte die Runde nochmals, aber zugleich zeigten sich in einigen Gesichtern unangenehme Erinnerungen. Eine der Kolleginnen von Birgit berichtete, sie habe vor ein paar Wochen eine E-Mail an eine Freundin, in der sie sich böse über eine Bekannte äußerte, versehentlich an jene Bekannte geschickt. Die andere Kollegin hatte in facebook eine vertrauliche Mitteilung nicht in einer geheimen Gruppe, sondern öffentlich gepostet. Sie hatte das falsche Feld erwischt.
Lukas meinte: „Aber der Witz beweist, dass solche Datenpannen immer schon passiert sind."
Anja bestätigte dies. „Ein Liebesbrief von Walter Gropius an Alma Mahler war an ihren Mann Gustav Mahler adressiert. Ein schicksalhaftes Versehen. Geschehen vor über hundert Jahren!"
„Ja, das mag schon sein, entgegnete Fritz, „aber heute sind sehr viel mehr Daten unterwegs und mit einer winzigen Unachtsamkeit falsch zu lenken. Man klickt auf antworten statt auf weiterleiten, man beschreibt ein falsches Datenfeld. Einen Brief aus Papier adressiert man nicht so schnell an den Ehemann der Geliebten. Außer man tut es absichtlich, um Bewegung in eine Geschichte zu bringen.
Lukas und Anja ließen sich überzeugen – froh, dass ihnen noch nie solche Fehler unterlaufen waren.
Michael, Birgits Mann, sagte zu all dem nichts. Er saß am Ende des Tisches, auf das der Schatten einer dichten Hecke fiel. Lukas hatte bereits geraume Zeit den Eindruck, er verberge sich bei dieser Diskussion bewusst im Halbdunklen. Seine Gesichtszüge waren, soweit Lukas dies erkennen konnte, erstarrt und wiesen auf trübe Gedanken hin. Hatte er Sorgen? War ihm ein ähnliches Missgeschick passiert wie den beiden Kolleginnen von Birgit?
Lukas und Michael trafen sich gelegentlich im Fitnesscenter. Und sie blieben gerne noch zu einem Bier an der Fitness-Bar. Mit dem Lauf der Jahre hatten sie eine gute Gesprächsbasis gefunden, redeten mitunter über Vertrauenswürdiges. Lukas nahm sich vor, Michael bei nächster Gelegenheit gezielt auf seine Stimmung anzusprechen.
Schon beim Abschied tat sich eine solche Gelegenheit auf: Vor kurzem hatte die Familie die Goldene Hochzeit von Anjas und Birgits Eltern gefeiert. Michael hatte fotografiert. Anja bat um Kopien der Fotodateien. Michael wollte sie am folgenden Tag bei Lukas, in dessen Café Bohne, auf einem Stick vorbeibringen. Er kam ohnehin gerne in das Café, um bei einem Kaffee in den Zeitschriften zu blättern.
Die Scheinwerfer des Wagens strahlten auf das Garagentor. Es war matt und fleckig, ein wenig grau, ein wenig blassgrün. Vor einem Monat hatte ein Nachbar, Herr Scheuberger, ein fleißiger und geschäftstüchtiger Rentner, die rissige und verschmutzte Farbschicht abgebeizt. Da innerhalb der Familie Pfeifer Uneinigkeit darüber herrschte, welche Farbe das Tor bekommen sollte, war die Renovierung des Garagentors ins Stocken geraten.
„Es wird Zeit, dass wir uns einigen", bemerkte
