Kaffee: Ein psychoaktives Genussmittel
Von Markus Berger
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Über dieses E-Book
ein Psychostimulans par excellence - und kann im Zusammenspiel mit zahlreichen anderen Psychoaktiva interessante Synergien erzeugen. Die Kulturgeschichte des Kaffees schliesst, neben den genüsslichen und berauschenden Aspekten, ebenso viele Wirrungen und Irrungen ein wie die Geschichte anderer Drogen. Als der Mensch sich den Genuss der Kaffeefrüchte von den Tieren abschaute, begann der weltweite Siegeszug des Kaffees und anderer koffeinhaltiger Drogen. Doch die wenigsten wissen, dass der Kaffee
einst als "teuflisches Gift" gebrandmarkt wurde und in so mancher Gegend der frühen Drogenprohibition zum Opfer fiel. Darüber berichtet das Buch ebenso wie über die Botanik, Kultur und Verwendung dieser Pflanzendroge sowie über den Einfluss des Kaffees auf Kunst, Kultur und Wissenschaft.
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Buchvorschau
Kaffee - Markus Berger
Einleitung
Das Gemütsleben des Menschen wird durch mäßige Koffeinmengen günstig beeinflußt. Unter der Einwirkung des Koffeins ärgert sich der Mensch über unerfreuliche Dinge weniger; er glaubt auch, der vor ihm liegenden Schwierigkeiten leichter Herr zu werden.
RÖMPP 1941A: 119
Der Kaffee, das bekannte Gegengift des Weines, erregt in hohem Grade unsere Phantasie, leitet dadurch den Kopfschmerz ab und zerstreut unseren Kummer, ohne uns, so wie das auch mit jenem Getränke der Fall, hiervon für den folgenden Tag verschonen zu können.
LA METTRIE 1875: 25
Kaffee hat, auch wenn er als Kulturpflanze noch relativ jung ist, eine lange Kulturgeschichte, von der aber leider nur wenig überliefert bzw. in der Überlieferung erhalten ist. Er diente und dient der kapitalistischen Welt als Handelsware, dem Genießer jedoch als Meditationsdroge, als kleine Pause zwischendurch und als Tonikum, als Aufputscher und Wachhalter, aber auch als Aphrodisiakum und sogar als Medizin.
Kaffee ist heute weltweit das beliebteste Getränk – noch vor Bier und Cola. Ein in den weltweiten Gesellschaften eingebettetes, akzeptiertes, ja gewinnbringendes psychoaktives Gewächs und Getränk. Kaffee hat Geschichte und Kaffee ist modern. Er ist eine tief verwurzelte Zauberpflanze, leider aber auch ein Werkzeug für Ausbeutung und menschenverachtendes Elend geworden. Kaffee ist Modedroge und Kaffee ist Synonym für andere Drogen: Coffein (engl. Caffeine) oder Coffee sind Straßenbezeichnungen für Kokain (pharmazeutisches Koffein wird oft auch gern zur Verlängerung von Kokainpulver verwendet).
Das Wort Kaffee stammt vermutlich vom arabischen Terminus qahwa, gahwa oder khamr (auch Al-Qahwa, gahwah, g’hawah, qahwah = berauschend; arab. für Wein) her (RÄTSCH 1998: 534). Der Ethnologe und Wörterbuchautor JANZING bietet folgende Erläuterungen zum Wort Kaffee an:
„Arabisch (…) [qáhwa] heißt ‚Kaffee’ (vgl. althebrä. [qahawá]). Das Wort gelangte über türkisch kahve in die europäischen Sprachen: italienisch caffé, niederländisch koffie. Das italienische Wort breitete sich gemeinsam mit dem Kaffee weit aus. Das niederländische Wort ist Englisch und Russisch entlehnt" (JANZING 2004: 12).
Eine Kaffeeplantage in Tansania
Zuweilen wird der Ursprung des Wortes Kaffee aber von der äthiopischen Provinz Kaffa abgeleitet. Aus Kaffa kommt ein urtümlicher, wilder Kaffee (siehe unten).
Janzing liefert auch gleich die angenommene Etymologie der Bezeichnung Kaffeebohne:
„Für Kaffeebohne gibt es die Erklärung, dass es auf arabisch (…) [bunn] ‚Kaffee(bohne)’ zurückgehe und volksetymologisch an Bohne angelehnt sei. Sollte dies zutreffen, so müssen die anderen germanischen Wörter (vgl. schwed. kaffeböna) entweder auf derselben Volksetymologie beruhen oder das Wort nach deutschem Vorbild als Lehnübersetzung gebildet haben. Auch das russische Wort muss dann eine Lehnübersetzung germanischen Ursprungs sein (…)" (JANZING 2004: 12).
Von den über 120 Coffea-Spezies (siehe Kapitel Kaffee-Botanik) sind drei Arten für die Kaffeeproduktion von besonderer Relevanz: Coffea arabica, Coffea robusta (die mittlerweile Coffea canephora genannt wird) und Coffea liberica. Letztgenannte Art wird allerdings seltener verwendet. Für uns sind in der Hauptsache Robusta- und Arabica-Kaffees von Gewicht.
„Die ‚Robusta‘, eine Sorte, die viel angebaut wird, bleibt größtenteils auf dem einheimischen Markt, während die feine Sorte ‚Arabica‘ beinahe ausschließlich exportiert wird. In fast allen mittleren Höhenlagen Britisch-Ostafrikas liegen verstreut ausgedehnte Kaffeeplantagen; in Kenia vor allem in der Umgebung Nairobis. Die sanften Abhänge der Hügel und Höhen um tausend Meter herum entsprechen den Lebensbedingungen der Kaffeesträucher am besten:" (HANZELKA & ZIKMUND 1954: 169)
Kaffee-Botanik
Die Gattung Coffea (Rubiaceae)
Der Kaffeestrauch Coffea arabica und seine Verwandten Coffea spp. gehören zur Familie der Rubiaceae (Röte- oder Krappgewächse). Somit sind die Kaffeegewächse (obgleich bei weitem nicht alle Arten der Gattung Koffein aufweisen oder gar als leckerer Kaffee genießbar wären) unter anderem verwandt mit solch psychedelischen Pflanzen wie zum Beispiel der Psychotria, dem panamazonischen DMT-Lieferanten Nummer eins, und auch dem einheimischen Waldmeister.
Hier die systematische Stellung der Gattung Coffea im Pflanzenreich:
Reich: Pflanzen
Division: Magnoliophyta CRONQUIST
Unterdivision: Magnoliophytina FROHNE et JENSEN ex REVEAL
Klasse: Rosopsida BATSCH
Unterklasse: Lamiidae TAKHT. ex REVEAL
Überordnung: Gentiananae THORNE ex REVEAL
Ordnung: Rubiales DURNORT.
Unterordnung: Rubiineae RAF.
Familie: Rubiaceae Juss.
Unterfamilie: Coffeoideae RAF./ Ixoroideae RAF.
Tribus: Coffeeae DC.
Subtribus: Coffeinae DC.
Gattung: Coffea L.
Taxonomie im Spiegel der Zeit
Coffea L. (1753), Rubiaceae
Klasse: Coffeopsida Brongn., Enum. Pl. Mus. Paris: xvii, 48. 1843 (Coffeineae)
Unterklasse: Coffeineae J. Presl in Nowočeská Bibl. [Wšobecný Rostl.] 7: 791, 826. 1846 (Coffeaceae)
Famille: Coffeaceae Batsch, Tab. Affin. Regni Veg.: 233. Mai 1802
Unterfamilie: Coffeoideae Raf. in Ann. Gen. Sci. Phys. Bruxelles 6: 85. 1820 (Coffeoria)
Tribus: Coffeeae DC. in Ann. Mus. Natl. Hist. Nat. 9: 217. 1807 (Coffeaceae)
Untertribus: Coffeinae DC., Prodr. 4: 342, 472. Sep 1830
Zurzeit zählen 124 Spezies zur Gattung Coffea L., die in die Untergattungen Baracoffea und Coffea aufgeteilt sind. Die Gattung war 1753 vom Botaniker Carl von Linné aufgestellt worden. Synonyma für die Gattung sind Buseria T. DURAND, Cafe ADANS., Hexepta RAF., Leiochilus HOOK. f., Nescidia A. RICH., Paolia CHIOV., Pleurocoffea BAILL., Psilanthopsis A. CHEV. und Solenixora BAILL.
2001 wurden in der Antsiranana-Provinz im nordöstlichen Madagaskar von Davis und Rakotonasolo drei „neue" Coffea-Spezies beschrieben:
Coffea littoralis A.P. DAVIS et RAKOTONAS. sp. nov.
Coffea mcphersonii A.P. DAVIS et RAKOTONAS. sp. nov.
Coffea ratsimamangae J.-F. LEROY ex A.P. DAVIS et
RAKOTONAS. sp. nov.
Diese drei Arten wurden mit Coffea pervilleana verglichen (DAVIS et RAKOTONASOLO 2001). Eine Übersicht über nahezu alle Coffea-Spezies findet sich im Internet auf den Seiten der Plantamed, einer webbasierten Datenbank zu den Medizinalpflanzen: plantamed.com.br/plantaservas/generos/Coffea
Die wichtigsten Kaffeelieferanten
Nicht alle Spezies aus der Gattung Coffea können für die Produktion von Kaffee verwertet werden. Viele Arten sind für diese Zwecke nicht geeignet. Die drei wichtigsten Kaffee-Pflanzen sind:
Coffea arabica LINNÉ
Früchte der Coffea arabica
Synonyme: Coffea laurifolia SALISB., Coffea mauritiana HOST. non LAMK., Coffea vulgaris MOENCH, Jasminum arabicum laurifolia. DE JUSS. Trivialbezeichnungen: Arabian coffee, Arabica-Kaffee, Arabischer Kaffee, Bergkaffee, Bunna (äthiop.), Café, Coffee tree, Common coffee, Kaffeebaum, Kaffeepflanze, Kaffeestrauch, Kahwa, Koffie, Qahwe und viele andere.
Coffea arabica ist die Kaffeeart (mit Varietäten), mit der mehr als 60 Prozent der Weltkaffeeproduktion gestemmt werden. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Äthiopien und wird vornehmlich in Gebieten angebaut, die 1000 bis 3000 Meter über dem Meeresspiegel liegen. Ihre Früchte enthalten bis 1,5 Prozent Koffein, wobei eine Pflanze etwa drei bis fünf Jahre benötigt, ehe sie diese ausbildet.
Coffea-arabica-Blüten
Coffea arabica ist ein zwei bis fünf Meter hohes, strauchartiges Gewächs mit glänzenden, immergrünen, elliptisch bis lanzettlichen und zugespitzten Blättern, die bis zu zwanzig Zentimeter lang und bis zu sechs Zentimeter breit werden können. In den Blattachseln bilden sich die sternförmigen und weißen Blüten, die bis zu fünf Millimeter lang werden und jasminähnliche Düfte produzieren. Die Frucht ist anfangs grün und wird bei zunehmender Reife rot. Die Reifezeit ist nach neun bis elf Monaten erreicht.
„Innerhalb des Fleisches liegen die beiden dünnschaligen, pergamentartig behäuteten Steine. An den zueinander gekehrten Seiten sind diese platt und mit einer Längsfurche versehen, an der entgegengesetzten gewölbt, grün bis hellbraun, von der Samenschale, dem Silberhäutchen, umgeben (Kaffeebohnen). Im Innern des Samens befindet sich das hornartige, eingerollte Endosperm mit einem kleinen Keim" (KAISER 1955: 643).
Die Varietät Coffea arabica var. maragogype ist eine Hybridform aus Coffea arabica und Coffea liberica und wird In Nicaragua und Mexiko auf Höhen zwischen 400 und 1200 Metern über dem Meeresspiegel kultiviert. Die Pflanzen liefern nur einen geringen Ertrag und werden als Kaffeelieferanten ausschließlich regional angebaut und verwendet.
Coffea canephora PIERRE ex FROEHNER
Coffea-canephora-Früchte
Synonyme: Coffea robusta LINDEN Trivialbezeichnungen: Rio Nunez coffee, Robusta Coffee, Robusta-Kaffee, Kongo-Kaffee
Coffea canephora, der seit dem 19. Jahrhundert bekannte Robusta-Kaffee, kommt aus West- und Zentralafrika und macht etwa 35 bis 36 Prozent der weltweiten Kaffeeproduktion aus. Coffea canephora (inkl. Varietäten) wird insbesondere in mediterranen Ländern, zum Beispiel in Frankreich, Spanien und Portugal genossen.
Coffea-canephora-Blüte
Coffea canephora weist eine natürliche Resistenz gegen Krankheits- und Schädlingsbefall auf. Canephora hat ein kräftigeres, etwas bittereres und herberes Aroma und enthält wesentlich mehr Koffein, nämlich bis zu 2,7 Prozent. Canephora-Bohnen sind nach sechs bis acht Monaten reif.
Diese Kaffeeart ist besonders schnellwüchsig, wird bis zu acht Meter hoch (die Blätter werden bis etwa 40 Zentimeter lang) und ist um einiges ertragreicher als Coffea arabica. Allerdings ist die Pflanze auch kälteempfindlicher als die Arabica-Spezies. Daher wird Coffea canephora im Flachland oder in Höhenlagen bis maximal sechshundert Meter angepflanzt.
Coffea liberica BULL ex HIERN.
Coffea liberica
Synonyme: Coffea excelsa CHEV., Coffea dewevrei DE WILD. et DUR. Trivialbezeichnungen: Liberia-Kaffee, Excelsa-Kaffee
Liberia-Kaffee stammt aus Westafrika, kommt heute aber auch in Asien vor und wird dort zum Beispiel in Indonesien, auf den Philippinen und in Vietnam angebaut. Ihr Anteil an der Weltkaffeeproduktion liegt bei gerade mal einem Prozent.
Die Pflanze (inklusive Varietäten) ist als Kaffeelieferant seit Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt und kann bis zu 20 Meter hoch wachsen, meist erreichen die Exemplare eine Größe von acht bis zehn Metern.
Coffea liberica weist wie Coffea canephora eine natürliche Resistenz gegenüber Schädlingen auf. Die Blätter werden bis zu 35 Zentimeter lang und etwa 15 Zentimeter breit. Die nach 12 bis 14 Monaten reifen Früchte sind etwas größer und
