Die letzten Paradiese: Zum Lachen komische Geschichten über Gartenfreunde
Von Manfred Schmidt
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Manfred Schmidt
Manfred Schmidt
Manfred Schmidt, geboren 1950 in Meiderich, einem Stadtteil von Duisburg, startete mit medizinischen Fachbüchern seine ersten Gehversuche als Buchautor. Seine große Passion war von jeher die Geografie und Etymologie. Mit zahlreichen Buchveröffentlichungen zu geografischen und regionalen Themen hat er sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht.
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Buchvorschau
Die letzten Paradiese - Manfred Schmidt
Gratias tibi ago
Dietmar R.
Vorwort
‚Laubenpieper‘ gärtnern mitten in der Stadt Berlin. In keiner vergleichbaren Stadt gibt es diese kleinen Gärten mit dieser Mischung aus Weltstadt und Provinz. Wer sind diese Menschen, die wie besessen in der Erde wühlen oder alles naturbelassen wachsen lassen? Ich gehöre seit über 45 Jahren zu dieser Art Spezies und bewirtschafte in einer Kleingartenanlage einen Garten. Ich kenne die Gartenfreunde mit ihren Macken, ihren Träumen und Wünschen. Ich habe sie mit liebevoll-scharfem Blick beobachtet und darüber diese Geschichten geschrieben.-
>In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne< sagt der Poet. Tod im Paradies, Liebe, Lust und Leidenschaft. Diese sinnlichen Verführer werfen ihre Netze aus. Der laue Abendwind zaubert leise eine Melodie auf einem hölzernen Windspiel unter dem Torbogen. Der wohltemperierte Wein mundet köstlich. Der Zeremonienmeister für diese Stimmung will noch eins draufsetzen und lässt ein liebestolles Grillenmännchen mit seinen Flügeln rappeln.
Meine Seele baumelt sich lang. Entspannt lehne ich mich zurück und schließe die Augen. Ich bin allein hier in einem Kleingarten der Kolonie ‚Goldähren‘. So, als wäre es an der Zeit, dieser Glückseligkeit noch ein I- Tüpfelchen zu verpassen. Zeitgleich dieser optische und akustische Angriff auf die Sinne. Spuren der Erinnerung, fotografisch gespeichert, dieses Spiel kenne ich doch. Das Objekt der Begierde spielt das allseits bekannte Spiel von Lust und Leidenschaft. Wer ist der Verführer, wer der Verführte? Wer ist Sieger, wer Verlierer? Mein Adrenalin-Spiegel sendet Alarmsignale. Ich bin ein Mann, ein gestandenes Mannsbild, und stelle mich der Herausforderung. Ich kenne diese Situation und habe oft erleben müssen, dass es ein tragisches Ende nahm. Es wird immer einen Verlierer geben. Das macht mich einerseits traurig, doch andererseits habe ich dieses Spiel nicht begonnen. Sie nähert sich verführerisch, streckt ihre langen Beine nach vorn. Ein Anblick, bei dem mir heiß und kalt wird. Ihr schlanker Körper windet sich geschmeidig. Diese Zartheit, diese grazilen, perfekten Bewegungsabläufe fordern meine Bewunderung. Ich oute mich als gefügiges Opfer und lasse sie nicht mehr aus den Augen. Zielstrebig nähert sie sich mit einer leisen Melodie. Ich spüre meine Erregtheit, meine Pulsfrequenz steigert sich analog zum Adrenalin-Programm. Dann berührt sie mich. So sanft, so leichtfüßig, wie sie es nur kann. Es ist jetzt still geworden, keine Melodie begleitet diesen so wichtigen Moment unserer Gemeinsamkeit. Der Genuss der Berührung, der Vereinigung unserer Körper, bildet den Einstieg zur Apokalypse des Untergangs. Die Klaviatur der Grausamkeit geschieht nicht in Zeitlupe, im Gegenteil. Im Mini-Sekundentakt, nach einem Schema, einem genauen Plan, läuft ein einstudiertes Programm ab. Die Tragik des Schicksals liegt in dem Umstand, dass es für das plötzliche Ende keine kitschige, sentimentale Sterbehilfe gibt. Der Countdown läuft bereits. Im Rausch der Sinne, am Ziel ihrer Träume, schließt sie die Augen. Sie genießt die berauschende Zweisamkeit. Sie schmiegt sich an meine warme, weiche Haut und ist glücklich, mir so nah zu sein. Im Augenblick dieses Höhepunktes verdunkelt sich der Horizont. Ein scharfer Luftzug zerrt an ihrem Körper. Dann wird es still und alles ist vorbei. Der Sekundentod einer ‚Diptera-Nemtocera‘, ein zweiflügeliges Stechinsekt, auch genannt Mücke, hat der Sekundentod ereilt. Auf meinem Arm ein kleiner Blutfleck und ein winziges Etwas, ein zermalmter Körper, es juckt ein wenig. Es wird ein ‚Nachjucker‘ für die nächsten Tage.
Tags darauf: „Was machst du da? tönt ein Stimmchen am Gartenzaun zum Nachbargrundstück. Es ist die kleine Martha, gerade erst fünf Jahre alt geworden. „Wie du siehst, liege ich ganz entspannt im Liegestuhl und genieße die Stille
. „Wer bist du? „Ich bin ein Nachbar von Bernd und Brigitte. Die Beiden machen gerade Urlaub in Amerika. Eigentlich sollte ihr Neffe Mario die Gartenpflege übernehmen. Leider ist er verhindert und nun kümmere ich mich in dieser Zeit um diesen Garten. Sie haben mir auch von dir erzählt
. „Wie heißt du? „Ich heiße Heinz
„Wo ist Amerika? „Weit weg, am schnellsten kommt man mit dem Flugzeug nach Amerika
. „Hast du Kinder? „Nein
„Warum nicht? „Ich bin nicht verheiratet
. „Mein Papa und meine Mama sind auch nicht verheiratet. Mein Papa ist viel unterwegs. Hast du eine Freundin? „Ja, sie lebt in Amerika, sie kommt mich aber bald wieder besuchen
. „Warum hast du keinen Garten? „Ein Garten macht viel Arbeit, ich weiß nicht, ob ich die Zeit dafür habe
. „Kommst du morgen wieder? „Ich glaube schon
. „Tschüss „Tschüss, Martha
.
Inhaltsverzeichnis
Die Kastanienklause wird ‚Zum Dudelsack‘
Hecke schneiden nur an Blatt-Tagen
Russische Rennmäuse
Schneckenalarm
Enzo der Pilzzüchter
Poesie des Augenblicks
Wahre Liebe kennt kein Hindernis
Goldgräberstimmung
Loretta das Luder
Die Schlaumeier
Die Jahreshauptversammlung
Die Prosecco-Frauen
Oben ohne und Sexy Wäsche für Landfrauen
Ohne Handy geht gar nichts
Auf Nachtstreife
Notbeatmung
Aus Kindertagen
Das Sommerfest
Feng Shui im Garten
Deutsch-Amerikanisches Volksfest Tempelhof
Opa Hannes hat Geburtstag
‚Deislers‘ Fußballhose
Sodom und Gomorrha
Ein Mäusefreier Garten
Handgreiflichkeiten
Der Frauen-Versteher
Alles Öko oder was
Lustigmacher- Kekse
Ich werde ein richtiger Laubenpieper
Rückenprobleme
Rundumversorgung
Biker aus Michigan
Erotik für Senioren per Internet
Wer hat den größten Kürbis
Veganer grillen auch
Der 100. Geburtstag
Die Kastanienklause wird „Zum Dudelsack"
Vier Wochen Urlaub liegen vor mir. Es sind die ersten schönen warmen Frühlingstage. Ich habe die Beete gepflegt, Unkraut gezupft und am Abend den ersten Muskelkater seit langer Zeit. Der große Forsythien-Strauch am Gartentor beginnt zu blühen. Mit der Gießkanne habe ich einen Gartenzwerg, der sich unter dem Strauch versteckt hat, einen Arm abgeschlagen. Ich werde ihn morgen wieder ankleben. Hoffentlich gelingt mir das. Das Wetter bleibt schön, ich sitze unter der großen Kastanie in der ‚Kastanienklause‘, dem Vereinshaus der Kolonie ‚Goldähren‘. Renate, die Pächterin, wird von allen ‚Nateken‘ genannt, und alle duzen sich hier. Es dauert nicht lange und Peter setzt sich zu mir an den Tisch. Er bewirtschaftet schon viele Jahre eine ‚Goldähre‘-Scholle. Wir begegneten uns schon öfter und jeder hatte immer einen frechen Spruch auf den Lippen.
Nach dem zweiten Bier erzählt mir Peter, wie vor einem Jahr eine Woche lang die Vereinsgaststätte einen anderen Namen trug. „An einem Mittwoch im Juli", erzählt er, „ein heftiges Gewitter tobte sich mit allem, was dazu gehört, über dem Kleingartengelände aus. Nateken saß allein in ihrer ‚Kastanienklause‘. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und ein völlig durchnässter Kerl in sehr abgetragener Restkleidung suchte Schutz. >Er sprach nicht unsere Sprache<, erzählte Nateken. In Nateken wuchs das Mutter-Theresa-Syndrom, sie päppelte ihn wieder auf. Dadurch, dass sich Nateken gleich in der ersten Nacht als Wärmflasche zu dem smarten Jüngling legte, machte die Erholung gute Fortschritte. Sie nannte ihr ‚Fundstück‘ Mac. Bestimmt ein Schotte, das glaubte sie aus den ‚Seemann-Tattoos‘ auf beiden Armen zu lesen. Mac, ein rauer ‚Seemann‘ mit tätowierter Brust und strammen Muskeln, hier in unserer Kleingartenanlage, ein Novum der besonderen Art. Ihr Mac fand auch Gefallen an der reifen Nateken die mit ihren 38 Jahren älter war als Mac. Nateken schwebte nun auf Wolke Sieben. Ein großes Schild mit den Buchstaben ‚Zum Dudelsack‘ hing eines Morgens im strahlenden Sonnenschein über dem Eingang zur ‚Kastanienklause‘. Die ‚Goldähre-Laubenpieper‘ rieben sich erstaunt die Augen. Der Vorstand nahm Nateken in´s Gebet >so geht das nicht<. Die ‚Goldähre‘-Skatgruppe boykottierte den Skatabend am Freitag. Nur Törnsen, der ‚Wasserwart‘, schlurfte missgelaunt zu später Stunde in den ‚Goldähre‘- Dudelsack. Mit Freibier und sechs doppelstöckigen Klaren lockerte Nateken sein Sprachzentrum und gewann ihn als williges Medium. Nateken überlegte lange und genau. Die Buschtrommel arbeitete leise und zielgenau mit Erfolg. Am nächsten Samstagabend, die Männer sahen sich zu Hause das Sportprogramm an, herrschte reges Treiben im ‚Goldähre‘-Dudelsack. Sogar die hörbehinderte Oma Buttgereit im Rollstuhl wurde in den Gastraum geschoben. Die Landfrauen standen im Alkohol-Vernichten ihren Männern kaum nach, zumal es ja Freibier gab. Nateken ließ sich nicht lumpen und spendierte ausgiebig den >Klaren< aus großen Gläsern. Ihr Mac hatte auch schon heftig ‚einen im Tee‘. Beinahe wäre er kopfüber die kleine Bühne hinunter gepurzelt. Das lag nicht an der baulichen Substanz, eher daran, dass Mac als Hobby-Stripper noch absoluter Newcomer war. Elf alkoholbenebelte Landfrauen klatschten sich die Finger heiß, damit Mac seine Intim-Tätowierungen an´s Licht zerre. Mitten auf dem Zenit dieser wilden Orgie ging das Licht aus. Opa Rasmussen aus der verwilderten, heruntergekommenen Parzelle schräg gegenüber, hatte hinter der Gardine gelauert und wollte diesem ‚Sodom und Gomorrha‘ ein Ende bereiten. Geschickt hatte er im Strom-Verteilerkasten die Hauptsicherung gelockert. Die Folgen waren fatal und müßig, im Detail zu beschreiben. Erwähnt werden sollte aber, dass die aufgeputschte Frauen-Clique sich zu einer Polonaise mit der Oma Buttgereit gesammelt hatte, um dem halbentblößten Mac in den großen Garten zu folgen. Das Areal in und um den ‚Goldähre‘- Dudelsack wurde zwei Stunden später zum >No-Areal-Gebiet< von der Polizei erklärt. Drei Leichtverletzte konnten ambulant behandelt werden. Opa Rasmussen hatte es heftig erwischt, das hatte er sich aber selbst in seiner elektrizitätslosen dunklen Laube angetan. Mac wurde von der Polizei mitgenommen und Nateken erfuhr, dass ihr Schotte kein Schotte war, sondern ein gesuchter Kleinganove aus Eberswalde und dass sie erst einmal auf seine Dienste verzichten müsse. Das ‚Dudelsack‘-Schild verschwand in der Mülltonne und es kehrte wieder die übliche Langeweile in der ‚Goldähre‘-Kastanien-Klause ein.-
„ Guten Tag, Herr Gartennachbar, tönt eine scharfe weibliche Zunge von der Nachbarparzelle links. „Bist du der Gärtner, der jetzt drei Monate den Garten von Brigitte und Bernd pflegt
? Ich fahre erschreckt hoch, „ein Gärtner bin ich nicht und ich weiß nur von drei Wochen Urlaub! Lange Pause. „Sicher hat dir Brigitte und Bernd gesagt, du sollst rechtzeitig die Kartoffeln anhäufeln. Warum tust du das nicht
? Ich wurde vor dieser Helma gewarnt, >bleib cool und mach was sie sagt, dann hast du Ruhe<, sagte mir Brigitte bei der Gartenschlüsselübergabe. Diese Helma weckt sofort ein Bild auf meiner Festplatte von meiner Klassenlehrerin Frl. Diehn aus den fünfziger Jahren. Fehlt nur noch das Bestrafungslineal in ihrer Hand. Damals sagte man zu unverheirateten Frauen immer Fräulein, egal wie alt sie waren. Helmas Blick bohrt Löcher. Meine Redeblockade löst sich schubweise. „Das mit den Kartoffeln krieg ich schon hin, kommt es mir mutig über die Lippen! „Dass die Beiden aber drei Monate in den Staaten bleiben, finde ich verdammt unfair. Es war immer nur von drei Wochen die Rede
. „Haste wohl nicht richtig hingehört, sagt Helma. Bevor sie sich vom Gartenzaun entfernt, hebt sie drohend den Zeigefinger, „und vergiss nicht, die Hecke zu schneiden. Unser Kurt, der erste Vorsitzender, hat ein besonderes Auge auf solche Amateur- Gartengestalter wie dich geworfen. Ach ja, bevor du anfängst zu schnippeln, sieh genau nach, ob da nicht ein Vogel in der Hecke brütet. Deswegen hat es schon mächtigen Ärger gegeben
. Helma winkt mich näher heran, Ganz im Vertrauen sage ich dir jetzt was! Der Rotzlöffel von der Parzelle 81, der Enzo, hat nur Blödsinn im Kopf. Bei neuen Unterpächtern platziert er gern mal Vogelnester in die Hecken. Nur so aus Spaß, verstehst du
? „Und wo liegt das Problem? frage ich Helma nun deutlich verärgert. „Brütet da was, darfst du nicht die Hecke schneiden, Vogelschutz, verstehst du? Schneidest du nicht, hast du Erklärungsbedarf. Jeder Kolonie-Clown spricht dich dann an, damit du endlich die Hecke schneidest
.
Heckenschnitt nur an Blatt-Tagen
Helmas Aufforderung, die Hecke nicht zu vergessen, hatte sich wie ein böser Stachel tief in mein Gedächtnis gebohrt. Meine allgemeine Wohlfühlstimmung sackte mit jeder Stunde immer tiefer.
So sieht also ein Gartenleben aus. Zwei Tage später werde ich Zeuge, wie das Heckenschneide-Virus brutal über die ‚Goldähren‘-Kleingärtner herfällt. Einer fängt an, dann geht es ratz-fatz. Jeder Heckenbesitzer beginnt, seine Hecke zu bearbeiten. Als Spaziergänger getarnt schreite ich mit wachem Blick die Koloniewege ab, um die variantenreichen Schnitt-Techniken zu studieren.
Ich sehe Hecken, die wie mit dem Lineal akkurat zugeschnitten wurden. Hecken, die trapezförmig nach oben
