Diversität gestalten: Erfolgreiche Integration in Kommunen - Handlungsempfehlungen und Praxisbeispiele
Von Bertelsmann Stiftung (Editor)
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Über dieses E-Book
Diese Publikation enthält über 20 Beispiele guter Praxis sowie 10 aktualisierte Handlungsempfehlungen kommunaler Integrationspolitik. Sie zeigt aktuelle Entwicklungen der Kommunen auf, die 2005 Preisträger des gemeinsamen Wettbewerbs der Bertelsmann Stiftung und des Bundesministeriums des Innern waren, und knüpft an internationale Erfahrungen an. Diversität gestalten lautet eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Sie ist längst eine Standortfrage moderner Städte und Regionen geworden. Hierbei stellt sich nicht die Frage, ob Zuwanderung positiv oder negativ ist, sondern, wie kreative Potenziale genutzt werden können und wie der soziale Zusammenhalt verbessert werden kann - will man nicht ein chaotisches Auseinanderdriften der Gesellschaft sowie Perspektivlosigkeit für große Teile der Jugendlichen riskieren. Diese sind schließlich Kinder unserer Gesellschaft. Nicht ihre Herkunft, sondern ihre und unser aller Zukunft sollte das sein, was zählt.
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Buchvorschau
Diversität gestalten - Bertelsmann Stiftung
Diversität als Herausforderung für Kommunen in Deutschland
Warnfried Dettling¹
Als vor fast fünf Jahren die Jury des kommunalen Integrationswettbewerbs durch das Land reiste, um die integrationsfreundlichste Stadt zu finden, da war der beherrschende Eindruck unter den Mitgliedern der Jury, dass die soziale Wirklichkeit in den Kommunen und an der gesellschaftlichen Basis viel weiter ist, als es die politische Rhetorik auf der nationalen Ebene oft vermuten lässt.
Wenn man heute eine Bilanz über die vergangenen Jahre versuchen möchte, so scheinen mir zwei Beobachtungen besonders wichtig zu sein: Die öffentliche Debatte über die Integration von Migranten hat sich konzeptionell weiterentwickelt, und sie hat sich in politischer Hinsicht bewegt. Es gehört zu den Leistungen der Großen Koalition, auf diesem Gebiet einen Perspektivenwechsel eingeläutet zu haben. Es war ein langer und weiter Weg, den die deutsche Politik zurückgelegt hat von jener Tabuisierung, die in dem Satz »Deutschland ist kein Einwanderungsland« zum Ausdruck kam, über die Wahrnehmung der Migranten als Problem für Deutschland bis hin zu der scheinbar beiläufigen Aussage des Innenministers Schäuble, der Islam wie überhaupt die Menschen mit Migrationshintergrund gehörten zur neuen deutschen Normalität.
1 Diversität - eine neue Sicht der Gesellschaft
Konzeptionell zeigt sich die Weiterentwicklung im Denken vor allem in dem Begriff der Diversität, den Sie im Programm dieser Tagung an prominenter Stelle platziert haben. Das ist für den deutschen Diskurs keineswegs selbstverständlich, handelt es sich doch dabei um eine noch etwas holprige Eindeutschung aus dem amerikanischen Englisch. »Diversity« meint mehr als Toleranz und auch mehr als Vielfalt. Dieser Begriff enthält vielmehr eine programmatische Aussage, welche das Denken über das Zusammenleben in modernen Gesellschaften grundsätzlich verändern kann und will. Auf den einfachsten Nenner gebracht lautet dieser Grund-Satz so: Jene Gesellschaften (Parteien, Unternehmen, Bundesligavereine), die mit der Verschiedenartigkeit der Menschen auf eine positive, ja kreative Weise umzugehen verstehen, werden auf Dauer erfolgreicher sein als andere.
Das Konzept der Diversität hat gegenüber anderen Konzepten wichtige normative und praktische Vorteile. Ich kann hier nur die wichtigsten andeuten: Diversität ist umfassender als die traditionelle Politik für Minderheiten, die ja diese Minderheiten immer erst aufzählen (Behinderte, Migranten, Arme, nicht selten auch noch Frauen und Alte) - und damit immer auch etikettieren muss und dabei nicht selten der Gefahr unterliegt, ganz gegen die eigene Absicht die Diskriminierungen zu verstärken. Das Konzept der Diversität verwandelt den Opferdiskurs in eine Diskussion über die Stärken und den möglichen Beitrag der verschiedenen Gruppen. Es kann nun nicht mehr darum gehen, Minderheiten zu isolieren und »Opfergruppen« sozial abzuarbeiten, sondern es geht vielmehr darum, bei der Gestaltung der Gesellschaft (oder der Personalpolitik und der Organisationsentwicklung eines Unternehmens) Rücksicht zu nehmen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse und die je eigenen Stärken der verschiedenen Gruppen. In einer Gesellschaft der Vielfalt und der Verschiedenartigkeit legt das Konzept der Diversität den Nachdruck nicht auf die Wesensmerkmale und die angeborenen Eigenschaften, die scheinbar unveränderlich sind und gegeneinander in Stellung gebracht werden, sondern auf die Beziehungen zwischen diesen Gruppen, die gestaltet werden können und müssen in einer Weise, dass sie für alle von Vorteil sind: für die Alteingesessenen und die neu Zugezogenen, Männer und Frauen, für die Familien und die Singles, die Alten wie die Jungen.
Das Konzept der Diversität eröffnet des Weiteren einen neuen Horizont für das Selbstverständnis von »Mehrheiten« und »Minderheiten«. Wie soll man eigentlich Menschen ohne Migrationshintergrund nennen? Deutsche? Das sind eingebürgerte Migranten auch: deutsche Staatsbürger. Aborigines, Ureinwohner? Das geht natürlich nicht, doch soll die provokante Bemerkung vor allem eines verdeutlichen: In einer Stadt wie Stuttgart oder Frankfurt am Main, in der die Mehrheit der Kinder und Jugendlichen einen Migrationshintergrund hat, macht es keinen Sinn mehr, von den Deutschen als einer homogenen Mehrheit auszugehen, an die sich heterogene Minderheiten anzupassen hätten. Das Konzept der Diversität bringt die neue Realität zum Ausdruck: Moderne Stadtgesellschaften sind eine Summe von Minderheiten, und es kommt darauf an, das Zusammenleben der Unterschiedlichen und Verschiedenartigen optimal für alle zu gestalten.
Das Konzept der Diversität, und das ist ein weiterer Vorzug, lenkt die Aufmerksamkeit schließlich von der unterschiedlichen Vergangenheit auf eine gemeinsame Zukunft. Wenn Menschen, Gruppen oder auch Ethnien in ihrer jeweiligen Vergangenheit oder auch Geschichte gefangen bleiben, werden sich die Konflikte intensivieren, wird eine gemeinsame Zukunft nur schwer möglich sein. Beispiele dafür liefern Scheidungsgeschichten und internationale Konflikte: Solange sich Israel und Palästina nur auf die Vergangenheit beziehen, wird kein Friede möglich sein. Integration bedeutet deshalb immer auch: die verschiedenen Vergangenheiten in einer gemeinsamen Zukunft »aufzuheben«. Was gemeint ist, kann man an jedem Bundesligaverein illustrieren: Worauf es ankommt, sind ein gemeinsames Ziel (möglichst erfolgreich zu sein) und gemeinsame Regeln, nach denen alle spielen, woher sie auch immer kommen mögen. Diversität bedeutet deshalb immer auch, Migranten wie Einheimische in einem gemeinsamen Zukunftsprojekt, der Entwicklung des Landes, zu verbinden, sie in eine gemeinsame Zukunft hinein zu
