Oliver Quamp: oder Der traurige Mond
Von Herbert Schurig
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Buchvorschau
Oliver Quamp - Herbert Schurig
Der traurige Mond
Das war an einem Abend im späten Oktober. Es dunkelte schon. Zu solcher Zeit haben kleine Jungen draußen eigentlich nichts mehr zu suchen. Aber Oliver kam von Lydia, seiner kleinen Verehrten. Er hatte wenigstens einmal beim Mühlespiel gegen sie gewinnen wollen. Deshalb war es so spät geworden. Ja, ja, die kleine Lydia!
Nun aber hieß es, sich beeilen.
Zum Nachbardorf gibt es einen Pfad zwischen Büschen hindurch und am Wald entlang. Man spart viel Zeit, wenn man die bogenweite Landstraße meidet. Oliver beschloss, die Abkürzung zu nehmen.
Er fürchtete sich nicht - auch nicht, als im Dunkel die Umrisse der Weiden und Büsche am Weg als phantastische Ungestalten auf ihn zu traten. Er hatte nur Sorge, den Weg zu verfehlen. Ihn bei dieser Finsternis zu finden, erwies sich als viel schwieriger, denn gedacht. Scheint denn zu solcher Zeit nicht der Mond?
Oliver blieb stehen und schaute zum Himmel auf. Der zeigte sich wie mit einer grauen, dunklen Decke verhängt. Nichts Helles da oben, nicht einmal ein winziger Stern.
Oliver wurde unwillig. „Sag mal, du schöne, alte Mondlaterne, rief er, „ich weiß, dass du dich da irgendwo am Himmel verbirgst! Kannst du nicht für ein Weilchen zu mir heruntersteigen und mich begleiten? Ich komme ja sonst vom Weg ab.
-
„Durchaus. Gern", antwortete der Mond.
Da wurde zuerst ein milchig heller Fleck am Himmel. Dann trat der Mond voll und strahlend durch das Gewölk und kam auf den Jungen zu.
„Nimm einen Stock, so kannst du mich wie eine Laterne führen", riet er.
Oliver schnitt eine Weidenrute, und der Mond hängte sich ihr an, und das sah nun wirklich aus wie beim Lampionumzug.
„Ich danke dir, guter, alter Mond. Du bist sehr freundlich. Nun glänzt gar jeder Stein vom Weg. Es ist schön mit dir."
Oliver schritt munter aus. Bei jedem Tritt wippte die Weidenrute ein bisschen, und der Mond an ihrem Ende wippte mit. So sah es aus, als tanzte er neben dem Jungen einher.
„Es ist auch schön mit dir, kleiner Oliver, bestätigte nach einer Weile der Mond. „Und ein Gefühl sagt mir
, setzte er noch hinzu, „dass vielleicht du es bist, der meine Traurigkeit vertreiben kann." -
„Bist du denn traurig?" fragte der Junge erstaunt.
„Sehr traurig. Sehr, kleiner Oliver." -
„Aber wieso?"
Der Mond schaukelte bedächtig an seiner Weidenrute hin und her.
„Ja, das ist so leicht nicht erklärt, sagte er dann. „Und ich weiß auch gar nicht, ob so ein kleiner Junge ...
Oliver unterbrach ihn: „Worauf es wirklich ankommt, merken wir Kleinen eher, als die meisten Großen. Das kannst du glauben!"
Wieder schaukelte der Mond bedächtig.
„Du hast da vielleicht Recht, überlegte er. „Nun, es hängt mit meiner Schwester zusammen.
-
„Der Sonne?" -
„Ja, der Sonne." -
„Wie kann die Sonne dich traurig machen?" fragte Oliver.
„Von ihr kommen Wärme und Licht. Ohne sie könnten wir nicht leben. Ohne sie kannst auch du nicht scheinen." -
„Aber lieber, kleiner Oliver, rief der Mond, „das ist es ja eben! Schwester und Bruder wir beide, und doch, wie bin ich benachteiligt! Was gelte ich im Vergleich zu ihr? In allem finde ich mich hintenan gesetzt. Sie ist die Große - ich bin der Winzling. Sie herrscht von einem festen Thron. Um sie dreht sich alles. Um mich dreht sich gar nichts. Im Gegenteil: Ich bin verdammt, Zeit meines Lebens um diese Erde zu treiben. Wie ein Sklave fühle ich mich angekettet, wie ein Ochse, der am Göpel seine Kreise zieht. Dabei bin ich doch ein Himmlischer!
Der Mond war bei diesen Worten viel trüber geworden. Kein Stein glänzte mehr vom Weg. Und er wurde noch trauriger:
„Dazu die ewigen Vorschriften!" -
„Was meinst du damit?" fragte Oliver.
„Ja, weißt du es denn nicht?! Wurde doch verfügt, dass
