Zum 127. Mal 3 klasse Krimis für den Strand
Von Alfred Bekker
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Alfred Bekker: Kommissar Jörgensen und der Mord im Bordell
Alfred Bekker: Verschwörung der Killer
Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger
"Dieser Mann muß sterben!"
Das Schwarzweiß-Photo lag auf dem rustikalen
Holztisch und für ein paar Sekunden sagte keiner der Anwesenden ein Wort. Fünf Männer standen um den Tisch herum. Jener, der zuletzt gesprochen hatte, war ein großer, hagerer Mann, dessen Haare wahrscheinlich irgendwann einmal flammend rot gewesen waren.
Jetzt waren sie bis auf ein paar Strähnen völlig ergraut. Seine intelligenten Augen blitzten, als er einen nach dem anderen musterte. Nicht die geringste Einzelheit schien ihm dabei entgehen zu können.
"Ich habe den Mann schon einmal gesehen", brach einer der Männer das Schweigen. "In der Zeitung..." Der Grauhaarige nickte.
"Das kann gut sein. Er ist Richter. Sein Name ist William Doherty."
"Den Namen habe ich schon gehört. Soll ein harter Hund sein."
"Auch harte Hunde werden begraben!"
Alfred Bekker
Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
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Zum 127. Mal 3 klasse Krimis für den Strand - Alfred Bekker
Alfred Bekker
Zum 127. Mal 3 klasse Krimis für den Strand
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Inhaltsverzeichnis
Zum 127. Mal 3 klasse Krimis für den Strand
Impressum
Kommissar Jörgensen und der Mord im Bordell
Verschwörung der Killer
Ein Sarg für den Prediger
Zum 127. Mal 3 klasse Krimis für den Strand
Alfred Bekker
Dieser Band enthält folgende Krimis:
Alfred Bekker: Kommissar Jörgensen und der Mord im Bordell
Alfred Bekker: Verschwörung der Killer
Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger
Dieser Mann muß sterben!
Das Schwarzweiß-Photo lag auf dem rustikalen
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Ich habe den Mann schon einmal gesehen
, brach einer der Männer das Schweigen. In der Zeitung...
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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Bathranor Books, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von
Alfred Bekker
© Roman by Author
© dieser Ausgabe 2025 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Alle Rechte vorbehalten.
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Kommissar Jörgensen und der Mord im Bordell
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Kommissar Jörgensen und der Mord im Bordell: Hamburg Krimi
von ALFRED BEKKER
In Hamburg wurde das erste Roboter-Bordell eröffnet. Die Frauen dort sind täuschend echt aussehende, KI-gesteuerte Roboter. Aber die Freude im Freudenhaus dauert nicht lange. Unbekannte Täter erschießen Tarkan Ülay, den Betreiber des Roboter-Bordells. Wer steckt dahinter? Es gibt viele Verdächtige, zum Beispiel Groß-Lude und Bordellbetreiber Viktor. Fürchtete er die Konkurrenz durch die Roboterfrauen für sein Geschäft? Oder die Gender-Feministische Moral-Kampfgruppe Hamburg
, deren Mitglieder in der Existenz von Roboter-Prostituierten eine Erniedrigung von Frauen sehen. Auch verdächtig: Der geniale Programmierer Matthias Saatenkamp, der die Steuer-KI der Roboterfrauen entwickelt hat, aber um sein Patent betrogen wurde. Und was ist mit Hamburgs Edel-Hure Nummer Eins, die eine wütende Internet-Kampagne gegen das Roboter-Bordell inszenierte und androhte, den Betreiber zu töten?
Kommissar Jörgensen muss ermitteln.
Prolog: Die kalten Lichter der Sehnsucht
Inmitten der pulsierenden Stadt Hamburg, versteckt in den stillen, nebligen Gassen von St. Pauli, gab es einen Ort, der sowohl futuristisch als auch verstörend zugleich war. Ein Ort, der von Technologie und menschlicher Begierde gleichermaßen zehrte – Tarkans Roboter-Bordell. Die Tür war unscheinbar, kaum zu erkennen zwischen den alten Backsteinhäusern, jedoch strahlte das Schild darüber in kaltem, blauen Licht: Elysium.
Als die schwere Tür sich öffnete, umfing den Besucher eine Mischung aus beruhigender Musik, sanften Lichtern und einem unwirklichen, fast übernatürlichen Gefühl. Der Empfangsbereich war makellos – Metallwände, die in einem silbrigen Glanz funkelten, und Möbel aus weißem Leder, so perfekt platziert, dass sie eher Kunstobjekten in einem Museum glichen als gewöhnlichem Mobiliar. Alles schien darauf ausgelegt, die Sinne zu beruhigen und gleichzeitig eine fremdartige Spannung zu erzeugen.
Ein kleiner, diskreter Roboter rollte heran, seine Augen künstliche Edelsteine, die funkelten wie echte. „Willkommen im Elysium, sagte der Roboter in einer melodischen, beruhigenden Stimme. „Ihre Wünsche werden hier zur Realität. Bitte folgen Sie mir.
Der Roboter führte den Besucher durch einen Korridor, dessen Wände scheinbar in endlosen Spiegeln verschluckt wurden, sodass Raum und Zeit zu verschwimmen schienen. Türen auf beiden Seiten führten zu privaten Räumen, die in unterschiedlichen Themen gestaltet waren – von viktorianischen Salons bis hin zu minimalistischen, hypermodernen Suiten. Jeder Raum ein eigenes Universum, geschaffen, um die geheimsten Fantasien zu erfüllen.
In einem dieser Räume, der „Zen-Paradise-Suite", stand Yalana, die neueste und begehrteste Kreation des Bordells. Sie war ein Meisterwerk der modernen Technik – makellose Haut, die sich überraschend natürlich anfühlte; Augen, die wie zahllose Sterne funkelten, programmiert, jede Emotion nachzuahmen. Ihre Bewegungen waren anmutig und fließend, beinahe menschlich, doch das subtile Summen ihrer inneren Mechanik ließ den Besucher niemals vergessen, dass sie ein Produkt der Technologie war.
„Guten Abend, begrüßte Yalana und verneigte sich leicht. Ihre Stimme war sanft, jedes Wort präzise und perfekt moduliert. „Was ist Ihr Begehr? Ich bin hier, um Ihre Sehnsüchte zu stillen.
Es war diese Mischung aus Künstlichkeit und Perfektion, die die Kunden in ihren Bann zog. Ein Versprechen, dass im Elysium alles möglich war; dass hier keine Grenzen existierten. Doch unter dieser perfekten Fassade lauerten Schatten. Trotz der glänzenden Oberfläche und der Illusionen der Perfektion war Elysium ein Ort menschlicher Einsamkeit, eine kalte Reflektion der Sehnsüchte und Begierden, die Maschinen niemals wirklich erfüllen konnten.
Während der Besucher die Suite verließ, spielte leise Musik im Hintergrund. Der flüsternde Klang eines Klaviers, das sanft eine melancholische Melodie spielte. Es war ein bittersüßer Abschied aus einer Welt, die nur für einen Moment existierte, geschaffen, um Erfüllung zu bringen, aber letztlich nur die Unvollkommenheit des Menschen aufzeigte.
Und draußen, in den dunklen Gassen von St. Pauli, bewegten sich die Schatten der Nacht. Zwischen den Wetten und den Versprechen herrschte eine prekäre Balance, die bald zu Ende gehen würde. Denn in dieser Stadt, wo Licht und Dunkelheit ineinandergriffen, warteten bereits die Klingen der Wahrheit und der Verrat.
Jede Stadt hat ihre Geheimnisse, und Hamburg war keine Ausnahme. Doch hinter jeder Maske, hinter jeder Technologie, lag eine unaufhörliche Suche nach dem, was wirklich fehlt: die reine, unversiegelte Menschlichkeit. Heute war Elysium ein weiteres Stück in diesem Schachspiel, ein Spiegel der Zeit und ein Vorbote der Ereignisse, die bald folgen würden.
Ein neues Drama begann, und die kalten Lichter der Sehnsucht leuchteten härter und heller als je zuvor.
Plötzlich, ein dumpfer Schlag, das Geräusch von berstendem Glas, und das hektische Aufblitzen von Alarmlichtern rissen die ruhige Atmosphäre entzwei. Ein maskierter Mann stürmte durch die Türen des Elysiums, seine Silhouette wurde nur kurz von den roten, pulsierenden Lichtern erleuchtet. In einer Hand hielt er eine Pistole, in der anderen ein Stück Papier, das er fest umklammert hielt.
„Alle auf den Boden! Jetzt!" schrie er mit einer Stimme, die vor Adrenalin vibrierte. Die wenigen Anwesenden, die das Spektakel bisher in einer Mischung aus Faszination und Ambivalenz beobachtet hatten, warfen sich nun panisch auf den Boden, ihre Körper zitternd vor Angst und Unsicherheit.
Yalana stand mitten in der Zen-Suite, einen Augenblick lang wie eingefroren. Doch ihre Programmierung zwang sie zur Verfügbarkeit. „Wie kann ich Ihnen behilflich sein?" fragte sie, ihre Stimme unerschütterlich sanft, fast ironisch angesichts der Situation.
„Halt den Mund, du verdammtes Blechstück! fauchte der Eindringling und richtete die Waffe auf sie. Seine Stimme bebte vor unausgesprochener Wut und Schmerz. „Wo ist Tarkan? Ich will Tarkan Ülay sehen, jetzt!
Im Hintergrund, hinter einer schweren Tür, aus deren Rahmen das kalte blaue Licht des Firmenschildes herausflutete, stand Tarkan Ülay. Seine Augen verengten sich, als er die Eskalation vor sich beobachtete. Mit einem tiefen Atemzug und einem seltsamen Spiel seiner Mundwinkel wandte er sich einem Notfallknopf zu.
„Hier spricht Tarkan Ülay, hallte seine Stimme klar und kontrolliert durch die Lautsprecher des Gebäudes. „Was möchten Sie von mir, mein Freund?
„Du weißt ganz genau, was ich will! schrie der Eindringling zurück, seine Stimme überschlug sich beinahe. „Du hast mein Leben zerstört. Du hast uns alle zerstört!
Tarkan blieb hinter der sicheren Barriere seines Büros, während seine Augen sich in die Kamera bohrten, die den Maskierten aus verschiedenen Winkeln filmte. „Ich kann Ihnen versprechen, dass wir eine Lösung finden können, wenn Sie nur ruhig bleiben und mit mir sprechen. Lassen Sie die Waffe fallen, und wir werden alles besprechen."
„Lügen! schrie der Mann erneut und hob die Waffe ein wenig höher, sein Arm zitternd. „Du verdienst es nicht länger, hier zu stehen und dein verdammtes Geschäft zu betreiben, während Menschen wie ich zugrunde gehen!
In diesem gespannten Augenblick waren alle darauf konzentriert, was als nächstes geschehen würde. Jeder Atemzug, jedes Zucken konnte den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Es war in diesem Moment, dass die Tür des Elysiums mit einem lauten Krachen aufgerissen wurde und mehrere Polizisten das Gebäude stürmten, Schilde und Waffen im Anschlag.
„Waffe fallen lassen! Hände hoch!" schrie einer der Polizisten, seine Stimme wie ein schneidendes Messer durch die angespannte Luft.
Der Maskierte stand einen Augenblick lang wie versteinert, dann wandte er sich abrupt um und richtete die Waffe auf die Polizei. Ein Blitz aus Feuer und Metall folgte, der dumpfe Knall eines Schusses.
Der Mann taumelte rückwärts, seine Waffe entglitt seinen Fingern, und er fiel zu Boden, Blut aus einer Wunde in seiner Schulter spritzend. Augenblicke später war er von Polizisten umringt, seine Hände hinter seinem Rücken fixiert.
„Klar soweit", sagte einer der Polizisten in sein Funkgerät, während sich der Rest umsah, um sicherzustellen, dass keine weitere Bedrohung bestand. Die Anwesenden wurden nacheinander beruhigt und in Sicherheit gebracht.
Tarkan ließ sich zurücklehnen, als der Adrenalinschub langsam abebbte. Er beobachtete, wie der verletzte Mann abgeführt wurde, dessen Gesicht jetzt deutlich vom Schmerz gezeichnet war. In diesem Augenblick, trotz der Gefahr, die er für sich sieht, zog sich ein kalter Schauer des Bedauerns durch seinen Körper. Das war nicht das erste Mal, dass jemand mit solcher Verzweiflung Einlass begehrte. Und es würde nicht das letzte Mal sein.
„Machen Sie alles klar, befahl Tarkan an die technischen Mitarbeiter, die in den Gängen des Elysiums standen. „Wir können es uns nicht leisten, dass etwas aus dem Ruder läuft.
In diesem Moment wurde Tarkan von einem Gedanken geplagt, der ihn schon lange verfolgte: Die fragile Balance zwischen dem, was er geschaffen hatte, und dem menschlichen Bedürfnis nach echten Verbindungen. Er wusste, dass er auf einem Vulkan tanzte, der jederzeit ausbrechen könnte.
Hamburg war voller Geheimnisse und Schatten, und die Welt, die Tarkan Ülay geschaffen hatte, war bald der Katalysator für eine Kette von Ereignissen, die niemand vorhersehen konnte. Und während die Polizisten die Stille wiederherstellten und die letzten Spuren der Gewalt beseitigten, legte sich die bekannte, aber trügerische Ruhe über das Elysium.
Doch hinter den Fassaden und den künstlich erzeugten Träumen begann ein neues Kapitel. Ein Kapitel, das bald enthüllen würde, wie tief die Verbindungen liefen, wie stark die Schatten wirklich waren, und welche Konsequenzen der Griff nach künstlicher Erfüllung wirklich hatte.
Der Vorhang öffnete sich, und das Drama nahm seinen Lauf.
Kapitel 1: Der Fall Tarkan Ülay
Hamburg hatte schon viele ungewöhnliche Tage gesehen, doch dieser begann nicht nur mit dem Duft von frischem Kaffee und dem Geräusch tropfenden Regens. Irgendetwas fühlte sich anders an. Mein Name ist Uwe Jörgensen, und jede Geschichte hat einen Anfang. Dieser hier begann im Herzen der Hansestadt, im Polizeihauptpräsidium Hamburg.
Uwe, hast du das schon gehört?
Roy Müller, mein Partner und langjähriger Kollege, grinste mir zu, als er mir eine Zeitung über den Schreibtisch warf. Die Schlagzeile lautete: Hamburgs erstes Roboter-Bordell eröffnet – die Zukunft der Erotikindustrie?
Und was ist daran so spannend, Roy?
fragte ich lakonisch, ohne wirklich aufzuschauen.
Es ist explodiert, Uwe. Letzte Nacht. Jetzt haben wir den ersten Fall einer Mordermittlung in einem Roboter-Bordell.
Ich setzte meine Kaffeetasse ab und starrte ihn an. Das war wirklich neu.
Erzähle alles, was du weißt
, befahl ich, während ich mir die Zeitung nahm und die Details durchlas.
Der Betreiber des Bordells, Tarkan Ülay, wurde letztes Nacht erschossen gefunden. Direkt im Empfangsbereich, als ob der Täter sicherstellen wollte, dass er sofort gefunden wird. Die forensische Abteilung ist bereits dort, aber es gibt größtenteils nur zerstörte Roboterfrauen und eine unglaubliche Menge Blut.
Das Polizeihauptpräsidium war unser zweites Zuhause. Mit seinen kahlen Gängen, den durchgehenden Neonlichtern und den unermüdlich klingelnden Telefonen war es ein Ort, der sich sowohl vertraut als auch unpersönlich anfühlte. Doch in solchen Momenten war er unverzichtbar.
Unser Vorgesetzter, Kriminaldirektor Jonathan Bock, erschien plötzlich an der Tür unseres Büros. Sein Gesicht hatte den Ausdruck von jemandem, der wusste, dass er gleich unangenehme Aufgaben verteilen musste.
Uwe, Roy, der Fall Ülay ist jetzt eurer. Der Druck von der Presse ist enorm. Klärt das schnellstmöglich auf.
Roy und ich nickten. Es war Zeit, unsere Sachen zu schnappen und den Tatort zu inspizieren.
Der Regen ließ die Straßen vor uns verschwimmen, als wir in unserem Dienstwagen zum Tatort fuhren. Hamburg konnte kalt und abweisend sein, aber ich fühlte stets eine gewisse Wärme in diesen altvertrauten Straßen und engen Gassen. Hier stand die Zeit nie still.
Das Palais der Zukunft
, das Roboter-Bordell, sah von außen aus wie ein gewöhnliches Gebäude. Nur ein unscheinbarer Leuchtschriftzug wies darauf hin, was sich hinter der Fassade verbarg. Als wir eintraten, wurden wir vom Geruch verbrannter Elektronik und viel zu menschlichem Blut begrüßt.
Die forensischen Ermittler waren bereits dabei, Spuren zu sichern. Unter den zerstörten Robotern und den Spuren des Kampfes lag Tarkan Ülay, sein Gesicht zu einer grotesken Maske des Chaos verzerrt.
Schlimmer, als ich gedacht habe
, murmelte Roy und ich konnte die Zustimmung in meinem Blick nicht verbergen.
Wir drehten uns zu einem der forensischen Techniker um. „Was haben Sie bisher herausgefunden?"
Der Mann, mit grauem Haar und schwerer Brille, musterte uns kurz ehe er antwortete: „In etwa das, was Sie hier sehen. Das Opfer wurde aus nächster Nähe erschossen. Wir haben mehrere Einschusslöcher gefunden, wahrscheinlich eine halbautomatische Waffe. Keine verwertbaren Fingerabdrücke oder DNA-Spuren bisher, aber wir suchen weiter."
„Und was ist mit den Robotern?" fragte Roy und deutete auf die leblosen Körper.
„Die meisten sind ziemlich hinüber, sagte der Techniker. „Wir versuchen, aus den noch funktionsfähigen Teilen Daten zu extrahieren. Vielleicht haben sie etwas aufgezeichnet.
Während die Techniker weiterarbeiteten, drehten Roy und ich uns um und betraten das Büro des Opfers. Es war schlicht und funktional eingerichtet. Ein Schreibtisch, ein Computer, einige Papiere – nichts Auffälliges. Doch unter dem Schreibtisch fand ich einen Notizblock mit wirren Skizzen und Notizen.
Es war klar, dass dieser Fall uns in die dunkelsten Ecken von Hamburgs Unterwelt führen würde. Der Mord an Tarkan Ülay war mehr als nur ein gewöhnlicher Gangsterkrieg. Wir mussten herausfinden, wer ihn so sehr fürchten oder hassen musste, dass sie ihn aus dem Weg räumen wollten.
„Lass uns die Verdächtigenliste durchgehen," schlug Roy vor und ich stimmte zu. Unsere ersten Verdächtigen: Viktor, ein Groß-Lude und Bordellbetreiber, der womöglich die Konkurrenz durch die Roboterfrauen fürchtete. Die Gender-Feministische Moral-Kampfgruppe Hamburg, die sicher keinen Hehl daraus machte, das Bordell als Erniedrigung für Frauen zu sehen. Und Matthias Saatenkamp, der geniale Programmierer, der wahrscheinlich eine Menge Groll hegte, nachdem er um sein Patent betrogen wurde.
Unser Tag war lang, und wir wussten, dass die Nacht noch viel länger sein würde. Der Fall Tarkan Ülay versprach, mehr zu sein als nur eine weitere offene Akte in unseren Schubladen.
Aber das war unser Leben. In der Stadt des Lichts und der Schatten mussten wir jetzt herausfinden, wer den Lichtschalter umgelegt und Ülay aus dieser Welt gerissen hatte.
Kapitel 2: Erste Spuren
Zurück im Hauptpräsidium wärmten wir uns mit frischem Kaffee auf, während wir die ersten Hinweise sortierten. Der Regen hatte nicht nachgelassen, und die Fenster spiegelten die unaufhörlich fallenden Tropfen wider, die wie eine Kapitulation des Himmels aussahen. Solche Tage brachten die Schwere von Hamburgs Seele ans Licht.
Viktor scheint mir der Naheliegendste,
sagte Roy und warf einen Blick auf das dürftige Dossier des Groß-Luden. Er hat genug Motive. Konkurrenzdruck, Wut auf die Umstellung von Fleisch und Blut zu Metall und Silikon.
Nicht zu vergessen, dass Viktor kein Unbekannter für uns ist,
fügte ich hinzu. Seine Hände sind selten sauber.
Plötzlich erschien Kriminaldirektor Bock in der Tür, seine Stirn in sorgenvolle Falten gelegt. Was habt ihr bisher?
Bisher haben wir lediglich drei mögliche Verdächtige. Aber nichts Konkretes,
erwiderte ich.
Beschleunigt die Sache. Die Presse fängt bereits an, sich für den Fall zu interessieren, und das letzte, was wir brauchen, ist, dass sie uns im Nacken sitzen,
sagte Bock und verschwand ebenso schnell, wie er gekommen war.
Mit einem schweren Seufzer und einem letzten Schluck Kaffee machten wir uns an die Arbeit. Roy begann mit dem Durchforsten der aktuellen Datenbanken über Viktor und seine Verbindungen, während ich mich mit der Gender-Feministischen Moral-Kampfgruppe Hamburg beschäftigen wollte. Es war eine radikale Gruppe, die vor allem für ihre unkonventionellen und oft gewaltsamen Protestmethoden bekannt war.
Es dauerte nicht lange, bis Roy eine Adresse für Viktors Stammbordell fand. Ich habe seinen aktuellen Aufenthaltsort herausgefunden – Lass uns hinfahren und sehen, ob er uns eine Minute seiner Zeit schenkt.
Als wir uns wieder in unseren Dienstwagen setzten, spürte ich eine leichte Vorahnung. Nun, beim ersten Licht der Dämmerung, wirkte Hamburg wie ein schlafender Riese, bereit aufzuwachen. Wir durchquerten die Stadt und erreichten bald ein heruntergekommenes Gebäude im Rotlichtviertel von Sankt Pauli. Das Bordell, das Viktor betrieb, war wenig einladend, aber darüber wunderte ich mich nicht.
Wir klopften an die schwere Metalltür und ein muskulöser Türsteher öffnete uns mit einem abweisenden Blick. Ja?
Kriminalpolizei. Wir müssen mit Viktor sprechen,
sagte Roy bestimmt und hielt dem Mann unsere Abzeichen hin.
Der Türsteher zögerte kurz, trat jedoch beiseite. Drinnen stritten sich Neonlichter mit dem dichten Zigarettenrauch, was dem Ganzen einen unwirklichen, fast surrealen Anstrich gab. Viktor saß an einem runden Tisch im hinteren Teil des Raumes, eine Zigarette in der einen Hand und ein Glas Whisky in der anderen.
Hey, Uwe, Roy. Lang nicht gesehen,
begrüßte uns Viktor mit einem sardonischen Lächeln. Was führt euch in mein bescheidenes Reich?
Das Bordell von Tarkan Ülay,
sagte ich ohne Umschweife. Er wurde letzte Nacht ermordet.
Na sowas,
sagte Viktor und zog an seiner Zigarette. Da hat wohl jemand seine Roboterfrauen nicht gemocht.
Wir wissen, dass du ihn nicht besonders mochtest. Vielleicht wolltest du die Konkurrenz loswerden,
sprach Roy weiter und setzte sich ihm gegenüber.
Viktor lachte trocken. Wisst ihr, es stimmt, ich fand seine Idee ziemlich abgefahren. Aber Mord? Gebt mir einen Grund, warum ich meine Zeit damit verschwenden sollte, ein paar Maschinen Konkurrenz zu machen.
Vielleicht weil du gesehen hast, dass deine Kundschaft abwandert,
sagte ich ruhig. Wir wollen einfach nur wissen, wo du letzte Nacht warst.
Hier,
sagte Viktor stoisch. Fragt meine Mitarbeiter. Keiner von ihnen wird lügen.
Wir befragten einige seiner Angestellten, und tatsächlich bestätigten alle, dass Viktor
